Steuerfreie Sparanlagen.
Don
Georg Lind, Rechtsanwalt, in Grünberg.
Geldentwertung und Teuerung haben vielfach davon abgehalten, aus dem Einkommen Rücklagen für das Aller und die Hinterbliebenen zu machen und Vorsorge für die Zukunft und Zeiten der Rot au treffen Auch d»e Steuergesetzgebung hat den Sparsinn ungünstig beeinflußt. Es griff die Befürchtung Platz. baft Ersparnisse von der Steuer ersaht werden konnten, zumal die kleineren Einkommen durch die 10 Prozent Einkommensteuer schon reichlich scharf ersaht wurden.
Die Novelle zum Einkommensteuergesetz vom 20. Juli d. 3 hat nun steuerfreie- Einkommen aus Spareinlagen geschaffen. Di« Bestimmung verdankt ihr Entstehen der Initiative deS ReichSwirtschaftSrats (Antrag Irl. und Künzer). Ihr liegt der Gedanke zugrunde, denjenigen Berufen, die nicht durch Pension, staatliche Versicherung u ä. für* * Erwerbsunfähigkeit, Alter und Hinterbliebene gesichert find, das Sparen zu erleichtern und hierdurch Vorsorge für die Zukunft ihrer selbst und ihrer Angehörigen zu treffen In erster Linie ist dabei an die Gewerbetreibenden. Handwerker und die freien Berufe gedacht, soweit diese überhaupt noch Ersparnisse machen können. Gerade für diese Stände ist eS in erhöhtem Mähe eine sittlich« und wirtschaftliche Pflicht, für ihr Alter und ihre Familie Rücklagen zu schaffen
Seither muhten — mit Ausnahme der Lebens- dersicherlmgSbctkräge bis jährlich 8000 Mark — alle Ersparnisse versteuert werden. Jetzt sind durch die Rovelle des Einkommensteuergesetzes die das Sparen ungünstig beeinflussenden Hemmungen in Wegfall gekommen: Ersparnisse sind steuerfrei unter der doppelten Voraussetzung. dah sie a) j ährltch den Betrag von 8 0 0 0 Mark (einschliehlich der Lebensversicherungsbeiträge) nicht übersteigen, und b) auf die Rückzahlung bis zum Tod oder auf mindestens 20 Jahre verzichtet wird. Zahlt ein Steuerpflichtiger bei seiner Kasse oder Dank, auf eigenen Ramen, auf den seiner Ehefrau, oder beider Eheleute, oder eines minderjährigen, nicht selbständig veranlagten Kindes z B. jührlich den Betrag von 8 00 0 Mark als Spareinlage unter obigen Voraussetzungen. so zahlt er jedes Jahr mindestens 800 Mark Steuern weniger, da er von dieser Spareinlage 10 Proz. Einkommensteuer nicht zu entrichten hat. Die Zinsen stehen dem Sparer voll zu. Er kann sie entweder jährlich abheben, oder der Einlage zuschreiben lassen Durch diese Zinseszinsen wird die Einlage erheblich vermehrt, zumal die Kassen und Danken durch die längere Verfügbarkeit, die ihnen diese
Einlagen gewähren, tn der Lage sind, einen höheren Zinsfuh zu gewähren (A. D. Deutscher GenossenschaftSverband, Raisfeisenkassen u. a.). Zwar toi£b durch die Spcrrvvrschrift biS zvn Tode oder auf mindesten- 20 Jahre die vorzeitige Rückzahlung ausgeschlossen, jedoch kann daS ersparte Geld ohne Schwierigkeiten jederzeit belieben werden.
Eine Einschränkung erfährt die Spareinlagenvergünstigung insofern, als Spareinlagen und LebcnsversicherungSbeiträgc jährlich den ‘Betrag von 8000 Mark nicht übersteigen dürfen. Es ist jedoch srcher zu erwarten, dah diese steuerfreie Summe noch wesentlich erhöht wird, und es ist ratsam, schon jetzt möglichst hohe Betrage als Spareinlagen einzuzahlen, sofern man diese er» übrigen kann.
