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für fite PirM zu arbeiten unb bei Wahlen zu Eaublbteren. Anschließend gab Abg. Dr. Deh - Itnger die Versicherung, daß die Mitglieder der Fraktion des Hessischen Bauernbundes von dem Willen beseelt feien, auch fernerhin mit den Abgeordnetem, der deutschnationalen Partei Schul­ter an Schuller zu kämpfen und für einen fried­lichen Ausgleich zwischen Stadt und Land zu arbeiten. Stadtverordneter Streb (Offenbach), der Vorsitzende des Bundes deutschnatronaler Ge­meindevertreter des Landesverbandes, berichtete dann über Gememdepolitik und Gemeindewahlen. 3m werteren Verlauf der Tagung erfolgte die einstimmige Annahme einer Reihe von Ent­schließungen. Gefordert werden u .a.: Die Beseitigung des Ortsklassensystems, Beseitigung der prozentualen Teuerungszuschläge und Förde­rung von kinderreichen Familien: Vereinfachung der Staatsverwaltung, Abänderung des Ministerruhe- gehaltsgesehes und Verminderung der Zahl der Landtagsabgeordneten: größere Selbständigkeit der Gemeinden und fürs Land und die Gemeinden eine größere steuerliche Unabhängigkeit: durch­greifende Maßnahmen zur Steuerung der Rvttage der Kleinrentner, Ruhestandsbeamten und Sozial­rentner. Ein Protest wendet sich gegen das Verbot nationaler Vereinigungen, Regimentsfeiern usw. Die darauf erfolgende Reuwahl des Vorstandes bestand zum größten Teil in einer Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Reu wurden hinzu- gewahlt stud. jur. Zimmer (Gießen) und Wein- gutsbrsitzer Schmitt (Rierstein). Ferner wurde ein Vertreter der Iugendgruppe Gießen in den erweiterten Landesvorstand gewählt. Ober­postsekretär K o h l h a s e (Gießen) dankte im Hamen der Partei dem Vorstand für die geleistete mühevolle Arbeit und ließ diesen Dank in ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Landes- vorsitzenden ausklingen. Dieser danlle seinerseits in bewegten Worten und schloß mit einem Hoch auf das Vaterland.

3n einer anschließenden Sitzung der Dearn - t c n wurde ein vorläufiger Ausschuß gebildet, der sich mit den Standesfragen der Beamten besonders beschäftigen soll. Zum vorläufigen Vorsitzenden wurde Lehrer Dern (Reu-3senburg) bestimmt.

Am Abend fand ein von der Ortsgruppe Bad-Rauheim veranstalteter besonderer Be- grühungsabend statt. Rach Degrüßungsworten von Kohlhase (Gießen) bildete eine An- chrache von Pros. Pflug den Höhepunkt des Abends. Dem starken Beifall folgte, von vielen hundert Festgästen begeistert gesungen, das Lied ,3ch hab' mich ergeben. Sehr stimmungsvoll wirkte auch ein von dem Abg. Kindt ver- aßtes und selbst vorgetragenes GedichtDie Fahne".

Am heutigen Sonntag nahm bei überaus zahlreicher Versammlung der Parteitag seinen Fortgang. Rach Degrüßungsworten für die er­schienenen Abgg. des Hess. Bauernbundes Diehl ,Hochweisel) und Wolf, und dem Reichstags- ibgeoebneten Dorsch (Wölfersheim) sprach der letztere über die Arbeiten des Reichs- ' a g s. Er berichtete eingehend über die Tätig­en der deutschnationalen Reichstagsfraktivn und schilderte besonders ausführlich das Verhalten der Sraftion bei der Abstimmung über die Ge­treideumlage, die als eine Sonderbesteue- . nrag der ländlichen Bevölkerung von den Deutschnationalen einmütig abgelehnt worden sei. l Lebhafter Beifall.) Landtagsabg. Prof. D- Dr. Diehl (Friedberg) sprach darauf über das Thema: .Sind wir Deutschnationalen * reaktionär?". Er betonte die Unrichtigkeit «-des Vorwurfs, die Deutschnationalen seien renk- tionär unb Entwickelte das, indem er die Zu- v sammensehung der Partei in ihrer Organisation and Frccktion llarlegte, die alle Stände des deutschen Volles umfaßten. Er hob ferner her­vor, daß die Deutschnationale Vollspartei auf Grund ihres nationalen, sozialen, völkischen und christlich-religiösen Programms eine Politik des gefunben Fortschritts vertrete. Damentlich wies der Redner auf die ausschlaggebende Mitarbeit der Partei in den Fragen der Dollsbildung hin (Lebhafter Beifall.)

