Ausgabe 
30.5.1922
 
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Die Sakramentshex.

Roman von Marie Kerschensteiner.

31. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Lenes verstörter Blick suchte Heiners Auge. (Sr las darin den stummen Dorwurf: sieh doch, das Wunder rührt d i e nicht i

Heiner prehte ihre Hand.Tat nichts!" raunte er il-r zu. »Wcnn's nur uns zaubrig hüll!" Somit suchte er Lene in die Sakristei zurück- zudrängen, sie unter des Pfarrers Schuh zu bergen, bis er mit den Bauern gerechnet hätte. Sie aber vertraten ihm hitzig den Weg.

And toenn's auch gleich dem Schulmeister seine ist!" schrien sie. ..Sie kommt uns nit aus."

Tieferschrocken sah Heiner wie die Erregung wuchs. (Ss gelüstete ihn, dreinzuschlagen, doch beherrschte er' sich. Er sah, mit Leideskraft würde er der Aeberzahl der Burschen nicht Herr. Be­schwichtigen irai)>te er sie. Die überlegne Persön­lichkeit ihiten zeigen. Das schien ihm der emsig gongbare Weg.

»Platz da!" herrschte er die Leute an.

Der besehlshabe.ische Ton erbitterte nnch mehr. Sie Droi-ungen fielen jetzt auch gegen ihn. Enger, bedruckender umzingelte die auf­gebrachte Botte das Paar.

Der Pfarrer eilte aus der Sakristei herbei und suchte, das Kreuz in cher erhobenen Hand, die Mauer der Amstehenden zu durchbrechen. Die Ehrfurcht vor dem Kreuz liest "die Leute einen Augenblick verstummen. Laut tonte setzt Heiners Stimme durch den Baum: »Was habt ihr für Klagen gegen mich und gegen dieses Weib?" fragte er beherrscht, wenn auch mit weihen Lippen.

Ein Heremnensch ist ed! Raas mutz es, wir dulden's nit!"

..Nehmt eure Worte in acht!" drohte H'iner. ..Bor den Bichtern müstt ihr damit: Bit dem Eid musst ihr sie belegen!"

Alleins!" zeterte der Weberhannes.Den Schneebruch hat es vom Himmel gerissen! Fürch° tig hat es getobt. Ich hab's gesehen, Schul­meister. glaubt's!"

ilnb den Waldsackererbub, he?" fuhr einer dazwischen.

Sen hat es behext." ergänzte der Hannes. Sem Alois seine Mutter hat es gesehen!"

»Hört nic^t auf den AltweilerÜatsch," wandte Heiner sich jetzt an die Burschen.Lasst uns Männer fein und vernünftig miteinander reden. Diese Frau ist Pfarrer Schlossers Pflegekind. Ich will jetzt nicht untersuchen, welche Schuld'das Dorf gegen sie aus dem Gewissen hat! Ich for­dere euch nur auf. euch der Guttaten zu er­innern die ihr alle von ihm empfangen habt! Der Augenblick ist da. euch "dankbar zu er­weisen. ßo^t dem Pflegekind dieses Mannes Gerechtigkeit widerfahren. Der ist kein rechter Kerl, der sich "durch Weibergerede ins Bockshorn lagen ?uht. Lasst Lene in Frieden adlet euch leben und prüft mit eigenem Auge und eigenem Berstand ihren Wandel, so, wie es Männern ziemt . . . Ich stehe für sie eint Mein Geben will ich euch zum Pfand geben, bah euch durch sie kein Leid geschieht!"

Heiners Worte verfehlten den Eindruck nicht Sie erhobenen Hände sanken nieder, unschlüssig standen die jungen Bauern und wussten nichts zu erwidern.

Kühn gemacht durch den sichtlichen Erfolg, wollte Heiner ein übriges tun.Brütern!" rief er aus, .ihr haltet zu mir gegen Dummheit und Aberwitz! . . . Ich jäNe auf euch! Dem Recht lafck uns die Ehre geben, gegen wen es «mch sein! . . . Und i t unter euch einer, kenn 2ene Schaden getan hat. dann trete er vor und bewstle es!

