Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Nr. 22 Zweites Blatt
Donnerstag, 2b Zamrar fy22
und Dcneckes baut des für sie arbeitenden Geldes,
(Rachdruck verboten.)
13. Fortsetzung.
; eilen fluch- worden sein, er hält noch ein paar Karten in den ' Tische und I zitternden Händen - wenige Schritte wer» kommen
sation, verbunden mit einem guten 'Nachrichtendienst. Lind als dann am 14. Januar 1922 dir
Abg Quart (D. Dp.) betont, datz sich die Reichseifenbahnverwattu: g leider ihrer Au gab? nicht gewachsen gezeigt habe. Sie habe sich, wir
Die Blüchernichten.
Roman von HannsvvnZobeltitz.
sich über sie —
'Ta. plötzlich, schraken sie beide zusammen. Cm gellender Schrei schlägt zu ihnen, noch einer, ein dritter. Gleich darauf ein @eü>irr verängstigter Stimmen, ein Durcheinander von hasten- . den Schritten, kurze scharfe Rufe. Jäh bricht die Musik ad. Schon huscht, lauft es, £,"J' tenöc Gestalten an ihnen vorüber, Tische
blick zu durchschneiten
Soll man die Kinderfragen alle beantworten < Wieviele Menschen haben sich darüber schon ten Kopf zerbrochen, wie verschieden waren die Ergebnisse ihres 2iachdenkens. Die Geduldigen, bic zu dem Ergebnis kamen, das) das Kind das absolute Recht auf Deairtwortung aller fragen habe, erziehen sich kleine Fragemaschinen, die, einmal aufgezogen, kaum mehr zum Stillstehen zu bringen sind. Wieviele Kinder trifft man, die bei dieser Methode nicht mehr fragen, um etwas zu erfahren, sondern nur — ja eben um zu fragen. Die andere Erziehungsform in ihrem Extrem ist aber wohl noch bedenklicher. Wenn so ein kleines Wesen aus echter Witzbegierde etwas fragt und ein paar Mal abgewiesen wor- deii ist, vielleicht noch mit unfteundlichen Worten, so kann es leicht die Lust am Fragen überhaupt verlieren. Man sagt, datz die geistige Dumpfheit bei manchem Kinde aus eine derartige Abschreckung zurückzuführen sei.
Ter richtige Weg scheint, wie meistens, so auch hier, in der Mitte zu liegen. Es kann ge° Witz nicht günstig auf die Kleinen wirken, wenn jede von ihnen spielend hingeworfene Frage miy einem lehrhaft trockenen Dortrag beantwortet wird, denn entweder gewöhnen sie sich daran, gar nicht mehr richtig hinzuhören, weil sie sich langweilen (und zwar mit Recht!) oder wenn sie es doch tun, wird ihr kleines Gehirn mit vielem Ballast beschwert, Len man ihnen noch ersparen sollte. Roch ängstlicher aber sollte man sich vor dem unwirschen, so gern gebrauchten: „2af> doch das dumme Gefrage," hüten. Wenn es wirklich nur dummes Gefrage ist. so kann man natürlich ein Kind gut lachend abweisen: wie- viele verständige Fragen aber, die echtemWissens- durst entspringen, werden auf diese Weise erstickt Warum? Ha, da gibt es gar vielerlei sonderbare Gründe. Dielleicht sind die Mütter bequem, oder sie sind gerade schlecht gelaunt, oder aber sie wissen auch keine Antwort. Das alles sind aber gewitz keine stichhaltigen Entschuldigungen, die Kinder mit heftigen, clnschüch- ternden Worten abzuweisen. Wenn man aus schlechter Laune oder Unwissenheit tm Augen- blick nicht red>t antworten kann, soll man die Kleinen freundlich auf später vertrösten und nicht nur vertrösten, sondern auch das Dersprechen halten, damit das Kind nicht das Dertrauen
1471.50 und 500, Leihgestern 327, Lich mit Hof Albach, Colnhausen und Mühlsachsen 1650.75, Lindenslruth 235, Lollar 1000, Londorf 629, Lumda 200, Mainzlar 349, Münster 335.50, Rieder- Dessingen 600, Ronnenroth 400, Obbornhofen 302, Ober-Dessingen 344, Ober-Hörgern 830. Oppenrod 303.50, Queckborn 50, Rabertshausen mit Ringelshausen 441, Rodheim mit Hof Grat; 539, Rödgen 650, Röthges 100, Rüddingshaufcn 300.50, Saasen mit Dollnbach. Deitsberg und Wirberg 485 und 449, Stangenrod 136, Staufen berg mit Friedelhausen 290.50, Steinheim 602, Stockhausen 100, Treis a. d. Lda. 1834, Utphe 795. Dillingen 563, Watzenborn mit Steinberg 1624, Weitershain 543, Gesamtergabnis: 33 095.95 Ml
