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llr. 278 Zweiter Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 25. November 1,922

- -r.THimin Tanin: irmti

Die Negieruristserklärmrg des Reichskanzlers.

Berlin, 24. Rov. 1922.

3n der heutigen Sitzung des Reichstags gab

Reichskanzler Cuno

die Zusammensetzung des Kabinetts begannt das er, wie er sagte, in schwerer Sckstcksalsstunde zu bilden übernommen bade. Er bcmertle, daft der Posten des Wiederausbaummisters ossen geblieben sei. Ebenso sei ein Sprechminister nicht ernannt worden. Damit solle zum Ausdruck kommen, datz gearbeitet und nicht geredet werden solle Nach- dem der Reichskanzler seinem Vorgänger und des­sen ^Mitarbeitern seinen herzlichen Dank aus­gesprochen hat, bedauerte er, das) die neue Reichs- rcgierung nrcht aus der breiten parlamentarischen Basis stehe, die er auf Grund des zu erörternden Programms hätte erwarten bürfen. 3n den uns bevorstehenden Zeiten sei nur eine Zusammen- fassung aller Kräfte aus dem Boden der republi­kanischen Staalssorm möglich Der Reichskanzler hatte eS begrübt, wenn die Mitglieder der Sozial­demokratie sich zur aktiven QMuarbeit im Kabinett bereit gefunden hatten. Gr hoffe, dab es zu einer verständnisvollen Mitarbeit kommen möge. Auf die parlamentarisch lechnifche Bezeichnung des Ka­binetts komme es nicht an, sondern daraus, ob die Arbeit des Kabinetts die Zustimmung des Reichs­tags finde. Der Reichskanzler gab dann ein Bild Les heutigen Deutschland und betonte, dab nach auben Deutschland ein im Kreise gleichberechtigter Völker ein sich selbst bestimmender, aus eigener Kraft und eigenem Recht lebender Staat werden müsse. Der Versailler Vertrag stand, erklärte der Reichs­kanzler we.ter, mit dem rechtegültig abgesch offenen Vorvertrag nicht im Einklang 5>ie uns in London auferlegte Leistungspslicht ist lestgelegt worden, ohne dab Deutschland ein Einblick in die Berech­nung gegeben worden wäre. Der Streit um die Erfullungspvlitik hat seither die öffentliche Aus­sprache beherrscht. Es ist vielfach zu n Schaden für unseren innerpolitischen Frieden aus einer Frage nüchterner wirtschaftlicher Abwägung eine Frage der Gesinnung gemacht worden. Heute ist die Frage der Erfüllu^gspolitik und ihrer Grenzen geklärt. In Cannes, Genua und später haben sich die in der Aeparationskornmission vertretenen Mächte Überzeugt, dab die Deutschland auf- erlegte Last unerschwinglich ist. Aber obwohl Gläubiger und Sachverständige erklärt haben, dab Deutschland nicht zahlen könne, sind uns die Goldzahlungen für Reparationen und Besatzung mir bis Ende dieses Jahres gestundet worden Das Schwert der Ungewihheit hängt drohend über Deutschland, und in den besetzten Gebieten sowie tn den drei rechtsrheinischen Städten, die ohne einen im Friedensvertrag gegebenen Titel besetzt worden siird, steht immer noch eine Armee, die wesentlich gröber ist als das deutsch? Heer. Die Abtrennung wichtiger landwirtschaftlicher und in­dustrieller Gebiete im Osten, Westen und Norden hat Deutschlands Produktionskiast auss tiefste geschwächt. Die Wegnahme unserer Auslands- Vermögen, dec Kolonien und unserer Flotte hat unsere Zahlungsbilanz passiv gestaltet. In enger Verstrickung von Wirkung und llrfache ist im Innern die deutsche Leistung und der Wirkungs­grad der deutschen Arbeit erheblich gesunken. Die Mark ist bis auf einen winzigen Bruchteil Ides Friedeilswertes gesunken. Dadurch wird die Einfuhr von Rohstoffen unb Lebensmitteln ge­schmälert, und die Preise im Inland schnellen sprunghaft in die Höhe. Die Folge ist trotz des auf die Papiermark gegründeten irreführenden Scheins der Prosperität mancher Unternehmungen fortschreitende Minderung der Substanz, steigende Kreditnot und Tötung des alten Sparsinnes. Es liegt im Wesen der Wirtschastsgesetze, dab der wirtschaftliche Zustand Deutschlands cuf fortwir­kende Ursachen weiter sinken mub So wird Preis­erhöhung zu Lohnerhöhung, Lohnerhöung zu Preiserhöhung. Die Verdreifachung des Brot- Preises, das Anschwellen der Kohlenpreise und die Tariserhöhung der Eisenbahn sind die besten Beispiele für die Zwangsläufigkeit dieser Entwick­lung.- So ist das Deutschland, für dessen Regie­rung das neue Kabinett nun die Verantwortung übernimmt. 3m Vordergründe unserer Verant­wortung steht die Reparationsfrage. So sehr die Regierung es für ihre Pflicht betrachtet, alles dazu beizutragen, um ein gerechtes Urteil über die Schnldfrage herbeizuführen, so sehr betrachtet sie es als notwendig, hinsichtlich der nach diesem