Bei der Lebensversicherung müssen die Beiträge regelmäßig eingezahlt werden, sonst verfällt der Versicherungsanspruch Spareinlagen können zeitlich und der Höhe nach beliebig gemacht werden, in einem Jahr mehr, im andern weniger, je nachdem, was der Sparer in dem einzelnen Jahr zurückzulegen imstande ist Es empfiehl 1 sich, die Spareinlagen möglichst neben einer Lebensversicherung zu machen Der Gewerbetreibende und Angestellte ist nicht in der Lage, in allen Iabven ft> viel zu erübrigen, daft es für eine hohe Lebensversickerungsprämie langt. Zu einer Spareinlage genügt jede beliebige Höhe. Es ist auch möglich, etwa schon vorhandene Guthaben oder Einlagen in derartige steuerfreie Guthaben umzuwandeln.
DaS Verfahren ist einfach: Der Sparer unterzeichnet einen Antrag mit Verzicht auf die Rücknahme der Gelder bis zum Todesfall oder bis zum Ablauf von 20 Jahren, lieber jede Einzahlung bekommt er von der Sparstelle eine Bescheinigung. die er alljährlich der Steuerbehörde mit seiner Steuererklärung einreicht und erhält bann jeweils Steuerfreiheit auf feine Einlagen
Während seither nach dem Einkommensteuergesetz daS Sparen — mit Ausnahme der für Lebensversicherungen angelegten Beträge — durch die Besteuerung geradezu gehemmt wurde, ist durch diese Novelle em längst gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, wenn auch der steuerfreie Betrag von 8000 Mark einschließlich Lebensversicherung viel zu gering erscheint. Die Steuerfreiheit erstreckt sich schon auf das Einkommen des Jahres 1 92 2; die Einlagen müssen aber bann noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Der Sparer darf solche Ersparnisse bereits bei der anfangs 1923 abzugebenden Steuererklärung sür 1922 in Abzug bringen.
Hessen-Nassau.
fpd. Fra n kf u r t a. M, 26. Oft. Unter dem Namen Ruth Hohen st ein aus Silberhütte vermietete sich Mittwoch vormittag bei einer Herrschaft im Westend ein etlva 26jähriges Mädchen. Noch am gleichen Abend war es unter Mitnahme von Pelzen, Kleidern und Schmucksachen im Werte von mehr als 900 000 Mark verschwunden und konnte bisher nicht ergilffen werden. Man nimmt an, dah sich das Mädchen unter falschem Namen bei der Herrschaft vermietet hat. — Da- Tiefbauamt schlägt die Umtaufe des Paulsplahes tn „Platz der Republik" vor. Mahgebond hierfür war die Lage des Platzes im Zentrum der Stadt, vor dem Rathaus und der historischen Paulsklrche.
Sod)f(f>ulnad)rid)ten.
Berlin, 26. Oft Der langjährige Direktor des anatomisch-biologischen Instituts der Berliner Universität, Prof. Oskar Hertwig, ist im Alter von 74 Jahren gestorben
Handel.
Berlin, 26. Oft. Devisenmarkt. Die bevorstehenden Verhandlungen über die Stabilisierung der Mark wirften anfangs abschwächend auf die Haltung des Devisenmarktes, das Geschäft blieb ober äusserst beschränkt. Im Laufe des Dor- mittc^fSverkehrs schon zog der Dollar von 4325 wieder auf 4500 a.if daS Hervortreten einiger Nachfrage an. 3m offiziellen Handel befestigte sich dann die Haltung weiter etwas. Effekten wurden nicht umgeseht. Die Stimmung neigte eher einer Abschwächung zu, weil die Unsicherheit der inner- und außenpolitischen Lage druckte. Soweit Kurse genannt wurden, stellten sie sich vorwiegend etwas mebriqer gegen gestern. Man erwartet für morgen ein überwiegendes Angebot.
Ne r l i n. 26. Ott. (Wolfs.) Auf Deschluh des Dörsenvorstandes^ fällt die Wertpapierbörse in der nach sten Woche am Dienstag und am Donnerstag aus. An diesen Tagen ist jeder Handel mit Ausnahme des Han° ■MMBMaam
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von LiesbetDill.
