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Sme Schlagerei in der Berliner Stadt- verordnetenvers tnnmhmg.

Berlin. 26. April. (WTD.) Die Stadtver- Drimetenbcrfannnlung lehnte den Antrag der drei sozialistischen Fraktionen, den 1. Mai in den städtischen Betrieben als Feiertag gelten zu lassen, mit 10 6 gegen 102 Stimmen ab. 'Bei der Beratung der Magistratsvorlage über die Erhöhung der Löhne für die städtischen Ar­beiter und über die Erhöhung der Werktarife Lun es in der Stadtverordnetenversammlung zu einer großen Schlägerei. Der Stadwerord- nete Dr. Koelitz (äl.S.P.) nannte den Ober­bürgermeister einen Lümmel, worauf die Rechte die Entfernung Koelitz' aus dem Sitzungssaal verlangte. Die Unabhängigen und Kommunisten stürmten nunmehr zu dem Rednerpult, vor dem sich eine regelrechte Schlägerei entwickelte. Stadt­verordneter L e u p o l d (Kommunist) ergriff einen Stuhl und schlug damit auf die Menge ein. Aach einer viertelstündigen ungeheuren Aufregung im oaale gelang es schließlich dem Stadtverordneten- vvrsteher, einigermaßen die Ruhe wiederherzu- stellen. Koelitz wurde nunmehr von ihm zur Ordnung gerufen. Der Antrag auf lieber Weisung der gesamten Borlage an einen Ausschuß wurde endlich mit 101 gegen 89 Stimmen angenommen.

Konferenz der deutschen Finanzmmister.

De r [ i n, 26. April. (WTB ) Aus der Tages­ordnung der am Donnerstag in Würzburg beginnenden Konferenz der deutschen Finanzminister steht die F age der Der- teil'ung der Reichssteuem zwischen dem Reiche, den Ländern und den Gemeinden, sowie die Frage, inwieweit die Vorschüsse des Reiches an die Län­der und Gemeinden für die Erhöhung ber Be­amtenbesoldung vom Reiche, den Ländern oder den Gemeinden übernommen werden feien. Reichs­finanzminister Dr. Hermes wird auch an den Verhandlungen teitnehmen.

Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Presse.

Berlin, 25. April. (WTD.) Die Ar­beitsgemeinschaft der deutschen Presse ist auf der Grundlage des von den beauftragten Kommissionen fertiggestellten Entwurfs vom 16. Dezember 1921 am 25. April von den Bevollmächtigten des Arbeitgeber­verbandes für das deutsche Zeitungsgewerbe und des Veichsverbandes der deutschen Presse abgeschlossen worden. Zugleich wurde für die dem Entwurf angefügte Vereinbarung die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit durch das Reichsarbeitsministerium beantragt.

Der 1. Mm in Thüringen.

Berlin, 25. April. Aach einer Meldung des Vorwärts" aus Weimar hat der thürin­gische Landtag nach heftigen Redekämpsen mit den Stimmen dec drei sozialistischen Parteien gegen die Stimmen der Bürgerlichen beschlossen, den I.Mai als gesetzlichen Feiertag zu erklären.

AUS HesseN-

Politifcher Lehrgang für Frauen.

Man schreibt uns: Die Deutschnatio- naleVvlkspartei Hessens veranstaltete vom ' 20.22. April 1922 in Offenbach a. W. einen poli­tischen Lehrgang für Frauen. Der Verlauf übertraf ' die Erwartungen: Diele Teilnehmerinnen aus - Hessen und den angrenzenden Ländern, glänzende Gastfreundschaft von feiten der Offenbacher Fa- , milien, ein idealer Zug in den Vorträgen und der darauf folgenden Aussprache. Von den Rednern und Rednerinnen sind zu nennen: Herr Dr.Kling- spor aus Offenbach über die politische Lage; Frau Clara Klingspor die Veranstalterin und Leiterin des1 Lehrgangs; Herr v. Forstner über Organisations- und Werbearbeit; Frl. Brandt- Berlin, die Hauptgeschäftsführerin, über Ver- fammlungstechnik; Exzellenz v. Kries über die Reichsversassung" undBon Versailles bis Cannes"; Frau Studienrat Annagrete Lehmann, 'M. d. L.. über die Aufgaben der deutschen Frau in Familie und öffentlichem Leben; aus Gießen Fräulein E. Dingeldein, zusammen mit Frau Dr. Reinhart aus Darmstadt, über das Hausangestell­tengesetz; Fräulein Rennert-Gießen über Völker­psychologie; Fräulein Aaumann-Darmstadt, zu­sammen mit Fräulein Knecht aus Reu-Isenbarg, über die Pflichtfortbildungsschule.

