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Zweiter Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Montag, 21. Sebrnor|922
Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion durch Vodenverbesferung Bon Abg. Held. Dors. beS Lanbwirtschafts- ausschu'lles im Preuh. Landtag
Die wichtigste Aufgabe der deutschen Lanbwirtschafl ist die schnelle Steigerung der Erzeugung, damit wir in die Loge kommen, die Ernährung der Bevölkerung selbst zu bewerkstelligen und in dieser Beziehung unabhängig vom Auslände zu werden, denn wir sind nicht mehr in der Lage, die riesigen Beträge für die Einfuhr der uns fehlenden Mengen, je nach dem Stande der Valuta 20—30 Milliarden Mark, aufzubrin- qen. Die Ernteerträge des Getreides sind qegen die Vorkriegszeit um fast die Hälfte zurückgegangen, und zwar dadurch, bah die Srrrtefläche um zirka 9 Prozent geringer wurde, durchschnitllich 15 Prozent der früheren Ernten durch die Abtretung von Posen, Destpreuhen usw. verloren ging, und schließ- lich, well der Boden durch unzureichende Düngung verarmt ist. Das muh wieder ein- gebracht werden, und zwar schnellstens! Vor öem Kriege versorgten wir die Bevölkerung bis auf 7 vom Hundert selbst. Bei dem hohen Stande unserer Landwirtschaft müssen und können wir dahin kommen, daß nicht allein dies Ziel wieder erreicht wird, sondern dah wir uns vollständig selbst ernähren. Dazu bedarf es ober einer weitausschauenden tatkräftigen Hilfe der landwirtschaftlichen Orga- itsattonen und der Regierung. Aller kultur- fähiger Boden, und wir haben noch Millionen Hektar Oed- und Moorländereien, muh in Kultur gesetzt werden; die Meliorationen, Be- und Entwässerungen müssen gefördert und unterstützt werden; der Gebrauch des Kunstdüngers, wodurch die Ernteerträge bei richtiger Anwendung um das Doppelte gesteigert werden können und dessen Verwendung nur tn verhältnismäßig geringem Um» lange erfolgt, muh erleichtert werden, und statt vielfach noch benutzter abgebauter Sorten muh hochgezüchtetes Saatgut, wodurch die Ernteerträge ebenfalls außerordentlich ge- lwben werden, überall Verwendung finden. Es unterliegt gar keinem Zweifel, dah mit solchem Saatgut bei sachgemäßer Düngung die Ernteerträge sowohl bei Körner- wie Hackfrucht um das -Doppelte gesteigert werden, und wenn allgemein so verfahren wird und wir außerdem alles kulturfähige Land dem Anbau erschließen, so können wir hoffnungö- freudiger in die Zukunft sehen.
Die großen Organisationen der Landwirtschaft haben sich dies Ziel gesetzt, und das große HUfSwerk, welches zu diesem Zwecke von ihnen begonnen ist. wird, das darf mit äemlicher Sicherheit erhofft werden, ein starker Pfeiler für den Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens werden.
Auch der Preußische Staat geht in der Förderung von Meliorationen und Boden- oerbesserungSn tatkräftig und energisch vor. Augenblicklich liegen fertige Entwürfe für 950 Unternehmungen, wovon bei 264 die Genossenschaftsbildung bereits erfolgt ist, im Gesamtumfange von 531000 Hektar mit einem Kostenaufwande von 1552 Millionen vor, während 680 Unternehmungen im Gesamt- umfange von 395 000 Hektar mit einem Kostenaufwande tiryi 1228 Millionen sich in Bearbeitung befinden.
Um nun die Bildung der Genossenschaften und die (Inangriffnahme der Plane nach Möglichkeit zu fördern, hat die preußische Regierung den Entwurf eines Gesetzes über „D e - reitstellung von Staatsmitteln
Die Blüchernichten.
Roman von HannsvonZvbeltitz.
37. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Aber alS sie sein blasses, blutleeres Gesicht In den toei en Kissen sah und sah, wie er den schwachen Versuch machte, sich aufzurichlen, tote er ihr die Arme entgegenstreckte, da mutzte sie doch alle Kraft zusamrnenrasfen, um nicht aufzuschreien. Äichts sagte sie als: ,Gaston l Mein lieber, lieber GastonI" Eilte zu ihm, drückte ihn sanft zurück, küßte ihn auf die Stirn, schob den Strauß dunkel- roter Rosen, den sie mitgebracht, auf fein Pfühl, wollte sprechen: .Zulie . . Zuliette . . aber sie legte ihre Linke bittend auf (eine Lippen, fetzte sich neben ihn, (atzte mtl der Rechten die seine, streichelte sie, horchte angstvoll auf fernen fliegenden Atem . . .
An der EingargSwand war die liebe, kleine Frau stehen geblieben. Auch sie kämpfte, kämpfte mit Tränen der Rührung.
3m Rebenzimmer aber standen Charlotte und dec Arzt, lauschten auf jeden Ton. der durch die offene Tür drang.
Einmal flüsterte Charlotte: »Die wird er eS überstehen?"
Hünswanger sah sie an und gab zuversichtlich zurück. .Gut! Glück ist ein desseoer Heil- meister als wir Aerzte es sein können." Tann, bald, trat er in die Tür und winkte. Es war genug für heut. Gehorsam wie ein Kind erhob (ich Julie, beugte sich noch einmal über den Geliebten. „Auf Wiedersehen, Gaston . . . morgen.“ Und ging.
Sie tarnen nun täglich, Julie Jtnb Eharlotto, bisweilen auch Luise
Ter tSbftor behielt recht: das Glück bewährte (ich als bester Arzt. Es ging aufwärts. Tie Wunde sch loh sich, der Blessierte konnte sich auf-- richten, durfte sprechen, und be heilsten Licbes- wotte freien wie glänzende Perlenschnüre von feinen Lippen. Es war ihm ja, als hätte ec so pnendlich, so ur sagbar viel nachzuhvlen.
Die zierliche Frau mit dem tre chen Herzen hatte Freude an ihrem Gast. S e hegte ind .pflegte ihn, wie sie nur konnte. Aber sie hatte nach einer anderen Seite hin helle Augen,
zur Förderung von Dodenverbes- ferungen“ dem Landtag vorgelegt, durch welches ein Betrag von 100 Millionen Mark zur Verfügung gestellt wird, aus dessen Zinsen öffentlich-rechtlichen Verbänden und ähnlichen Vereinigungen zur Förderung von Dodenverbesserung jeglicher Art Zinserleich» terungen im Dege unverzinslicher, spätestens nach 30 Zähren rückzahlbarer Darlehen gewährt werden können. Die Regierung geht davon aus. daß die Melivrationstätigkeit gegenüber der Zeit vor dem Kriege erheblich nachgelassen hat. und glaubt, das beruhe im wesentlichen daraus, daß die AussührungS- kosten wegen der tn ungeahnter Weise gestiegenen Löhne und Materialpreise eine Höhe erreicht haben, die eS zweifellos erscheinen läßt, ob die Kosten zu den zu erwartenden Mehrerträgen noch in einem angemessenen Verhältnis stehen. Diele Form der ZinSer- leichterung ist gewählt worden, um darauf hinzuwirken, daß möglichst viel privates Kapital für die Förderung der Meliorations- tätigkeit nutzbar gemacht wird. Die Beträge aus dem zu schaffenden Fonds sollen nur darlehnsweise gegeben werden, bei ihrer Hingabe soll aber weitestgehendes Entgegenkommen geübt werden; sie sollen unverzinslich, vom Staate unkündbar und nur binnen längstens 30 Zähren rückzahlbar sein und dazu dienen, den Betelligten die Zahlung der von ihnen für geliehene Kapitalien aufzubringenden Zins- und Tilgungsbeträge zu erleichtern.
