Nr. 150
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Erstes Blatt
172. Jahrgang
Donnerstag, 29. Juni 1922
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vnick und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuchr und SteindruSerel R. Lange. Schristleitung, Selchästtftclle und Druierel: Schulstrahe 7.
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Der Ernst der Stunde.
Don Prof. O. MartinSchian, M. d. L.
Wir leben in einer bitterernsten Zeil. Die gegenwärtige Stunde aber trägt ganz besonders schweren Ernst in sich. Der furchtbare Mord an Rathenau, die tief beklagenswerter Dienstag-Ereignisse in der hessischen Landeshauptstadt wirken wie Blitze in dunkler Gewitternacht. Gewalt hier, Gewalt dort. Wohin soll das führen? Soll das deutsche Doll, von Feinden, umdrängt im Weltgewoge mir noch mit größter Mühe sich behauptend, durch Selbstzerfleischung vollends zu gründe gehen? Wird nicht endlich die Selbstbesinnung zum Siege kommen?
Gewalt ward an Rathenau geübt. Gemeinste. roheste, verabscheunngswürdigste Gewalt. Wir fragen uns entsetzt: Wie war das möglich? Die Täter sind nicht bekannt. Man sollte wohl etwas vorsichtiger urteilen, als die meisten getan haben: ist eS wirklich ausgeschlossen, daß «in Ausländer die ruchlose Tat begangen hat? Die Beschreibung, die der einzige Zeuge, der wesentliches zu sagen wußte, von dem einen der Täter gegeben hat, scheint fast auf einen solchen zu deuten. And man fragt unwillkürlich: Wie kann ein Deutscher eine solche sinnlose Antal verüben? Dennoch wer wollte die Möglichkeit leugnen, daß auch deutsche Gehirne diese Tat des Wahnsinns aushecken konnten? ES gibt wohl fanatisch überhitzte Menschen, das Herz voll wogender Leidenschaft, den Kopf voll unklarer 3Dcen. neigend zur Maßlosigkeit im Reden und Handeln, die da glauben mochten, wenn sie einen Minister der Republik mordeten, das „System" zu treffen. Wir schaudern zurück — nicht bloß vor der Gesinnungsroheit, die den Mord nicht scheut, sondern Mich vor dem fürchterlichen Maß politischer Torheit, nein: politischen Wahnsinns, der das Denken solcher Menschen bestimmt. Es ist jo kein Zweifel, daß niemand in diesen Zähren dem deutschen Dalerland schwereren Schaden getanhat, als die Mörder Erzbergers und RathenauS. Die- mand hat mehr den GesundungSproezh gestört als sie; niemand mehr zur Aufwühlung der Leidenschaften beigetragen, als sie. Fluchwürdige, sinnlose, hirnverbrannte, wahnsinnige Derbrechen begingen sie.
Nichts könnte das deutsche Dolk schlimmer treffen, als wenn solche Wahnsinnstaten sich wiederholten. Darum muß jeder Besonnene seine Stimme erheben und warnen, warnen, warnen. DeS Einzelnen Stimme reicht nicht weit. Auch meint wohl jeder, daß die Aeber- zeugung von dem fürchterlichen Wahnsinn solcher Tat schon ohnedies allgemein sei. Run, und sei eS nur, weil der Ernst der Stunde mich drängt, es irgendwo auszusprechen: wer einen politischen Mord begeht, der verfällt — von der Schandbarkeit der Tat ganz abgesehen unserer Derachtung als ein Tvllkopf, der politisch nicht zwei Zentimeter weit sieht, als ein Verräter am Wohle des deutschen DolkeS.
