er erfährt nicht- au8 feinem Heimatgebiet, mit dem er eng verbunden ist, und die Vorgänge in der Welt, die doch auch für ihn von Wichtigkeit sind, rauschen vorüber, ohne daß er sich in seiner Lebenseinrichtung daraus einstellen kann.
Welche Lehre ist aus dieser kurzen Dettach- tung zu ziehen, was muh sein? Einzig und allein der Grundsatz: Zu jedem Kulturmenschen des 2 0. Jahrhunderts gehört eine Zeitung, die ihre Bezieher den Erfordernissen des heutigen Wirtschaft s ka m p f e s entsprechend unterrichtet! Zu den sorgfältig geleiteten, mit besten Informationen ausgestatteten Prvvinzblättern gehört der Gießener Anzeiger. Gr ist äls >oberhessi s che Heimat- P rovinzb la tt, er bringt seinen Lesern alle wirtschaftlichen, poli- tischen unö sonstigen Aach richten lückenlos. Die aufmerksame tägliche Beobachtung unseres Blattes wird jeden, der hierüber noch im Linklaren ist, davon überzeugen, da st der Gießener Anzeiger seinen Lesern ein aufmerksamer Führer und Berater in den Wirrfalen der heutigen Zeit ist, daß er sich bestrebt allen seinen Freunden eine starke Stütze und kräftige Förderung zu fein.
Versandverbot für Fabrikkartoffeln.
WTB. meldet: Da bereits aus einzelnen Landesteilen über erheblichen Wagenmangel Klagen vorliegen, hat sich das Reichs- ministerium für Ernährung und Landwirtschaft entschlossen, zwecks glatter Durchführung der Wintereindeckung der Bevölkerung mit Kartoffeln bei dem Reichsverkehrsminister ein vorübergehendes Berfandverbot für Fabrikkartoffeln zu beantragen. Bom 1. bis 15. Oktober einschließlich soll der Versand von Kartoffeln nach Stärkefabriken, Flockenfabriken, Trocknereien und Brennereien mittels der Eisenbahn unterbleiben.
** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 20. September: der Lehrer AlohS Brunner zu Bobstadt zum Lehrer an dker katholischen Volksschule zu Hosheirn, Kreis Bensheim; der Schulamtsanwärter Wilhelm Müller aus Holzheim zum Lehrer an der Volksschule zu Langd, Kreis Gießen. Ernannt wurden am 21. September mit Wirkung vom 1. April 1922 an der Amtsdiener Konrad Weis zu Friedberg zum Amtsgehilfen bei dem Kulturbauamt Friedberg, und der Amtsdiener August Krebs zu Gießen zum Amtsgeh.ilfen bei dem Kulturbauamt Gießen. Ernannt wurde am 25. September der Studienassessor Karl Schmidt aus Gießen, zur Zeit an der deutschen Realschule tn Rio de Janeiro, zum Studienrat mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 ab. Ernannt wurde am 27. September der Lehrer Johann Müller zu Griesheim zum Lehrer an der Volksschule zu Brensbach, Kreis Dieburg. Ernannt wurde der Kassengehilfe Georg Darmstädter zu Darmstadt zum Steuerbctriebsassistenten. Durch En- schließung des Landesamts für das Bildungswesen wurde der Studienreferendar Dr. Irene Schopbach zum Studienassessor mit Wirkung dom 1. Oktober 1922 ab ernannt.
" Zum Jahresbericht der Ge- werbeaufsichtöbeamten für 1 922. Die für den diesjährigen Jahresbericht der Gewerbeaufsichtsbeamten erforderlichen Erhebungen sollen in gleicher Weise wie in den Vorjahren vorgenommen werden. Für jeden Gewerbebetrieb ist von demiGewerbeunterneh- mer selbst ein besonderer Fragebogen nach demStandam 2. Oktober 1 922 auSzu- füllen. Die Bürgermeistereien und Lokal- Polizeibehörden werden diese Fragebogen ungesäumt an die in Betracht kommenden Personen verteilen.
** Verlängerte Frachtbriefmuster. Durch Verordnung des Reichsver- kehrSministers vom 31. August ist die am 30. September ablaufende Frist für die Verwendung der jetzt gültigen Frachtbriefe bis zum 31. März 1 923 verlängert worden.
