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Der Parteitag spricht'

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Gme Spende des Reichspräsidenten.

Weimar, 25. Sept. (WTB.) Der Reichs­präsident bewilligte zur Unterstützung not­leidender deutscher Schriftsteller und Schriftstelle- nmren der im Jahre 1859 gegründeten deutschen f tung in Weimar. deren durch die Geldentwertung verminderte Mittel der stei- gendm Rot nicht mehr gewachsen sind, aus einem ihm für Zwecke der Wissenschaft und Kunst usw.

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.*) (Rachdruck verboten.) »Und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch frei machen/

Am 1. Oktober neu hinzutretende Abon- erhalten die bis dahin erschienenen Teile Romans aus Wunsch nachge liefert.

Gießener Anzeiger.

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rend Mama mit dem Jüngsten hinter der spani­schen Wand in dem Hinterzimmer schlief. Lutz hatte ein schmales Gelaß neben dem Badezimmer, das für die seltenen Stunden, die er zu Hause zubrachte, genügte, und Ernst bewohnte droben in derEisregion" eine Mansarde

Kleber die Hängelampe hatte jemand in ge­nialer Weise ein Stück kirschroter Seide dra­piert, das einen Lampenschirm ergeben sollte, aber vorläufig mit Stecknadeln zusammengesteckt war. Der Kanarienvogel schlief bereits in seinem schwebenden Käfig über dem Rähtisch. er tril­lerte Gott sei Dank nicht mehr, denn er hatte die Gewohnheit, nur dann seine Stimme zu erheben, wenn andere sprachen. Auf dem offenen Klavier fuhren Roten herum, Couplets undDie Hoch» zeit von Trollog", die einzige Frucht von Lutz' elfjährigem Klavierunterricht, und zwischen den Gedecken lagen verstreut die Blätter der Familie. Mamas Wiener Mode, ein illustriertes Sport­blatt, LianesRevue hebdomadaire ein CBanb Teddys neunzehntes Abenteuer", mit einem Titelbild, auf dem ein Mann mit gespanntem Revolver über mondbeglänzte Dächer stieg, und TrinasRatgeber für christliche Iungfnruen", der als Untersah für die Teekanne benutzt murde.' Aus dem Sofa lag derKurier". Ernst mar etwas enttäuscht, dah er an seinem>urts- tag niemand von seiner Familie vorfand, die er den ganzen Tag noch kaum gesehen hatte An Samstagen speiste man. Trinas wc^en in der Stadt in den ..Drei Hasen", dem Stammlokal Fräulein Schmidts.

Man hatte ihn einfach vergessen.

Dah sich sein jüngster Bruder, der Ter­tianer. noch jetzt auf der Strahe Herumtrieb ärgerte ihn. an das Extemporale glaubte er ebensowenig wie Trina. aber diesesProdukt verfehlter Erziehung" hatte er aufgegeben. Es war cm Rachkommling. an dem irgendein Stabs­arzt bei der Geburt einen Herzfehler entdeckt halte, und er wurde von Mama verwohnt. Es war überhaupt nichts zu machen. Weder bei Lutz noch Liane, und am wenigsten bei Mama.

Es hatte einmal eine Zeit gegeben, kurz nach dem Tod seines Vaters, der so jung, als Ma­jor. an den Folgen einer Dlinddarmoperatton gestorben war, da sich Ernst als Senior der Familie gefühlt und sich bemühte, eine etwas straffere Ordnung in diese Familie zu bringen. Aber seine erzieherischen Versuche hatten nur Austritte unter den Geschwistern verursacht, und seine Mama liebte den häuslichen Frieden. Ihre Kinder sollten sich in Freiheit entwickeln.

Das Erziehen war ein undankbares Geschäft.

Rach dem Tod des Baters, der sie in der Garnison Saarlouis ereilt batte, waren die Her-

res, nun schweigen die Winde.