Hb. Leihgestern, 25. Jan. Am Sonntag fand die Jahresversammlung des h'esig-n Kriegervereins bei Kamerad Schröder statt. Der Dorsitzende Gg. Arnold II. begrüßte die Er> schienenen und gedachte der im verflossenen Jahr aus dem Leben geschiedenen, sowie der in fremder Erde ruhenden Kameraden. Der Derein zählt 105 Mitglieder, von denen 20 im Jahre 1921 neu bei- traten. Dier Kameraden, die über 40 Jahre dem Derein angehören, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Dorstand wurde einstimmig wiedergewählt und durch Zuwahl um zwei Mitglieder vermehrt. An Unterstützungen verausgabte der Derein seit seinem Destehen an Kranke, Witwen und Waisen über 4000 Mk. Am 26 Juni des Dorjahres wurde eine in unserer Kirche angebrachte Gedenktafel für die im Weltkrieg Gefallenen ein- geweiht. Sie weist die Ramen unserer 40 fürs Vaterland Gestorbenen auf. Getreu an seinen altbewährten Grundsätzen und feinem Wahlspruch: „Einigkeit macht stark!" tritt der Derein in sein neues Vereinsjahr ein.
Wagenmangel besonders bemerkbar. Handel. Industrie und Landwirtschaft litten m gleicher Weite darunter, und eine Gütersperre befreite nichts anderes als eine Bankrotterklärung.
Abg. Ten Hompel (Ztr.) macht der Reichseitenbahnverwaltung den Dorwurf, datz he zur Beseitigung des Warenmangels, der sich schon in Dorkriegszeiten unliebsam bemerkbar gemacht habe, nicht rechtzeitig eingetreten fei. Was solle es werden, wenn erft der Derkehr nach dem Aaslande and namentlich derjenige nach dem Osten wieder stärker ausgenommen werde. Der Derkehr sei das Nervensystem des Wirtschaftslebens. Der^ sage das Rervensyslem. so sei der ganze Körper kram. Eine gesteigerte Produktion sei vollkommen unmöglich ohne gute Derkehrsverhältnisse. Zar Wagenbeschaffung sei vor allen Dingen Grotz- zügigleit erforderlich. Jede Sparsamkeit an dieser Stelle sei von grötztem Uebel.
Darauf wird die Besprechung der Interpellation abgebrochen und das Haus vertagt sich nach der Erledigung einiger Ausschutzberichle a.if morgen nachmittag 3 Uhr zur Entgegennahme einer Regierungserklärung.
Schluß 3 Uhr nachmittags.
Erlanger Verfassung durch Einspruch der in Erlangen unterlegenen Grotzdeutschen wieder auf-
Gießener Strafkammer.
G i e tz e n, 24. Han. 1922
Ein Arbeiter aus Rieder-Ofleiden war vom Schöffengericht Homberg zu einer Gefängnisstrafe von 6 Tagen verurteilt worden, weil er mehrere Gebund Roggen in der Rächt vom 25. auf 26 Juli 1921 von einem fremden 2lcker ent- wendet hatte. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt mit der Begründung, er sei es nicht gewesen, der den Roggen gestohlen habe er habe sich zur Zeit des Diebstahls zu Hause aufgehalten. Der Feldschütz und ein weiterer Zeuge bekundeten aber wiederum, datz sie den Angeklagten erkannt hätten, wie er mit einer Traglast von der Richtung des Grundstücks, von dem der Roggen entwendet worden war, her- kommend, auf seinem eigenen Grundstück gerastet habe und dann, nachdem er sich vergewissert habe' datz die Luft rein war, mit eiligem Schritt seiner am Ausgang des Dorfes gelegenen Hosreite zugeeilt und in seiner Scheune verschwunden sei. Die Strafkammer kam daher wieder zu der lieber- zeugung, datz der Angeklagte der Dieb gewesen sei und' verurteilte ihn za einer Geldstrafe
Stühle werden umgestürzt, es klappt und klirrt, es tobt und tost —
„Feuer: Feuer!"
