Ausgabe 
30.3.1922
 
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Hessischer Landtag.

8. Sitzung.

0t. Darmstadt, 29. März.

Am Reeiwungstech: Staatspräsident Ulrich, Minister des Innern v. Brentano, Acbeitsminister Raab und Regierungsvertreter.

Vizepräsident S o h e r r eröffnet die Sitzung um 9,10 älhr. 2n Fortführung der Debatte über die

Millionenschuld der Landwirtschaftskammer spricht zunächst 2lbg. D i e h l -- Hochwcifel (Vbd.). Er lehnt jede Sonderbelastung der Landwirtschaft aus dieser Schuld ab, weil die Tätigkeit der L.K. der Allgemeinheit dierre. Die Haltung des Mi­nisters Raab in Veclin sei sehr zu bedauern. Wer den Bauernstand ruiniert, der ruiniert sich selbst. Die Landwirtschaft selbst treffe im vorliegenden Falle stcher keinerlei Verschulden, hinsichtlich der L.K. sei das allerdings zweifelhaft. Die Regie­rung hätte dafür sorgen müssen, daß die Schuld schon 1918 abgetragen worden wäre. Debattiert sei jetzt genug, man sollte nur handeln. Das Zen­trum könne zeigen, ob es wirklich bauernfreund­lich sei.

Präsident ülebel: Die Debatte drehte sich bisher fast ausschließlich um eine Schuldfrage: es handelt sich aber in erster Linie um eine Schulden­frage. Kleber die erstere kann das Haus nicht entscheiden, da der Angeklagte sich hier nicht verteidigen farm. Auf rein parteipolitische Er­wägungen kann die Regierung nicht eingehen. Die Ausführungen des Abg. Rink und auch des Vor­redners waren rein parteipolitischer Art. Ich habe über die Schuld selbst die Akten genau stu­diert und bin zu der äleberzeugung gekommen, daß die L.K. kein Verschulden zivil- oder straf­rechtlicher Art trifft. Auch von Fahrlässigkeit kann keine Rede sein. Die Ausführungen der Abgg. Köhler und Wünzer unterstreiche ich Wort für Wort. Das Verhallen der Darmstädter Dank sei -.um mindesten sehr merkwürdig, wenn man sich auch die gestrigen scharfen Bemerkungen nicht zu eigen machen darf.

Auch den hessischen Staat trifft keine Schuld. Eine Bevormundung der L.K. war untunlich, und ich wundere mich, tote gerade ein demokratischer Abgeordneter in einem demokratischen Staat eine derart undemokratische Forderung stellen konnte. Wir wollen der L. K. das Ülmlagerecht gewähren für diesen besonderen Zweck. Wir halten die von uns vorgeschlagene Rotverordnung für die beste und gerechteste Art der Verteilung der Lasten auf die Ärndwirte. Der Ausschuß will die kleinen Be­triebe bis 5000 Mark frei lassen. Wir haben nichts dagegen. Die Erweiterung des ülmlage- rechts ist weiter nichts, als eine neue Kredit- dasis. Die ülmlage wird nur erhoben, soweit die Schuld nicht durch Exporte gedeckt werden kann. Rur was nicht abgedeckt werden kann, soll auf dem Wege der älmlage erhoben werden. Wir werden das scharf überwachen. Mit dem Antrag Köhler sind wir einverstanden, nur den Wortlaut hallen wir für unglücklich. Ich bitte die Deutsche Volkspartei, zu erwägen, ob es nicht möglich ist, den Antrag in eine Resolution um­zuändern. Ich bitte, die Rotverordnung der Re­gierung zu besläligen und demMehrheitsa isschutz» anträg zuzustimmen.

Abg. Jost (Bbd.): Die Mehrheit des Hau­ses dürfte nunmehr überzeugt sein, daß die L. K. fein Verschulden trifft (Widerspruch links.) Die Einführung von Zuchtvieh liegt zweifellos im rAllgemeininteresse, wenn das Vieh nicht dege­nerieren soll Redner polemisiert dann gegen jfoie Linke und 'stellt fest daß heute auch der Bauer, und namentlich die Bauersfrau, 16 Stun» 'den arbeiten muh. Man sollte doch froh sein, dah die Dauern heute Geld haben. Dei der un­seligen Steuergesetzgebung wird bald die Zeit kommen, da die Güter wieder belastet werden müssen. ^Interstühen Sie unseren Antrag, dann beweisen Sie am besten Ihre Dauernfreund- lichkeit.

