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Erstes Blon
172. Zayrgang
Samstag, 25. November 1922
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Totensonntag.
®er diesmalige Gedenktag für den Gottesacker der Toten gehört nicht restlos der Ver- fenfung In Vergangenes. Scharf weht uns die schneidende Luft der Gegenwart ins Gesicht; schnell durchdacht und dem Volke durch die Me Reichstagssitzung wie mit Fanfaren iederbesinrmng vorgelegt, führt uns die programmatische Rede des neuen Reichskanzlers zur Vorschau in die nächste Zukunft. Da muh Entscheidendes geschehen und mit Spannung neues Geschick erwartet werdon. Der Reichskanzler Cuno hat, wie zu erwarten war, die letzte Rote des Kabinetts Wirth an den ReparationSauSschuh zur eigenen Programmbasis gemacht. Das ist die neue Zeit, die der abgetretene Erfüllungskanzler bejaht und verkündet hat, die aber nun mit voller tönendem Klang das deutsche Volk erschüttert. Roch konnte Herr Dr. Cuno nur Am- risse geben, mit knappen Andeutungen die Richtung weisen, denn seine Politik wird vom ersten Tage an gefährliche Spitzen und Klippen umschiffen müfsen, im innerpolitischen Fahrwasser wie auf der hohen See des Auswärtigen. Das Wort ist nur der Bahnbereiter für die Tat. Was morgen geschieht, welche Schwierigkeiten sich dem neuen Kurs entgegentürmen, mit wieviel Mut und Kraft der neue Steuermann ihnen zu begegnen weih, wissen wir nicht. Was er gestern gesagt hat, klang nirgends wie eine Fehdeansage. Der neue Reichskanzler will das ganze Volk zur Mitwirkung ausrufen, betrachtet sein Amt nicht etwa als eine Abrechnung mit der widerstrebenden Partei der Sozialdemokratie. Diese konnte vielmehr manches vernehmen, was in der Richtung ihrer eigenen Wünsche liegt. „Wir haben unproduktive Arbeit in Staat, Volk und Privatwirtschaft. Durch unsere ganze Wirtschaft wird Stück um Stück der Abbau dieser unproduktiven Arbeit anzustreben fein.“ Auch die sozialdemokratische Partei hat unter Wirth noch diese RvtNx-ndigkeit unterschrieben, aber sie mit Taten durchzuführen, dazu war sie zu ängstlich. Denn das bedeutete und erforderte einige GesinnungSgemcinschaft mit der Deutschen VvlkSpartei. Dr. Cuno gab im allgemeinen Aeberblick über die zu bewältigenden Aufgaben sich als warmherziger Volksfreund. D.e Armen und Schwachen will er stützen, soweit der arme Staat es irgend vermag. Er rechtfertigte seinen Ruf durchaus: keine Parteivoreingenommenheit blickte aus seinen RuMchrunaen. Wir wurden nicht enttäuscht. Ftellich, Die Durchführung des Programms erfordert feste Hände und energischen Willen. Darauf kommt nun alles an. Dem Mutigen gehört die ganze Welt heute vielleicht nicht, wohl aber die große Mehrheit des eigenen Volkes, wenn sie erkennt, dah sie mit sicherem Ziel und Willen wirklich geführt wird!
Der Schwerpunkt der Kanzlerrede lag im Amschwung unserer auswärtigen Politik. Auch hier lieh er jedoch keinen Kampfruf erschallen, knüpfte er v elmehr vorsichtig an die, freilich an ihrem Ende angelangte. Ge° dankei'.kette seines Vorgängers an. Wir haben erfüllt, geduldet, probiert; nun wissen wir und weih die vernünftige Welt, was nottut. und nun fordern wir Rücksicht, Einsicht und Schonung der stark angegriffenen Volksgesundheit. Der Reichskanzler Dr. Cuno schuf ein grohes Gemälde der Wirkung des Versailler Ter» träges und unserer nationalen Verelendung. Jetzt soll das aktive Rettungswerk beginnen. Der deutsche Kabinettschef richtete seine Forderungen mit ruhiger Bestimmtheit an die Adresse des Auslandes. Dort mögen sie sich auswirken in den Lausanner Anfängen der neuen Reparatwnslxrhandlungen! Die Wetterwolke von Brü sei z-eht näher, die Zukunft rauscht mit gewaltigen Fittichen über der noch nirgends friedlich durchdrungenen Welt und ballt unserem verzweifelnden Volk die Hände zu Vorsätzen gewaltiger Art. „Am Himmel ist geschäftige Bewegung“; dem Kabinett Cuno müssen wir die Anterstützung, die Gewährung aller Schaffensmittel durch das ganze Volk, nicht nur für Tage und Wochen, sondern für ausdauernden Kampf, wünschen, sofern es sich demnächst auch durch entschlossenes Handeln legitimiert vor der Macht und List deS ein wenig aus seinen Dahnen gelenkten alten Feindbundes.