Zum Mord an Rathenau kamen die Darmstädter Vorgänge. Darmstadt, das Hessenland, ist — ich spreche aus genauer Kenntnis der Dinge ' nur gerade noch im letzten Augenblick durcb eine Kraftanstrengung der Polizei, die bis dahin ohnmächtig gewesen war, vor einem politischen Morde bewahrt geblieben. Gott sei Dank, daß wenigstens dies gelang! Die Antaten aber, die geschehen sind, sind genau so sinnlos wie der unselige Mord an Rathenau. Zwei Männer sind betroffen worden, die am Mord an Rathenau so viel Schuld haben wie der deutsche Staatsbürger am Ausbruch eines mittelamerikanischen Vulkans. Führer einer Partei sind eS, die niemals, auch nur mit einem halben Wort, polittsche Gewalttat gebilligt haben; einer Partei, die sich auf den Boden der Weimarer Verfassung gestellt hat und die ihre Bereitschaft zur loyalen Mitarbeit im Rahmen des heuttgen Deutschen Reichs oft deutlichst ausgesprochen hat. Ja, sie hat diese Bereitschaft in anderen Bundesstaaten sogar betätigt. Sie ist seit Jahr und Tag an der preußischen Regierung beteiligt; gefährdet sie dort etwa die Republik? Auch in Hessen gingen bis in die letzte Zeit die Verhandlungen über chre Beteiligung an der Regierung; nicht am ehrlichen Willen der Deutschen Dollspartei zur Mitarbeit sind sie gescheitert. Diesen Männern tut man Gewalt an! Am Rathenau zu rächen? Schuldlose greift man an, well die Schuldigen nicht zu fassen Wahnwitz! Sollte es irgendeinen Denkenden sind? Sinnloser Fanattsmus! Hirnverbrannter geben, der anders urteilt? Wir dürfen doch wohl annehmen, daß r.Y’c Besonnenen, alle anständig Denkenden -uese Schandtaten nicht minder verurteilen, den Mord an Rathenau? Dann sollen alle das so deutlich sagen, wie es verlangt werden kann. Dann soll niemand beschönigen und vertuschen. Alle, das
ganze Doll, soll zu den Tätern dasselbe sagen, was ich oben zum Rathenau-Mvrd gesagt habe: Richt nur Verbrechen, sondern Wahnsinn! Schändung der deutschen Republik, um so mehr, als die Taten nach einer Kundgebung für die Republik erfolgten! -
Och nehme hier nicht das Wort, um Schuldfragen aufzuwerfen oder irgend jemand anderen anzuklagen als die Täter allein. Es wird ja von allen diesen Schreckenstaten noch viel die Rede sein müssen. Mir liegt in dieser Stunde an etwas ganz anderem. Das möchte ich sagen: Sv kann es nicht weitergehen! Sonst m u ß ja Deutschland zugrunde gehen. On zahlreichen öffentlichen Reden im Hesienland habe ich in diesen Jahren ausgesprochen, daß Deutschland vor allem Ruhe braucht, der Stteit um die Versassungsfvrm darf es nicht in feindliche Lager spalten. Wer Deutschland lieb hat, der muß jetzt in dem Rahmen Mitarbeiten, den die Weimarer Verfassung gezogen hat. Wie ich das oft gesagt habe, so wiederhole ich es hier als meine tiefernste Aeberzeugung: diesem Deutschen Reich muß unsere Arbeit, unsere Treue gehören. Auch wir, die wir das alte Deutsche Reich geliebt haben mit allen Fasern unseres Herzens, müssen jetzt der Gegenwart und der Zukunft dienen. Zukunft aber kann Deutschland nur haben, wenn es gesund wird. Gesund werden kann es nur durch Jahre ruhiger politischer Entwicklung. Wehe jedem, der diese Entwicklung durch Gewalt ftört! Wehe jedem, der die deutsche Ehre durch schändliche Taten beschmutzt! Ein ruhiges, geordnetes Staatswesen brauchen wir, in dem ein jeder in Frieden seiner Arbeit leben kann, in dem jeder, unbeschadet seiner sonstigen politischen Aeberzeugung, mit dem anderen eins ist in der Hingabe an das Vaterland, jeder aber auch in diesem Rahmen srei seine Meinung äußern kann. Verpönt sei für alle Zetten jede Gewalt gegen polittsche Gegner!
