Zreltag, 24. November 1922
{72. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die Lage des Kabinetts Cuno.
Berlin, 24. Rov. Die Reichsregie- rung hat in einer Sitzung am gestrigen Rach» mittag nach längerer Beratung der vorn R e i chs- f a n 81 e r vorgelegten Regierungserklärung z u g e st i in rn t. llnmülerbar nach Eröffnung der heutigen ReichstagZsitzung w rd Reicht- kanzler Dr. Cuno die Regierungserklärung abgeben. Es ist beabsichtigt, daraus eine zweistündige Pause eintreten zu lassen, während der die Fraktionen über ihre Stellungnahme xur Regierungserklärung beraten sollen. Rach der Pause wird die politische Aussprache durch den Redner der Sozialdemokratie eröffnet werden. Man hofft, Lay die politische Aussprache noch am Samstag za Ende geführt werden kann, worauf dann eine achttägige Pause der Beratungen des Reichstages der neuen Regierung Gelegenheit geben soll, sich in ihre Geschäfte ein-uirbeiten
3n Erkenntnis ihrer schwierigen Lage wird die neue Regierung, wie der „Vorwärts" toiffen will, aus ein positives Vertrauensvotum verzichten; sie will sich mit einer Dilligungsformel begnügen, die das Wort „Vertrauen" nicht enthält und auch' der Sozialdemokratie eine Zustimmung ermöglichen soll. Diese Formel soll in einer Parteiführerbesprechung heute vormittag ge'ucht we den.
In einer mehrstündigen Sitzung am gestrigen Rachmittag beschäftigte sich die sozialdemokratische Fraktion mit der Zusammen ehu g des neuen Kabinetts, die allgemein: Mihstimmu g hervorgerufen hat. Es ist dem gleichen Blatt zufolge sicher, daß die Fraktion nicht daran denkt, einer positiven Dertrauensformel zuzustimmen. Rach dem „Tagebl." ist in den Kreisen der bürgerlichen Parteien der Mitte beabsichtigt, einen Antrag einzubringen, der die Erklärung der Regierung und den Inhalt der Rote vom 13. Ro- vember billigt.
Wie der „Lokalanz." hört, ist es noch zweifelhaft, ob ein Rachfolger für den bisheriger Pressechef Müller ernannt werden wird. Vorläufig habe der Direktor der Reichskanzlei Dr. Hamm tee Geschäfte übernommen. Im Gegensatz dazu nennt der ..Vorwärts" als zuiünftigen Reichspressechef den 'bisherigen Pressechef im ReichZernährungs- und Reichöfinanzmintsterium E g g b r i n g.
Der Amtsantritt des neuen Wirt chaftsministers.
B e r l i n, 23. Rov. (WTB.) Der Ministerwechsel im Reichswirtschaftsministerium hat sich heute üormittag in beiderseitigen längeren Ansprachen des scheidenden Ministers Schmidt und des neuen Ministers Dr. Becker-Hessen vollzogen. Die Ansprachen, welche den schwierigen Aufgabenkreis des Ministeriums in der Vergangenheit und Gegenwart gerecht wurden, bewegten sich in beiden Fällen in ernsten, sehr achtungsvollen Formen. Der neue Minister sagte von seinem scheidenden Kollegen u. a., daß dieser sich durch die Art der Führung der Amtsgeschäfte wohl sachliche Gegner, aber keinen persönlichen Feind geschaffen habe. Dem versammelten Stade der Beamten und Angestellten des Ministeriums rief dec Minister zu, er werde bei seinen Mitarbeitern nicht auf parteipolitische Gesinnung, sondern nur auf Arbeitswillen und Arbeitsleistung sehen und bat, ihm mit dem gleich-en Vertrauen entgegenzukommen, das er den Beamten entgegen- bringe. Cr habe sich zu dem schwierigen Amte nicht gedrängt. Er habe aber geglaubt, sich in dieser Zeit tiefster, vaterländischer Rotter Arbeit und schweren Verantwortung nicht entziehen zu dürfen.
