Einzelbild herunterladen

iQXmauerc Tterttmmjngen toerben no$ getreten Inxrben.

Der Beginn der Verha7idluttgsn ist cif den 1. Septemder festgesetzt. Es sind besondere Ä)m» 'Missionen gebildet Karden. Dresden und Wau- Ifchau sind als Verhandlungsorte gewählt. Die 'Eröffnung der Verhandlungen wird in Dresden 'ftotiftnbcn.

Die Minifterpräsideirtschaft Korfantys gescheitert.

Warschau, 22. Juli (Wolfs.) Da der .Klub der Verfassungsfre unde Sor» fanty seine weitere Unterstützung versagte, ist dessen Wahl zum Ministerpräsidenten erledigt. Pilsudski wird nunmehr die Bildung eines über den Parteien stehenden Kabinetts vor­nehmen.

Ein Kongreß der Deutsch-Amerikaner.

Berlin, 22. Juli In diesen Tagen hat sich der dritte deutsch-amerikanische Rationalkongreß versammelt und, wie die Boss. Ztg." meldet, von der Regierung der Ber­einigten Staaten gefordert, das) sie die sofortige Revision der Verträge von Versailles und St. Gernrain herbeiführe, die Zurückziehung der schwarzen Truppen aus dem besetzten Deutschland durchsetze und sich mit den einstigen Alliierten ins EmverneHmen sehe, damit.sobald wie möglich die Besetzung des deutschen Bodens * Mtfhöre

Aus dem Reiche.

Ein Nachspiel zu den Reichstagsdcbattcu.

Stuttgart. 21. 3-iIL (Wolfs.) Im An­schluß an den Zu sa mmen sto s) zwischen den Abgg. Bazille und Keil in der Reichstags- sitzung vom 18. 3ilt stellten die Fraktionen der Bürgerpartei und des Bauernbundes unter eingehender Begründung gemäss § 23 der württembergischen Verfassung im Landtug den Antvag auf Entlassung des Ministers Keil wegen gröblichen Mißbrauches seines Mu­tes und wegen schwerer Verfehlungen gegen die ihm als Minister obliegenden Pflichten, die Ehre anbercr zu achten, solange ihnen nicht in einem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren? Verfehlun­gen nachgewiesen sind. Bazille beantragte außerdem rnter Verzicht auf seine Immunität als Detchs- und Landtagsabgeordneter wegen der von Kerl gegen ihn erhobenen Anschuldigungen bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart die Ein­leitung eines Strafverfahrens gegen sich selbst, ebercko beim württembergischen St«ttsmiiisterium die Einleitung eines Disziplinarverfahrens.

Der Reichspräsident und Gerhart Hauptmann.

Berlin. 22 Juli. (WB.) Der Reichs­präsident als Vorsitzender des Ehrenaus- fchusses für dir Gerhart Hauptmann- 'Fe st spiel? hatte zu heute nachmittag an eine größere Zahl führende i Persenlichk'.iten des po­litischen. geistigen urck» wirtschaftlichen Lebens (Sin- fladungen zum Tee ergehen lassen, um in wei­teren Kreisen Interesse für die Festspiele zu er­wecken. die im kommenden Monat in Breslau anläßlich des 60. Geburtstages des Dichters statt- linden werden.

ZettuugSverbote.

. Berlin, 23. Juli. Rach einer Stettiner Meldung derDeutschen Tageszeitung" sind Ute deutschnationalen BlätterSchlawer Leitung" undGreifswalder Zei- fung wegen Abdrucks des Aufsatzes:Das Urteil eines amerikanischen Republikaners" aus der ÄvchenschristDas Gewissen" auf vier Wochen, die rstentumer Zei­tung" in Köslin auf acht Tage verboten tvorden.

Breslau, 22. Juli. (Wolff.) Der Ober- präsident her Provinz Riederschlesien hat' auf Grund der Verordnung zum Schutze der Republik dasGrünherger Tage­blatt" für sieben Tage verboten, weil es einen Artikel der Wochenschrift.Das Gewis­sen":Urteil eines amerikanischen Republi­kaners", nachgedruckt hat.

