Druhe und Wunsche zum heutigen Tage aus-1 wertvollstes ^Kundenmaterial dem Archiv zur sprechen (Ich entledige mich meiner Aufgabe' Sicherstellung übergeben habe, gehöre au ben M'so l^ber, als ich als einziger Oberhesse im wichtigsten Bestanden, die das Archiv besitze. Ministerium sitze und dem Einpfinden der Ober- „Wenn die Zeiten besser wären, würden hmffort nn Kz>>- Hoho . .fr,. -, . r, r , '
Hessen näher stehe.
dann in
ein (man
Ober-Regierungsrat W e l d c r
Archivrat Dr. Hermann
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schloß mit tige Zeit.
Mr das hessische Staatsarchiv, das Hüter der Q?ÄCntJ? ’ ax8 die Geschichte der Stadt ^H/neben und erkannt werde. Das, was das
wohl etwas gedruckt haben, um es der Stadt als Festgabe zu überbringen, z. B. ein Grünberger Llrkundenbuch. Aber wer kann in diesen teuren Zeiten atz eine solche Veröffentlichung denken, und so kann ich die Glückwünsche der Behörde, die ich vertrete, nur in Worten darbringen. Aber ich hoffe, daß es auch mal wieder auswärts geht mit uns und baß es dann einer späteren Zeit gelingen wird, aus den Archiven etwas herauszugeben und der Bürgerschaft Grünbergs ein Bild von dem zu geb^n, was sich einst in den Mauern dieser Stadt abgespielt hat. Auf die Zeiten dec Not und des Elends sind noch immer Zeiten des Aufstieges gefolgt. Auch unser Volk wird wieder aufwärts gehen, wenn wir alle fest zusammen st ehe n. Dah das auch in dieser alten Hessenstadt geschehen möge, ist mein Wunsch an diesem Tage."
Einem gemeinsamen Gesang folgte die Rede des
Gelehrten „Gießener
Prof. Dr. Ebel, Direktor der Universitätsbibliothek Gießen, zum Festvvrtrag an den Rednertisch. Der Redner ging öon der Not der heutigen Zeit aus, führte die Geschichte der Hubiläumssladt vergleiche hierzu den Artikel dieses rm „Gießener Anzeiger", Beiblatt Familienblätter", vom 19. August) und ernst mahnenden Worten an die Heu- 5- Der Vortrag des Redners wird demnächst als Sonderdruck erscheinen. Aus der mehr als ein stündigen Rede seien hier die Sähe wieder- gegeben, die Gegenwartsbedeutung haben. Sie lauten:
Aus Stabt und Land.
G iehen, den 28. Aug. 1922.
Ausländer und Vohnnngei«ot.
., Das hessische Landes-Arbeits- 'und Wirt- chaftsamt hat in einem Rundschreiben an die Kreisämter und Bürgermeistereien des Vvlks- taates Hessen daraus hingewiesen, dah Ausländer in steigendem Mähe Wohnräume m 'Anspruch nehmen und damit die für die deutsche Bevölkerung verfügbaren Wohnräume nicht unerheblich einschränken. Die Ansprüche der ein- ^milchen Bevölkerung auf Beschaffung von Wohn > l-genhe t ns ien vor denAn s v rü chen der Ausländer zu befriedigen. Ausländer muhten den wohnungsuchenden Deutschen unter allen LImständen weichen.' Don diesem Grundsatz müsse eine Ausnahme nur für solch? Ausländer gemacht werden, die auf Grund der internatio- nalen Verpflichtungen! als Mitglieder von Gesandtschaften, De egationen, Kvmmi sivnen usw unterzubringen sind. Ausländer, di? u -ter Nichtbeachtung oder Umgehung der bestehenden Bor- schrrften Räume In Benutzung genommen hätten seien arottgenfalls Zwangsweise aus diesen zu entfernen. Die hessischen Kreisämter halben aüf 2-nwe tung der Staat Regierung bi? ihnen unter- 'Een Bürgermeistereien und Wohnungsämter aufgefordert, ungesäumt die Anordnungen zur Be- von Wohnräumen zu treffen. Mit Auckslcht auf die zu erwartende Verschärfung der Wohnungsnot und die Verrin?e'.-ung der Aussicht durch Neubauten genügende Aufsichten zu lchasfen, ser es notwendig, in tatkräftiger Weise von dem Rez-t lct Wohnung beschlagnahme Gebrauch zu machen.