Stille folgte. Heiners sicherer Blick streifte über die Menge. Schon gl.tubr ? er sich des Sieges ' yennb. Da bahnte sich ein Bauer mit der Schulter! den Weg durch die Am'tehenden. Grobschlächtig!

und patzig stellte sich der Krugwirt vor den Lehrer hin.

Ihr, Krugwirt?" fragte Heiner erstaunt.

Der Alois nahm nicht Nottz von ihm. Zu den Dörflern gewendet. Hub er wutbebend an: Dach mir mit eines das Auge da is blind ge­west. wie ich nächtens durch die Heide bin, ihr wist t's! . .

Und dann mit dem Finger auf Lene deutend: Die Sakramentshek ist es gewest!"

Beweist cs!" herrschte Hei <er ihn an.

3a, beweis es, Krugwirt! Beweis es! schrien sie durcheinander.Dem Becht will der Schulmei'.er, sollen wir die Ehre geben, gegen wen es fei!

Bor dem Kruzifix soll sie bezeugen, ob ich lüg' ober nit!"

Aller Augen wandten sich der jungen Fraa zu. wie die vortrat, aller Furcht bar! Wie sie den Blick in des Krugwirts Gesicht bohrte! Stolz war in ihrem Wesen ausgeprägt und der gall dem Sieg, den sie über sich errungen. Denn die M<aier ihres Herzens hatte standgehallen, der Leidenschaft zum Trotz, die wahren-) des Aus­tritts daran gerüttelt batte. Das machte sie ge­trost. Das Opfer vielleicht gelang s!

Ohne Amschweife schob sie das Kreuz zur Seite. »Ich brauch' keinen Schwur," sagte sie stolz,ich bericht die Wahrheit alleinig!"

Lene, wäge jebed Wort!" mahnte Heiner leise.Alles hängt von dir ab!"

Ich hab' es aber doch getan, sagte sie, dir keine übertünchten Wahrhrien kannte, mehr zu ihm als zu den Dauern gewandt.

Das Auf lärmen der Bauern übertönte noch Heiners Berzweislunzsschrei.Lene Sie ist von Sinnen, glaub: ihr nicht!" grifi Vr mit Aufbietung aller Kraft in den cuHbraufcnben Sturm ein. Seht sie doch an. wie jung sie ist. fast noch ein Kino. Habt ihr je gehört, bah ein Weid einen Mann bezwingt, ihn zum Krüppel schlägi? Dec von euch glaubt, bah ihm selbst so ein Märletn

Ur. 125 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Dienstag, 50. Mai V)22 v1-----

Aussprache über Genua im Reichstage. Die Rede des Reichskanzlers.

Berlin. 29. Mai 1922

Die heutige BeichStagssitzung. deren Beginn um eine Stunde hmauegeschoberi öorben ist. weist die an groben Tagen übliche starke Besetzung des baaleS und dec Tribünen aus Aus der Tages- onhnung steht alS einziger Punkt:

Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung.

Präsident Loebe erösfnet die Sitzung um 21 Ähr und erteilt dann dem Reichskanzler' das Wort.

Reichskanzler Dr. Wirth:

lieber die Pariser Der Handlungen, die jetzt in vollem Fluh sind, können hier im Plenum wei­tere Mitteilungen noch nicht gemacht werden Wir wiederholen an dieser Stelle den tiefgefühl­ten Dank an Das italienische Doll und' die italie­nischen Staatsmänner für das, was sie während der Genueser Konferenz für die Welt getan haben. Die Genueser Konferenz sollte ein Wellkongreh sein und alle Doller sammeln, die zum Teil ein­ander kriegerisch gegenüberstehen. 5Hefe Aufgabe ist zunächst wesentlich eingeschränkt worden ourch das Fernbleiben Amerikas. Dann wurde das Programm der Konferenz so reduziert, dah sie nicht mal die europäische Krise in ihrer Gesamt­heit behandeln konnte und dah die herrschenden Doller nicht einmal in den offiziellen Sitzungen die '.Wahrheit über die europäische Krise hören konn­ten. Aber trotzdem das Programm reduziert wor­den ist, müssen wir allen denen dankbar sein, die mit zäher Energie den ursprünglichen Ge­danken, die Dölker zusammenführen, über die Dochen bei Genueser Konferenz hinausgetragen haben. Es ist aewih kein ungewöhnlicher Dorgang, wenn ich Englands Führer für dieses Durchhalten der Konferenz nicht im Namen des deutschen Dolles allein, sondern aller Dölker, die in Be­drängnis sind, den Dank ausspreche. (Lebhafter Beifall bei den Mehrheitsparteien.) Trotz aller Schwierigkeiten hat die Konferenz einen groben Dcrteil gebracht, der darin liegt, dah wir zum erstenmal auf einer Konferenz alS Gleichberech­tigte erschienen sind. (Lachen rechts.) In vielen nicht offiziellen Unterredungen mit fremden Staatsmännern ist auch das Beparationsproblem erörtert worden. Die offiziellen Besolutionen, die daS Ergebnis der Genueser Konserenz bilden, wer­den für uns und hoffentlich auch für die anderen Staaten die Richtlinien der Politik bilden. Wir haben Politik gemacht im Sinne der europäischen Verständigung. Wir waren gleichberechtigte Mit­glieder dec hochpolitischen Kommissionen und AnterkrmmisNonen und es ist uns gelungen, hier (inen französischen Dorstvh abzuwchcen, bet uns auf die Bolle der kleinen Staaten in der neutralen Welt beschränken wollte. Es hat sich im Verlauf der Debatte herausgest^It, dah neben dem Be­griff des Obersten Rates sich eine neue Union gebildet hatte, der Dertreter der einladenden Mächte angehörten und es stellte sich heraus, dah die einladenden Mächte mit Buhland Der- banblungen begonnen hallen, denen wir mit größter Serge entgegensähen mussten. Das war lein Irrtum der deutschen Polllik sondern pslicht- gemaheS Handeln, dah wir selbständig ver­sucht haben, die russische Frage zu losen. Ser Vertrag von Bapallo ist ein ehrliches aufrichtiges Friedens werk, ein wirklicher Frie­de ns vertrag ohne Sieger und Besiegte, die voll- tommene Liquidierung der gegenseitigen Forde­rungen zweier Länder aus bem Kriegszustände. Diejenigen auf der Gegenseite, die sich am meisten über den Dertrag erregt haben, haben durch ihre eigene Politik zum Zustandekommen dieses Den- träges am meisten beigetragen, Unbedingt war eine neue Formulierung der gegenseitigen Be­ziehungen erforderlich Der Kanzler verliest den Wortlaut des Artikels 116, der Ruhland alle Rechte aus dem Dersailler Dertrag vorbehält und fährt dann fort: Das ist die verhängnisvolle politisch bedeutsame Klausel, die uns vor die pslichtmähige Notwendigkeit stellte, mit Ruhland zu einem Ausgleich zu kommen. Die Wiederauf­nahme der diplomatischen Beziehungen ist nur die Bekräftigung der bereits seit einem Jahre be­stehenden vertragsmähigen wirtschaftlichen Be­ziehungen. Lloyd George hat in seiner Unterhaus- rede den Dertrag von Rapallo einen grohen Irr­tum und einen politischen Fehler Deutschlands be­zeichnet. Es kommt aber auf den Standpunkt an,den man in der europäischen Politik einnimmt, ob der

