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bem sich irgentein (Segen Haiti) verbergen mochte. Mit der Annäherung an den Moorrand schien ihre Waghalsigkeit noch zu wachsen. Hinter ihren Tritten hörte man das Glucksen und Plankern der aufgerührten Wassertümpel. Don Scholl» zu Scholle sprang sie ans Land.

Dort sank sie erschöpft nieder. Mit ein paar Sähen war Heiner bei ihr. Er umschlang die kauernde Gestalt und Tünte stürmisch den Hals, der über dem Tuch sichtbar war. .Lene! Lene!" ju­belte er. ..ich wußte ja, daß ich dich finden würde- Mein Herz betrog mich nicht!"

Ein Iubelschrei und ein Sturz ans Herz. Ein langes inniges Sichamfangen halten. Lenes Kopf ruhte an Heiners Brust und wieder der Seligkeit! lag seine Hand auf ihrem Haupt, wie eine Krone aus LiÄresglück.

Er forschte in den Zügen, die schmal und Platz geworden waren. aus Wintersnot oder Srhn- suchtsgram? er wußte es nicht. Er kützte leite die Augensterne, dir aus b*n Schatten, dre sie jetzt umgaben, strahlender denn je hervortraten. Aber die herbe Kindersüßigkeit war aus ihrem Gesicht gewichen. Dafür machte es ein Zug ver­haltener Innigkeit fraulicher als sonst. Im ersten Bausch des Wiedersehens beachtete er nicht, wie ängstlich sie das Bündel, das sie trug, vor dem Ungestüm seiner Zärtlichkeit zu schützen suchte Plötzlich stemmte sie die Arme gegen ihn und schob ihn von sich weg. Beide Hände auf das Bündel gelegt, stand sie vor ihm.

.Bat, was ich da drin hab'l fragte sie. Ihre Augen fun!elle.i wie zwei -re'idenfeuerlem.

Heiner wußte nicht zu raten.

.So was Zeines hab 'ich dir mitgebracht!" jubelte sie. »Rat's doch!"

Hub als er unwissend den Kopf schüttelte, fing sie an, mit zitternden Händen an ihrem Brusttuch herumzunesteln. Sie schlug es aus­einander und hielt ihm. glühend vor Inbrunst, ihr neugeborenes Knäblein hin.

In sprachloser Ueberrafchung starrte Heiner das schlafende Menschlein an. das mit faltigem Grotzvatecgesicht Inmitten von Lumpen lag. Das Bad seiner Gedanken stand still. Er hatte das Gefühl, irgendwie handeln zu sollen, Boch konnte er nicht. Er tarn über die lächerlich nebensäch­liche Vorstellung. datz das Menschlein sehr klein, kaum zwei Hände voll war. nicht hinaus, Und selbst diese Feststellung erfolgte mit einer merk­würdigen Unpersönlichkeit, gerade, als ob em fremdes Auge, nicht das felnige sie vermittele. Unb dazwischen sah er das Bilo seiner Mutter, die daheim auf der Pfarrburg den Eintritt einer Tochter, nicht den eines Enkels erwartete . . .1 In qualvoller Zudringlichkeit teerten dieselben Gedanken wieder und wieder, ohne datz er fähig gewesen wäre, sie in einen vernünftigen Zu­sammenhang zu bringen.

Lene erblaf-te. Ein Anklang an Längst- vergangenes fuschte ihr durch den Sinn wie em schwarzer Bogel, der die Sonne verdüstern will: Einst stand vor einem Budel Dörfler etn wrg- müdes Kind, ein Fläschlein in der Hand und ein blutig getretenes Herz in der Brust . . .

Aber Lene bezwang sich. Sie hob nur das Kind noch höher zu Heiner auf. .Küss' es doch!" forderte sie gepreßt.

Mechanisch nahm Heiner das Kind aus ihrer Hand, berührte seine Stirn und gab es ihr mit einer überstürzten Bewegung zurück.

unb wir alle verarmt und nahe am Bettelstab seien. Die Bicsenzahlen unterer Ausfuhr seien trügerisch- wir seien gerade in erster Li e aus den Export angewiesen.

Abg W i e la n b (Dem ) fordert Abb:a, min­destens aber eine vernünftigere Handhabung der Aultentzand l^kontr Ile. CK ebner wünsht außrr- bem erhebliche Steigerung ler Kohl'nproduttivn. schnelleren Abtransport der Lagerbestände von Kohlen und Koks. Ansammlung von Lagervor­räten in Süddeutschland und Derbesserung der Qualität der Äol k.; 1 ur<b Verringerung des Stein- und Aschengehaltes.