— Höhere Strahenbahnsahrpreise treten von morgen ab in Kraft. Die billigste Fahrt kostet in Zukunft 5 Mark. Roheres finden unsere Leser im heutigen Anzeigenteil.
** Die Preise für den elektrischen Strom sind der Verschlechterung unserer Wirtschaftslage entsprechend erhöht worden. DasLicht wird 23 Mk., die Kraft 18 Mk. per Kilowattstunde kosten.
** Die Gas- und Wasserpreise sind mit Wirkung vom 1. Oktober ab erneut erhöht worden. Das Gas kostet künftig 20 Mk. je Kubikmeter, das Wasser 10 Mk. je Kubikmeter. Weiteres ist aus der Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil ersichtlich.
** Die Trockenanlage des Elektrizitätswerkes ist bis einschließlich Mittwoch nächsteJ Woche geschloßen.
"Fünfundzwanzig Jahre betfebtmorgen, 1. Oktober, das Pensionat und Handarbeitsschule Landmann Hierselbst. Die Anstalt hat in dieser Zeit sehr Ersprießliches geleistet. 4740 Schülerinnen sind in Weißnähin, Handarbeiten, Kunsthandarbeiten und Hauswittschaft unterrichtet worden. Davon stammen 1860 aus Gießen, die übrigen aus der näheren und weiteren Umgebung der Stadt. Don mancher früheren Schülerin besuchen jetzt wieder die Töchter die Ans! alt.
** Oberhessischer Kunst verein. Die Ausstellung für Grabmalkunst hat gestern noch eine wertvolle Bereicherung erfahren, indem noch eine Anzahl künstlerischer Entwürfe bekannter Bildhauer und Architekten hinzugekvmmen ist. Wie nicht anders zu erwarten, hat diese Ausstellung allseitiges Interesse gefunden. Alle ausgestellten Werke, darunter auch diejenigen von unserem einheimischen Künstler. Bildhauer I. K ö d d i n g, und die Kollektion des Landschaftsmalers F. Riemschneider -Berlin, bleiben nur noch 8 Lage einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt.
D e n i s e l o s und sich nach berichtet eine
An die Leser des Gießener Anzeigers!
Der Septemberpreis des ZeitungSpapierS hat leider für den Oktober eine weitere Erhöhung um 40% erfahren; ein zweimaliger Lohnzufchlag in dieser Zeit tritt hinzu, so daß eine entsprechende Erhöhung des Bezugspreises auch für die unterzeichneten Zeitungen nicht zu umgehen ist.
Oberhesstsche Zeitung, MSfeld
Bad-Aauheimer Zeitung
Hinterländer Anzeiger, Biedenkopf
Allgemeiner Düdinger Anzeiger Butzbacher Zeitung Dill-Zeitung, Dillenburg Reue Tageszeitung, Friedberg Oberhesstfcher Anzeiger, Friedberg Gießener Anzeiger »
Oberhesstsche Volkszeitung, Gießen Grünberger Anzeiger Herborner Tageblatt Hungener Landpost Lauterbacher Anzeiger Oberhesstsche Zeitung, Marburg Hessische Landeszeitung, Marburg Aiddaer Anzeiger Schlitzer Bote Schotten er KreiSblatt Weilburger Tageblatt Wetzlarer Anzeiger.
Der Bezugspreis des Gießener Anzeigers betragt für den Oktober 102 Mark und 8 Mark Tragerlohn, bei den Abholestellen in Gießen 107 Mark; für die Einzelnummer 5 Mark, Samstags 6 Mark.
Aus dem Reiche
Der Gewerkschaftsbund über die Wirtschasts- lage.
