Ausgabe 
27.6.1922
 
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Dienstag, 2i. Juni 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

geführt werden kann.

Kreise der äußersten Rechten, von

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in die Reichsregierung ernzutreten.

Schärfffte Bedenken der bayrischen Volkspartei.

München. 26. Juni. (Wolff.) Die Land

Selbst die verständigen der Deutschen

tagSfraktwn der Bayrischen Volks- Partei hat im Landtag eine Interpellation eingebracht, in der qu der vom Reichspräsi­denten erlassenen Verordnung -umSchuyo der Republik vom 24. Juni 1922 Stellung genommen wird und in der die schärfsten Bedenken gegen diese tief in die Hoheit- rechte der einzelnen Länder eingreifenden Br siim7nungen geltend gemacht werden.

Unruhen und Schießereien in Hamburg

Hamburg, 26 (Juni. (WTB. > Die De - mnnftrationcn auf dem Heiligen G ei st f e l d haben sich im allgemeinen prvgrammähig abgespielt. Lediglich nach Schluß der Demonstra- tionen kam es beim Abmarsch der Masse zu einer Schieberei -wischen Demonstranten und Heb nen Abteilungen dec Schutzpolizei, die am Bis- marckdenktnal Abfverrdienste rersab. Die Schutz­polizei nahm entgegen den Anweisungen des Se­nats mit Gewehren und Maschinengewehren Auf­stellung und stellte ein Plakat mit der Inschrift aus: weitergeht, wird erschos-

ich! 'Dnc Demonstranten fühlten sich durch das Plakat betroffen und versuchten, es zu entfernen, wobei es zum Zusammenstoß tarn. Die Schutz­polizei gab zunächst Schreckschüsse ab, wo­durch die Demonstranten sich in ihrem Vorgehen nicht aushalten lieben. Der Zusammenstoß förterte leitens der Demonstranten einen Toten u n t> sechs Verwundete.

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Berlin. 26. Juni. (WTB.) Der preu- ßische Minister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung ordnete drahtlich an. daß am Tage der Beisetzung Rathenaus oder an einem der nachstfvl- aenden Tage in sämtlichen Schulen Preu-

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Frankfurt o. M. 11686.

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Der Nachhall der Mordschüsse.

3n der gesamten deutschen Presse aller Parteien ist nicht nur die Ermordung Rathe- naus scharf verurteilt worden, sondern es wurde überall mich aufrichtig bedauert, daß der hochbegabte Minister ein so jähes, schreck­liches Ende gefunden hat. Den Mördern scheint man auf der Spur zu sein; so lange man ihrer noch nicht habhaft ist. kann man eigentlich die vollen Konsequenzen aus der Mordtat nicht ziehen. Was geschehen kann und muß. ist die Aufforderung an alle poli­tischen Extreme, die Leidenschaften zu zügeln, die Gemüter von unheilvollen Haßgefühlen zu reinigen. 3n diesem Sinne schreibt heute DfeStatt Ko rre sp.":

Fruchtbar« politische Arbeit läßt ftch nie bann leisten, wenn man nicht durch Begünstigung oder mindestens Beschönigung ter Auspeitschung

Der Reichskanzler Geschäfts­führer für das Auswärtige.

Berlin. 26. Juni. (WTB.) Der Reichspräsident hat den Reichskanz­ler Wirth bis auf weiteres mit der Wahr­nehmung der AmtSgefchäfte als Reichsmini­ster des Auswärtigen beauftragt.

Cnn Protest der Dentschnationalc».

Berlin, 27. Juni. Der Vorstand der Deutschnationa len Vollspartei er­läßt eine Kundgebung an die Parteimit­glieder. in der die alte Behauptung zurück gewiesen wird, daß die Partei für den 'Mord verantwortlich sei 3n der Erklärung heißt ce: Mit Verbrechern und Mordbuben hat dte deutfchnationale Freiheit nichts gemein. Die Kundgebung verlangt von der Regierung, daß ie die Deutschnationale DolkSpartei und die in ihr vereinigten Wähler und Wählerinnen gegen verlogene Behauptungen und Verleum­dungen in Schutz nimmt.