Wie gegen polittsche Gegner, so soll auch gegen Symbole und Zeichen des Reichs jede Mißachtung, erst recht jede Gewalt ausgeschlossen fein. Auch in Gießen sehen wir jetzt mehr als bisher die schwarz-rot-goldeneFahne. Was viele bei ihrem Anblick empfinden, wissen wir. Auch meine Ansicht ist, daß der Wechsel der Farben ein schwerer Fehler war. 2lber der Wechsel ist geschehen, die Verfassung hat ihn feftgelegt. Sv darf kein Deutscher dieser Fahne seiner Achtung weigern, auch der nicht, dessen Herz an den alten Farben hängt. Diese Farben sind nun einmal die gesetzlichen, verfassungsmäßigen Farben des Deutschen Reiches, zu dem wir gehören und dem wir dienen. Es darf innerhalb der Grenzen des Deutschen Reichs selbstverständlich nicht geschehen, daß diesen Farben Anglimpf widerfahrt. Das gehört zu dem loyalen Sicheinfügen in den Rahmen des Reichs, in dem wir leben.
Wie so die zur Rechten das Gebot der Stunde achten müssen, so müssen es auch die zur Linken tun. Selbst in der Erregung der Zeit ist das heilige Pflicht. Alle müssen am gleichen Ziel arbeiten. Keiner darf ausgenommen sein. Achtung vor der Aeberzeugung des Gegners muß in jedem Herzen leben.
Tief traurige Dinge sind geschehen. Entsetzlich, dieser Mord an Rathenau! Sinnlos in jedem Bettacht! Furchtbar, diese Vorgänge in Darmstadt! Sinnlos in jedem De- ttacht? So darf, so kann es nicht weiter gehen! Sonst geht Deutschland am Wahnsinn zugrunde. Richt Selbstzerfleischung darf die Parole sein, sondern gemeinsame Arbeit im Rahmen des Gesetzes, im Rahmen der Verfassung!
Der Ernst der Stunde nötigt mir dieses ernste Wort auf. Möge es ernste Leser finden! gu den Vorgängen in Darmstadt.
Darmstadt. 28. Zuni. Die Wolfsmeldung, daß der Zustand des Abg. Dingeldey lebensgefährlich ist, bestätigt sich in erfreulicher Weise nicht. Man hofft, daß er in einigen Tagen wieder arbeitsfähig sein ttnri). Die Deutsche Dolks- partei hat gestern abend noch folgende Telegramme abgesandt:
„Reichskanzler Dr. Wirth-Ver- l i n. Infolge Aufrufs sozialdemokratischer Presse heute in Darmstadt große Versammlung von So- zialdcmotraten, Zentrum und Demokraten. Anschließend Demonstrationszug und Sturm aus rechtsstehende Zeitungen. Plünderung der Wohnung des volksparteilichen Abgeordneten Dfann: Mißhandlung des Volkspartei- fübrers Dingeldey. Derselbe im Zuge mitgeschleppt sollte ermordet werden und wurde nur in letzter Minute befreit. Schutzpolizei von hessischer Regierung zu schwach eingesetzt, „um nicht zu provozieren", war stellenweise unentschlossen im Vorgehen, soll auch teilweise in Zivil an Kundgebungen beteiligt gewesen sein. Ern Demonstrant getötet. Was gedentt Regierung zu tun, um das Bürgertum nicht vogelfrei zu machen? Oder ist der Aufruf „Feind steht rechts" Arsache solcher unerhörten Vorgänge?"