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Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von L i e S b e t Dill.

46. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Man hatte von der Ter-rasse aus gerade die Haltestelle der DampfM>.fie vor sich, die grüne, im Rhein schwimmende Insel, und einen weiten Blick auf verschwimmende Höhenzüge und die über den Rhein sich fpamiende stolze CB rüde, unter der die Schiffe zierlich wie Spielzeuge durchglitten.

Lutz fab Grete gegenüber Sie verkehrten korrekt miteinander, nur zuweilen schauten sie sich verstohlen über ihren Bowlengläsern an. lieber Lutz' Wesen lag etwas wie eine leise Melancholie.

So wenigstens fand Grete. Und es war das einzige, was sie mit ihrem Schicksal aussöhnte. Sie war augenblicklich sehr unglücklich denn der Marineoffizier schrieb nicht mehr.

Die Stimmung an allen Tischm war fröhlich, man hörte zwischen dem Lachen und ©läferHinen die schwebende Musik. Die Schrammeln spielten entzückend, man summte die Melodien mit. Ach wenn das der Petrus mühte . .

Und der General stimmte mit einem Augen­zwinkern nach Grete an:

»Ach wenn das Herr Herwegh wüsste . .

Liane erzählte von Rom. Sie war zurück- gekehrt, zwar wieder ohne Verlobungsring, wie Fräulein Schmidt fest st eilte, aberin Stom heiratet man nicht", sagte Liane.

Was tut man nicht in Rom?" fragte die neugierige alte Kollin. Und Herbert schrie ihr ins Ohr:Heiraten!"

Dec dicke Weinhändler hatte Streit mit einer aufgeregten Dame am Rachbartisch, die fort­während aufstand, um sich einen anberen Stuhl heianzurücken, auf diesen erst ihren Schal legte, blM ihn wieder fortnahm und ein Kissen heran­

