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Sranffurl a. M. 11686.

172. Jahrgang

Freitag, 27. Moder 1922

GietzenerAliMger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-vuch- und Steinöruderei H. Lange. Schrrftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die laqesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 600 Pf., auswärt« 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite2800Pf. Bei Platz- Vorschrift20 ^Aufschlag. Hauptschriftleiter: ?luq. Boetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil' Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Die politischen Besprechungen in Berlin.

Berlin, 27. Ott Lieber die Besprechungen der Parteiführer beim Reichskanzler teilen die Blätter noch folgende Einzelheiten mit: In ebner einleitenden Ansprache wies der Reichs­kanzler auf die Bedeutung der bevorstehenden Ankunft der ausländischen Währungssachverstän» digen und der Mitglieder der Reparationskom­mission hin. Dieses hochpolitische Ereignis habe ihn abgehalten, im Rainen der Reichsregierung im Reichstag eine Erklärung abzugeben, da durch eine solche Erklärung dre Verhandlungen mit der Reparationskommission möglicherweise präjudiziert worden wären. Die gleiche Dedachtnahme auf die bevorstehenden politischen Verhandlungen erbitte er auch von den Parteien. Sie möchten der Sachlage dadurch Rechnung tragen, dah sie ver­suchen, eine gemeinsame Plattform zu finden, auf die sich eine für die kommenden Ereig­nisse notwendige starke Regierung stützen könne.

Für die Sozialdemokratie vertrat dann Abg. Müller-Franken die von der sozialdemo­kratischen Fraktion vertretenen Forderungen auf dem Gebiete der Währungs- und der Ernährungs­politik Wenn seitens der Regierung jetzt nichts Durchgreifendes geschähe, werde die Sozialdemo­kratie in der kommenden Woche nochmals zu­sammentreten, um endgültige Beschlüsse über ihre zukünftige Haltung gegenüber der Regierung und der Koalition zu fassen. Diese Warnung wurda durch den Reichswirtschaf isminisler Schmidt unterstrichen, der längere Ausführungen über die Wirtschaftslage des Reiches machte, die gekenn­zeichnet fei durch die positive Tendenz der Han- oelsbilanzen. Wolle man die Ausfuhr steigern, so bedinge das eine Erhöhung der Arbeitsleistung. 3m Ruhrrevier sei das äleb^rschichtenabkommen zwar zustande gekommen, aber in der Ausführung habe es nicht die Hoffnungen erfüllt, die man darauf gesetzt habe Es fei jedoch zu hoffen, daß dieses Aleberschichtenabkommen, ebenso wie ähn­liche Abkommen auch für andere Industrien zu hoffen seien, bald in höherem Grade Mehrproduk­tion zeitigen werde. Der Reichswirtschaftsminister erörterte darauf die Vorschläge, die er zur Ver­besserung der erlassenen Devisenverordnung ge­macht bot Diese laufen in der Hauptsache auf eine Stützungsaktion der Mark durch Heranziehung des Goldes der Reichsbank und auf einen verschärften Kampf gegen die überflüssigen Wechselstuben, gegen das Hamstern von Devisen und gegen die Nutzbarmachung von Devisenbeständen zu anderen Zwecken als denen der Einfuhr von Rohstoffen hinaus.

Rach Ausfuhrrngen des Abg. Strese- tnonn, der vou der Regierung A iskunft über den Stand der Reparationsfrage ver­langte gab der Reichskanzler eine ausführ­liche Laulegung der internationalen politischen Lage und machte dabei verttätliche Mitteilungen über oie Tätigkeit der Regierung in der letzten Zeit. Die Reichsregierung habe das Reparations­problem niemals passiv, sondern immer aktiv be­handelt. Lieber seine innerpolitische Stellung er­klärte der Reichskanzler, dah er w^er der Kanzler der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft, noch d»r der Sozialdem rkiatie sei. Die Regierung bestehe a is drei Parteien und diese Koalition sei die Brücke, auf der er sein Aint führe. Rach Ausführungen der Abgg. Hrlferding (Soz.), Lange-Heg ermann (3.). von Raumer (D. Vpt.), Koch (Dem.), Müller- Franken (S.), Riester und Stresemann (D. Vpt) wurde schliesst ich dem Vorschlag des Reichskanzlers axf Bildung ztrerer engeren Ausschüsse zugestimmt.

