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Mittwoch, 29. November 1922

122. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberheffen

l>m<f und Verlag: vrlihl'sche Univerfttäts-Vuch- und Steindruckerei R. San je in Sietzen. Schristleitung und Seschäsirstelle: Schulstratze 7.

Nr. 281

Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags, mit berSamstaqsbeilage: lkietzenerFamilien blätter Monatliche Sezuaspreise: Mk. 185.- u. Mk. 15.- Trägerlohn,durch diePost 9716.200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: für dieSchrift- Teilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siehen.

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Pomeares Gewattplan.

Paris, 28. Rov. (WTD.) Die fran- Zöfische Legierung veröffentUcht eine offi­ziös« Lote, in der es hecht, da die Brüsseler Konferenz n'.cht zusammen- treten oder möglicherweise Lein Ergebnis zei­tigen werde, uud iULbesondere, weil der D e u 1- sche Reichstag einmütig dafür ein- Lrete, Daß Deutschland sich den Reparalionsverpflichtungen ent­ziehe, würden Maßnahmen in Be­tracht gezogen, die man für geeignet halte als eine Garantie der französischen Rechte. Diese Maßnahmen seien folgende: 1. Doll st ändigeDeschlagnah weder Rheinlands, namentlich in der Ersetzung der deutschen durch französische Beamte. 2. Besetzung von zwei Dritteln des Ruhrgebiet es einschließlich der Stadt« Esse» und Bochum.

Die taktische Bemäntelung.

Paris, 28. Rod. (WTB.) Das amtliche Kommunique über dm heutigen Minister- rat besagt: Ministerpräsident Poincare har den Ministerrat über den Verlauf dec Beratung, die geftern im Elysöe stattgefunden hat, in Kennt­nis gesetzt, über die die ungenaue ft en 3 n -ormationen veröffentlicht worden sind. DerIntvansigeant rügt, indem ec von einem Kommunique vor der gestrigen Sitzung spricht, daß die Alliierten Frankreichs vorher von se ner Ab­sicht in Kenntnis gesetzt wurden, damit die Mit­teilungen der Morgenpresse ihnen nicht als eine weniger brüske Tieberraschung gekommen seren.

Wir konnten die vorstehende Meldung nebst einigen Pariser Stimmen schon in einem Tell unserer gestrigen Auflage brin­gen; sie wird heute durch em amtliches Communi que zwar etwas bemäntelt, aber ihre inhaltliche Richtigkeit bleibt bestehen. Don Sh am ist die Tak­til der französischen Regierung nicht diktiert, wohl aber von einiger Rücksichtnahme aus die Gefühle der Alliierten, besonders Englands. Das deutsche Doll aber legt sich jetzt Rechenschaft ab über die Erfolge seiner bisherigen Regierungen und über die Pflichten der jetzigen und künftigen Manner. An einem Tage kann dies nicht geschehen. Wir erwarten auch vom Kabinett Cuno feine lärmenden Ankündigungen. Daß er die