Damit schlieht die Debatte. Ss folgt Abstimmung.

Zuerst wird abgestimmt über den Antrag d. Helmolt:Der Landtag wolle beschliehen, die Dalutaschuld der L. K. auf die Staatskasse zu übernehmen." Da das Haus schwach beseht ist, wird bor der Abstimmung eine Pause ge­macht.

Aach der Pause verkündetPräsident Ade­lung, dah auch über den Minderheits­ausschuhantrag namentlich abgestimmt werden soll.

Der Antrag des Ausschusses, die Regie- rungsvo läge betr. Erteilung unbeschränkten 11m- lageiechts an die Landwirtschaftskammer ab- zulehnen, wird angenommen.

Der Antrag v. H e l m o l t, die Schuld auf die Staatskasse zu übernehmen, wird In nament­licher Abstimmung abgelehnt mit 42 gegen 19 Stimmen.

Die Regierungsvorlage sieht vor:

Zur Abbürdung der Schuld, die die Land­wirtschaftskammer während des Krieges durch

Die Pforte öes Paradiese;.

Roman von Ingeborg Dollquartz. Brrethfigte Ueberfefcung au» b m Dänischen.

22. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

»Inger ist doch so viel jünger als ich," wandte Rora halb beleidigt ein.Sie kann sich wohl ein Urteil von mir gefallen lassen. Ich sage es ja nur zu ihr selbst aber Inger hat den leichten Sinn, an dem alles abprallt. Ja, du bist eine glückliche Frau, und jetzt seid ihr gar noch wohlhabende Leu e geworden, und du bist noch! dazu kräftig und gesund."

Das bist du doch auch, Tante Rora," wandte Inger ein.

3d> kräftig? Ich, die dauernd an Schlaf­losigkeit leidet! Es ist einfach grausam von dir, das zu sagen, Inger. Es gibt Rächte, in denen ich kein Auge schließe."

Wer, liebste Rora!" rief Base Malwine, die Herei ^gekommen war. um sich zu verabschieden. Das kommt nur daher, wcil dein Operngucker viel zu gut ist viel zu gut. Du kannst ja den Leuten gegenüber gerade in die Zimmer sehen. Es 'bat viel zu viel Reiz für dich zu beobachten, was sie machen. Richt wahr. Inger, das ist eine schreckliche Gewohnheit, die Rora angenommen hat Wenn sie nicht gleich em» schlafen tann, setzt sie sich mit ihrem Opern­gucker ans Fenster und beobachtet die Leute beobachtet sie ja, beobachtet sie! Davon wird man nicht schläfrig, Inger nein, das wird man nicht das wird man durchaus nicht."

Tante Rora war nahe daran, vor Wut zu bersten, aber sie beherrschte sich bod) einiger-

Einfuhr von Zuchtvieh (Rinder und Ziegen) aus der Schweiz eingegangen hat, darf die Land- wirtscbaitstammer eine Sonderumlage erheben mit der Maßgabe, dah

a) Verbandsangehörige mit einem umlage- pflichtigen Vermögen (Artikel 2) unter 5000 Mk. von dieser Sonderumlage frei zu lassen sind, und

b) für den Ausschlag dieser Sonderumlage, die ebenfalls auf 1000 Mark des der Umlage unterliegenden Vermögens auszuschlagen ist, fol­gende Stufen für das umlagepflichtige Vermögen gebildet werden:

1. Stufe: Vermögen von 5 000 bis 50000Mk.einschl. 2. : über 50000 100000

3. : 100000 200000

4- : 200000 300000

5. : 300000 400000

6. : 400000 Mark.

Die Umlage ist innerhalb der genannten Ver­mögensstufen derart auszuschlagen, dah innerhalb der 2. Stufe eine Erhöhung um 1 Prozent

» 3- * solche . 2

. . 4. 3

. 5- . . w 4

für die 1. Stufe festgesetzten Ausschlags der Son­derumlage entfällt.

