(Nachdruck verboten.)
3. Fortsetzung.
tut
die
den
Sinn. Dir Here, die die Äinbletn isst! — Die Fingerlein will sie sehen, ob sie wohlgeraten
DieSakramentshex
Roman von Marie Kerschen st einer.
Sie hatten ihre stillen Feste, diese zwei. Tas war, besonders an den Wintersonntagen, wenn die Kälte sie ins Haus einsperrte and Christines Arbeit still stand. Da satzen sie zusammen hinter dem warmen Ofen, und Christin: erzählte ihre Wundergeschichtrn, von denen immer die eine noch zauberhafter war als dir andre. Lind Lene lauschte mäuschenstill den Worten, die lautere Wirklichkeit in ihr wurden, wenn sie nur das Gesicht in der Alten Rockfalten drückt! und den Atem stillhielt, damit er nichts unterbrach. Das war die einzige Nahrung, die Lenrs Geist empfing, und die fand in ihm einen Do dm, zur Aufnahme überbereit. Sn den vielen Stunden des Allci.iseins, währenddessen Christine ihrer Pflicht nachging, keimte die harmlos gestreut! Saat und schoft zu üppig wuchernden Ranken empor, die keine Haich beschnitt.
ilnb noch etwas festlich Schönes spendete Christine — selten genug, — etwas, woran Lene nicht denken konnte, ohne heimliches Herzerbeben. Das war ein vielgedientes Märchenbuch aus der
Snzwischen war die Zeit gekommen, in der die Natur allenthalben ihre wenigst vorteilhafte Seite herauszukehren pflogt. Unter dem ersten Lenz hauch war die Eiskruste der Erde vergangen. Ueterall in Rinnen und Gossen sprangen behende Bächlein, und der Märzwind schüttelte das tauende Nah von Büschen und Bäumen. And vollends die Heide! Wie eine aus dem Wasser gezogene Ratto sah sie aus. Eine Sintflut war über sie weggegangen, die modrigen Gräser vom Bor;a'ire klebten an der au'goweich- ten Erde, wie verblichenes Haar. And doch hatte der Himmel kein Einsehen! Wasser, Wasser von allen Seiten! Es troff und gluckste ohne End'! And wenn die Sonne einmal alle Kraft zusammennahm, um die dicke Himmels Wolkenwand zu durchbrechen, dann sahen die Heidodörfler sie doch nur wie eine trübselige Scheibe, hinter einem Schleier von grauer Seide.
Christine, auf dem Rückwege vom Gottesacker, den sie täglich besuchte, hatte Not, sich der An- gestümtheit des ö.unneä zu erwehren. Ihre alten
Shre Herzensangst lehrt es sie. Wild hämmert s da drinnen, denn sie weih, dah sie gebraten wird! — Sie sieht des Backofens Schlund, voll Feuer bis in den Bauch . . . And das Brennen '
weh!!
And jetzt, — hört man nicht Tritte? Eine S.imme, die etwas kreischt? Sie hört Stimme, doch versteht sie sie nicht.
Das ist die Here!! fährt es ihr durch
sich sorgte um das Kind, das allem zu Haufe zurückgeblieben war, schien ihr der Weg ohne Ende.
Die kleine Lene lag derweil friedlich auf dem Fuftboden der Wohnstube, vertieft in das Kinderbuch. Freundlich grüyten sie die Märchengrstalten vom Frvschkönig, bis zu der bösen Fee, die Schneewittchen gleisnerisch den Apfel hinbot. And siehe da: — Das Knusperhäuschen! Aus K lchen und Rosinlern, Rvsinlern und Kuchen gomachl:
And Hänsel und Gretel dabei!
Gelt ihr, das schmeckt! Wo's so lecker ist, da kaum nichts Böses fern!
And doch. — — die Here! Die häftliche. altei — Nclnnt euch in acht! Springt nicht herzu, ihr Kinderlem, wenn die euch ruft! — Tut's nitl!
Lene schreit es aus vollem Hals. Aber o weh! die Kinderlein hören es nicht!
And jetzt, der Stall, der finstere Stall! — Es zittern die Knie, sieht man ihn nur. And — llatsch! Die Tür fliegt ins Schloh!