Preisgabe deutschen Landes nimmermehr

gestatten und bulben wird, steht in seinem bereits veröffentlichten Programm. Was jetzt zunächst erwartet werden muh, ist, daß die Einigkeit der deutschen Parteien auch in den Fra­gen, um die sie sich heute noch frucht- und sinnlos streiten, solche Fortschritte macht, damit Herr Poincare und die übrige Well ernster damit rechnen, als es in der Pariser Ankündi- gungsnote zum Ausdruck kommt. 3n der Form des deutschen Dorgehens kommt fürs erste ein nachhaltiger Protest unserer regierenden Stellen in Frage, der unterstützt sein muh durch eine deut­liche, gründliche und nicht etwa leisetretends Gegenpropaganda. Der Rhein muh deutsch bleiben; kein Friede kann dauernd sein, wenn das Rheinland uns ge­nommen werden soll. Das pfänderpolitische Spiel der Franzosen täuscht niemanden, am aller­wenigsten uns Deutsch». Wir wissen es jetzt, worauf die Politik Frankreichs hinauswill: nicht auf gerechte Reparationsleistungen Deutschlands sondern auf Annexion deutscher Gebiete and Lockerung des Reichsgefüges. Erst die gestrige Pariser Qlnfünbigung ist der sichtbare Markstsrn, an dem die deutsche Ersüllungspolitik in ihr Richts versinkt. Man darf jetzt nicht in erster Linie auf die Taten der neuen Regierung schauen, sondern auf die Haltung und endliche Erleuchtung der Parteien, diä einen rechten Kurs des deutschen Staatsschiffes erst ermöglichen sollen. Jetzt fallen die Rebel, nahe und ferne Ge­fahren, aber auch greifbare Ziele, werden sichtbar. älnb jetzt bars es kein Schwanken, kein zeitvergeudendes Probieren mehr geben, Venn die Stunde ist bald gekommen, wo eine große Wendung eintreten kann und muh, wo es einzig und allein noch möglich ist, großen künftigen Kriegsgefahren rechtzeitig durch feste Entschlüsse und unbeugsamen Willen des ganzen Dolkes vor­zubeugen. Phrasen und Theorien müssen preis­gegeben werden; Worte allein genügen nicht. Der Vorwärts, der die Regierung Wirth hat stürzen helfen und der neuen Regierung mit Miß­trauen g g nüb rsteht, schre bt He lle folger de Sähe: 3n Frankreich gibt man sich hoffentlich kei­ner Täuschung hin, mit welchen Gefühlen gerade auch die deutsche Arbeiterschaft bis auf den letzten Mann und die letzte Frau der gegenwärtigen Politik Frank­reichs gegenüber ft eßt. Wie immer wir

zur deutschen Regierung flehen, es wird ein hohes Spiel gespielt, und wir haben den Wunsch, daß Poincarö es verliert."

Diese Worte verpflichten zu Taten. Die sozialdemokratische Partei aber will sich Ver­antwortlicher Mitwirkung entziehen, in parteipolitischem 2lbwarten verharren und durch ihre Opposition den natürlichen Lauf einer Ret­tungsaktion gefährden? Wir hoffen, daß die außenpolitische Klärung sogleich auch eine Ent­wirrung der Lage im Innern herbeiführt! Stun­den sind kostbar und Fehler nie wieder gutzu­machen.

*

Paris, 28. Rov. (WTB.) Die Havas- Agentur verbrellet über die gestrige Sitzung im Elysee eine Meldung, in der es heißt, sie glaube ju wissen, daß die Regierung sich augenblicklich bemüt beschäftige, die Politik näher zu erläutern, die sie in Bezug auf die Re^>arations- frage befolgen wolle, und daß sie einen Ak­tionsplan vorbereite, den Poincare seinen eng­lischen, italienischen und belgi'chen Kollegen wahr­scheinlich im Laufe der Vorbesprechungen zur Brüsseler Konferenz zur Genehmigung vorlegen werde. Die französische Regierung werde getreu der bei der letzten Londoner Konferenz von Poin- care aufgestellten These gewiß nicht in eine auch nur teilweise Entbindung Deutschlands von seinen Verpflichtungen willigen, wenn es nicht als gewöhnlicher Schuldner einen Gegenwert stelle. In der Tat würde die Beschlagnahme von Pfändern den Alliiecten unverzüglich Gelder bringen und dadurch das Reich zur Durch­führung des Dertvages zwingen, denn das Reich würde dann danach trachten, daß die Hypotheken aufgehoben würden. Sine Ausbeutung der Staatsgruben im Ruhrgebiet so le ins Auge gefaßt worden sein. Die italienischen und die belgischen Delegierten seien der Ansicht, daß zu diesem Zeitpunkte der französische Dorschlag ein Mittel enthalte, um die Durchführung dec Koh­lenlieferungen sicherzustellen. Sch ieß ich behauptet Havas noch, daß auch die britische Regierung, eint». Kontrolle der Rn-hrgrube.n billige, ft-d ch mir für den Fall einer Verfehlung Deutsch­lands.