Abg. K a r t h a u s (Ztr.) beklagt die Blind­heit. mit der die Masse des Volkes unserer elen­den wirtschastlichen Lage gegenübersteht und die es verhindere, datz eine wirtschaftliche Einheits­front zustande komme. Der Bedner wendet sich gegen den Ei iflutz der Kartelle und Syndikate aus die Preisbildung. Die Grotzhandelssyndikatc wirkten wie eine private Zwangswirtscl)ast. Auch beim Zucker wollen wir keine Zwangswirtschajt, ober man sollte auch uns nicht zwingen, sie derbeizusehnen. Redner protestiert gegen die For­derung der Zuckerwirtschaftsstelle, den Aus.ai'.ds- zucker zu besteuern, da im gleichen Augenblick aller Inlandszücker zu AuSlandszucker werden wurde. Der AuSlandszucker sollte nur zu gewerb­lichen Zwecken cingeführt werden dürfen. Redner bespricht die Kreditnot des gewerblichen Mittel­standes, bedauert den Rückgang des deutschen Kunst Handwerks und kommt auf die Lehrlings­frage zu sprechen, die er nicht politisch, sondern rein erzieherisch zu behandeln bittet. Der Lehr­ling soll sich als Lehrling fühlen, lftcht als Mit- glieb eines Diskutier Hubs. (Lärm links: Beifall bei den Mehrheitsparteien.)

Abg. Hölle in (Komm.): Die Arbeitslosig­keit der 'Hielt wird immer weiter um sich greifen, wenn der Menschheitsstandpunkt nicht auch im Wirtschaftsleben zur Geltung kommt. Der einzige Hinderungsgrund ist aber der Kapitalismus. Den verschuldeten Staaten fehlt im rechtem Augenblick der Mut zur Erfassung der Sachwerte. Der Red­ner protestiert gegen die Forderung der Schutz­zölle, gegen die Angriffe auf den Achtstundentag und die Forderung von Überstunden im Berg­bau. Auch für die Rot der Presse ist nichts ge­schehen. Der Papierpreis ist um das Doppelte gestiegen. Stinnes weih, warum er den Dampfer Legten tauft.

Abg. Diener (Dntl.) begründet die Inter­pellationen der bürgerlichen Parteien, dem sich das Zentrum angeschlossen hat. über das L-chr- lingswesen. Gefordert wird Erha' tu >g der 'M 1- sterlohre, Ausbau der Innungsbefugnis e Hand­werks» und Gewerbekammern und paritätische Be­teiligung der Gesellen bei der Regelung des Lehr-- lingswesens. Die Interpellationen sprechen sich gegen die Versuch: *v?r tarifvertraglichen Rege­lung des Lehrlingswesens aus.

Staatssekretär M ü r s ch: Die Reichsregie­rung begrüßt die Maßnahmen der Selbsthilfe, die der gewerbliche Mittelstand getroffen hat und wird sie unterstützen. Das bn Entwurf gestellte Gesetz wlll das Lehrlingsverhältnis und die Be­schäftigung jugendlicher Arbeiter regeln. Die Handelskammern, die Handwerkskammern und Landwirtschaftskammern sollen die höheren Bestimmungen des Lehrverhältnisses un­ter Mitwirkung der Arbeitnehmer regeln. Der Lehrlingszüchterei soll entgegengetreten wer­den. GelegenhÄt zur Lehrlingsprüfung solle ge­geben werden. Erzieherische Beeinflussung des Lehrherrn muh in Anlehnung an die heutigen An­schauungen gewahrt bleiben, jedoch darf körperliche Züchtigung nicht möglich fein.

Im Laufe der Debatte sprachen die Abgg. Haavemann (D. Vpt.) und Sievers (Han­noveraner) sich im Sinne der Interpellativnsfor- derungen aus, während Abg. Krüger (S.) und Frau Wurm (US.) gegen die Lehrlingszüchterei Front machen und gegen die Aufrechterhaltung der alten überlebten Verhältnisse protestierten.

Damit schlieht die Hauptaussprache und die Besprechung der Interpellationen.

Rachdem ekne Reihe eknzelner Kapitel an­genommen sind, vertagt das Haus die Weiter- beratung auf morgen Vormittag 11 Uhr. Außer­dem: Finanzetat.

Schluß nach 7 Uhr.

Derlin, 23. Mai. (MTB.) Der A e l t e ft e n- ratdesReichstages beschloß, daß der Aus­wärtige Ausschuß am Freitag vormittag und Sonnabend vormittag Sitzungen zur Besprechung der Konferenz von Genua abhalten wird. An die­sen beiden Tagen soll im Plenum die zweite Lesung des Etats beendet werden. Die große politische Aussprache im Plenum wird voraussichtlich am Rlontag und Dienstag der nächsten Woche ftatt- finden, bei der auch der deutsch-polnische Vertrag über Oberschlesien und der dänische Handelsver­trag zur Erledigung gelangen werden. Am 31.Mai

Nr. 2\

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ivberhessen)

Vereine

(Rachdruck verboten.)

