Ausgabe 
30.5.1922
 
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tz. Juni, der Postämter am 8. und 9. ;junt er* folgen. Sie üb igen Derwaltungsbehö cden sollen am 10., die Polizeireviere am 15. Juni in die Hände der Polen übergehen. Sem Vernehmen nach rücken als erste alliierte Truppen die Fran­zosen ab, denen die Italiener und zum Schluß die Engländer folgen werden. Sie militärische Besetzung von Kattowitz durch die, Polen ist für ben 10. Juni vorgesehen.

Vor der Kabinettsbildung in Deutsch-Oesterreich.

Wien, 29. Mai. (WTD.) Vach dem gestri­gen Beschluß der Grobdeutschen Volks­partei ist die Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien gesichert. Sie Be­sprechungen über die Kabinettsbildung dürften, wie die Abendblätter übereinstimmend melden, ergeben, dah der Obmann der Christlich- Sozialen, Prälat Seipel, den Posten teä Bun­deskanzlers und der Grvtzdeutsche Frank das Dizekanzleramt übernehmen wird. Als Außen- minister wird der bisherige Handelsminister Grünberger genannt.

DaS schmähliche Vmde eines Deutschenhassers.

Berlin, 30. Mai. Wie die Blätter aus London melden, wurde das frühere Unterhaus­mitglied und frühere Herausgeber der antideut­schen Hetzschrift'John Bull", Horatio Bot- tom leh, wegen Unterschlagung und Dertrauensmihbrauchs zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Bottomley hatte über 150 000 Pfund Sterling, die ihm von kleinen Sparern zur Veranstaltung einer Lotterie sowie zur Zeichnung von Kriegsanleihe übergeben wor­den waren, unterschlagen.

Aus dem Reiche.

Deichsratsbeschlusse.

Berlin, 29. Mai. (WTD.) Der Reichsrat hielt heute Montag abend un­ter dem Vorsitz des Staatssekretärs S i m - s o n vom Auswärtigen Amt -eine öffentliche Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand der Gesetzentwurf über den Dertragzwischen Deutschland und Dänemark betr.die Regelung der durch den Uebergang der Staatshoheit in Nordschleswig auf Dänemark entstandenen Fragen. Der Vertrag wurde hierauf angenommen.

Der bayerische Landtag gegen die Schuldlüge.

München, 29. Mai. (WTB) Im Bayri­schen Landtag führte in der Besprechung der In­terpellation der Bayrischen Mittelpartei über die Schuld am Kriege zunächst der Abg. Sänger (Soz.) aus: Fort mit der Lüge von der Allein­schuld Deutschlands am Kriege! Wir sind nicht schuldiger als irgendein Volk Der Welt am Kriege. Untere Staatsmänner sind nicht schuldiger als die des Auslandes. Eisner hat durch seine Ver­öffentlichungen sehr schwer gesündigt gegen die Forderung objekiver Wahrheit. Diese kann nur dargelegt werden durch die Oeffnung aller Archive, die wir Sozialdemokraten fordern. Abg. Nie lisch (LSP.) erklärte, daß Eisner keine Fälschung begangen habe, dab er bei seiner Kür­zung auch für Deutschland belastende Dinge weg- Zelassen habe und dah der Urheber für den Aus­fall des Versailler Friedens nicht die Eisnerschen Veröffentlichungen, sondern der durch Hindenburg und Ludendorff verlorene Krieg gewesen sei. Abg. Aenderl (Komm.) meint, dah die Hoff­nung auf Aufhebung des Versailler Vertrages sich nur aus dem Zusammengehen Deutschlands und Rußlands ergebe. Abg. Dirr (Dem.) führte aus, dah das Wertvolle an dem Ergebnis der Untersuchungen des bayerischen Landtages in der Feststellung liege, dah Falsches, Irreführendes und Anwahres in einem welthistorischen Doku­ment enthalten gewesen sei, an dessen Glaub­würdigkeit die ganze Welt glaubte, und dah diese Glaubwürdigkeit erschüttert sei. Darin liege die Quelle für alle möglichen weiteren Wirkungen. Abg. Gras Pestalozza (Bayr. Volksp.) ist mit den sachlichen Ausführungen des Ministerpräsi­denten vollständig einverstanden und wünscht, dah die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands mög­lichst bald klargelegt werde. Er sehe in der ge­eigneten Verwertung des Prozehmaterials den Anfang zur Zerstörung dieser Lüge. Nach weiterer Aussprache wurde die Besprechung der Inter­pellation geschlossen.