Paris, 28. Rov. (WTB.) Der .Temps" versucht in seinem Leitartikel den durch die Morgenpresse verbreiteten Rachrichten über die Konferenz im Elhsöe ihren sensationellen Charakterabzu st reifen und sagt, die Stel­lung Frankreichs habe sich nicht geärtbert. Der Temps unterstreicht noch einmal seinen Stand­punkt, daß Frankreich Deutschland lein Mor-ato- tium für den Verfalltag Ende Januar gewähren könne, ohne Pfänder in dec Hand zu haben.

DieLiberte" schreibt: Auf dem linken Rheinufer, das es bis jetzt ohne eigenes Interesse besetzt halte, werde Frankreich Entschädigung sinden. Preußen erhebe jetzt Steuern und finde Stellen für seine Beamten. Jin R u r g e b i e t werde Frankreich die Kontrolle einer Kohlen­förderung besitzen, die ihren Wert behalte, welche Beschlüsse auch in wirtschaftlicher Hinsicht getro f.n werden, und welches auch die Schwankungen der Währung fein möchten. Auf alle Fälle müsse ein Ende gemacht und ein Ausweg gefunden werden. Der Zustand der französischen Finanzen diktiere gebieterisch den Franzosen ihre Pflicht. Bedenken kommen dem Blall über die Rotwendig­keit von beförderen Aufwendungen franchsischer- seits. Es zieht daraus den Schluß, daß die Ergeb­nisse der neuen Maßnahmen nicht den Alliierten insgesamt zusallen and nach dem Schlüssel von Spaa ausgeteilt werden, sondern nur denjenigen zugute kommen dürfen, die sich an dem französi­schen Vorgehen beteiligen.

DasJournal des Debats" sagt, die neue Regierung mache sich ohne irgendeinen Vorbehalt den Inhalt der Rote vorn 14. Rovember zu eigen. Deutschland berufe sich auf die Währungs- und Finanzlage, in die es ohne Widerstand hinab­geglitten sei, und verlange Hilfe, rede aber nicht von seinen Verpflichtungen oder höchstens in­soweit, als es sie umgehen wolle. Diese Lage würde zunächst die Reparationskommission, nach­her die Brüsseler Konferenz einer Prüfung unter­ziehen. Die Reparationsrommission trete soeben an diese Aufgabe heran. -Heber die Zahlungen für 1923, die ersten Reparationszahlungen, von denen Frankreich einen Anteil haben sollte, müsse Beschluß gefaßt werden, und die französische Re­gierung dürfe diesen Termin nicht untätig ver­streichen lassen. Die französische Regierung werde ihre Entschlüsse nicht fassen, ohne mit ihren Alliierten verhandelt zu haben und ohne mit ihnen einig zu sein.

DasOeuvre" wird nachdenklich und fragt, ob es gut fei, die Brüsseler Konferenz so vor­zubereiten und ihren Fall zu begünstigen da­durch, daß man schon jetzt ihren Mißerfolg ins Auge fasse.

Der sozialistisch»P o p u l a i r e überschreibt einen Actttel: ..Man bereitet eine Dumm­heit vor!" Das Blatt bemerkt, daß bis zum 31. Dezember Deutschland es nur mit Belgien zu tun habe und, wenn Maßnahmen gegen Deutsch­land ergriffen werden sollten, dann könne dies erst mit dem 1. Januar geschehen. Vielleicht aber habe Poincare feine ministerielle Lage inzwischen dadurch konsolidieren wollen, daß er den Scharf­machern im nationalen Block eine Befriedigung biete.

