Ausgabe 
28.6.1922
 
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Mittwoch, 28. Juni 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

Trauerfeier für Rathenau

leicht die würdigste Trauerfeier für den als

gunaen von Anfang an sowohl im deutschen Volke wie bei allen Einsichtigen im Ausland

ingungen zu cr-

ber

rung anläßlich der Ermordung

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naus die Veranstaltung von öffentlichen Versammlungen und ähnlichen Kundgebungen am Jahrestage der Friedensun­terzeichnung verboten hat. Es wäre viel-

27. Sunt IWTB.) Die Ans- des Reichstags hatte Reichslunst- in Verbindung mit bem General-

Berlin, schmüclung wart Rebslob

Ium 28. Juni 1922.

Zum dritte nMale jährt sich der Tag, an dem der unselige VersaillerFriedens" - Vertrag unterzeichnet wurde. Als unerträg­

lich. unerfüllbar, den einfachsten Begriffen von c''

«--"'und «*' ?u'ur°öU-rn

Ä JSn «oUrtf wtnn fid) an Den Sraueratt

halt bemerkbar. Wessen Einkommen ist in gleichem Maste gestiegen? Hoffnungslos liegt die Zukunft vor dem ganzen deutschen Volke, wenn es nicht noch rechtzeitig gelingt, eine Ab­änderung der unmöglichen Bedingungen zu cr-

im Reichstag .Kundgebungen im ganzen Reich angeschlossen hätten, in denen ganz im Geist

Eine Rede des bayrischen Landtagsprafidenlen.

München, 27. Juni. (WTD.) Sta 2anb» tag eröffnete nachmittags Präsident König­bauer die Sitzung mit einer Ansprache, in der er des ermordeten Rathenau gebady.c und führte aus: Sn der Verurteilung des entsehlic^n Mor­des sind wir in diesem Hause alle ein anb der»

Die R a t l. Korr. schreibt: ES ist eigentlich zu bedauern, dast die Reichsregie-

llr. 149

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pdstschetttonto:

Krmttsurt a. M. 11686.

ien. zur richtigen Zeit Die großmütige Geste"zu unternehmen, könne dies in einigen Monaten die deutsch: Republik für immer und mit ihr den europäischen Frieden festigen.

empfunden. Mnb als solche haben sie fid) auch bei dem nunmehr dreijährigen Versuch ihrer Erfüllung erwiesen. Die Widerstände, die im deutschen Volk und im Ausland sich gegen den Wahnsinn der bestehenden Verträge richten, sie find trotzdem noch nicht stark genug gewe­sen. eine wirkliche Aenderung durchzusetzen.

Wie die wirtschaftlichen Verhältnifse in den 3 Jahren des ..Friedens" sich verschlech­tert haben, darüber können einige Stichproben aus dem Haushaltsbuch einer Berlinerin Auf­schluß geben.

Tagespreise waren im Juni 1919 bzw. 3uni 1922: Brot vier Pfund Mk. 1.35 16.30,

Milch Ltr. Mk. 0.56 10, Ci Stck. Mk. 1.30

5.40. Butter Pfd. Ml. 12.--Ml. 75,

Ml. 88, Fleisch Pfd. Mk. 4.50 etwa Mk. 56.. Koks Ztr. Mk. 7.85 Mk. 83.10, Bri- fettc Mk. 4.70 Mk. 65.50, Gas Kubikmeter Mk. 0.47 Mk. 5.50, elektr. Licht Std. Mark 0.40 - Mk. 7.20.

Auf diese Weise machen sich die Folgen her Leistungen aus dem Etat von Versailles und dem Ultimatum für jeden deutschen Haus­

reichen.