Aus Stobt unb ßanb.

Giehen, den 30. Mai 1922.

Steuerabzug von den Militärvcriorgungsgebiihrnissen.

Von zuständiger Seite wird uns ge­schrieben:

Die Durchführung des Steuerabzuges von den Militärversorgungsgebührnifsen ist durch Erlaß des Reichsarbeitsministeriums vom 10. Februar 1922 geregelt worden. Hiernach werden von der Abzugspflicht gemäß dem Gesetz über die Einkommensteuer vom Ar­beitslohn vom 11. Juli 1921 nicht betroffen: Die Dienstbefchädigungsrenten nach dem Mannschaftsversorgungsgesetze vom 31. Mai 1906 und nach den vor diesem erlassenen Militärversorgungsgesetzen, ferner die Versor­gungsgebührnisse nach dem Reichsversor­gungsgesetze vom 12. Mai 1920 und dem Alt­rentnergesetze vom 18. Juli 1921, und schließ­lich die Hinterbliebenenbezüge nach dem Mili­tärhinterbliebenengesetze vom 17. Mai 1907, abgesehen von der allgemeinen Versorgung (nicht Kriegsversorgung) der Witwen und Waisen von früheren aktiven Offizieren. So­weit Militärv-ersorgungs,'ebührni,se (Ofsi- zierpensionen usw.) dem Steuerabzug unter­liegen, wird der Abzug von der die Bezüge zahlbar machenden Dienststelle Hauptver­sorgungsamt (Regelungsabteilung) vor- genvmmen. Die den Versorgungsberechtigten zugestellten Steuerbücher, die im Januar 1922 eingeführt wurden und aus denen die zulüssi- gen Ermäßigungen des Steuerabzuges, der 10 V.H. beträgt, ersichtlich sind, haben die HauptversorgungSämter (Regelungsabteilung) anzunehmen und aufzubewahren, sofern die Versoraungsberechtigten die Steuerbücher ab­

geben. Die auf dem Steuerbuch vermerkten Steuerermäßigungen werden von den Haupt­versorgungsämtern bei der Durchführung des Steuerabzuges berücksichtigt. Bezieht ein Ver­sorgungsberechtigter neben den Versorgungs­gebührnissen noch ein.anderweitiges Einkom­men aus Arbeit, z. B. als Beamter, Ange­stellter usw., und hat er daher diesem Arbeit­geber sein Steuerbuch übergeben, so kann er sich ein zweites Steuerbuch auf dem aber Steuerermäßigungen nicht vermerkt werden von der Gemeindebehörde ausstellen lassen und es der seine DersorgungSgebührnisse zahlbar machenden Dienststelle vorlegen. Wird ein solches Steuerbuch, oder wird kein Steuer­buch vorgelegt, so werden Steuerermäßigun­gen nicht berücksichtigt; als Steuer wird als­dann der volle Betrag von 10 v. H. der zahl­baren Bezüge einbehalten.

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** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 17. Mai 1922 der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lampertheim Amtsgerichts­rat August Nodnagelin Darmstadt zum dienst- aufsichtführenden Richter bei dem Amtsgericht Lampertheim mit der AmtsbezeichnungOber­amtsrichter" unter Vorbehalt der Festsetzung des Tages seines Dienstantritts. Ernannt wurden am 17. Mai 1922 der Amtsrichter bei dem Amts­gericht Lauterbach Amtsgerichtsrat Friedrich Traber zum dienstaufsichtführenden Richter bet dem Amtsgericht Lauterbach mit der Amtsbezeich­nung Oberamtsrichter" und der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg a. d. Ohm Amts­gerichtsrat Ferdinand E l b e r 11 zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lampertheim. Durch Ent- schliehung des Hessischen Ministeriums des Innern vom 26. Mai 1922 wurde der Referendar Berthold ©u t b mann aus Eich zum Regierungsassessor ernannt