-aber es schweiget mir nie im inneren Busen der Kummer,

Sondern um jenen vergeh' ich in Glut . . ." Es war das Erotikon von Hensen, er erkannte OfnfKX hunderten hätte erihren" Wischlag herausgehört, diese perlende Geläufig- A^ve und das Temperament ihres vi» 'fc® maßvolle Klarheit, mit der

bic Begleitung die Melodie trug

sah, werd' ich der Liebe Emer los Kassandra . . ." Er artete nicht b<rr?uf dah ihm der Rebel den Marttel durch- ^reht. warm er bis der letzte Ton verklang.

. Dann schritt er rasch quer über die Strafte

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direttor Ma tthias seine Anerkennung über den guten Berlauf dieser Hebung und über das : gute kameradschaftliche Verhältnis dieser gemein- nutzigen Korporattonen aus mit dem Hinzufügen baö die Feuerwehr und Sanitätskolonne sich auch ferner freiwillig in den Dienst der Rächsten- liebe stellen mochten. Bürgermeister Kren zier aab ebenfalls seiner Anerkennung über die Hebung Lllisdruck die zu seiner vollen Zufrieden­heit ausgefallen sei.

. , Hm Fröbel»Seminar des Alice, schulder eins fand am 19. und 20. ds Mts

Etliche Prüfung von 12 Kindergärtnerinnen und 2 Kinderpflegerinnen statt. Die Zeugniffe der Anstalt sind auch in Preußen und neuerdings m Württemberg anerkannt. Die Ausstellung der Schülerinnenarbeiten im Kunstverein, zu deren Be­gutachtung die Regierung einen Sachverständigen entsandt hatte, war an 5 Tagen außerordentlich stark von Einzelpersonen und ganzen Schulklassen besucht und zeigte eine Menge sehr guter Arbeiten

Das Lichtspielhaus. Bahnhof­fl raße. bietet seinen Besuchern*Bis einschl. Don­nerstag eine Film-Operette, deren erste Auf- suhrung gestern vor ausverkauftem Hause vor sich

Der Film ist ein guter Unterhalttmgs- fd) lager vor dem jede Griesgrämigkeit weichen muß. 5)a8 Publikum fand denn auch gestern T^^^emrßreiche Stunden, die durch die den Film begleitenden flotten Gesangsvorträge schla­gender Operettenmelodien noch wesentlich gewan­nen. Em recht humoristisches Beiprogramm, bei d«n die Lachmuskeln tüchttg in Bewegung ge­setzt werden, bietet eine willkommene Zugabe

Wettervoraussage

für Mittwoch:

_ Trüb und regnerisch, südliche Winde, warmer.

cr _ Die kräftige atlanttsche Depression beein­flußt bereits die Witterung in Frankreich und wird im Laufe des Tages auch Westdeutsch, land in ihren Bereich ziehen.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Sttand- nixe. Palast-Lichtspiele: Das Größte in der Welt. Astvria-Lichtspiele: Der Roman einer armen Sünderin.

Landkreis Gießen.

. E.^ten-Duseck, 24. Sept. In nächster Zeit oll die hiesige Postagentur in eine Posthilfs. teile umgewandell werden. Das wird ganz be- onbers schmerzlich für die Rentner sein, die dann chre t^buhren in Wieseck abholen müssen, denn unser Dorf soll der dorttgen Agentur zugeteilt werden

V Ettingshausen. 26. Sept. Der älteste Mann unserer Gemeinde, Altbürgermeister und Kirchenvorsteher Jakob Gornert I ist in Hohem Alter gestorben. Vor zwei Monaten onnte er noch in guter Rüstigkeit seinen 90 Ge­burtstag feiern. Dis in die letzten Stunden feiles langen Lebens erfreute sich, der Greis

so daft fern Tod trotz des hohen Alters überraschend kam,

abg. Grünberg, 25. Sept. Auf Ver­anlassung des hiesigen Volksbildungsvereins ver» anstattete am 24. September die Madrigal- Darmstadt unter Leitung von $rrys??(^5.'2Z^>aJf ein Konzert, in dem sie Volkslieder und Madrigale aus alter Zeit, sowie 2^der aus neuer Zeit unter allgemeinem Beifall 3U Gehör brachte. Ganz besonders haben die alteren Lieder gefallen.

tt. Treis a.d.Lda , 25.Sept. Herr Förster Binq und Frau dahier feierten gestern das Fest der silbernen Hochzeit. - Von gestern abend bis heute morgen versagte dahier und im ganzen oberen Lumdatal das elektrische Licht, o daß viele Familien, die keine Ersatzbeleuchtung haben, im Dunkeln sitzen mußten.