ES soll nicht unerwähnt bleiben, daß die den Betelligten entstehenden Kosten dadurch herabgemindert werden, daß für die durch Erwerbslose ausgeführten Arbeiten, worauf natürlich Bedacht genommen werden muh, Beihllfen aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge gewährt werden.
Der LandwirtschaftSauSschuh des Landtages hat das Gesetz beraten und insofern eine Aendreung eintreten lassen, indem er den zur Verfügung zu stellenden Betrag von 100 Millionen auf 300 Millionen erhöhte. Außerdem hat er eine Entschließung angenommen, in der er fordert, daß die Znter- ess.nien für dir zur Brdenverb.sstrang hergegebenen eigenen Mittel Steuerfreiheit genießen. DaS ist ohne Frage durchaus berechtigt, aber außerdem wahrscheinlich ein gutes Mittel, bei manchem Gleichgültigen Znteresse für die Sache zu erwecken. DaS Gesetz sowie die Entschließung sind im Ausschuß von allen Parteien, und zwar einstimmig angenommen worden, jedenfalls ein Zeichen, daß das Verständnis für das, was uns nottut, tn allen Kreisen vorhanden ist.
Friedrich, der große Preußenkönig, hat, als in Preußen nach dem Siebenjährigen Kriege auch ein großer Rotstand herrschte, den rechten Blick dafür gehabt, wie zu helfen sei. Trotz der damaligen schwachen Finanzlage des Staates hat er sehr erhebliche Mittel geopfert und kolonisiert und melioriert, und daß der Erfolg nicht auSgeblieben ist, wissen wir. Dir brauchen nur auf daS Oderbruch und ähnliche Landeskulturwerte in Pommern und Schlesien usw. zu blicken. Hoffen wir, daß es wie damals auch jetzt gelingt, die schwere Rotzeit durch energische und zielbewuhte Arbeit auf dem Gebiete der Bodenverbesserungen zu überwinden.
Aus Stabt und Land.
Dietzen, den 22. Fedr. 1922.
Die neuen Reichsmünzen. Die Hebbern Heimer Kupferwerte sind von bet Reichs- tegkrung mit ber Prägung ber neuen Reichs- münzen zu 1 und 2 Matt beauftragt, b. h. sie
und ihre fleinen feinen Oehrchen hörten das Gras wachsen, wenn es ihr beliebte, sie ordentlich zu spitzen. So hotte sie von ferne, vicll icht sogar aus gar nicht so weiter Ferne, noch ein zwcitas Glück läuten. Grab' wie der Kvimett. Wo der jedoch mit ber Tür ins Haus fiel, buchte fi,e: Gut Ding will Weile haScn. Unb lächelte.
3n den Manfarben hat eine ganz eigene Stimmung geherrscht.
Die Frau Mutter ist imbergegangen tote eine depofsedierte Fürstin. Sie fühlte ich al'er (KTen übergangen, zurückgesetzt, vergewaltigt. Manchmal ist ihr eine heimliche Lust gekommen, das verlorene Reich mit Gewalt wieberzuerobern. Dann hat sie eine Welle grimmig gewettert nach aller Att. Loch hielt es immer nur für ein Weilchen an, nicht zuletzt wohl, weil ste nirgends auf offenen Widerstand traf. Die .nichtsnutzigen" Kinder wichen ihr aus, wenn sie eine graidige S.unbe hatte, wußten, daS Gewitter zieht schon von alleine vorüber, und auf Regen folgt Sonnenschein. So ist es auch gewesen: jedesmal wenn die Frau Mutter sich weidlich au-getobt hatte, zuletzt immer in der Küche mit Kellert, Quirlen und Blechgeschirr. kam die Rottvendigleil besonderer Zärtlichkeit über sie. Sie hatte ja doch eigentlich die »prachtvollsten, liebsten, schönsten und llügsten" Äi ber in ber gcr zen Welt, mindestens aber in Berlin — von ber Luise an gerechnet bis zu dem Hungen mit dem Eisernen Kreuz. Was früher nie vo-gekommen, pasrette jetzt alle Tage, baß sie eines oder das andere beim Schopfe nahm und ohne jegliche besondere Deranlassung herzlichst abEü' c. 5>gar die Julie bekam davon ihren Teil, obschon ber »Sraryfe^ der Frau Mama eigentlich gar nicht rech: patzte. Aber da wibettteh' mal ein Mutterherz, wenn dem Kitbe, das einem so manche stille Sorgon- flunbe bereitet, bas grohe Glück aus den Augen strahlt.