Berlin, 29. Sept. Der Ausschuß des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes hat in seiner heutigen Sitzung eine Entschließung zur Wirtschaftslage, in der eine Amderung der Wirtschaftspolitik m der Richtung zur Gemeinwirtschaft gefordert wird, angenommen. Es sei eine Wirtschafls- organisation herbeizuführen die der kapitalistischen Ausbeutung durch Privatmvnopol ein Ende macht und den wahren Zweck einer organisierten Wirtschaft, die Deckung des Bedarfes der Gesamt- bevölkerung, zur Erfüllung bringt Der Ausschuß verkennt jedoch nicht, daß die Hauptsache de/ wirtschaftlichen Rotlage des deutschen Boltes in dem auhenpoli ti schen Druck liegt. In ilebereinflimmung mit dem Besch uß des englischen GewerkschaflscongrefseS fordert deshalb der Ausschuß des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, daß im Interesse des Wiederaufbaues Europas die Gewaltpolitik gegen Deutschland endlich aufhört und der Weg zu einem wahren Frieden der Versöhnung der Völker eingefchlagen werden muß.
Aeuhinzutretende Bezieher erhalten vie bereits erschienenen Fortsetzungen des Romans
„Die Hsrrveghs"
kostenlos nachgeliefert.
ohne Ausnahme zu beschützen, Unruhestifter, toefr cher Partei sie auch angehören, werden exemplarisch bestraft.
Paris, 29. Sept. (WTB.) Von griechischen venrselistischen Kreisen wird heute die Meldung von der Verhaftung des Königs Konstantin dementiert.
Georg II.
Athen, 29. Sept. (WTB.) Havas Der Kronprinz hat vor dem Rat der zurückgetretenen Minister gestern nachmittag unter dem Ramen Georg II. den Eid geleistet.
Ein unparteiisches Kabinett.
P a r i S, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Athen hat der Führer der Aufständischen, General P l a st i r a s, dem englischen, dem französischen und dem amerikanischen Gesandten Besuche abgeftattet. Es sei ein großes, die Führer sämtlicher Parteien umfassendes Komitee gebildet worben, das ein unparteiisches Kabinett bilden soll. Beschlossene Sache fei bereits, daß General H a r a- l a m b i s das Kriegs- und Admiral Hadhi- ch r i st v n das Marineministerium übernehmen sollen. Carakanvs, der früher zu den D^rise-- listen gehörte, wird wahrscheinlich Ministerpräsident werden.
Heutiger Stand des Dollars
10 Hhr vormittags:
Berlin 1620—1625, Frankfurt 1625—1635
Veniselos.
Pari», 29. Sept. (WTB.) hat gestern abend Paris verlassen London begeben. Er wird, so Rachrichtenagentur, mit Lord Curzon eine Unterredung haben und hofft, Sonntag abend wieder in Paris zu fein.
Die VölKerbundsversammlung.
Genf, 29. Sept. (WTB.) Die Völkerbundsversammlung genehmigte fjeute nachmittag den Haushalt des Völkerbundes, d. h. die Kredtte für die Versammlung, das Generalseireta- riat, das Arbeitsamt und den Internationalen Gerichtshof sowie für die technischen und beratenden Organisationen, die 24 933 508 Goldfranken ausmachen, wozu noch em Nachtrag von 690 000 Goldfranken für 1923 tritt. Rach den Angaben des Berichterstatters entfallen auf England 2 645 000, Frankreich 2 172 000, Japan 2033000, China bzw. 1 810 000, Italien 1 698 000, Spanien 1 114 000 Goldfranken. Im Lause der Aussprache wies Sir James Allen auf die Rotwendigkeit schneller Zahlung der rückständigen Beiträge hin, die bis Ende 1921 noch 7,5 Millionen Goldfranken betrugen. Mehrere südamerikanische Delegierte mahnten zu größter Sparsamkett, da die Budgetfrage sonst den Bestand des Völkerbundes bedrohen würde. Starke Meinungsverschiedenheiten äußerten sich anläßlich des französischen Mttrages, den für die internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit vorgesehenen Betrag von 50 000 Franken auf das Doppelte zu erhöhen. In der Abstimmung, in der England und, mit Ausnahme Indiens, die Dominions gegen die Erhöhung stimmten, wurde mit 25 gegen 12 Stimmen die Erhöhung bewilligt. Auf Antrag Schwedens soll aber die endgültige Entscheidung hierüber dem Rat Vorbehalten werden. Endlich ermächtigte die Versammlung den Präsidenten, der Schweiz in einem besonderen Schreiben den Dan kauszusprechen für die kostenlose Ueberlafiung freier Bauplätze für das Internationale Arbeitsamt und ein Versammlungshaus des Völkerbundes. Die Versammlung wird morgen vormittag zur Wahl der sechs nichtständigen Mitglieder des Völkerbundsrales schreiten und nachmittags die österreichische Frage behandeln, die heute noch den Rat be- schäfttgte, da noch in den Einzelheiten Meinungsverschiedenen bestehen sollen. Daraus soll die dritte Tagung der Dolkerbundsversammlung ihren Abschluß finden.