Berlin, 26. Ott. (WTD.) Unter dem Vor­sitze des Reichskanzlers begann heute vor­mittag die Aussprache zwischen den Par­teien der bürgerlichen Arbeite- gemeins chaft und der vereinigten sozialistischen Partei mit dem Ziele, eine Einigung über die Ausführungsverordnungen zur Devisenverordnung und über die weiteren wirt­schaftspolitischen Maßnahmen zu finden. Die Ver­handlungen wurden von beiden Gruppen in diesem Sinne zu einer Verständigung geführt. Rach der Aussprache wurden auf Vorschlag des Reichs­kanzlers - zwei engere Ausschüsse gebildet, von denen der eine die Frage der Deviscnverordnung, der zweite die wirtschaftspolitischen weiteren An­regungen, die teils von der sozialistischen Partei, teils von der bürgerlichen Arbei.sgemeinschaft aus­gegangen sind, behandeln sollten. Der erste Aus­schuß trat sofort unter dem Vorsitze des Reichs­kanzlers zusammen. Die Grundlage der Be­sprechung bildeten die vom Reichswirtschaftsmini- fterium entworfenen Ausführung bestimmungen zur Deviscnverordnung. Es wurde zwischen allen vertretenen Parteien eine Einigung erzielt, so dah die AusführungSbestimmungcn in kürzester Zeit veröffentlicht werden können. Die Wetterführung der Aussprache unter den Parteien ist auf morgen in Aussicht genommen. Es ist zu erwarten, daß eine alsbaldige Klärung der politischen Probleme eintritt, mit denen sich die Reichsregierung an­gesichts der Lage zu beschäftigen hat. Der Reichs­kanzler empfing im Laute des Vormittags die zwei hier Liygetrofsenen internationalen Währungs- sachverstandigen, den Schweizer Dubois und den russischen Dolkswirtschaftler Boris Kalenka.

Die Beratungen der Staatssekretäre der für die Reparationsfrage zuständigen Ressorts der Reichsregierung zur Vorbereitung der Verhand­lungen mit der Reparationskommission wurden heute nachmittag unter dem Vorsitze des Reichs­kanzlers fortgesetzt.

Die Beratungen der Reparationskommission.

Paris, 26. Oft. (WTB.) 3m Laufe der heute vormittag abgehaltenen offiziellen Sit­zung im Hotel Astotia einigten sich die Ab­geordneten und Beigeordneten der Repa­rationskommission über das Pro­gramm ihrer Arbeiten während ihres Auf­enthaltes in Berlin. Der PlanDelacroix' wurde nur einer kurzen Diskussion unterzogen. Rach den Morgenblättern soll der Plan dem französischen Kontrollsystem zustimmen und von Deutschland verlangen, die sofortige Kon­trolle anzunehmen, während der Vorschlag eines Moratoriums der Brüsseler Konferenz vorgelegt werden soll, die auch das gesamte Reparationsproblem behandeln werde.

Nach demMatin" beharrt die französi­sche Delegation auf dem Standpunkt ihres Vorschlages. Wenn die ReparativnSkommis- sion zustimmen würde, dah die Brüsseler Kon­ferenz den Zeitpunkt, nämlich des Mora­toriums, regele, dann würde sie selbst ihre Be­fugnisse verleugnen. DerPetit Parisien" er­klärt, der belgische Delegierte sei beauftragt worden, ein gemeinsames Programm über die Fragen auszuarbeiten, die in Berlin behandelt werden sollen. Er werde sich aber hüten, auf die Fra^e des Moratoriums und die Frage der Brüsseler Konferenz einzugehen und nur eine Anzahl von Punkten erläutern, über die die Reparationskommission einig sei, nämlich Erklärungen von der deutschen Re­gierung zu verlangen. So werde indirekt die Kontrollfrage gestellt. Das Blatt behauptet, obschon Brad'burh zuerst von der Reise ge­sprochen habe, habe Barthou am Dienstag den Vorschlag unterbreitet, dieser englischen Anregung Folge zu geben.

