Safbte ryettiMM^PcwSkfteKvewegung nvr unter dem -Schutze französischer Bajonette gedeihen könne. Die chemische Bevölkerung wende sich mit grober Verachtung von den Vaterlandsver- rfiter» ab.
2lbg. Deerman (Bahr. Vpt.): Je mehr die chemische Bevölkerung bedrückt wird, um so lauter wird in ihren Herzen der Ruf hallen. Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Reichskanzler Dr. Wirth: Auch die Regie- «rung betrachtet die Entscheidung der Rhcinland- kommisswn als einen schiveren Eingriff in die Freiheit und Unabhänigkeit der deutschen Rechtsprechung, der nicht widerspruchslos hingeiwrnrnen werden kann. Durch diese Entscheidung wird die Ehre des Reichspräsidenten auf deutschrrn Boden preisgegeben. Es wurde eine Rückkehr zur Kabi- nettsjustiz vergangener Jahrhunderte sein, wenn eine Politische Körperschaft das Urteil eines unabhängigen Gerichts anullieren könne. Dic Reichsregierung hat bei den Regierungen der alliierten Mächte nachdrückliche Vorstellungen gegen die Entscheidung der Rheinlandkoinmission erhoben und daraus hingewiesen, daß der Reichspräsident sich dadurch nicht nur in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt, sondern auch als Staatsbürger verletzt fühle. Ebenso wurde Einspruch erhoben gegen die Beleidigung der Richter, welche in der Entscheidung der Kommission liegt. Eine Antwort der alliierten Regierungen steht noch aus.
Ein kommunistischer Antrag cmf Besprechung der Interpellation findet keine Unterstützung. Angenommen werden sodann die R o v e l l e zum Reichswahlgeseh, wonach die Stimmzettel die Parteibezeichnung enthalten dürfen und ebenso die Abgabenordnung über den Kaiser-Wikhelm- Kanal in allen drei Lesungen. Es folgt die zweite Beratung zur Ergänzung des Besoldungsgesetzes und des Rachtragsetats. Rach längerer unwesentlicher Debatte wird in der Frage der Ortszuschläge die Regierungsvorlage wieder hergestellt, vn übrigen wird die Vorlage nach den Beschlüssen des Ausschusses angenommen. Angenommen wird weiter eine Entschließung, wonach bei der Ausbesserung der 'Bezüge bk Beamten in den Grenzgebieten besonders berücksichtigt werden sollen. Die Vorlage wird sodann auch in dritter Lesung angenommen und hierauf die am Samstag abgebrochene Debatte über die Angestellten- Versicherung fortgesetzt.
Abg Giebel (Svz.) beantragt über die Aufhebung der Gehaltsgrenze und über den Antrag. daß Zweidrittel der Beiträge vom Arbeitgeber zu leisten sind, namentliche Abstimmung.
Antrag Teusch (Zentr.) auf Wiederherstellung der Gehaltsgrenze wird mit 173 gegen 164 Stimmen angenommen. Demgemäß setzt der Reichsarbeitsminister mit Zustimmung des Reichsrats die Iahresarbeitsverdienstg lenze fest. Angenommen wird weiter ein Antrag der Volkspartei, wonach weiblichen Mitgliedern bei ihrer Verheiratung bk Hälfte der eingezahlten Beiträge zurückerstattet wird. Ein Antrag Dauert (Zentr.) auf lebenslängliche Anstellung der Direktoren und höheren Beamten wird mit 230 gegen 126 Stimmen abgelehnt. Die Mitglieder des Direktoriums werden somit auf höchstens 12 Jahre vom Reichspräsidenten ernannt, während die sonstigen Beamten des höheren Dienstes lebenslänglich angestellt werden. Antrag Giebel, den Arbeitgebern Zweidrittel der Beiträge aufzuerlegen, wird mit 202 gegen 144 Stimmen ab- gelebnt. Ein volksparteilicher Antrag, das Gesetz am 1. Rovember in Kraft treten zu lassen, wird angenommen. Die endgültige Ächstirnmung erfolgt in der dritten Lesung.