Der Narr des Glücks".

(Zu <5truenfeeS 150. Todestag, 28. April.)

Es war am 28. April 1772, daß unter dem allgemeinen Zulauf von ganz Kopenhagen der Graf Johann Friedrich von Struensee, eben noch der allmächtige Minister Dänemarks, zur Hin­richtung vor das Oflertor geführt wurde. Zu­erst wurde ihm die Hand abgehauen, dann das Haupt und endlich bei Körper zerstückelt. Selten wohl in der Geschichte ist so hohem Aufstieg zu schwindelnder Macht ein so jäher Fall gefolgt, und der aberteuerliche unerhörte Wechsel seines Glückes hat Struensee bald zum Helden der Dich» tung gemacht. Sin Roman von Lobedanz nennt ihn denRarren des Glücks", und wirklich ist wohl fetten ein Mensch so arg vom Schicksal ge­nant worden, wie der zweifellos geniale Hallen­ser Pfarrerssohn, der sich zum Beherrscher eines Königreiches aufschwang, um dann wie der elendeste Verbrecher zu enden. Struensee hatte Medizin studiert, war dann Stadtphysckus in Altona geworden und erlanate durch Vermittlung des Grasen Karl zu Rantau-Ascheburg ei e S.elle als Reisearzt bei dem König Christian VII. von Dänemark, als dieser sich 1Z68 ins Ausland be­gab. Struensee wußte sich dem König bald un­entbehrlich zu machen, wurde nach der Rückkehr von der Reise zum königlichen Leibarzt ernannt und gewann einen solchen Einfluß auf den König, daß er ihn vollständig beherrschte Auch die Königin geriet allmählich in feinen Bann, und er wurde schließlich ihr intimster Vertrauter, den sie sich sticht scheute, offen vor dem ganzen Hofe auszuzeichnen und als ihren Geliebten anzuerken­nen. Bereits nach zwei Zähren hatte es Struen­see so weit gebracht, daß er nach dem Rücktritt des Ministers Bemstorff zum leitenden Kabinetts- mrnister gemacht wurde, und nun begann er in aller Hast und mit dem größten Sifer weit­gehende Reformen durchzusehen. Zweifellos hat er als Dollsbcglucker und Staatsve^esserer der ganz im Geiste der Aufklärung und Humanität lebte. Großes gewollt. Die Besörderung der Be­amten sollte nur noch von Tüchtigkeit und Treue iw. Dienst abhängen; das Privileg des Adels wurde beseitigt. Er führte unumschränkte Preß-

Eine Rede des Reichspräsidenten an den Kölner Mannergesang­verein.

Berlin, 25. April. Bei dem Empfang des Kölner Mannergesangvereins in der Staatsoper hielt der Reichspräsident fol­gende Ansprache:

Einen recht herzlichen Willkvmmens- g r u h rufe ich Ihneü zu, meine Herren vom Kölner Männergesangverein. Sie kamen vom Rhein in die Reichshauptstadt, um neue Bande zu knüpfen und um das Interesse für die Röte unserer Rheinlande zu flärfen. Groh sind Ihre Sorgen und Kümmernisse, die Sie neben der allgemeinen Rot unseres Volkes tragen müssen. Seien Sie versichert, daß auf uns dien schwer das Bewusstsein lastet, daß unsere regsamen, arbeitsfreudigen Vollsgenossen im Westen ge­hindert werden, ihre Kräfte frei zu entfalten und ungehemmt mitzuarbeilen an der Wjederaufrich- tung unseres staatlichen und wirtschaftlichen Le­bens. Die fremde militärische Be­setzung im Frieden und die Art ihrer Durch- führung ist für ein Voll von der kulturellen und wirtschafllichen Bedeutung wie des deutschen ein hartes Schicksal, ein Schicksal, das in der Geschichte wohl beispiellos ist. Ich erinnere nur an die zermürbende Wirkung der Rechtsunsicher­heit, an die riesigen Kosten für die übergroße Zahl der Desatzungsstreitkräfte, an die Ansprüche auf deren Unterbringung, die die Wohnungsnot außerordentlich steigern. Dazu kommt, daß wir trotz äußerster Anstrengungen zur Erfüllung der Friedensbedinaungen fortgesetzt mit weiteren Gewaltmaßreg.eln bedroht werden. Wie soll dabei eine Atmosphäre des Friedens aufkommen? lind doch braucht die Welt, braucht jedes Volk den Frieden so not­wendig wie das tägliche Brot. Ohne gegenseitiges Vertrauen, ohne friedliche Zufammenarbeit aller Völker ist das Schicksal Europas besiegelt. Diese Gefahr für die Anbahnung eines wahrhaften Friedens muh immer wieder der Well vor Augen geführt werden. Die rheinische Bevöllerung ist in erster Linie von diesen Leiden betroffen; ich bitte Sie aber überzeugt zu sein, daß wir in brüderlichem Mitgefühl ihre Last mittragen, im Gefühl unserer nationalen Zusammengehörigkeit und mit ihr unter dem Druck der fremden Gewalten leiden. Das Rheinland gab im Laufe dieser schweren Zähre immer er­neut Beweise seiner Treue zum Vaterland. Den von außen in das Land bineingetragenen und von einigen phantastischen Cigenbrödlern und Aden- teuerem bedenklichster Art im Land geförderten Wahngedanken der Trennung vom Reiche wies das rheinische Volk mit Entrüstung von sich. Es hat deshalb den Mahnruf: Seid heu! nicht nötig. Für dieses unerschütterliche Aushalten danke ich allen Rheinländern von gan­zem Herzen und gebe Ihnen die Versicherung, daß ebenso das übrige Deutschland stets Treue um Treue vergelten wird. Sie bringen uns nun dir Grüße Ihrer sie! erfrohrn Heimat. Die deutsche Kunst fand von jeher in jeder Form und Be­tätigung am Rhein eine besondere Pflege. Sie wollen uns zeigen, daß das deutsche Lied wie in besseren Tagen so besonders in dieser Zeit der Rot noch das Herz und die Sinne erheben kann. Der Kölner Männergesangverein blickt in diesen Tagen auf eine achtzigjährige überaus erfolg­reiche Vergangenheit zurück. Weit über feine Heimatstadt hinaus ist sein Rus als einer der allerersten und besten Männerchöre bekannt und gefestigt. So bieten Ihre hiesigen Sangesbrüder, mit denen Sie manch edlen Wettstreit ausge­fochten haben, sowie die Reichs- und Staats­behörden Ihnen heute freudig herzlichsten Emp­fang. Ich wünsche und hoffe aufrichtig, daß Sie aus biefen Tagen in Ihre schone engere Heimat die Gewißheit mitnehmen: So wett deutsches Wort und deutsches Lied klingt, stehen wir in bösen wie in guten Tagen als Glieder eines Volkes und eines Reiches treu unb geeint in dem Wunsche nach Erhaltung und Wiederaufbau unseres ge­liebten Vaterlandes zusammen!"

Berlin, 25. April. (Wolff.) Zu der Be­grüßungsfeier für den Kölner Wännerge- sangverein im staatlichen Opernhause er- mit d"n Rmck^räs benten Ministerpräsi­dent Braun die Minister Severing, Siering, -J2. d. icq ter, -ur. Wendorf, Hirtsiefer, Giesberts und Bauer. Ferner bemerkte man den Reichstagspräsidenten Lobe, den Präsidenten des Staatsrats Dr. Adenauer, Oberbürgermeifter

