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Regierung ba# Vertrauen ausspricht and be­willigte ebenso einstimmig die provisorischen Bud- get-Zwölftel bis 30. Iuni 1923.

Die Konferenz von Lausanne.

Die Beratungen über die russische Mote.

Lausanne, 28. Rov. Lord Eurzvn, D a r r ß r e und Marquis Garoni sind nach­mittags zu einer interalliierten Be­sprechung zusammengetreten, um die gestern von Rakowski überreichte Rote zu prüfen. Die drei Führer der interalliierten Ab­ordnungen gelangten zu dem Ergebnis, das) die Frage nicht vor die Konferenz gehöre, son­dern daß nur dei einladenden Mächte zustän­dig seien. Es wurde noch kein offizieller Be­schluß gefaßt, da die italienische Delegation noch Instruktionen in Rom einholen will. Man nimmt jedoch an, daß die Alliierten sich darauf beschränken werden, auf die Einladungsnote Poincarös zu verweisen, worin die Russen nur zur Teilnahme an den Beratungen über die Meerengenfrage und die damit verbundenen Fragen zugelassen werden. Die Antwortnote an Die russische Delegation wird wahrschein­lich morgen vormittag überreicht.

Ein Aufenthalt Tschitscherins in Berlin.

Moskau. 28. Rov. (WTB.) Tschitsche­rin ist gestern nach Lausanne abgereist. Der deutsche Botschafter war bei der A.reise am Bahnhof anwesend. Tschitscherin wird aus der Durchreise einen Tag in Berlin bleiben.

Zteme Truppcnkonzentratiou am Dnjeftr!

Lausanne, 28. Rov. (WTB.) Die russische Abordnung dementiert Daß Gerücht über Truppenkonzentrationen am Dnjeftr.

Hinrichtungen in Athen.

Athen, 28. Rov. (WTB.) Agence Ha- 'oas. Die zum Tode verurteilten Per­sonen sind heute hingerichtet worden.

London. 28. Rov. (WTB.) Wie Reuter aus Athen erfährt, ist die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Mini st er und Ge­neräle durch Erschießen erfolgt.

Lausanne, 29. Rov. (WTB.) Die Rach° richt von der Hinrichtung der verurteilten Mini­ster in Athen wurde hier gestern abend durch eine Reuterdepeschr bekanntgegeben. Sie erregte größte Sensation. Man befürchtet hier eine Der- . schärftmg der Lage. Es entstand sofort das Ge- r-ücht, daß Beniselos demissionieren werde, weil er sich nicht mit den Vorgängen in Athen identifizieren wolle.

Abreise des britischen Gesandten.

London, 28. Rov. (WTB.) Aus Athen w.ird gemeldet, daß der britische Gesandte Lindley unverzüglich nach der H i n r i ch t u n g Der sechs griechischen Minister und Generäle um seine Pässe nachsuchte ^rnd den griechischen Behörden mitgeteilt hat, Haß er nach den Instruktionen seiner Regie­rung Athen zu verlassen habe. Er wird heute abend nach Lausanne abfahren, um dem Staatssekretär Lord Curzon persönlich Bericht zu erstatten.

Herabsetzung der VerdrangungsenLschädigungen.

Berlin, 28. Rov. (WTB.) Im Reichstags- russchuß für Verdrängungsschäden be­gründete Staatssekretär Dr. Müller vom Reichsministerium für Wiederaufbau den Entwurf eines Gesetzes zur Verminderung der Lasten des Reiches aus der Gesetzgebung über die Entschä­digung und Ausgleichsverfahren anläßlich des Friedensvertrages von Versailles. In dem Liqul- dativnsschädengeseh werden die Vorschriften über die Liquidationsentschädigung einer gänzlich neuen Fassung unterzogen. Die für erforderlich er­achteten Abänderungen des Reichsausglelchs- gesehes Warden zum Gegenstand eines zweiten