p Sodann wird die zweite Beratung des Gesetzes über Veränderung der Loh npfän- dungsgrenze mit ber Maßgabe erledigt, daß die Pfändungsgrenze mit 120 000 Mk. bestehen bleibt. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über die G e t r e i d e u m l a g e. Rach den Ausschußbeschlüssen beträgt der Preis für das erste Drittel ber Umlage für Roggen 28 300 Mk., für Weizen 30 300 Mk., für Gerste 27 000 Mk., für Hafer 25 500 Mk. je Tonne. Das zweite und dritte Drittel der Umlage soll anstatt in zwei Fristen in vier Fristen geliefert werden.
Abg. Krätzig (S.) beantragt eine Entschließung, wonach die Regierung sofort restlos die wichtigen Rahmngsmittel in den Händen der Erzeuger erfassen soll.
Abg. Herne ter (D.-R.) begründet einen Antrag, wonach nicht nur Original-Saatgut, sondern auch anerkanntes Saatgut von der Umlage frei bleiben soll.
Reichsminister Fehr unterstützt diesen Antrag soweit, als Saatgut für die Frühjahrsbestellung in Frage kommt.
Abg. Koenen (K.) beantragt, die Umlage auf 41/2 Millionen Tonnen zu erhöhen und den Umlagepreis nicht zu steigern, sondern vielmehr für das ganze Jahr festzusehen.
Der Antrag Demeter wird sodann mit der ihm vom Minister Fehr gegebenen Einschränkung angenommen und die Vorlage sodann in ber Ausschußfassung unter Ablehnung aller übrigen
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte fron Li esbet Dill.
21. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Hawe Sie's gehört, Frau ©ilbereifen ?“ toanbte sich Fräulein Schmidt, welche keine Gelegenheit, Ernsts Ruhm zu verkünden, unbeachtet Vorbeigehen lieh, zu der Servierfrau, welche Kaffee einschenlte.
Alle wunderten sich, weniger über die Gröhe ber Steine einer russischen Fürstin, als daß diese Dame Ernsts feuerfesten Schrank für sicherer hielt wie em Stahlfach beim Bankier, und noch am selben Abend sickerte die Geschichte von dem fürstlichen Schmuck weiter durch die vielen kleinen Aederchen und unsichtbaren Leitungen wie das Quellwasser, das die Stadt speist.
Der 24. Dezember wurde stets bei Herweghs in c^r Marnzer Straße gefeiert. Frau von Her- wegh hatte schon wochenlang vorher Marcipan und Lebkuchen gebacken, das Haus duftete nach Pasteten, in ber Küche half ber Lümmel Trina Karpfen putzen.
Im Salon steckte Lutz, der zu den Festtagen aus Marnz herubergekommen war. die Lichter auf den Baum, Liane sah im Frisiermantel in ihrem Zimmer und kämmte ihr goldenes Vlie« Sie sah zerstreut und schon im voraus etwas ermüdet aus von den kommenden Familie Am ersten Feiertag war man bei Kolkins, am zweiten bei Generals, am dritten bei f>m jungen Ehepaar. Sie hatte der Tessy abschrelden müssen:
Anträge angenommen. Auch den Ausschuhent- schliehungen stimmt bas Haus zu, lehnt dagegen die Entschließung ber Sozialdemokraten auf Erfassung ber wichtigsten Äahrungsmittel bei ben Erzeugern ab.
Rachdem das Gesetz über die Lohnpfändung dann noch in dritter Lesung angenommen ist, vertagt sich bas Haus auf morgen vormittag 11 Uhr: Anfragen und ausgefallene 3. Lesungen, darunter auch die ber Getreideumlage.
Schluß 81/2 Uhr.
Aus Stadt und Land.
G i e h e n, den 24. Oktober 1922.
Zur Einschränkung des Brotkartenbezugs.
Sine wichtige Erklärung des Reichsernährungsmini st ors.