Mit zwei eindrucksvollen öffentlichen Vorträgen fand der Parteitag heute nach­mittag seinen Abschluß. Zwei der kenntnisreichsten und beflen Redner der Partei im Reiche waren dazu als Redner gewonnen: der hessische Führer und Abgeordnete Prof. Dr. Werner und der

Kölner Universitätsprosessor Dr. Marttn Spahn. Daß es sich bei beiden um Ql amen von Klang in den Reihen bei Partei handelt, das bewies der stürmische Beifall, mit dem beide von den anwesenden Parteifreunden aus Stadt und Land begrüßt wurden, die den großen Saal des Spru­delhotels bis zum letzten Platz füllten. Professor Dr. Werner sprach über die hessische Lan­despolitik. Eingehend schilderte er die hessi­schen Finanzen in Einnahmen und Ausgaben und anschließend den Apparat der Staatsverwaltang. Die Demokratisierung bezeichnet er als eine sozial­demokratische Parteisekretariatisierung unseres ganzen Derwaltungsbetriebes. Wenn auch die Gewerkschaftsbewegung gezeigt habe, daß eine Fülle von Intelligenz nach oben gehoben werden tanne, so sei das noch kein Beweis dafür, daß das Berufsbeamtentum durch Parteileute zu er­setzen sei. Seine Partei wolle eine unpolitische Polizei, ein unpolitisches Derufsbeamtentum. Scharf verurteille der Redner die Darmstädter Vorgänge, die gezeigt haben, wohin politischer Fanatismus führen könne. Unter lebhaftem Bei­fall gedachte er der Parteifreunde in Rheinhessen wo die deutschnationale Sache erfreuliche Fort­schritte mache. (Stürmischer Beifall.) Prof Dr. Spahn, der geistreiche Historiker, betrach­tete in tief angelegten Gedankengängen die poli­tische Lage. Ausgehend von der gegenwärtigen Lage in Dorderasien und am Bosporus, deren Entwicklung sich letzten Endes bei uns am Rhein auswirken werde, unterzog er die Erfüllungs- Politik einer scharfen Kritik. (Stürmischer Beifall.) Beide Redner der öffentlichen Versammlung spra­chen je über eine Stunde und ernteten stürnnschen Beifall.

Rach Dankesworten schloß Dr. K1 i n g s p o r die Tagung, bte aus klang in dem LiedeO, Deutschland, hoch in Ehren", das von den An- wesenden stehend gelungen wurde.

Landesparteitag der Deutschen demokratischen Partei Hessens.

Gießen, den 23. September.

Der Landesparteitag der Deut­schen Dcmokratis ch e n Partei He ssens begann heute hier mit Sondertagungen des Lan°- desvcibandes demokratischer Beamten. Lehrern. Angestellten und Arbeiter imFelsenkeller" und des Landcsausschusses demokratischer Frauen im Hotel Schütz".

3m Landesverband demokratischusr CEeamlen ysw. erstattete zunächst der Vorsitzende Steuer­inspektor Knaup den Hahresbericht. 3n den geschäftssührenden Vorstand wurden die bisheri­gen Herren Steuerinspektor Knau p-Darmstadt, Oberjustizsekretär Koch- Darmstadt und Justiz- Inspektor Richter gewählt. Zum Reichsarbeii- nehmer-Ausschuß wurden gewählt Steuerinspektor Knaup- Darmstadt. Eisenbau ninspettor Win­kes- Mainz. Kaufmann Cordier- Mainz und Gewerkscha tosek:etär Meschkat - Wo ms. Darauf referierte Rektor Schäfer- Darmstadt über dieDeamten-Desolbungsre- f o r m. Das zweite Referat überBeamte undPolitik" hielt Pros. Dr.D ergsträsser- Potsdam. Rach kurzer Diskussion wurde eine Entschließung angenommen, die dem Parteitag dorgelegt werden soll.