Eine musikalische Darbietung des Stadt- orchesters und das dritte lebende Bild: Anto- nitermonche beim Unterricht in der Klosterschule fZro 2tc£Ueten ÜBer 8U cincr mii,ercn Ät.
Beigeordneten Dr. Seid, der die, Glückwünsche der Provinzialhauptstadt Giehen überbrachte, ©rünberg könne mit Stolz auf seine reiche Dergangencheit blicken. Schwere Stürme seien über die Stadt gebraust, aber ihre ruhige Entwicklung hätten sie nicht aufhalten können Daraus möge sie Kraft und Hoffnung für die Zukunft schöpfen, und eine weitere gedeihliche Entwicklung möge ihr beschieden sein.
Bn.. Grün berg, 27. Auaust
ünhikov Ö beglückwünschen, denn die vier Äamubedmaungei, für dos Gelingen eine“ solchen ßprpihmn s12 Q^Öäügige und umsichtige Vor- AnterstützunÜÄ Ausschüsse, die hingebende
tenden Stoben Gedanken arbei-
bie böchft^T gesamte Bürgerschaft,
breitesten Einschätzung des Festes in der Wetteä- Oeffentbchkeit und vor allem gutes ~ waren hier in bester Weise erfüllt und^?Eentlich das Wetter, dieser unsichere berühr Faktor, lieh alle Grün-
w/nd-n Hoffnungen zur freudigen Wirllichkeit werden Zwar noch wenige Tage vor dem Feste, ht waren die Aussichten für
L.d°°Ä. Gelingen der Feier noch recht trübe. Das leidige Regenwetter, das in den letzten -Lagen so mancherlei Nachteile gebracht hat, drohte
S- r Drünberger Siadtjubiläum Übel nut- ^cr<T-ani gestrigen Samstag, dem 5,e/cr’ trat die erhoffte Wendung öum Bessern em. Zeigte der Himmel in den frühen ^odastunden auch noch fein griesgrämiges, graues Gesicht so hellte er sich doch im Laufe
Aa.g^ zusehends auf, und von da ab war oa» Fest vom schönsten Sommerwetter begünstigt.
Die Ausschmückung der Stadt
Einstmals hat man den Dreißigjährigen Ärteg, später die Jahre der napoleonischen Fremdhem-schaft Deutschlands trübste Zeit genannt. Wenn nach hundert Jahren ein deutscher Geschichtsschreiber an die Darstellung der Geschichte unserer Tage geht, so weiß ich nicht, ob er lenes Urteil aufrechterhalten kann. Weite Gebiete deutschen Landes mit Mlllionen deutscher Brüder sind vom alten Vaterland los- gevissen und der Fremdherrschaft überliefert. Im Rhein- spiegeln sich die Farben der Feinde, und nur mit bitterem Weh im Herzen schwören wir uns im stlllen zu: Du Rhein bleibst deutsch wie meine Bimst l Teuerung, Not und Glend auf der einen Seite, Wuchern und Prassen auf ber anbern finden sich im Innern, unb bas Schmerzlichste vor allem: die Zerrissenheit des Volkes, die sich steigert zu gegenseitigem Hah, wo wir doch nichts sein füllten als Brüder. Zwar jeder predigt Einigkeit, aber jeder verlangt Nachgeben nur vom andern, ohne zu bedenken, daß Einigkeit nur auf der mittleren Linie zu erreichen ist.
Mit Recht fAgen wir uns daher: Ist dies eine Zett, in ber es uns ziemt, Feste zu feiern? Gegen die leichtsinnige Antwort: „Man muh die Feste feiern, wie sie fallen", sage ich Nein und abermals Nein. Wenn es aber eine Feier gilt der Erinnerung, der dankbaren Erinnerung an das, was unsere Vorväter geleistet, was sie — schließlich auch um unseretwillen — gelitten, der Erinnerung, aus der wir Trost für die Gegenwart, Mut für die Zukunft schöpfen können, dann sage ich aus vollem Heiden: Ha!