Die Finanzregelung mit Belgien.
Paris, 29. Sept. (WTB.) Der Brüsseler Korrespondent des „Temps" meßet ' es verlaute, daß die belgische Regierung die auf die Diskontierung der Sechs mo- natswechsel Deutschlands bezüglichen Maßnahmen zu einem befriedigenden Abschluß geführt haben. Die am 15. August und 15. September fällig gewordenen 100
Eine zweite Entschließung toenbet sich gegen die kommunistischen Gewerkschaftszerstörer, und stellt fest, daß der von der Kommunistischen Partei geforderte Reichsbetriebsräte- kongreh lediglich kommunistischen Parteizwecken dienen soll.
Lohnerhöhungen für die Bergarbeiter.
Berlin, 29. Sept. (WTB.) Im Reichs- arbeitsministeriam fanden unter dem Borsitz des preußischen Staatsministers Severing die Schieds- Verhandlungen über die Lohnregelung für den rheinisch-westfälischen Stein- ko ylenbezirk statt. Der Schlichttrngsausschuß fällte einen einstimmigen Schiedsspruch, der für die Bergarbeiter des Ruhrbergbaues eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 150 Mark je Mann und Schicht mit Wirkung ab 1. Oktober vorsieht. In biffer Lohnzulage ist die Erhöhung der sozialen Zulage auf je 20 Mark einbegriffen. Heber die Annahme des Schiedsspruchs haben sich die Parteien bis zum 1. Oktober zu erklären.
AebertrM zur Deutschen Dolkspartei.
Aach einer Meldung der „Köln. Ztg." hat der frühere demokratische Abgeordnete Heckscher seinen Hebertritt zur Deutschen Bolkspartei mit der Begründung vollzogen, daß nach der Einigung der sozialistischen Parteien nichts notwendiger fei als eine bürgerliche Sammlungspolitik unter Führung der Deutschen BolLpartei.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 30. September 1922.
Wenn man keine Zeitung hält.
Die durchs die schweren Wirtschaftsverhältnisse erzwungene Heraufsetzung des Zeitungsabonnementspreises hat manch» jahrzehntelangen Abonnenten der Zeitungen zu dem Entschluß geführt, von dem weiteren Halten ihres Blattes abzu- sehen. Das ist keine Ginzel-, sondern eine All- gemeinbeobachtung aller (Bettungen, von den größten bis herab zu den kleinsten.
Was haben aber jene Leute gewonnen, die da meinen, wegen des höheren, lediglich durch die erdrückende Macht der ll^chällnisse bedingten Bezugspreises die Zeitung abbestellen zu sollen? Sind sie jetzt, da sie meist zeitungslos sind, im Dorteil oder haben sie Schaden? Gewiß, durch den Verzicht auf die Zeitung behalten sie monatlich einen Hundertmaickschein mehr im Besitz. Die „Sparsamen" glauben, mit dem Hinzufügen des monatlich mehr behaltenen Scheins zu den übrigen schon gesammelten reicher zu werden, und sie übersehen dabei ganz, daß doch auch ihre angesammelten Geldscheine durch den andauernden Riedergang unserer Gesamtwirtschaft immer mehr an Wert verlieren. Die „Rurhaushaltsrechner" meinen, mit dem einen Hundertmarkschein mehr im Monat über des Lebens Röte hinwcgkommen zu können, und sie denken nicht daran, daß in den dreißig Tagen beä Monats viel Geld zwecklos ausgegeben, direkt verplempert wird, wofür sie sich die Zeitung sehr gut hatten könnten. Wer recht überlegt, wird sich sagen, daß das Sparen an der offentlid^n Unter» richtung, der Zeitung, tatsächlich das Sparen am unrechten Platze ist. Richtig betrachtet kann man von einem Vorteil des Zeitungslosen beim Verzicht auf sein Blatt nicht sprechen.