Boß, den Stadtverordnetenvorsteher Caspari, so­wie viele Vertreter der hiesigen rheinischen Ver­eine. Die Kavelle der Staatsoper eröffnete unter Leitung des Intendanten Dr. Max v. Schillings mit Beethovens Ouvertüre zu(Sgmont den Fest­akt. Dann fang die Berliner Liedertafel unter ihrem Dirigenten Musikdirektor Max Wiede­mann die von Max Bruch komponierte ergrei­fende media in vita aus ScheffelsEkkehard". Rachdem der brausende Beifall verhallt war, erhob sich der Reichspräsident zu der be- retts mitgeteilten Ansprache, die vielfach durch laute Bravorufe unterbrochen wurde. Den gewal­tigen Sang von deutscher TreueHagen", ein Tongemälde von Mathieu QZaumann, brachte der Berliner Lehrergesangverein, diri- giert von Prof. Hugo R u e d e l, als Gruß an die rheinischen Sangesbrüder dar. Roch unter dem Eindruck dieses rauschenden Chorwerks würdigte in Vertretung des durch Krankheit verhinderten Kultusministers Staatssekretär Prof. Dr. Becker Berlin als Musikstadt. Mtt einer von Theodor Scheidl zum Vortrag gebrachten Ansprache des Hans Sachs aus WagnersMeistersinger" fand die Degrühungsseier einen harmonischen Ab­schluß.

Aus Stabt unfo Land.

Gießen, den 26. April 1922.

** * Reue Mehlpreisermäßigung. Der Rückgang der fremden Zahlungsmittel hat die süddeutschen Mühlen veranlaßt, den am Sams­tag auf 2100 Mark ermäßigten Preis für Weizen­mehl, Spezial 0, Wetter um 25 Mark auf 2075 Mark für die 100 Kilogramm mit Sack ab Mühle zu ermäßigen.

** Rückstände an Kanalgebüh­ren. Unter den heutigen Bekanntmachungen der Stadt Gießen befindet sich auch die Mah­nung zur Zahlung des 6. Zieles Kanalgebüh­ren für das Rechnungsjahr 1921. Die Zah­lung kann an den üblichen Kassenstunden oder durch Banküberweisung noch bis zum 6. Mai ohne Kosten erfolgen. Am 8. Mai beginnt die Beitreibung, wobei die vorgeschriebenen Kosten erhoben werden.

""Schlechtes Hasenjahr. Das Jahr 1922 dürfte kein gutes Haseniahr werden. In­folge der anhaltend kalten and regnerischen Wit­terung im Januar und Februar haben die ersten Iunghasen sehr gelitten. Auch fehlte ihnen in­folge des fbäten Eintritts der Vegetation jefce Äc-Hrung. Manche sind daher durch Kälte and Hunger emgegartgen. Manche hat man, völlig abgemagert, gefunben, mancher ist unbeachtet za Grunde gegangen. Da der Ausfall 'des ersten Satzes des Meisters Lampe für das ganze Jahr von Bedcutung ist, da die langen Häsinnen schon im gleichen Jahre Mutterpflichten zu erfüllen haben, so darf aus ein gutes Hasenohr sicherlich nicht gerechnet werden.

rtwfUcn.

TageSkalenderfürMittwoch. Stadttheater, 7 Ahr: Gastspiel des Elsässischen Theaters: ,,D' Pariser Reis'". Astoria- Lichtspiele:Sappho" undEine Minute vor 12. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Me­moiren eines Kammerdieners".

Aus dem Stadttheaterbureau, lieber die Leistungen der russischen Konzertgesell- schaft, die hier am kommenden Sonntag und Mon­tag Gastspiele gibt, haben sich viele deutsche Kunst­kritiker in hervorragender Weise geäußert. Die Gäste wurden überaus herzlich gefeiert Es stehen also jedem Besucher wirklich außergewöhnliche Stunden bevor und niemand sollte diesen Abend versäumen.

Konzertverein. Als letztes, zehntes Abonnementskonzert, wird der Konzertverein am 11. Mai (mit einer öffentlichen Hauptprobe am 10. Mai) die Große Messe in si-Moll von Anton Brückner zur Aufführung bringen, worauf wir jetzt schon Hinweisen.

Landkreis Giesren.

' W i e s e ck, 25. April. Landwirt Hein­rich Benner und seine Ehefrau Elisabeche Katharine, geb. Weller, seierne heute ihre Silberne Hochzeit.