Ein solches Fest soll die siebente Iahr- hundertfeier der Stadt Grünl^rg fein, zu der toir iinä heute hier zusammengefunben haben. Versenken wir uns in bie Vergangenheit! Das ist zu allen Zeiten notwendig, aber niemals mehr als in den Tagen höchsten Glänzes unb tiefsten Unglücks. Denn ntj>t geschichtslos sind wir, ist kein Volk. Das sollen wir uns vor Augen halten. Keine noch so große Staatsumwälzung hat die Vergangenheit abschütteln können, auch nicht die längste unb blutigste aller Revolutionen, die französische, hat bas vermocht. In bet Vergangenheit wurzeln wir, in ihr stecken die Keime unseres Daseins, unserer Kraft, unseres Wesens. Die uns innewohnende Kraft und unser Wesen deeinslusten unsere Entwicklung unb bamit unser Schicksal. Deshalb ist e8 falsch, zu glauben, bie Entwicklung eines Volkes könne gewaltsam aus ihrer Dahn m eine neue Richtung gedrängt werden. Schon der alte Horaz sagt: unterdrücke die Natur mit Gewalt, sie wirb immer wieder siegreich durchbrechen. Das gilt für Revolutionen, aber tn gleichem Maße für bie Unterbrücfung von auften. Entweber geht ein.Volk burch sie zugrunde oder es wird sich aus eigener Kraft erheben unb sich von neuem dem Ziel zu- wenden, auf das sein Wesen, seine Bestimmung es hinweist. Unsere Entwicklung hat uns letzt tn ein tiefes Schattental geführt, sie wird ÄJ* Su sonniger Höhe geleiten.
Das deutsche Voll, das sich mitten im Unglück eine freie Verfassung gegeben hat, wirb auch wieder nach außen unabhängig und frei werden durch eigene Kraft.... Nach einem interessanten Einblick tn die Geschichte Grünbergs die, wie alles in der Welt, unter dem Zeichen
Sf^brenben „Auf unb nieder" Koh der Redner feine von starkem mit folgenden Sähen: aU$- ans ber Geschichte unferer Ä Ä ^"glück nicht zu verzagen,
schöpfen aus ber Stärke unb Tüchtigkeit unseres Volkes, bi? uns doch schließ- llch wieder zu allen Zeiten sich offenbar? von dem revolutionärsten und zugleich vaterlän- drschsten unserer großen Dichter in die herrlichen SSS? "Herland, ans teuere,
dA dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen, hier find die starken Wurzeln deiner Kraft." Un> i biZem G-auber-wollen toir uns an den Händen fasen wollen vergessen, was uns trennt, und als ein e nig Vo k von Brüdern vorwärts s Hauen und unser Bestes und Letztes bingeben für eine
Un,eM siebten deut-
ZOO Jahre ist eine lange Zeit, auch im Leben der Gemeinden unb Völker. Die Geschichte dieser Stabt ist zugleich die Geschichte des Landes. Alles, was sich in den großen Staatsgeschäften abspielt, hat feinen Niederschlag in ber Gemeinde. Die Gemeinde ist der feste Punkt in der Erscheinungen Flucht. So ist auch die Gemeinde bie Unterlage und Voraussetzung für die staatsbürgerlich Erziehung des Einzelnen. Das "treffliche Bild für die Gemeinde ist bie Kleinstadt. Die Großstadt mit ihren ^ufammengebrängten Millionen Einwohnern läßt ein individuelles Leben kaum zu: das wird durch die Masse meist erdrückt. Auf dem Dorfe, wo es wM wurzelechte Existenzen gibt, fehlt zum Teil doch die gepflegte Tradition. Die Kleinstädte sind die richtige Mitte. Freuen wir uns dieser Kultarzentien und pflegen/wir fte pietätvoll. Die. Kleinstädte bilden das Reservoir für einen gefu.iben Purgerstolz, ber sich geltenb macht in ber Gemeinde. Der Ucber* schuß an guten Kräften, den sie abgibt, trägt den Rühm ber Gemeinde weit über die Grenzen der Stadl hinaus. Nicht die schlechtesten Beamten sind es, bie aus den Kleinstädten kommen, und nicht zuletzt aus den ober hessische n Kleinstädten.