Heber die Persönlichkeiten der neuen Minister sei folgendes mitgeteilt:
Johannes Becker, der Wirtschastsminister, ist geboren 1869 in Ludwigshöhe, Kreis Oppenheim (Hessen), trat nach Erledigung feiner juristischen Studien 1890 in dm hessischen Justiz^ ienst; 1897 wurde er als Hilfsarbeiter in teiä hessische Finanzministerium berufen, wo er 1900 Vortragender Rat, 1902 Ministerialrat und Vorsitzender der Abteilung für Steuersachen wurde. 1908 wurde er stellvertretender Bevollmächtigter beim Bu rdesrat und 1916 hessischer Finanzmiittster. Er gehörte der Rationalversammlwig an und ist Mitglied des Reichstags, wo er oft als Redner der Deutschen Volkspartei auftrat.
Heinrich Albert, der Reichsschatz Minister, ist 1874 in Magdeburg geboren. Er ist als Regierungsrat des Innern, vor allem als Ausstel- > lungskommissar des Deutschen Reichs tätig ge- z wesen. Er besuchte die Ausstellung in St. Louis 1904 und war 1910 für Brüssel Reichskommissar. Zu Anfang des Krieges war er nach Amerika entsandt worden, um dort im deutschen Interesse zu wirken, was nach der Kriegserklärung Amerikas zu allerhand Beschuldigungen gegen ihn führte, die nicht gerechtfertigt touren. Rach bcm Krieg war er zunächst Leiter des Reichsverwertung Barnts und wurde am 6. März 1919 zum Tlnterftaatssekretär in der Reichskanzlei ernannt, was er auch unter dem Reichskanzler Fchrenbach blieb.
Dr. Karl Müller, der neue Ernährungsminister, ist am 29. Juli 1884 in Süchteln, Kreis Kempen, geboren. Rach Erledigung feiner volkswirtschaftlichen Studien war er in verschiedenen wirtschaftlichen und politischm Organisationen tätig begründete dann ein Grohgeschaft, das durch seine' Einziehung zum Kriegsdienst einging. Rach dem Krieg war er Syndikus bei verschiedenen Ar-
Eine Cröffnnngsdebatte im englischen Parlament.
London, 24. Rod. (WTB.) Die feierliche Eröffnung des Parlaments durch den König erfolgte mit dem ganzen Glanze der Vorkriegszeit. Dem Augenblick, in dem nach altem Brauch die Mitglieder des Unterhauses, darunter die zahlreichen neuen Arbeitervertreter, in das Oberhaus hinüberberufen wurden, um die Verlesung der Thronrede burcb den König anzuyören, wurde schon vorher mit ungewöhnlicher Erwartung entgegengesehen. Während der Verlesung herrsche eine eindrucksvolle Stille. Unter den Mitgliedern des diplomatischen Korps befand sich auch ter deu t- s che B o t s cha fter mit Gemahlin. Bemerkenswert war die Aufmerksamkeit, mit der der deutsch: Botschafter seitens verschiedener Mitglieder des Hauses begrüßt wurde. Die Debatte über die Thronrede begann im Unterhause in der üblichm Weise. Die Arbeiterführer und die vormaligen liberalen Minister teilten sich in die vorderste Oppositionsbank, während Lloyd George und die anderen Rationalliberalen weiter hinten auf der Oppositionsseite sahen. Chamberlain, Home und Worthington Evans nahmen nebeneinander auf der Regierungsseite des Hauses Platz.