24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Dann erinnerte sich Fräulein Muller-Güth, weshalb sie eigentlich gelommen war. Herr Stolzenberg hatte sie h-rgeschicki. .Das ist nämlich der einzige vernünftige Musikalienhändler. der mir in meinem Leben vorgekommen ist," fuhr die Künstlerin fort und nahm wieder Platz. „Ich gehe jetzt nach Amerika, habe dort eine grohe Tournee und möchte vorher meine Vermögensverwaltung einem Anwalt übergeben. Ich war früher bei Ehrlich aber der ist mir zu umständlich Er verlangte immer Unterschriften und schickte mir überall eingeschriebene Driese nach. Ich hatte in Italien Vergangenem Jahr so viel Laufereien zur Post und Scherereien mit Konsulat und Polizei wegen dieser ewig mir nachfolgenden und mich nie erreichenden Geldgeschichten, dah ich es satt habe. Deit amerikanischen Aufenthalt will i4> mir jedenfalls nicht verderben durch solche Widerwärtigkeiten. Ich lege alles vertrauensvoll in Ihre Hand." Ernst verneigte sich .Man sagt mir, dah Sie sich jeder Individualität anzupassen wissen, das ist eine grohe Seltenheit, mein Herr, denn die meisten Juristen zeichnen sich gerade dadurch aus, dah sie das nicht tun.“
„Oa, gnädiges Fräulein, Themis trägt nicht umsonst eine Pinde vor den Augen."
»Ich liebe es, nach meinen persönlichen Bedürfnissen behandelt zu werden, und ich bin gern
delS in Devisen untersagt. Der Produkten- und Metallmarkt finden wie gewöhnlich statt. Der Zutritt zur Börse ist auhrr den zu der Abteilung der Produktenbörse zugelassenen Herren an diesen Tagen nur denjenigen Börsenvesuch_rn gestattet, denen eine befonbtie Karte erteilt ist welche zum Zutrrtt zur Devisennotierung berechtigt.
Frankfurter Devisenmarkt.
(Telegraphische Auszahlung.) Amtliche Notierungen.
Datum: 25. Oktober 26. Oktober
Geld Brief Geld Brief Antw.'Brüssel . 2*2,75 21 *4,25 2<75 2K5.25
Holland...... 1755,50 1764,50 1728,50 1787,50
London 109,25 200,25 197,13 198,12
Parts 319,50 821,50 307,- 301,-
Lckwoiz 817,25 821,75 804,50 809,-
Svanicn lNj.25 686.75 673,25 67675
Italien 18L50 182,50 174,- 175,-
Lissabon-Oporto —,— —,— —,— —
Dänemark .... 898,25 902.75 890,75 895,25
Norwegen .... 798,— 802,— 797,— 801,—
Schweden .... 1197,- 1208,- 1196,- 1204,-
HeliinkNorS.. . . —,—
Neunork 4478,75 4501,25 4433,75 4466-2-5
Deutsch-Desterr. 5,89 6,01 5,69 5,81
Budapest..... 171,- 173- 179- 189,-
Vrnn 146,50 147,50 14L10 142,10
Sofia ....... —>— —
Märkte.
Berliner Produktenmarkt.
Berlin, 26. Ott. Der Produktenmarkt stand im Zeichen der Lustlosigkeit. Geldmangel machte die zweiteHand willig zum Verkauf und demgemäh stellten sich die Preise meist etwis billiger, jedoch war Weizen wenig angeboten und demgemäh teilweise etwas teurer als gestern. Roggen dagegen war stärker offeriert. Gerste behielt wegen der Knappheit besserer Ware ihre Festigkeit. Auch Hafer zeigte sich nicht nachgebend. Mais war tn prompter Ware und auch für November billiger zu haben. Für Mehl und Futterartikel hielt sich die Kauflust zurück Weizen, märkischen 10 300-10 000 Mk. (stetig), ostpreuhischen 9200 bis 9000 Ml. (matter), Roggen, westpreuhlschen
bereit, etwas dafür zu opfern. Aber ich darf mich durchaus nicht auf reg en, das schlägt mir sofort auf die Stimme. Sie werden also alle meine Geschäfte besorgen und mir eine Liste von dem Vorhandenen anfertigen."