Dertrag wirklich ein Irrtum oder ein Fehler axn. Wenn, wie Lloyd George sagte, dir Stim- iining in Genua zu dem Dertrage führen müßte, dann liegt der Fehler nicht au) unserrr Seile. Lloyd George bot auch die Well gewarnt, bas deutsche und da- rusti'che Doll licht zur Ter- .weislung zu treiben. Der Dertrag von Rapallo ichlietzt aber Line Absichten irgendwelcher agrel- llver Art in sich. Er will mir einen Strich unter L/fc Vergangenheit machen. Bct den Arbeitern der ganzen Welt hat dieser Ter trag als das erste grobe Fliebenswert noj) dem Kriege Anerckrn- irung gesunden. Es bedeutet auch feine Ein­mischung in die inneren Verhältnisse des anderen Lar:des. Der Dertrag hat kein geh.iineS 3-1- !ahabkornmen irgendwelcher Art, etwa militän- scher Art. Wir beQbliöligen, den ganzen Ter­trag Ihnen in der nächsten Zeit mit der Bittr im die r-ersaffuT^gsmä' ige Genehmigung vorza- legen, ilnfere vermittelnde Tätizkei.' in Grn ia ist sowohl von Rußland wir von den West­mächten anerkannt worden. Wir haben versucht, eine Brücke zwischen der östlichen und der west­lichen Aufsagung zu schlagen. Wenn das in Ge­nua zum Abschluh gekommene Werl durch eine Tagung der Sachverfiän.igen Im Haag f orige, ect wird, sind wir bereit, wenn es gewünscht wird, aber nur, wenn es gewünscht wird, unsere selbstlose Termittlerrrlie ou richtig und ehr­lich sortzusetzen. Ein Torso blieb bet Gedank» des Gottes friedens, der so groß und erhaben, wie die Genueser Konferenz ieiofl, in der vvrgeschla- genen Form für da deutssche Doll sehr schmerz­lich gewesen wäre. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist kein Gottesfrieden, wenn man anderen Völkern Europas den Frieden brfilert, das deutsche Dolk aber der Saicktionspolitik ausgesetzt läht. Die Welt ist noch nicht reif dafür, einzufehen, bah die Uebernyinbung wirtschaftlicher Kriien mit Ge­walt unmöglich tfi Trotzdem begrüben wir die zustandegekommene Treuga Sei in Heiner Form als einen wichtigen Schritt vorwärts. Auch wir wollen gern dabei helfen, den Gedanken des Welt­friedens einer festen Gestalt zuzuführen. Soll das aber geschahen, so brauchen wir Sicherheit dafür, dah in der Reparationsfrage nicht immer bas Samvklesschwerl einer Politll auf Termin über unS hängt. Wir bitten Sie, unsere Politik zu unterstützen, die zum Ziele hat, eine Befriedung Europas und damit wirklichen Frieden für das deutsche Doll zu erzielen! (Lebhaster Beifall.)

Abg. Mül l er-Franken (6oz): Das Ergeb- nis von Genua muhte bescheiden sein, weil unter dem Druck der französischen Regierung die wich­tigsten Probleme, vor allem das ReparationS- problem, gestrichen wurden. Wir bedauern die ge­hässige Art Darthous gegenüber Deutschland. Ton anderen Ländern ist anerkannt worden, dah die Wurzel allen Hebels der Dersailler Dertrag ist. Der Abschluh des deutsch-russischen Abkommens hat seine Arsache darin, dah in Genua selbst gegen den Geist von Genua verstohen wurde. (Sehr neb­lig.) Llvvd George sieht heute ein, dah Europa nur durch den Wiederaufbau Ruhlands gesunden kann. Die Drücke nach dem Osten kann dieser Der­trag bilden, wenn er verbunden wird mit der Ver­tragserfüllung nach Westen. Wir Sozialdemokra­ten würde jede Regierung stürzen, die es wagen wollte, militärische Geheimabkommen abzuschliehen. Die Entente könnte solche Geheimabkommen durch einen wahren Töl-erband verhindern. (Beifall.)

Abg. Marx (Ztr.): Der bescheidene Fort­schritt von Genua hätte nicht erreicht werden tonnen ohne die Koalitionspolllik. (Beifall bei den Mehrheitsparteien. Lachen rechts.) Wir schließen uns dem Dank an das italienische Doll an und gedenken besonders dankbar des lebhaften Interesses, das der Papst an einem friedenfor­dernden Erfolg der Genuakonferenz genommen hat. Rur der angestrengten Sätigfeit der Herren Rathenau, Sünnes und anderer ist es einiger» mahen gelungen, den im Ausland herrschenden Nebel der Ankenntnis über Deutschlands wirt­schaftliche Lage zu zerstreuen. Deutschland hat al8 einziger von allen Staaten eine praktische Deute von Genua heimgebracht, in dem Dertrag von Rapallo. Eine enge Verbindung mit Ruh­land ist von uns wiederholt gefordert worden. Wir hegrühen den Dertrag wegen seiner grohen wirtschaftlichen Bedeutung und danken der Regie­rung für ihre schwierige und erfolgreiche Tätig­keit in Genua. (Beifall.)

Um 4 Ahr wird die Weiterberatung auf Dienstag 2 Ahr vertagt.

Der neue Desoldun splan für die städtischen Beamten.