Die Umlagen werden für je 100 Mark des aus volle 100 Mark nach unten abgerundeten Der- mögenswertes (Artikel 40) Abs. 1) erhoben.

Der Antrag des Ausschusses hierzu lautet: a) in seiner Mehrheit:Annahme unter Streichung des Absatzes unter den Wortenfür den Ausschlag" bis zu den WortenSonder­umlage entfällt" der von der Regierung während der Ausschuhfihungen zurückgezogen wurde:"

b) in seiner Minderheit:Annahme unter Wiedereinführung des zurückgezogenen Ab­satzes b, jedoch mit Festsetzung der Steigerungs­sätze von 10 Prozent in der 2. Stufe, von 20 Proz. in der 3. Stufe, von 30 Prozent in der 4. Stufe, von 40 Prozent in der 5. Stufe, von 50 Prozent in der 6. Stufe", und für den Fall der Ablehnung dieses Antrages, die Steigerungssätze der Regie­rungsvorlage (1 bis 5 Prozent) zu beschliehen.

Zu den Anträgen und Vorstellung des Kon­sumvereins Diebelsheim:Dieselben für erledigt zu erklären."

Ueber den Minderheitsantrag wird ebenfalls namentlich abgestimmt. Der Antrag wird mit 36 gegen 26 Stimmen abgelehnt.

Der Antrag der- Ausschußmehr- Helt wird angenommen: also die Re­gierungsvorlage ohne die darinvor- geschlagene Staffelung.

Der Antrag Köhler, die Regierung möge darüber wachen, dah von dem Umlagerecht der Landwirtschaftskammer erst dann Gebrauch ge­macht wird, wenn alle anderen Mittel zur Til­gung der Schuld (besonders auch ein Zuschuh des Reiches) erschöpft sind, wird angenommen.

Die Vorstellungen werden für erledigt erklärt.

Das Gesetz wird alsbald auch in zweiter Lesung nach diesen Anträgen erledigt.

Für die Kleinrentner.

Es folgt Beratung der Regierungsvorlage, betreffend die Unterstützung notleiden­den Kleinrentner. Qtbg. Delp (Soz.) er­stattet Bericht. Das Reich hat bekanntlich einen Betrag für diese Zwecke zur Verfügung ge­stellt. Der für Hessen in Betracht kommende An- teil an den 50 000 C00 Mk. beläuft sich auf 1 021 378 Mk., der uns unter der Bedingung zur Verfügung steht, dah das Land und die Ge­meinden zusammen den doppelten Betrag aufwen­den. Der Berechnung liegt noch die alte Orts- Haffeneinteilung zugrunde: die neue wird erst bei späterer Verteilung berücksichtigt. Die Regie­rung ersucht, den gleichen Betrag, also 1 021 378 Mark, zu Lasten des Rechnungsjahres 1922 zu bewilligen. Sie wird alsdann diesen Betrag in den Voranschlag von 1921 einstellen und behält sich vor, über den für das kommende Rechnungs­jahr benötigten Betrag dem Landtag Vorlage zu machen. Aeuherst erwünscht wäre es in An­betracht der auhenordentlichen Rot der Klein­rentner, wenn der Finanzausschuh des Land­tages zu dieser Ausgabe gemäh Artikel 56 der hessischen Verfassung vom 12. Dezember 1919 er­mächtigen würde, damit die Auszahlungen an die notleidenden Kleinrentner alsbald beginnen könnten.

Der Finanzausschuß hat bedauert, dah für die Kleinrentner nicht größere Mitte! zur Verfügung gestellt werden konnten und hat die Regierung er­sucht, für das Jahr 1922 im Etat nach Lage un­serer Finanzen mehr Mittel einzustellen.

Zum gleichzci.tg zur Beratung stehenden An­trag Dr. Osann und Genossen: Die Regierung möge Auskunft geben über die Verteilung der vom Reiche bewilligten Mittel und wei.ere staat­liche Mi.tel zur Verfügung stellen, beantragt der Aus schuh, diesen Antrag durch die Regierungs­vorlage für erledigt zu erklären.