„Um des Heilands willen! Kommen Sie, Luise! Kommen Sie!"
Er fatzt sie, er zieht sie. Durch den Wintergarten, der schon fast leer ist, in dem nur noch einzelne Männer und Frauen stehen, fast wie vor Schrecken und Entsetzen versteinert, erstarrt. In den Tanzsaal hinein, in eine drängende, schiebende, schreiende Menschenmenge —
„Feuer . . . Feuer . .
Furchtbar! Schon züngelt es an den Wänden, in den rotgoldenen Draperien, zwischen den damastenen Vorhängen an den hohen Fenstern bis zur taffettierten Decke hinauf. Die Flammen lecken an den Holzboiserien, kleine Funken sprühen, spritzen auf die wogende Menschenmasfe, auf die lichten, leichten Gewänder der Frauen, auf die samtenen, seidenen gestickten Uniformen. Und die Menge staut sich, die weiten Flügeltüren reichen nicht aus zur schleunigen Flucht. Ein wildes, wüstes Durcheinander. Dorwärts drängen die einen, rückwärts andre, Ausgänge suchend die andern. Ratlose Männer, hilflose Stauen. Ein
die deutschen Studentenschaften Deritsch-Oester - i-eichs und Böhmens auszuschlietzen und die Deutsch- Studentenschaft zu einem wirtschaftlichen Konsumverein herabzudrücken, der vielleicht so nebenher noch Leibesübungen treibt. Roch ist allerdings die Göttinger Rotversassung nicht über all anerkannt. Roch hat der alle völkisch denkenden Kreise umfassende Hochschulring den Zusammenhang mit Deutsch-Oesterreichs und Böhmens Studentenschaften gewahrt. Und wenn der Hochschul' ring deutscher Art, der jetzt die kulturellen und nationalpolttischen Aufgaben der Deutschen Stu- dentenschaft übernommen hat. seine Mitglieder einmal zu Kämpfern für die staatliche und t-ilta- teile Einh.it aller Deutschen erziehen und weiter sich so finanziell organisieren kann, datz er für bic in das Elend hinausgestotzenen Si ute ttenschaft en Deutsch-Oesterreichs zu sorgen und sie wirtschaftlich sicherzustellen vermag, so wird vielleicht doch eines Tages eine Studentenschaft werden, die nicht nur Konsumverein, sondern tatsächlich Dorkämpferin für das grohdeutsche Reich ist, das mit Ausnahme der in der Diaspora wohnenden alle umfatzt, die deutschen Stammes und deutscher Muttersprache sind. Dazu aber braucht der Hochschulring die Mitarbeit aller derer, die ihn wirtschaftlich und geistig unterstützen können.
die Gardisten, gleich verschlingt sie die rasende Masse.
Don hoch oben her beginnt es zu tropfen. Die tausend Lichter in den Kronen schmelzen, glühend heih fällt das Wachs auf tief entblötzte Racken, auf Schultern und Arme. Es wimmert, es kreischt. Lohe von Rauch und Qualm schlägt auf, wächst und wächst, jagt erstickend über d e Hunderte hin, über den dichten, dicken Knäuel der Unglücklichen.
Luises Knie wanken, brechen. Martinez halt sie hoch, hält sie. willenlos liegt sie in seinen Armen. Gewaltsam drängt und schiLbt er vorwärts, dem Ausgang, der Rettung zu. Er bahnt sich mit aller Kraft den Weg Es geht um das Leben . . . um das teure, geliebte Leden . . .
Immer wieder mutz er halten, atemlos, spähend, wo ein kleiner schmaler Spalt in der Menschenwoge sich bildet. Er spricht zu Luise, aber sie hört ihn kaum. Jetzt, endlich, endlich ist er hart an einet der groben Flügeltüren, sieht schon die marmorne Austria. sieht die breite Treppe Der russische 2Lar scheint ihm zuzuwmken, ein kühler Luftzug weht von unten herauf . .