+ ^ieseck, 24. Sept. Der 75jährige Schreiner- meister Gottlieb Barthel, von dessen Unfall beim Obstabmachen wir berichteten, ist h^ute seinen L$tD/t,en Verletzungen erlegen. Qjr hatte die Wirbelsäule und mehrere Rippen gebrochen.

weghs auf Veranlassung des Generals von Lud- wiger, emes allen Freundes der Familie i» drau von Herweg Hs Heimatstadt zw-ückgekehrt an ihren geliebten Rhein, nach dem sie in affen ^l^ichen Garnisonen Heimweh aehabt und Ernst, der seiner Mutter helfend zur Seite stand hatte den Umzug geleitet 5 nrr,rf7ntC mS^md9 sich mit allerlei Un- glutfen und in einem großen Durcheinander und £2. d?nc el?em nächtlichen Diebstahl gekrönt m7a&oT^&CUte no<^ aufgeklärt war. Der Möbelwagen war gerade fortgefahren, man hatte ISU0 9t 65 9tn9. auf Sofas und Sesseln für die eingerichtet, als kurz nach Mitternacht Frau von Herwegh plötzlich das Haus alar­mierte, sie hatte ein Geräusch im Salon gehört war ausgestanden und fand ihren Schreibtisch geöffnet und aus der Kassette zweitausend Mark gestohlen. Der Dieb hatte die Schublade nicht zu erbrechen nötig gehabt, denn der Schlüssel hing daran. Da es September war und noch warm hatten die Fenster nach der Strahe offen gestanden, der Einbrecher war offenbar über den Vorgartmi durch das Fenster eingeftiegen und batte sich auch auf diesem Wege lautlos ent­fernt. Es mußte ein guter Turner gewesen fein öenn er hatte nicht einmal Fußspuren im Gartmi- sand hinterlassen.

Alles kam zusammengelaufen in Rachtkleidei^ unb Pantoffeln ÖeneraW und die Hausbesitzerin Fraulein Schmidt erschienen, letztere in ihrer Rachthaube um entsetzt die Tatsache zu kon- statierm daß in einem ihrer Häuser eingebrochen war Der Dieb 6heb spurlos verschwunden, ob- wohl der General sich bei Morgengrauen mit Ernst auf die Pollzei begab, und Frau von Her- wegh leitete die Ursache ihres Herzleidens, das in starkem Herzklopfen bei jeder Gemütsbewegung bestand, nur aus jenen Tagen der gerichtlichen Vernehmungen und der Besuche von Wacht- melstern und Kriminalbeamten her. Es kam nur em fremder Dieb in Betracht, das Haus hatte keine Hausmannsleute, Generals waren ohne Kochm, und Trina stand über jedem. Verdacht erpaben ba; sie war ein frommes Mädchen, das keine Messe versäumte, und die Hausbesitzerin lebte mtt ihrer Katze allein im zweiten Stock und hielt sich keine Bedienung.

Dieser Diebstahl bedeutete auch einen großen Rln®m V1 das Budget der Majorin, die auf ihre Pension und die Zinsen ihres Kapitals an­gewiesen war, und er hatte Ernsts sorgsame Berechnungen über die Vermögensverwaltung über den Haufen geworfen. Es war seitdem nie mehr zu einem ordentlichen Abschluß gekommen sie wirtschafteten so gut es ging.