Kreis Alsfeld.

A l s f e l d, 25. April. In der Landwirt­schaftlichen Winterschule ist eine Schuler­

freihett ein, trat für die Abschaffung der Leib­eigenschaft auf und erstrebte im Staatshaushalt größte Sparsamkeit. Der Geschäftsgang wurde vereinfacht das Gerichtswesen verbessert Aber in diesem an und für sich anerkennenswerten Stre­ben ging Struensee blindlings unb unpsycholv- gisch vor, ohne auf die Macht des Adels und die tief eingewurzelten Anschauungen des Volles Rücksicht zu nehmen. Er machte nicht nur die Aristokraten zu seinen Todfeinden, sondern er zog auch den erbüterten Haß der Geistlichkeit auf sich, verstimmte bi' Kovenhagener durch den Eingriff in ihre Stadwer affung und brachte durch sein ungestümes Abonnieren die größte Unruhe in die ganze Verwaltung; in den 16 Monaten feines Regiments erlieft er nicht weniger als 600 Ka- binettsbesehle. Auch die gestissenlliche Begünsti­gung des Deutschtums wurde ihm sehr verdacht

So fliegen Haft und Erbitterung gegen ihn bis aufs Aeuherste, und die Rücksichtslosigkeit, mit der er seinen Willen allein durchsetzte, be­günstigte die gegen ihn angezettelle Verschwörung, an deren Spitze die Königin-Mutter stand. Am 22. Juli 1771, 14 Tage nachdem die Königin eine Tochter geboren,Deren wahrer Vater nicht zweifelhaft war", lieft er sich in den Grafenstand erheben, vom König zu würdiger Ausstattung 60 COO Taler schenken und das Recht verleihen, Kabinettsbefehle auch ohne die königliche älnter- schrist erlassen zu dürfen. Die Verschwörer zogen nun immer enger das Retz um ihn zusammen, und am 17. Januar 1772 frühmorgens, nachdem am Abend vorher noch ein prunkvoller Ball stattgesunden hatte, wurde er verhallet Eine Inquisttionskommiffion sprach das Todesurteil über ihn aus, in erster Linie wegen seines Ver­hältnisses zur Königin, das er selbst zugestand. So sank der Kopf Struensees unter dem Jubel der Bevölkerung, vom Beil des Henkers gefallt Aber bald nach seinem Tode schlug die Stimmung um, und man er farmte, daft fein? Reformen fegen» bringender gewesen waren, als die Mißherrschaft, die nun einsetzte.

StruenseesGlück und Ende", bald in Flug­blättern und von Bänkelsängern durch Deutsch­land verbreitet, rief schon im 18. Jahrhundert dichterische Bearbeitungen hervor, so in dem Srarna »Friedrich ©rat von Struensee" von Ernst

Bornschein (1793) und in dem Roman Bouter- wecksGustav und seine Brüder" (1796). Sein Andenken lebendig erhalten haben die beiden Dramen von Michael Beer und Heinrich Laube, das erstere eine der besten Leistungen des Schiller-Epigonentums, aber ohne dramatische Schlagkraft das andere ein echtes rechtes Thea­terstück mit guten Charakteristiken, aber von der Geschichte ziemlich wett abweichend. Laubes viei- gespielles Stück hat die Gestalt Struensees auf der Bühne heimisch gemacht.