Das ist die Rettung —
Doch grab, als er über die Türschwelle schreiten will löst sich oben ein wilbftatternder, in Flammen und Rauch gehüllter ungeheurer Dor- Hang Er fällt, er stürzt, er begräbt mit schwerem Schlag, wie mit einem Leichentuch, die unter ihm stehen In die Knie bricht Martinez, so heftig ist der Schlag. 2lber er lätzt Luise nicht frei. Fest umklammert er sie, deckt fte mit dem eigenen Serbe, hort unter den Iammerrufen zum ersten Male auck ihren Schmerzensruf. Rafft sich wieder auf, verzweiflungsvoll, sch.er hoffnungslos, taumelt Wetter. Wetter, über die Schwelle, über öie brennenden, qualmenden Fetzen, schiebt und stößt und
verliert fentern immer wieder mit feinen Fragen zu der Mutter kommt, die die nächste daza ist, sie ihm zu beantworten.
•* 3m Eiscnbahnexpreßgutvcr- kehr wird vom 1. Februar ab der bisherige Kilometertarif durch einen Staffeltarif ersetzt, der durch einen bvprozenligen Zuschlag -tun jeweiligen Eilguttarif gebildet wird. Die Mindestfracht beträgt 12 Mk., das Mindest gewicht für Frachtberechnung 10 Kilogramm, die Mindestentfernung 10 Kilometer. Die Beträge werden auf volle Mark aufgerundet. Auch die Fracht für beschleunigtes Eilgut wird ab 1. Februar nicht mehr durch Verdoppelung des Gewichts, sondern nach detzi einfachen abgerundeten Gewicht für gewöhnliches Eilgut unter Zuschlag von 60 Prozent berechne,. Die Mindestfracht beträgt 12 MI., das Mindergewicht 20 Kilogramm. Damit sind die Tarife für Expreßgut und beschleunigtes Eilgut mit Rücksicht auf die Gleichartigkeit der Beförderung gleichgestellt, ausgenommen die geringen Unterschiede im Mindestgewicht.
Landkreis Gießen.
- Das Ergebnis der Sammlungen für Oppau Aus ben nachstehenden Gemeinten sind für bic durch das Oppauer Explosionsunglück Geschädigten folgende Beträge bei dem Kreisamt (Sieben eingegangen: Allenfrorf a. d. Lahn 890M!., Allertshausen 275. Annerod 650, Bellersheim 1168, Beltershain 342. Bersrod 542, Bettenlmusen 203, Beuern 1000. Birklar 1300, Burkhardsfelden 1035.50. Elimbach 601. Geilshausen 150. Göbelnrod 505.50. Grotzen-Linden 2597, Hausen 184, Heuchel heim 808.50, Hungen 5 (von älnbekannt nachträglich), Inheiden 1202 20, Kesselbach 657, Langsdorf
Ein englischer Jurist über die Frage der Kriegsverbrecher.