Wer sitzt gefangen?
Tas Hänsel?
Nein?!
Lene selbst, weil sie jetzt das Hänsel ist:
recht innig mit dem Blick zu umfangen, dann füllten sich, auf geheimnisvolle Weise, die Güden, dann nahm das Märchen von selbst seinen Fortgang, jedesmal anders, so, wie das Herz es befahl. And das war das Wundersame an diesem Buch: von auhen sah es aus wie tot. Schl lg man es aber auf und ging mit dem Auge darin spazieren, dann traf man Leben überall. Dann fingen die Gestalten an, sich zu regen und zu handeln. Dann sprang von diesen Lippen die Rede und zündete in den Herzen Freud.' und Leid, Furcht und Hoffnung an, dah Lene lachen und weinen muhte in einem Zug.
Zeit noch, da des Pfarrers Eltern Kinder waren. Wan sah ihm an, dah es durch viele Kinderhände gegangen war und dah mancher Kindermund seiner Liebe darauf Ausdruck gegeben hatte. Denn es war abgegriffen und f’ine Farben oft verwischt, an fielen Stellen fehlten sogar ganze Teile der Blätter. Das aber waren die g:= liebtesten Stellen von allen! Denn da wustte Lene nicht zum voraus, wie sie zu Ende gingen. ------------- - - - .. . __._ .
'2lfcn- lie brauchte das verstümmelte Bill) nur | Kräfte trugen sie mühsam fort. And well )ie
Er. 96 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 25. April 1922
Das deutsche Weihbuch über die Gnlschädigungsfraye.
DaS Auswärtige Amt legt dem Reichstag I ein Weihbuch vor, das .Aktenstücke zur Reparationsfrage vom Mai 1921 bis März 1922" enthält Darunter befindet sich eine Aufzeichnung des Reichzftnanzmilnsteriums über die Auibrin- ■ gung der Goldmlliiarde, die nach der Annahme des Ultimatums im Mai 1921 von der deutschen Regierung bis zum 31. August 1921 geleistet werden muhte Diese Summe wurde rechtzeitig aufgebracht. die Folgen waren aber wie bekannt, für die deutsche Währung gerate ;u verhängnisvoll Diese Wirkung macht uns das Weihbuch begreiflich:
Am die Goldmtlliarde zu beschaffen, wurden 541 Millionen Goldmark durch Ankauf von Devisen aufgebrach:, 53 Millionen durch Aufnahme von Lomdardlrediten unter Berpsändung des der Reichsbant gehörenden Silbers, 15 Millionen durch Antaus von Gold durch die Reichsbank im Inland. 22 Millionen durch Aeberwcisung eines Guthabens der deutschen Regierung bei ter Danca d'Stalia das aus einem Sparguthaben her.ährte, 16 Millionen durch Devisenanleihe von inländischen Banken, 270 Millionen durch die von der Reichsbanl ausgenommenen, von Mendelssohn u. Co. in Amsterdam vermittelten Kredite, 68 Millionen durch Lieferung von effektivem Gold Auster für Entfchädigungszwecke wurden bis zum Ablauf des Augusts 1921 auch für andere Zwecke Devisen benötigt, so z. B. für die Einfuhr von Lebensmitteln sowie für die Bezahlung der früher aufgenommenen Lebensrnittelkievie. Insgesamt wurden von der Devisenbcschaffungsstelle Devisen angekauft im Mai 1921 für rund 264 Millionen, im Juni für rund 228 Millionen, im Juli für rund 125 Millionen und im August für rund 135 Millionen Goldmark. Die ReichZbank steuerte durch direkte Aeberweisung an den Wiederherstellungsausschuh Dev.sen im Gesamtbeträge von 14? Millionen Goldmark bei. A.n die Rückwirkung ter Devisenankause auf den deutschen Wahrungsstand möglichst auszugleichen, wurden die Devisen- bedürfnisse für andere als Entschädigungszwecke in ter Zeit von der Annahme des Altimatums bis zum 31. August wesentlich eingeschränkt. Die Getreideeinfuhr wurde aufs notwendigste eingeschränkt und soweit möglich nur noch gegen Kredit vorgenommen. Die damals aufgenommenen Getreidekredite belaufen sich auf insgesamt 187 Millionen Goldmark. Hierdurch und durch andere Mahnahmen hat man den Devisenmarkt in dem angegebenen Zeitabschnitt um rund 217 Millionen Goldmark erleichtert.