verlorenen Kriege Deutschland auserlegten Ver­pflichtung. insbesondere in bezug auf den Wieder­ausbau der zerstörten Gebiete Frankreichs, zu leisten, was nach Deckung der deutschen Lebens­bedürfnisse möglich ist. Dies entspricht dem Ver­trag von Versailles ebenso wie den durch die Wirtschaftsgesetze begründeten Rotwendigkeiten. Kein Gläubiger, dem die Reparationsfrage eine Wirtschaftsfrage ist, wird dieser Pclrtik ent­gegentreten können. Redner hofft, die Einsicht von der Rvtaendiakeit einer solchen nüchternen D.hanblungsweise der Frage werde sich auch in den ßänbern unserer früheren Gegner immer mehr Da Hit brechen, und rechnet hier besonders mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Hm- sichtlich des bedeutsamen Schrittes, den die vorrge Regierung durch ihre Rote v-om 13. November an die Reparationskvmmifsion getan hat, er­klärte Redner, dab die neue Regierung ohne Ein­schränkung auf den Boden dieser Rote trete und fest entschlossen sei, das in ihr enthaltene Pro^ gramm zur Durchfühtung zu bringen. Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, müssen wrr mit allem Ernst alle Voraussetzungen der Rote auf- nahmen. Deutschland must auf 34 Jahre von allen Dar- und Sachleistungen aus dem Vertrag von Versailles betrett werden, wobei die 6a d>- leistungen für den Wr^erausbau insoweit aus­genommen sein sollen, als sie ohne Vermehrung der schwebenden Schuld erfüllt werden können. Außerdem mutz Deutschland weiter für die Stützungsaktion einen ausländischen Bankkredit von 500 Millionen Goldmark erchalten. Die An­nahme dieser Vorschläge wäre nur die notwen­dige Folge der Erkenntnis, die Herr Poincare In seiner letzten Kammerve de selbst zum Lllisdruck ge­bracht 'bat. Herr Poincare sagte, die Aufnahme einer oder mehrerer Anletyen im Ausland werde das Einfachste zur Abhilfe sein. Vorher aber müsse die Mark stabilisiert werden. Dte Regierung stimmt dem Gedanken einer Auslandanleilhe durchaus zu, stimmt aber mit den Sachverstän­digen darin überein, datz die Mark nich' stabili­siert werden kann, solange die Politik der Ulti­maten Deutschlaird keine Wirtschaft auf lange Sicht und der Welt kein Vertrauen auf die deutsche Wirtschaft erlaubt. Das must das Ausland cinfe'fym. Für uns aber gilt es, jeden Augenblick zu nutzen, um die Wirtschaft zu höheren Leistungen zu führen. Wir erwarten die Steigerung der Leistungen von allen Beteil,gten. von den Unternehmern wie von den Arbeitnehmern aller Berufe. Wir haben unproduktive Arbeit in der Volks- und Privatwirtschaft. Stück um Stück wird dieser Abbau anzustreben sein. Das liegt auch im Inter­esse der Konsumenten, zumal die Möglichkeit star­ker Zwangsmatznahmen zum Zwecke der Preis­regelung eng begrenzt ist. Die Bekämpfung des Wuchers ist eine dringliche Ausgabe. Da, wo mächtige Vereinigungen in Industrie und Handel durch unbillige Preis- und Umsatzbedingungen die Freiheit des Wettbewerbs unterdrücken, soll die Gegenwehr der Verarbeiter und Verbraucher notfalls unterstützt werden Dabei darf die Ge­setzgebung und Gesehanwendung nicht dazu führen, die Erhaltung der Betriebe in ihrem volkswirt­schaftlich gebotenen Bestand zu gefährden Damit will die Regierung besonders auch den Wünschen des Handwerks entgegen kommen Als wirtschaft­lich nolweirdig ist bereits erkannt, bah das Ar­beitszeit recht alsbald gesetzlich und zwar unter Festhaltung des Achtstundentags unter Zulassung gesetzlich begrenzter Ausnahmen geregelt wer­den must. Die Anspannung aller Kräfte ist an­gesichts der schwierigen Ernähtungslage beson­ders dringlich für unsere Landwirtschaft. Der Redner appelliert an die Landwirtschaft, der Volksgemeinschaft weiter ihr Opfer zu bringen und die Ablieferung der fälligen Getreide­umlage möglichst zu beschleunigen. Bei der Preisfestsetzung für die weiter zu liefern- den Getreidemengen fei die Regierung bereit, den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Aber trotz aller Be­mühungen um die Gesundung unserer Wirtschaft wird von weiten Kreisen unseres Volkes Entbeh- ruiig nicht fernzuhalten sein. Aber auch das verarmte deutsche Volk wird die Pflicht bc/ft- möglicher Hilfe denen gegenüber erfüllen, die, wie die Kriegsbeschädigten, selbst ihr Bestes für Deutschland gegeben haben, sowie gegenüber den Sozialrentnern und endlich den weiten Kre.sen des

brachte, das aber zu hart war. Er bedeutete ihr. bah er nicht Lust habe, sich fortwährend den Hut vom Kops stohen zu lassen.Und ein Plüsch- sosa wird ja doch wahrscheinlich nicht", als plötzlich an diesen Tisch zwei Herren traten, die eben mit der Strcchenbahn gekommen waren. Haben Sie schon gehört, der Rechtsanwalt von Herwegh ist eben verhaftet worden!"