Die Versammlung der Landesfrauen­gruppe toar hauptsächlich der Erörterung komu- naler , Fragen gewidmet. Die Berichte der Stadtverordneten aus den verschiedenen Städten gaben ein anschauliches Bild von dem Arbeits­eifer unb dem 3ntereffe, mit dem die Frauen in den Gemeindeparlamenten tätig sind.

ihn 51/. Uhr schloß sich eine Landes- Au s s chu ß s i h u n g an, die interne Fragen be­handelte.

Abends 8 Ähr fand in derTurnhalle" am Oswaldsgarten eine öffentliche Versamm­lung statt, die sehr gut von Delegierten unb anderen TeilneHmern besucht war. Rach einer kurzen Sinleitungsansprache des Gießener Vor­sitzenden. Schulrat Fischer, argiiff Gräfin Marie zu Dohna als erste Rednerin das Wort zu ihrem ThemaDemokratische Weltan­schauung". Demokratie sei nicht öde Gleich­macherei, sondern freie Bahn für alle Tüchtigen, seien sie nun Arbeiter oder Prinzen, Christen oder Suben. Sv würden wir zu einer noch nie

BaalsfempeL

Roman von Margarete v. Oertzen» F ü n f g e l b.

31. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Sie sah ihn gespannt an.

Du weißt nichts?"

Er schüttelte den Kopf.

Da machte sie sich bedächtig daran, bte Fleisch­brühe auf einem Spirituskocher zu erwärmen, und er sah ihren ruhigen Bewegungen mit Be­hagen zu. Sie hatte so etwas Mütterliches: das »schlichte graue Kleid, das aschblonde Haar, ihr ganzes Wesen toirften auf fein Gemüt, so etwa, wie in alten Zeiten das Harmonikaspiel des Rasch» barsohnes auf dem Hof zur Feierabendstunde. Es paßte alles zusammen.

Er nahm die Brühe in großen, durstigen Schlucken.

Die Frau Doktor!" sagte er dann langsam, als er ihr bte Tasse zurückgab,das ist die alle Dame, die am Klavier sah, unter dem roten Lampenschleier.

Genc sah ihn zweifelnd an.

Wahrscheinlich! Sie war es doch, die mir geschrieben hat! Es scheint" Gene errötete es scheint, bah du nach mir gerufen hast. Aber das war natürlich nur hn Fieber!"

Ratürlich!" sprach er mit einem sonderbaren Gefühl der Enttäuschung. 3hm fiel ein, bah er an jenem Abend einer fremden Frau seine ganze Seele offenbart hatte.

Dann war er in einem Freudenrausch durch die Straßen geirrt, glückselig wie noch nie, und barm . .

Mit einer hilflosen Bewegung strich er sich über Stirn und Schlafen.

Richt wahr, ich bin unter ein Auto ge­raten T*

Du hast ein paar Rippen gebrochen," sagte die Lene gernütsruhig,ilnb eine hatte die Lunge verletzt. Das war eine ganz dumme Ge­schichte! Unb nicht wahr, Syeiiu du muht kurz vorher sehr krank gewesen fetn'r

Ach ja, ach ja, wehrte er gelangweiltAber nun erzähle mal im Zusammenhang! Du lieber Gott, ich muh doch am fünf ins Hotel Sieg­ried Wagner wird da sein."

Seine Wangen röteten sich dicht unter den Augen, und diese Röte bildete zwei rote Flecken,

wie auf den getünchten Backlein wächserner Weih- nachtsengel.

Es war mir ja schlecht gegangen! flüsterte er vertraulich.Hundeschlecht! Aber dann wurde mir das Glück wieder hold das Höchste, was unsereiner erreichen kann, ist doch Bayreuth! Da weht Schopferatem! Unb sollt ich als der Ge­ringsten einer da droben stehen auf dem ge­weihten Boden! 3ch stünde doch dort! Erlcwte es mit! Das, mein Kind, das kannst du nicht verstehen

Du solltest nicht so viel reden, wehrte die Qene sanft.Sonst kommt der böse Husten wieder!