Die ursprünglich gehegte Hoffnung, die gesamte Goldmilliarde durch Deoiienankauf decken ,-,u können, wurde durch die rapide Verschlechte- rung ter deutschen Währung sehr bald vereitelt. Infolgedessen organisierte die Reichsbank einen besonderen Anlauf des noch im Priv-atöesitz befindlichen Goldes. Aus den Beständen der Reichsbank wurden 900 C00 Kilogramm Sil: er im Ausland lombardiert, da es nicht möglich erschien, ohne eine ungünstige Beeinflussung des Silber- preifes so hohe Bestände im Inland zu verkaufen. Trotz dieser Entlastung des Devisenmarktes ging die Entwertung der Mark weiter. Infolgedessen muhte nun versucht werten, auf dem Wege des Kredits Abhilfe zu schaffen. Nach vergeblichen Versuchen von anderer Seite gelang es durch Vermittlung des Bankhauses Mendelssohn u. Co., ein internationales Konsortium zusammenzubrin- gen, das einen Kredit von 150 Millionen gewährte, der schliestlich auf 170 Millionen Goldmark erhöht wurde. Trotz ungünstiger Vertragsbedingungen sah sich die deutsche Regierung genötigt, auf diese Bedingungen einzugehen. Erst mit ter Aufnahme des Kredits konnte die Aufnahme der Goldmilliarde bis zum 31. August 1921 als gesichert gelten. Die Regierung hoffte, dah die Bekanntgabe dieser Tatsache den deutschen Marllurs aufteffem werte. Die Entwertung ter deutschen Valuta ging indes nach einer Pause von wenigen Tagen weiter, so dah sich die De- oifcnbefd>äffungsftclle schliehlich doch noch genötigt sah, 16 Millionen Goldmark leihen und den ba im noch ungedeckten Rest von 68 Millionen durch effektives Gold zu bezahlen. Obwohl von ter Goldmilliarde nur 54,1 v. H. durch Devisenkäufe gedeckt worden sind, haben die deutschen Entschädigungszahlungen eine auherordent- lich verheerende Wirkung auf den Devisenmarkt ausgeübt.
Bemerkenswert ist eine Zusammenstellung der Dar- unl> Sachleistungen, die seit dem 1. Mai 1921 bis in den Monat März 1922 aufgebracht worden sind. Die Barzahlungen belaufen sich bis einschließlich 1. März 1922 auf insgesamt 1294 888 487,62 Goldmark, die Zahlungen auf " v ------- Act bis " —e
rund 55 Millionen Goldmark. die Sachleistungen bis einschlietzllch 15. Marz 1922 auf rund 555 Millionen Goldmark. Insgesamt ergibt s i ch daraus ein Leistungsbetrag von 1 899 888 487,72 Goldmark. Man kann wohl sagen, dah damit im Laufe von noch nicht einem Jahre eine Leistung vollbracht Worten ist, die völlig über die wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands hinausgeht. Die Leitenszifcrn. durch die die Aufbringung ter baren Gold Milliarde belegt ist, lassen daran nicht den geringsten Zweifel.
Die ,,5tab.HfierungH der Wechselkurse.