Es hatte sich alles so überraschend abgespielt, daft Herwegh sich erst auf die Einzelheiten be­sinnen konnte, als er im geschlossenen Wagen neben dem Polizeibeam'en sah, um ins Unter­suchungsgefängnis überführt zu werden.

Er war am Nachmittag vom Bahnhof in sein Haus gekommen und dort von Polizeibeamten empfangen und verhaftet worden. Der Haft­befehl ging vom Gericht aus, auf Antrag der S.aatSanwaltschast, die Fluchtverdacht annahm. Der Bureauvorsteher war nicht mehr auszuinden. weder im Bureau noch in ferner Wohnung, Rene Gimpel war verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Kollege Ehrlich hatte ihn zu Fall gebracht. Auf eine Anzeige dec Witwe Adelheid Rumpf und einer Kapitänleutnaniswitwe, deren deran- flL-rte Verhältnisse der Gegenstand verwickelter Verhandlungen zwischen Gimpel und dieser im Ausland umherreiseuden Dame war. Sie konnte sich nie entichsteftm. ihre Adresse anzugeben und die Briefe folgten ihr halbe Jahre lang nach ohne sie zu finden. Sie befand sich in steter Geld­verlegenheit, wollte hohe Zinsen haben, aber kaum war das Geld festgelegt, als Telegramme von ihr einliefen. ihr umgehend Geld zu schicken, und man mutzte die Papiere wieder mit Verlust abstotzen. Sie brauchte immer zu den ungeeignetsten Zeiten Geld und überlieft eS ihrem Anwalt, es M be­schaffen. Gimbel hatte diese aufregende Korre­spondenz geführt und Herwegh war froh, nichts mehr davon zu höry^

in Kummer und Sorge sinkenden alten Mittel­standes. Infolge der Rot des Reiches werden diese Mittel begrenzt sein. Aber mit den Ländern zusammen wird die Zersplitterung der öffentlichen Fürsorge zu begegnen sein. Doch der (Staat kann nicht alles Notwendige leisten. Ich rufe alle auf, tnach besten Krästen den notleidendenVo k genossen zu helfen, vor allem den deutschen Kindern. Von Herzen dankt das deutsche Volk den menschen­freundlichen Spendern aus anderen Ländern. Gegen die Wohnungsnot müssen wir durch Ver­billigung und Vereinfachung des Bauens wenig­stens ein beschränktes Dauyrogramm durch ühren Die Not der deutschen Geistesarbeit ist auch im Ausland durch hochherzige Spenden anerkannt worden. Auch das Reich wird die Kulturgüter Deulschlands schützen und seinen geistigen Besitz vor dem Zerfall bewahren. Die gröfjte Spar­samkeit wird die Regle.ning im öffentlichen Haus­halt durchführen. Die Behörden werden bis auf das unbedingt Notwendige abgebaut werden Die Slaatsbetiieoe sollen zu höchstmöglicher Leistung bei möglichst geringem Kräftever. rauch wester- aeführt werden. Gehalts- und Lohnpolitik sollen dem Aufstieg der Tüchtigen dienstbar gemacht werden. Damit soll der alte Deamtengeist ge­festigt werden. Zur Steigerang der Reichsein­nahmen wird die Steuergesetzgebung, die Ver­anschlagung und Erhebung vereinfacht, die Steuer möglichst an der Quelle erfaftt und die Ein­ziehung beschleunigt werden. Den säumigen Schuldnern soll aus der verspäteten Zahlung mit schlechter Mark fein Vorteil erwachsen. Auch schwerste Opfer der ßeiftungdfäbigen dür­fen nicht gescheut werden. So wollen wir in der Wirtschaftspolitik die Gebote der Wirtschafts- vernunst mit warmem Sinn für Volkswohl und sittlichen Erfordernissen vereinigen. Den nationalen und kulturellen Zusammenhang mit dem abgetre­tenen Gebiet im Auge wird die Regierung ihre Kraft dem friedlichen Zusammenleben mit den Völkern widmen. aus deren Wirtschafts- beziehungen Deutschland nicht ohne schwersten Schaden der anderen Völker gestrichen werden kann. Das gilt für alle Länder Europas ohne Aus­nahme. (Sbenfo wird die Regierung alle über- sceischenBeziehungen pflegen, insbe ondere m.t den groften Nationen, mit denen entzweit zu werden, das Unglück Deutschlands und Europas war. Mir persönlich wird es eine Freude sein, die vertrau­ensvollen Beziehungen, die ich mit Wirtschafts­führern des Auslandes gewonnen habe, nun un­mittelbar für den Dienst des Reiches fruchtbar zu machen. Die Auslanddeutfchen muffen wir ent­schädigen in einer Weise, welche die Wiederauf­nahme kultureller und ökonomischer Pionierarbeit ermöglicht. Wir wollen eine ehrliche schlichte deut­sche Politik treiben, die nichts mit dem Schlag­wort einer Ost- oder Westpolitik zu tun hat. Srlche Gegenüberstellung erweckt den Llltsche'.n, als woll­ten wir den Osten gegen den Westen oder den Westen gegen den Osten ausspielen. Aus dem Un­frieden anoeter Mächte wird Deutschland keinen Vorteil ziehen sondern lediglich verhängnisvolle Nachteile erfahren. Die Welt und die Weltwirt­schaft brauchen nicht Uneinigkeit, sondern Einig­keit und Arbeit. Deutschland insbesondere braucht den Blick uts Freie und in eine bessere Zukunft. Gewift kann keines der deutschen Länder im Herzen von 'Deutschland abgetrennt werden, aber es gibt Bestrebungen jenseits der Grenzen, die auf neue Bedrückungen und Eingriffe ab- zielen Mil Sorgen blicken wir auf die schwer­geprüfte Bevölkerung des besetzten Gebietes am Rhein, die mit harten Leiden eine Besetzung trägt, deren Art vielfach dem Kulturempsinden Der ge­sitteten Welt widerspricht. Wir bauten unseren deutschen Landsleuten für ihre Treue und wollen ihr Los nach Kräften erleichtern. Ich wiederhole, was Minister Rathenau zwei Tage vor seinem tragischen Ende hier erklärt hat: Die Regierung wird niemals bereit sein, besetztes deutsches Ge­biet, das Rheinland oder die Pfalz oder das Saargebiet freizugeben. ihre Befreiung zu ge­fährd -n oder auch nur einen Tag hinausschieben zu lassen.