Wenn es aber fünf ist

..Es ist noch lange nicht fünf, sagte sie mit stoischer Ruhe, unb nahm ihr Strickzeug wie­der vor.

Was strickst du da?

Einen Brust- und Seelenwärmer für dich!

Gr lachte laut auf, unb ein furchtbarer Husten­anfall durchschütterte seine Brust.

Sie hob ihn unter ben Achseln hoch und stützte ihn bis er Luft bekam.

Verflucht! Werde kaum fingen können heute ich werde dir einen Brief diktieren an Frau Doktor Bode

Ach," sagte Lene mild,das hat ja gar keinen Zweck, Heinz. Die ist ja schon lange abgereift I

Seine Finger krampften sich in die Decke.

Was? Abgereist? Ohne mich gesprochen zu haben? Und und Siegfried Wagner?"

Auch. Aber Frau Doktor hat mir aufgetra­gen: Warte mal . .

Lene leierte herunter:Du sollst recht ver­nünftig sein und nicht zu früh heraus unb wenn du genesen bist ja, genesen, sagte sie cmn würdest du zum Vorsingen aufgefordert wer­den

3n Bayreuth?"

3n Bayreuth."

Ausatmend sank er in die Kissen zurück.

Dann müssen wir zusehen, daß ich bald reise­fähig bin. Vielleicht Anfang nächster Woche?"

Er schielte Qene lauernd an. Die wechselte bte Radeln.

Vielleicht."

Unb die guten Sachen da? Du sagtest doch, Stau Doktor Bode habe sie geschickt?'

Hat sie auch! Sie hat einem großen Hause hier ben Auftrag gegeben". Lene nickte stolz

ba gerne fern en Auslese der '.ßeften kommen. Demo­kratie sei Glaube an das Gute. Demokratie könne auch mn sozial gerichtet sein. Sie wolle unter ben Völkern Gerechtigkeit.Dazu bekämpfen wir die Sch-uldlügc. W:r sind Friedmsfreunbe. lehnen aber den Pazifismus Frd. Wich. Försters ab. Wir wollen durch Tüchtigkeit unseren Platz von neuem erobern." Aufgabe-

namentlich bei Frauen sei es, die Worte Arndts ben Kindern einzuprägen:Seid stark im Lieben, schwach im Hassen, so wird Gott seine Deutschen nicht verlassen". Wahrer Patriotismus sei das Zeichen, was für das Vaterland am besten sei. Wir Igssen uns' unsere Vaterlands­liebe nicht absprechen. Es ist ein Hammer, daß Liberalismus unb Demokratie nicht zusammen­gehen können. Es gäbe bei ihnen nur ein Unter- schied des Temperaments und nicht des Weges. 3n diesem Sinne begrüßte sie die parlamentarische ArbeitSgcmeinschast, die sich aber nicht zu einem Dürgerblock gegen die SOzialdemokratie aus­wachsen dürfe.

Hierauf ergriff, von lautem Beifall begrüßt, Reichstagsabg. P'arrer Korell das Wort, um in knappen Strichen die nationalen und sozialen 3deale der Demokraten zu zeichnen. Furchtbar sei es, den Untergang wertvoller Schichten un­seres Volkes mitansehen zu müssen. Hier seht unsere Ausgabe ein und dementsprechend wollen wir im Reichstag vorgehen. Traurig sei auch die Rot der geistigen Arbeit, der Professoren, Dozenten, Rechtsanwälte. Schriftsteller,, kinder- reicher Bearntensamllien. Auch weite Teile der Geschäftswelt geraten unter die Räber. Hier helfe kein Kommunismus und Sowjetismus, der ban­kerott geworden sei. Ebenso falsch sei die An- schauung. baß es sich hier nur um Gesetze banble, die man abrollcn lassen müsse. Der soziale Po­litiker müsse die Schäden zu mildem helfen. Die Wiedereinführung der Zwangswirtschaft sei unmöglich. Wenn wir eine Wirtschaft des Zwanges ablehnen, so fordern wir um so mehr eine Wirtschaft der Pflicht.