Wiederum Kundgebungen.

B e r l i n, 22. Juli. (Wolff.) Am 30. Juli finden in mehr als zweihundert Städten Deutschlands anläßlich der achten Wiederkehr des Tages des Kriegsausbruchs große Kundgebungen für den Weltfrie­den unter der ParoleNie wieder Krieg!" statt. Am 29. und 30. Juli gehen ähnliche Veranstaltungen auch in England. Frankreich, Holland, Oesterreich, den Nachfolgestaaten, Skandinavien, der Schweiz, Portugal und den Vereinigten Staaten vor sich. Die Berliner Kundgebung ist von dreißig Verbänden ein­berufen worden; dreißig namhafte Politiker Und fünfzehn der bekanntesten Schauspieler von Berlin haben ihre Mitwirkung zugesagt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 24. 3uli 1922.

Otto Ubbelohde-Gedächtnis- Ausftelluug.

Eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier eröff­nete am Samstag vormittag in den Räumen des Oberhejsischen Kunstvereins die Otto Abbe- lohde-Gedächtnis-Ausstellung. Zahl­reiche kunstsinnige Damen und Herren, darunter als Vertreter der Stadtbehörde die Herren Ober­bürgermeister Keller und Bürgermeister Ären» zien, sowie Vertreter des Lehrkörpers unserer Universität, hatten sich zu dem feierlichen Akt ein­gefunden. Herr Aniversitätsprofessor Dr. Rauch hielt die Eröffnungsrede, in der er die große künst­lerische Bedeutung Otto Ubbelohde's in geistvoller Weise würdigte. 'Diese Ausstellung solle nicht nur das Wirken des Künstlers als Maler, als Heimatmaler zeigen, sie solle auch auf seine hohe Geltung als Griffelkünstler Hinweisen. Werke von wunderbarer Schönheit seien dem Meister zu danken, die verdienten, daß sich ihnen das Inter­esse ganz Deutschlands zuwende. Auf einige beson­ders fesselnde Werke machte der Redner in einer kurzen Besprechung ausdrücklich aufmerksam. Ein breiter Strom von Schönheit möge von dieser Aus­stellung ausgehen, der nicht nur im Hessenlande, das Otto Ubbelohde so oft und so reich künstlerisch angeregt habe, sondern im ganzen Reiche die hes­sische Kunst im hellsten Lichte erstrahlen lassen möge. An die beifällig aufgenommene Rede schloß

stch eine sehr interessierte Besichtigung der nahezu 100 Kunstwerke, die den Besuchern Gelegenheit bot. sich dem hohen Lobe des Redners für das be­gnadete Wirken Ubbelohde's anzuschließen.

Eine eingehendere Würdigung der Ausstel­lung behalten wir einer besonderen Feder vor. WK werden diesen Aufsatz in den nächsten Tagen abdrucken.

,* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 11. Iu-li der Hilfslehrer Ludwig Rohrbach za Alsfeld z im Gewerbe­lehrer an der Gewerbeschule za Alsfeld mit Wir­kung vom 1. April 1922 an. Die Obersekretäre Hillen brand und wtetter wurden zi Justizinspektoren beim Landgericht der Provinz Oberchessen ernannt.