..ReichstagsabgeordncterStrese- manu. Heute in Darmstadt im Anschluß an
Protestkundgebung von Sozialdemokraten, Zen- | t rum und Demokraten unerhörte Vorgänge. Go- zialistenblatt hatte Mobilmachung proklamiert und I Entfernung alter Hoheitszeichen verlangt. Anschließend Demonstrationszug und Verwüstung der Wohnung von Osann. Sturm auf bürgerliche xLeitungen, Beschädigung der Maschinen. Dingel- dey gewaltsam fortgeschleppt, mißhandelt und am Kopf verwundet. Sollte am Galgen auf- gehängt werden und ist nur in letzter Minute befreit worden. Einige Arbeiter unter Einsatz des Lebens bemüht. Aeußerstcs zu verhüten. Schutzpolizei auch von hessischer Regierung nur schwach eingesetzt, um ..nicht z.i provozieren", hat mir in äußerster Rot geschossen, ein Toter Schutzpolizei wenig zuverlässig, soll teilweise in Zwil an Kundgebung teilgenommen baten. Große Aufregung dauett fort. Bitten dringenden Protest gegen Vergewaltigung des BürgertumsI Reichskanzler ist benachrichtigt vom Erfolg feines Rufes, daß „Feind rechts steht" Bttten Eie, Dr. Becker fofort in Kenntnis setzen."
Die Scene im Finanzausschuß.
4- Darmstadt, 28. Zuni. 3n der heutigen Sitzung des Frnanzaisschas- scs des Landtages sind die gestrigen Tumulte besprochen worden Von der Deitschen Vollspartei erschienen die Abgg. Dr- Osann und Dingeldey (dieser sich sichtlich mühsam aufrecht erhaltend» in Begleitrng der Abgg. Scholz und S ch i a n. Die Anwesenden hatten sich erhoben, um den Herren ihre Teilnahme zu tekrnden. Abg. Dingeldey ergriff das Wort und lehnte jede Entgegennahme einer Teil ■ nähme ab, so lange ihnen und der Deutschen Dolkspartei nicht volle Genugtuung geworden ist. Er schildert eingehend die ihm angrtane ungr^ heu erliche Schmach. Daraus ergab sich, daß er nur im letzten Augenblick aus dringend st er Lebensgefahr durch die blaue Polizei gerettet werden konnte Hierbei stellte er richtig, daß die schamlose Haltung der Frankfurter Zeitung, wonach er aus einem Schrank hervvraezogen worden sei, erlogen ist, daß er vielmehr der wütenden Menge, die sich nicht zurückhalten ließ, cntgegei^etreten fei Gr ließ der blauen Polizei volle Anertennung 'widerfahren, richtete ater gegen die Regieruno den Vorwurfs üaT> sie ine nötigen Schutzmatznahiuen unterlassen habe: dies, obwohl sie wußte, daß der Aufruf ßu gemeinsamen Deuronstrationen der Linken, der Demokraten und des Zentrums, der im Soz. Volks freund erschienen war, eine direkte Aufforderung zur Gewalt und zum Terror darstellte und obwohl ihr bekannt war, daß im Gewerk^ schaftshaus zur Plünderung der Häuser der Abgg. Osann und Dingel- dey und anderer Privathäuser und zur Zerstörung der Druckereien der rechtsstehenden Presse aufgesordert worden war.
Er stellte fest, daß der Dr. Strecker, früher Präsident des Landesamts für das Dil-- ungswesen, auf dem Marktplatz die Ramen der Abg. Dingeldey und Osann in Verbindung mit den Schuldigen an dem QHorte Rathenau^ absichtlich genannt und somit die Menge zu direkten Gewalttaten ausgehetzt habe.
Er stellte ferner fest, daß ein großer Teil der Schutzpolizei zur Teilnahme an dem Amzug beurlaubt war, daß die Regierung den Einsatz einer stärkeren Truppe, die von der Polizei- direklion verlangt war, abgelehnt bat.
Er stelllte weiter fest, bab die Verantwortung an den entsetzlichen Vorgängen demnach die Regierung und die Parteien, die sich beteiligten, rücksichtslos und unmittelbar treffe. Ein solches Verhalten müsse mit vollem DÄmcht als Pflichtvergessenheit gebrandnrarkt werden.