In der Thronrede des Königs heißt es: Ich habe Sie zusammenberufen, damit die Gesetzgebung, die für die Verfassung Irlands notwendig ist, sogleich Ihrer Genehmigung unterbreitet werden kann. Die Lage des Handels und derIndustrie ist dauernd besorgniserregend. Die von der vorigen Regierung zur Besserung der Lage vorbereiteten Maßnahmen werden aufs neue untersucht. Sie werden ersucht, Maßnahmen zu ihrer Fortsetzung und Ausdehnung zu ergreifen, ferner Maßnahmen für die Sicherstellung einer Anleihe entsprechend dem Plane des Völkerbundes zur Wiederherstellung Oesterreichs. Ich hoffe, daß die Bemühungen meiner Minister in Lausanne, die dort mit Vertretern unserer Bundesgenossen zusammenwirken, zu dem Ergebnis führen möchten, daß der Friede wieder- hergestellt wird und die Bewohner der Gebiete, die noch jüngst der Schauplatz so schwerer Leiden waren, wieder in Sicherheit leben tonnen.
Ramsey Macdonalb erklärte, die frühere Regierung sei einen Bühnentod gestorben. Dann habe sie sich in die Garderobe begeben, um einige ihrer alten Kleider und Ramen auszutauschm, und jetzt stehe man ihr wieder gegenüber. Bonar Law spiele eine doppelte Rolle, zuerst als eines der verantwortliche Mitglieder der früheren Regierung und bann als das Haupt der neuen Regierung. Run sei er in der Lage, seine eigenen Taten zu kriti
sieren. Er erklärte, der Teil der ThrvnrÄ>e über die Arbritslosenfrage sei für die Arbeitslosen sehr untefiicbigenb. Diese furchbare Tragödie finbe in ihr keine wirkliche Würdigung. Die Arbeiterpartei sei an den Verbesserungsmaßnahmen für die Arbeitslosigkeit, die die frühere Regierung unterbreitete, nicht interessiert. Sie werde sehr bald durch einen Abänderungsantrag zeigen, war getan werden müsse. Macdonald forderte darauf den Ministerpräsidenten c«;tf, etwas zu tun, um die Erregung zu teschwichagen, die infolge feiner Weigerung, eine Abordnung der Arbeitslosen zu empfangen, entstanden sei. Er beglückwünsche Bonar Lato und seine Regierung dazu, daß sie an der Zerreißung des Versailler Vertrages teilnehme, der eines der größten Denkmäler menschlicher Eitelkeit und Torheit sei. Macdonald fragte weiter, welches die Haltung der Regierung gegenüber Rußland sei, ob sie beabsichtige, Rußland als vollberechtigten Teilnehmer an den Erörterungen an- «usehen oder nicht. Die Arbeiterpartei erkenne, daß hinter der Sonne in Lausanne die verborgene Hand der Petroleuminteressenten tätig und sehr- mächtig sei.
Donar Lato erklärte in feiner Antwori- rede zunächst über die auswärtigen Angelegenheiten, er bedauere, sagen zu Massen, daß er so gut toie gar keine Auskunft geben könne. Bisher sei in den Hauptstädten Europas s<chr wenig darüber mitgeteilt worden. Es seien sehr heikle Verhandlungen tm Gange, aber doch ferne Gehermdiplomatic Wenn gefragt werde, welches das Ziel der Regierung fei, so erkläre er, ihr einziges Ziel fci der Friede, und er sei dankbar, sagen zu Tonnen, daß bisher alle Aussicht bestehe, ihn durch lleber- einfunft mit den Alliierten zu erhalten, lieber den iris che n Vertrag sagte Donar Sato, Gvs grave habe ihm kürzlich erHärt, er Tonne dem britischen Volke die Zusicherung geben, daß das irische Volk in jetem Falle entschlossen sei, den Frieden zu wahren. Er könne nur gewahrt wer- den durch eine loyale Ausführung des Vertrages von beiden Staaten. Donar Lsw erwiderte noch Großbritannien wünsche nicht, in Mesopotamien zu bleiben, soviel Oel auch dort zu finden sein möge. England habe gewisse Verpflichtungen, denen es sich nicht entziehen könne, und die jetzt von der Regierung erfüllt würden. Gr hoffe, das Haus werde in der Lage fein, nicht lange nach dem 6. Dezember sich zu vertagen.