Stürmischer Beifall bezeugte dem Redner, daß er feinen Mitbürgern aus dem Herzen gesprochen hatte und dah es ihm mit seinen schlich- ten Worten gelungen toar, allenthalben eine sympathische Stimmung auszulösen.
Lebende Bilder aus der Geschichte Grün- bergs, mit passenden, von Karl Stein verfaßten und von Reallehrer Koh Ibach wirkungsvoll vorgetragenen Vorsprüchen cingelcitct, Gesangs- vortrage und Reigen brachten gefällige Abwechslung in die Kette der Reden des Abends.
Rach ber Rede des Bürgermeisters Ranft wurde als erstes lebendes Bild gezeigt: „Land- graf Ludwig III. legt den Grund zur Stadt durch Erbauung ber Burg. 1186." Diesem Bilb fügte ber Gesangverein „Sängerkranz" zwei Darbietungen seiner Sangeskunst an, worauf man sich an bem zweiten Bild erfreuen konnte: „Die Grün- berger huldigen der Canbgräfin Sophie von Bra- baltt. und ihrem Söhnchen Heinrich dem Kind, 1248.
Hierauf trat
Wir feiern heute das 700. Geburtsfest dieser Stabt. Der Herr Vorredner hat die Frage aufgeworsen: „Sollen unb dürfen wir diese Feste feiern?" Ich bejahe diese Frage, wenn wir die Feste ernst und dem Gegenstand angepaßt vorübergehen lassen. Gerade in trüben Zeiten brauchen wir Lichtpunkte, um uns daraus neue Hoffnung zu holen für die •ßufunft. Daran ist festzudalten, unb darum fmb diese Feste sehr wohl erlaubt. Voraussetzung ist natürlich daß das Volk gesund ist und an seine Zukunft glaubt Ein Volk, das nicht an sich glaubt und keine Hoffnung hat, ist verloren unb verdient keine Zukunft. Aber das deutsche Volk ist gesund, wenn es jetzt auch schwer zu leiden hat, und es verdient eine Zukunft. Gewiß, wir leben in einer trüben Zeit Aber solch? gab es auch früher schon. Die Chronik erzählt uns erschütterndes von den Ereignissen die In den Kriegsjahren des vorigen Jahrhunderts sich abspielten. Was eine feint* li<$)e Invasion bedeutet, hat auch Grünberg ausgiebig zu kosten gehabt. Wer in ber Geschichte gelefen hat, versteht es, daß jetzt mit allen ertragbaren Mitteln der Versuch gemacht wird eine neue feindliche Invasion zu verhindern.
Ein Zurückversenken tn die Vergangenheit ist. notwendig unb gut, 'heute mehr denn je. Wir wollen uns dort nicht hur Mat unb Trost holen, wir wollen dort auch lernen, die Tugenden .festzuhalten, bie unsere Vorfahren geziert haben, aber auch lernen, ihre Fehler zu vermeiden. Wir wollen in tugendhaftem Ordnungssinn leben als (Bürger und Daterlands- fraunbe. Das gegenseitige Mißtrauen, bie innere Zerrissenheit muh verschwinden. Das Zusammenhalten des Ganzen nur gibt die Möglich- leit, bab auch der Einzelne lebt. Man sollte El ich allenthalben begreifen, daß nur das S aJ L ö e s, wenn es Msammen- vleibt, uns die Möglichkeit gibt, als freie Meu- schen zu bestehen. Nur ein einiges Reich kann wieder ein positiver Faktor in der Welt fein. Daran wollen wir festhalten Wenn daS deutsche Voll sich diesen Gedanken zu eigen macht, wenn es erkennt, daß es über alle Parteien unb Gegensätze hinweg doch nur einen Ger a ® n ffjbgt, den deS einigen deutschen Reiches, bann wird unb muß - es boch wieder bafnn kommen, daß wir nicht mit Gewalt und Waffen, sondern mit den Mitteln des Geistes eine ganze Welt überwinden.
In diesem Sinne wiebechole ich die herz- llchsten Wünsche für das fernere Blühen unb Gedeihen ber Stabt Grünberg, dieser Perle ün Kranze der oberhessischen Städte. Die Stadt Grunberg lebe hoch!