** Eine Sitzung der Stadtverord- neten-Dersammlung findet am Freitag den 2 8. Juli, nachm. 4 Ahr, im Stadthaus, Bergstraße, mit folgender Tagesordnung statt' Voranschlag der Stadtkasse und den städti­schen Nebenkosten für 1922. Kriegskosten­abrechnung 1914'19. Bewilligung eines Zu­schusses für den Hausfrauenverein Gesuch des Verkehrsvereins Gießen um Erhöhung des städtischen Jahresbeitrags. - Gesuch des »Reichs­bundes Heimatschule" um Bewilligung eines Zu­schusses zu der vom 6.-12. August in Gießen stattfindenden Heimatschulwoche. - Ortsstatut über die Erhebung einer Gebühr für Straßen- reinigung und Müllabfuhr. Errichtung eines Denkmals für die gefallenen Gießener. - 'Sau» gesuche: a) der Firma Heyligenstaedt & Co. für Fl. XH Rr. VI; hier: Befreiung von den Vor­schriften des $ 5 O. B. St.; b) des Friedrich Linker für Ludwigstr. 16; c) Einfriedigung der Neubauten der Bauxitwerke in der Gnnuthstraße (Holzausführung); d) Anbringung eines Firmen­schildes an der Straßenecke Lorch- und Garten­straße durch Wilhelm Nanz. Entwurf einer neuen Polizeiverordnung über das Radfahren auf öffentlichen. Wegen. Vorschriften über die Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. Erhöhung der Zuständigkeit für Kreditanweisungen der Bauoeputation und Stadtverwaltung. Be­willigung eines Kredits für Herstellungen im Schulhaus Neustadt. Kreditbewilligung für Lohnerhöhung der städtischen Arbeiter. - Ferien der Stadtverordneten-Versammlung. Mit­teilungen.

** Die Preise für elektrischen Strom erfahren nach einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil eine weitere Er­höhung ab 5. August d. Is.

** Diebstahl. Am 21. 3ult wurde aus einem Hausgang in der Löwengasse dahier ein fast neues Fahrrad (Halbrsnner), Marke Anker", Fabriknummsr unbekannt. Im Werte von 7000 Mark entwendet. Der Täter ist unbekannt. Für die Wiederherbeischaffung des Rades hat der Geschädigte eine Belohnung von 500 Mk. ausgesetzt Vor Ankauf wird ge­warnt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

** Die Gießener Waldbühne hat gestern abend denD a 11 e r i ch" wieder seine für jeden echten Hessen-Darmstädter unsterbliche geniale Lumpen-Misere abspielen lassen. Sie hatte Glück damit. Denn erstens ist dieser bourgeoise Manntron der traurigen Gestalt" nur für Lieb­haber-Schauspieler geschaffen, und zweitens hat Herr Metzger als Datterich eine wenigstens im Komischen treffende Maske gemacht. Die 3ammerfarbe hat allerdings häufig gefehlt. Das Cann kein Tadel sein, denn diese Farbe ist das Schwerste und Reifste des Datterich. Auch die andern Gestalten waren sorgfältig im Eindruck. Besonders im Zusammenspiel war fast alles ge­glückt. Herrn R a r p s Spielleitung dürfte etwas mehr Tempo durchschlagen lassen. An Ginzel- leiftungen verdienen weiterhin der Herr Dumm­bach (Ferd. Heß), Frau Dummbach (Ilse Berger) und seine Tochter (Gertrud H i r s ch), der grobe Dengler (W. Schwinn), Lisettchen (Gertrud Küchler) und Datterichs unschulds­volles Gegenstück Karl Schmitt (Hans Schuch­mann) hervorgehoben zu werden. Wenn bei der zweiten Ausführung alles ebenso in Form ist, kann man nur Glück wünschen.f