*

Die Relativitätstheorie im alten China. Einsteins Relativitätstheorie ist das Gespräch des Ta^es, nunmehr auch in Frank­reich, nachdem der große Gelehrte dort in Paris seine Anschauungen vor einem gelehrten Forum vertreten. Die Fragen, die hier wieder neu auf­geworfen werden, sind aber fast so alt wie die Menschheit seiest, unb schon mancher Philosoph hat der Richtigkeit des von Menschen erdachten Weltbildes fdjr zweifelnd gegenübergestanden. Auf einen eigenartigen Vorläufer Einsteins im alten China lenkt Georges Dubarbier die Auf- merksamkett in einem Qhiffaft bc£Temps". Es ist der Philosoph Chuang-Tsze, der wäh- renb der letzten Hälfte des 4. und der ersten Hälfte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts lebte. Dieser Gegner des Konfutius Vertritt die Lehre vom Richtstun, das bester sei als alle Tätigkeit; der Mensch muß, wenn er glücklich sein will, nach seiner Ansicht das Leben als einefröhliche Reise" betrachten, die aus dem Richts in das Richts führt. Die Kenntniste des Menschen sind un­endlich begrenzt, sagt er:Was er sieht, ist unsicher, was er weiß, ist zweifelhaft." Ra-ch Chuang-Tsze sollten wir unseren Körper mit entern ©etreibeforn in einem großen Speicher ver­gleichen, und selbst mit diesem Vergleich tun wir uns noch zu viel Ehre an. Die Zeit, der Raum all das sind Dinge, die relativ sind. Die Kenntnisse der kleinen Wesen," meint er, können nicht mit denen der größeren ^Wesen verglichen werden. Der Mensch hat die Zeit in Jahre eingekeilt. Aber was ist ein Jahr? Ist cs wenig. ist es viel? Was ist ein Jahr in der Llnendlichkett? Die Grille, die weder Frühling

Wanderherberge eingerichtet worden. ES befinden sich darin 14 Betten und ein Aufenthalts- raum; 11 weitere Betten hat man in dem Dach­stock der Höheren Mädchenschule aufgestellt. In den Osterferien wurde die Herberge bereits von zahlreichen wandernden Jugendlichen besucht, so trafen Gäste ein aus Offenbach, Wiesbaden, Wetz­lar, 'Darmstadt usw.

Kreis Schotten.

A, Vom Hoherodskopf, 25. April. Schnee liegt wieder auf den Höhen beS Vogels­bergs. Am Sonntag und Montag herrschte stun­denlang Schneegestöber. Im Oberwald liegt der Schnee so hoch, daß man bis an die Knöchel in den Schnee tritt. Erst an den Abhängen des obersten Gebirgsteils bei Eichelhain, Hartmanns­hain und Michelbach verliert sich allmählich die Schneedecke.

Kreis Friedberg.

* Hochweisel, 25. April.-Sin Akt großer Roheit wurde vor einigen Tagen hier verübt. Es wurden etwa 18 junge Obft-- bäume teils an den Wurzeln abgeschnitten, teils über der Erde abgebrochen oder ihnen die Aeste genommen und die Rinde beschädigt. Sie gehören meistens einem Privatmann, doch bestnden sich darunter auch einige Gemeinde- bäume. Auf die Aanchaftmachnng deü Täters ist eine Belohnung von 6000 Mk. festgesetzt.

Starkenburg uns Nheurheftev.

* Darmstadt, 24. April. Die Heber6 gäbe der Gesellenbriefe sand gestern vormittag im städtischen Saalbau dahier statt. Weit über 600 männliche und weibliche Prüf­linge, eine bis jetzt noch nicht erreichte Zahl, nahmen an den diesjährigen Prüfungen teil, davon 400 aus dem Handwerk. 218 aus der In­dustrie.

* Lampertheim, 25. April. Ins hie» sige AmtsgerichtsgefängniS wurden durch die Gendarmerie die beiden Straßenräuber ein geliefert, die vor einigen Tagen, wie gemeldet, auf der Hambacher Landstraße einen 17jährigen Oberrealschuler aus Heppenheim bis aufs Hemd auSgeraubt hatten. Es find zwei 22 und 23 Jahre alte Arbeitsburschen aus Viernheim bzw. Lampertheim. Die ge­raubten Schuhe hatte einer von ihnen noch an. Kleidungsstücke und Llhr hatten sie bereits ver­kauft.

* Rierstein, 25. April. Mtt großer Un» versrorcnhett geht ein Spitzbube an die auf den Gebäuden befindlichen Blitzableiter und ent­fernt die P la ti n s p i tz e n. Sechs auf dem Schul­gebäude angebrachte Blitzabletter waren in letzter Woche das Opfer des Spitzbuben.

* Oppenheim, 25. April. Der Winzer- streik ist durch eine Einigung beigetegt worden. Die Arbeit wurde gestern früh wieder aufgenommen.

Heycn-Naffau.