21. Fortsetzung.

t»mklhast Nein, ein Etwas, das Heiner vordem rriht bemerkt teetft» (Srft allmählich ließ es sich

iucht bemerkt hotte. Erst allmählich lietz es sich c '.tscherden, daß es ein menschliches Wesen war.

scheÄL 'n. Gegen Leloh- biuneben. Di® :uen Laue 2911

DieSakramentshex

Roman von Marie Kerfchen st einer.

sich wohl in der Tendenz zum Steigen oder doch wenigstens zur (relativen) Stabilisierung der Preise. Dies wird besonders insofern segensreich wirken, als es die Zahl der möglichen Lohn- iämpfe mit ihren verhängnisvollen Rückwirkun­gen aus die Geschäftsgestaltung verringern wird, zum wenigsten so lange die Bereitwilligkeit des Publikums, sich in die festeren Preise zu finden, nicht überschätzt wird.

Die Eifenbahnen haben trotz der gegenüber dem letzten Jahr geringeren Betriebseinnahmen erfreuliche Steigerungen ihrer Rettoernnahmen er­zielen können und zwar durch die Durchführung von Einsparungen. Diese gesteigerten Einnah­men haben es ermöglicht, sich in gewissem Um­fange auf den gesteigerten Verkehr vorzubereiten, auf den man in der Folge einer weiteren Bes­serung der Geschäftslage meint rechnen zu kön­nen. Es ist dementsprechend eine starke Zu­nahme der Antäufc von Eifenbahnmaterial zu beobachten gewesen.

Die auffällige Zunahme von Reu bauten darf als besonders bedeutsam bezeichnet werden, toeu die jetzige, lebhafte Bautätigkeit ihren Ausgangs­punkt schon in den toten Monaten hat. Der Wert der in zwanzig erften Städten der Union erteilten Bauerlaubnifse belief sich auf insgesamt 178 000 000 Doll, für Januar und Febrar, das sind allein für 8 000 000 Doll. Dauerlaubnisse mehr, als im ganzen ersten Quartal 1921 in denselben Städten zur Ausgabe gelangt sind. Die in den 27 Staaten des Rordostens tm ersten Vierteljahr 1922 abgeschlossenen Baukontrakte ha­ben gegenüber dem gleichen <).iträum des Jahres 1921 ehren Mehrwert von 63 Prozent, und schließ- lich sind nach mehreren übereinstimmenden Schätzungen die Ausgaben für Baumaterialien im Monat März gröber gewesen als überhaupt je in einem früheren Monat der amerikanischen Geschichte.

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Deutscher Reichstag.

217. Sitzung, vormittags 11 Uhr.

Berlin, den 23. Mai 1922.

Aus der Tagesordnung stehen zunächst An­fragen. Auf eine Anfrage der Kommunisten wegen Auslieferung des italienischen Kommu­nisten Doldrinj und der Verhaftung der Italiener Ghezzi und Dachi wird regierungsseitig erwidert, Auslieferung sei auf Grund des mit Italien be­stehenden Auslieferungsvertrages wegen Mordes erfolgt. Die Frage, ob es sich hier um ein poli­tisches Verbrechen handele und Doldrini das Asylrecht zu gewahren sei, sei nach eingehender Prüfung verneint worden. Die Schweiz nehme übrigens den gleichen Standpunkt ein und habe deshalb den Durchtransport gestattet. Die Ver­haftung von Ghezzi und Vachi sei richtig. Im ersteren Falle liege die Frage der Auslieferung den preußischen Behörden zur Beschlußfassung vor. Der Italiener Vach? habe ein Dombenatten- tat und weitere Straftaten begangen, über die das Material noch nicht vorliege. Ob das Ausliefe­rungsbegehren begründet sei, werde die Prüfung ergeben.

Rach Erledigung weiterer Anfragen wird die Beratung des

MrtschaftSetats fortgesetzt in Verbindung mit den Interpella­tionen über den Warenverkehr aus dem besetzten ins unbesetzte Gebiet unb über die Regelung deS Lehrlings-- wesenS tm Handwerk.

Abg. Simon- Franken (USP.) meint, wenn es so schwer sei, Lehrlinge für das Hand­werk zu bekommen, so liege das daran, daß das Handwerk immer mehr zurückgehe und für die Zukunft keine rechte Existenz mehr btete; gehe ja auch die Bezahlung der Gehilfen ständig zu­rück. Redner wendet sich dann gegen den Ruf nach der freien Wirtschaft. Schon jetzt seien alle Be­fürchtungen bei weitem übertroffen. Das Ge­treide .habe den 86fachen Stand des Friedens­preises erreicht und der allgemeine Ausverkauf treibe uns der Katastrophe um so schneller ent­gegen. Augenblicklich habe das Steigen des Dol­lars sie noch einmal aufgeschoben, aber sie komme mit Sicherheit, und dann versinke alles, vor allem die Arbeiterschaft, in einem Meer von Elend. Die Annahme, man könne unsere Produktion durch Verlängern der Arbeitszeit retten, sei ein Irr­wahn, aber der Uebermut und Machtkitzel der Arbeitgeber sei inzwischen schon wieder so ge­wachsen daß sie glaubten, den Arbeiter wieder zur Arbeit zwingen zu können. Redner Protest-rct schließlich gegen das Arbeüszeitgefeh im Berg­bau und fordert dessen Sozialisierung.