Rach Donar Law ergriff Asquith das Wort.
beitgebernerbänten, darunter dem landwirtschaftlichen, und Stadtverordneter in Köln bis zum 1. Januar 1921. Damals wurde er von der Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer einst tm- mig zum Generalsekretär gewählt, dann vom Landwirtschaftlichen Verein für Rheinprcuhen zu dessen Generalsekretär. Dem Zentrum hatte er schon 1912 als Parteisekretär in Dvnn-Rheinbach Dienste geleistet.
Rudolf O e s e r, der Minister des Innern, ist 1858 geboren und war nach seiner Universitätszeit lange Jahre Redakteur der Frankfurter Zeitung, wo er über Steuer- und Eisenbahnf ragen schrieb und wurde in dieser Zeit Mitglied des Landtags. 1918 war er nach Stettin zur Ostseezeitung gegangen. wurde dann 1919 preußischer Eisenbahnminister, was er bis zum lieber gang der Eisenbahnen an das Reich (1. April 1920) blieb. Am 13. April 1921 wurde er vom sächsischen Provinziallandtag zum Landeshauptmann in der Provinz Sachsen gewählt, wobei Demokraten, Zentrum, Sozialdemokraten und Unabhängige für ihn stimmten.
Stingl, der neue Reichspostminister, der bisherige Leiter des bayrischen Reichspostwesens, war schon nach Rücktritt des Herrn v. Kahr von einigen Seiten als Kandidat für den bayrischen Ministerpräsidentenposten genannt worden.
Der Reichsminister des Auswärtigen von Rosenberg ist aus dem Konsulardienst hervorgegangen. Rach kurzer Tätigkeit beim Generalkonsul in Antwerpen tarn er ins Auswärtige Amt, wo er in der politischen Abteilung verwandt wurde und das Referat über die Balkanfrage versah. Er nahm an den Friedens Verhandlungen in Drest-Litotosk teil unb war eine Zeit- lang Unterstaatssekretär. Dann war er Gesandte in Wien und übernahm schließlich die Rach-olge des nach Rom versetzten Herrn von Reurach in Kopenhagen.
Was bet „Tcmps" art Cuno für Ansinnen stellt.
Paris, 23. Rov. (WTB.) Der „Temps" schreibt zur endgültigen Bildung des Kabinetts Cuno, man wolle in der inneren deutschen Politik nicht Partei ergreifen, man müsse aber feststellen, daß das Kabinett Cunv den Alliierten gewisse Besorgnisse citzufloßen vermag. EZ sei eine M n- derheitsregierung, während Deutschland, um seine finanzielle Lage wieder Herzust elfen, gerade der Einigung aller seiner Kräfte bedürfe.. Es sei seine Rechlsregierung, während uns für die Ruhe in Europa und zum Wohle des deutschen Volkes gerade die Befestigung der deutschen Republik unerläßlich erscheint. Daher warten wir ungeduldig darauf, daß der neue Kanzler sich über seine Politik in der Reparationsfrage ausspricht. Es ist gesagt worden, er würde sich darauf beschränken, für die letzte Rote des Kabinetts Wirth die Verantwortung zu übernehmen. Wir möchten nicht glauben, daß er diesen Fehler macht. Was der letzten Rote des Kabinetts Wirth jeden praftischm Wert nahm, war der Umstand, daß sie, anstatt Zahlungen zu verspreche, sich mit der Forderung von Darlehen begnügte. Cunv hat ein Kabinett gebildet mit derjenigen Partei, die das eigentlich; deutsche Kapital vertritt. Von ihm erwarten wir zu hören, wie und wann er dieses Kapital flüssig zu machen geteuft, um die Reparationsschald zu bezahlen. W.-nn ein Ministerium unter dem Vorsitze Cunos, des Direktors der Hamburg-Amerika-Linie, steht, und t^mn in ihm in der Person Beckers, ein notorischer Vertreter der größten Industrieinter- essen ist, so kann dieses Ministerium sich nicht in unbestimmten Formen bewegen. Wenn es Vertrauen einflöten will, muß es bestimmte Angebote beibringen. z
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Die Beziehungen zn Rußland.