Glück ... ja ... das leuchtete eigentlich aus all den Mäbchenaugen in ben Mansarden. Sie hatten ja sämtlich gute Rachrichten von ihren Herzensschätzen. Ader daneben war e was anderes lebenbig: die große Ungebutb. Die Brie'e krochen so blitzbumm langsam durch die Lande. XInb zudem: ein Dries ist eine ganz schöne Sache,
stellen die runden Plättchen, die aus 3m! und Altaminium und einem anderen Metall m geheimer Legierung bestehen, her, bte dann m Kisten verpackt tn die Münzen wundern, am dort die Prägung, Politur und letzten Schliff zu erhalten Da täglich große Mengen hergestelli werden tann tn absehbarer Zeit mit der Herausgabe des neuen Geldes gerechnet werden. Hoffentlich werden wir dann endgültig von dem schmutzigen Papiergeld erlöst.
** Nochmals Dehandlung ber Zeitungsmanuskripte. Don der Oberpostdirektion wird mitgeteilt: Die kürzlich von verschiedenen Zeitungen (auch von uns. D. Red.) gebrachte Mitteilung für ihre Mitarbeiter, nach der mit der Hand ober mit ber Schreibmaschine geschriebene Berichte für bie Zeitungen als Drucksache versanbt werben tannen. wenn die Den- düngen offen bleiben und mit der Aufschrift Zeitungsartikel" versehen werden, trifft nicht zu. Die VersenbungSbeslimmungen für Urschriften (Manuskripte) sind nicht geändett worden. Mit ber Hanb oder der Schreibmaschine hergestellte, für den Druck bestimmte Dor lagen können nach wie vor nur bann gegen bie Drucksachengebühr versandt werden, wenn ihnen der Dettchtigungsbogen (Korrekturabzug) beigefügt ist. In diesem Falle gilt der Berichiigungsbpgen als eigentliche Drucksache und bte Beifügung des Manuskripts als erlaubte Ausnahme Manuskripte ohne beigefügten De° richtigungsbogen sind nur gegen die Gebühr für Geschäftspapiere zulässig, es sei denn, daß sie aufmechanischeWeise hergeste.lt oder aus einem Druckbla11 aus einem Werk bestehen. Diese Mitteilung deckt sich mit unserer zweiten Mitteilung an unsere Mitarbeiter. Es dürfen also als Drucksache von unseren Berichterstattern nur auf mechanischem Wege vervielfältigte Mitteilungen versandt werben, was wir zu beachten bitten.