* Der Oberlahnbezirk int Mittel- westdeutschen Stenographen - Bund 6 t o lz e - S chr e y" hielt am Sonntag seine diesjährige Bezirkstagung in Hungen ab, die einen guten Besuch auszuweisen hatte. An dem mit der Tagung verbundenen Wettschreiben be­teiligten sich in den Abteilungen 60280 Silben etwa 120 Personen. Eine ganze Anzahl Ehren­preise war von dem Verein Hungen zur Ver­fügung gestellt worden. Bei der Vorstandswahl wurden wiedergewählt: 1. Vors. Adolf Keil, Verein Lollar; 2. Vors. Georg Schmieder, Verein Friedberg; Schriftführer Karl Schwarz. Verein Gießen; Kassierer Rudolf Kaiser, Ver­ein Marburg. Das Wettschreiben brachte fol­gende Ergebnisse: Den Wairderpreis errang der Verein Biedenkopf. 280 Silben: Emil Mattuschke, Biedenkopf, 1. und Ehrenpreis; 240 Silben: Rich Rottke, Marburg, Heinrich Krauskopf, Gießen,' 1. und Ehrenpreis, 160 Silben: Karl Schwarz, Verein Gießen, Karl Gessner, Biedenkopf, Elsa Haubold, Biedenkopf, Karl Damm, Gießen, 1. und Ehrenpreise; 140 Silben: Aenne Kipp, Marburg, 2. und Ehrenpreis; 120 Silben: Karl Odel, Gie­ßen, Anna Thome, Berta Funk und Karl Ruhl, Biedenkopf, 1. und Ehrenpreise; 100 Silben: Mi­chael Kreß, Hans Guth, Käthe Wihner, Gießen und Käte Teitge, Marburg, 1. und Ehrenpreise; 80 Silben: Toni Roth, Gießen, Minni Vogel, Luise Bandel und Lina Iöckel, Wetzlar, 1. und Ehrenpreise; 60 Silben: Franz Klöh, Gießen, Emst Muth, Biedenkopf, Fritz Schneider, Verein Hungen und Marie Stahl, Lollar, 1. und Ehren­preise.

** Das Konzert zum Besten der StudentenHilfe, das Frl. Ida Stamm­ler mit ihrer Gesangschule in der Universitäts- Aula gab, war trotz des verführerisch prächtigen Mai-Sonntags sehr gut besuch!. Für den Musik­freund, besonder-s den Gesangsfreund, brachte der Besuch des Konzerts manche Anregung und den erfreulichen Beweis, daß in unserer Zeit eifriger denn je Musik studiert und vor allem auch Ge- sangslultur gepflegt wird. Eine Reihe der Vor­träge standen auf recht ansehnlicher Höhe. Die Solo-Vorträge wechselten glücklich ab mit Duett, Terzett und Frauenchor, teil­weise mit Verwendung der Violine, wozu sich Herr Rudi Sonntag in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte. Den Flügel mei­sterte außer der Begleitung der nicht weniger als 27 Gesänge auch in 2 Solis Herr Julius Hahn in altgewohnter besonders technisch brill- lanter Weise. Frl. Stamms er darf mit dem Ergebnis der CBeranflaltung nach jeder Richtung hin zufrieden sein.

** 3 m Lichtspielhause in der Bahn­hofstraße geht ein FilmwerkT o s c a" In Szene, das in einer Reihe guter Bilder die Tragödie eines alternden Schauspielers zeigt Interessant sind besonders die Photographien, die einen Einblick in das Getriebe hinter den Kulissen tun lassen. Im Beiprogramm gibt es ein Lustfpiel, dessen Geschehnisse zwar stark an den Haaren herbeigezogen sind, über das man aber doch wegen des grotesk-komischen Spiels der Hauptdarsteller lacht

** Müller'sche Dadean st alt Wasser- warme der Lahn am 30. Mai: 19 Grad R.

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Wettervoraussage

für Mittwoch:

Heiter, trocken, warm, Winde aus östlichen Richtungen.