And nun lassen die dumpfen Glockenschläge des Totensonntags uns das Ohr neigen zu dem v elstimmigen Chor verklungener Sphären. Altes wird lebendig in fragender Gestalt, und die Toten erwachen, um mitzuraten in der Bedrängnis des neuen Tags. An den Gräbern sollen wir lauschen dieser unermeßlich großen Mehrheitspartei, die über das Gewirr deS Reichsparlaments majestätisch hinauswächst. Mit ihnen ruht unter der Erde ein Arsenal von Waffen, stärker als Kanonen und Gewehre, die Waffen geistiger und mora
lischer Aeberlieserungen. Auch daS Ende dieses Jahres stehl noch ganz im feurigen Widerschein und in der noch nicht erloschenen Glut des Weltkrieges; wie nahe also auch finden wir bei uns die lautlosen Heldengestalten der großen toten Armee! Die Staubwolken der Jahre des Zusammenbruchs verziehen sich langsam und allmählich; wir sehen in diesem Jahre noch klarer vor uns als vordem, was uns im Kriege getäuscht und bezwungen hatte. Wir ehren die Abgeschiedenen und Gefallenen mit geläuterten Gefühlen; sie hatten keine Leidenschaften des Amsturzes mit ins Grab genommen. Da draußen auf den Gottesäckern wohnen mir Ruhige und Einige. Man stritt sich auf ihren Gräbern über den Wert oder Anwert der früheren Staatseinrichtungen, heute muß es schweigen, das Gezänk, denn es ist doch wohl erwiesen: unsere Helden fielen in gerechtem Kampfe. Der Reichskanzler Cuno erwähnte die Tatsache deS von Deutschland zwar verlorenen, aber nicht verschuldeten Krieges. Jeder Schritt zur Wahrheit solle auch ein Schritt zur Beseitigung des Anrechtes sein. Diese Sätze hallen »mit den Glocken des Totensonntags harmonisch zusammen. Ansere vorwärts stürmende Zeit, mit allen Triebkräften hingelenkt auf Aenderung und Erneuerung, braucht doch als Herz einer nationalen Fortentwicklung die Pietät, ohne welche ja auch das einzelne Menschenleben nur Gerippe und Scheusal wäre. Gerade die Erinnerung an die Toten, an die in sich abgeschlossene Vollendung ihres Erdenmühens, in der die Begriffe von Glück und Zufriedenheit wohl geordnet ruhen, ist uns eine Quelle der Kraft. Freudig tragen wir fraß selbsterlebte Stück Vergangenheit, das Freud und Leid einschließt, mit in die Arbeit des Tages — von Liebe verklärt und nicht durch Haß verzerrt. Der Tod, „der des Lebens wirre Knoten löst“, ist ein Mahner zur Friedfertigkeit. Der große Friedensgedanke sttahlt uns jedoch nur aus der Rahe, er sitzt heute trauernd auf den Gräbern unserer Lieben, während er draußen in der Welt verblaßt oder die polittsche Fata Morgana her- vorruft. Wenn wir die Graber schmücken, legen wir auch auf das Grab des vielgeschmäh- ten a l t e n Deutschland den Kranz der Erinnerung. Der gemeinsamen großen Arbeit der Wiederbefreiung gelte dann der neue Tag!
Blatterstimmen zur Programmrede Cunos.
Berlin, 25. Rov. 3n der deu tschnatio- nalen Presse fehlt diesmal die Einhcrtl'lLh- keit bei der Stellungnahme zu der geftxigen Programmerklärung des n-tiien Reichskanzlers. Die „Deutsche Zeitung", als Sprecherin für den äußersten rechen Flügel der Deutschnationalen, findet zwar in der Programmrede Cunos üiel Anerkennenswertes, nimmt aber Anstoß daran, dah Cuno die Erfüllu'.igspolitik, allerdings mit der Einschränkung: „Soweit es unsere Kräfte erlauben", fortsetzen wolle. Das Blatt rückt sogar von dem deutschnativnalen Redner Hergt ab, der die Rote an die Reparationskommissron, welch: die Politik der neuen Regierung bilden soll, als einen Schritt vorwärts bezeichnete und zuversichtlich in die Zukunft sieht.