Doppelt schwer und bitter drücken aber die Tributleistungen, weil sie zum gröstten Teil gar nicht zur Heilung der Kriegsschäden ver­wandt werden. 14 Milliarden betragen allein die Kosten der Besatzung im Rheinland seil Waffenstillstand bis Ende März 1922. Wäh­rend im Frieden im Rheinlande 17 000 deut­sche Soldaten in 28 Garnisonen lagen, wird heute das wehrlose und entwaffnete Deutsch­land bewacht und ausgesogen durch eine Be­legschaft im Rheinland von 130 000 zum Teil farbigen Soldaten, die 288 Orte inne haben. Eine weitere Sinnlosigkeit ist die, dast,die deut­schen Leistungen in England und Amerika eine steigende Arbeitslosigkeit zur Folge haben.

Zu diesen Sorgen kommt der immer neue Schmerz um die Leiden, die im besetzten Ge­biet die Deutschen um ihres Deutschtums wil­len ertragen müssen. Tausende irren heimat­los im übervölkerten Deutschland umher, tau­fende haben die Länder verlassen müssen, die deutscher Fleiß in die Höhe gebracht hat. Sn Polen, Oberschlefien, Ost- und Westpreuhen, Memel, Danzig. Elsast-Lothringen. Süd-Tirol, Böhmen, überall kämpfen und leiden Deutsche, überall steht ihnen ein Hast entgegen, der bloß dem Deutschtum gilt. Sm Rheinland stehen die Deutschen zu allem übrigen in der Ab­wehr einer mit allen Mitteln arbeitenden gei- sttgen Propaganda, die aus ihre Loslösung hinarbeitet.

Unsagbar schwer ist alles, was das deut­sche Volk zu tragen hat. Den schlechthin ver­nichtenden Folgen des Versailler Diktats gilt es, die Einmütigkeit des Lebenswillens des ganzen deutschen Volkes entgegenzufetzen. Sn erster Linie heißt es darum, die falsche Vor­aussetzung zu bekämpfen, auf der ausdrücklich das ganze Gebäude des Diktats errichtet wor­den ist, die Lüge von der Urheberschaft und alleinigen Verantwortlichkeit Deutsch­lands.

Die Folgen des Versailler Friedens wären unter allen Umständen für Deutschland sehr schwer gewesen. Schlechthin vernichtend wurde das Versailler Diktat aber erst dadurch, daß es als Strafe auferlegt wurde für die an­gebliche planmäßige Herbeiführung des Welt­krieges. Smmer noch wird nun diese Lüge auf­recht erhalten, um einen Schein des Rechts für alles Ungeheuerliche zu haben, was von Deutschland verlangt wird. Wir wissen zwar, daß im Ausland sich auch die Sttmmen meh­ren, die diese Lüge nicht mehr glauben, und die vom wirtschaftlichen und moralischen Standpunkt aus den Kampf um die Revision der Verttäge ausgenommen haben, die sich auch zum Schaden der anderen Länder aus­wirken. Niemals aber kann dem deutschen Volk wirksam geholfen werden, wenn es nicht selbst feine Sache in die Hand nimmt

Und diese Sache ist geradezu eine Le­bensfrage. sie ist aber auch die Sache der Ehre, des Rechts und der Wahrheit, wie einer wirk­lichen Aussöhnung der Völker.

Paris, 27. Zuni. lWB.) Der _P o p i = [ a i t e" schreibt: Hat man nach der Annahme des Ultimatums vom Qllat 1921 d^rch Deutsch­land die französischen Truppen a is Düffel- dorf und einigen cnbcicn Städten^ die man besetzte um einen Tncke.usz.iüb:n. zurückgezogen >' Durchais nid):. Daher kennten ti: Rationalisten heftige Kämpfe gegen die Erfüllungspolitik führen. Siieu haben wir die tragischen unb f i rcht- baren Ergebnisse. Von Briand bis zu Poincare tat man alles, um bic Bcaktron zu bewaffnen unb den guten Willen der ~emp= traten Sozialsten unb Vollspurtriln m Deutsch­land zu entmutigen. Eine schöne 2lrbcit! Wird

verlegt. Die Entfernung des Stanbbildes aus Wandelhalle wurde zunächst verschoben.