.Besitzen Sie nicht selbst eine solche?" fragte Emst.
»Nein," sagte die Müllcr-Güth, „die habe ich verlegt oder sie ist mir abhanden gekommen, und ich habe jetzt keine Zeit, Listen zu suchen. In drei Tagen muh ich im Haag fingen. Ich habe aber alles so ziemlich im Kopfe. Es sind meist Staats- Papiere, Aktien und etwa hunderttausend Mark in bar. DaS flüssige Geld legen Sie mir gut an, und wenn ich schreibe: Schicken Sie mir Geld, dann schicken Sie mit welches. Wer ich wünsche keine eingeschriebenen Briese. Ich habe mich genügend versehen und erhebe drüben auch Honorar. Ich will nur beruhigt abreifen können und meinen Kops, der voll mit anderen Dingen ist, nicht auch noch mit Zahlen anstrengen."
»Das brauchen Sie auch nicht, mein gnädiges Fräulein," sagte Emst, „aber Sie gestatten doch wohl die Fraget ob das Geld, daS flüssige meine ich, in Form von Hypotheken angelegt werden soll oder vielleicht in einer Fabrik, wo Sie hohe Prozente bekommen — und es Ihnen ebenso sicher liegt wie in Häusern, denn Häuser nutzen sich ab. aber eine aufblühende Fabrik . . ."
.Davon verstehe ich nichts, mein Herr," sagte die Müller-Güth und knöpfte ihren Seal zu. „Wie Sie das Geld anlegen, muh ich Ihnen überlassen. Ich stelle nur die Bedingung, dah es sicher untergebracht wird."
.Das ist selbstverständlich" sagte Ernst. Dann diktierte ihm die Heroine den Bestand ihrer Pa-
9500—9800 Mk. lstetig). Sommergerste 9300 dis 9400 Mk.. Wintergerste 10 200—10 000 Mk (maltet). Hafer, loco Berlin 9500—9300 Mk. (matter), Mais. La Plata. Waggon frei Hamburg 9400 bi« 9200 Mk.. Weizenmehl (100 Kg.) 26 000 biS 28 000 Mk. ibehauptet). Roggenmehl (100 Kg.) 23 000—25 000 Mk. (matter). Weizenklcie 5000 bis 5200 Mk. (behauptet), Roggenkleie 5000— 5200 Mk. (behauptet), Raps 12 000-14 000 Mk. (behauptet), Öemjaat 15 000-17 030 Mk.. Viktoriaerbsen 13 500 biS 14 000 M.'.. Futtcrerbsen 9500-- 10 500 Mk.. Peluschken 9300—10 000 Ml.. Ackerbohnen 14 000 biS 15 000 Mk.. Wicken 6330-6:03 Mk., Lupinen blau 8030—8500 M!.. gelb 18 000-20 000 Mk.. Seradella 1920 6300 Ml.. Leinkuchen 4600 bis 4700 Mk. Rauhsutter: Weizen- und Rogoenstroh, drahtgeb. 1800-1933 Mk, Haferstroh, drahtge- preftl 1800—1900 Mk.. Stroh, strohsellgebündelt 1800—1900 Mk., Wwsenheu, gut. gesund und trocken. Vormahd 1000—1100 Mk., Nachmahd 930 bis 1000 Mk.
Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt.
Frankfurt a. M.. 26. Okt. (Amtlich.) Marktverlauf: Kleinvieb bei lebhaftem Handel ausverkauft; Schweme sehr ruhiger Handel und nicht geräumt Im einzelnen ist au bemerken: Auf getrieben waren 433 Kälber, 862 Schafe und 250 Schweine. An Preisenn wurden angelegt pr. Ztr. Lebendgewicht: Kälber beste Qualitäten 16 000-17 000 Mk, mittlerer Qualitäten 14500 bis 16 000 Mk., geringe Qualitäten 12 000 bis 14 000 Mk.: Schafe 7200—12 000 Mk.: Schweine unter 83 Kilo Lebendgewicht 22 030—27 003 Mk., 80—100 Kilo 28 000 -32 000 Mk., 100—120 Kilo 32 000—34 000 RN , 120—150 Kilo 32 000 bis 34 000 Mk., Fettschweine über 150 Kilo 32 000 bis 34 000 Mk. Außerdem wurden 29 Rini er ohne amtliche Preisnvlierung gehandelt. Die Preise liegen um soviel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen.