(Fortsetzung folgt)

3m allgemeinen kümmerte sich Ernst von Herwegh nicht darum, was in der Mainzer Straße vorging. Er hatte es immer so eilig, toemt er des Morgens, die Mappe unterm Arm. die Handschuh zuknöpsend. auf das Bureau des Iustizrats Ehrlich lief, und des Abends muhte er sich erst recht eilen, um noch ein paar Arbeits­stunden für sich zu erübrigen, denn er bereitete sich auf den Assessor vor. Heute war es besonders spat geworden, sein Freund Stolzenberg in der BadHausgasse hatte neue Roten bekommen und er hatte noch rasch hn Kursaal den Schluß der Don-Juan-Sinfonie angehört. Als er in die neb­lige Strahe einbog, brannten die Laternen dicker Rheinnebel kroch zwischen den erlaubten Kasta­nien und in dem letzten Eckhause strahlten die Fenster hell in die Rächt hinaus, dort wurde Klavier gespiell, wie jeden Abend, und auf dem Bahnhof schickte sich eben die Lokomotive mit einem langen Pfeifen an, ihre Fahrt nach dem Taunus anzutreten.

Unwillkürlich verlangsamte et seine Schritte bem Klang des Klaviers und blieb unter erleuchteten Fenstern stehen, um zu lauschen

»Sieh, nun schweigen die Wellen des Mee-

Reue Deavtten-Grundgehalter.

Derlin, 26. Sept. Am kommenden Don­nerstag finden im Reichsfinanzministerium Verhandlungen mit den Spitzenor-- ganifationen der Beamten und Arbeiter über eine neue Festsetzung der Grundgehälter und Kinderbeihilfen statt.

Gngere Zusammenarbeit der demokratischen Minister.

Berlin, 26. Sept. Die in Braun­schweig versammelten demokratischen Minister des Reiches und der Län­der chaben beschlossen, eine engere Zu­sammenarbeit aller demokratischen Mi­nister herbeizuführen.

Aus Hessen.

Der Landesparteilag der Demokratischen Partei Hessens, über dessen Verlauf wir gestern berichteten, faßte u. a. folgende Beschlüsse: Aus Anttag Korell: Der Parteitag ersucht die Landtagsfraktion, für Ausgabe von Sonntagsfahrkarten auch an kleineren Plätzen einzutreten, namentlich in den Wald- und wasserarmen Gegenden des Landes.

Der Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei Hessens erklärt zur Frage der Bildung einer parlamentarischen Arbeitsge­meinschaft zwischen den Frakttonen der De­mokratischen Partei, des Zentrums und der Deut- feten Dolkspartei im Reichstage, daß er ange­sichts der außerordentlichen CBebeutung und Trag­weite dieses Schrittes für die künftige Entwick­lung der Partei und damit auch für die Gestal­tung der politischen Verhältnisse im Reiche für zweckmäßiger und richtiger gehalten hätte, wenn die Frattion ihre Entscheidung erst nach An­hörung des Parteitages getroffen hätte. Nach­dem die Fraktion die Entscheidung, wozu sie allerdings formell berechtigt ist, selbständig ge­troffen hat, gibt der Parteitag der Erwartung, aber auch dem Vertrauen zur ^Fraktion Ausdruck,' daß das Zusammenarbeiten der Parteien der Arbeitsgemeinschaft weder die Lebensinteressen der deutschen Reiniblik, noch die Ziele und Auf­gaben der Deutschen Demokratischen Partei außer acht laßt, vor allem aber nicht zu dem Wieöer- c.ussiban der unüberbrückbaren Trennung zwischen .Bürgertum" und Sozialdemvkratte füfyrt, die in dem alten Staat eine so überaus Verhängnis volle Rolle gespiell Hat.

Die Herweghsche Haustüre stand immer offen. Sie hatte bas so an sich. Und es nutzte auch nichts, dah die Generalin, die im ersten Stock auf Ordnung hielt, sie hinter den Hinausgehenden wieder zuschloh, und die Hausbesitzerin, Fräulein Schmidt im zweiten Stock, sechs Hausschlüssel hatte machen lassen. Sie waren ja doch immer verlegt oder verloren. Da die Wohnungstüre gleichfalls offen stand, versetzte der mit Mappe unb Roten bepackte Referendar dieser gastlichen Psorte einfach einen Fußtritt. Er legte die Sachen in der engen Diele ab, und da der Klei­derständer mit Mänteln. Schirmen und Hüten bereits überfüllt war, stülpte er einer lächelnden aus Gips seinen Filzhut über und betrat das Wohnzimmer.

Es war leer.