Ere Ql-o übel le schreibt: Wir können nur die Haltung der deutschen Großindustriellen bedauern, die gewissermaßen eine Zwangspolitik

legitimiert haben. Ihre ungeschickten Aeußerun- gen und ihre rein negative Stellung zur Repa- raiionsfrage haben die Anhänger emes Ent­gegenkommens entmutigt und die Argumente der Anhänger der starken Methode, bestärkt. Das Schlimmste für einen Gläubiger ist, wenn er aus­gelacht wird. Die deutschen Demokraten haben wenigstens noch den Schein gewahrt. Dec Reichs­kanzler Cuno hat sich für stark genug gehalten, die Regelung der Schulden zu bestimmen. Man habe ihm in Paris geantwortet, indem man mit dem Säbel rasselte.

Zusammentritt des auswärtigen Ausschusses.

Berlin, 29. Rov. Rach einer Mittei­lung desLokalanz. wird der auswär­tige Ausschuß des Reichstags am Don­nerstag vormittag zusammentreten. Es soll vor allem "die O st s r a g e behandelt werden, je­doch rechnet man, dem Blatte zufolge, in parlamentarischen Kreisen damit daß auch das Rheinlandproblem beraten und daß der Reichsminister des Aeußern von Rosen­berg sich möglicherweise dazu äußern wird.

Der Widerhall in England.

London, 29. Rov. (WTB.) Slater der Heberfcb.iftFrankreich verlangt Un» mögliches schreibt dec politische Derichterstat- tCL desEvening Standard": Während die Verhandlungen in Lausanne so langsam vorwärts schreiten, daß es den Anschein hat, als wenn Weihnachten über der Regelung der Orientfrage vergehen sollte, bereitet man in Paris Vorschläge für ein Vorgehen gegen Deutschland vor, die un­weigerlich ganz Europa in Unord- nungbringen wurden. Die französischen Vor­schläge würfen Fragen auf, in denen Großbritan­nien sehr stark interessiert sei. Es sei vielleicht nicht nötig, die französischen Pläne tragisch zu nehmen, denn sie seien immer bedingt, aber eS sei dennoch notwendig, sie für ernst zu nehmen. Die britische Regierung würde gut tun, in so­fortige enge Beziehung zu der französischen zu treten, um festzu st eilen, wie weit die beiden Re­gierungen einig gehen könnten.

London, 28. Rov. (WTD.) Die Berichte "der französischen Presse übet' eine drvtzen.de französische Besetzung der Rhein - und Ru'hrgebiete finoen tn der Abendpresse große Beachtung. Don maßgebender Stelle ver­lautet, daß keinerlei QKitleibu'.tg in irgendeiner Weise seitens der französischen Regierung erfolgt sei. Im älnte rhau s teilte Donar Law mit, er hätte keine Informationen, die ihn zu der Erklärung ermächtigten, daß die Dae'zung des Ruhrgebiets durch die Franzosen kevorstehe. Ein Parlamentsmitglied fragte h.erke'i: Wird die Re­gierung, rcerm irgendwelche Schritte in dieser Richtung getan werden, vorher darüber unter­richtet werden? Donar Law erwiderte: Ratürlich

Eine LttfLflottevdebatte

in drr französischen Kammer.

Paris, 23. Roo. (WTD.) Die französische Kammer beschäftigte sich heute in ihrer Vor- und Rachmittagssihung mit dem Dudget für die Luft­schiffahrt. Der Aba. Flandrin beschwerte sich darüber, daß der Berichterstatter der d e u t s ch e n Luftschiffahrt übertriebenes Lob gespendet habe. Man dürfe nicht vergessen, daß die Aero­nautik eine französische Wissenschaft sei. Der Redner wies sodann auf die Gefahr hin, der die Sicherheit Frankreichs ausgesetzt sei, wenn Deutschland Handelspiloten hecanbtlden könne, die in Wirklichkeit nichts anderes seien als Kriegs­flieger. Man gebrauche sehr wenig Zeit, um Handelsflugzeuge in Kriegsflugzeuge umzuwan- deln. ZNan hätte Deutschland einfach jede Fabrikation von Flugzougmaterial verbieten müssen. Da man byä nicht getan habe, müsse man die Zahl der Apparate reduzieren. Auch der bekannte Flieger Abg. Fonck glaubte sich ver­pflichtet, auf das tägliche Wachsen der deutschen Luftschiffslotte hinzuweisen. Ein ungeheures Flugheer werde von Frankreichs Feinden organisiert und zeige die Rotwendigkeit, in Frankreich eiste Waffe zu schmieden, durch die man einer Gefahr^beHegnen könne.