In ter englischen Presse wird mit leicht begreiflichem Eifer seit einiger Zeit eine neu* „Ökonom sche Zaatersorm l erörtert, lie — w e so manche schon — der aas den Fugen gegangenen Weltwirtschaft wieder aif"bie Beine helfen soll Sie bei >t: »Die Stavilisieru ig der Wech'et- kurse." Dem jetei geregelten Ha.ltelöverlehr zwischen den ciazelnen Nationen hemmenten, ewigen und gänzlich unterechenba en Auf und Ab de. gegenf-.-i.igvn Geldwertes mochte man ein Ente machen, wieder eil Tausch- und Zahlungsmittel schaffen, dessen Q3e 'taategt.it und allgemeine A - ertemrung in jedem Lande zu jeter Zeit eine Kalkulation des Warencin- und Be kaufes über and innerhalb ter Landesgrenzen ermvg iJ)t Das ist bekanntlich heute in den meisten <5.aalen nicht ter Fall Nehmen wir mir als Beispiel das Wertverhält. i3 von Mark u ib Sc Har. Bor dem groben Wirtschaftt-chaos, d. h. vor dem Weltkriege, war mit geringen Schwankungen nach oben oder unten 1 Dollar —. 4,20 Mk. wert. Der deutsche Importeur omeri a ischer Waren konnte auf den Pfennig genau und sicher die Frage beantworten, was i>n an allen A-.kosten die fremde Ware kosten würdr, und zu welchem Preise ei sie mit Nu ten an deutsche Käufer ab- setzen könne. DaZ We.Wer hält tis stand fest, e5 galt heute wie morgen, wie in 10 Jahren. Der Krieg hat das alles von Grund auf geändert. Er hat auch im Wi tschattlichen mit dem Begrift des „(Steigen und UntoanMbaren“ g ü blich aufgeräumt. Die Goldmark geriet ins Rutschen, aus ihr wurde die Papiermark, und wie sich das Verhältnis von Papier zu Gold im Inlande einschneidend und schmerzlich fühlbar änderte, |o auch das Wertverhält äs von Papi rmark zu fremdem Gelte. Gerate die letzten Wochen haben uns unerhörte Verschiebungen und Schwa.k engen dieser Wertrelation georacht, statt 4,20 Mt. alten Stils mutzten wir 300, 345, 330, 319, 304 usw. für 1 Dollar bezahlen! Was hier am Dollar geschi htz wdrrfährt auch den englischen Pfund, dem Schweizer Franken, ter schwedischen Krone usw. Kein Kaufmann Weitz, was er morgen für die gleiche ausländische War: bezahlen soll. Das lähntt natürlich Hantel und Wandel in ständig wachsendem Matze. Niemand getraut sich recht zu kaufen, niemand zu berfaifen, drr Dertmaftstab ist vollkommen unzurerläs ij geworden. Das merkt begreiflicherweise ein vorwiegend aus den internationalen Handel angewiesenes Volk wie das englische am deutlichsten und schwersten, wenn auch die anderen, z. B. wir, ein Lied von der Veränderlichkeit der Valuten fingen können.
So sucht man nach Abhilfe und Hellung. Die soll die „Stabilisierung ter Wechselkurse", d. h. ter verschiedenen Geldwerte, nm bringen Man will den reitenden Gieftbach ter Dal tta- schwankmgen aufhalten durch einen Damm, ter ten wilden Strudel zum gleichmäßigen, stillen, friedlichen See verwandeln soll. And zwar soll dies geschehen durch eine Art Hochstprels- politll in Währungen, d. h.. man will sich mit dem nun mal Gegebenen abfinden, es ater dadurch ins Gleichgewicht bringen, datz man ein von nun an geltendes „feste s" Wertverhältnis dekretiert. Sagen wir also, der Sol» Iftr „soll" fortan 300 Mk. wert Lin. Der Gedanke hat viel Aehnlichkeit mit dem Ei des Kolumbus: llar, einfach und anscheinend prat- tisch. In Wirllichkeit aber liegen die Sing: nicht so einfach. Es ist nur ein papierener Damm, ten man dem Gieftbach ter Geldentwertung entgegensetzen will. Er wird ihn mühelos zerreiften. Die Arsachen der allgemeinen Währangszerrüt- tung liegen viel zu tief und sind noch viel z i mächtig, als datz eine solche Vereinbarung der Staaten auch nur einen Augenblickserfolg haben könnte. Noch sind alle Dinge Diel zu sehr im Flust und viel zu mdurchsichtig, als dass man bereits mit solchen Maßnahmen vorgehen könnte. Warum sollten wir uns beispielsweise mit einem Wertverhältnis von 1 Dollar — 300 Mk. einverstanden erklären, wenn wir aus irgendwelchen Gründen ter Hoffnung sind, das Verhältnis werd: " ■ in absehbarer Zeit wieder zu unseren Gun