Anders die „DeutscheTageszeitnng": „Wir können es uns in der jetzigen Sstuatton nicht leisten, jeden Sah seiner programmatischen Erklärung die Möglichkeit irgendwelcher Kritik zu erproben. Es handelt sich Darum, die Gesamttendenz zu erfassen und zu würdigen, zu üh-r sich zu stellen, unb diese Stellungnahme ■mit) im wesentliche eine ausgesprochen positive sein müssen. Soweit das Programm der neuen Regierung auf der Rote an die Reparationslom- miffion basiert, wird man ihm zu stimmen, vorbehaltlich der Art der praktischen Durchführung. Daß für diese selbst neue und bessere Voraussetzungen geschaffen sind, das ist aus dem Programm Cunos, w.migstens soweit der ernste Wille in Frage kommt, zu entnehmen.“
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" urteilt über die Ausführnrngen Cunos folgendermaßen: „Der warme nationale Unterton der Rede, die wiederholt ernste Aufforderung an alle Kreise des Volkes, ohne die Scheuklappen der Parteien in Sirth-.-it urtb Artist für das große Ziel der Rettung des Vaterlandes zusammenza» stcHen, wird Verständnis und Zustimmung bei allen Gutgesinnten im Lande finden. Die neue Reichsregierung darf das Vertrauen des 3n= and Auslandes beanspruchen, daß sie den festenWillen hat, die ungehru en Schwierigkeiten der Lage zu überwinden. Die neuen Männer werden in praktischer Arbeit zu beweisen haben, daß sie der verantwortungsvollen Arbeit gewachsen sind.'
Das „Tageblatt" begrüßt es daß die Grundlage der Politik der neuen Regierung dis republikanische Staatsfvrm fein werde. Weiter finbet in dem Blatte Anerkennung das Bemühen Cunos, die Tür des Kabinetts möglichst weit nach links offen zu halten. 3n der Tatsache, daß sich die neue Regierung ohne jede Einschränkung auf den Boden der Rote an die Reparationskvmmisfion stellt, sieht das Blatt den Willen, den Faden der Wirthschrn Politik -fortzusetzen. Das Blatt hebt schließlich hervor, daß Die Aeußerungen Cunos über bie besetzten Gebiete, die das Reich nie im Stich lassen werde.
daS Haus zu temperamentvollem Beifall hingerissen haben.
Der „Vorwärts" enthält sich einer sachlichen Beurteilung der gestrigen Regierungserklärung. Er nennt sie eine gute Geheimratsarbeit, bei der alles auf Kugellagern laufe und daher keine Reibung und Stoß: gibt. Infolgedessen ent- stehe auch keine Warme. Das Blatt unterstreicht dann noch einmal die Ausführungen Breitscheidts, daß in Deutschland ohne oder gegen die Arbeiter nicht mehr regiert werden könne.
Die „Rote Fahne" faßt ihr Urteil über das Regierungsprogramm in die Worte zusammen: Gegen das Stinnes-Programm steht das Programm des kämpfenden Proletariats.
Ein Spardiktator?
Berlin, 24. Rov. (Privatt.) Wie die Deutsch? Allgemeine Zeitung hört, beabsichtigt die Reichsregierung den Präsidenten des Reichsrechnungshofes S ä m i s ch zum Spardiktator zu machen.
Der Amtsantritt Oesers.
Berlin, 24. Rvv. (WTB.) Der neue Reichsminister des Innern O e s e r begrüßte heute die versammelten Beamten und Angestellten seines Ministeriums. Auf die von dem Staatssekretär Freiherrn von Welser an ihn gerichteten Worte des Empfanges erwiderte der Minister, indem er in kurzen Zügen ein scharf umrissenes Bild seines Arbeitsprogramms entrollte. Er betonte, daß das Reichsministerium des Innern das für den Schutz der republikanischen Verfassung Verantwortliche Amt sei, und sprach h eran anknüpfend die Erwartung aus, daß seine zukünftigen Mitarbeiter sich für die Republik nicht nur lippenmähig erklären, sondern diese Staatsform durch tätige Arbeit freudig unterstützen möchten. Er schätze ein offenes Wort und hasse Intriquen. Er verlange Pflichterfüllung bis zum Aeußersten und hoffe, mit allen, die darin mit ihm eines Willens seien, vertrauensvoll zusammenarbeiten zu können.
Das Echo in Frankreich.