Die Lampe strahlte über einem halb abge­rahmten Eßtisch und niemand kam, ihn zu be­grüßen, als der Terrier, der von dem Sofa auf ihn zusprang.

Er schellte Sturm, denn er hatte Hunger. Daraufhin erschien Trina mit einem Teetablett aus dem einige verdeckte Schüsseln standen. Die Frau Major is in der .Freischütz'" erklärte" sie während sie dem warmen Kartoffelsalat noch ewige in heißem Wasser schwimmende Wiener Würstchen hinzusügte und der dicken braunen Teekanne die violette Bischofsmütze aufstülpte Es war zwar heute nichtihr Tag", aber die Frau General hatte heruntergeschickt, sie habe das Rähmädchen und könnte nicht ins Theater gehen,und man will die Kart' doch nit ver­derbe lasse."

Hnb Fräulein Liane?"

_ »Die ist bei ihrer Iräfin. die hat heut ihren 3our. Es war einer vom Theater dort,Mater- dewskh oder so als Rheinländerin "war es Trina unmöglich, einen Ramen zu behalten Er deklamierte Zöthe."

Und Herr Lutz?"

,,£01 war schon seit sechs Uhr mit dem Haus­schlüssel fort, er hatte Kommers und als ..Erst- schangiertei oder wie bat hieß", die Arrange- mangs zu treffen. Und der Kleine, setzte sie rasch hinzu, da sie aus Herrn Ernsts Sttrn Wollen ausziehen sah. der war nur mal rasch zu einem Freund gegangen .vegea dem lateinischen Extem­porale . Damit entfernte sich Trina

Ernst tafelte allein.

3n diesem Zimmer, das mit schweren ge­schnitzten Eichen- und zierlichen Mahagonimöbeln vollgestellt war. waren zwei Einrichtungen zu­sammengekommen. die nicht Aueinancer paßten.

Der Salon nebenan trat verschlossen und talr er tourbc nur Sonntags geheizt, und das Balkonzimmer halle sich Liane genommen, wäh-

Mittel, um die Rot, die gerade er zu lindern sich zum Ziele seht, zu beheben, zu Helsen, wo eine geistige Erkrankung den minderjährigen Kindern den Ernährer nimmt, den hilfsbedürftigen Kleinen die Mutter, dem allen Mütterlein den fleißigen Sohn oder die besorgte Tochter, die seines Alters Stühe sind, und was immer für Sorge mehr es geben mag. die Hilfe heischt. Denn gar zu häufig sind die Mittel der dazu berufenen Helfer auch nur beschränkt! Aus den für seine Zwecke un ganzen Lande und in allen Volksschichten durch feine rührigen Vertrauensmänner gesammel­ten Beitrügen konnte der Verein von 19141919 136 658 Mk. an Unterstützungen bewilligen. Die Rachkriegszeit stelll erhöhte Anforderungen! Leider hat bei den Kollekten die Geberzahl ständig abgenommen, ein betrübliches Zeichen für bai gesunkene Interesse an den Menschen freund­lichen Zielen des nunmehr 48 Jahre bestehenden unb in unserem engeren Vaterlande so segensreich wirkenden Vereins. Möchten diese kurzen Aus­führungen dazu beitragen, an den Verein zu erinnern und zu versichern, daß er auch mit jeder ®abe zufrieden ist. wenn nur recht viele ® ede r mit ihr zeigen, dah sie den Bestrebungen des Hilfsvereins jeder nach seinem Können sympathisch gegenüberstehen.

Der Verband der Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen,

b«n Landeskriegerverban dH a s s i a angeschlossen ist. hielt am Sonntag in Samt« Aadt seine Landesverfammlung ab. Aus allen M^ei Provinzen waren die Vertreter der einzelnen Bezirke erschienen. Der Vorsitzende des Landes­verbandes. Lehrer Ihrig, leitete die Verhand­lungen.