sten ändern: Haden wir doch in der Nachkriegs-! zeit bereits 50 Mk. für 1 Dollar bezahl:! Ja, > wenn wir mit einiger Sicherheit wüssten, day der Dollai uns bald auf lange Zeit 400, 6.0, 800 Mk. tosten wird, - dann vielleicht! Aber wer weist das! Sollen wir aus demselben Grünte daraus vernichten, bei einem rnögl.che i Steigen des Markwertes aus ter Ausfuhr unserer Waren mehr SoLartpeile heraus- zuholen, als wir cs gegenwärtig vermögen ? Nein, dies Rezept ist untauglich, wie so viele andere. Es erweckt nur trügeriiche Hoffnungen und führt zu bitteren Enttä ischungen. Will man das lotende Meer ter weltwirl- schaftlichen 3cm.t u g glätten und Wied r für mehligen Handels e kehr fahrbar machen, so entferne man die Vullane, die immer von neuem _ic Wasser aufwühlen und jedes S hifs mit Anterga g bedrohen, die sog Reparationen teJ Versailler Vertrages! Erst wenn man den Wirtschaftsverkehr Europas aus ti sen Fe sein befreit hat, wird in dem alten Organismus das Blut wieder ruhig pulsen and bai Fieber vertreiben. Nur wenn mal den „natürlichen" Wirt- schasttg s tzen , u fxi n Wi. .ung ve hi f, kann man auf Gesundung rechnen. Mit Linitliben Quacksalbereien wttd das Hebel nur vergröftertl
Aus und Pont).
(Sieben, ten 25. April 1922.
•< Lieferfristen bei der Eisenbahn. Mit Wirkung vom 1. Mai ab werten infolge der besseren Bctriebsvcrhältnifte bei der Eisenbahn feste Lieferfristen eingll-hrt. Der Lauf der Fristen ruht während der Zollabfertigung, bei Betriebsstörungen, die ohne Verschulden der Eisenbahn eintreten, bei Sperrmastnahmen, sowie für die Dauer der Aufenthalte, die durch Mast- nabmen ter Besatzungsbehörden ter besetz.en Gebiete oder infolge von Kontrvllnrahnahmen, die mit der Belegung zusammenhängen, bei ter Beförderung entstehen. Für jeden in ten Lauf des Gutes fallenden Sonntag verlängert sich die Lieferfrist um einen Tag
** Das Studentische Wohnungs- a m t des Siebener Asta bittet uns nochmals, dringend auf d i e Wohnungsnot der Studierenden hinzuweisen. Auf den Aufruf vom 19. ds. Mts. hin haben sich nur ganz vereinzelte Wohnungsinhaber gemeldet, so datz nach wie vor das Studentisch: Wohnungsamt nicht weist, wie es die vielen Wohnungssuchenden uaterbiiigen soll! Keine Kammer ist zu klein und ein» fach, umsieheuteleerstehenzulassen. Wie manche Familie kann noch einen dankbaren Mieter unter ten wohnungsuchenten Studenten finden. Deshalb ergeht an alle Giestener Bürger nochmals die dringende Ditte, möglichst jedes entbehrliche Zimmer dem Studentis-Hen Wohnungsamt (Vorlesungsgebäute, Zimmer 42) zur Verfügung zu stellen.
** Anlagckonzert am Donnerstag, ten 27. April. Spielfolge: 1. Per aspera ab astra, Marsch von Arach. 2. Ouvertüre „Pique Same" von Supps. 3. Fantasie aus ter Over „Stratella" von Flotow. 4. „In lauschiger Nacht", Walzer von Ziehrer. 5. „Nichts schreckt uns zurück", Marsch von Blankenburg.
Landkreis Gicsren.
• Beuern, 24. April. Am vergangenen Samstag feierte das Ehepaar Pfarrer Wagner und Frau das Fest der silbernen Hochzeit.