Abg. D. Dr. Diehl (Dtschntl): Der Vor­redner hat auch die Sozlalrenmer erwähnt. Ich bin natürlich der Ansicht, dah auch diesen ge­

mäßen, als ihr Inger beruhigend die Hand auf den Arm legte.

.Ja. Leute, die so baumstark sind, begreifen nicht, dah andre leidend fein können," sagte sie spitz.

Gleich darauf verabschiedeten sich die beiden Damen, und die Kinder gingen zu Bett, während der Hauptmann und Frau Inger noch lange bei­sammen sahen und Pläne machten, wie Tante Ellinors Geld am besten und am nützlichsten für sie alle zu verwenden sei. Und gewisser- mahen konnte Inger ihren Mann ganz gut be- I greifen. Der Eif^r dieses gewtegten Gesch f s- mannes hatte ihn angesteckt. Er fabelte bereits davon, wie er selbst das Haus, das gekauft wer­den sollte,verwalten" werde, so dah es ein Musterhaus sei. Hier meinte er, habe er nun vielleicht endlich einen Platz gesunden, wo er wirklich von 9?uuen fein könne.

Der Trübsinn und der Mi'stnut des Haupt­manns waren vollständig verschwunden, und er zeigte sich so lebhaft und hoffnungsvoll, wie ihn Inger noch niemals g sehen fyl'te.

Sie konnte nicht anders, sie mujte sich darüber freuen, und doch gab es ihr einen Stich durchs Herz, so oft sie seinem eifrigen Blick begegnete, und ganz verwirrt fragte sie sich selbst, ob ihnen wirklich seither nichts als das Geld gefehlt habe.

Achtes Kapitel.

Frau Inger war auf dem Heimweg: sie hatte eine Besorgung in der Stadt gemacht und entschloß sich nun, zu Fuß nah Haufe zu gehen. Jetzt, wo sie nicht mehr durch ihren Musik­unterricht in Anspruch genommen war, hatte sie ja Zeit dazu, und sie sehnte sich danach, einmal allein mit ihren Gedanken zu fern

Holsen werden muß, aber man solle dabei be­denken, daß hinter den Sozialrentnern die Or­ganisationen stehen und helfen. Richt so bet den Kleinrentnern. Diese sind seinerzeit durch Arbett, nicht etwa durch Wucher oder dergleichen hoch getommen. Heute droht ihnen nicht nur der ma­terielle, sondern auch der geistige Zusammen­bruch. Einen Weg gäbe es jo, ihnen zu helfen, nämlich die ßeute, die die Revolution gemacht haben regreßpflichtig zu machen. (Widerspruch und Heiterkeit.) Das itzt aber sehr schwer, weil bekanntlich niemand die' Revolution gemacht hat. (Heiterkeit. Sehr gut!) Wir müssen also an Reich und Staat herantreten. Was hier gegeben werden soll, reicht doch bei weitem nicht aus. In Fried­berg z. B. kommen aus den Mann 400 Mark Was will das bedeuten! Das sind die Diäten eines Abgeordneten für 3 Tage, (Llnruhe links.) Ich sage nicht, daß diese Diäten zu hoch srnd, wenn ich sie auch nicht brauche, ich sage nur, was be­deutet diese Hilfe dem Kleinrentner. (Zusttm« mung.) Ich erinnere mich, daß hier sehr scharf gegen das Ortsklassensyslem früher Sturm ge­laufen wurde. Jetzt haben 'wir es hier wieder eingeführt. Wir sind ja unschuldig, es komnrt von Berlin, wo in den letzten Jahren ah die großen und bedeutsamen Gedanken geboren wur­den. (Sehr gut!) Hier ist das direkt unmoralisch und unsittlich. Ich hoffe, daß die Zeit stommt, wo wir den Schrecken von dem Kapital überwinden und einfach nach sozialer Rotlage urteilen.