Abg. Dr. Osann ergänzte die Schilderungen, indem er yn Bild von den schauerlichen Verwüstungen seines Hauses entwarf. Gr verlangte, daß die Mitgli^>er der Regierung sich persönlich hiervon überzeugen. Er geißelte in leidenschaftlichen Worten die Schamlosigkeit der Meldung der Frankfurter Z e i t u n g„ die mit Wohlgefallen von der „R ä u- mung der Wohnung" des Abg. Dr. Osann und von dem „Spießrutenlaufen des Abg. Dingeldey" berichtet hat. ®r beschuldigte inste- sondere die Sozialdemokraten, daß sie durch ihre maßlose Hetze die Verantwortung an den Vorgängen tragen Ater auch Demokraten and Zentrum tragen an der Verantwortung mit, daß sie ebenfalls zur Demonstration aufgeförtert haben.
Es ist interessant, daß M i n i st e r v. Brentano mit Enttüstung dagegen protestierte und erklärte. daß der Rame des Zentrums ohne dessen Wissen unter die Einladung gesetzt wurde.
Die Abgeordneten der Deutschen Dolkspartei verließen nach ihren Worten sofort den Finanzausschuß unD werden an den Arbeiten tesselbsr sich erst wieder beteiligen, wenn ihnen volle Genugtuung geleistet ist.
Die Schreckenstaten des Pöbels.
Meter die Ausschreitungen in Darmstadt erhalten wir von dort folgende zuverlä Darstellung:
Ein Trupp Demonstranten zog nach der offiziellen Kundgebung der Parteien vor das Haus des Abgeordneten Dingeldey und wünschte ihn zu sprechen. Dessen Gattin erklärte begreiflicherweise zuerst, daß er nicht zu Hause sei, als jedoch die Eindringlinge weiterhin vvrgingen, trat ihnen Dingeldey mit ter Frage entgegen, was sie wünschten. Er wurde Darauf gezwungen, von einem Fenster aus zur Sttatze herab zu sprechen. Seine Verurteilung des Mordes an Rathenau und sein Be
kenntnis für friedliche Weiterentwicklung In- nerhalb des republikanischen Staates genügten der Menge nicht; sie schleppte ihn auf d i e Straße, zwang ihm eine rote Fahne in Die Hand ij/rd führte ihn unter ständiger 2c- benSbedroh^ng und tätlichen Mißhandlungen im Zug durch die Sttaßen. Mehreremale wurde versucht, ihn Der Menge zu entreißen, er konnte minutenlang entschlüpfen, aber je- DeSmal ergriff die Menge Den aus vielen Wunden Blutenden, schlug weiter auf ihn ein und schleppte ihn schließlich auf den Marktplatz. Dort machteman tatsächlichAn- st alten, ihn aufzuhängen; in der letzten, bittersten Rot gelang es Der blauen Polizei, Dingeldey Der Mordbande zu entreißen. Zn den Häusern Der Abgeordneten Din- geldey und Osann — diesen traf die Straßen- menge nicht zu Hause an - ist kein Etnrich- ttingsgegenftand mehr heil; alle Fenster fbiti zersplittert. Ebenso bieten die Räume ter ..Hessischen Landeszeitung" und des „Täglichen Anzeigers" ein Bild außerordentlicher Verwüstung. Beim „Täglichen Anzeiger" sind auch die Maschinen stark beschädigt worden. — Rach Mitteilung ter Polizeibehörde kam bei den gestrigen Anruhen nur eine Person umS Leben.
Die Mörder Rathenaus gefunden!
Berlin, 28. Juni (WTD.) Dine amtliche Mitteilung des Polizei-Prä siDiumS besagt, daß Der Mord an Rathenau aufgeklärt ist, nennt Die Ramen Der Mörder und gibt ihr genaues 6lg* nalemeut. Die Täter sinb Der Berliner Ernst Werner Techow, Der Sachse Fischer, auch Bogel genannt und Der Mecklenburger Knauer, auch Körner^ und Kern genannt. Alle Drei gehören Der Organisation C an und waren früher Angehörige Der VrigaDe Erhardt. Mehrere Der Mittäterschaft überführte Personen würben bereits festgenommen.