Rach einer Auskunft des Reichs- ernährungs Ministers ist es unzulässig, gegebenenfalls strafbar, wenn Haushaltungen, die nach den Bestimmungen der Verordnung über den Bezug von'Marken- brot auf freies Brot zu verweisen sind, für ihre Hausangestellten Brotkarten in Anspruch nehmen. Die Haushaltungen sind entweder in Gesamtheit mit Markenbrot zu versorgen, oder in Gesamtheit zum Bezüge freien Brotes verpflichtet. Dis Haushaltungen, die nicht markenbrotberech- tigt sind, müssen auch auf Brotkarten für ihr Hauspersonal verzichten oder sie, soweit sie sie schon erhalten haben, zurückliefern.
Was braucht der Reisende beim Grenz- üvertritt nach und von Deutschland?
A. Bei ber Einreise
a) Als Ausländer: Paß und beutschen Sicht vermerk, als Deutscher: Paß.
b) Für. Zahlungsmittel über 20 000 Mk. und Metallgeld eine Bescheinigung der Grenz- zollstelle.
c) Für nicht einfuhrfreie Waren Einfuhrbewilligungen.
d) Für Gegenstände von größerem Wert, besonders Schmuck, Bescheinigung bec Grenzzollstelle.
B. Be i der Ausreise.
a) Pah und deutschen Sichtvermerk oder, sofern ber Reisende in Deutschland seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hat, statt des Sichtvermerks eine finanzamtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung
b) Für Zahlungsmittel über 20 020 Mk. und Metallgeld Bescheinigung ber Gcenzein- gangszollstelle (f. oben unter A QI Df. b) ober schriftliche Genehmigung eines deutschen Finanzamts.
c) Für nicht ausfuhrfreie Waren eine Ausfuhrbewilligung.
d) Für bei der Einreise mitgeführte Gegenstände von größerem Wert. Bescheinigung der Grenzeingangszollstelle (f. oben unter A Qlbf.d).
** Der Minister des Innern von Brentano besucht, wie uns mitgeteilt wird, in diesen Tagen die Provinz Oberhessen, um durch persönliche Fühlungnahme mit staatlichen Behörden und gemeindlichen Vertretungen Eindrücke über die derzeitigen Verhältnisse in Stadt und Land zu gewinnen. Solche Informationsreisen können zweifellos geeignet fein, die Ausgaben der Verwaltung von Land. Provinz und Gemeinden zu fördern. Die Reise beginnt heute in der Pro- vinzialhauptstadt Gießen und erstreckt sich aus die Kreisstädte und größeren Ortschaften der Provinz.
< D i e neuen Züge auf der Strecke Gießen—Fulda, von denen wir gestern berichteten, verkehren nicht vom 25. ds. Mts-, sondern erst vom 3 0. O k t 0 b e r ab. Der Zug Fulda- Gießen fährt in Fulda 1.26 Uhr ab und trifft um 4.27 Uhr in Gießen ein. Der Gegenzug fährt ab Gießen um 3.40 Uhr und kommt um 6.30 Uhr in Fulda an. Die Züge halten auf allen Stationen.
** Eine weitere Erhöhung der Kohlenpreise und die Freigabe von Kohlenmarken werden im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben.
** Von der P 0 st werden fortan Freimarken zu 30 Mark in Bogen in brauner Farbe mit gelblichem Unterdrück ausgegeben. Die Postanstalten haben vom Reichspostministe- rium Mitteilung erhallen, daß sie die neuen. Freimarken von der Reichsdruckerei beziehen können. — Die Gebühr für die Anstellung umfangreicher Nachforschungen im Post-, Postscheck- und Telegraphenbetrieb ist auf 56 Mk. für Leistungen bis zur Dauer einer Stunde er-
■JBwcwBWiii im»;
„Ich muß Familie simpeln." Plötzlich läutete das Telephon, und sie hörte ihre Mutter im Hausflur sprechen.