Moskau, 23. Rov. (WTB.) In einem Artikel über den deutschen K ab i ne 11 s we chse l spendet die „I s to e fl i j a“ dem bisherigen Reichskanzler Wirth Lob für sein Fest halten an der Linie der deutsch-russischen Annäherung. Mr die Fortführung dieser ßinie sei nichts mehr zu befürchten. Die für beide Länder nützliche Zusammenarbeit mit Deutschland werde sich auch nach dem Rücktritt des Kabinetts günstig entwickeln.
Die Erhöhung der Eisenbahntarise.
Berlin, 23. Rov. (WTB.) Die Reichsbahn erhöht zum 1. Dezember die Güter- und Tiertarife um 150 Prozent, die Personentarife um 103 Prozent.
Dazu schreibt die Pressestelle des Reichs- dcrkehrsministeriums u. a : Während die 100pro° pentige Steigerung der Persoventarste bereits früher b.rianntgemacht worden ist, führten erst die Ermittlungen der letzten Tage über die voraussichtlichen Ausgaben ter Reichsbahn tm Rovember unb Dezember zu dem En.schuß für die Gütertarife zum 1. Dezember eine Erhöhung von 150 Prozent eintreten zu laufen. Wenn auch die unbedingt notwendige Dalan ierung des Eifenbahnetats toie für das erste Hasshaltsjahr, so auch nach der vorläufigen Abrechnung auch noch für Oktober vorhanden ist, so lasten die sp.unohasten Preissteigerungen, die seit der Beschlußfassung über die letzte Tariferhöhung (30. Oktober) eingetreten sind, es als zweifelhaft erscheinen, ob die zum 1. Rovember eingetretene Gütertariferhöhung um nur 50 Prozent die Ausgaben des Rovember voll decken wird, zumal die Reichsbahn infolge ter sehr starken Kartoffelttans- porie tm Oktober und Rovember auf über 20 Milliarden Einnahmen (RotstandZttiiis) verzichtete. Bon ter Anpassung der Tarife an diese
Preis mtwicklung durch Erhöhu .gen während des Rovember wurde wegen der von wirtschaftlicher Seite gegen derartige „Zwischu erhöhungen geltend gemachten Bedenken und wegen der großen Storungen, die in dem Geschäfte betrieb derReichs- bahn dadurch eintreten können, abgesehen. Die Pressestelle weist weiterbin auf die sprunghafte Erhöhung der Hauptfach ichsten Tebarfdgegen- flänte ter Reichsbahn, insbesondere auf Die Tatsache hin, daß seit dem 1. Mai d. I. die Eisen- bahntohle englische Kohle ist. Die Steigerung der Personentarife wird im Dezember erst das 90fache der Friedenssähe betragen. Wettere Steigerungen, und zwar unter stärkerer Heranziehung der höheren Klassen, sind auch hier zum 1. Januar zu erwarten Bei der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage muh die Reichsbahn im . Interesse des Volksganzen jeter Preissteigerung m ihren Gütertarifen folgen, um bei einer Stabilisierung der Mark oder bei sinkender Konjunktur aus ter inneren Gesundheit ihres Unternehmens heraus auch die r ück läuf ig e Bewegung und Preissenkung in ihren Gütertarifen mitmachen zu können.
DenLschenausweisringen ans Polen.
Berlin, 24. Rov. Die Deutschen- ausweisungen aus Polen bleiben an der Tagesordnung. E.ne vdL^che L e h r e r i n, die im Kreise Gcaudenz angestellt war, wurde mtt nur siebenstündiger Frist ausgewiesen. Desgleichen erhielt ihre Schwester einen Ausweisungsbefehl mit der Drohung, wenn sie nicht binnen zwei Tagen über der Grenze wäre, würde sie verhaftet werden. Als Grund wurde „W i e d e r v e r g e l t u n g für einen aus Deutschland ausgewiesenen Arbeiter angegeben.