selvsianotgen Entwurfs gemachr. -öei Der engen Zusammengehörigkeit der beiden Entwürfe erschien es angebracht, sie durch den Entwurf eines Man­telgesetzes zum Reichsentschadigungsgeseh auch äußerlich zu einer Einheit zusammenzufassen. Ministerialrat Dr. L o t h o l z behandelte hiernach die gegenwärtige Regelung und Rotwendigkeit ihrer Aenderang. Die Aufbringung der auf Grund des gegenwärtigen RechtszustandeS vom Reich für die Liquidativnsgeschädigten und die Valutaaläubiger im Ausgleichsverfahren aufzu- wendende Summe könne vei der riesigen Geld entwertung und der Reparationslast durch Steuern oder andere Einnahmequellen nicht in Frage kommen. Der Einsicht in die Rotwendig- feit, die Lasten des Reiches auS der Gesetzgebung über die Liquidationsentschädigung und das Aus- gleichsverfahren wesentlich herabzusetzen, könne man sich auch in den Kreisen der Geschädigten nicht verschließen. Der ttvydem von manchen Seiten erhobene Vorwurf, daß das Reich einseitig einen bestimmten Teil der Reichsangehörigen be­nachteilige, könne als stichhaltig nicht angesehen werden. Die Liquidationsgeschädigten und Va­lutagläubiger teilten vielmehr das gleiche Schick­sal mit allen denen, die dem Reiche Goldwerte! zur Verfügung stellten, die unter dem Srnken des Kurses der ihnen für ihre Leistungen gewährten Papiere und gleichzeitig unter der Entwertung der Währung zu leiden haben. Die Regierungs­vorlage wollte mit den Gläubigern zunächst auf der Grundlage des dreifachen Vorkriegswertes abrechnen und verlangt von den Schuldnern die Erhöhung von einfachen Vorkriegswerten des Reichsausgleichsgesetzes auf den doppelten Dor- kriegswert. Der Reichscat erhöht die Leistungen an die Ausgleichsgläubiger und die Stammeinlage der Liquidationsgläubiger aus das Vierfache des Vorkriegswertes und seht die Leistungen der Valutaschuldner ebenfalls auf das Vierfache des Dorkriegswertes fest.

Die Hochschulen Wiens geschlossen

Wien, 29 Rov. (WTB.) Die Vorgänge an der Prager älniversität sind nicht ohne Rück­wirkung auf die hiesigen Hochschulen geblieben. Die Bewegung gegen die jüdische Hörerschaft begann vor einigen Tagen an der Hochschule für Welthandel, die wegen der Zusammenstöße zwischen arischen und jüdischen 0.üben.en bereits am Samstag geschlossen wurde. Zur Vermeidung unliebsamer Zwischenfälle tou;- den auch alle anderen Hochschulen Wiens ge­sperrt Den Blättern zufolge wirb sich der Bundes­rat mit der Angelegenheit beschäftigen.

Ein amerikanischer Kreditvorschlag.

Reuyork. 28. Rov. (WTB.) Funkspruch. Das frühere Kongreßmitglied Dartyoldt e - suchte den Präsidenten Harding, vom Kongreß einen Kredit von 50 Millionen Dollar zu verlangen, der Deutschland zum An­käufe amerikanischer Waren gewährt werden soll. Es ist nicht bekannt, wie Harding den Vorschlag ausgenommen hat.

Aus dem Reiche.

Streik in der Badischen Anilin» «ad Soda» fabrik.

Ludwigshafen, 28. Rov. (Wolff.)In der Badischen Anilin- und Soda­fabrik ist ein umfangreicher Streik aus­gebrochen, hervorgerufen durch Die Entlassung von drei Arbeitern, die ohne Urlaub zu dem von kommunistischer Seite nach Berlin ein­berufenen Betr ebsrätekongreß gereift waren. Daß Oppauer Meck ist vollständig still­gelegt, während im alten Werk in Ludwigs­hafen noch gearbeitet wird. Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts sind im Gange.

Aus HeffeNc

rm. D a r m st a d t, 28. Rov. Der Antrag des kommunistischen Abg. Ebner im Landtag betr. die in der Heil- und P f l e g e a n st a l t z u Goddelau sowie in anderen Anstalten angeblich herrschenden Mißstände gab dem dritten Ausschuß des Landtages Gelegenheit, der Goddelauer An­stalt einen unoorbereiteten Besuch abzustatten. Wie wir hierzu erfahren, fand man in der Anstalt, die eingehend besichtigt wurde, nach allen Richtungen hin eine-musterhafte Ordnung: die vom Abg. Eb­ner vorgebrachten Klagen sind von völlig unter­geordneter Bedeutung.

Gießener Ltadttheater.

Doktor KlauS.

Lustspiel in 5 Auszügen von Adolf L'A r r o n g e. Gießen, 29. Rov. 1922.