Kamerad Ruck ward, der Fürsorgeleiter ber Hassia, wies darauf hin, wie wichtig es fei, baß die einzelnen Bezirke richtige Meldungen erstatteten Wer die Zahl der Altrentner, deren Witwew die Kriegsbeschädigten. Kriegshinterblie­benen, Kriegerwitwen, Waisen und Kriegereltern, da im Oktober die Wahlen zu den Beiräten der einzelnen Dersorgungs- und Fürsorgeämter vor­genommen würden. Geschähe die richtige Mel­dung durch Vereine und Bezirke nicht, so könne man nur geringen Anspruch für Vertreter zu obigen Beiräten stellen. Aus der Ludendvrff- und der Rationalspende würden auch für das Land Mittel vergeben, da das Land 1 435 000 Mk gesammelt habe. Winterbeihilfen und Teueiungs- zuschüsse könnten beantragt werden, das Reich gestelltste 3U Vorschüssen zur Verfügung

Kamerad R ü d ö> a r b 'hielt dann einen Vor- ttag überDas Reichsversorgungsgesetz 211t» rentnergefei} unb neueste Testimmungen über Ver­sorgung und 'Fürsorge". Der Unterstühungs-2llt- fonds vergebe Mittel für sämtliche Altrentner au« Kriegs- und Friedenszeiten, für Altveteranen unb ihre Hinterbliebenen, die in Rot geraten feien. Er bchttndelte ferner den Ruheparagraphen kostenlose Heilbehandlung. Hausgeld. Vermißte' Elternrente, Witwenrente, Bezüge für Halb- unb Vollwaise, Gliedere rsay, Rentenübertragungen, Kreditbeschaffung, 2Ebfinbung, Teuerungszuschüsse usw.

Lehrer Ihrig sprach überDas Dersor- gungsgerrcht und das Verfahren bei diesem".

Der weitere Ausbau der Orgarrifation wurde Tnerauf eingehend besprochen. Die Organisation Nach Kreisen wird gewünscht. Die Renten aller Versorgungsberechtigten sollen laut Antrag -- der Mark-Entwertung angepaßt werden.

** Amtliche Personal nachrichten. Ernannt wurde am 13. September der Professor Dr. Wilhelm Stepp aus Gießen mit Wirkung oom 1 Olpril 1922 an zum planmäßigen außer­ordentlichen Professor für Medizinische Polillinik an der Landes-Universität Gießen. Am 16. September wurde der ehemalige Obergärtner im Hofdienst. jetzige Kanzleigehllfe Emil Witt zu Darmstadt vom 1. April d. Hs. an zum Kanzleiassistenten bei dem Hessischen Hochbauamt Darmstadt ernannt. Ernannt wurde am 18. September der Lehrer Georg Schmitt zu Beedenkirchen, Kreis Bensheim, zwn Lehrer an

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i der Volksschule zu Allertshofen-Hoxhol. Er- : namtt wurden am 20. September die Derwal- tungstraktikanten Ludwig Heim zu Darmstadt : und August Heinz zu Darmstadt zu Verwal­tungsobersekretären bei der Hessischen Haupt- sürsorgestelle der Kriegsbeschädigten- und Kriegs- binterbliebenenfürforge; die Derwaltungspralli- kanten Karl Heim zu Heppenheim unb Karl Schuster zu Darmstadt zu Derwaltungsober- fefretären beim Hessischen Oberdersicherungsamt zu Darmstadt, sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1922 an. In den Ruhestand versetzt wurde am 29. Juni der mit den Rechten eines Volls- schullehrers angestellte israelitische Religionslehrer zu Erfelden. Kreis Groß-Gerau, Max Halle, auf sein Rachsuchen unter Anerkennung feiner bem Staate geleisteten Dienste vom 1. Juli 1922 an.