" Was barf als Hanbgepäck mitgenommen toerbenV Don am'kicher "Seite wird geschrieben: Als Hanbgepäck dürfen von den Reisenden nur leicht tragbare Gegenstände in die Personenwagen mitgenommen to.rden, und zwar nur soweit, als Raum über und unter dem Sitzplatz des Reisenden zur Verfügung steht. 3n die 4. Wagenklasse können ausserdem Traglasten in Körben, Säcken und ähnliche Gegenstände mitgenommen werden, wenn die Wagen für Mitnahme von Traglasten eingerichtet sind. 3ft dies nicht der Fall, so dürfen solche Traglasten, die zur Ausübung des Gewerbes mitgeführt werden, ohne Frachtzahlung in den Packwagen gestellt werden. Von ber unentgeltlichen Einstellung tn den Packwagen sind aber ausgeschlo'sen alle ben persönlichen Dobürfnisten dienet den G gmstänbe, kaufmännische Kisten, Musterkoffer usw. Ein? Traglast, bie auch aus mehreren Stücken bestehen tann. darf das Gewicht von 50 Kilogramm nicht überschreiten. Die Aufgabe anberer als der hier genannten Gegetrstände als Reisegepäck ist unzulässig, sie müssen vielmehr als Expreßgut oder Eilgut auf gegeben werden. Auch hier wird eine scharfe Kontrolle geübt.
" Postsendungen an Reisende. An Reisende gerichtete Postsendungen, auf denen ein nicht ober nicht md>r beftebenber Gasthof und bergl. als Wohnung angegeben ist, und die in- folgebessen ben Empfängern nicht auSgehändigt werden können, werden fernerhin von den Post- anstalten nicht sogleich als unbestellbar an die Absender zurückgesandt. Dttefsendungen werden vielmehr am Bestimmungsort 14 Tage, im Aus- landsverkehr 4 Wochen zur Verfügung der Empfänger gehalten, lieber Pakete wird zunächst die Bestimmung des Absenders durch Erlaß einer älnbestellbarkeitsmeldung eingehvlt werben.
Kreis Lauterbach.
er. Schlitz, 25. Febr. Die hiesige Firma Heinrich Bart hat für ben Gesangverein „Harmonie" in Alsfeld, zu dessen SOjährigem Stiftungsfest eine neue Fahne in künstlerischer Ausführung hergestellt. — Der hiesige Turnverein hat in seiner Generalversammlung beschlossen. an dem diesjährigen Zugendtag ber Dnitschen Turne schäft in Weimar teilzunehmen. — Hier bildete sich auf Anregung ber Ottspfarrer eine .Vereinigung ber Kleinrentner" mit vorläufig 23 Mitglieder. — Seit dem 1. Fe-
aker besser ist doch bas Aug-in-Aug-Sehen, be'fer ist das Wort, besser ist ber Kutz. Ter Franzi Martinez und ber Herr von Re-blitz schtteben freilich sehr schöne Episteln, in denen sogar wirklich etwas stand, was sich, bann uyb wann, borg en lieh. Tie arme Lore jeboch hatte mit ihrem Bause es wirklich schwer. Dreinhauen konnte er sicherlich, dah bie Füllen stoben; küssen konnte er auch, das wußte sie. Schreiben aber war nicht sein Fall. Er wetteiferte, was die liebe Otthographie an betraf, mit Vater Blücher; nur bah ber Briefe an fern Molchen schrieb, bie inhaltlich jedem Vergleich standhielten, während der gute Börse — datz sich Gott erbarm — seine Lore'fast immer mit drei Zeilchen abfanb. bte zwar stets eine halbe Bttefse.te füllten, aber die oft seltsam genug für ein liebendes Herz waren. Par exemp e aus Paris. „Mir gehfs gut D.r hosfentlich auch Hier gibl's guten Wein, fein zu futtern und schöne Weibsen. Womit ich bleibe drin dicker Leri." Schlimmer noch manchmal b auftragle er seinen getreuen Brettmann, ben Bur chan, mit einem Dries. Ter lautete bann zum Beispiel: »Süll dem Gnähdigen Frölen schreiben ber Life un dem Ritettposhn get s gut werden fett die Aescr. Den Herrn Rittmeester get'S soweit och iwch gut. Dero unthettenigste Diner Brettmann." Kttegte die Lore solchen Bttef. dann schnaufte fit vor Wut und ballte die kleinen Fäuste: »Ra watt, Le i! Du sollst's gut haben, wenn du zu Haus bist!"