Berlin, 28. 3unt (WB.) Amtlich. Aach- Dem die Abteilung I a tes Berliner Polizeipräsidiums bereits am Dienstag den gxr Ermordung des Ministers Rathenau benähten Kraftwagen ermittelt und im 'Berliner Polizeipräsidium fichergestellt hatte, ist es ihr jrtzt gelungen, die Mor! tat in vollem Umfange aif- zu klären tnd die Täter f e st z u st e 11 r n. Di« Täter sind:
1. Techow, Ernst Werner, 21 Zahre alt, tn Berlin gehören und zuletzt (n Berlm wohnhaft, 1.78 Meter groß, dunkelblond, gescheiteltes Haar, voller Mund, bartlos, r inten Kinn, ge- lunte, frische, gebräunte Gesichtsfarbe, schlanke Gestalt, Kleidung Trauer-Zackettanzrg, lange Beinkleider, weißer Filz Hut
2. Fischer auch Vogel genannt, mit Spitze namen „Pecheur" genannt, früherer Aufenthaltsort Flöha in Sachsen, aus Ehemnitz, nicht älter als 25 Zahre, 1.75 Meter bis 1 78 Meter groß, hellblonde hohe Stirn, braune A^gen. Haken- nofe, spitzer Mund, bartlos, blasses, schmales, ater gesundes Gesicht, schlanke Gestalt, sächsische Mundart. Kleidung blauer, zweireihiger Sakko-' crnzug. gelbe Halbschche, gelter Regenmantel, weißer Halskragen, lange Krawatte.
3. Knauer, auch Körner und Kern ge*| nannt, gleichfalls nicht älter als 25 Jahre, 1.7L. bis 1,75 Meter groß, hellblond, hohe Stirn,' blaue Obigen, Sattelnase, bartlos, spitzes Kinn breites Gesicht, gebräunte gesunde Gesichtsfarbe, kräftige, breitschultrige Gritalt, Mecklenburger Dialekt, Kleidung: blauer zweireihiger Saüv- anzug, schwarze Stiefel, weißer Stehkragen, kleine- schwarze Krawatte, FilzHut.
Die Drei Genannten gehören der Organisation C an und waren früher Angehörige ter Briga-G Erhardt. Der unter 3 genannte Knauer lKörner, Kern) war während tes Kapp-Putsches der sogenannten Stabswache ter damaligen Kapp- schen Reichskanzlei tätig. Fe st genommen s7nd die drei Täter bisher noch nicht. Sie haben sich aus Berlin entfernt. Da sie nach den polizeilichen Feststellungen zur Zeit ter Tat nicht über große Geldmittel verfügten und auch keine Pässe besahen, ist damit zu rechnen, daß die Täter sich im 3nlante aus- balten. Fischer ist am Sonntag abend mit dem O-Zug 8,35 Uhr nach Halle abgefahren. Die beiden anderen haben vermutlich am Dienstag Berlin verlassen und sich nach Aorten zu begeben.
Eine Anzahl weiterer Personen, die ter Mittäterschaft überführt ist. ist von ter Berliner politischen Polizei bereits verhaftet Wörtern.
Wie die „Vossische Zeitung" von dem Leiter ter politischen Polizei, Oberregierungsrat Weiß, über die Ermittelung der Mörder Rathenaus erfährt, verfolgt die Polizei seit Dienstag Rächt die Spur. In ter Rächt vorn Montag zum Dienstag wurde bereits im Westen 'Berlins ein Teilnehmerander Generalverschwö- rung verhaftet. Durch die Aussagen dieses Mannes und durch das Material, das man bei ihm sand, wurde die Polizei auf die Spur gewiesen. die sich dann auch als richttg herausgestellt habe.
In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter tes ,Derl. Tagebl." bezeichnet es Dr Weist,