Am zweiten Gastspiel-Abend Earl William Düllers stand einem besseren Kassenerfolg eine geringere darstellerische Gesamtleistung gegen­über. Das Verhältnis war also das ungekehrte des vorhergehe.rden Abends. Zwar erntete Earl W i l l i a m B ü l l e r als Kutscher Lu ww.ki nicht minder starken Beifall, und unverkennbar wurde die Rolle restlos ausgeschöost. Allein der Künstler fand hier, wo seine Aufgabe auf Wort- und Situationskomik beschrankt ist, doch nicht die Möglichkeit, sein Talent für Charakterzeich- nung voll zur Geltung zu bringen. Die Leistung an sich war in dem Grade einwandfrei, daß sie mehr, als nach der Anlage des Stückes vor­gesehen. in den Vordergrund trat Es fehlte der Ausführung die Ausgeglichenheit des Zu­sammenspiels, die am Montag abend einen so ungetrübten Genuß gewährleistet hatte. Richt soll durch diese Feststellung das Verdienst des Spiel­leiters Karl Dolch dem vor allem die sorg­fältige und geschmackvolle Inszenierung zu danken ist, geschmälert werden, sondern die darstelle­rischen Kräfte genügten nicht immer den An­forderungen. Alle Schauspieler hatten mitunter recht glückliche Momente, aber durchweg befrie­digten von den häufiger auftretenden Personen doch nur Karl Volck (Leopold Griesinger), Karla Keller (Iülie), Hans Frommann (Wax von Boden) und Luise Rammel (Ma­rianne). Paul Schubert ging wohl als Dr. Klaus hin und wieder ganz in seiner Rolle auf, vermochte aber nicht daurrnd die führende Be­deutung dieses Mannes im Dang der Ereignisse glaubhaft zu gestalten. Martin Ialob un e - strich die Schüchternheit und älnbe^olfenheit des Referen.darius Paul Gerstel etwas stark. Ebenso war Elsa Engel (Emma) während dec Liebes­

szene des 2. Aktes nicht ganz frei von lieber» treibungen. im Affekt, führte aber sonst ihre Auf­gabe vollauf befriedigend durch. Gut maskiert waren Paul Mehnert (Colmar), Heinz B e ch st e i n (Dehrmann) und G i s a Iven (Anna). Auguste Marcks (Frau Marie) sand als Gattin und Mutter den rechten Ton. Als Bauer Iakvb und Dienstmädchen Auguste waren Herbert Kemlein und Lore Schatte be­schäftigt

Wer das eigentlich schon der Vergangen­heit angehörende Lustspiel des erfahrenen Theat r- fachmannes L Arronge noch nicht kannte, mag immerhin auf seine Kosten gekommen sein. Die übrigen Besucher wurden wohl nur voll be­friedigt durch die Bekanntschaft mit dem Gast, den man gern wieder einmal in Gießen be­grüßen wird. * tr.

D ie Grabstätten Beethovens und Schuberts. Aus dem Währinger Fried­hof in Wien befinden sich, wenige Schritte von­einander getrennt, die ursprünglichen Grabstätten der beiden großen Musiker, noch heute geschmückt durch die Originaldenksteine. Der Friedhof soll jetzt dem Verkehr übergeben werden. Es ist aber möglich, die beiden Grabstätten in einer, von einem Keinen Hain umgebenen Säulen Hal le architektonisch zu bereinigen, so daß sie auch fürderhin eine Stätte bleiben, an der die Ehr­furcht vor dem Genius sich mit der Ehrfurcht vor dem Tode Paart und den Besucher zu weihevoller Andacht stimmt Der Schubertbund in Wien hat beschlossen, diese Stulturtat In Angriff zu nehmen. Er bedarf dazu aber reicher Mittel unb ist dafür bei der schwierigen Lage Wiens und Oesterreichs auch auf das Ausland angewiesen. Der Gießener Konzertverein hat sich für die Förderung des Planes entschieden. Es wäre recht erfreulich, wenn auch von hier aus das schöne Werk durch eine reiche Spende unterstützt werden könnte.

Aus Stafct und Land.

Gießen, den 29. Rovember 1922.

An unsere Leser!

Wiederum sind alle Zeitungen gezwungen, ihre Bezugspreise vom 1. Dezember ab zu er­höhen. Die riesenhafte Steigerung aller Mittel zur Herstellung, besonders deS ZeitungS- papiereS, sowie die Erhöhung von Löhnen und Gehältern infolge der Markentwertung machen eine neue Festsetzung der Bezugs­preise unbedingt notwendig.