Bü chemisch.
— Das grohe Opernbuch. Von Alexander Gisenmann. iStuttgart, Deutsche Ver- lags°Anfialt.) Ein Buch wie das vvrliegen.e, daS von einer möglichst groben Anzahl von Opern und Musildramen, soweit sie heute den Spielplan deutsche' Theater füllen, den Gang der Handlung in knapper, übersichtlicher Weise berichtet und auherdem in biographisch-musikgeschichtlichen Daten auch den Ope'rnkomponisten gerechi ivird, entspricht einem p'akiifchen Dedürinis und fördert zugleich das musialische Verständnis Alexander Eifenmann Hal sich der Ausgaben, die ein solches Opernbuch stellt in vortrefflicher Weise entledigt. „Zur Einführung" gibt er eine kurze, in grohen Umrissen gehaltene Geschichte der Oper; dann folgen, unter den alphabetisch geordneten Namen der Komponisten, nicht weniger als 125 Opern, deren Inhalt in möglichst gedrängter Form, aber dabei nicht trocken, sondern lebendig und dem Grundcharakter des Werkes entfbredjenb nacherzählt wird. Den Abschluh bilden die „Biographischen Notizen" über die Komposition der behandelten Opern; e» sind ihrer nahezu 60 — eine Zahl, die an sich schon zeigt, dah der Rahmen des Ganzen möglichst weit gespannt ist. Auch diese biographischen Notizen zeigen neben einfacher, allgemein verständlicher Fassung der musikalischen Ebn'-akteristik den gründlich gebildeten, seiner Kunst mit HerzenswSrme dienenden Musikschriftsteller, als der der Verfasser schon seit langem bekannt ist.
— Die deutsche Philosophie des 2 0. Jahrhunderts in ihren Hauptrichtungen und Grundproblemen, von Dr. Willy M o o g, Privatdozent an der Universität Greifswald. (Verlag von Ferd. Enke, Stuttgart.) — Es handelt sich hier weniger um eine Literaturgeschichte der Philosophie, sondern dem Verfasser kam es vor allem darauf an, typisch bedeutsame philosophische Gestalten der Gegenwart tn ihrer Bedeutung für das gan^e Geistesleben unserer Zeit hervorzuheben und bie Grundprobleme deutlich zu machen.
— Ernst Hornesfer: Die grohe Wunde. Psychologische Betrachtungen zunt Verhältnis von Kapital und Arbeit. Verlag R. Olden- bourg, München.
(In einem Teil der Auslage wiederholt.) Der' 11. November zum gesetzlichen Feiertag erhoben.
Paris, 26. Oft. (WTB.) Das „Journal OffUiel“ von heute veröffentlicht das Gesetz, durch das der 11. N o v e m b e r, der Jahrestag des Waffenstillstandes, zum gesey- lichenFeiertag erhoben wird.
Gin belgischer DermittlungSvorschlag m der Moratoriumsfrage.
Paris, 26. Oft. (WTB.) Wie der „Petit Parisien" mittellt, toirb die Reparationskommission heute eine neue offiziöse Sitzung ab hallen, um die Beratung über die beiden Bor-
piere. .©omit ist alles in Ordnung und ich kann beruhigt abreisen. Wenn meine Aktien sinken, so verkaufen Sie sie, und wenn sie steigen, verkaufen Sie sie erst recht." Damit verabschiedete sich Fraulein Müller-Güth, ihre hohe pelzumhüllte Gestalt verschwand und hinterlieh einen Duft nach verwelkten Rosen.
AlS Herr Bantelmann den nächsten Klienten einlich. sah er den Anwalt mit einem befreiten Lächeln in den Anblick eines Notenheftes versunken an seinem Schreibtisch fitzen. In Ernsts Kopf summten Helle Glockenklänge. SonntagS- geläut. „Freu dich, schon sind da und horten Morgenglocken wach geworden."