(Sitte Kundgebung der Deutschen Volkspartei.

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beschlagnahmt Worten

Student Bern Hard Flesch, der im Reichstag tem Abgeordrreien Helfterich einen Blumenstrauß überreichte, ist nach seiner ur­sprünglich erfolgten Freilassung wieder verhaftet worden da belastendes Mat-nnal gegen ihn vor­liegen soll. Er soll auch sehr intim mit Ehr­hardt befreundet fein.

3u ter Verhaftung Ka r l L r l l e s s e n be­merkt Weih, dah sich verschone Zeugen gemeldet batten, die T illeff en am Montag in Berlin ge­sehen haben wollen.

Die .terLola5-Anzeiger' mitteilt. ist bei

Volkspartei ganz zu schweigen, haben sich auf den Toden der Republik gestellt, um von dort aus das Vaterland zu retten und sind der Meinung, daß eine Aenterung der Staatsform nur späteren, glücklicheren Zeit Vorbehalten fein kann. Wer also jetzt die Staatsform zum Gegenstand eines Kampfes macht, der schädigt sein Vaterland. Das gilt für die Reckte, ater besonders für die Linke. Die falsche Darstellung ter politischenTagesfragen bildete die Handhabe für die parteipolitische Zer­fleischung, die im Anschluß an die Ermordung Dr. Rathenaus heute von ter gesamten Linken und bemerkenswerterweise mit besonderer Schärfe von dem Demokraten Dr. Petersen betrieben wurde.

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Darmstadt. 25. Juni. Die westdeutsche Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Vollspartei (umfassend die Wahlkreise Baden, Pfalz, Württemberg. Hessen-Rassau und Hessen-Darmstadt) erklärt auf ihrer heutigen Sitzung in Heidel-

» kurze würdige Trouerfeiern der- den Haussuchungen ein umfangreiches Material n c n ? cur^ h | -unhcn Dorten, das Finaerzerge enthaft, bte

vermullich auf die Spur der Mörder führen.

Die Spur soll auf deutfchv öl tische Verschwörer­kreise hinweifen

Die terLokal-Anzeiger' meldet, hat gestern auch im Bureau des Landesverbände«. Berlin derDeutfchnationalen Volk» Partei eine Haussuchung statt gefunden

Helsingsors, 26 Zuni (WB.) Auf Am trag der deutschen Gesandlschafl hat die Polizei in Helsingfors auf dem heute eingelau­fenen DampferRügen" drei unter dem Verdacht der B e t e i l ig u n g an tem Word an Ralherau Stehende f c ft gen ommen, die sich für englische Matrosen ausgaben, die nach Wilborg unterwegs seien Die Untersuch ingea dauer n fort.

Berlin. 26. Huni. (Wolfs.) Einer Meldrng terB Z." ans München zufolge tonte all Veranlassung der Staatsanwaltsü-aften in Berlin und Kassel Kapitänleutnant H o s s in a n n als verdächtig des Anschlags aus Scheidemann und ter Beteiligung an ter ErmordungRa- thenaus.verhaftet und sestaenommen.

Ferner wurde wie aus Flensburg genreldet wird, dort Kapitänleutnant Karl T rl kessen, der ältere Bruder tes am Morde Erzbergers be­teiligten Oberleutnant a D. Heinrich Tit­le s s e n. festgenmnmen.

Versammluugsverbotc uttb ^eitungSbcschlaguahmuttgcu.

fpd. Frankfurt a. M., 26. ;juni. Der Polizeipräsident verbot die für heute abend angekündigten Versammlungen des Deutschvölkischen Schutz- und TrutzbundeS und der nationalsozialistischen Arbeiterbewe­gung. Ferner wurde auf Grund der neuen Verordnung zum Schutze der Republik die letzte Rümmer derVölkischen Rundschau" we­gen Beschimpfung der ReichSflaggen beschlna-, nahmt und eingezogen.