Die Haltlosigkeit der Anschuldigungen gegen die Rechtsprechung des Reichsgerichts in Sachen der Kriegsverbrecher kann nicht besser dargetan werden als durch einen Bericht von englischer Seite, den Dr. D e l l o t, der Sekretär des vom englischen Generalstaatsanwalt wegen der Leipziger Gerichtsverhandlungen eingesetzten Ausschusses über die in England angestellte Prüfung der zcchl- ■ rei'chen Anschuldigungen wegen Kriegsverbrechen erstattet hat. Aus der Denkschrift dieses Mannes, der sich gewitz ein Urteil bilden ivnnte, bringen die „Foreign Affairs" einen Auszug, der folgende Feststellungen macht:
„Meine eigene Erfahrung bei dem Ausschutz pes' General-Staatsanwalts hat mich zu dem Schluh gebracht, datz es viel leichter ist, eine Beschwerte zu machen, als sie zu beweisen. Mein Ausschuh behandelte eine ungeheure Anzahl von Anklagen gegen deutsche Angeschuldigte, auherdem eine beträchtliche Anzahl von Anklagen gegen türkische Angeschuldigte und einige wenige gegen österreichische und bulgarische . An geschuldigte. Mein Ausschuß untersuchte jeden Fall, in dem Kaufsahrtei-Schiffe durch äl-Boote oder Minen Dorf en ft worden waren, und jede Klage wegen schlechter Behandlung von Kriegsgefangenen und alle Angriffe durch Luftschiffe oder Flugzeuge in England. Dies brachte eine eingehende Prüfung der Berichte der Admiralität, des Kriegsministe- riums und des Luftministeriums mit sich. Heber» dies wurden einige 250 000 Erklärungen von Kriegsgefangenen geprüft und geordnet. Diese Prüfung wurde durch drei Sonder-Unterausschüsse ausgeführl, die sich mit den Derbrechen zur See, zu Lande und in ter Luft befahlen. Der vierte Unterausschuß verhandelte Rechtsfragen. Alle diese Ausschüsse unterbreiteten ihre Berichte dem Hauptausschuh, ter diese Berichte annahm, veränderte oder zurückwies. Jeder Ausschuh umfaßte nicht nur wohlbekannte Juristen, sondern auch See-, Heeres- und Luftoffiziere. Der Prozentsatz ter Fälle, in denen man es möglich fand, die An- klagccrhebung zu empfehlen, war außer- ordentlichllein. Selbst mit Unterstützung der Regierungsstellen war es in der Mehrzahl ter Fälle unmöglich. Beweise zu erhalten, die wahrscheinlich zu einer Ueberführung geführt hätten. 3n der großen Anzahl der Fälle war das Beweismaterial von der dürftigsten Art. In vielen Fällen brach der Beweis unter dem Kreuzverhör ter Zeugen zusammen. In zahlreichen Fällen war es unmöglich zu ermitteln, wer der wirkliche 03er- brecher war, der verklagt werten mußte. In anderen Fällen war ter wirkliche Verbrecher im Kriege getötet worden oder war seit dem Waffenstillstand gestorben. Mehrere Anklagen von einer fürchterlichen Art die in ter Presse erschienen, erwiesest sich bei der Prüfung als g r u n d l o s."
Flehen und Bitten und Betteln. ,Rettet mich: Rettet mich!" Oluf dem parkettierten Fußboden krampfen ein paar Mädchengestalten. werten überrannt, mit Füßen getreten. An einem der Pfeiler lehnt eine Matrone in kostbarem Gewand, reißt sich die dreifache Perlenkette vom Hals: „Erne Million Gulden ist sie wert!" gellt fte. ”©ie gehört dem, ter mich hinausbringt." Drei Schloßgardisten schleppen einen alten Mann vor- üter Der Greis muß vom Spieltisch aufgescheucht
drängt sich wieder durch die Flüchtenden, schaut nicht rechts, blickt nicht links, taumelt endlich am Erzadler vorüber, hinaus in den weiten Garten, in dem wohltätig ter Schnee in dichten Flocken riefelt —
Die Flammen, die jetzt schon aus huntett Fenstern in die Winterluft emporschlagen, leuchten Einen Bretterstapel, der wohl noch vom Bau stehen geblieben, findet er, hält immer noch die Geliebte im Arm — und sieht erst jetzt, was gc- sctehen Sie ist ohnmächttg. Gottlob, datz eine gnädige Ohnmacht sie umfangen hat Denn ter brennende Dorhang hat ihr ein furchtbares Mal ins Gesicht geschlagen. Eine Brandwunde, rot wie Blut und schwarz von Rauch, reicht fast über frie ganze rechte Seite des Antlitzes vom Auge, um das Wimpern und Brauen verdorrt sind, bis zum Kinn und tief über den Hals hinab.
Entsetzt starrte et auf das furchtbare Brand» mal —
Sie wimmerte leise aus ter Ohnmacht heraus. Schwere Schmerzen mußte sie leiten. Und sie würden wachsen, sich steigern. Wenn nur das Auge, das teure liebe schöne Auge, erhalten blieb
Einmal neigte er sich und küßte Verzweiflungsvolt die heile Wange. Du 21rme . . . du Aermste . . du Geliebte. . .