** In der Gesellschaft für deutsche Bildung sprach am Freitag abend Studienrat Dr. G. Faber über das Thema:D e s j u n g en Herders Bekenntnis zum Deutsch­tum". Herder ruft den Deutschen zu: Deutscher wirs dich nicht weg an das Fremde! Er verkennt keineswegs das Große und Schöne bei anderen Völkern; er teilt die Begeisterung der Deutschen für das Volk der Griechen, aber er weist auch dar­aus hin, daß zwischen deutschem und griechischem Wesen tiefe Unterschiede bestehen. So wurde er Winckelmanns scharfer Gegner. Worin besteht aber denn eigentlich deutsches Wesen? Moderne Forscher (Burdach) werfen die Frage auf, ob es denn dieses überhaupt gibt. Unter Einfluß der letzteren hat sich eine kleine, allerdings führende Schicht Deutscher an das Fremde verloren, hat die deutsche Sprache und damit deut­sches Denken durch das Latein verdorben; diese Einsicht hat schon Herder gehabt und diese Folgen des Verlierens an das Fremde erkannt. Herder kämpft nicht gegen das Latein an sich, son­dern gegen seine alles nationale Element in der Schule überwuchernde, erdrückende Stellung im Gesamtunterricht. Er bekämpft ebenso den Einfluß des morgenländischen Geistes wie den des Fran­zösischen. Er behauptet: Alles Wesentliche in der französischen Literatur ist den Italienern und Spaniern gestohlen. Man kann nicht deutschen Geist in französischer Sprache, in griechischen Versen zum Ausdruck bringen; ist ein Irrtum, daß Form und Geist getrennt bestehen können. Das ist das Große an Herder, daß er, der wie kein anderer sich in fremdes Wesen und Sprache und Dichtung ein­fühlen konnte, doch erkannte, daß jedes große Kunstwerk völkisch und zeitlich bedingt ist. Sperber war schon dahin gelangt, wohin die Wissenschaft erst in neuerer Zeit kam Zu der Einsicht von her Bedingtheit nicht nur aller Schöpfungen mensch­lichen Geistes, sondern auch von der unserer Beur­teilung. Herder will die fremdsprachliche Ueber- setzungen zur Schulung des eigenen Geschmacks ge­fördert wissen, damit Man das eigentümliche deutsche Element im Unterschied vom sremden um so besser erkennen und schätzen lernt. Herder bejaht es. Doch er betont die deutsche Sprache gerade in ihrer Herbheit gegenüber der Weichheit süd­ländischen Idioms und die der deutschen Sprache eigenen Schönheiten. Herders Sprache selbst ist der beste Beweis, das hervorragendste Beispiel für seine Behauptung, sie ist vor allem deutsch in Geist und Sahbau. Eines der zahlreichsten Vorurteile jener Zeit, das Herder bekämpft, ist das, daß die deutsche Sprache

für wissenschaftliche Darstellung z. B. in der Ge­schichte ungeeignet sei. So wird Herder immer wieder zum unermüdlichen Vorkämpfer des Deutschtums, der die Notwendigkeit des Stolzes auf deutsches Wesen betont und als stolzes Vor« bild auch in sprachlicher Beziehung Luther' hin- ßellt. Wollen wir aber eigenes Volkstum kennen lernen und zugleich auch Verständnis für fremde Eigenart erlangen, dann brauchen wir die Mit­arbeit der Schule. Nur mit ihrer Hilfe können wir zu wahrer humanistischer Bildung gelangen, für die die Kenntnis der Antike nur Mittel zur Ausbildung der eigenen Persönlichkeit im /Ver­band des eigenen Volles ist. Nur dann tonn unser Voll zu der ihm gebührenden Stellung im Rate der Voller gelangen, wenn seine Jugend in diesem Geiste erlogen wird. Herder aber, der diese Ansichten so lebhaft vertrat, ist selbst einer der vornehmsten Vertreter dieses zugleich natio­nalen und humanistischen Dildungsideals.

** D i e hiesuge Ortsgruppe des BundesHaus und Schule" hielt am Donnerstag abend eine Mitgliederversammlung int Iohannessaal ab, die einen äußerst stimmungs­vollen Verlauf nahm. Ein Bläser- und Streich­quartett sowie die Musikabteilung des Bibel­kränzchens trugen wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Frau Mendelssohn-Bar­tholdy und Frl. Ida Stammler erfreuten durch ihre künstlerischen Darbietungen in Dekla­mation und Gesang, und die Heine H. Bur - m e st e r brachte ein Gedicht recht eindrucksvoll zu Gehör. Der 1. Vorsitzende, Staatsantvalt Knauh, kam in ferner Ansprache auf die Bestre­bungen und Ziele des Bundes zu sprechen und betonte, daß der Bund seiner Arbeit und seinen Grundsätzen nach in erster Linie eine auf» bauende Organifation ist; er will die als Erbe der Reformation überlieferten Grund­lagen biblischer Erziehung erhalten und bewahren. Er ist leine Fach- und Standesorganisation, son­dern der große evangelische Grzieherbund, der alle erwachsenen Christen, voran! die Väter undMütter, umschließen, sammeln und organisieren will, Er hat nichts zu tun mit Politik und politischen Fragen und hat seine Mitglieder in fast allen Parteien; auch kirchenpolitische Fragen scheiden für ihn aus. Endlich dient er keiner theologischen Richtung", da er das schlichte ganze Evangelium von Christus als Grundlage für Haus und Schule vertritt. Sein Dundesname aber:Haus und Schulc". kündet an, daß beide zusammengehören, miteinander und fürein- anöcr arbeitend. Was speziell das Gebiet der Schule betrifft, so steht der Bund in Hessen auf dem Boden der bisher bei uns bewährten Simul­tanschule mit christlicher Grundlage. Zwei Zeit­schriften orientieren über die Arbeit des Bundes, dessen Ziele und Destrebungen. Die hiesige Orts­gruppe zählt zur Zeit über '700 Mitglieder'.