Abg. Dr. Osann: Ich möchte absichtlich naheliegende Vergleiche unterlassen, ich stelle aber fest, daß hier im Hause die Rot der Kleinrentner allgemein anerkannt wurde. Das findet seinen Riederschlag in der Vorlage. Ich betrachte die bewilligte geringe Summe nur als, Probekapital, das dazu dienen soll, Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, welche wirklichen Summen erforder­lich sind, um tatkräftig zu helfen. Ich freue mich, daß in Darmstadt der Anfang gemacht wurde und auch die Kreise erfaßt werden, die sich nicht von selbst an die Wohlfahrtsämter wenden. Wir wer­den im Laufe der Zeit zu einer erheblichen Ver­größerung der Summe kommen müssen und auch zu einer Vergrößerung des Kreises ber zu Unter­stützenden. Ich bitte, den Ausschußantrag an» zunehmen.

Abg. Frau Hattern er (Ztr.): Die Zu­schüsse der Gemeinden sind viel zu gering. Immer­hin ist der Anfang gemacht und wir müssen sehen, daß wir im nächsten Jahr erheblich höhere Mittel erhalten.

Abg. Dr. Büchner (Dem.): Auch wir stehen auf dem gleichen Standpunkte wie alle anderen Parteien des Hauses. Leider kommt die Hilfe viel zu spät.

Abg. Delp (Soz.): Wenn die Regierungen das erforderliche statistische Material hätten, hätte man natürlich auf das Ortsklassensystem verzichtet. Richt alle Kleinrentner sind notleidend. Rur den letzteren darf geholfen werden. Auch wir sind der üleberzeugung, daß die bewilligten Beträge nur eine Abschlagszahlung darstellen. Wenn wir durchgreifend helfen wollen brauchen wir allein in Darmstadt 5 Millionen Mark.

Der Ausschußantrag, Annahme der Regie­rungsvorlage, wird angenommen, der Antrag Osann für erledigt erklärt.

Desoldungsfragen.

Es folgt Beratung der Anträge der Abgg. Brauer u. ©en., Herbert, H o ff man n und Gen., Widmann u.Gen., Dr. Werne r u.Gen., Reiber u. Gen., Ebner und Rink, Herbert u. ®en die sämtlich die Beseitigung des Ortsklassensystems zum Gegenstand haben.

Rach dem De ächt des Abg. Herbert (Ztr.) vertritt der Ausschuß grundsätzlich den Standpunkt der vollen Aufhebung der Ortsklassen und be­antragt:

1. die Regierung zu ersuchen, auf völlige Be­seitigung der Ortsklassen hinzuwirken,

2. die weiteren Forderungen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen.

Abg. Dr. Werner (Dntl.): Es darf an­erkannt werden, daß die hessische Regierung bis­her in dem Bestreben, chie Ortsklassen zu beseitigen, ihre volle Schuldigkeit getan hat. Es ist zu hoffen, daß das auch in Zukunft allen andersgehenden Bestrebungen von Berlin gegenüber so bleibt. Die Teamten au den Lande sind dur h die CrtS.la fe.i schwer benachteiligt. Leider haben die Beamten auf dem Lande es versäumt, sich rechtzeitig stark zu organisieren und wirksam gegen ihre Be­nachteiligung anzukämpfen. Man sollte die rückständigen Zulagen den Beamten auszahlen. Wer es ehrlich meint mit der Landbevölkerung, muß sich dafür einsehen, daß das Land wieder ein bodenständiges Beamtentum erhält. (Bravo!)

Abg. Reiber (Dem.): lieber die zur De- bette stehende Frage ist das Haus sich einig. Den Ausführungen des Vorredners zur Beseitigung des Ortsklnssensystems ist durchaus zuzustimmen.

Der Aus schuß an trag wird ange­nommen.

Kleine Vorlagen.

Es folgt Beratung des Antrages Rink und Ebner (K. P.D.), die Bereitstellung von 100

Während sie aus alter Gewohnheit rasch durch die engen Gassen schritt, überlegte sie sich, ob sie nicht doch ihren Unterncht wieder auf­nehmen sollte. Im ersten halben Jahr nach Tante Ellinors Tod hatte sie sich wie ein (Kind über die Ferien ihrer Freiheit gefreut, aber bald vermißte sie die Einnahme. Die Dumme, die sie dadurch entbehrte, war durchaus nicht so klein. Es waren doch immer achtzig Kronen im Monat, und bxnn auch die Erbschaft einen schönen Zuschuß za den monatlichen Cinn-ahmen g b acht hatte, so reichte das doch nicht weit, toerm sich die andern Ein­nahmen dafür verminderten.