Dann kam diese herein, ganz blaß und verstört. „Liane " sagte sie, „ich weiß nicht, mir ist so angst . . .“
Liane drehte sich um und sah ihre Mutter an, die noch die weiße Backschürze trug. „Warum angst?"
„Ich weiß es nicht . . . Vorhin klingelt das Telephon, und mir war, als hätte ich Ernsts Stimme gehört, aber es war nur der Fischmann, ber fragte, ob die Karpfen eingetroffen wären."
„Run, das ist doch kein Grund zum Erschrecken," sagte Liane, während sie das Licht unter der Brennschere anzündete.
„Ich weiß nicht, mir ist so angst, es sei Ernst etwas geschehen. Es gibt Ahnungen."
„Dann ruf ihn doch einfach nochmal an," riet Liane.
Das hatte sie ja auch schon getan, aber feine Antwort erhalten.
„Er wird stark beschäftigt sein heut, Mama."
Frau von Herwegh schüttelte den Kopf und ging wieder nach bet Küche.
Man.wartete schon seit einer Stunde auf die jungen Herweghs. Die Lichter am Baum wurden wieder ausgelöscht Liane stand am Fenster und schaute auf die neblige Straße. Der Tisch war festlich gedeckt und Frau von Herwegh ging unruhig hin und her. Lutz saß in der Sofaecke, rauchte eine Zigarette nach der andern und las ..Morale galante ou l’art de bien aimer", ein Buch, dem man ansah, daß cs schon andere Leser intcr- cssd.-i t hatte. In ber Bratpfanne zischte die Weihnachtsgans. und bas Punschwasser fang unter
höht; darüber hinaus wird für jede angefangene Viertelstunde der Betrag von 14 Mark angesetzt. Im Fernsprechbetrieb kommt diese erhöhte Gebühr bereits seit 1. Oktober infolge der allgemeinen Erhöhung der Fernsprechgebühren um 600 Prozent zur Anwendung.
A Zentrums Versammlung. Im Katholischen Vereinshause fand am Sonntagabend eine öffentliche Zentrumsversammlung statt, in der Landtagsabg. Hoffmann-Alzey über die Zentrumspolitik im Reich und in Hessen berichtete und auf die Bedeutung des 19. Rovember für Gemeinde, Kreis und Provinz hinwies. Er streifte Lurz die Pvlitii des Reichskanzlers Dr. Wirth und beutete auf die innerpolitische Lage hin, die durch den Rathenaumord verursacht worden ist. Im weiteren Verlauf seiner Rede täm er auf die Stellungnahme des Zentrums zum Fall Borne- mann. zum Schulausfall am 1. Mai und zur Erweiterung der Koalition durch Eintritt ber Deutschen Vvllspartei zu sprechen. Hinsichtlich des Vorgehens gegen die Abgg. Dingeldey und Osann sei kein Wort scharf genug, um solche Vorkomnmisse zu kennzeichnen. Leider aber sei durch diesen Vorfall die Kluft zwischen Sozialdemokratie und Deutscher Volkspaltei wieder vergrößert worden, so daß wohl in nächster Zeit kaum an eine Erweiterung ber Koalition nach rechts zu denken sei Uebcr die Kommunalwahlen erstattete Stadtv. Goerz Bericht und wies beson- jberö auf die Schwierigkeit des diesmaligen Wahlaktes hin, da gleichzeitig drei Wahlen zu tätigen seien. Rur größte Aufmerksamkeit könne eine Verwechslung ber entsprechenden Stimmengattung und Umschläge verhindern. In ber barauffolgenden Aussprache kritisierte Kaufmann Weißbäcker das Verhalten der Stadtverordnetenversammlung wie auch der Verwaltung Hinsichtlich des Wohnungsbaues, ber Straßenreinigung und der Müll- abfuHr. Er regt an, die aus den Kaminen des Gaswerkes unnütz heransschlLwenden Flammen zu Hcizungsz wecken öffentlicher Gebäude zu verwenden. Aus diese Einwendungen ging ber Leiter der Versammlung, Stadtv. Goerz näher ein and berichtigte sie. In seinem Schlußwort richtete er einen Appell an die Zentrumswähler, am Tage der Wahl ihre Schuldigkeit za tun.