Die Brüsseler Konferenz in Gefahr?
Paris, 23. Rov. (WTB.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Brüssel teilt der Pariser Sonderberichterstatter der belgischen Telegraphen- Qlgentur mit, in französischen Kreisen sei man sich völlig klar darüber, daß Theunis die Brüsseler Konferenz nicht einzuberu.en wünsche, wenn nicht ernste Aussichten auf greifbare Ergebnisse bestünden. Die sogenannte Brüsseler Finanzkonserenz werde die Frage ter deutschen Repa.atioaszckst.ungen und die Frage einer Regelung ter interalliierten Schulten zu erörtern haben unb sich sicher auch mit dem deutschen Ersuchen um Unterstützung bei dem wirtschaftlichen Wlederausbau De ttsch- lands bekräftigen müssen. Alle diese Fragen
seien nicht leicht zu lösen. Man könne annehmen, daß Poincare sich während feines Aufenthaltes in Lausanne nicht ausschließlich mit ter Orient- frage beschäftigte, sondern sich mit Lord Curzon und Mussolini, ja sogar auch mit den ameri- kanischm „Beobachtern" über die Finanzfrage unterhalten habe. Aber eine diplomatische Verständigung reiche nicht aus. Damit diese Ver- flänbigung ihren vollen Erfolg zeitigen könne, müsse vielmehr auch die unerläßliche Mitarbeit von Glemeiiten der Finanz an dem durchru ü'teenden Programm gesichert fein. In französischen Kreisen verstehe man daher sehr gut, daß Theunis nichts daran liege, ohne gewisse befriedigende Sicherheiten für die Zukunft sich m ein so dornenreiches Unternehmen zu verwickeln. Das sei eine französische Auffassung. Die belgri schm Minister fehlen che Verhandfungen fort, ckhne über die bisherigen Ergebnisse Mitteilungen zu mach.n.
Paris, 23. Rov. (WTB.) Havas veröffmt- licht nach der heutigen Unterredung zwischen Poincarö, Theunis und Iafpar folgende Mitteilung: Belgischerseits wird versichert, das Ergebnis ter Zusammenkunft fei sehr befriedigend, Poincare werde eine Konferenz ter Ministerpräsidenten von Franki-eich, Großbritannien. Italien und Belgien vnnlaffm, um gemeinsam das Programm für die Brüsseler Konferenz festzulegen, das hauptsächlich die Vorschläge Deutschlands und die Liquidation der tnt?raUii.'r= ten Schulten umfassen werde. Angesichts der demnächst ftattfintenten Vorberatu;gcn sei es zweifelhaft geworden, ob die belgischen Minister sich zu der Beratung mit -ter britischen Regierung nach London begeben werden.
Paris, 24 Rov. (WTD.s Rach einer Meldung der „Chi:ago Tribüne" soll Pier onl Morgan als Beobachter ter Vereinigten Staaten der Brüsseler Konferenz beiwohnen. De. englische Vertreter in ter Reparationskommisjton Dradbury soll nach dem gleichen Blatte sich mit einem Anleiheprojekt beschäftigen.
Lenin über die russische Politik
Moskau, 23. Rov. (WTB.) Russische Tele- gvaphewagentur. In ter dritten Sitzung ter Moskauer Sowjets hielt Lenin eine Rede, in ter er die Grundsätze der äußeren und inneren Politik Rußlands in den letzten anderthalb Jahren darlegte. Er führte u a. aus: Wir haben bei allen Staaten ter Welt große Erfolge errungen, obwohl einige von ihnen mit urs noch nichts zu tun haben wollen. Trotzdem werten fie aber die wirtschaftlichen und nachher die diplomatische Beziehu igen mit uns aufnehmen müssen: denn für die sich Weigernden besieht die Gefahr, dadurch in eine ungünstige Lage zu geraten. Trotz allen mit ter neuen Wirtschaftspolitik verbundenen Schtoie-