Jetzt ist keine Zeit zu Derfassungsstreitig- Eeiten. Wem Deutschland Herzenssache ist, diene mit uns auf dem Boden unserer Reichsverfassung. Ausruhr und Gewalt würden nichts bessern, son­dern die Not dieses Winters steigern. Sie wür­den deshalb die volle Kraft des Staates auf dem Plaue finden. Ich bitte alle, die Einfluß haben, sich für Ordnung und ruhige Einsicht etn- zusetzen. Kein Staat kann ohne Autorität sein. Die Sorge für die Staatsglieder, die die Autorität auszuüben haben, wird der Regierung immer wich ig und mir eine persönliche Herzenssache fein.

Von Adelheid Rumps war ihm nur eine un­gewisse Vorstellung geblieben an einen feberge- schrnückten Turban und einen feisten Mops, mit dem sie zu ihm auf das Bureau kam, an ver­worrene Prozetzgeschich'en mit nichtzahlenden Mietsleuten, sie überiordernden Handwerkern und ungetreuen Bankiers, die sie eine Räuberbande nannte. Sie warf mit diesen Titeln sehr frei­giebig um sich und war sich mit Herrn Gimpel schon oft deshalb in die Haare geraten, denn dieser war auch nichi auf den Mund gefallen. Die beiden Witwen hatkdn sich zu ällii im Vorzimmer getro fen und ihr Geld zurückverlangt. Herwegh plädierte auswärts und so hatie.t sie Gimpel mit einer Klage gedroht Es hatte einen erregten Disput gegeben, und die Sch eiber erbleichten, denn sie wurden alle samt und sonders von Frau RumpfSchubjacke" getauft. Dann gingen die zwei Witwen kurzentschlossen zu Rechtsanwalt Ehrlich, um ihre Klagen vorzubrrngen, das! man sie betrogen hatte.

Es waren in der letzten Zeit von mehreren Seiten ähnliche Klagen über die entsetzliche Un­ordnung, die in dem Herweghschm Bureau herrschte, eingelaufen, und Ehrlich fackelte nicht lange, er zeigte die Sach? der Staatsanwaltschaft an, und dtese schritt zur Verhaftung. Man fand schon den Bureauvorsteher nicht mehr, aber Her­wegh war ihnen gerade in die Arme gelaufen.