Die Wetterlage hat sich nicht wesentlich ver­ändert.

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Bornotizen.

TageskalenderfürDienStag. Städtchen ter, 7 Uhr:Der Tenor der Her­zogin." Neue Aula, 8 Uhr: Vortragsabend des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Astvria-Lichtspiele, ab heute:Dr. Ma- buse", 2. Teil.

Landkreis Gießen.

Garbenteich, 30. Mai. In einer gut besuchten Versammlung sprach am Sonntag In­genieur E r t e 1 im Austrage der Liga z i m Schutze der deutschen Kultar über das ThemaSie Hungersnot in Rußland und ih e wirtschaftlichen Ursachen". Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden den Aus­führungen des Vortragenden, die insofern in­teressant waren, als der Redner, als ehemaliger Sowjetbeamter, iren wah h itsge r.uen Bericht über die Verhältnisse in Sowjetrußland geben tonnte. Sehr Wukw.gsvoll ergänzt wurden die | trefflichen Au f ihm i gen durch Vorführung von | Originalaufnahmen aus den Hungergebieten.

* Lollar, 30. Mai. Am Sonntag Vor­mittag fand die Ueberreichung der Ge­sellenbriefe an neun Lehrlinge verschiedener Gewerbe im LokalZur Traube" statt. Sie ge­fertigten Gesellenstücke waren öffentlich ausge­stellt und legten für sämtliche Junggesellen Zeug­nis ab, daß sie die Lehrzeit bei ihren Meistern nutzbringend angewendet haben. Der Vorsitzende des Ortsgewerbevereins dankte dem Prüfungs­ausschuß für seine Tätigkeit uub gab den Jung­gesellen warmherzige Ratschläge mit auf ihren ferneren Lebensweg. Gewerbelehrer Leichurn - Gießen sprach im Namen der Vertretung der Handwerlerzeichenschule Lollar und gab in kurzen Zügen Ueberblicke über deren Lehrgang. Rektor Sehrt übernahm den theoretischen Teil der Prüfung. Zahlreiche Zuhörer wohnten der Feier bei.

Kreis Schotten.

Laubach, 28. Mai. Vorgestern tobte hier ein ungewöhnlich starkes Ge­witter. Der Blitz schlug hierbei in das Transformatorenhäuschen an der Wetter ein und richtete einen nicht unbeträcht­lichen Schaden an (über 50 000 Mk.).

Starkenburg und Nhernhessen»

rm. Darmstadt, 28. Mai. Mehr als zehn­tausendblaue Hessen", frühere Angehörige des alten Infanterie-Regiments Nr. 117 (Großherzogin) hatten sich heute zu einer Totengedenkfeier sowie zum An­denken an die vor 225 Jahren erfolgte Gründung des Regiments hier zusammengefunden. Nach einem Appell auf dem Exerzierplatz und einem Festzug durch die Straßen fand im Orangerie» garten eine groß angelegte Gedächtnisfeier statt, Der auch der ehemalige Großherzog und die frühere Regimentsinhaberin mit den beiden Söh­nen beiwohnten, von den alten Soldaten überall jubelnd begrüßt. Pfarrer Lautenschläger hielt die Gedächtnisrede, während Generaloberst von Heringen, der früher mehrere Jahre das Regiment befehligte, in kernigen Worten die Stär­kung des Nativnalstvlzes b s nders auch in unserer Jugend zum Wiederaufblühen unseres tief dar­nieder liegen den Vaterlandes empfahl. Die Feier nahm in allen Teilen einen würdigen Verlauf.