•
Sin paar Tage später kam Trete atemlos in der Mainzer Strafte an. Es war alles wieder in Ordnung, der Smaragd hatte sich gefunden. Ernst hatte ihn, seiner Kostbarkeit halber, nur In einen anderen Geldschrank gelegt und hatte das vergessen. Kein Wunder bet seinen vielen verschiedenartigen Aufträgen. Die Fürstin hatte den Schmuck zurückbekommen, es war alles geordnet.
.Mir ist ein Stein vom Herzen," sagte Frau von Herwegh „3<b habe drei Tage nichts gegessen und nicht geschlafen wegen eurem Smaragd."
Die arideren legten der Sache keine ©eitere Bedeutung bei.
Rur der Lümmel meinte bei Tisch: »Habt ihr gesehen, dah unser Ernst grau geworden ist?"
.Ach Unsinn," wurde er verwiesen.
Und man kam nicht daraus zurück
3m Bureau Herweghs hatte sich unterdessen eine Aenderung vollzogen. Nach einer erregten Auseinandersetzung zwischen Herwegh und Ban-
schkäge Bradvury« und BarthouS fo* Ausetzen. Es fei wahrscheinlich, dah heute ein DermittlungSvorlchlag des belgischen Delegierten Delacroix vorgelegt werde, der die Absicht habe, den französischen und den englischen S'.akckpunll miteinander zu verbinden. Der belgische Vorschlag werde sich bemühen, die Schwierigkeiten tu umgehen, indem er auf der uncrü'.lichen sofortigen Kontrolle besteht, aber vorschtägt, die Diskussion über da» Moratorium bis zur Brüsseler Konferenz zu verlogen.
Neue Vorschläge zur Orient* Friedenskonferenz.
Paris, 26. Ott (WTB f Die englische Regierung hat gestern dem französischen Botschafter eine neue Rote in der Orient- frage überreicht. Hierin verlangt sie die Hinzuziehung der Vereinigten Staaten zur Friedenskonferenz und dah die Einladungen zu der Konferenz von der englischen Regierung ausgehen sollen. Rach dem „Pent Journal" schlägt die italienische Regierung jetzt als Ort der Friedenskonferenz Florenz vor
Demobilisation in der Türkei?
PariS, 26. Olt. (WTB.) Wie der „Chicago Tribüne" aus Konstantinopel berichtet wird, hat die Ra> onalvcrfammlung die Zah- resklafsen 1901. 1902, 1903 und 1904, insgesamt 40 000 Mann, demobilisieren lassen.
Vermischtes.
A l t e r t u m s s u n d e in der Weser. 3n jüngster Zeit sind, wie Konrad Kalde in „Niedersachsen" mtltellt, eine ganze Reihe interessanter Naturdenkmäler In der Weser gefunden worden. So wurden In der Gegend von Liebenau und bei Stolzenau eine Anzahl grober und kleiner Findlinge durch Hebevorrichtungen aus dem Weserstrombett ans Tageslicht gebracht. Merk- wüldigerweise bestehen oicfc an die Urzeit erinnernden Steinblöcke bei Stolzenau fast ohne Ausnahme aus weichem Muschellall, die bei Liebenau aus Granit. Leider hat die Strombau- verwaltung die am stärksten hervorragenden Findlinge sprengen lassen, wodurch zwei wertvolle Naturdenkmäler der Vernichtung anheim- sielen. Die jetzt geborgenen Weser-Findlinge sollen bei der Errichtung eines Kriegerdenkmals in Stolzenau verwertet werden, indem sie hier als Oiaturbentmäler Aufstellung finden. Aufterbem fand man beim Baggern in der Weser drei Mammutzähne, von denen der eine, ein Stohzahn, 28 Psund wog; sodann wurde eine sehr starke Hirschgeweihstange in einer Tiefe von 2 Meter im Ktes der Weser gefunden.