Dann fiel ihm auf die Seele: sie mußte vor der Kälte geschützt werten. Er riß feinen Dotman von den Schultern und Legte ihn um ihren Hals Sein Taschentuch tränkte er im Schnee unfr bettete es auf die Brandwurte.
Wohin aber jetzt? Wohin?
Er spähte rach einem Fuhrwerk. Endlich kamen die Spnhenzüge, es kamen Hilfsmannschaften. Truppen rückten im Eilschritt teran, die Brandstätte abzusperren.
(Fortsetzung folgt)
Don Würzburg nach Göttingen!
Wege der Deutschen Studentenschaft.
Dom Dorsihenten des hiesigen Hochs ch u l - ringes deutscher Art. dem in Gießen sämtliche Korporationen angehören und der im Allgemeinen Studentenausschuß über 92 Proz. ter Sitze verfügt, canb. med. Jung, wird uns über die jüngsten Kämpfe in ter Deutschen Studentenschaft folgendes geschrieben:
Der Geist der Front und des Schützengrabens war es, der im Juli 1919 über alles Trennende hinweg alle deutschen Studierenden sich zu einem einheitlichen Verbände zusammenschließen ließ. Waren auch viele Volksgenossen durch den Ver- sailler Derttag vozn Reiche getrennt und unter fremder Herrschaft, die akademische Jugend, die deutscher Abstammung unfr Muttersprache war. schloß sich zu einem einheitlichen Verbände trotz der staatlichen Grenzen zusammen, um durch ihn nicht nur die studentischen Interessen zu vertreten, sondern auch um sich zu gleicher Zeit für den völkischen Gedanken einzusehen. Gegen diese in Würzburg geschaffene Studentenschaft wurde nun seit dem Augenblicke ihres Bestehens mit allen Mitteln Sturm gelaufen, und zwar von einer Seite, die stark unter dem Einfluß des preußischen Kultusministeriums stand. Mit rücksichtsloser Zähigkeit griff eine Heine Gruppe unter Führung der Herren Deneckc (jetzt Hilfsarbeiter im preußischen Kultusministerium>. van Aubel (Referent im preußischen Wohlsahrtsministerium) und Pulvermann (Minderheit) die bestehende Verfassung an, und sie erreichte es auf dem Stuben tentag zu Göttingen, daß sämtliche Studierenden. die . die Staatsangehörigkeit der deutschen Republit hatten, zur Deutschen Studentenschaft zugelassen wurden. Die Verweigerung ter staatlichen Anerkennung war der Popanz, mit Hilfe dessen man die rein völkisch Denkenten geschreckt und zum Rachgeben gezwungen hatte. Roch bestand allerdings die großdeutsche Studentenschaft und unsere deutschen Stammesbrüder gehörten noch zu uns. lind so holte man von feiten der Beneckes in Erlangen im Juli des Jahres 1921 zu einem neuen Schlage aus. Inzwischen war ja die Rot ter Studierenden ganz erheblich gestiegen, unfr es war einem Teil nur möglich, mit Hilfe ter vorhandenen Wohlfahrtseinrichtungen ihr Studium fortzusetzen. Diese Einrichtungen aber befanden sich einmal in starker Abhängigkeit vom Staate unfr waren zum anderen Teil durch die Wirtschaftshilfe in Dresden abhängig von Kapitalien, deren Besitzer fast durchgängig auf feiten der die großdeutfche Verfassung bekämpfenden Minderheit standen. Man drohte in Erlangen von feiten dieser Minderheit, diese staattiche und privatkapitalistische Unterstützung den schwächer gestellten Kommilitonen zu entziehen. Und wiederum beugten sich Teile ter völkisch Denkenden, und es gelang auf diese Weise, die auf rein deutscher Grundlage aufgebauten StudentenschaftenDeutsch- Oesterreichs und Böhmens von ter gesamten Deutschen Studentenschaft abzulösen und an Stelle des einheittichen Verbandes ein lockeres Bündnis treten zu lassen. Der großdeutsche Gedanke war durchbrochen. Aber man ruhte und rastete von selten der Minderheit nicht. Mit großen Geldmitteln schuf sich diese eine glänzende Orgam-
„Darvnesie . . begann er, „darf ich Ihnen sagen, wie sehr Sie meiner Mama gefallen haben? ..."