Sireie Friedberg.
fpd. Friedberg, 24. Äpril. Für die Ausschmückung der Augustiner- schule hat ein ehemaliger Schüler der Anstalt. Gustav Fürth in Neuyork, 30 000 Mark gespendet.
ch. Münzen berg, 24. April. Arn Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche tagte hier der Gau Hessen der „Deutschen I u g e n d", also des Zweigs ter deutschen Jugendbewegung, ter sich, aus dem „Wandervogel" hervorgegangcn, nach ter völkischen Seite hin weiter entwickell hat. In gastlicher Weise nahmen die Einwohner von Münzenberg und Trais-Mün- zenberg, wie schon so manches Mal, die feiernde Jugend auf und gaben ihr Anterkunft in Häusern und Scheunen. Den Höhepunkt ter Tagung bildete das Anzünten emes Feuers am Donnerstagabend im Burghof der Ruine Münzenberg. Bei Gedichtvorträgen, Gesängen und Reigentänzen vergingen die Abendstunden rasch, während eine dichtgescharte Zuschauermenge ten brennenden Hvlzstoft umlagerte und sich an dem bunten Treiben ter Jugend erfreute.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 24. April. Die ordentliche Hauptversammlung des hessi
schen Richtervereins, aus ganz Hessen gut besuch,. tagte im Strafkammersaale unter Vorsitz tes Landgerichtsrates Sr. Schneide r- Mainz Den gLschäjtllchen Verhandlungen ging ein lehrreicher Vortrag tes Pros. ^P r i o n - Colin aus Köln voraus, der über „5 i n a nx- Politik und Echeingcwinne" sprach. Es wurden dann noch berutliche Fragen erledigt, der Jahresbericht entgegengenommen und der Vorstand ergänzt. Ein gemütliches Zusammensein schlost sich an.
rm. Bensheim a d V . 24. April. V c r- m i h t wir) seit Samstag nach nittag der 6? Jahre alte Wilhelm Pecoroni von hier Man befürchtet, dast ihm ein Anglück zugestosten ift
wd Mainz, 24. Ap il. Die Vorarbeiten für die Erhebung der Eohnungsbau- □ b gäbe für das letzte Viertel bh$ Rechnungsjahres 1921 sind soweit gediehen, bah demnächst mit ter Gr Helm tg b.gonr.ca werden kann, sobald die von ben Kreier,usschüs en noch zu te- schliestente Hö e der ,.u chläge seststoht, die für die Woh a ig-ü r ä te oder G m i iden zugleich mit ter staatlichen Abgabe erhoben werden sollen.
Hcsscn-Rassan.
spb. Frankfurt a. M., 24. Aprll. Während der letzten Einfuhrinesse haben Taschendiebe, die • offenbar einer internationalen Ba n d e angeboren, grobe Beute gemacht. Nicht toentger als 60 goldene Taschenuhren im Gesamtwert von rund 600 000 Mark wurden ter Polizei während ter Messetage als gestohlen gemeldet Die Kriminalpolizei konnte drei Mitglieder dieser Bande verhaften und bei ihnen eine erhebliche Anzahl der gestohlenen Ähren beschlagnahmen.
Auch a"f tem vor einer Woche ftittgefunbenen Cä :c f-i b If ic Teu sch änd—Lchw iz hat sich i .e gleiche Bande beiädgt und vier den Zuschauern 20 goldene Ähren gestohlen. — Der Kraftdroschkenfl.hcer Heinrich Jakob wurde von einem Fahrgast, den er nach Nieterrab fahren sollte, rücklings angeschossen und leicht verletzt. Der Gast flüchtete, als Jakob um Hilfe rief.- Dieser konnte sich noch zum De.bmten seiner Wunde in das städtisch: Krankenhaus begeben. Von dem Täter fehlt bisher jede Sour. — Nach Feststellungen tes Statistischen Amtes betrug die Bevölkerungszif ser ter Stadt Frankfurt a. M. am 1. April rund 4 7 5 0 0 0.
Aus dem Amtsverkündigungsblutt.
** Das Aintsverkünbigungöblatl Ar. 55 Dv't Ll. Aprll enchält: Verkeyr mit Margarine und Kunstspeisefett. — Bekanntmachung des Reichsministers für Wiederaufbau. — Allgemeiner hessischer Ougenbfeiertag. — Heben wachung tes Viehhandels und Viehverkehrs. — Erwe.bslosensürsorge. — Feld ercinigungen Allen» dorf an ter Lahn und ©rüningen. — Dienstnachrichten.