Die französische Bemängelung der deutschen Ainanzwirtschafl.

Pari s, 27. Rov. (Wolff.) Die Havas - Agentur veröffentlicht eine umfangreiche oift- ziöse Erklärung auf die vom Wolffbureau veröffentlichte Richtigstellung verschiedener Be­hauptungen des Ministerpräsidenten Poincare in dec französischen Kammer.

Die Erklärung beschäftigt sich in erster Lime mit der Frage der Zahl der deutschen Be­amten, die bei dec Eisenbahn 1913 7-10502 betragen habe, am 1. April 1922 aber 1 020 070. Bei dec Post seien 1913 247 174 Angestellte be­schäftigt gewesen, 1922 aber 319 250. Dcese beiden Bll spiele genügten, um die Richtigkeit der dcia.- schen Verteidigung zu beweisen. (!) We.rn be­hauptet werde, daß zahlreiche Beamte der L ä n - der in den Dienst des Reiches übergetreten seien, so stimme das schlecht mit den Beobachtungen überein, die in den Berichten des demokratvch-en Abgeordneten Darkeld im Preußischen La.cd tag enthalten seien. Rach diesen Berichten betrage die Zahl der Beamten und Hilfsarbeiter allein in der preußischen Verwaltung 802 721 Personen mehr als am 1. April 1914. Außerdem recht- fertige sich die Behauptung, daß Deutschla.td die DeamtengeHälter erhöhe ohne gleichzeitige entsprechende Cnchöhung der Steuern, aus den veröffentlichten Zahlen vom Monat Oktober 1922.

Die offiziöse Erklärung beschäftigt sich als dann mit der Einkommensteuer. Die Zu rückhaltung von Salären habe tatsächllch v»? . Monat April bis Monat September einschlleßl. j 26 977 Millionen Mark eingebracht. Aber i die entgangene Einkommensteuer in ihrer Gesa' hell zu würdigen, müsse man feststellen, daß : Eingang außer Einhaltungen in anderen E kommenskategorien sich insgesamt nur all, 20 3 Millionen belaufe. Was die Ein- und A a fuhr betreffe, so sei zu bemerken, daß bi - zu diesem Jahr die Kontrolle über die An fuhr auf die Erklärungen der Exporteure ge­gründet gewesen sei, also keinerlei Garantie di:: Richtigkeit biete. Erst im Laufe des Jahr:. 1922 seien Vorkehrungen getroffen worden, u... Auskunft über die Verkaufspreise der ausgefl'.tz ten Waren zu erlangen. Außerdem habe ?: deutsche Statistik übet den auswärtigen Hande, seit dem Kriege es regelmäßig verabsäumt, etn, Bilanz zu ziehen.

Die Rote, die sich auch mit der Lage dc' deutschen Industrie und der deutschen F i na nzen beschäftigt stellt schließlich die 'J, hauptung auf, Deutschland habe nicht für 41 Mi: liatden Gold mark Zahlungen geleistet, sonc. nach den offiziellen Ziffern der Reparativ r. kvmmission 'hätten diese Zahlungen bis 30. Api n nur die Zahl von 6 957 567 COO Mk. erreicht. Hieei seien enthalten dec Well der abgetretenen den: sch.n Güter, deren Lasten Deutsch aad Msall - was zwar eine Dermindem.ig der deutschen All i den, aber kein.ssalls eine Zahlungsanstrengung :e deute. Man müsse aber ge. echt erweise dem, wa Deutschland effektiv geleistetOabe, den Well .- beschlagnahmten deutschen Güter in den alliierte--. Ländern hinzurechnen, jedoch mit ter Resert daß diese dazu gedient hätten, die auswärtigen Gläubiger der deutschen Staatsange; ollgen befriedigen, also die Zahlung von Kapitale. erspart hätten die normalerweise hätten erfolg, .i müssen. Man müsse ferner die Ausgleich'llhllmg< in Berücksichtigung ziehen. Aber auch, nein ma.i dies alles berücksichtige, müsse der Betrag de geleisteten Zahlungen von 41 Milliarden au, 8 Milliarden herabgesetzt werden.