** Einreiseerleichterung nach Polen. Während bis vor kurzem die polnischen Konsulate Anträgen von Ausländern zur Einreise nach Polen erst nach vorheriger Zustimmung des polnischen Außenministeriums in Warschau stattgeben durften, ist. wie eine Rachrichtenstelle mitt.ilt, diese Bestimmung seit kurzem dahin ab- ge .rtbert worden, daß die polnischen Konsulate mqewiesen worden sind, solche Einreifeanträgs selbständig zu entscheiden und bei nachgewiesener rein geschäftlicher Reise, welche dem Handelsverkehr zwischen Polen und dem Auslande bienen soll, weitestgehendes Entgegenkommen zu bezeigen.
** Das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, bringt in seinem gegenwärtigen P-ograinm zwei Filme zur Vorführung, die von ©eelenleiben schuldlos in Rot und Bedrängnis geratener Frauen handeln. Mazda Sonja bietet als Hauptperson in „Wahn und Wirren" die ergreifende Darstellung des Untergangs einer unglücklichen Frau. „Der Schatten der Vergangenheit" erzählt ebenfalls von großen seelischen Qualen, führt aber nicht zu einem tragischen Ende, sondern schließt mit der Aussicht auf ungetrübtes Glück für die Heldin, die von Gertrud Welker lebenswahr verkörpert wird.
Borrwtizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 7 Uhr: „Der Düvgergeneral" und „Der eingebildete Kranke". — Stadttirche, 8 Uhr: Oesfentlicher Vortrag über „Die Rätsel der Welt-> legierung". — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „In Wochn und Wirren" and „Der Schatten ber Vergangenheit".
— Aus dem Stadttheaterbureau. Auf vielseitigem Wunsch ist noch für Oktober eine Kindervorstellung angeseht worden unb zwar für Sonntag, den 29. Oltober. nachmittags 3 Uhr. „Frau Holle", weil dieses Märchen noch ziemlich in der alten Besetzung, in ber es vor zwei Jahren so sehr gefallen hat, gegeben werden kann. — Grillparzers Trauerspiel „Des Meeres und ber Liebe Wellen", das seit der Spielzeit 1913/14 hier nicht mehr gegeben worben ist, kommt am nächsten Freitag in neuer Einstudierung zum ersten Male zur Wrfführung. Die Rollen ber Hero und des Leander werden von Fräulein Keller und Herrn Fromman, dem neuen jugendlichen Helden, gegeben.
— Zu einem Vortrag über die Volkshochschule, ihr Wesen und ihr Ziel am Mittwoch abend im Kaufmännischen Vereinshaus haben in unserer gestrigen Ausgabe der Deutfchnationale Handlungsgehilsenverband, ber Gewerkschaftsbund der Angestellten und der Zentralverbanb der Angestellten eingelaben.
— Volksunterhaltungsabend. Der Evangelische Arbeiterverein, dessen vorjährige Aufführung von Anzengrubers „Meineidbcmer"
iitwur» ■■Hin la«««™
der Teemaschine. Plötzlich klingelte es wieder, und Emsts Stimme war am Telephon hörbar. Er bat um Entschuldigung, er habe eine wichtige Abhaltung gehabt, sie kämen in einer halben Stunde. Ohne weitere Erklärungen zu geben, brach er ab. Liane und Lutz sahen sich an.
„Eheliches Zerwürfnis, erster Akt," bemerkte Lutz. „Wie stehn sie denn eigentlich miteinander in puncto amons?“ Liane zuckte die Achseln, „Gretes Wohlbefinden hängt von dem Gelingen der Unverzagtschsn Toiletten ab, und von einem Philister wie unserem Ernst kann man nur erwarten, daß er sich im Schoße der Familie glücklich fühlt." — „Ra ja," meinte Lutz, vertieft in die Geschichte der Donna von Avales, der Prinzessin aus Reapel, die von ihrem Gatten, dem Prinzen von Benusa, der sie mit ihrem Geliebten, dem Grasen Andriane, überraschte, getötet wurde.