Oberhessische Zeitung, AlSfeld

Dad-Rauheimer Zeitung Hinterländer Anzeiger, Biedenkopf Allgemeiner Düdinger Anzeiger Butzbacher Zeitung

Dill-Zeitung, Dillenburg

Neue Tageszeitung, Friedberg Oberhessischer Anzeiger, Friedberg Gießener Anzeiger

Oberhessische DolkSzeitung, Gießen Grünberger Anzeiger

Herborner Tageblatt

Hungener Landpost

Lauterbacher Anzeiger

Niddaer Anzeiger

Schützer Bote

Schottener Kreisblatt

Weilburger Tageblatt

Wetzlarer Anzeiger.

Der Bezugspreis für den Gießener Anzeiger betragt vom 1. Dezember an 380 Mark und 20 Mark fürTragerlohn. Der EinzelverkaufS- preiS ist auf 20 Mark festgesetzt.

Verlag deS Gießener Anzeigers. *

Die tägliche geistige Nahrung.

Wie der Körper das tägliche Brot braucht, um existieren zu können, so bedarf auch der Geist der täglichen Rahnrng. wenn er nicht verkümmern soll. Bucher zu kaufen, wird den allermeilten Fa­milien von Tag zu Tag immer schwerer. In dieser Zeit ist es vor allem die Zeitung, die dem geistigen Grnährungsbedürfnis Genüge leisten kann, und sie ist heute in jedem Hause oringenber nötig, denn je zuvor. Große Ereignisse sind im Anzuge. Frankreich, der Tyrann Deutschland, der Unruhestifter in Europa, will wiederum Gewalt anwenden gegen das Deutsche Reich. Der franzö­sische Militarismus schickt damit eine neue starke Elendswelle in die deutschen Linde. In dieser Zeit gerade ist Zeitungslesen Pflicht! Durch die Tageszeitung behält man Fühlung mit dem Weltgeschehen, mit der Gestaltung des Geschickes des Vaterlandes: durch die Tageszeitung erfährt man die Geschehnisse in der engeren Heimat: durch die Tageszeitung erhalt man Gelegenheit, sich beim Lesen ihres unterhaltenden und bildenden Teiles Stundcm der geistigen Erholung zu schafsmi: durch die Tageszeitung endlich bekommt man Eistblick in die täglichen Wirtschaftsvorgänge, wie sie sich im Anzeigenteile widerspiegeln.

Obwohl die Zeitung der langjährige getreue Freund ihrer Lesergemeinde ist, wird sie in ihrem Kostenpunkte vielfach noch nicht recht beurteilt Sie ist natürlich ziffernmäßig gesehen, im Laufe der Zeit auch teurer geworden Aber, was ist denn im Preise stehen geblieben, oder gar billiger geworden? Nichts! Ein Teil der deut­schen Zeitungsleser steht der in den allgemeinen Wirschaftsver!ällnissen begründeten, zwangs­läufigen Verteuerung der Zeitung verständ­nisvoll gegenüber,; ja er findet mit Recht, daß die Zeitung im Verhältnis zu anderen Gegen­ständen noch immer sehr langsam im Preise ge­stiegen ist und nur hinkend der allgemeinen Ent­wicklung nachfolgt. Wieder andere murren, wenn der Zeitungspreis au;schlägt. Dieser letztgenann­ten Schicht, soweit sie auch unter unteren Beziehern vorhanden sein sollte, möchten wir noch einiges zu bedenken geben.