Der belgische Ministerpräsident sür Herabsetzunge der deutschen Schuld.

Berlin, 26. Oft. (Priv.-Telegr.) DaS Berliner Tageblatt" meldet aus dem Haag, dah der belgische Ministerpräsident Theunis gestern im Ausschuß für auswär­tige Angelegenheiten erklärt habe, der Sturz der deutschen Marf sei ein Beweis dafür, daß Deutschland finanziell nicht so fräftig dastehe, wie man anfangs in den Ententeländern an­genommen habe. Die ganze Reparation müßte revidiert und die deutsche Schuld herabgesetzt werden.

Eine Warnung derTimes".

London, 26. Oft. (WTB.) Der Pariser Berichterstatter derTime s" erklärt, er er­halte von neuem vonbefugter Seite" War­nung, dah am Ende des Jahres derZusam - menbruch Deutschlands vollständig sein werde, wenn jetzt nicht ein Wun­der geschehe. Deutschland würde dann in finanzieller Hinsicht auf dieselbe Stufe wie Oesterreich sinken. Die wesentlichste Vorbedin­gung der Wiederherstellung auch nur des ge­ringsten Kredits sei ein Moratorium. Man könne nur wiederholen, dah jede weitere Verzögerung sicher zum endgültigen Zusam­menbruch Deutschlands führen werde und dah fein Tag verloren werden dürfe, ein franzö­sisch-englisches älebereinkommen zu erzielen, wenn noch irgend etwas gerettet werden soll.

Eine Rede des französischen I-inanznnnisters.

Paris, 26. Ott. (WTD.) Die Kammer seht heute nachmittag die Generaldebatte über das Budget für 1923 fort. Finanzminister d e 2 a ft e i) r i e sucht durch Ziffern zu bewegen, dah das Militärbudget Frankrei chs in einer Weise herabgesetzt worden wäre, die kein anderes Land sich gestattet habe. Nicht durch Sparsam­keit werbe man das Land aus der Lage be­freien, in die es geraten sei, man müsse Steuern haben. Er sei der Ansicht, daß man im Rahmen der bestehenden Steuern die 3 oder 4 Milliarden finden könne, die man zur Deckung des Defizits notwendig habe. Er spricht alsdann von der Einkommensteuer und stellt die Behauptung auf. dah die di retten Steuern in Frankreich nicht er­geben, was sie in anderen Ländern einbringe. Nach seiner Ansicht müsse der von der Landwirt­schaft erzielte Ratzen mehr Steuern einbringen. Die älmsatzsteuer habe infolge der Geschäftskrise nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Die Steuer sei arg kritisiert worden. Er wünsche, daß für diese Steuer der Fvrfail angenommen werde.

86 Milliarden habe .Frankreich Deutschland für Reparationen vorgeschossen. Frankreich habe unmittelbar nach dem Waffenstillstand nicht die Möglichkeit oder nicht den Mut besessen, Deutsch­land zu unerläßlichen finanziellen Maßnahmen zu zwingen. Wenn die interalliierte Kontrolle damals in Tätigkeit gewesen wäre, hätte Deutsch­land nicht bis zum Rande des Bankrottes schreiten können, um feinen Verpflichtungen ausziUveichen. De Lasteyrie spricht sich für die baldmöglichste Einberufung derDrüsselerKonferenz aus. Erft wenn man wisse, was man von Brüssel zurückbringe, könne man endgültigere Entscheivun-

gen treffen, könne man eine Bilanz auf stellen. De Lasteyrie spricht sich gegen die Entmutigung aus und sagt, man müsse Deutschland zwingen, daß es das zahle, was es schulde.