Zur Ergänzung unseres gestrigen Berichtes über die Stadtverordnetenversammlung am ver­gangenen Samstag teilen wir nachstehend Den Besoldungsplan für d i e städtischen Beamten mit, wie er mit Wirkung vom 1. April 1922 ab in dieser Sitzung beschloßen wurde. Die städtischen Beamten sind von nun ab wie folgt gruppiert, wobei die mit (") bezeich­neten Stellen für ihre Person die Bezüge der nächst höheren Gruppe erhalten:

Gruppen 1 und 2 bleiben unbesetzt, da cic für diese Gruppen in Betracht kommenden Per­sonen im Ardeiterverhälrnis beschäftigt werden.

Gruppe 3: 4 Amtegehilfen (**), 2 Haus­meister an den Schulen (*), 1 Amtsgehilse am Schlachthof (**).

Gruppe 4 4 Amtsobcrgehilfen, 2 Haus­meister an den Schulen, 1 Amtsgehilse beim Gas­werk, 2 Feldschüyen, 1 Maschinist beim Wasser­werk (*). 10 Verwallungsassisten.'en. 2 Dauassi- enten, 37 Polch,eiwach'.Mttstcr (nach der staatlichen Regelung), 1 Daumwart (*). (Don den Amts- obergehilfen erhalten 2 für ihre Person die Be­züge der Gruppe 5.)

Gruppe 5: 11 Derwaltungsoberassistenten. 3 Dauoberaniste.tten, 1 Botenmeister. 1 Obergärt­ner. 3 Feldschützen, 1 Förster (nach der staat­lichen Regelung), 38 Polizeiwachtmeister (wie vor­her). 1 Wiesenmeister ("). 3 Hallenmeister, 1 Ver­mittler beim Arbeitsamt.

Gruppeö: 15 Derwaltungssekretäre, 1 Dau- sekretär, 2 Pfandmeister (von denen einer für seine Person nach Gruppe 7 besoldet wird), 1 Gar­tenmeister. 5 Werkmeister, 1 FrischofverWalter, 1 Feldlchühmeister, 3 Polizei- bzw. Kriminalober­wachtmeister (nach der staatlichen Regelung), 2 Förster, 1 Oberhallenmeister, 1 Eichmeister beim Elektrizitätswerk.

Gruppe 7: 15 Derwaltungsoberfekretäre. 2 Bauobersekretäre, 5 Oberwerkmeister. 1 Polizei­kommissar (nach der ftaatL Regelung).

Gruppe 8: 14 Derwaltungsinspektoren.

6 Bauinspeltoren, 1 Detriebsinspektor beim Elek­trizitätswerk und der Strahenbahn, 2 Dermes- sungsinspektoren.

Gruppe 9: 15 Derwaltungsoberinfpektoren. 5 Dauoberinspektoren, 1 Detriebsoberinspettor b. Elektrizitätswerk und der Strahenbahn, 1 Be­triebsoberinspektor beim Gas- und Wasserwerk, 2 Derrnessungsoberinspektoren.

Gruppe 10: 3 Derwaliungsamtmänner (Dor­stände des Wohlfahrtsamtes, des Rechnpngsamtes und des Wohnungsamtes), 1 Dauamtmann. 1 Der- mefsungsamtmanii.

Gruppell: 1 Derwaltungsdirektor, 1 Stadt­kassedirektor.

Gruppe 12: 1 Stadt baudirektor, 1 Direktor des Elektrizitätswerks und der Strahenbahn, 1 Di­rektor des Gas- und Wasserwerks, 1 Schlachthos- diretvr.

Gruppe 13 ist gefallen.