„Die waren grausamer wie wir. Ich bin Überzeugt, Emst würde milder denken."
„Wenn du dich nur nicht darin täuschest, Lutz," meinte Liane, die ihren Rägeln rosige Farbe verlieh.
Lutz schwieg. Die Korrespondenz mit seiner Schwägerin war eingeschlafen, feit er interessantere Gegenstände in Mainz für seine Verehrung gefunden hatte. Immerhin freute er sich auf Grete. Es bestand zwischen ihnen eine Gemeinschaft, die man nicht erklären kann, nicht einmal durch das abgedroschene Wort von den Gegensätzen, sie sich magnetisch anziehen.
„Das ist auch so eine falsche Münze, die man über die Liebe geprägt hat," sagte Liane. „Diese Gegensätze! In eine lebenslängliche Ehe verpflanzt, können sie nur Reibungen und Kämpfe ergeben, weiter nichts."
noch in Srtnnerunc steht, wird am oonrtrag einen ähnlichen Volksunterhaltungsabend veranstalten, wobei Gerstäckers Drama „Der Wilderer" zum Besten der Elisabeth-Kleintinder- schule zur Aufführung gelangt. (Siehe Anzeige.)
Wettervoraussage
für Mittwoch:
Meist trüb und wolkig, trocken, falt, nördliche Winde, Aachtfrvst.
Der hohe Druck hat wieder ostwärts Raum gewonnen, so daß das Wetter trocken bleiben wird. Doch rufen' die Randbildungen des tiefen Drucks über Frankreich Trübung hervor. '
Landkreis Gietzerr.
gck. G r 0 ß e n - B u s e ck. 23. Ott. Bei der unter starkem Andrang auch von auswärts -- stattgehavten O b st v e r st e i g e r u n g wurde ein Erlös von etwa 150 000 Mk. erzielt. Vielfach wurde die preissteigernde Wirkung der Händlergebote mißliebig bemerkt. Durch Reuümpflanzun- gen in den letzten Jahren ist die Gemeinde bestrebt, diese ergiebige Einnahmequelle zu verstärken. - Unter Leitung von Frl. Mutsch I e r begann heute ein Haushaltungs- turfuö, an dem 20 Mädchen teilnehmen. Angesichts der Bedeutung dieses Unternehmens füi Die Fortbildung der weiblichen Jugend übernahm die Gemeinde bereitwilligst die Kosten für die Heizung. — Zu den Gemeinderatswah len wurden zwei Listen eingereicht, eine von der Sozialdemokratischen Partei, die andere von dem Dürgerverein.
rt Lich, 23. Oft. In der Dorbereitung der Gemeinderatswahl gehen hier die Interessen sehr auseinander. Außer der sozialdemokratischen Liste und dem bürgerlichen Wahlvorschlag soll es noch eine besondere Beamtenliste und eine Einheitsliste geben.
* Münster, 23 Ott. Der in unserem Orte geplante Schul st reif als Protest gegen die Besetzung der hiesigen Lehrerstelle durch einen nickst genehmen Herrn ist nicht zustande gekommen. Heute, beim Wiederbeginn des Unterrichts, waren alle Kinder zur Stelle.
rt. Rieder-Bessingen, 23. Ott. Die hiesige Einwohnerschaft hat sich zusammengetan, um sich auf einen Wahlvorschlag für die Gemeinderats wah l zu einigen, da sie der Ansicht ist, daß in einem kleinen Orte eine Einigung bei gutem Willen nicht schwer ist.