Parls, 25. Rov. Rur wenige Blatter nehmen bereits Stellung zu der Programmart igen Erklärung der neuen deutschen Regierung. Erne scharfe, aber nur plumpe und anmaßende Kritik übt der Berliner Koinespondent des „Iournal" Er schreibt: Der Direktor der Hamburg-Amerika- Linie ist geradezu schlecht gewesen (franchemant mauvais), und ferne Rede war von einer Ungeschicklichkeit, die Schlimmes für die Zukunft erwarten läßt. Er hat mit allen Gebräuchen und Traditionen gebrochen. Reichskanzler Dr. Cuno wolle mit seiner Programmrede, der ersten, die er als verantwortlicher Leiter des Reiches hielt, gegen den französischen Ministerpräsidenten polemisieren. Das war für ein Debüt eine große A n- maßung und zeugt von wenig Taktik. Der Reichskanzler wird wohl bald bemerfen, dah man auf diese Aut und Weise nicht den Interessen seines Landes dient, und daß manchmal ein wenig Diplomatie nichts schaden hrnn.
Die Lausanner Konferenz.
L a u f a n n e, 24. Rov. (WTB.) Der Abend- bericht der Konferenz hat folgenden Wortlaut: Der Ausschuß für territoriale und militärische Fragen hat von dem Bericht des Unterausschusses Kenntnis genommen. Dieser Bericht setzt die Bestimmungen fest, unter denen eine Zone vom Schwarzen Meer zum Aegäischen Meer entmilitarisiert werden könnte. Er sieht andererseits die Bildung eines internationalen Ausschusses vor, der den Bau eines Freihafens in Dedeagatsch oder in der Umgebung sicherst eilen mühte. Dieser internationale Ausschuh würde für die Leitung und Ausbeutung des Hafens sowie die Ueberwachung und Ausbeutung der Eisenbahn Sorge tragen. Der Bericht greift der Regelung der Grenzfrage nicht vor. Dvr Ausschuß nahm von diesem Dokument Kenntnis, wobei er sich die Lösung der Frage, ob eventuell eine Entmilitarisierung mfi Garantien verba.rden fein soll, vorbehält. Die bulgarisch: Qlborbnvn i wurde über den toirt- schnfilich-n Zugang zum Argäijchen Meer vernommen. Der Ausschuß wird morgen um 11 Uhr die Debatte über die europäisch? Grenze der Türkei wieder aufnehmen. In Ergänzung dieser amtlichen Mitteilung erfährt man, dah die Türkei fordert, dah die entmilitarisierte Zone unter die Garantie der Signatarmäch.e gestellt werde. Anläßlich der Frage eines Korridors für Bulgarien sollen Meinungsverschi^enheiten zwischen der griechischen und bulgarischen Abordnung entstanden fein. Die Türkei teilt die Auffassung der bulgarischen Abordnung.
Bulgarisch-griechische Gegensätze.
Lausanne, 24. Rov. (WTB.) Die Rach- richten über die bulgarisch-griechischen G e g e n s ä h e in der heutigen Kommissionssihung bestätigen sich. Die bulgarische Abordnung lehnt den Plan eines Freihafens in Dedeagatsch unter Leitung einer internationalen Kommission ab, in der die Alliierten und die Dalkanstaaten vertreten fein würden und die auch die Eisenbahn bis zur bulgarischen Grenze =tu überwachen hätte. Sie forderte, daß der Hafen von Dedeagatsch in bul
garischen Besitz übergeht, und dah die Zone bis zur bulgarischen Grenze autonom wird. Beni- selos wies diese Forderung zurück, da, wie er sagte, Bulgarien Griechenland noch nicht geschlagen hätte. Abends versammelte Deniselos d.e Tert.eter der Presse, um ihnen die griechische Auffassung darzulegen. Er erklärte, dah Griechenland bereits Ostthrazren verliere und man ihm keine territorialen Opfer mehr zumuten dürfe. Der bulgarische Anspruch sei nicht zu rechtfertigen, denn auch andere Staaten, wie Ungarn, di eTschechoslow^ej und Pole nhätten keinen eigenen Hasen.
Die Vorarbeit für die Brüsseler Konferenz.
Pari«. 25. Rov. (WTB) Wie die „Chicago Tribüne" mitteilt, sind die französischen Finanzleute der Ansicht, dah man ferne Zuflucht zu einer Anleihe nehmen müsse, um das Reparationsproblem zu lösen. Sie setzen große Hoffnung auf das Eingreifen Morgans, der nach ihrer Ansicht der einzige Mann sei und die Fähigkeit besitze, Europa aus der Verlegenheit au ziehen. Morgan wird heute oder morgen in Paris erwartet, um mit den französischen Finanzleuten über die Anleihe, die man Deutschland bewilligen will, zu beraten. Der amerikanische Finanzmann wird einige Tage in Paris verweilen, um seinen Plan in Ordnung zu bringen, den er der Brüsseler Konferenz unterbreiten will, der er als Beobachter der Vereinigten! Staaten beiwohnen wird.