und Sinne dieses Mannes alle noch nicht um ihren Verstand gebrachten Teile des deut­schen Volkes sich vereinigen tonnten, um un­ter Hinweis auf Walther Rathenau der gan­zen zivilisierten Welt vor Augen zu führen, wohin die Fortsetzung des Krieges mit ande­ren Mitteln. Böllerhaß und Zwietracht, füh­ren müssen. Angesichts der Majestät des To­des hätten erst recht auch bei solchen Kund­gebungen parteipolitische Gegensätze geschwie­gen, die überhaupt verstummen sollten, wenn es sich um Leben oder Sterben des ganzen deutschen Volkes handelt. Solche Veranstal­tungen wären auch ein wohlgeeignetes Mit­tel gewesen, zur Ueberwindung des inneren-5) aherö, zur Ausgleichung von Gegensätzen, zur Anbahnung einer Verstän­digung beizutragen. Wenn in diesen Stunden die Gedanken von Millionen Deutschen von Walther Rathenau nach Versailles und zu­rück wanderten, so sollte die Frucht davon die Ueberzeugung fein, daß nur gemeinsame Ar­beit aller zur Arbeit Willigen uns aus Rot und Elend emporführen könne zu der lichten Höhe nationalen Lebens. Und eine andere Lehre müßte sich daraus ergeben. Den Män­nern, die unweit von Versailles in der Haupt­stadt Frankreichs das Ruder ihres Staats­schiffs lenken, sollte der tragische Tod Des deut­schen Ministers eindringlich predigen, daß Ruhe. Ordnung, Frieden und Wohlergehen werden erst dann eintreten können, wenn die bisher unaufhörlichen Demütigungen einer- schwer geprüften, aus stolzer Höhe in tiefste Rot geschleuderten großen Voltes ein Ende finden. So lange immer wieder im deutschen Volt nach den Worten des Reichskanzlers und Rathenaus selbst Gefühle der Erbitterung und des Hasses geweckt und genährt werden, kann der Völkerfrieden auf Erden keine Stätte finden. Wenn am Tage der Beerdigung Wal­ther Rathenaus und der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Versailles der Keim wahren Friedens nach innen und nach außen in die Herzen des deutschen Volkes und Eu­ropas gesenkt würde, wenn als Folge davon die Beseitigung des Vertrages von Versailles wenigstens angebahnt würde, dann ist Wal­ther Rathenau nicht umsonst gestorben.

London. 27. Juni. (WTB.) Der Schriftsteller Dr. Arthur Lynch veröffent­licht imEvening Standard" einen Artikel über Berlin von heute, in dem er die Wir­kung der Friedensbedingungen auf die arbei­tende Klasse der Bevölkerung prüft und zu dem Schluß kommt, daß eine Abänderung des Versailler Vertrages notwendig sei, auch im Sntereffe Englands und Frank­reichs selbst.

Besinnung in Frankreich?

inknbanten des Staatstheaters Zehner geleitet < Vor dem Sarge hielten 12 Legationssetretäre des i Auswärtigen Amtes die Ehrenwache. Attaches i des Auswärtigen Amts hielten die Ordnung im 1 Saal aufrecht. Die Tribünen füllten sich mit Mitgliedern der Parlamente, unter denen alle 1 Parteien vertreten waren und führenden Män­nern der Wissenschaft, der Kunst und des öffent­lichen Lebens Die Mitglieder der Reichs- r c g i c r ii n g, des Reichsrats und die D e r- t r e t e r der Länder normen ans den gewohn­ten Sitzen Platz. Das d i p l o m a t i s ch e K o r p s mit seinen Damen erschien vollzählig tu der Loge des Landtags Um 12 Uhr wurde die Mutier Rathenaus rom Reichskanzler in die grobe DRit telloge geleitet. Ihr folgten die nächsten Ver­wandten. Die umflorten Lampen des Saales flammten auf. Vald darauf betraten derR eichs- Präsident und der Reichskanzler den Saal. Die Versammlung erhob sich von ihren Plätzen. Von draußen drangen Töne von Dee- llwwns Ouvertüre zu Coriolan hinein. Die Musil wurde von der Kapelle der Staatsoper unter Kapellmeister Stiedry ausgeführt. Dann betrat der Reichspräsident die Redner­tribüne.