Aber man trage auch nicht, uns abzustretten, daß diejenigen sich direkt schädigen, die keine Zeitung halten. Wer keine Zeitung hält, lebt eben abgeschnitten von allem Geschehen, allen geiftigen und wirtschaftlichen Veränderungen blind in den Tag hinein. Das Erzählenhören in Wirtschaften u. dgl ist fein Ersatz für die Zeitung. Wer auf das Blatt vernichtet, schädigt sich selbst, denn er sHaltet sich aus von den wichtigsten Insor- ma tionsquellen des t äglichen Lebens, er kann sich nicht darüber unterrichten, wie die Warenpreise sind, wo man billiger einfauft, wo man vorteilhafter seine Ware aoseht, in welchen Fällen man Vorsicht üben muß und bei welchen Gelegenheiten herzhaft und schnell zuzugreifen ist;
Verhaftungen ehemaliger Minister.
Paris, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Athen sind die Minister deS ehemaligen Kabinetts GunariS, Stratos, ProtopapadakiS, Gudas und Theotokis fe st genommen worden. Die öffentliche Meinung mache sie für die Vorgänge in Kleinasien verantwortlich und verlange ihre Aburteilung. Eine Militärkommis- sion unter Leitung der Obersten PkaetiraS und GvnatoS habe vorläufig die Degierungsgewalt übernommen. Sie habe mit Pen venizelisti- schen Führern Fühlung genommen, ohne daß eS gelungen wäre, sich mit ihnen über die Bildung eines neuen Kabinetts zu verständigen.
Das Borrncken der Türken.
Angora, 29. Sept. (WTB.) Das letzte amtliche Communique besagt, daß die Stadt Ahrabjik von den nationalistischen Truppen beseht worden ist.
Weiter wird gemeldet, die militärische Besetzung des westlichen Kleinasiens sei beendet.
Französische Verhandlungen mit Kemal Pascha.
Paris, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Adana verlautet aus Srnhrna, daß FranklinDouillongestern an Bord des Kreuzers „Metz" angekommen ist. Abends habe er «ine Hnterredung mit Mustapha Kemal Pascha gehabt, der der Innenminister Feth Bey, der Äußen- minister Zussuf Kemal Bey, und Ministerpräsident Rauf Dey beiwohnten. Franklin Bouil- .lon werde heute mit Muftapha Kemal Pascha mach Angora abreisen.
r Eine Revolte in Bulgarien?
Paris, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Konstantinopel soll Bulgarien vor der offenen Revolte stehen. Man fürchte, daß die Reste der Wrangelschen Armee, die sich noch in Bulgarien aufhalten, an dem Aufstand teilnehmen.
Millionen Gokdmark, die in zehn Wechsel ringele ilt sind, konnten in verschiedenen englischen amerikanischen und schweizerischen Privatbanken diskontiert werden. Die Ramen dieser Institute und der Diskontsatz sind noch nicht bekannt.
Brockdorff-Ranchau Botschafter in Moskau.
Berlin, 29. Sept. (Wolfs.) Wie wir Horen, ist Goas Drockdorff-Rantzau als Bot- schaster in Moskau tn Aussicht genommen worden. Er dürfte seinen Posten im Saufe des Oktober antreten.
Die österreichische Frage.
Genf, 29. Sept. (Wolff.) Der Völkerbund s r a t hat gestern nachmittag eine geheime Sitzung abgehalten, um über den Bericht des mit dem Studium der österreichischen Frage betrauten Fünserausschusses zu beraten. Die italienische Garantie für die Anleihe ist, wie man hört, nunmehr auch gesichert. Die italienische Antwort traf gestern morgen in Genf em. Damit wären vier Fünftel der Anleihe an Oesterreich durch Frankreich, England, die Tschechoslowakei und Italien gerantiert. Hnter den Staaten, die die eGeearaMiee für das letzte Fünftel übernehmen, werden hier die Schweiz und Belgien genannt.
Ein Abkommen zwischen Kanada und Sowjetrutzland.