rm. Darmstad t, 29. Mai. Die 54. Tagung des Verbandes der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften für die Provinzen Starkenburg und 0 b e r h e s s e n sand gestern im Fürst ensaal dahier in Anwesenheit Ltn 20 Genossenschaften statt. Von Behörden waren Fiaanzminister Henri ch, Kreisdirektor Muhl, Ministerialrat Hechler, sowie die Hand­werkskammer vertreten. An Stelle des erkrank­ten Verbandsdirektors Stein begrüßte sein Stellvertreter Vostsbankdirekcor Habicht- Darmstadt die Versammlung und erstattete auch den Geschäftsbericht. Er behandelt u. a. ein­gehend die Aufhebung des Bankgeh.imnis'es, den Depotzwang, die Zwangsanleihe, sowie die Tarif- frage. Dem Verbandsanwalt Prof. Dr. Trü­ge r - Wiesbaden wird für seine verdienstvolle Tätigkeit im Interesse des Verbands Dank aus­gesprochen. Es werden mehrere Entschlie­ßungen zwecks Aufhebung des Depotszwanges, die Wiederinkraftsetzung des sogenannten Bank­geheimnisses und die Behandlung Don Rechnungs- schecks. angenommen. Der Voranschlag wird ge­nehmigt, worauf Prof. Dr. ©rüget einen auf­kläre noen cinflünbigen Vortrag über:Die wirt­schaftliche Lage und die Genossenschaften" hielt. Rur Beharrlichkeit in der Arbeit und strenge Organisation des gesamten Wutichaftelebens wer­den uns aus dem heutigen Chaos wieder zu natürlich gestalteten Verhältnissen bringen. Der Antrag des Verbandsdirektors Stein, den Ver­band aufzulösen und dem Mittelrheini­schen Verband anzuschliehen, wird mit 10 gegen eine Stimme abgelebt. Verbandsrevisor Sei­bert- Wies. a e i erstattete au,klä en.'en Bericht über seine Tätigkeit. Zum Doriitzenden des Ver­bandes wird dann Direktor Habicht- Darm­stadt, zu Stellvertretern R a i s - Groß-Gerau und P a e s ch - Darmstadt gewählt. Der nächste Ver­bandstag soll in Babenhausen stattfinden.

tob. Mainz, 29. Mai. Der S t r e i k b e r Ange st eilten hat weiter um sich gegriffen. Die Angestellten in ber Inbustrie, Werkmei­ster, Techniker usw., haben sich ben Ausstän- bigen angeschlossen. Auch bie Angestellten in Wiesbadenbefinden sich seit heute vormit­tag im Ausstanb. Om hiesigen Bezirk beträgt bie Zahl ber Ausstänbigen etwa 10 000. Etwa 20 Betriebe, welche die Fvrberungen ber An­gestelltenschaft bewilligt haben, arbeiten. In großen Versammlungen nahmen am Samstag bie Angestellten Stellung zu ber Lage. Zu Zwischenfällen ist es nirgenbs gekommen. Wie wir hören, ist eine Einigung zwischen Arbeit­gebern unb ben Angestelltenorganisationen noch nicht zu erwarten.

tob. Mainz, 19. Mai. Am Ortsaus­gang von Gustavsburg würbe ber Arbeiter Heinrich Schmitt von Bischofsheim ne­ben seinem Rabe tot aufgefunben. Wahrscheinlich ist er mit seinem Rab unter ben Anhängerwagen eines Lastautos geraten.

tob. Worms, 29. Mai. Ein O p f e r b e r H i tz e ist bie 20jährige Elisabeth W e i s aus Hamm geworben. Sie hatte einen Ausflug an bie Bergstraße unternommen. Auf ber Rück­fahrt wurde sie in ber Nähe ber Station Dür- stadt von einem Hitzschlag betroffen. In Worms würbe sie durch das städtische Kran­kenautomobil sofort ins Krankenhaus gebracht. Sie ist jedoch am Morgen an den Folgen des erlittenen Hitzschlages gestorben.

Hessen-Nassau.