** Feuer. Gestern abend 10 Uhr lief auf der Feuerwache Oswaldsgarten die telephonische Meldung ein, es brenne eine Feld scheuer am Wiesecker Weg. 10 Uhr 1 Min. wurde bann auch der Feuermelder Ecke Wiesecker Weg und Mar­burger Straße abgewogen. Die Wache rückte sofort aus unb zugleich wurden die Ringleitungen der beiden freiwilligen Feuerwehren angekurbelt. Beim Eintreffen auf der Brandstelle fand die Wache eine dem Herrn Gottmann gehörige Feldscheune am Wiesecker Weg in vollem Feuer nor, so daß, wie dies bei Scheunenbränden! durchgängig der Fall ist, an eine Erhaltung des Gebäudes und des Inhalles nicht mehr zu denken toar; trotzdem wurden zwei Schlauch­linien vorgenommen, um das Feuer zu dämpfen und das Flugfeuer zurückzuhalten, da das Hauptaugenmerk darauf zu richten war, bie Ür der RLhe befindlichen Scheunen

Schuppen des Landwirtschaftlichen In- sttttits vor Schaden durch Flugseuer zu bewahren 10,18 Uhr trafen die ersten Geräte der Freiw' Feuerwehren ein, eine sehr gute Leistung, wenn man die Lange des Weges unb die Schwere der von Hand bewegten Geräte bedenkt. In Tätigkeit brauchten die Feuerwehren nicht zu treten unb konnten alsbald wieder abrücken. Als grober Unfug muß cs bezeichnet werden, daß von 10 7 Uhr ab etwa 1/2 Stunde lang an allen Ecken der Stadt Feuermelder betätigt wurden, obwohl die Meldenden ganz genau wußten, daß in der Räche dieser Melder kein Feuer ausgebrochen sei. Zu allem Ueberfluß ertönten gegen 1/»U Uhr auch ".och die Sirenen, die der Zenträlwächter auf eine falsche Meldung von privater Seite hin irrtümlicherweise betätigte. Durch den Feuer­schein und den Großfeueralarm, auf den hin auch die Freiwillige Santtätskolonne in außer­ordentlich schneller Weise zur Stelle war, wurde eine ungeheuer große Menge von Zuschauern angelockt, deren Schulust jedoch kaum Mif ihre Kosten gekommen sein dürste. Rach Zurücklassung einer kleinen Brandwache rückte die ständige Feuerwehr 12 Uhr 45 Min. auf der Feuerwache wieder ein.

* Die beiden freiwilligen Feuer­wehren unb die Freiwillige Sani- tätskolonne hielten am Sonntag vormittag gemeinschaftlich ihre diesjährige Schlußübung ab Um 11 Uhr sand in Anwesenheit des Provinzial- direllors Matthias, des Bürgermeisters Krenzien. des Oberst Wöllwarth, des Landgerichtsdirektors Wiener unb der Stadt­verordneten die Aufstellung tm Hofe der Zeug- Hauskaserne statt. Rach Vorführung der Geräte und CinzelWungen an diesen erfolgte in der Ost- anlage die Alarmierung. Rach ANttmft der Weh­ren unb der Sanitätskolonne wurde den Kornmann bauten von Branddirektor Braubach bekaimt- gegeben, dah nach dem Uebungsplan im Mittel­bau des Amtsgerichtsgebäudes Feuer ausgebro­chen sei, das Treppeu'haus verqualmt, so daß rechts und links die Ausgänge nicht mckhr passier­bar seien. Die Kommandanten der Wehren unb ber Führer der Sanitätskolonne gaben nun die erforderlichen Befehle weiter. Bei Anrücken der einzelnen Löschzüge und Santtätskolonne konnte i man mit Befriedigung feststellen, daß ein flottes, 1 sicheres und vor allem ruhiges Arbeiten vor- | Händen war. Rach ber Hebung sprach Provinzial- '

Antrag Loos, Rcch, Fischer, Heibebroek, Spieß:

Parteitag spricht der hessischen Land- tagsfraktion Dank unb Vertrauen aus

Aus StaM und Land.

Gießen, den 26. Sept. 1922.

Das Notgeld für die Provinz Oberhessen

totrb in den nächsten TagQi ausgegeben. Die . Ausgabestelle ist die Mitteldeutsche Creditbank

Fttiale Gießen.

Vom Hilfsverein für die Geistes­kranken in Hessen.

Man schreibt uns: In nächster Zeit wird der Hilssverein für die Geisteskranken i n Hessen" an die Bewohner unserer Stadt herantreten mtt der Ditte, ihr Scherflein für Icme wohltätigen Zwecke zu spenden. In unseren bedrängten Tagen bedarf er immer größerer