Orla kostete nicht wenig. Wenn er auch seit­her nicht viel mehr als seine Kleider and sein Taschengeld verdient hatte, so war es doch besser gewesen als gar nichts, und seit Tante Ellinors Tod hatte er keine Stelle mehr.

Da'-um war er aber de:rnoch nicht müßig gegangen; nein, er hatte plötzlich entdeckt, daß er, wie er sich au ^drückte,eine Goldgrube" in seiner Stimme habe, wenn diese ausgebildet werde, älnd da der Hauptmann letzt, wo Geld ins Haus gekommen war, sich nicht für berechtigt hielt, sich dem zu totberfe'.en, so hatte Orla angefangen, bei einem der tüchtigsten, aber auch teuersten Gesangslehrer der Stadt ÜInterricht zu nehmen. Der Lehrer hatte dem Jungen das Blaue vom Himmel herunter versprochen, wenn er nur fleißig und geduldig sei zwei Eigenschaften, die jeder­mann, der Orla kannte, zuletzt bei ihm gesucht hätte.

Frau Dvrris ärgerte sich ein wenig über das viele Geld, das diese Ausbildung kostete: sie hatte längst vorausgesehen, daß auch dieses Gelüste

Millionen Mark für Zuschüsse an Städte und Kreise betreffend. Der Ausschuß bean­tragt Ablehnung.

Abg. Rink begründet seinen Antrag, zu dessen Verwirklichung der Besitz leicht herange­zogen werden könnte. Es sprachen hierzu noch die Abgg. Widmann, Dr. S ch i am (der darauf hinweist, daß derart undiskutable An­träge das Haus unnütz aufhalten), Delp und Rink (wiederholt), Glaser. Der Antrag wird abgelehnt. Desgleichen die Anträge der K.P. D., betr. soziale Weihnachtsbeihilfe für Erwerbslose und betr. die Entlohnung der Holzhauer.

Zum Antrag der Abgg. Hoffmann-Seligen> stadt u. Gew, betreffend StreuauSgabe aus der staatlichen Waldungen, beantragt Abg. Widmann namens des Ausschusses Erledigterklärung. Der Antrag wird angenommen.

Darauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag V2K) Uhr. Schluß U/2 Uhr.

Auf Veranlassung des Landtagspräsidenten machte der Staatspräsident heule im Vorstand und Aeltestenrat des Landtags vertrauliche Mittei­lungen über die Verhandlungen der Minister der Einzelstaaten mit der Reichsregierung in der An­gelegenheit der Reparations,orderungen der En­tente.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 30. März 1922.

Wettervoraussage

für Freitag:

Wollig, meist trocken, kühl, wechselnde Winde

Durch eine ostwärts ziehende atlantische De­pression wird der über Mitteleuropa liegende hohe Druck geschwächt. Es ist wieder mit Zu­nahme der Bewöllung, doch meist trockenem Wetter zu rechnen.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 25. März 1922 die Polizei­wachtmeister auf Probe: Wilhelm Thomas aus Darmstadt, Valentin Vierhe11er aus Brens­bach t O., Emil Rhein aus Rhein-Dürkheim (Kr. Worms), Albert ©alle aus Zuffenhausen (Oberamt Ludwigsburg) zu Pvlizeiwachtmeistern bei dem Polizeiamt Offenbach mit Wirkung vom 1. April 1922. Ernannt wurde am 27. März der außeretatmäßige außerordentliche Professor an der Landes-Universität Dr. Alfred Brügge- m a nn zu ®teßen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zum ordentlichen Professor für Oto- Rhino-Laryngologie und zum Leiter der Klinik für Ohren-, Rasen- und Halskrankheiten an der Landes-Universität Gießen. Ernannt wurden am 27. März die Polizeiwachtmeister auf Probe: Erich Jung aus Wiebelskirchen (Kreis Ott­weiler), Bernhard Kaiser aus Bannberscheid (Kreis Unter Westerwald), Heinrich Kraft aus Schotten, Heinrich Pfaff aus Offenbach a. M., Karl Schmidt aus Strebendorf (Kreis Alsfeld), Karl Wagner aus Offenbach a. M. zu Polizei­wachtmeistern beim Polizeiamt Offenbach mit Wirkung vom 1. April d. I. an; Heinrich C 0 nte aus Dreieichenhain (Kr. Offenbach), Karl Hahn aus Gießen, Philipp Schäfer aus Elmshausen (Kreis Bensheim), Emil Schlang aus Limbach (Kreis Obertoeftertoalb), Willy Seu - p e l aus Pforten bei Gera zu Polizei Wachtmeistern beim Polizeiamt Offenbach mit Wirkung vom 7. April d. I. an; Alfons P a - z i a n aus Colmar .Georg P r e u ß aus Marien­werder zu Polizeiwachtmeistern beim Polizeiamt Gießen mit Wirkung vom 7. April d. I. an