Redner wandte sich u. a. gegen die hohen Löhne junger Arbeiter im Gegensatz zu denen der alten verheirateten Leute Hier könne aber die Hilfe nur aus der Einsicht der Arbeiter selbst kommen. Der schematische Achtstundentag sei in unserer wirtschaftlichen Rot abzulehnen Die Aushebung des Bankgeheimnisses sei nötig, um die Geld­knappheit zu bessern. Keine neue volkswirtschaft­liche Theorie kann uns helfen, sondern fortgesetzte Hilfsarbeit Erlöst können wir nur werden durch eine Revision des Versailler Friedens. Haupt­grund für die jetzige Teuerung, die unsere Alten und Kinder rumiert, ist der Friebensvertrag mit feinen Reparationen. Die dringendste nationale Ausgabe sei die Stabilisierung der Republik. Wer dem deutschen Volt helfen wolle, müsse ihm einen starken Staat wünschen. Die Existenz dieses Staa­tes sei bte Hoffnung der abgetrennten Deutschen. Stellen wir über alle Unterschiede der An­schauung bieten Glauben an die Zukunft Deutsch­lands. Wir wollen deshalb auch die Mitarbeit der Deutschen Volkspartei nicht zurückweisen.

Gießen, 24. September

Der zweite Tag des Landes Parteitag es der Deutschen Demokratischen Partei Hessens wurde am Sonntag früh in Gegenwart von 150 Dele­gierten aus den drei Provinzen imFelsen­keller" durch ben Landesvors ihendsn Finanz­minister Henrich mit einem Ueberblid über die politische Lage eröffnet. Sodann erstattete Lan- besparteisekretär Kuhlmann ben Geschäfts- unb Kassenbericht Ein Antrag des Vor­standes, den Beitrag der Ortsvereine an den Landesverband auf 10 Mk. pro. Mitglied monat­lich festzusehen, wurde einstimmig angenommen. Bei der Vorstandswahl wurde der bis­herige Vorstand mit Fmanzminister Henrich- Darmstabt, Iustizrat Reh -Alsfeld, Frl. Poep- p e r I i n g = Alzey als Vorsitzende wiedergewählt. Reu gewählt tourben als Beisitzer Rektor Dcchtvlsheimer - Offenbach. Studienrat Dr. De g gan- Worms, als Kontrolllommissionsmtt- glieder wurden neu gewählt Fabrikant Ek - färbt- 0ber=3ngelfjeim unb Ministerialdirektor Urstad t-Gießen. Somit war der geschäftliche Teil erledigt und Reichstagsabgeorbneter Pfarrer Korell erhielt das Wort zum Bericht über die politische Lage im Reich, lieber die po­litische Lage in Hessen referierten dann Ministerialdirektor U r ft a b t - Gießen und Rek-

mtt dem Kopfe.Eine noble Dame!

Heinz errötete peinvoll. Und nach einer Weile verlegen:

Du! Wie steht es denn übrigens mit meiner Kasse? Es war schon vor drei Wochen nicht mehr allzuviel darin! 3ch muh jetzt doch mein bißchen Geld daheim abheben

Lene strickte.

Das hat keine Eile. 3ch habe ja bei beinen Krawatten einen blauen Lappen gefunden."

3a, aber ben letzten!''

Unb bet ben Taschentüchern eine Seifen- schachtel mit zwei Zehnmarkstücken, unb bei deinen seidenen Socken

Das Wortseidenen" betonte sie mit leichtem Vorwurf. Er lachte.

Was denn bei denen?"

Drei Kupferpfennige und eine Biermarke," sagte die Lene ernsthaft.

Heinz betrachtete sie seufzend. Ein bitteres Wehgefühl stieg in ihm auf, das er nicht dämpfen konnte.

Du bist so gut. Lene!"

Bei dem Lob schossen ihr die Tränen in die Augen, unb sie strickte eifriger.

Er aber beugte sich vor unb legte sanft seine abgezehrte Hand auf ihren Arm.