Die sächsische Regierung an den Reichskanzler

Dresden, 26. Zum. sWolff > Die sack i rsche Regie, ung richtete an den Reichs Kanzler folgentes Telegramm Die Bolfchast tet Ermordung Rathenaus erfüllte die R^ierung tes Freistaates Sachsen mit tiefer Trauer unb Empörung. Rach dem Aichlosen unb ungesühnten Mord an Erzberger wurde jetzt ein neues, un erhörtes Verbrechen von nationalistischen Kreisen verübt. Roch ist ter Anschlag auf Eche »be­mann ungcQärt. Der Meuchelmord an Rathenau wirft um so erschütternder, alS er einen Mann traf, testen reiches Wissen anertamtt tourte unb der mit festem Willen im Begriff war, einen ganq - baren Weg für Deutschland ans dem Elend der Kriegszeiten zu finden. Die Regierung tes Frei­staates Sachsen ist mit dem Reichskanzler ter Meinung, daß bei dem Mordanschlag eS sich um einen besonders Angelegten organisierten Plan hantelt, der von den nationalistisch- monarchistischen Parteien begünstigt wurde. Sie spricht die Erwartung aus, daß die Reichsregie­rung alles tun wird, neue Mordanschläge zu vereiteln und glaubt, daß bei aller Wahrung ter Meinungsfreiheit doch alles getan werden muß. um der nationalistischen Heharbei t Einhalt zu tun und die geheimen oder offenen staatsfeindlichen Organisationen zu urtTerbrüden Die Regierung tes Freistaates Sachsen traf von sich aus bereits alle vorberei­tenden Maßnahmen unb ist bereit, die Reichsregierung in den Kamps gegen die tontet revolutionären Bestrebungen mit Hilfe der Ar­beiterschaft zu unterstützen. Sie spricht der Reichs­regierung ihre herzlichste Teilnahme an tem schwe ren Verlust aaS und bittet, dies auch der Familie Rathenaus zu übermitteln.

Die Unabhängigen in der Reicksregierung?

Berlin. 26. Juni Wie nach tem .,B T" verlautet, beschlossen die Unabhängigen mit beträchtlicher Mehrheit, unter gewissen Betengun-

Das zweite Moment, das mit spitzfindiger I Gehästigkeit in den Vordergrund geschoben wird, list die angebliche Sorge um die Repu­blik. Es gehört entweder ein starkes Maß von Verlogenheit zu ter Behauptung, die gegenwär­tige Staatsfvrm stünde auf dem Spiel, oder eine maßlose Unterschätzung der inneren Starke ter Republik und der polftischen Macht derjenigen, die hinter ihr stehen und die bei anderen Gelegen­heiten nicht genug rühmen können, daß ihr starker Arm alle Räter stillstehen lassen kann. Bis in die Reihen der Deutschnationalen hinein ist unser ganzes Volk davon überzeugt, dah ein Streit um die Staatsform nur auf Kosten des Staates selbst

Annahme von Anzeigen für die lagtinummer bis zum Nachmittag vorher ohnejed« Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigenv 34 mm zkeite örtlich 150 Vf., auswärts 180 Vf; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500 Vf- Lei Platz- vorschrift2O Aufschlag. .Hauptschriftleiter: Aag. woetz. Verantwortlich ftir Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil fiarl Walther; für den 'Anzeigcnterl: Hans Deck, sämtlich in Gießen

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Dr. Rathenau ijen! ,

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berg:

Die Deutsche Volkspartei steht aus dein Boden der verfassungsmä­ßigen Weiterentwicklung unse­res Staatswesens auf fried­lichem Wege Sie verurteilt deshalb jede politische Gewalttat und spricht ihre liefste Entrüstutrg aus über den an dein Reichs­minister Rathenau verübten Mord. Sie legt aber gleichzeitig schärfste Verwahrung ein gegen jeden Versuch, die Tat auszubeulen zu einseitigen Maßnahmen und Rechtsbeu­gungen gegen Staatsbürger, die der Politik der derzeitigen Regierung nicht zustimmen können."

Die Todenfeier.

Berlin, 26. Juni. (WTB. i Die T n = tenfeier für Rathenau ftndet Dienstag mit­tag 12 Uhr im Sitzungssaal des Reichstags statt. Am Sarge werden ein Vertreter des Präsidiums tes Reichstags, der Reichspräsi­dent und cm Vertreter der Demokratischen Fraktion sprechen. Auf Wunsch der Familie wird von allen weiteren Feierlichkeiten ab­gesehen. Rach Abschluß der Feier im Reichs­tag wird ter Sarg sofort nach Riederschöne- weide zum Erbbegräbnis gebracht, wo die Berseyung im engsten Familienkreise erfolgt.