* Heber den Reubau eines phy­siologischen Instituts in Gießen hat das Landesamt für das Dillungswesen dem Land­tage eine Vorlage zugehen lassen, in der es u. a. heißt: Die Regierung hat in Kapitel 136 unter Titel 4 die erste Rate der auf 4 800 000 Mark veranschlagten Kosten für den Reubau eines vhy- siologischen Instituts zu ©ießen mit 1 000 000 Mk. eingestellt. Rach dem Gang der Preisbildung steht zu erwarten, daß bei der ständig zunehmenden Teuerung sehr erhebliche Mehrkosten entstehen, wenn die Inangriffnahme des als nötig erachteten Reubaues bis hinter den Zeitpunkt der Annahme des Staatsvoranschlages 1922 zurückgestcllt wer­den muß. Zur sachlichen Begründung der QIn= forberung ist im Staatsvoranschlag das Rach­stehende ausgeführt:Das Interesse der beiden medizinischen Fakultäten der Universität und ihrer Studierenden läßt es schon seit Jahrzehnten drin­gend wünschenswert ersch inen, das physiologische Institut in die unmittelbare Räe- der Kliniken zu verlegen: die ungeahnte Entwicklung des For­schungsgebietes der P.ch cologte (iheite.Ddiere nach der Seite der Biochemie) macht bei den Raum Verhältnissen des seitherigen Insti Utes den Dew bau (der bereits vor dem Kriege projektiert war) unmittelbar nötig. Ein Aufschub ist aber vor allem um deswillen nicht angängig, well die

bald wieder ein Ende finden werde, und was dann?

Orla war nun zwanzig Jahre alt, und es ging doch nicht an, ihn so immer wieder vom einen zum andern abspringen zu lassen. Sie hatte ihn schon oft ihrem Mann und Rora gegenüber in Schutz genommen, aber nun fand sie bald auch leine Entschuldigung mehr für seine Unbeständig­keit.

Und Mogens ängstigte sich auch, wenn auch . in andrer Weise. Auf die Erbschaft hin hatte ihm sein Vater versprochen, er dürfe nach den Sommer­ferien In den Offizierkurs eintreten. Daraus freute sich nun der Junge unbändig, aber Inger konnte sich nicht vorstellen, wie das Geld neben Orlas teuren Singstunden dafür noch reichen sollte, und es schnitt ihr tief ins Herz, wenn sie nur dachte, der liebe pflichtgetv-ue Junge könnte eine Ent­täuschung erleben müssen. Ellen war ja auch noch nicht fertig. Wenn sie im Juli ihr Examen gemacht hatte, was sollte man dann mit ihr an- fangen? Sie hatte so viele ausschweifende Gedan­ken. daß sie sich wohl schwerlich darein finden würde, eine Stelle auf einem Kontor anzunehmen und das Mädchen und schäftigt dah in zu lassen das Hauswesen hatte für sie nicht Den gering- sten Reiz dazu wollte sich Inger auf keinen Fall verstehen. .

Sie mustte läch-ln b irn Ged-m'en, tote ost schon ihrheller, I i hter Sinn" g rühmt Worten war. well sie sich niemals beklagte. Ließ sie sich nun nicht durch diese h'uslihen Kümmernisse den schönen Spazie'ga"g in dem herrlichen Früh­lingswetter verderben?

(Fortsetzung folgt.)