Das Inkvasttreten dieses Desoldungsplanes hängt nun von der Genehmigung der Re­gierung ab, deren Entscheidung man auch, wie wir vernehmen, die Frage überlassen hat, ob für diejenigen Beamten, die die zweite städtische Prü­fung bzw. Staatsprüfung abgelegt haben, die Eingangsgruppe dieselbe sein soll tote für die entsprechenden Staatsbeamten, nämlich Gruppe? oder Gruppe 8, tote die städtischen Beamten for­derten. Wie weit im übrigen die Forderungen dieser Beamten erfüllt und wie weit sie abgelehnt wurden, zeigt am besten etn Vergleich mit dem ursprünglich von der Stadtverwaltung vorgelegten Entwurf, der in Nr. 99 (2. Blatt) desSiebe­ner Anzeigers" vom 28. April mitgetellt wurde. Indem wir auf den dort erschienenen ArtikelDie neuen Gehaltsforderungen der städti­schen Beamten" verweisen, müssen wir nunmehr, nachdem über die Dorlage selbst und die Der- handlungen über sie genügend Klarheit herrscht, den Derfasser des genannten Aussatzes gegen den Toitourf derbewußten Unwahrheit", der ihm in einer Entgegnung in Nr. 104 des(Siebener Anzeigers" gemacht wurde, noch nachträglich in Schuh nehmen. Auch möchten wir auf Grund eingezogener Erkundigungen eine frühere Bemer­kung dahin ergänzen, dah von einer nurvertrau­lichen Mitteilung" des Entwurfs an die Stadt­verordneten keine Rede war. Es wäre jedoch in allseitigem Interesse gelegen, wenn in Zukunft derartige wichtige Angelegenheiten der Bürger­schaft von berufener Stelle aus vor der endgül­tigen Erledigung zur vollen Kenntnis gebracht

wurden. Diele Dlihverfkändnisse würden auf die­sem Wege vermieden werden, ganz abgefchcn da­von. bau eS. zumal in einem demokratisch regier­ten 'Staat, auf die Dauer nicht angc.'i, in solche« den Säckel der Steuerzahler empfind -ä de rühren­den Dingen Öre Bürgerschaft vor vollendete -eat» fachen zu stellen

Der feierliche Abschluß des Kirchenbundes in Wittenberg.

epd Wittenberg. 25. 'Mai.

Turmblasen -nd ö'.urrendesingen leiteten den Geburtstag d.L Kirchcnbundes ein. Wollenvcrhan- gen war der Himmelsahrlstag angcbrod^ i. bi>> im Lause des Dormittags die Früylinge.fon e sieg­reich durch die Wolken drang ein Bild deS Weges der eoangel'.sch?n Kirchen durch Nacht zum Licht. Weitere Gästc haben sich inzwischen ein­gefunden, der preuhische Äultu5mlnifiei Boelitz, die evangelischen Zugendverbändc der Provinz Sachsen, für die ein befonberer, von Oberkvnsisto- rialrat Dr. Sibelius gehaltener ZugendgotteS- diettst stattfindet Don den nordischen Bruder­kirchen . Erzbischof Svederblom- llpsala. den Bischöfen von Ehristtaniu, WiSby, Lund u a sind Glückwunschtelegramme eingclausen

Die Teilnehmer am Kirchgang - Ter tretet der Landeskirche und Ehrengäste, Geistltche. G:ne- ralsuperintendenten, Bischöfe tm Ornat, Magistrat und Stadtverordnete, die kirchlichen Tereine Wit­tenbergs, die Schwestern des Katharinenstiftes in ihrer lleidsameu Tracht usw. - bcrfammelten sich auf dem Lutherhofe. Nach einer kurzen schlichten Feier in Luthers llZohnstttbe setzte sich der Zug unter Torantritt der Zugend mit ihren Fahnen und Wimveln ihre Beteiligung an dem Fest ist ein besonders verheihungsvolleS Zeichen für den Kirchenbund unter dem feierlichen Geläut der Glocken und Posaunenllängeu nach der Schloh- kirche in Bewegung, wo um 10 älhr der Fest - gottesdienst begann.