Verkehr mit Ma rgarine undKunst- s p e i s c f e 11. Auf Grund des § 1 ter Bekanntmachung über ben Verkehr mit Dutter, Käse. Schmalz und beren Ersatzmittel vom 16. Juli 1916 (Reichsgesetzblatt 6.751) wird bas Nachfolgende bestimmt: In Räumen, woselbst Butter oder Butterschmalz gewerbsmäszig hergestellt, aufbewahrt, verpackt ober feilgehalten wirb, ist die Herstellung von Margarine unb Kunstspeisefett verboten. Margarine, Margarinekäse und Kunst- speisefett müssen innerhalb ter Verkaufsräume in besonderen Vorratsgefähen und an besonderen Lagerstellen, welche von ten zur Aufbewahrung von Butter, Butterschmalz und Käse dienenden Lagerstellen getrennt sind, aufbewahrt werden.
In ter Gemeinte Hemmen (Kreis Lauterbach) ist die Maul- und K l a u e«n s e u ch e ausgebrochen. Die Gemarkung Hemmen wird zum Sperrbezirk erklärt. Das B:o' ach'ungsgebiet bleibt unverändert. — In Schlitz (Kreis Lauterbach) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Die Gemarkungssperre wurde mit Wirkung vom 15. April wieder ausgehoben. Die Ortsgemarkung Schlitz wurde auf die Dauer von zwei Wochen zum Beobachtungsgebiet erklärt
Vermischtes».
wd. Simmern, 24. April. Einen ganz g c - riebenen Gaunerstreich vollbrachte ein Mann, der sich als „Antersuchungs- richter" Lamberti aasgab und ter Fraa eines in Antei-sachungshaft befindlichen Tlanntis erzählte, er sei in der Lage, gegen eine Kaution von 30 000 ihren Mann, ter seelisch furchtbar leite and in ter Gefängniszelle sich die Pulsader bereits geöffnet habe, die Freiheit toieter- zugeben. Die Frau konnte dem „Antersachangs- richter" ten Betrag nicht geben, ba sie soviel Geld nicht za .Hause hatte. Sie begleitete ihn
sind! And Christine ist fort, sie ist allein! Kein Mensch ter hilft!!
Atemberaubt starrt sie auf das Buch. Dann rafft sie sich auf unb sucht bas Weite, jagt, blind vor Angst, davon. Auf ter Flucht stötzt sie auf ein Hindernis, unb tote sie erschrocken aufblickt, wer steht ba leibhaftig vor ihr', Die Knusperhexe, ein Regendach in der Hand!
Auftchreiend wirft sich das Kind auf den nächsten Surhl, verbirgt die Hände im Rücken unb strampelt wild mit ten Beinen.
Die alte Schlupftine, denn sie war es, die unbemerkt eingetreten war, war auf solch einen Empfang nicht vorbereitet. Sie hatte Chnstinrs Abwesenheit benützen wollen, um droben 'm ter Pfarrburg ein wenig zu spionieren.' Denn die Weiber im Dorf hielten es nicht länger aus. über die Vorgänge dort droben unterrichtet zu sein. Jetzt flöfU ihr des Kindes erstaunliches Gebaren — dessen Gründe sie nicht kennt —, Anbehagen ein. Doch ben kürzeren zieht sie nicht gern. Sie langt in die Tasche und holt ernen Apfel hervor und geht damit beschwichtigerrd aui das Kinb zu.
Dieses aber gebärdet sich nur um so toller, schreit bis zum Ersticken: „Geh fort, du böse Hexe!! — Fort! Fort!! Fort!!"
Das wurmt die Alte nicht schlecht. And doch hält sic, eigensinnig, ten Apfel vor Lenes Mund. And die, in ter argen Bedrängnis, reift.4- die hingebotene Hand an sich und betftt hinein, baft es knackt.
Ein Schmerzensschrei und bann eine wütende Wehr. Mil ten geschwungenen Regendach bringt die Schlupflinc auf Twa Kind ein.
(Fortsetzung folgt.)