Die Rede des Reichspräsidenten bei der Lrauerfeier im Reichstage hatte folgenden Wortlaut: Meine Damen und Herren! Sn tiefer Erschütterung stehen neben den Familienangehö­rigen des Toten wir, die Vertreter des deutscyen Voltes, an diesem Sarge, der die irdischen Ucber- reste Rathenaus birgt. Mit den Verwandten trauert in hei bem Schmerz die ganze Ration um diesen Mann, der im Dienste des Vaterlandes stand, süi des Reiches Wohl arbeitete und für die Sufunft Deutschlands Wertvolles zu schaffen be­rufen war wie wenige. Rathenau tour ein Mensch von seltener Eigenart, ausgestattet mit großen mannigfachen Gaben des Geistes, gerüstet mit Er­fahrungen des wirtschaftlichen und geistigen Lebens unseres Landes und des Auslandes. Glän­zend in der Lauterkeit seines Charakters und in der Güte seines Herzens, ragte er weit heraus über den Durchschnitt der Menschen. Mil dieser großen Fülle von guten Eigenschaften war er als mein Ruf an ihn erging - ohne Zögern, opferfreudig das ruhige Leben, seine Reigungen und seine her­vorragende bevorzugte Stellung im Wirtschafts­schaftsleben dahingebend, in den Dienst beü Reiches unb in ben Dienst bes beutschen Volkes getreten. Rathenau war dazu geschaffen, als wirk­licher Staatsmann unb Führer ber Ration aus den Wirrnissen unserer Zeit den Weg in eine lichtere Zukunft zu zeigen. Gehoben durch das Ansehen, das er als Führer der deut­schen Industrie nicht nur im deutschen Wiitsch.'flsleben, sondern in der ganzen Well schon früher genoß, und gestützt aas den Eindruck und die Macht feiner Persönlichkeit, galt fein Wort in der Welt unb in den Kreisen jener, die sie zur Zeit beherrschen. Er war cs tn erster Linie, bem die Aufgabe gestellt werden konnte, unser' Voll wieder enger in die politische and wirtschaftliche 'Beziehung der Völker einz^fügen, zum Heile inb zur ®cf inbung der ganzen Welt. Die Kugeln feiger Mordgescl'en h^ben ihn aiä diesem weggcris'en. Aber dir verruchte Tat traf nicht den Menschen Rathenau allein, str trifft Deutschland in seiner Gesamtheit. Gerichtet war die Bluttat gegen die deutsche Republik und gegen den Gedanken der Demo­kratie deren überzeugter Vorkämpfer und Ver­fechter Rathenau war. Aber sie ist m ihrem Er­folg über dieses Ziel des blutigen Parteikampses hinausgewachftn in das Rüscnmatz des Freve's. Sie ist ein Anschlag auf die Ration, der sie einen der besten Patrioten, ter fäb'.gftcn Köpfe und Vorkämpfer d:s deutschen Aufbaues rarbte. Sie ist ein Verbrechen an unserem arbeitsamen, drl- tenden und hoffenden Volke, das fte in der Abwehr ber Frevel erneut in den zersetzenden Kampf der Leidenschaften hinerngozogen hat.

Meine Damen und Herren! Wir sind in dieser Stunde hier zusammengeiommen, die Lei­tung des Reiches wie die aller deutschen Länder, die Abgeordneten der Parlamente und Frauen wie Männer des öffentlichen Lebens, mit einem Worte, die Vertreter des deutschen Volles in feiner Gesamtheit, um unser Entsetzen und unseren Abscheu lundzutun über diele Tat, begangen von Menschen, die außerhalb ber Gemeinschaft bes deutschen Dolles stehen, bie biefen Mann gefällt und Deutschland diesen unheilvollen Schlag zu- gefügt haben. Gleichzeitig aber wollen wir dem Toten v',i ganzem Herzen danken namens der deutschen Republll und des deutschen Volkes für all das. was er in aufopfernder reiner Liede zum Vaterlande für Deutschland getan hat. Möge aus fernem Geiste eine Frucht aufgehen für uns alle unb für bie Zukunft unseres geliebten Vaterlandes. Mit heißem Dank unb mit bei Versicherung unvergänglichen Gedenkens bringe ich dem toten Freunde unb Mitarbeiter ben letzten Gruß bes beutschen Volkes bar.