Berlin 26 Zwnj. (Wolff.) Amtlich. We­gen ter am 27 Juni 12 Uhr mittags statt- findenden Trau er feier für den ermordeten Reichsminister Rachenau wird zur ausdrucks^ vollen Bekundung der Anteilnahme der Reichsbahnen Punkt 12 Uhr mit­tags auf fünf Minuten der gefamte Zugverkehr auf alten Strecken still- gelegt Die Angabe von ante.äiaulenbcn Zei­ten für diese Stillegung ist ungültig. Die mit ten Reichsflaggen ausgestatteten Amtsgebäute flaggen am 27. Zuni auf Halbmast.

Trauerfeierindcn preußischen Schulen.

tes Rasscnhasies, antiseinilischer Pöteleicn und Spekmationen auf die niedrigsten Instinkte der Masse immer von neuem wieder Zwiespalt, Streit und Hader in das Leben tes Alltags bineinträgt. Von den Kommunisten und ten ihnen geistesver­wandten ' Elementen kann man eine Besserung nicht verlangen diese Leute sind hofftningslos. ES wird nun aber dringend notwendig, daß man sich auf ter anderen Seite mit einem kräftigen Ruck von der Gesellschaft befreit, die wie ein Bleigewicht ten nationalen Aufstieg verhindert.

Man farm auch nicht gerate sagen, daß die Erkenntnis für die Rotwendigkeit des Zusarnmen- sasiens aller schöpferischen Kräfte, die der Rcichs- Haäizler selbst so stark betont hat. bei der Reichs­regierung besonders stark sich durchgefetzt hätte. Las geflifsentkiche Betonen der Ausfassung, daß von Unks gar keine_ Gefahr drohe, sondern mir non red}f6rabilaler Seite, durch ten Reichskanzler sowohl wie MonterS durch ten Reichssastiz Minister läßt befürchten, daß die Hoffnung aus eine unparteiische, gleichmäßig nach allen Rich hingen angewandte Durchführung ter Ausnahme Verordnung, die Hem Dr Heinze fordert, kaum Müllt werden wirb La.>u trägt die schnelle -SinnCharterung nid?' inw lenlftch bei, die sich i'mln «eigt daß ursprünglich von den sieten Mitgliedu tes Staaisgerichtsbofs drei 'Berufs nchtei sein sollten, während keine 24 Stunden 'päter ter Reichsfustkzminister mit offensichtlicher Tzefriedigung verkündete, alle steten Richter soll ten oder könnten Laienrichter sein. Wenn die Iftiswahl ber Mitglieder iran noch nach Partei- politis^eu Gesichtsvunkten erfolgt, bann wächst btc Gefahr daß die Vvn ten Sozialdemokraten angeblich fo schart bekämpfte Klassenjustiz un­geahnten Umfang an nimmt."

Es muß unumwunden ausgesprochen wer­den, daß große Teile der Linken unserer Ber­liner Parlamente sieb aus Anlaß des furcht­baren Ereignisses höchst unwürdig und unreif benommen haben. Vernünftig und rechtlich denkende Menschen und die sind ja wohl auch im arbeitenden Volke sehr zahlreich zu finden müssen sich abwenden von der häß­lichen Hetze und Mache, die den politischen Gegner ganz im allgemeinen treffen und be­sudeln soll. Sv hat die ..Kölnische Zei­tung", ein immer maßvoll schreibendes und die Volksgemeinschaft verfechtendes Blatt, ganz recht, wenn sie schreibt:

Die Reichstagssitzung. die aus ter (Srmot bimg Rathenaus die. nächsten volttifchen Folge­rungen ziehen sollte, hinterläßt einen peinlichen Nachgeschmack. Sic bot tes Bild, das man an- gcsichts ter chronischen Erkrankung unseres inner = vvlitischen Lebens befürchten mußte. Die tiefe Er­regung über die sinnlose Mordtat, die allen Par­teien gemeinsam ist, wurde in einer Weise p a r- teipolitisch ausgemünzt, die tem außer- pvlitischen Druck, der auf uns lastet und der uns zur Einigung zwingt, in keiner Weise Rechnung trägt Die gesamte Linke verfälschte btc politische öagc, die durch den Mord gotchaften worden ist. um mit dem unedeln Material, das sie daraus ge­wann, parteipolitische Falschmünzerei zu treiben. Rach zwei Richtungen hin fällt bas sofort ins Auge Einmal sucht man. aus tem Fall Rathenau mit leitenschaftlicher Kraft und Gewissenlosigkeit einen Fall Helfterich zu machen. Aus ter Psycho­logie des Agitators ist das begreiflich. Dte Mussen wissen zu tnemg von Rathenau (Sr toar nicht ter Monn ter gemeinverständlichen Rede unb des Schlagworts, tes sich m tes Gcbtm der Massen einhämmert. Er sprach nid)t die Sprache der Straße. Er war nicht aus ihrem Holz und stammte nicht aus ihrer Klasse. Ec war Der

Mann aus dem Voll findet zu ihm nicht die Brücke, die ihn mit Erzbcrgcr verband. 2Iuhcrtem war Rathenau Hute, unb man darf nicht nbcr'ehen, daß auch bei einem großen Teil der3?affen das anti- femitische Gefühl der Voltstümlichkeit entgegen­wirkt. Da also ter Ernrordetc für die Parlcipolittk nicht das geeignete Objekt bot. machte man Hel' ferich zum Mörder unb glaubt bxUnit eine sichere Wirkung der Spekulation auf die Mallenleiben- schaft gefunden zu haben. Wir aehören nicht zu ten polftischen Freunden Helsferichs und unterliegen nicht dem Verdacht, für ihn aus Sympathie ein- zutreken. Erst am ketzt.cn Freitag haben wir seine demagogischc Art gekehnzeichnet. Aber von dem System, aus einem mißliebiaen Poliiiler einen Mörder zu machen, um ihn des agitatorischen Ruhens wegen durch alle Go^en zu ziehen, muh sich jeder anständige Mensch mit Ekel und Ver­achtung aBtoenten,

Die Spuren der Mörder.

Rach Berliner Pr^semitteilungen hat ein | Potsdamer Oberförster die Täter vor tem Ucter- fall genau beobachtet. Bei genauerem Zusehen bemerkte er, daß sowohl der Chauffeur, Der Zivillleidung trug, loie einer ter beiden jungen Männer, die fpäter im Wagen saßen, den Gang des MotcrS ängstlich übeiprüften, um sich zu Überzeugen, daß alles tadellos funktioniere. Stutzig machte den Beobachter auch, daß ter zweite der jungen Leute immer scharf nach der Königsulkee hinfah und feinem Gefährten wieder holt etwas zuries. Dar veranlaßte den Oberförster, bi? Leute Ichai > zu'beobachten, so teß er eine sehr genaue, bis in bie Einzelheiten gehende Defchreibung, so­wohl der beiden Leute wie tes Charfseurs und des Wagens geben konnte. Der Oberförster gibt felgende Beschreibung der Täter: Die erste Person ist etwa 168-Ztm. groß, schlank, narskrlös. mit tentclburinem, fast schwarzem und in der Mitte gescheiteltem, an ten Seiten des Hinterkopses säst ins Schwarze geh entern halb- lang gehaltenem, vollem Haar Auffallend starke, schwarze, über ter Rasenwurzel fast zusammen­gewachsene Olugenbiajcrt, duickelbra rne Augen, vorstehende Adlernase, Heiner kuirkler Schurr- bau, gestutzt «Dürste), fast mit dem Gesichts­winkel abschnerdend. blasse Gesichtsfarbe, ovales hageres Gesicht mit scharf angebeuteten Backen­knochen. Alter schätzungsweise 24 bis 26 Zähre. Bekleidung: Brauner, lederner Automobil­mantel, m der Mitte durch einen 3 bis 3' Ztm. breiten braunen Lederrieinen zusammengehalten. TMantel war oben geschlossen. Man sah aber einen wcrßen Stehkragen, dunkelbraune Schrhe von breiter Form, hellbraune Ledergamaschen, bie unten zam Cinstecken und oben z i schnallen waren. Der Mantel war vorne unb braten um- gefd)logen wie beim Reiten, so daß man die hellbraunen Stiefelhosen mit 'Besatz, anscheinend von Loder, sehen konnte. Der Mantel war un» gefuttert. Auto kappe von hellbrauner Farbe mit Ohrenklappen Der Qliann mochte in seiner gan­zen Erschernung fast den Eindruck eines Ais länders; er trug eine nach oben geschobene bmunc Aakobrille tn ter Farbe tei- A ikvkappo