Sie fuhr aif. Sprach bann doch karz, fest und ehrlich: .Das macht mich glücksich —"
Oh wenn Sie wüßten, wie es mich beglückt hati" Meine gute Matter hat ein so scharfes Auge Ich habe oft empfunden, als ob sie in Seelen und Herzen zu lesen verstünde."
Wieder fentte sie ten Kopf
„Fräulein Luise . . . liebe ßnfe . . . schauen Sie mich einmal an. Bitte, bitte. So . . . Run mutz ick. fragen, ob Sie Vertrauen zu mir haben? Volles, unbedingtes Vertrauen!"
Sie hat die schönen großen Augen voll auf- geschlagen. Feucht schimmern sie. Unfr nentat.
„Sprechen Sie es aus, Luise! Ich mochte es hören."
Ja! Ja!"
„Luise, Sie wissen es selbst, datz ich Sie liebe1 Wohl vorn ersten Begegnen an. Luise, reichen Sie mir Ihre Hand . . . bette Hande . - lassen Sie es für das ganze Leben gelten . . .“
Tie Hände bebten. Aber sie hob fte leicht an. Er faßte und umspannte, fest, fester. Er beugte
Aus Stabt und Land.
Gießen, ten 26. Jan. 1922.
Kinderfraqcn.
Hinterfragen! Viele Erwachsene, besonders Mütter, halten sich beim Klange dieses Wortes schon die Ohren zu. denn bet der bloßen Dorstellung summt and dröhnt es in ihren Kopsen. „Sie fragen einem Löcher tn ten Kops," nagen sie wohl, und in der Tat, man muß sich wintern, wie Mütter dieses oft vielstimmige Kreuzverhör Tag für Tag vom Morgen dis zum Abend aushalten. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung. daß bei den wißbegierigen kleinen Geistern eine Antwort meist eine ganze lange Kette neuer Fragen hinter sich herzieht, die endlos wird, wenn wir es nicht verstehen, sie im rechten Augen-
Deutscher Reichstag.
154. Sitzung, nachmittags 1 Uhr.
Berlin, 25. Ian. 1922.
Die Interpellation ter Deutschnationalen über ten Wagenmangel ter Reichseisenbahn begründet ter Abgeordnete Vogt (Dntl.). Gante mirtschaft, Industrie und Hantel leiden in gleicher Weise an einer unz alänglichen Dagengestellang. Viele Betriebe müssen infolge Kohlenmangels Feierschichten einlegen. Es fehlt ter Reichseifenbahnverwaltung an kaufmännischem Geist. Andererseits leiden wir an übergroßer Zentralisation. zum Schaden namentlich Suddeutschlands. Die Landwirtschaft muß schließlich jede Verantwortung für die Volksernährung von sich ablehnen. (Beifall rechts.)
Reichsverkehrsminister Gröner: Durch das völlige Versagen des Wassersttaßenverkehrs ist frie Anforderung von gedeckten und offenen Wagen ganz gewaltig gestiegen. Die Mehr- anforterung von Wagen für die Landwirtschaft war im September um 209 Proz. höher als im gleichen Monat des vergangenen Jahres. Auch sirr die Beförderung von Kohlen haben wir mit einer starken (Steigerung ter Wagenanforterung zu tun. 3m Oktober 1921 hatten wir die höchste Wagengestellung feit Kriegsende erreicht. Auf baulichem Gebiete wird eine ständige Verbesserung vorgenommen. Die Zahl der Wagenneubeschaffung wird demnächst 20 000 erreichen. Der Reparaturzustand ist durchaus günstig. Wir haben jetzt das Verhältnis wie vor dem Kriege. Lediglich bei den Lokomotiven ist dieses Verhältnis noch nicht so günstig. Der Bedarf der Landwirtschaft an Düngemitteln für das Frühjahr wird zweifellos gedeckt werden.
jeder Kaufmann, nicht auf Mindestleistungen, son- langen unterlegenen Großdeutschen wieder auf dem aus Höchstleistungen ci, z astellen. Ramentlich gehoben wurde, da gelang cs den Pulvermann in ten See- und Binnenhäfen mache sich der i ' ~ *