Wettervoraussage

. für Dienstag:

jlnbeftönbig, einzelneRegenfälle,mäßig warm.

Das Ties über Frankreich ist mit dem über der Ostsee liegenden Tief verbunden und erscheint als dessen Wusläufer. Wir stehen auch morgen noch unter dem Einfluß tiefen Drucks.

Tageskalender für Montag. Astocia-Lichtspiele, ab heute:Der Roman der Christine v. Herre" undDie siebente Groß­macht". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Das schwarze Kuvert".

Landkreis Gießen.

A 93 e u e r n, 22. 3nli. Einer unserer Kämpfer von 1866 und 1870 ist wiederum dahingegangen. Im Alter von 78 Jahren starb der Altveteran Philipp Lepper.

* ©rünberg, 23. Juli. Am Donnerstag abend überrannte ein Fuhrwerk, dessen Pferde vor einem Kraftwagen gescheut hatten, 3 Kinder, die schwere Verletzungen davon- trugen.

tt. Londorf. 23. Juli. Unsere Gemeinde hatte heute ihren diesjährigen Missions - sonn tag. Im Vormittagsgottesdienst predigte Missionar Walther-Beuern in anschaulich packender Weise über die Missionsarbeit, nach­mittags fand im nahen Walde an der Allcrts- häuser Straße ein von vielen Hunderten aus nah und fern besuchtes Missionsfest statt. Schrift­steller Naumann von Nanzhausen und Missio­nar Walther hielten zeitgemäße, tief ergrei­fende Ansprachen, in welchen sie mit ernsten Worten zur Umkehr vom offen zutage tretenden Abfall von Gott und zu tiefinnerlicher Besserung auf Grund des göttlichen Wortes mahnten. Das Opfer für die Heidenmission betrug über 2000 Mk.

Starkenburg und Rheinhessen.

Der Raubmord im Odenwald.

rm. Darmstadt, 23. Juli. Die Ermittelun­gen der Staatsanwaltschaft, des Gerichts und der Gendarmerie haben zu folgendem Ergebnis ge­führt: Der Verdacht des Mordes an dem jungen Gerßenschläger fiel sofort auf die Brüder Roß - m a nn, die Söhne des dort in der Nähe wohnen­den Stratzenwärters H. Roßmann. Der alsbald herbeigerufene Polizeihund des ©enb innen Traut­mann in Jugenheim fand zunächst die allerdings geleerte Blechkassette in einem Gebüsch versteck. Sie schien mit einem Beil geöffnet zu sein. Man nahm dann den älteren Bruder 3vh. Roßmann fest, der aber sich vorläufig über seinen Aufenthalt ausweisen konnte. Später wurde dann auch der jüngere Jakob Roßmann festgenommen. Beide leugneten hartnäckig. Inzwischen wurde auch eine blutige Hacke in einem Gebüsch gefunden. Der Ver­dacht gegen den jungen Roßmann hatte sich ver­stärkt, als am Samstag früh die Staatsanwaltschaft eintrat Nach anfänglichem weiteren Leugnen gab der 17jährige, der seinem Vater in dem Beruf hilft, zu, der Täter zu sein. Nach seinem eignen Ge­ständnis blieb er am Freitag von der Arbeit weg und paßte dem jungen Gerstenschläger, dessen Gang er genau kannte, auf. Er schloß sich ihm zunächst an, blieb dann etwas zurück und gab dann in dem Verbindungsweg, der um diese Zeit wenig be­gangen ist, mit der mitgeführten Hacke dem G. von hinten einen heftigen Schlag auf den Kopf, so daß dieser zusammenstürzte. Als er sich wieder aufzuraffen versuchte, gab ihm R. noch mehrere Schläge mit der Hacke auf den Kopf. R. schleppte die Leich: in das nahe Kornfeld. Er öffnete dann die Kassette mit der mitgeführten Hacke, nahm das Geld zunächst an sich, versteckte Kassette und Hacke und dann das Geld. Auf Grund seines Geständnisses fand man zunächst' den Be­trag von etwa 12 000 Ml. Da aber nach den genauen Listen 40 000 Mk. in der Kassette waren, schienen die Angaben, daß R. noch einen Mordgesellen gehabt habe, glaubwürdig, doch haben sich die nach verschiedenen Richtungen ge­