Es gab einst eine glückliche Zeit, in der die Zeitung nur 75 Pfennige im Monat kostete. Damals kostete aber auch das Zeitungsdruckpapier nur 21 Pfa. pro Kilogramm, also etwa nur den vierten Teil des Bezugspreises. Heute dagegen kostet das Papier etwa dreiviertel des Be­zugspreises. Die Druckfarbe, das Metall und die übrigen technischen llnfoften haken die früheren Ausgaben um das Vielfache gesteigert. Die Lohn- und Gehaltsaufwendungen mußten im Gleichmaß mit der allgemeinen Lebensverteuerung erhöht werden, denn auch die Ze'tungsleute wollen leben, wenn auch beileibe nicht mehr so gut wie früher. Das Reich borgte nicht dafür, daß die Zeitung, über die sich die Staatslenker manchmal freuen, manchmal aber auch ärgern, mit verbilligtem Pa­pier versorgt wird. Betrachten wir nach diesem Aeuhern der Zeitung nun auch mal ihren Gehalt! Was sind da jetzt für große Aufwendungen zu machen, um die Zeitung über den Rang einer Richtigkeit hinaus- zuh'eben. Wie außerordentlich ist z. B. der Aus­gabeposten unseres Blattes für seine eigene sorgfältige Berichterstattung aus allen Teilen Oberhrssens und der Umgebung gewachsen, wie unendlich viel mShr muß unser Verlag heute aufwendea für die Erlangung des politischen Rachftchtenmaterials! Was für ganz wesentlich höhere Beträge sind jetzt zu zahlen für das täg­liche Roman- Feuilleton und für all die übrige Mitarbeit, die in unseren' Spalten als geistiges Erzeugnis ernster Männer vor die Augen unterer Leser kommt. Viele Bezieher, die nur den Abonnementspreis des Blattes betrachten, machen sich leider gar nicht klar, welche ungeheuren Ausgaben davon zu bestreiten sind. Sotten wir etwa, um vielleicht den Bezugspreis einige Mark niedriger halten zu können, den geistigen Gehalt des Blattes einschränken? Wer mochte solche For­derung stellen, wer möchte sagen, daß ihm einige Mark unseres schlechten Papiergeldes wichtiger sind als eine tägliche gute geistige Kost? Gerade in dieser Zeit sollte man wenigstens seine gute tägliche Zeitung mit ihren ausgebreiteten eige­nen 3nfoi matlonen und Artikeln sich erhalten.

Die Presse bedarf heute mehr denn je der Treue ihrer Leserschaft, wenn sie den schweren Gxlstenzkamps überstehen soll. DieFrankfurter Zeitung" hat dieser Tage der Oeffentlichkeit klar und ettidringlich auSeinandergesetzt, mit welchen

ungeheuren Schwierigkeiten die große deutsche Presse zu kämpfen hat, um über diesen schlimmen Berg der Zeit Hinwegzukommen. Was vom Standpunkt der Provinzpresse, der Heimat- Leitung aus in dieser Stunde zu sagen ist, haben wir in ganz großen Zügen oben dargelegt. Mit ziffernmähigeli Einzelheiten, wie Porto-, Fahrpreis-, Fracht- und sonstigen älnkosten- er Höhungen neben den allgemeinen Herstellungs­kosten des Anzeigers, wollen wir unfere Leser nicht aufhalten, obwohl uns die Aufstellung solcher Berechnungen eine Kleinigkeit wäre. Ebenso wie die große Presse an die Treue ihrer Leser appel­liert, möchten auch wir heute in diesem Zu­sammenhänge erneut die Bitte an unsere Bezieher richten, ihrem Heimatblatt, dem Gießener Anzeiger, der ihnen stets ein treuer Weg­genosse gewesen ist und bleiben wird, die Treue zu halten! Schweißen wir uns zusammen zu einer freiwilligen Rotgemeinschaft, in der ein Teil dem andern unverbrüchlich in Treue verbunden bleibt!

* . *

Der Brotpreis im Landkreise Gießen

Durch Beschluß des Kreisausschusses dcS Kreises Gießen sind die Verkaufspreise für Mehl und Brot an die Verbraucher der Landgemeinden des Kreises ab 1. Dezember 1922 wie folcst festgesetzt:

1. für Mehl:

a) Weizenbrotmehl 75 Mk. das Pfund, b) Roggenmehl 71 Mk. das Pfund;

2. für Bro t:

a) für den 4-Pfurck>-Laib Brot 241 Mt.

b) für den 2-Pfund-Laib Brot 120 50 Mk

Das Vertaufsgewicht muß noch 24 Ständer nach seiner Fertigstellung vorhanden sein. Dar vom Äommuna[t>2rbanb gelieferte Mehl darf nui gegen Brotmarken. abgegeben werden.

** Der Handel mit Klauenvieh. Das Kreisamt veröffentlicht im neuesten Amtsverkün­digungsblatt folgendes: In Rücksicht auf die äu Beuern bestehende Maul- und Klauenseuche verbiete! das Kreisamt Gießen alle Klauenvieh- Märkte in der Stadt Gießen, sowie den Handel mit Klaue.nc.ieh nördlich der Linie GießenGrün­dern (Oberhessisch: Eisenbahn). Hierunter ist der Handel mi1 Kleinvieh, der ohne vorgängige Be­stellung e.'!weder außerhalb des Gemeindebezirks der gewerbliche Riederlassung des Händlers oder ohne Begründung eines solchen stattfin.det, ver­standen Als Handel im Slime dieser Vorschrift gilt auch das Au (suchen von Bestellungen durch Händler ohne Mitführung von Tieren und das Ankäufen von Tieren durch Händler.