In der Notwehr erstochen.

fpd. F r a n k f u r t a. M., 29. Mai. In der Nacht zum Sonntag bedrohte der 45jährige Arbeiter Andreas Brendel einen Schutz­polizeibeamten, indem er diesen zu Boden warf und ihn zu würgen versuchte. Obgleich der Beamte den Br. wiederholt darauf hin- wies, daß er von seiner Waffe Gebrauch machen würde, drang der Mann immer von neuem auf ihn ein. Der Pvlizeibeamte ver­setzte dem Angreifer schließlch mit dem Seiten­gewehr einen Hieb gegen den Hals, wobei die Halsschlagader getroffen wurde. Br. starb be­reits auf dem Wege nach dem Krankenhaus.

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jfFrvnhausen, 28. Mai. In der Nähe von Argenstetn ereignete sich gestern ein

schweres Autounglück, bei dem eirt Insasse tot blieb und ein zweiter schwer ver­letzt wurde. Der Chauffeur, der im Wagen Platz genommen hatte, rettete sich durch Ab­springen. Wie erzählt wird, handelt es sich um einen Herrn aus Frankfurt, der einen Ame­rikaner in Hamburg abgeholt hatte. Der Ver­letzte wurde in die Marburger Klinik gebracht.

* Hanau, 29. Mai. Am Freitag wurde der Vvrspessart von einem schweren Wol­kenbruch heimgesucht. Binnen drei Minu­ten stand das Wasser teilweise bis zu drei Me­ter hoch, wodurch viel Kleinvieh zugrunde ge­gangen ist. Die Kartoffel- und Heuernte wurde vollkommen vernichtet und auch an den Ge­bäulichkeiten großer Schaben angerichtet. Be­sonders gelitten haben die Ortschaften Rückersbach, Reichenbach, Brüggen und Gün- zenbach. " --

Kirche und Schule.

Der Waldgvttesdienst. ben ber Evang. Arbeiterverein in Gemeinschaft mit dem Evang. Bund und bent Wartburgverein am Sonn­tag vormittag auf dem Schiffenberg abhielt, war gut besucht unb nahm einen schönen Verlauf. Pfarrer Sattler (Wieseck) hielt eine zu Herzen gehende Prebigt, bie besonders geeignet tvar, die durch die Naturschönheiten des Waldes gehobene Stimmung zu vertiefen, älmrahmt war die Predigt von Darbietungen des Wiesecker Frauenchors so­wie Gemeindegesängen. Besonders bie Lieder des Frauenchors, der bei seinen Darbietungen be­sonders gute Schulung und große Hingabe zur Sache verriet, trugen wesentlich zur Verschönerung des Gottesdienstes bei.