Das Programm Bonar Laws.

London, 26. Oktober. (WTD.) Der neue Premierminister Donar Law hat ein Wa hl- rn a n i f e st erlassen, das, wie die Dlätter hervor­heben, zugleich ein Parteimanifest ist. Darin er­klärt Donar Law, die Krise, die so plötzlich ent­standen sei, habe es unbedingt notwendig ge­macht, dah ein sofortiger Appell an das Volk gerichtet werde, fcaber sei es unmöglich ge­wesen, eine Prüfung mit seinen Kollegen über die zahlreichen Fragen vorzunehmen, die behandelt werden mühten. Die Darlegung der Politik, die er jetzt unterbreite, könne daher nicht fp end­gültig und fest umschrieben sein, wie das unter anderen Umflänben möglich getoefen wäre Die Ration bedürfe über alles andere der Ruhe, der Stetigkeit im 3mtern und nach außen. Aus diese Weise könnte man weit besser als durch irgendeine Aktion der Regierung hosten, sich von den wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krie­ges zu erholen Donar Law kündigte die bevor­stehende Auflösung des Kabinettsekretariats in seiner jetzigen Form an, sowie die ilebertragung des Apparates für den Völkerbund an das Fo- reign Office. Auch bei jeder zukünftigen internatio­nalen Konferenz, auch da, wo es notwendig sei, daß er als Ministerpräsident daran teilnehme, sollen der Konferenzapparat und die mit der Konferenz zusammenhängenden Vorarbeiten nicht vom Kabi­nettsekretariat, sondern vom Foreign Office be­werkstelligt werden. 3m gegenwärtigen Augenblick sei das höchste auswärtige Interesse nicht allein Großbritanniens und des britischen Reiches, son­dern der Welt die Wiederherstellung des Friedens. Das Manifest fährt fort:3n allen auswärtigen Beziehungen beabsichtigen wir, einen geraden Weg zu verfolgen und die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen, zugleich fest ent­schlossen, unsere Verpflichtungen nicht ausMdehnen und, falls sich eine angemessene Gelegenheit bietet, sie einzuschränken. Durch uneingeschränktes Zu­sammenwirken oft unter großen Schwierigkeiten und bei großen Meinungsverschiedenheiten haben wir den Krieg gewonnen. Rur durch dasselbe un­eingeschränkte und offene Zusammeirwirkm. geführt in demselben Geiste, mit Frankreich und unseren anderen großen Alliierten, können wir hoffen, die schwierigen Probleme zu lösen, denen wir jetzt gegenüberstehen. Es ist meine zuversichtliche Hoff­nung. dah unter der vielerprobten Führung des Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten die Verhandlungen für die Regierung derO rient- krise zu einem wahren und dauernden Frieden führen werden, der beiträgt sowohl zur politischen Ruhe im nahen und mittleren Osten, womit so viele unserer Reichsinteresten verknüpft sind, als auch zur persönlichen Sicherheit und Wohlfahrt der Bewohner aller Rassen und Kon­fessionen in Gegenden, die der Schau­platz so vieler Unruhen und Leiden gewesen sind. Dc»s erste Ziel der Regierung wird es fein, dem Völkerbünde volle and tat­kräftige Unterstützung zu gewähren. Aufrechterhal­tung der Freundschaft und des guten Einvemeh- n ens mit den Vereinigten Staaten müsse stets ein Hauptziel der britischen Politik sein, lieber die die Sicherheit des Reiches und die aus- wättige Politik berührende Fragen soll iir Ein­vernehmen mit den Regierungen der Dominions und 3ndiens verhandelt werden. Die erste Aus­gabe der Regierung wird die Ratifizier ing des irischen Vertrages sein. Sie wünscht eine ruhige und geordnete Entwickelung in Indien intzc der durch Leus Gesetz von 1919 bestimmten Ver­fassung. 3m 3 n n e r e n ist augenblicklich die Lage des Handels und des Gewerbes die Hauptfach. Sparsam teil ist ein wesentlichgr Punkt des Pro­grammes. Die europäischen Märkte, die Graß- britamrien infolge des Krieges verloren hat, kön­nen am besten erseht werden durch Weiterent­wicklung des Handels mit den überseeischen Län­dern, insbesondere innerhalb des britischen Deiches. Donar Law kündigte zur Erreichung die­ses Zieles eine Wirtschaftskonferenz mit den Dominions an.