Der Stein war nun im Rollen.

Er konnte nichts mehr daran ändern.

Ser Wagen bog in die enge Dadhausgasse ein, plötzlich sah man viele Menschen Dorüber­laufen und hörte aus der Ferne ein Stimmen­gebraus und Hurra . . . Der Wagen mutzte Schritt fahren.

Was ist beim los?" fragte Herwegh den Polizisten. Dieser bog sich zum Wagenfenster hinaus:Der Kaiser ist eben angekommen."

In demselben Augenblick hielt der Wagen und Herwegh erblickte ein Schaufenster mit blin­kenden Instrumenten. Wie ein Lichtstrahl glänzte

Reichswehr unb ReichSrnarine haben ein Recht auf gleiche Fürsorge und Achtung. In der Rechts­pflege ist die Erhaltung einer unparteiischen, vom Dertoauen des Volkes getragenen Rechtsprechung erstes Gebot. Die Rechte der Länder wird die Reichsregierung aus Ueberzeugung wahren, ihre verfassungsmähige Mitarbeit p,legen undWünsche nach freier Entfaltung möglichst erfüllen. Für diese unsere Arbeit werbe ich bei Ihnen, wie über die Fraktionen dieses Hauses hinaus bei unserem ganzen Volke, rxift alle lebenbigen Kräfte sich zur Rettung Deutschlands vereinigen. Deutsch­land ist in schwerer Gefahr. Wir wissen nicht, ob ihm aus dem übermäch igen Willen der vormali­gen Kriegsgegner neue Not beschieden, oder ob es ihm ermöglicht wird, ben Weg der Gesundung zu beschreiten. Was uns auch beschieden sein mag, unsere Arbeit wird nicht vergebens sein. Deutschland kann bedrückt und bedrängt werden, aber es kann nich untergehen, wenn es sich nicht selbst aufgibt.