Das neue französische Steuerprogamm.
Paris, 24. Rov. (WTB) Der Kammerausschuh für Finanzen bat eine Rachmittagsslhung abgehalten, um die nachträglichen Steuervor? s ch l ä g e des Finanzministers zu prüfen. Mit 13 gegen 5 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen hat der Ausschuh beschlosjen. die von dem Finanzminister vorgeschlagene Kontrolle der Einkommensteuererklärungen von dem Gesetzentwurf abzutrennen! und infvlgedefsen von den vorgesehenen 1285 Millionen Francs neuer Steuern nur 730 zur Debatte gestellt. Der Finanzausschuh hat mit 17 gegen 4 Stimmen einen Antrag des Sozialisten Blum über die Kontrolle von In Haber pa p leien angenommen
Lord Grey über die Lage.
London, 24. Rov. (Wolff.) Im Ober» Haufe erklärte gestern Lord Grey, es fehle die Einsicht, wie verhängnisvoll die Lage in den auswärtigen Angelegenheiten im allgemeinen auch sei Man befinde sich nicht weit von dem Standpunkte entfernt, wenn man ihn nicht bereits erreichte, wo die Türkei. R u h l a n d unb Deutschland eine gemeinsame Kombination bilden. Vor vier Iahren, bei dem Abschluß des Waffenstillstandes würde eine solche Lage für unglaublich erschienen sein. Die einzige Aussicht auf Lösung der Frage des nahen Ostens ohne Katastrophe liege in der Aufrechterhaltung der gemeinsamen Front durch die Al>- liierten.
Lloyd George als Führer der Nationalllberalcn.
London, 24. Rov. (Wolfs.) Die national- liberalen Mitglieder des Hinterhauses wählten gestern in einer Versammlung Lloyd George zu ihrem Führer.
Cicmencean und sei» Echo in Amerika.
Paris, 24. Rov. (WTB.) Rach ei^er Hadas» Meldung aus Reuyork erklärt die „Reuhork World" zu der Rede C lemenceaus, wenn er auf die öffentliche Meinung in Amerika einen Einfluh gewinnen wolle, müsse er beweisen, daß es in Frankreich politische Kräfte gebe, die einen Frieden auf Grund durchführbarer Reparationen undgegenseitigerGa- rantien wünschten Der Gedanke einer wahren Wiederau ssohnung fei in der Rede Clßmenceaus zwar vorgezeichnet, aber er verleihe ihm nicht die Kraft einer unerläßlichen lle'er^ea'unq.
Paris, 24. Rov. (DTD.) Rah einer Havas- meldung aus Washington hat im Senat gestern eine kurze Debatte über die internationalen Beziehungen statt gefunden. Sena or Hitchcok, der im Laufe der Verhandlungen über den Versailler Vertrag die Politik des Präsidenten Wilson vertreten „hatte, erklärte, Sie Haltung (Sie- rnenceaus Deutschland gegenüber sei ungerecht und verbiete ihm, heute an Amerika zu appellieren, obwohl feine Haltung noch viel milder gewesen sei, wenn man sie mit derjenigen der französischen Regierung von heute vergleiche Senator B o r a h erklärte, die hervorstechende A ußerung der Rede Cl.menccaus bestehe in der Beschuldigung Amerikas, dah es wenig Ehrgefühl habe. Es sei dies eine Beschuldigung, die ebenso unbegründet sei, wie sie von Undankbarkeit zeuge. Dorah verurteilte dann Sie Haltung der französischen Regierung auf der Washingtoner Konseren; u rd zählte die plngerech- tigteiten des Versailler Vertrages auf. Heute, fügte er hinzu, seien Frankreich und England im Begriffe, Mesopotamien und Syrien auszubeuten. Der republikanische Senator Sterling scheint der einzige gewesen zu fein, der (Slemencraa verteidigte. Rach einer Meldung aas englischer Quelle haben auch die Senatoren R o r r i s, Cara wa h und Ca p p e r B rah and H tch:ok unterstützt. Rach ihnen müsse die Frage gestellt werden, welche praktischen Mittel es gebe, u n Frankreich zu Hilfe zu kommen. Hierüber habe sich Cie-