führten Untersuchungen nicht Beftätigt. Au) dem Transport nach Fürth gab 3akvb Roßmann dem Gendarmen ein weiteres Versteck an, so daß jetzt etwa 29 000 Mk. zur Stelle sind: es fehlen no(f> ettoa 1011 000 Mk. Nach den bisherigen schwankenden Aussagen des Mörders ist eine Mittäterschaft nicht unwahrscheinlich, der Verdacht spricht besonders gegen den älteren Bruder, der auch noch in Haft ist. Die Ermittlungen wegen evtl. Mittäter werden noch fortgesetzt.

wd. Mainz. 22. Juli. Die kürzlich in Main?, gegründete Ortsgruppe des deutsch­völkischen Bundes'ist durch eine Verfügung As hessischen Ministeriums des Innern auf ®runb der Reichsvervrdnung zum Schuh bei Republik aufgelöst worden. Die interalliierte Rhemlandkommission hat die Durchführung der genannten Reichsvervrdnung im besetzten Gebiet gestattet.

Hessen-Nassau.

Der Umbau der alten Marnbrücke.

spb. Frankfurt a. M, 23. Juli. Die Q3er* e Handlungen der Stadt mit dem preußischen Staat wegen Erhöhung der Kosten zum Umbau bei alten Wainbrücke haben jetzt zu einer Ver­einbarung geführt. Der Staat zahlt anstatt der borgefebenen 1,35 Mill. Mk. nunmehr die Hälfte der tatsächlich entstehenden Baukosten einer 14 Meter breiten Brücke an die Stadt. Die Bau­kosten stellen sich heute auf etwas mehr als 50 Millionen Mark. Die Bauarbeiten, die feit mehreren Jahren wegen dieser Finanzstreitig- keiten ruhten, werden jetzt mit allem Nachdruck aufgenommen. Noch in biefem Jahre sollen die meisten Pseilerfundamente fertiggestellt fein. Dis zum 1. Dezember hofft man den sog Müller­main wieder offen zu haben. Der Gesamtbau dürfte dann in knapp zwei Jahren beendet sein Ob dann die 50 Millionen Mark reichen?

Der abgelehnte Schiedsspruch.

spd. Franks urt a. M, 23. Juli. Die kaufmännischen Angestellten haben die ihnen vom Schlichtungsausschuß für den Monat 3uli zugebilligte Gehaltserhöhung als zu niedrig einstimmig abgelehnt.

Jahrhundertfeier.

fpd. Da d Ho m b u r g v. d. H., 23. Juli. Hier tourbe heute die 300jähr. Wiederkehr der Gründung derLandgrafschaft Hes s e n- Homburg durch Festgottesbienst und schlichter Festfeier in der ehemaligen Schloßkirche und dem Museum feierlich begangen. Der erste Landgraf war Friedrich I., der die Landgrafenschaft durch einen Vertrag von seinem Bruder, dem Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt, erhielt und nach einer Regierung von 1h, zum Teil äußerst drang- vollen Kriegsjahren, im 54. Lebensjahr- 1638 ver­starb.