Bei ben letzten Worten, bie ber Reichs- präsibent bei ber Lrauerfeier mit bewegter Stimme sprach, neigte er sich vor bem Sarge. Der Vizepräsident bes Reichstages.

Zentrumsabgeordneter Dr. Dell,

Paris. 27. Zuni. lWTD.) Gustave Herve schreibt in berVictoire", es sei eiliger als alles andere, rasche Maßnahmen zur Stabilisierung ber Mark zu ergreifen, bic noch weiter zu finken brohe. Rian muffe zu bem Gedanken einer kleinen beutschen An­leihe im Betrage von einer Milliarde Dollar zurückkehren, damit Deutschland feine nächsten Geldverpflichtungen ohne eine weitere Entwer­tung des Papiergeldes erfüllen könne. Das fei nur ein Mittel, um Zeit zu gewinnen. Das einzige sichere Mittel, bic Katastrophe in Deutschland zu verhindern, fei die Herab­setzung ber beutschen Schuld durch Kompensation mit den alliierten Schulden und andererseits ein französisch- polnisch-deutscher Pakt auf Grund emer freundschaftlichen Revision einiger terri­torialen Klauseln des Versailler Friedensvertrages Falls Amerika e ne- seits und die französische und polnische Republik andererseits fähig seien, zur richtiaen Zeit die --- r tonne dies in

Annahme von Anzeigen für die lagesnummtr oi» 3um Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit, preis für 1 mm tzSde fUt Anzeigeno 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 500 Pf. Bel Platz- Vorschrift 20 , Aufschlag. Hauptschristleiter: Äug. ctzoetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für ben übrigen Teck: Karl Walther; für ben Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Giehen.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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verzeihen, wir aber sind es dem Andenken des Verstorbenen schuldig, unser Voll und Vaterland zu befreien von jener Atmosphäre, welche eS wie Gift und wie ein Pesthauch umgibt Untere Ge­duld catttina rischen Existenzen gegenüber ist vorbei Wir müssen jetzt endlich zu einer reinen Arbeit für das Vaterland kommen. Das ist unsere Dankespflicht gegen diesen edelsten und treuesten Sohn unseres Vaterlandes.

Der demokratische Reichstagsadgeordnet«

Pfarrer Korell

würdigte die ^Persönlichkeit und das Wirken oes Ermordeten. Er war kein SUufioiufl Er sagte uns selbst. Sch kann im günstigsten Falle unterem Dolle einige Erleick terungen t^ci schaffen, unb wenn man sieht, daß bie volle Befreiung aus ben Fesfeln bes» Versailler Vertrages auch mir nicht gelingt, dann werde ich abgetan feilt. Was Wal­ter Rathenau für unser Volk noch hätte leisten können, das können wir ermessen an seiner Per­sönlichkeit, von der wir wissen, daß er vor allem ein treuer Mensch war. Seine betagte Mutter, die der deutschen Ration ein so grofies Opfer brachte, möge Trost finden gerade in der Größe ihres Sohnes der sich dem Vaterland opferte, beim Walter Rathenau ist gefallen im Dienste des Vaterlandes. Gefallen ist er als Hude, daS Opfer einer Geistesrichtung, bie man als Schmach des Sahrhunderts bezeichnen darf, unb bic unter idealistischer Verkleidung krassesten Materialis­mus verbirgt. Gefallen ist er als Demokrat, als Opfer eines falschen Rationalismus Geloben wir uns in dieser Stindr, endlich zu verzichten auf das Wort national, mt damit einer Partei zu nützen. Stellen wir endlich wirklich das 'Bateclaitb über bic Pt riet. Das Vaterland braucht alle feine Söhne ohne Unter­schied des Velenntnisses und der Llbstammung. Wir geloben uns aber weiter Wir wollen Bitze tun. nicht bie im Versailler Vertrag verlangte, 'n' ttir uns allein schuldig bekennen mt allem llnqlüd, ober wir bekennen, dav wir nicht rein genug gewesen sind, daß wir nicht genug an der Sbec hingen, sondern zu viel Knechte bett Marn - monS wurden. Wir wollen jetzt z.scmmenarl'.iten. daß es besser wird unb daran werden sich alle beteiligen welche bic deutsche Repadlit schätzen und ausbauen wollen. Dir aber, freacr Tot?r. rufe ich füi die Deutsche demokratische Partei nach Ruhe in Sri eben! Das Andenken des Gerechten bleibt unvergessen. Was wir bergen m Särgen ist Erb! Geweiht was totr lieben ist geblieben, bleibt in Ewigkeit!