London, 27. Ott. (WTD.) äleber die R e - parationen sagte Donar Law in seiner Rede in Glasgow, die Frage sei nicht leicht zu lösen und fei f a st hoffnungslos, aber nichts sei hoffnungslos, an das man mit gutem Mitten und dem Entschlüsse herangehe, zu einem Ziele zu gelangen. Er habe die Emp­findung, daß man im Lande schon sehr geneigt sei, daß es das einfachste Ding von der Welt sei für England, tausende von Millionen zu zahlen, und daß es möglich sei, von Deutschland etwas herauszubekommen. Er sei nicht dieser Ansicht. Die Bedürfnisse Frankreichs feien sehr dringend, und es könnte sein, daß ein ilebereirrtommen un­möglich sein würde. Aber Frankreich und Groß­britannien gingen an diese Sache mit denselben Zielen heran. Donar Law fährt fort: Wir brauchen etwas von Deutschland, wenn w i r e s erhalten können Frank­reich braucht es vielleicht noch mehr. Allster Lei­den kommt nicht in verwüsteten Gebieten zum Ausdruck, sondern zeigt sich an den Fabriken und in der Arbeitslosigkeit. Das französische Doll muh einsehen lernen, dah die Zukunft Euro­pas und der Welt vom gemeinsamen Handeln abhängt. Wir beiden müssen uns hüten, etwas zu tun, was ein gemeinsames Handeln unmöglich macht.

London, 26. Oft (WTD.) Die heute ver­öffentlichte königliche Proklamation, durch

die das Parlament aufgelöst wird, kündigt den 20. Rovember als Tag des Zusammentritts des neuen Parlaments an.

Die Orientfriedenskonfercnz.

Paris, 27. Oft. (WTB.) Nach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Was­hington verlautet in amtlichen Kreisen, die VereinigtenStaatcn beabsichtigten, zu der Orientfriedenskonferenz einen Vertreter zu entsenden, hätten aber noch keinen Beschluß darüber gefaßt, ob es sich um einen offiziellen Delegierten oder einen offiziellen Beobachter handeln werde.

Paris, 26. Oft. (WTD.) Havas erfährt offiziell über die Organisation der Orientfriedens­konferenz, dah die ftanzösische und englische Re­gierung sich über den Wortlaut der Einigung ver- rung eingeladen wird, nach Lausanne einen ftänbigt haben. Rach Moskau sei ein Funk- sprach gerichtet worden, in dem die Sowjelregie- Devollmächtigten zur Teilnahme an den Ver­handlungen über die Meerengenfrage zu ent­senden. Zu der letzteren Konferenz werde auch Dulgarien eingeladen werden. Die alliierten Mächte würden schließlich die Vereinigten Staaten ersuchen, einen Bevollmächtigten nach Lausanne zu schicken, der, wenn möglich, mit weitergehenden Vollmachten versehen fein solle, als der amerikanische Vertreter auf der Kon­ferenz von San Remo.

Rücktritt des Kabinetts deFacta.

Rom, 27. Olt. (WTB.) Das Kabinett de Facta ist zurückgetceten unter der Drohung der Faszisten, die die Teil­nahme an der Regierung verlangen und die allgemeine Mobilisation sämtlicher faszistiscßer Organisationen in Italien durch Dekret be­stimmt haben. Man sieht hier indessen die Lage als ziemlich optimistisch an und glaubt die Bil­dung eines Ministeriums durch Orlando und Giolitti Voraussagen zu können.

Aus Sowjet-Rußland.