* Die Männer- und Frauenver­einigung der Matthäusgemeinde hatte zu einem Vortragsabend eingeladen. Nach­dem Der Vorsitzende ber Vereinigung, Rektor K n a u h, die Erschienenen begrüßt hatte, er­teilte er Lehrer Walter das Wort zu seinem Vortrag:Religionsunterricht und Schule". Der Redner erläuterte zunächst einige Begriffe, wie: Simul anschule, Kon,es,ions- oder Bekenntnisschule, konfessionslose Schule, weltliche Sch ale, Weltanschauungsfchule. Sollte der Reichs- sch.llgesehentwurf Gesetz werden, bann sind solche Schulen wohl auch in Hessen in absehbarer Zeit möglich. Der Redner wandte sich bann den be­kannten Iuniforderungen des deutschen Lehrer­vereins zu. Er suchte den Schulmännern, die sie aufstellten, gerecht zu werden, nahm aber im Kern­punkt eine ablehnende Haltung ein. Das Kind tat ein Recht Darauf, daß die Fäden zwischen der Gottheit und ihm geknüpft werden. Der als Ersatz für den Religionsunterricht vielfach ge­forderte Moral- und Cittenunterricht muh abge- lehnt werden. Sittlichkeit und Religion lassen sich nicht so ohne weiteres voneinander trennen. Wohl gibt es Menschen, die das Gute tun um des Guten willen, aus Freude am Guten, sie haben eine höhere Stufe der Sittlichkeit erreicht. Allein solche Persönlichkeiten sind nicht die Regel, sie sind Ausnahmen. Die Reichsverfassung sieht in Artikel 149 vor:Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach der Schule". In welcher Form soll er erteilt werden? Nach dem gleichen Artikel der Deichsverfaßung muh er konfessionell sein. Nach Schleiermacher ist bie Konfession bie charaktervolle Art der Religion. Darum und aus vielen anderen Gründen ist zu fordern, dah der Religi.vnsunterricht in konfessioneller Form er­teilt wird, ohne dah das Trennende dabei in den Vordergrund geschoben wird. Für uns in Hessen hat dies innerhalb der bewährten Simultanschule zu geschehen. Die Mehrheit der Lehrer Hessens hat sich bei der vor einigen Wochen erfolgten Abstimmung auf den Boden der Simultanschule gestellt. Wohl hat auch diese Schulgattung ihre Mängel, doch wiegen sie nicht schwer im Ver­gleich zu ihren großen Vorzügen. Gewiß ist am heutigen Religionsunterricht noch vieles zu bes­sern. Das Au^wendiglernenlassen muh noch mehr beschränkt werden. Die Religionsstunde muß eine Erbauungsstunde sein. Ferner muß der Reli- gionsunterricht von manchen dogmatischen Lehr­sätzen befreit werden. Es sollte bei der Behand­lung nij^ geboten werden, was mit der wissen­schaftlichen Erkenntnis irgendwie im Widerspruch steht. Die Prüfungen in Religion, die fast durchweg nur den äußerlichen Lehrst off feflftelltcn, müßten ganz verschwinden. Eine Aussicht ist nur so aus­zuüben, daß ber Inspizierende Dem Unterricht einfach beiwohnt, um sich von dem Geiste zu überzeugen, in dem der Unterricht erteilt wird. Möchten Kirche und Schule Zusammenarbeiten an dem großen schonen Werke der Jugenderzie­hung und somit an dem Qlufbau unseres deutschen Volkes. Der Vortrag wurde mit großem Bei­fall ausgenommen. Verschiedene Hwren. so Rektor K n a u to Fabrikant Dindewa 1 d, Garten-In­spektor R e h n e 11 und Lehrer Wehrheim be­teiligten sich an der Aussprache. Pfarrer Mahr verstand es, noch feinsinnige (Ergänzungen zu bringen. Gegen 11 Ahr schloß der Vorsitzende die Versammlung.

" Lang-Göns, 29. Mai. Die Orgel- weihe, über bie wir bereits kurz berich­teten, gestaltete sich bei herrlichstem Früh- lingstoetter zu einer erhebenden Feier. Sie wurde besonders verschönt durch zwei litur­gische NachmittagSgvttesdienste, in denen Pfarrer Stumpf von Eschenrod mit meister­haftem Spiel die Orgel in ihrer ganzen Fülle und Mannigfaltigkeit zur Geltung brachte. Er hatte sie tags zuvor geprüft und bezeugte, dah sie den schwierigen akustischen Verhält­nissen der Kirche in hervorragendem Maße Rechnung trägt. Sie ist von der Orgelbauan­stalt Förster und Nicolaus in Lich geliefert und hat bei 2 Manualen 16 Register, 5 Kop­peln, 3 Kombinationen, Schwellwerk, Maga­zingebläse usw.,ein Kunstwerk, das seinem Er­bauer und der Gemeinde zur Ehre gereicht.

Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen.

Sitzung vom 2 6. Mai 1922.

Der Fabrikarbeiter verband forderte von den Gailschen Tonwerken in Gießen ab 1. April 1922 die Anerkennung des Bezirks- tanfvertrages, den er mit dem Verein Hessischer Ziegeleibesitzer abgeschlossen hatte. Die Verhand­lung der Parteien über diese Forderung scheiterte. Die Betriebsleitung gab darauf durch Aushang bekannt, der Betrieb gehöre dem Verein Hessischer Ziegeleibesitzer seit einiger Zeit nicht mehr an und außerdem gelte bis zum 30. April noch das ölt*

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