Der Kornett hatte seine Wand'ungen durch- zumachen. Rachdem er zuerst über Zulle d e Achseln gezuckt, vom .Feind" gesprochen und vom .Franzosen", den er nie als Schwager anerkennen könnte, ist er allmählich und sachte anderen Sinnes geworden. Wenn sich ran schon die gnädigste Frau fügte, wenn die F au von Dach- coeben, für die er eine hei^e Zugendschwärmerei gefaßt, seit sie einmal in die Mansarden gekommen, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen, so günstig, so warmherzig für ben Vicomte eintrat, wenn der hochverehrte Dottor das gleiche tat, und wo Zulie so glücklich war: warum sollte er sich denn nicht in das ..ttnvermeibliche" fügen?! Mit Anstarb natürlich und schuldiger Reserve. die er noch statt markiert hat. Dann tarn bie liebe Reugier hinzu: grabe bet Anstand er»,
btuar erhalten über 30 arme, kränkliche K i n- bc t der Volksschule täglich warme Vollmilch zum Frühstück.
Hcssen-Raffau.
»pd. Frankfurt a. M., 24. 5ebr Ank Einladung ber Hanbelstammem Frankfurt a. M. tanau unb Mainz traten heute nachmittag im ihungSsaal bei Frankfurter HandelSkaunmer etwa 150 Vertreter ber Handelskammern, bei LandwittfchaftSkammern. ber Inbusirieverdänbe unb ber staattlichen und städtischen Behörden des Rhein • Main-Wirtschaftsgebietes au einer Tagung über die Bezirk-Wirtschaft s r ä t e zusammen. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in ber c< heißt, daß sie bie für den Aufbau dieser Dirtschafts- räte unb des ReichswittschaftsrateS ausgestellten Richtlinien für richtig hält und dah zu den» Wittschastsrat auch Vertreter der Angestellten und Arbeiter gewählt werden. Falls die Wirtschaftsräte nicht gebildet werden, soll gleichfalls in den Kammern für die Vertretung ber Arbeiter unb Angestellten Sorge getragen werden. Der Rhein-Maingau in feiner vvrgeschlagenen Ab- Stg wird in nationaler Beziehung als ein lieb zwischen Rord- unb Süddeutschland unb den besetzten unb unbesetzten Gebieten begrüßt.
fpd. Höchst a. M. 24 Febr. Der von» Kreise unb ber Stabtgcmcinbc Höchst a. M herausgegebene ..Amtliche Anzeiger" für ben Kreis Unb die Stadt Höchst stellt nach sechs- monallicher Lebensdauer mit Ende ds. Mts fein Erscheinen ein, da die Druckkosten für das Blatt viel zu hoch gewesen sind. WaS Kreis unb Stadt tn dieses von vornherein vettehlle Unternehmen hineingesteckt haben, wird dir Oefsentlichkeit wohl niemals erfahren. Die amtlichen Delanntmachungen sollen nunmehr den im Äreife Höchst a. W. erscheinenden Tagesbtattern gegen Erlegung einer besonderen Gebühr bd- gelegt werben. — Wer soll die Gebühr bezahlen?
(Etnaefanbt
(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 26. Febr
Die Maschinenbauschule in Gießen.
Sie hiesige vierfemestrige Maschinenbuuschul. ist in 1919 mit staatlicher Einwilligung gegründet worden. Schon zweimal sind Abgangsprüfungen nach den staatlichen Prüfungsvorschriften unter Aufsicht des staatlichen Kommissare- ab- gehalien worden. Eine grohe Anzahl Schüler aus dem Metallarbeiterberuf haben ihre er Parten Groschen hingegeben, um sich auf dieser Schule als Techniker auszubilben. Doch lelber hat bte hessische Regieiung im verflossenen Hahre bie Anettennung ber Schule als mittlere Maschinenbauschule versagt. Da schon zu viele berartig? Schulen vorhanden seien. Es ist dies ein schwerer Schlag für bte Schüler, ihre ganze Hoffnung auf Erreichung des Abgangszeugnifses einer staatlich anerkannten Mafchine.tbuuschule ist tns Wasser gefallen. Rachbern man ben Schülern zugesichcrt hat. dah sie hier ihr Stadium ebensogut wie aus anderen M. sch in enbuu schulen t>: llenden könnten, werden sie jetzt erst ixlehrt. datz das ihnen gegebene Versprechen nicht gehallen werden kann. Leider werden die Abfolvenlen der Schule auch von der Industrie nicht als vollwertige Techniker anerkannt und nur als Zeichner bezahtt. trotzdem sie die Arbeiten eineS Technikers leisten müffen.