*

j| Gladenbach. 22 Juli Am Donners­tag wurde bet dem Bahnübergang bei Erdha isrn der Einwohner Hvh. Gg. Rauh aas Morns­hausen mit feinem Fuhrwerk überfahren. R ist jetzt infolge der Verletzungen gestorben.

Königsberg am Dünsb^rg, 22. Juli Gestern wurde die elektrische Leitung eingeschaltet. Die Bürgerschaft veranstallete aus diesem An­lasse eine sogenannte Lichtkirmes. Unser Ort ist an das Elektrizitätswerk Marburg an geschlossen. Auch die Nachbarorte Hohensolms, Erda und Altenstädten haben dieser Tage elektrische Be­leuchtung erhalten.

Ji Marburg, 22. Juli. Hier mißte em Einwohner, der durch gerichtsseitige Anird» nung hin die Wohnung räumen sollte, unter Anwendung von Gewalt aus derselben entfernt werden. Als der Hausbesitzer mit dem Gerichts­vollzieher erschien, gab er einen Schuß ab. Die durch Schutzpolizei verstärkte hiesige Polizei, die das Haus umstellt hatte, drang bann mit Gewalt in dieses ein und nahm den Mieter und seinen Sohn in Schutzhaft, während die übrigen Fa­milienmitglieder anderweitig untergebracht toir- ben. Eine vor Aufregung erkrankte Tochter wurde von der Sanitätskolonne geholt. Der Gerichts­vollzieher ließ dann die Wohnung rn imon.

Kirche und Schule.

Die Feier des 75jährigen Be­stehens der hessischen Realschule zu Oppenheim am Rhein fand am 19. 3uli statt. Die Begrüßungsrede des Studiendirektors Görtz, die Ansprachen der Vertreter der ver­schiedenen Aemter und der alten Schüler, die Ge­dichte, Lieder und Tänze, die von den Kindern zur Darbietung gebracht wurden, nicht zuletzt endlich der stürmische Beifall, der jedesmal ein» setzte, wenn der deutsche Charakter der Veranstal­tung betont wurde, alles zeigte mit zweifel- freier Deutlichkeit, daß hier und im ganzen Kreise das Liebeswerben der Besatzung wie bic Machen­schaften der Sonderbündler auch nicht die Spur eines Erfolges zu verzeichnen haben. 3a, es schien ben auswärtigen Gästen, die alte Be­ziehungen zur Schule aus dem unbesetzten Ge­biete nach der Feststadt geführt hatten, daß man unter dem Druck und Zwang der fremden Herren deutscher denken und fühlen gelernt habe, als es früher und als es im übrigen Deutschland oft der Fall ist. Die Beteiligung früherer Lehrer und Schüler sowie der Bürgerschaft war äußerst lebhaft. Mit der Vertretung des Landesamtes füi das Dildungswefen war Oberschulrat Ge­heimrat Dr. D o r f e l d beauftragt, dessen zwölf­jährige Direktorentätigkeit in Oppenheim noch in aller Erinnerung steht. Von den schriftlichen Festgrüßen erregte vor allem der des früheren Finanzmmisters Dr. Becker lebhafte Freude, weil er eineBeckerstiftung" für Handwerker­söhne, die die Realschule besuchen, in Höhe von 25 000 Mk. ankündigte. Eine starte Stütze für die zur Zeit von 218 Schülern und Schülerinnen besuchte Anstatt wird künftig der am Festtage begründeteVerein ehemaliger Oppenheimer Realschüler" bilden, dessen Vorsitz Weingroh- händler O. S i 11 m a n n übernommen hat.

Vermischtes.

Ein AutomobilunglLck.

Be r l i n, 24. 3uli. Auf 'ber Chaussee Ebers- walbe-Derlin stieß ein A u t o m o b i I, als es einen anderen Wagen überholen wollte, gegen einen Daum. Die Insassen, zwei Herren und zwei Damen, wurden kopfüber aus dem Wagen geschleu^ ' bert. Der Steuermann des Wagens -erlitt einen* schweren Schädelbruch und wurde in hoffnungs­losem Zustande in das Eberswalder Krankenhaus gebracht. Die anderen Insassen erlitten leichtere Verletzungen.