** Fe st genommen wurde hier ein Knecht, der in Selters seinem Dienstherrn 150 000 Ml. unterschlagen hatte und flüchtig gegangen war. Das Geld konnte dem GeschädiAen bis auf einen geringen Teil zurückgegeben werden. Weiter wurden zwei Ingendliche feftaenommen, die sich auf Wanderschaft befanden und Waffen ohne Er­laubnis bei sich führten. Gin Bettler, der im Besitze von 1500 Mk. war, bettelte in aufdring­licher Weise in hiesigen Geschäften, und als ihm nichts verabreicht wurde, zerschlug er eine Fenster­scheibe. Auch er wurde dem Gericht zugeführt. Weitere zwei Diebe wurden zur Vorführung ge­bracht, weil sie in Metallfabriken in Wetzlar unfi Frankfurt a. M. Metalle entwendet hatten, welche sie bei hiesigen Althändlern umsehen wollten. Ein rückfälliger Dieb aus Wieseck wurde hier festgenommen, weil er einen eisernen Spalier- Pfosten an der Böschung der Hammstrahe in der Rähe des Güterbahnhofes entwendet hatte. Ein zugereister Bildhauer hatte sich als Student bei einer Familie eingemietet, verübte Betrüge­reien und stahl am ersten Tage eine Standuhr. Der Mensch wird noch von verschiedenen Be­hörden gesucht. Ihm konnte sein unsauberes Hand-- werk gelegt werden.

** Sonntagsarbeit in den Fri- seurgeschäftendesKreisesGießer ist für Sonntag, 24. Dezember, und für Sonn­tag, 31. Dezember, vom Kre is amt genehmig: worden. Als Arbeitszeit kommen die Stun­den von 912 Ahr vormittags in Betracht.

** Verbot öffentlicher karne­valistischer Veranstaltungen. Das hessische Ministerium des Innern hat ähnlich, wie es auch in Preußen, Bayern usw. geschehen ist, im Hinblick auf die überaus ernsten Zeitverhält- nisse für den Rothilfe-Winter öffentliche karne­valistische Veranstaltungen aller Art verboten.

** Das Lichtspielhaus Bahnhof­straße kann, wie es uns mitteilt, in diesen Ta­gen auf ein zehnjähriges Bestehen zu­rückblicken. Es hat sich in dieser Zeit > durch seine gediegenen, nicht allem Sensationellen dienenden Vorführungen die Anerkeimung und Gunst des hiesigen Publikums erworben. Diesen schönen Er­folg ihrer Tätigkeit können der Besitzer A. H e n- r i ch unb der Geschäftsführer K. Hof mit Ge­nugtuung vermerken. Aus Anlaß der Vollendung des ersten Iahrzehnts veranstaltet die Dlrektlvn wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, eine Jubiläums-Vorstellung, zu der sie den gro­ßen FilmDas Weib des Pharao" er­worben hat. In diesem Film führt Ernst Lubitsch die Regie, Kuick Richter zeichnet für die Ausstat­tung, Eduard Künneke hat die Begleitmusik ver­faßt, Emil Hannings, Friedrich Kühne, Albert IBessermann, Harry Liedtke, Paul Wegener. Lyta Salmonova und Dagny Servaes spielen die Hauptrollen. Das Filmwerk, welches Außeror­dentliches bietet, umfaßt sieben Akte. Die musi­kalische Illustration des Films besorgt das be­liebte Künstler-Orchester des Lichtspielhauses.

Bornotizen.

Lageskalender für Mittwoch Stadttheater, 7 Ahr:Der letzte Walzers Lichtspielchius. Bahnhofstraße:Der Graf von Monte Christo: Die Totenhand." Palast- Lichtspiele:Ihr schlechter Ruf undAlexan­der der Große."

für Donnerstag:

Bedeckt, leichte Schneefälle, Tauwetter, westliche Winde.

Das Hochdruckgebiet im Westen hat sich wieder etwas zurückgezogen und Mitteleuropa zunächst dem Einfluß des skandinavischen Tief- oruckgebieteS überlassen, das Tauwind be­dingt.

Heutiger Stand des Dollars

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Berlin 8350, Frankfurt a. M. 8400.

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