Die Industrie hat sich nun erboten. Zuschuss; zu leisten, damit die Schule alS dreisemesttige Werkmeisterschule weiterbestehen könnte. S'crmU ist den Schülern nicht geholfen, Werkmeister wird niemand aus der Sch-lle, ein solcher muh vielmehr aus der prak.ischen Arbeit, aus der statt und Fabrik direkt hervorgehen. Die Absolventen einer dreiseirestttgen WerkmcistersHalo werden deshalb in industriellen Betrieben nur als Zeichner und Tcchnikererfatz, aber nie in chvem Leben als Techncker oder Werkmeister Stellung finden. Das breisemestrige Schulzeugnis wird ihnen stets als Hindernis in ihrem Forckomman
forderte doch, bah er, sobald es ging, dem Zukünftigen Schwager seine teifite machte So schob er denn, als ihm HünSwanger den erste, Au;.- gang erlaubte, nach dem Hause der zirrlichra Frau tn der Wilhelmstraste — und als er zu- rückkam, hatte er sich gänzlich gcmmifert. Der Vt- cvmte, der Feind, der Franzmann, war ihm plötzlich der Kavalier der alten Schu e geworden.
„Ein Ebelmann ohne Fehl unb TabeU" hieß es jetzt. „Vorn Kopf bis zur Zehe! Hugeno'ck übrigens I Unb wie er erzähl e: von seiner Gefangenschaft u”b seinem Emvereur und bann von seinem väterlichen SHloh u xb seinen Be itzungen bei Avignon — man muh das gehört haben. Unb habet immer bie strahlenden Augen auf unsere Julie gerichtet . .
Der Frau Mutter klangen — eS ist nicht zu leugnen mb war ihr nicht z i herbenten —, das väterliche SHloh unb bie Besitz urgen ba Avignon miß) in den Ohren. Vor Tagen stchon hatte ber Vicomte in einem woh'gtt«tzten Bttef in aller Firm höchst respektvoll um bie Hand Julies ungehalten, mit ber G ttschalbig una. bah er leihet fein Gesuch unb seine Bitte noch nicht persönlich votb ingen könnte. Alles naiü l.ch un feinsten Französisch, wo'.wbrr Mutter Viele zuerst woidlich geschimpst hat. A «r als Luise ihr den Bttef verbeubscht, de.uh'g e sie sich: er wat doch nun einmal Franzose, unb bie Franzosen konnten samt unb sonbers wenig fremde Sprachen. Tie Engellanber erst recht nicht — überhaupt die Ausländer — Pack!
Sin paar Tage hat sie den Bttef in bet Tasche getragen, hat genau wt unb Zulle ttwas scheel angefeien. Sarcuf aber zieht s e Plötz! ch das Schwarz seidene an, setzt ben neuesten Äa- poNfut auf, der frellich auch schon von ehrwürdigem Alter war, pi'gert heimlich nach ber Wilhelmstrahe. 11 nb als sie zurückkommt. leuch et ihr gutes alles Gesicht, als ob alle Hätte baraud weggewischt wäre Sie schlieht Zulle in bie Arme, schluchzt ein weniges unb sagt bann: .Sei glücklich, mein geliebtes Kinb!"
(Fortsetzung folgt-?