Zch habe dir deine Liebe schlecht gedankt! Und das Schlimmste ist ich tarm niemals diesen Dank an dich ab trag en !li

Da hob sie ihre klaren Augen zu ihm auf unb legte die Strickerei beiseite.

Ich weiß, Heinz! Das, was du unter Dank verstehst, das nähme ich ja gar nicht an. Wär' ich sonst hier? Als ich zu dir kam, da war das andere abgetan! Und ich bin gekommen, als deine Schwester, als deine Magb! Du hattest damals ganz recht, Heinz: zur Künstlerfrau taug ich nicht, dazu bin ich viel zu lleinlich! Aber waschen, putzen unb kochen für dich dir dienen ja, Heinz, so daß du es gar nicht merkst das kann ich! Bis du wieder gefunb bist und barm verschwinde ich eben einfach wieder

Er streckte ihr die Hand hin.Ich muh wohl ein trauriger Egoist fein, daß du mir zutraust, ich würde das von dir annehmen," flüsterte er.

Und während die Lider über seine müden Augen fielen, flog seine ungebrochene Sehnsucht zu Lllh.

Er wußte jetzt alles ganz genau. 3ene Szene

tori Reiber- Darmstadt. Adg. -Keiber 5e-* tonttc bas unbedingte Eintreten der Partei für das besetzte Gebiet unb beleuchtete dann das Problem der* Arbeitsgemeinschaft vom Staudpunkt hessischer PoKtik aus. Er kritisierte dabei die Haltung ter Deutschen Vvlkspartei und lehnte insbesondere einet Uebertragung bei Arbei:rgemeinschast im Rei chstag auf Hessen ab. Die dann einsetzende Auessprache dreht sich hauptsächlich um die parla­mentarische Arbeitsgemeinschaft. Es beteiligen sich baragi eine große Anzahl Redner. Mehrere An- träga (Vertrauensvotum für Psr. Korell und toeityre aktuelle politische Fragen) wurden an­genommen. Zum Schluß hielt bann Frau Stabtv. Ap »laut° Frankfurt einen Vortrag über die Fra« in der Kommunalpolitik'.

Starauf wurde der Parteitag durch den Dvi- sitzentten, Finanzminifter Henrich, mit ci.i.m Hoch «uf die Republik geschlossen. W.

Aus Stabt unb Land.

Gießen, ben 25. Sept. 1922.

Unser neuer Roman.

Mit dem heutigen Tage geht der Abdruck des RomanSBaalstempel" in unserem Blatte zu Ende.

3n Unserer morgigen AusMbe werden unsere Leser btin Anfang oct neuen Erzählung finden. Diese Arbeit entflammt der glänzenden Feder laqgiÖ* uaua^pßpia .iaq

Dill. Dir Verfasserin stellt uns darinDie Herweghs vor, unb sie erzählt dabei ihren Lesern inj außerordentlich frischer unb spannender Schreibwgisseine rechtsrheinische Ge - schichte^, der man mit stets wachsendem 3nter; esse folgt. Wiesbaden^ist der Ort der Hand­lung, seine herrlichen Qlnlagen, seine wunderbare Umgebung und das goldene Mainz sind geschickt in die EiJaHürng verflochten. Prächtig ist bei Verfassern» die Zeichnung der Persönlichkeiten khrer Geschichte gelungen, lebenswahr und warm pulsierend ersteht frohes, zuweilen auch tolles rheinisches Leben neben der ernsten unb imponie­renden, von lebendigem Pflichtgefühl und edler Wu s ifbegeifferung durchglühten Gestatt der Haupt­person.