Sie fein auf die Bedeutung der Stunde ein* gestimmte Festliturgie hielt der Thüringer Lan- desoberpfarrer D. Reicha rdt, Eisenach. Die Festpredigt über Matth 28,20 hatte der bayrische Kirchenpräsident D Tel t, München, eine beson­ders markante Erscheinung unter den anwesenden kirchlichen Führern, übernommen. Nach der Pre­digt richtete der Dorsitzende des Deutschen Evan­gelischen KirchcnausschusseS, Präsident D. Möl­ler, Berlin, an die Bevollmächtigten die Auf­forderung, im Namen und Auftrag ihrer Heimat- kirchen nunmehr den Beitritt zu dem Kirchenbund feierlich ft zu beurkunden. Hierauf traten nachein­ander die 40 anwesenden Dertreter von sämtlichen 28 deutschen Landeskirchen, angefangen mit der grössten, der Landeskirche der ältesten preuhifchen Provinzen bis zur kleinsten, der evangelischen Kirche des Landesteils Birkenfeld unter leisem Orgelspiel an die Grabstätte Luthers vor und voll­zogen hier auf einem Tisch au8 der Lutherstube unter Anführung von Dibeiworten ihre Unter­schrift unter Bundesverfassung, Bundesvertrag und Dollzugsprolokoll. Nachdem der letzte unter­zeichnet hatte, ergriff Präsident D. Möller noch einmal das Wort: Der Deutsche Evange- lischeKirchenbundistnunmehrrechts- gültig zum Abschluh gebracht. Seine Gründung hat stattgefunden an einer der Refor­mation geweihten Stätte, an den Gräbern unserer Reformatoren. Damit wollen wir bekunden, dah es sich um chr Werk handelt, und geloben, an ihrem Erbe unverbrüchlich festzuhalten. 2llS äuheres Wählzeichen Vieles feierlichen GelübdeS bat er, währens die Gemeinde sich erhob, an dem Grab Martin Luthers und Philipp MelanchthonS Kränze ehrfurchtsvollen dankbaren Gedenkens niederlegen zu wollen. In dem machtvollen Halle- lujah von Händel flang der festliche Akt aus.

Von der Tätigkeit der Nothelferinnen.

Ans gtng folgender Bericht zu:

Am 27. März erfolgte die Einberufung einerNothelferinnen-Gruppe" der Ortsgruppe Darmstadt, zwecks Einsatz auf der Zeche Gustav bei Detttngen (Main). Die Gruppe sollte die durch das Fernbleiben der Köchinnen in Frage gestellte Verpflegung der Nothelfer übernehmen Die Anforderung in Darmstadt erfolgte um Ahr, um Vz6 Ah» sollte der Abmarsch zur Dahn stattfindeir. Für die Leiterin der Frauengruppe war eS

begegnen könnt? Wer von euch besähe nicht Knochen genug, sich zu wehren? Glarbt Lear nicht. Sie hat es dem Krugwrrt zum Spott ge­sagt, weil sie von früher her Grund hat, höse auf ihn zu sein! Oder tote, Krugwirt? Wärt Ihr wirllich so ein Hasenfuh, der sich nicht zur Wehr setzt, wenn ein Mädel ihn angrrift? Wollt Ihr zum Gespött des ganzen Dorfes werdrn? Gebt doch zu, da') Ihr gelogen habt!"

Der Krugwirt hörte das Kichern der Dirnen unb die Stimme der Blonden, die ihm übet wollte:In ein Gistkraut fei er gefallen, hat er dazumal bericht'!." And er sah ein, bat) er in eine Sackgasse geraten war. Schnell wog er den Dorteil und Nachteil gegeneinander ab und ent­schied sich ohne Zögern für den Rückzug. Er rieb sich die Stirn, als ob er vom Schlaf erwache. Was rede ich denn daher," log er frech,auf- gekniert hab' ich ihr und hab' sie verwaltt.» And hernach bin ich in ein Gistkraut gefallen, das mir ins Auge gekommen ist!

Alle sahen sie, dah er log. And Heiner be­merkte mit Schrecken aus Lenes Stirn die senkrechte Falte, die ein Dorbvte von Anheu war.Schweig still. Lene," riet er,jetzt hab' ich den Krugwirt in der Hand und führe alles za einem guten Ende. Das Opfer, vergis) es nicht!"

Sie aber begriff ihn nicht. Was hatte daS Opfer damit zu tun? Hart [tief) sie seine Hand zurück. Was in ihr vorging, war stärker als sie selbst. Der geschändete Engel stand vor ihr! Genau so hatte der Alois damals gelogen! Wir die Erinnerung über sie herfi>1! Wie sie ihr In­neres mit Todfeindlichkeit grgrn den Kragwirt erfüllte.' Sie trat dich- vor ihm bin. ber toieba gemacht frattc, das) das Gate wie bös und das Döse wie gat hersahI And nun sollte er seines Lügenlohnes nid)t froh werden! Er sollte nicht» Ihre Welk war in diesem Augenblick der Krug­wirt und der rasende Zorn in ihrer Brust.

Heiner dachte sie nicht (Schluh folgt)