* Frankfurt a. M., 24. April. Ein junger Tschechoslowake kletterte im Frankfurter Hauptbahnhof, um auf billige Weise in die Heimat zu kommen, in das Hundeabteil des O-Zuges Frankfurt a. M.Berlin. In Fulda wurde er, als man einen richtigen Hund m das Abteil lassen wollte, entdeckt und feftgenommen.

* Hanau, 25. April. Plötzlicher Tod. Gestern abend wurde die Polizei nach einem Hause der Rußallee gerufen, wo der Wohnungs- inftaber angab, daß eine bei ihm wohnende Frau V. seit morgens die Wohnung nich ver­lassen, auch auf sein Klopfen diese nicht geöffnet habe. Als man die Tür, die von innen verriegelt war, gewaltsam öffnete, sand man in dem Schlaf­zimmer die etwa 70 Jahre alte Frau, nur mit dem Rachtgewand bekleidet, tot vor dem Bett auf dem Fußboden liegend. Rach den bisherigen Feststellungen ist anzunehmen, daß die Frau einem Herzschlag erlag.

* Wiesbaden, 25. April. Gestern nach­mittag ereignete sich in einem Hause in der Taunusstraße ein schwerer älnglücksfall. Zwei Dachdecker waren mtt der Ausbesserung eines Daches beschäftigt. Als der eine dem an­deren einen Eimer reichen wollte, stürzte er ab und fiel auf den Bürgersteig. Er erlitt einen doppelten Schädelbruch. Rachdem ihm ein Rotverband angelegt war, wurde er durch ein Sanitätsauto zum skädt- Krankenhaus ge­bracht, wo er nach kurzer Zett starb.

noch Herbst kennt, der fleinc Pilz, der am Mor­gen ouswächft und am Abend stirbt, sie haben auch ihr bestimmtes Zeitmaß, und ist nicht viel^ leicht eine Sekunde für sie schon so viel wie für uns ein Jahr? Ein anderes Beispiel: im Süden des Deiches Tschou befindet sich ein Baum, dessen Frühling 500 Jahre dauert und dessen Herbst ebensoviel, und derAhne von Peng-Tscheng" (der chinesische Methulasem) wird andere An­schauung von der Lebensdauer gehabt haben als wir heutigen kurzlebigen Menschen." Wie über die Zeit, so hat auch über den Raum Chuang-Tsze seine eigenen Ansichten:Der Himmel erschemt uns blau. Ist das nun feine wahre Farbe ober einfach das Ergebnis feiner unendlichen Ent­fernung ? Auch die jlnenZlidjfeit der Meere ist relativ. Man tann sich immer noch größere Schiffe denken, für die das Meer klein sein könnte. 3m Rordmoer existiert ein Fisch, eine Art Seeunge- heuer mit dem Ramen Kuen, befien Umfang viele Kilometer groß ist. Dieses Ungeheuer kann sich in die Lüfte erheben und wird dann ent riesiger Vogel namens Peng. Sein Rücken ist so groß wie das Gebirge Tai und seine Flügel sind so gewaltig, wie die größten Wolken im Himmel. CE-enn er fliegt, so hat er earne Ausdehnung von 45 000 Kilometer, und er bedeckt so den ganzen Himmel, fo weit wir ihn erblicken. Eine Wach'el aber, d'io den Riesenvogel vvrbeisiiegen sieht, könnte zu sich sprechen: wozu dieses ungeheuere Tier und dieser rasende Flug? Auch ich erhebe mich mit einigen Flügelschlägen über die Erde und fliege schnell dahin. Ich sehe keinen Unter­schied zwischen dem Peng und mir, da wir beide nuriwinzig sind in der Unendlichkrit de2 Raumes." Mit solchen Betrachtungen rüttett Chuang-Tsze an allen Anschauungsformen des Menschen und si'cht nachzuweisen, daß die Dinge, wie wir sie sehen, uns nur von unserem begrenzten Standpunkt so erscheinen und daß alles relativ ist. Die Chinesen vor 2000 Jahren mögen in ihmihren Einstein" geschen haben, eine Feststellung, mit der Dubar- bier die wissenschaftliche Bedeutung der modernen Relativitätstheorie natürlich nicht im mindesten antasten will.

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