• Sie kleinste Uhr. Als dir Heinfte Uhr, die jemals verfertigt (vorden ist, wird ein auftcr- oi deutlich feines Präzisionswerk mit Stunden- schlag bezeichnet, das von einer Schweizer Uhr- madyarfirma in Devev für einen reichen Amerikaner hergestellt wurde. Diese winzige Uhr bc* findet sich in einem Platiirgehäufe, das nuir 14 Millimeter mifjt; das Gehäuse ist über und über mit Etillanten beseht, öle ist In mehrjähriger 01bitt von den geschicktesten Uhrmachern Europas verfertigt worden.
• E ine französische Konkurrenz von Oberammergau. Passienscrufführungen haben in den letzten Monaten zu R a n c tz stall- gesunden. 21 mal wurde hier die Passion von Dilellanten aufgesührt und 45 000 Defucher wohnten dem Schauspiel bei. Der Veranstalter dieser PassionSspiele, Monsignore Petit, erklärt, daft die Spiele als Konkurrenzunternehmen für Oberammergau geschaffen worden seien; sie sollen aber nicht blost alle 10 Jahre stattfinden, sondern wenn möglich schon Im nächsten Jähr, spätestens aber 1924 wiederholt werden.
•
Berlin, 26. Okt. Der Vorstand der Aer^tekammer und des Groft-Berliner Aerzte- bunbes stellten für Gebührenforderun- g e n in der VrivatpraxiS Richtlinien auf, wonach künftig der Grundsatz gilt, daft der Friedenspreis mit dem jeweiligen amtlichen Reichskeuerungsindex multipliziert werden soll. Als vorkr egszeitliche Grundgebühren sind für eine gewöhnliche Beratung in der Sprechstunde 2 bis 5 Mark, und für einen gewöhnlichen Besuch 3 bis 10 Mark zu wählen. Da der TeuerungSlndex im September 113.75 beträgt, so wäre danach für eine Beratung in der Sprechstunde 226 bis 565 Mark, und für einen Besuch 339 bis 1130 Mark zu zahlen.
Berlin, 26. Okt. (WTB.) Ein Riesenschwindel mit gefälschten Coupon s ist durch die Aufmerksamkeit eines Berliner Danklehrlings aufgedeckt worden. Der Bankier Bernhard Erick) Christian Schulze aus Hannover hatte falsche Coupons der 4Vx- prozentigen P.ovinzialanleihe von Bueno Aires, die über englische Pfunde lauteten, in
telmcmn in den Scsicrüumen, wo die Geldschränb: standen, war der alte Bureauvorsteher bleich und verstört herausgc'ommen, hatte mit zitternden Händen feinen Schreibtisch aufgeräumt und war gegangen. Er kam nicht wieder. Rene Gimpel, der erste Schreiber, rückte zum Bureauvorsteher auf und übernahm die HtzpothekeTwerwallung und die sauber getriebenen Kontobücher seine- Vorgängers. Bantclmann hatte das Bureau in musterhafter Ordnung verlassen.
Der Smavagdohrring hatte sich nicht toieber- gefunbeu. Aber zum Glück war der zweite Ohrring vorhanden, und nach dicfem hatte man ben verlorenen arbeiten lassen Wo war der Schmuck? QUemanb wusste ey. An bie Schuld Bantelmamrs glaubte Ernst nicht.
Trete zeigte sich trotzig und stumm. Ich lann doch nicht mehr sagen als ich hab' ihn nicht," sagte sie schnippisch.
^Wer hat ihn benn T fragte er bagegen.
»2ch weift es nicht," sagte sie aufter sich .Warum glaubst du mir nicht mehr, Ernst?"
Er schwieg.
Ihr verzweifelles Schluchzen konnte ihn nicht von Ihrer Schuldlosigkeit überzeugen. Wenn man Sonntags nach der Mainzer Strafte ging, setzte Trete ein helleres Gesicht auf. 2Der es lag jetzt über ihrem Wesen etwas Gezwungenes.
.Du^ kgnnst wenigstens schlafen," sagte Ernst, .und dein Appetit hat auch nicht abgenommen."
.Ja, Gott sei Dank," sagte Grete, „dafür kann man nichts, ich bin gesund und hab' ein reine- Gewissen. Warum soll ich nicht schlafen?"
(Fortsetzung folgt !