Heber die Lage ter deutschen Industrie uni der deutschen Finanzen sagt d e offiziöse Havac Rote: Ein Land, das die Wiederhecste.lang fei ": - industriellen Materials die Tergrör.cn.mg feine. Fabriken, die Konstruktion neuer Ar eitsstätten und neuer Wo'hnhäuser durchführen lie;:, sow: den Wiederaufbau seiner Handelssloite und di" Vergrößerung seiner .Häsen betreibe, könne nicht zu gleicher Zeit von seinem Elend sprechen.

Clemenceau.

Paris, 28. Rov. (WTB.) Rach eine; Havasmeldung aus Chicago ha. Clernenceau nach seiner Ankunft zu Freunden, die ihm Mäßigung anempfa!)- len, geäußert: Ich stehe mit einem Fuß im Grabe. Ich bin hier, um die Wahrheit zu sa­gen. Ich werde den Zweck meiner Reise er­füllen.

Mu?solinL im italienischen Scwk,

Rom. 28. Rov. (Wolff.) Im Senat.fand gestern über die Erklärungen dec neuen Regierung eine Aussprache stall. Rach mehreren im all­gemeinen günstigen Reden antwortete Mus s o l i n i mit einer großen Rede, die fast bet jedem Satz den Beifall des Senats hervorrief. Musso lini erklärte, dec Liberalismus sei das Produkt zweier Revolutionen. Dec englische Konistitutio- nalismus und der frattzösische Liberalismus seien aus stolzen revolutionäce'n Dew^u igen ber Völ­ker hecoorgegangen. In Italien sei das Heber- gangsregiment nicht mehr möglich gewesen; c- sei also "nötig gewesen, alles zu axigen, um de Ration zu retten. Rach langer äleberlegung habe er, Mussolini, die ungesetzliche Aktion durchge^ führt. Es habe eben kein anderes Mittel ge­geben, die arg ermüdete politische Welt mit neuer Kraft zu erfüllen. Er habe aber fein-: Aktion sofort wieder emgeftellt, und mit fernem Siege habe er keinen Mißbrauch getrieben. Er hätte kms Parlament schließen und die Dikta­tur proklamieren können; er habe aber im Gegen­teil alles den höchsten Interessen der Ration untergeordnet. Wenn es sich um die Interessen des Vaterlandes handele, so kenne er keinen Fetisch, nicht einmal ben der Freiheit. Er werde keine antiproletarische Politik treiben, denn er wolle das Proletariat nicht unterdrücken; er wolle es vielmehr aus seiner demütigenden, niedrigen Lage wieder aufrichten, es materiell und geistig heben, denn er sei überzeugt, daß nur dies die Ration einigen werde. Ruhe und Eintracht wür­den den Arbeitern viel nützlicher sein als schwin­delhafte sozialistische Politik.

Zur äußeren Polistk übergehend, erklärte Mussolini, die Verträge würden geachtet werden Die Regierung werde eine auswärtige Polllik treiben, die keine Abenteuer suche, die aber auch keinen Verzicht in sich schließe. Er werde keine imperialistische Politik tre.bm oder unmögliche Dinge zu erreichen suchen, aber man dürfe nicht von vornherein absolut auf jede Ge­waltanwendung verzichten, weil man sonst vor anderen Rationen wehrlos dastände. Italien wolle den anderen nicht als gehorsame Dienerin folgen, sondern wolle seine Rechte for­dern und seine Interessen verteidigen. Musso­lini fuhr fort: Er wolle das Ministerium des Aeußeren behalten.

Dec Senat nahm einstimmig die Tages« Ordnung des Generals Giardino an, die der