Nach einem Dlumenreigen, den Damen des Turnvereins recht ansprechend aufführten, überbrachte
Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 18. Qluguft der Kanzleiassistent an ber Klinik für psychische unb nervöse Krankheiten in Gießen August Dittrnarmit Wirkuna vom 1. April 1922 an zum Obekassistenten an ber rlniversitätskasse in Gießen. — Ernannt wurde l6. August ber Kanzleigehilfe Heinrtch Muller aus Alsfeld mit Wirkung vom 1 April 1922 an zum Kanzleiassistenten an ber Klinik für psychische unb nervöse Krankheiten ber Laubes- Universität Gießen. - Am 21. August 1922 wurde ber Kanzlist Karl Schwinn zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1922 an zum Kanzleiassi- ftenten bei tem Hessischen Landes-Eichungsamt ernannt — Ernannt wurden am 23. Auaust die Revisionsgehilfen Ernst Geisler auS Diebura Wilhelm Hubertus aus Darmstadt ÖL Kißler aus Heuchelheim und Karl Schmidt aus Darm^i zul überplanmäßigen Oberrevi- Dren^ir^r 2. Abteilung des Revisionsamtes ^,^^^^ungskammer mit Wirkung vom 1. April 1922 mr - Qlm 22 August 1922 wurde ber mit der Vertretung ber staatlichen Ober-, forfterei Rabenau beauftragte Forstassessor Otto SmkLE? ßonb°5f vorn 1. August 1922 an zum ernannt - Am 23. August 1922 wurde
*5 Kommurral-Forstwartei Nieder- Rosbach Oberforsterei Ober-Rosbach, Heinrich k I,L »u Nieder-Rosbach uni«
ber Amtsbezeichnung „ Förster" vom 1. April 1922 ab tn den Staatsdienst übernommen.
den Grünberaern in humorgewürzter Rede die Grüße unb Glückwünsche ber Prvvinzialdirektion unb des Kreisamtes, wobei er u. a. sagte:
Sie haben die Provinzialdiraktion eingela- beu- uun. sre hält Ihre Straßen instand, sie laßt ihr Licht über Ihnen leuchten, und wenn es hier unb da mal unbeliebt ist, so ist es nicht unsere Schuld. Ich vertrete aber auch ba$ Kreisamt, unb das gereicht mir zur befon» bereu Freude. Unsere Tätigkeit ist nicht Immer beliebt denn sie hat so manches mit Polizei zit tun. Daß Sie uns trotzdem gern hier sehen, beweist, dah Sie friedliebende Bürger sind. Das Kreisamt ist mit ber Stadt Grünberg immer gut ^ueigekommen. das hängt damit zusammen, daß bei Ihnen alles In schönster Ordnung ist, in ber Stadt unb In ber Verwaltung.
Gewaltige Kriege sind über Ihre Stadt babingebrauft unb doch steht sie aufrecht. Das soll Ihnen Veranlassung zur Hoffnungsfreubig- keit sein. Wir haben uns einmütig zu diesem Feste zusammengefunden, unb das alte Wort: »Saure Wochen, frohe Feste" soll eine neue erhöhte Bedeutung gewinnen, wenn diese Arbeit unb diese Feste in Einigkeit begangen werden. Wenn es in ganz Deutschlaub so sein wird, wie wir es erwarten, und insbesondere hier in ©rünberg, bann werden die Wünsche die ich Ihnen mitgebe, zur Gewißheit, bie herzlichsten Wünsche, baß ©rünberg In einem träft gen Deutslle i Reiche grünen, wachsen unb gedeihen möge bi« in die fernsten Zeiten!"
Im Anschluß an diese Rede überreichte Bäckermeister Carle im Auftrage ber Bäcker- Vereinigung eine Aktensammlung als Geschenk an das städtische Archiv. Die Sammlung enthält bie Akten der Däckerzunst des 16. Jahrhunderts und sie^ reicht bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Dackervereinigung hat diese Sammlung aus privatem Besitz erworben um fic ber Stabt al« OubiläumSgabe barzubringen
Rach ber Darstellung des vierten lebenben ^ Kaisers Friebrtch m die llcfunbe vom . 3* - mü Berechtigung zum Gall- ,
markt , sprach
emer musikalischen Darbietung des Grünberger Stabtvrchesters eröffnete °
Düvgermeisler Ranft, ba« Oberhaupt der Iubiläumsstadt, bie Fest.