Die Aussprache über die Regierungserklärung wird eingefettet durch den

Abg. Dr. B i e l t s ch e i d (S ). Er wirft einen Rückblick auf die Entstehung der Regierungskrise, die dadurch hervorgerufen wurde, datz die bürger­lichen Parteien angesichts des wachsenden Selbst­gefühls des Kapitalismus bestrebt waren, ihren Einfluft in der Regierung zu stärken und den der Sozialdemokraten zurückzudrängen. Als sich nach der Ermordung Rathenaus die Unabhängig gen bereit erklärten, zum Schuh der Republik in die Regierung einzutreten, beantworteten die bür­gerlichen Koalitionsparteien den Zusammenschluft der beiden sozialdemokratischen Fraktionen durch ein Bündnis freier Liebe mit der Deutschen Volks Partei Das Ersuchen, die Volkspartei in die Regierung aufzunehmen, muffte von der So­zialdemokratie abgelehnt werden. So kam das Kabinett Wirth zu Fall. Nicht aus irgendwelcher persönlichen Voreingenommenheit gegen Dr. Wirth, oder um dem Zentrum einen Affront anzutun, sind wir so vorgegangen, sondern aus freien sachlichen Erwägungen. Mit der Volks- Partei konnten wir nicht zusammen regieren, weck wir sie mit Herrn Stinnes identifizieren müssen, der für den Zehnstundentag und gegen die Stabili­sierung der Mark kämpft. Freilich sitzen bei den Demokraten viele Mitglieder, die sich von Herrn Stinnes kaum unterscheiden. Aber mit dieser kleinen Partei in der Regierung konnten wir leichter fertig werden als mii der stärkeren Dolkspartei. Das Kabinett. Cuno ist nur em Notbehelf. Auch ist es mit dem parlamentarischen System kaum vrL- einbar, datz ein Nichtpa rlammtarrer zum RetchL- kanzler bestimmt wurde. Die Legende ist bereits zerstört, daft das Kabinett Eune ein KrbineL. über den Parteien sei. Herr Cuno ist nur bas Feigenblatt, mit dem die Dtötze der Arbetts- gemeinschaft verdeckt werden soll. Es wäre besser gewesen, wenn die Kanzlerrede kürzer und in­haltsreicher gewesen wäre. Das jetzt so besonders notwendige Bekenntnis zum Schutz der Republik wurde inur 'm einem kleinen Nebensatz erledigt. Wir billigen es, datz bie neue Regierung die Reparationsnvte des Kanzlers Wirich aufmmmt, drücken damit aber nicht das Vertrauen aus, datz der neue Reichskanzler diesen Kurs einzuchalten imstande ist. Wenn er von diesem Kurs abweichi, wird et unseren lebhaftesten Widerstand (inben, ebenso wenn er den verhängnisvollen Versuch machen sollte, die Zwangswirtschaft vollständig zu beseitigen. Dre Steigerung der Produktion ist eine alte Forderung der Sozialdemokratie. Degen jeden Versuch jedoch, am Achtstundentag zu rütteln, werden wir entschieden ankämpfen. Red­ner unterzieht alsdann die einzelnen neuen Mi­nister einer Kritik und greift den Ernä'hrungs- miniftcr Müller-Bonn heftig an, weil er nicht nur ein Vertreter der agrarischen Interessen, sondern der ausgesprochene Füchrer der rheinischen Sonderbündler sei, und fordert den Reichskanzler auf, zu prüfen, ob Herr Müller übestyaupt tn der Regierung der deutschen Republik sitzen bm c An Dr. Decker schätze er seine Ehrlichkeit unb Kampsbereitschaft. Weil er aber als Freund Helfserichs mckhr das GegenteU der Wirtschafts­politik der früheren Regierung bleiben werde, werde seine Partei ichn auf das schärfste be­kämpfen. Für den Minister des Aeutzern von Rosenberg sei es keine Empfcch.ung, daß man ihm nachüHme, sich die diplomatischen Sporen m den Verhandlungen von Drest-Litowsk urrb Bukarest verdient zu 'haben. Die Legende, datz das Aus­land eine Regierung der Vvlkspartei mit Huber begrüben werde, sei bereits zerstört. Hetzt w>rde die weitere Legende zu zerstören fein, datz in

es in seiner Seele auf. Musikalien . . . Er öffnete den Schlag, sprang heraus, stürmte die Treppe hinauf an dem verdutzten Stolzenberg vorüber, ritz eine Geige von der Wand, rief Stolzenberg ein paar Worte zu und sprang in den Wagen zurück. Das war so schnell geschehen, datz der Beamte es erst merkte, als der Anwalt ihm mit seiner Geige im Arm wieder gegenübersatz.

Der Herwegh sch; Zusammenbruch hatte die ganze Stadt in Bewegung versetzt Die Kellner erzählten es den Stammgästen, die Bademeister ihren Patienten, und es war nich! ein Briefbote, ein Schreiber, ein Gerichtsdimer oder ein Schutz­mann, der nicht kopfschüttelnd sein Urteil abgab. Und es war unser bester Verteidiger, den hätten Sie mal hören sollen. Alle Kollegen waren nei­disch auf ihn."

Die Klienten und Gläubiger stürmten das Bureau. Sie verlangten ihre Gelder zurück. Die Wohnung im ersten Stockwerk war wochenlang der Schauplatz erregter Austritte zwischen Gläu­bigern und Gerichtsbeamten.

In seinem mit Säcken vollgepfropften Hinter« zimmer machte Goldenberg dem schonen Lutz eine Szene.

Von Ihnen hab' ich ja nie etwas anderes erwartet, aber auf Ihren Bruder hätte ich Häuser gebaut. Jetzt kann ich sehen, wie ich mein Geld Wiederkrieg'. Ich kann's mir aus den Fingern saugen. Sorgen Sie nur, datz es erscheint, Sie wissen ja, wie man das macht. In der Metropole sind neue Amerikanerinnen eingetroffen. Dis zum Herbst muft das in Ordnung sein."

Mit seiner Verlobung war es nichts. Aber 2ut> wartete nicht erst, bis ihm die geborene Oppenheim dm blauen Cb rief schickte, sondern er setzte seiner Verlobten in einem elegant geschüe- benen Dries auseinander, datz erum meines Bruders willen" auf sein Glück verzichten[[^