Die. feierlichen Klänge des Wagnerschen Trauermarsches ausSiegfried" und ausGötter­dämmerung" schlossen bic Feier. Der Sarg würbe durch bie Wanbelgängc aus der Wandelhalle zu dem Hauptportal des Reichstages nad) dem Königstor hinausgetragen. Sn dem Rundteil der Wandelhalle hatten studentische Ab­ordnungen unb demokratische Ver­eine mit ihren Fahnen unb Bannern Auf­stellung genommen Vor ber Haupttreppe bes Reichstags stanb eine Ehrenkompagnie ber Reichswehr mit Musik, welche dem Toten die militärischen Ehren erwies. Das Leichenautomobil war mit Rosengirlanben ge­schmückt unb setzte sich alsbald nach Oberschöne­weibe in Bewegung, wo die Beisetzung im Kreise der Angehörigen vor sich geht. Dem Reichsprä­sidenten wurden beim Verlassen des Reichstags von vielen Tausenden begeisterte Ovationen bar- gebracht. Unter den Rufen Es lebe die Repu­blik! Hoch Ebert! setzten sich bic Massen in Be­wegung unb folgten in langem Zuge bem Auto.

Der Reichskanzler.

Berlin, 27. Juni. lWTB.) Der Reichskanzler ist gestern nachmittag zu dem Landhaus Rathenaus gefahren und hat dort eine halbe Stunde an dem Sarge des Ermordeten geweilt, um von seinem Freund und Mitarbeiter den letzten Abschied zu nehmen.

Parteipolitische Absichten.

Berlin, 27. Suni. lWTD.) Nachdem be­reits Abgeordneter Decker namens der Fraktion ber Deutschen VvWpartei schärfsten Einspruch gegen ben Beschluß der Ausschmückungskommission des Reichstages erhoben hatte, das Stand­bild Wilhelms I. in der Wandelhalle des Reichstags bei ber heutigen lrauerfeier für Rathenau zu verhüllen und barm zu entfernen, hat jetzt auch Rathenaus Mutter, wie die Zeit" berichtet, durch Vermittlung der Reichs- tageabgeorbneten Frau von Oheimb dem Reichs­tag ben brinaenben Wunsch übermittelt, batron abzufecen, daß bie Trauerfeier für ihren Sohn . durch eine solche Maßnahme in bie Arena des parteipolitischen Kampfes herabg»o-^ gen werde. Da daraufhin die Umhüllung oeS Standbildes abgesagt werden muhte, weigerten sich die Unabhängigen, der Trauerfeier zu Füßen des unverhüllten Standbildes betzuwoh- nen. Um einen Ausweg zu linden, wurde die Trauerfeier in ben Sitzungssaal des Reichstages

äußerte bann feinen schärfsten Abscheu vor ber Sat bie in ihrer Brutalität, Ruchlosigkeit unb ^Llw'i^UU s-h-n Jrö di- 8e6ler|ömntofigtet feiten in Geschichte daslche. SeSsf**obCT in 6cm-'Iää« sm