-n berzllchen BegrüßungswoVen die Ehrengäste und die große Zabl ber Burgerinnen unb 'Bürger der Stadt. ??rIaufe ^iner Eröffnungsansprache führte ber Redner u. a. aus:
122i ber damalige Landgraf
Ort auf dem Grünen Berge zur Stadt ae- macht. Die spateren Fürsten — Landgrafen SdJ? baben du^ Privilegien und
Rechte die Rechte der Stadt erweitert. Im 14 Jahrhundert stand Grünberg auf der Höhe ba- ”!ü!Ä f?ar §röher wie heute. Es war groß geworden durch die Verbindung von Mittel- y116, Z^bdeutschland nach Norddeut'chland durch die ounfte unb Ackerbauern. Aber es bat sich auch wieder geändert Zwar die Arbeit wurde wie früher weiter geschafft, jedoch dre Zentrale Hatte sich verschoben unb Grün- berg hat bann staubig verloren Der Grün- I ^°^5?va?«n sich wie der Schwabe: I ni(^!. Unö so haben die Grün- hHos tGr ^arbeitet unb gespart, dem Lande ttcbst "nb Gewerbe m&g-
Hohe gebracht, so bas; Grünberg lest undamrat'ert baftebt. Die Gemeinde- nuf guter Basis, und so können t^r hofsen, baß Grünberg auch weiter- Qrnf arrris 'S«.- __«»...••. . t^otz de: Rot ber
Beit und der nteberbruefenben Verhältnisse — 2118 baruber gesprochen wurde, wie das Fest feiert werden sollte, waren wir der Meinuna daß raufdjenbe Feste in dieser schweren 3cit I nrcht angebracht seien. So wurde das Iubi- läumsfest einfach und würdig heraerjcht-t und tir »offen, tafi atte Seiln^nrer8 Un feinem 2lusgang befriebtgt fein werden. Mein Wunlcb I am heutigen Tage ist: Möge Grünberg so av'i. ter gehen und arbeiten und möge es wachsen blühen und gebeiben. Mit diescm Wunsche eröffne ich bie Feier des 700jährigen B sträens der Stadt Grunberg.
Weitere Glückwünsche.
Dem fünften Bild: „Luthers Abreise von fernen Grünberger Herbergsleuten auf seiner Wormser Reise, 1521 , folgten bie Glückwunsch. Oi^en ber Bürgermeister von Alsfeld, Schotten und Lich, die sämtlich Zeugnis ablegten von den derzltchen Beziehungen, die ©rünberg auch mit bttfen Nachbarn verbinden. Gemeinsamer Gesang leitete die Bekanntgabe der schriftlich und telegraphisch etngetroffenen Begrüßungen ein, unter Denen srch auch ein Telegramm des Landespräsi- dLnen sich auch ein Düleriramm des Lanbtagspräsi- Nidda unb Butzbach befanden.
Hiermit war ber Aufmarsch ber ©ratulantea beendet und ber Rest bes Programms wurde nun flott abgewickelt. Dem sechsten Bild: „Der Stadt Notzeit im dreißigjährigen Krieg durch Drand- schatzung, Besetzung unb Pest, 1685" folgte ein vom Turnverein p ä-is ausg-führter Landsknecht- reigen, bem sich als siebtes Bild bie Darstellung anschloh: „Der tödlich verwundete General von Reden wird in sein Sterbehaus verbracht, 21. 3. 1<61." 2lach einer musikalischen Darbietung kam als achtes unb letztes, zugleich als ernste Mah- nung an die Gegenwart gerichtetes Bild zur Darstellung: „Deutsche Einigkeit — unser Zukunftsglaube". Mit dem gemeinsamen Gesang bes Liebes „Deutschland, Deutschland über alles^ unb einem schneidigen Schlußma sch fand bie Feier gegen 2 übr nachts ihren Abschluß.
Um bie künstlerische Seite des Festabends haben sich die Herren Volck und Keim vorn G.eßener Stabtthoctter besonders verdient gemacht: ersterer durch seine geschickte Leitung bei dem Aufbau ber lebenden Bilder, letzterer durch die Shafsung der sehr wirkungsvollen Deleuchtuuas- effekte. Weiter hat Reallehrer Müller-Ahl- h e i m Anspruch auf besondere Anerkennung, denn auch er hat sich um die Bilderstellung sehr bemüht Der in allen Tellen wohlgelungene Festabend wird eine sehr wertvolle Erinnerung für alle Grünberger fein, die diesem Teil des Iubel- estes beiwohnten.