Die zweite Person Furttc nach ter Be Schreibung des Oberförsters fcblantc Statur, war ahev fletncr als Rr 1, blonde CJJuacnbrauen, inane Lütgen, «eine zierliche Rase? so baß das Gesicht ein fast mädchenhaftes Aus­sehen hatte Auf ter linken unteren Wange, ober halb tes lurfen Kinnbackens, nicht weit vom linken Mundwinkel entfernt deutlich sichtbare Harte, die ten Eindruck einer Schußnarbe machte, schlanke zierliche Hände. Alter 24 bis 26 Zahre. Bekleidung: Lftitomanlel von Loder, etwas Heller wie von Rr. 1, hellbraune Autokappe mit Ohren­klappen (sonst wie Rr. 1). Der- Chauffeur war dunkelbraun gekleidet und trug eine hellgraue Roisemühc mit Schir-m.

Wie der Zeuge noch bekundet, sah er plötz­lich, daß ter nach ter Königsallee auslugende junge Mann eiligst auf das Auto zu lief und hinclnsprang. gleichzeitig mit ihm sein Gefährte und sodann der Chauffeur. 3n derselben Sekunde kam das Ministerauto in voller Fahrt lang. Das verdächtige Auto, dem ein anderer Kraftwagen folgte, fuhr tem Ministerwagen nach.

Wie das ..Achtuhi-Abendblatt" hört, werden Spuren verfolgt, wobei Flugzeuge in Be­tracht kommen. Kurz nach ter Mordtat soll ein Flugzeug non Staaleu abgefahren fein. Man recknet mit ter Möglichkeit, daß die Mörder es zur ;Fl^cht benutzten. Es wurden fofort Beamte ausgcfandt, um festzustellen, welche Flugzeuge Staaten oder andere Plätze verließen. Von zehn im Laufe tes gestrigen Tages verhafteten Per Tonen wurde feine in Haft behalten

Berlin, 26. 3unt lWB.) Vom Luftschiff­bau Staaten wird milfleteilt: Dos Gerücht, daß die Mörder Rathenaus in einem FI j q - zeug von Staaten aus entkommen seien, ent­spricht nicht ten Tatsachen.

Verhaftungen und Haussuchungen.

Berlin. 27. Zmri. Der Chef der Berliner polftischen Polizei, Oberregierungsrat Dr. Weih, erklärte in einer Unterredung mit einem Mit- artertcr desB. L.", daß die Rachforschungen nach chen Mortem bis in die kleinsten Details organisiert seien 3m Laufe tes gestrigen TagcS feien in Berlin mehrere wichtige Ver­haftungen vorgenommen worden. Die Haupt- tätigtet! ter Polizei besteht in ter Durchsicht ter zahlreichen Drohbriefe, die Dr. Rathenau betonter» m ten letzten Wochen erhalten hatte. Di-- Vorlucte die Verfaffer dieser Schriftstücke zu ermitteln, nehmen außerordentlich viel Zeit in Anfvruch Wie Dr. Weiß weiter crfTärte, hoben m Berten tei politischen Organisationen, insbesondere bei antisemitischen Verbänden Haussuchungen ftattgefunten Es sei sehr wichtiges Material beschlagnahmt Worten. 3n ten Räumen ter Organisation Roßbach in Wan­fee tei Berlin seien ebenfalls wichtige Papiere

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General-Anzeiger für Oberheffen

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