A Rvnnenrotk), 22. Ott. Hier fand der Bezirkstag des Hassiabezirks Lich statt. An Stelle des verstorbenen Fabrikanten Reger- Lich wurde Tierarzt Dr. Walter- Lich zum Vorsitzenden gewählt. Ue&er den Hassia- verbandstag In Darmstadt erstattete Rory- Muschenheim Bericht. Die Derban dH Organisation für Kriegsbeschädigte und -Hinterbliebene soll im Bezirk weiter ausgebaut 'werden.
Kreis Lauterbach.
rr. Schlitz, 20. Ott. Für die Kreis- tagswahl Lauterbach haben Bauernbund, Detttsche Dolkspartei und Deutschnationale auf einen gemeinsamen Wahlvorschlag sich geeinigt. Da auf ihm aber der Stadt Schlitz, die bis dahin im Kreistag zwei Vertreter besaß, nur einer zugebilligt wurde, ist von hier aus noch ein weiterer bürgerlicher unpolitischer Wahlvorschlag eingereicht worden. — Für die hiesige Gemeinderatswah l sind drei Wahlvorschläge eingereicht worden, und kwar von den vereinigten bürgerlichen Parteien, den vereinigten sozialistischen Parteien und ein unpolitischer von der Deamtenvereinigung.
Kreis Schotten.
Si Friedrichshüt ce b. Lauterbach, t. Die Rach richt verschiedener Blätter, daß die hiesige Eisengießerei (Inhaber Adolf Römheld li. Sohn) ihre Tätigkeit eingestellt habe, ist bahin. einzuschränken, daß nur vorübergehend eine Unterbrechung der Gießerei stattgefunden hat. Dies ipurbe durch den Marbel an Rohmaterial veranlaßt. Vor einigen Tagen ist jedoch ein Waggon Roheisen eingetrosten, so daß in kommender Woche wieder gegossen werden kann.
□ Laudach. 22. Ott. Man hatte in einzelnen Kreisen der hiesigen 'Bevölkerung daran gedacht, für die Gemeinderatswahlen im kommenden Monat eine einheitliche Wahl- lifte aufftellen zu können. Verschiedene Besprechungen und Versammlungen führten jedoch zu keinem Ergebnis. So werden nun verschiedene Wahllisten aufgestellt. Eine g e -
Heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 4300, Frankfurt 4250-4300.
■CTMaaWWMW—■—Illi ■111
„Aber bie Liebe?" Wurf Lutz ein, dessen Gedanken nun einmal diese Richtung genommen hatten.
„Ach, die geht so rasch vorbei," sagte die melancholische Liane. „Aber die Gegensätze bleiben." In diesem Augenblick läutete die Flur- schelle. Es war das junge Ehepaar. Man hörte einen erregten Stimmenwechfel auf dem Flur.
Darm trat Grete ein, sie ft reifte erregt ihre Handschuhe ab und fiel Liane um den Hals. „Cs ist alles vergebens! Wir haben ihn nicht gefunden! Es muß ihn jemand gestohlen haben.' Aber ich bm es nicht gewesen." Und sie begann laut zu weinen.
Frau von Herwegh suchte sie zu beruhigen, vergebens bat Ernst sie, zu schweigen. „Rein, ich will reden," rief Grete, „ich muß mich doch verteidigen! Ich habe ihn nie wieder gesehen. Ich hätte es nicht von meinem Mann erwartet, daß er behauptet, ich hätte ihn gestohlen!"
„Das hab' ich nicht gesagt," erhob Ernst zornig seine Stimme.
„Doch du hast es gesagt, vor allen Leuten hast du es behauptet, als du hereingestürzt kamst mit der Kassette."
Und nun erfuhren Herweghs endlich daß es sich um das Verschwinden eines Smaragdohrgehänges der russischen Fürstin handelte.
In das Durcheinander der Stimmen mischte sich auch Fox, freudig an Ernst hochspringend. „Ich bin auch noch da!" Und der Kanarienvogel erhob erschrocken seine Stimme und begann zu zwitschern mit ganzer Kraft.
(Fortsetzung folgt.-