Die Liebenhundertjahrfeier der Stadt Grünberg
(Eigener Bericht des^iehener Anzeigers.)
Finanzminister Henrich als Vertreter der hessischen Regierung dankte ein- Wc freundliche Begrüßung durch das Stadtoberhaupt und sagte dann u. a.- den Äustrag, der Stadt Grün- berg die besten Wünsche unb Grüße ber hessi- übermitteln. Der Staats.
flelommcn. Ich fofr der Sind. °°.n° I °Sg°"Zs'
wurt»e allenthalben mit regem Eifer betrieben, -ttoct) in den Nachmittagsstunden des Samstags SJL-J11?i>cn< Straßen eifrige Einwohner • ft!*!*. den Häuern unb Straßen das
festliche Gewand zu geben. Die Straßen, von denen die Bürgerschaft auf behördliche Aufforderung hin schon vor längerer Zeit bie Holzvorräte rur den Winterbedarf entfernt hatte, wurden nocy einmal blitzblank gemacht, Girlanden unb Sapnen an den Häusern angebracht unb ber- gestalt das Feiertagskleid Grünbergs vollendet
Der Flaggen- unb Girlanbenschmuck war sehr! reich und vielgestaltig. Die staatlichen und ftäbti- )d)en Gebäude waren mit den neuen Reichs- färben Schwarz-Rot-Gold unb ben hessischen Lan- öeöiarben geschmückt. An ben Privathäusern behauptete bie rotweihe Fahne ben Vorrang, ihr iDlgten an zweiter Stelle bie alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot,und an manchen Privathäusern I tourbc auch die neue Reichs sahne schwarzrotgold! gezeigt. Kleine Wimpel an zahlreichen Häusern I veivollstänbigten taS farbenfrohe Di b des Fest- I ^ses. Die Girlanden an ben Häusern unb zahl- retefje junge Tannen, bie man in den Straßen emgegeaben hatte, boten eine wirkungsvolle Ilm- rahirmng des reichen Flaggimschmuckes.
. bem Bahnhof, am Eingang ber Stabt, wres ein Festplakat mit der in Schwarz-Rot-Gold gehaltenen Zahl „700", von einer breiten Girlande niederhängend, ben Besucher Grünbergs auf bie Debeutung bes Tages hin. Am Eingang zum Stadtmtttelpunkt war den Gästen zu Ehren elne ma ,)tige Ehrenpforte errichtet, bie vielfacher Schmuck zierte.
Das altehrwürdige Rathaus war in seinem äußeren Gewände ebenfalls auf das seltene Fest hergerichtet. An ihm waren bie alten Malereien um bie Inster des unteren Stockes von Künstler- hanb in bester Weise erneuert bzw. aufgefrischt worden, unb ein Neuanstrich des ganzen Hauses hatte dieser Künstlerarbeit das passende Relief .gegeben. '
, 2n .Gesamtheit, betrachtet, präsentierte sich die Iubiläumsstadt nach jeder Richtung hin tn sehr würdigem Gewände, auf dessen Schaffung die Stadtvertrctung und Bürgerschaft in gleicher Weise stolz sein können.
Die Hauptseier am Samstag abend vereinigte in der Turnhalle eine außerordentlich I ftarfc Festversammlung, die mit sichtlicher (Spannung den zahlreichen Reden lauschte und an- dauertrd reges Interesse für das gute Programm des Abends zeigte. Aus der langen Reihe der anwesenden Ehrengäste seien folgende Herren ge-
^mlter Henrich als Vertreter der Hess. Regieiung, Oberregierungsrat W e l ck e r als ^Flreter der Prvvinzialdirektion unb bes Kreis- I 0^ ©leben, Staatsrat Balzer, Beigeordneter
1 ? Vertreter der Stabt Gießen 3^9; Werner, Prof. Dr. Ebel-
or ^r^cat Dr. Hermann- Darmstadt. Außerdem waren noch die Städte Alsfeld Schot- treten^ Bürgermeister ver-