Die Awsft«Üuug für Grabmalkmift, die gestern im Oberhessischen Kunstverein eröffnet wurde, zog bereits am ersten Ausstellungstage die berechtigte Au^merksam^it der hiesigen Bürger­schaft auf sich. 3n der Tat verdient diese Wrs- ftetlimg in hohem Maße beachtet zu werden, denn sie bringt in all ihren Abteilungen so außer­ordentlich ®ebtegcne§ und Reichhaltiges, daß man nur wünschen fcnn, die dort in großer Fülle gegebenen Anre^.ngen möchten überall auf frucht­baren Boden fallen. Von besonderer Wichtigkeit kann diese Schau namentlich auch für unsere Stadt insofern werden, als sie eine große Anzahl Ent­würfe von Äripgerbenfrialem enthält, die für die geplante Errichtung eines solchen Denkmals in unserer Stadt richtunggebend sein konnten. Was man daneben an Ent­würfen für private Grabmäler sieht, kann auch hochgespannten künstlerischen Anforderungen gerecht toerben. Man tann der Bürgerschaft drin­gend taten, diese Ausstellung in Augenschein zu nehmen. Reiche Anregung und Belehrung wird der Gewinn der Stunde fern, die man diesem ver­dienstvollen Werbe der Wiesbadener Gesellschaft für Grabmalkunst widmet. Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober täglich von 111 Uhr, mit Ausnahme von Samstags, Mittwochs außerdem von 35 Uhr nachmittags geöffnet.

3m kleinen Saale hat Fritz R i e m s ch n e i- der eine Anzahl Bilder ausgestellt, deren künst­lerische Wirkung einen sehr guten Eindruck hinter­läßt. Heimatliche Motive geben diesen Schöpfun­gen einen besondeven Reiz.

Wettervoraussage

für Dienstag:

Bei südwestlichen Winden erneut Trübung unb Regenfälle. Mäßig warm.

Das flache Tief, das gestern über Süd- und Westdeutschland lag, ist ostwärts weiterge­zogen, so daß wir aus seinem Bereich gekommen sind. Ein neues, sehr ausgedehntes Tief zieht von England her langsam näher und wird er­neut schlechtes Wpcker Hervorrufen.

am Brandenburger Tor das Entzücken in Lilys Gesicht.

Vorsichtig forschte er bet Lene nach Einzel­heiten des Unglückssalls. Doch sie wußte nur von der Frau Doktor zw erzählen, die seinen Unfall erst am nächsten Tage durch die Zeitung erfahren unb dann sofort bie erste Sorge für ihn über­nommen hatte.

Da gab Heinz es auf, noch einmal im Leben mit ferner ihm stets entschwindenden und ihn immer wieder lockendem Liebe zusammenzutreften. Er machte einen glatten Strich hindurch und ergab sich mit fieberhaftem Eifer den Vorberei­tungen zu seiner bevnrstehenden Reise.

Daß der Arzt ihn noch immer im Bett hielt, daß der Husten nicht Zeichen wollte, und daß es chm von Tag zu Tag schuvrer wurde, sich ohne Hilse aufzurichten was bedeutete das alles gegen die goldene Herrlichkeit, die ihm an dem fernen Wunderort winkte?

Aus seinem Bett batte er die Klavierauszüg« von Lohengrin, Tristan, den ganzen Ring aus gestapft. Stundenlang studierte er dann, bie er tobmatt hinsank, zu mibe zum Essen, zu müde sogar zum Schlafen. Sein Körper wurde letcht federleicht.

Lene ging still hin und wieder, er konnte sie tagelang überhaupt uergeflen, so gut verstand sie es, sich auszulöschen. zu «tschwinden, toenn seine Augen ben abwesenden Ausdruck annahmen, den sie nachgerade so gut kannte.

Es war ein traumhaftes Dasein, nur unter­brochen durch die Besuche des Doktors und dic kurzen, aber freundlichen Zellen, die der Engel aus Wahnfrieds Umgebung an den kranken Sän­ger sandte.

Und es kam der Tag, a$i dem der Arzt Lern einen Wink gab, ihn bis vor die Tür zu begleiten.

3ch fürchte, liebes Fräulein bereiten Sie ihn langsam vor er hängt sehr an seinem Beruf?"

Sehr," sagte Lene heiser.

Er reibt sich auf mit dem Zeug! Unb es ist ganz zwecklos, lenten Sie seine Gedanken auf andere Bahnen. Wenn er es noch einmal durch- drückt vom Singen kann gar keine Rede meh> fein! Bereiten Sie ihn schonend vor!"

Rein, Herr Doktor." fayte bie Seite fest Alles, was Sie von mir vergangen nur bas Eine nicht! Das tann ich nicht!"

«Schluß folgt im zweiten Blatt.)

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