Moskau. 26. Olt. (Wolff.) (Rassische Tele- graphen-Agent-ir.) o f d I n i f o tt> wies aus der Finanzkonferenz darauf hin, daß die Teue­rung nicht mehr so stark fortschreite. Der Waren- in be fei am Anfang des Jahres um 1 0 0 Pro- zent monatlich gc fliegen, vorn Aug ist ab dagegen nur um 8 Prozent. Er machte Mitteil ing von der bevorstehenden Ausgabe einer Prä - m.enan leihe über 100 Millionen Gridrubel.

Moskau 26. Oil. «Wolfs.) (Russische Tele- graphen-Agrntur. i Der tztalistster Popow weist in derClon omitscheskaja Shisn" auf die Rot- irenbigteit hin, die Ausfuhr von 40 bis 100 Mill. Pud Getreide ins Ausland über die Südhäsen, zu ermöglichen. Die Erschließung des A rslands- marktes werde die Entwick u rg der Landwirtschaft und des Außenhandels besonders fördern. Die allruststche Zentralcxekrtive prüft die r?j? Ar­beitsordnung, welche de facto die Arbeitspflicht aufhebt rno die Kollektivverträge, die Schlich­tungsordnung mb dre Rechte dec Gewerkschaften regelt. An der Ausarbeitung der Ordn rag haben die Gewerkschaften teilgenommen. Sie gibt, statt der bisherigen allgemeinen Erklärungen eine reale Gesetzgebung. Die Ordnung wurde angenommen und den Sachverständigen, Gewerk­schaftlern und Wirtschaftlern zur Redigierunz üocigeben. Das neue Gesetz über das Gerichts­verfahren wurde ebenfalls angenommen. Es seht an die Stelle der bisherigen Behörden drei 3nstanzen: Volksgericht, Tribunal, Oberstes Tri­bunal. 3n den nächsten Tagen wird der Rat der Volkskommissare einen Gesetzentwurf über die Emission neuer Geldnöten im Zähre 1923 beraten.

Deutschnattonaler Parteitag.

TU. Görlitz, 26. Ott.

Der vierte Reichsparteitag der Deu sch natio­nalen Vollspartei nahm heute in Görlitz unter sehr starkem Andrang von Delegierten aus allen Teilen des Reiches seinen Anfang. Die deustch- nationale Reichstagssraktion war fast vollzählig erschienen. Den Auftakt der Verhandlung, die bis zum Samstag dauern wird, bildete eine ge­schlossene Vertreterversammlung, d e heute in aus­gedehnten Verhandlungen den eigentlichen Pariei­tag vorbereitete und sich mit organisatorischen Fragen beschäftigte Dem Parteitag tag der Ge­schäftsbericht der Hau stgeschäftsslelle der Deutsch- nationalen Volkspa rtec vor. Dieser stellt ein weiteres starkes Anwachsen der Deutschnatio­nalen Volkspartei fest; die Zahl der Partei Organi­sation ist auf 10 675 gestiegen. Zahlreiche Aus­schüsse waren im vergangenen Oafjte tätig, so ein Reichssrauenausschuh, ein Reichs­angestelltenausschuh, em Reichsarbciterausschuh, ein Reichsjugendausschuh, ein deutschnationaler Lehrerbund, die Organisation der deutschnatio­nalen Beamtenschaft und der deutschnationalen Studentenschaft. Schon am Mittwoch hatten die Ausschüsse mit Tagungen begonnen; so fand eine deutschnationale Arbeitertagung unter dem Vorsitz beS Reichstagsabgeordneten Hartwig statt, die ein starkes Bekenntnis für den deutschnationalen Dedanken abfegte. Ferner tagte schon am Mitt­woch der Deutschnationale Lehrerbund unter dem Dorsitz des Landtagsabgeordneten Klug. Er sandte an den Generalfeldmarschall von Hinden- I bürg nach Hannover folgende Entschließung, die I einstimmig angenommen worden war:Der I deutschnationale Lehrerbund, au seinem dritten