London, 29. Sept. (WTB.) Rach einer Dlätterrneldung aus Moskau ist in London zwischen Vertretern der kanadischen Regierung und der Sowjetregierung ein Abkommen unterzeichnet worden, durch das Kanada Tellnehmer an dem englisch-russischen Abkommen von 1921 wird. Eine russische Handelsdelegation unter Führung von Wakew werde sich nach Kanada begeben.
Die Dorksernährungsfrage im preußischen Landtag.
Berlin, 29. Sept. (WTB.) Im preußischen Landtag erklärte Landwirtschaftsminister Wenborft Das erste Erfordernis für die Zufriedenheit des Bolles ist die Versorgung mit einer ausreichenden Menge Brot. Die Getreideumlage muh also voll zur Durchführung gebracht werden. Die 2 Vs Millionen Tonnen müssen der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Der Durchführung stehen persönliche und sachliche Widerstände entgegen. Es gibt Landwirte und Organisationen, die sich nicht restlos in den Dienst der Allgemeinheit stellten. Die preußischen Landwirtschaftskammern haben sich nicht entschließen können, an den Vorarbeiten für die Hmlage so mit» zuwirken, wie ich es für ihre Pflicht erachtet hätte. Die sachlichen Schwierigkeiten liegen in der ungünstigen Witterung und im Gmteausfall, der gegen das Vorjahr um 21,9 Prozent geringer geschätzt wird. In Preußen ist ein Rückgang der Anbaufläche um nahezu 100 000 Hektar eingetreten. Der Minderertrag der Ernte dürfte 1,9 Millionen Tonnen Getreide ausmachen. Der Landwirtschaft wird dadurch tatsächlich die Auf- bringung der Hmlage außerordentlich erschwert, um so mehr, als der Hmlagepreis für das erste Drittel als durchaus unzureichend anzusehen ist. Im Reichsgesetz wird das Verhältnis oes Hm® lagegetreides zum freien Marktpreise etwa wie 1 zu 2 zugrunde gelegt; letzterer beträgt zur Zeit aber das Reun- bis Zehnfache. Die Rach- Prüfung des Gesetzes muß sobald wie möglich flattftnben. Auch bei einer Erhöhung auf das Drei- und Vierfache hätte die Landwirtschaft schäft davon noch keinen Geldgewinn. Die Erhöhung ist auch nötig, um der Landwirtschaft die Wiedcrerzeugungskosten der neuen Ernte wenigstens in gewissem Hmfange zur Verfügung zu stellen. Die Kartoffeln haben die Anbaufläche der Vorkriegszeit noch nicht wieder erreicht. Das Reichsministerium hat das Brennen von Kartoffeln wesentlich eingeschränkt. Für Zucker dürfen sich die Hebelstände oeS ablausenden Jahres nicht wiederholen. Entsprechende Vorsorge wurde getroffen. Eine Vorlage an den Reichsrat soll die Länder in den Stand setzen, die erforber» liche Menge Mundzucker aufzubringen, ohne den ganzen Apparat der Zwangswirtschaft auszubieten. Der Handel hat sich erboten, dafür zu sorgen, daß jeder das nötige Quantum Muwdzucker beim Kleinhändler erhält. Am 15. Oktober soll die Sache in Kraft treten. Auch die Verbraucher sollen in den Organisationen vertreten sein; ferner wird ein Reichskommissar mit Vetorecht bestellt werden. Vom 1. Oktober ab sollen die Butterauktionen verboten Werdern
Das Gutachten den Hnterausschusses für Landwirtschaft und Ernährung vom 22. September über den Entwurf der Verordnung über den Verkehr mit 3 u der im Betriebsjahre 1922/23 wurde mit der Abänderung bestätigt, daß die Kopfquot von 1 Kg. DerbrauchZzucker zunächst auf li/< Kg. erhöht werden soll.
Ein Vertreter des Handelsministeriums legte die Gründe dar, die zur ($nt ipertung der Mark führten urtb erklärte, das Gesetz über den Devisenhandel solle einer Reform unterworfen werden. Die Reichs- und die preußische Regierung seien bestrebt, den Handel mit ausländischen Boten möglichst zu bekämpfen und unzulässige Elemente von der Börse fernzuhalten.