Abg. Gildemeister (D. Vp ) betont, daß man sich den wirtschaftlichen Problemen gegen­über nüchtern und sachlich aus den Boden der Tatsachen stellen müsse. Aich die Regierung der Erfüllung müsse mit der Tatsache rechnen, daß unsere wirtschaftliche Entwickelung rückwärts gehe

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bei in langsamer Fortbewegung auf den Wald i^ibieU. Heiner war es. als ob eine kalte Hand un sein Herz griff. Die Augen beschattend, ber- fxlgte er in äußerster Sparr,rung das Räher- fimnren des wllkühnen Wesens, das er schließ­lich als Lene erkannte. Einen Augenblick fühlte läi) Heiner hin und her geworfen zwischen den Polen seines Gemüts, aber das heiße Glücks- : g-ksühl verschwand unter der lähmenden Angst, Ifrte ihn erstarren ließ. Behutsam trat er ms Jungholz zurück, damit sein Anblick sie nicht der inneren Sammlung entrisse, ohne die sie ver­loren war.

Jetzt unterschied er, daß Lene den Rock hoch «fgeschürzt trug. Streckenweise rückte sie. mit Den Füßen vorsichtig tastend, in unregelmäßigem Zickzack vorwärts. Zuweilen blieb sie un chlüssig stehen, den Boden ihrer Umgebung prüfend. Dann Zersprang sie in einem großen Sah die Wasser- fl<che und schob sich wieder mit der gleichen Erficht fort. Run war sie so nahe, daß Hemer nrf ihrem Gesicht die wilde Entschlossenheit lesen tonnte, die sie führte. Er sah auch, daß ne eia Tuch über die Brust gekreuzt trug, unter

Die geschäftliche und finanzielle Lage in den DereinigtenStaaten. Don Francis H. Sisson, Vizepräsident der

Reuyorkec Guaranty Trust Eompany.

(F. P. S.) Der derzeitige Bergarbeiterstreik tn den Vereinigten Staaten birgt Mögiichteilcn wn großer wirtlchaftlicher Tragweite in seinem öchohe und kann sehr wohl, wenn er sich noch äuget hinzlehen sollte, die Besserung tn der Lage Ser Industrie, die sich feit einiger Zeit langsam ingebahnt hatte, ernstlich gefährden: gleichwohl -outen alle neuerlichen Entwicklungen daraus hin, raß dieser Fortschritt anhalten wird, ohne frei- ich für den Augenblick mehr als einen verhält­nismäßig hoffnungsvollen Ausblick zu rechtserti- jen. von einemboom" gar nicht zu reden. Man 11t deswegen auch am besten, den Umfang deS ei-,«gen und künftigen Fortschritts nicht aus- chliehllch auf Grund einzelner fortgesetzt gün- rtger Faktoren, fonbern vorsichtig nach dem ckeberwiegen der günftigen Momente über die ngünstigen zu bemessen.

Die wirllich faßbaren Anzeichen einer Bessr­ung in der Geschässtslage sind die stärkere Be- Käfligung in der Stahlindustrie, die bessere Lage Bvr Eisenbahnen und die Belebung der Dert- vgpiermartte. Diese Besserung hat aber dazu ge- fjbrt, daß Industrie- und Bankkreise darüber eicht nur die höchst bedenkliche Lage gewisser Industrien, sondern auch das Vorhandensein gro­ßer Vorräte, die ungewissen Absatzmöglichkeiten Für mancherlei grundwichtige Artikel und, was .on allem vielleicht das Wichtigste ist, die Un- cherheit der außenpolitischen Lage übersehen Faben.

Die lebhaftere Geschäftstätigkeit seit Iahres- 1 ginn trägt natürlich teilweise Saisoncharakter. Die tm Februar und ausgesprochener noch im QUära feftgcftellte größere Aktivität war vielleicht Mi einem großen Teil bedingt durch die Drohung ritt dem Kohlenbergarbeiterstreik. Dies spiegelt 1 ch besonders in den grundlegenden Industrien nb im Eisenbahnverkehr wieder. Es ist schwer, j itzt zu beurteilen, wie weit diese gesteigerte Aktivität auf ein bloßes Sichbeeilen angesichts 'es drohenden Streiks zurückzuführen ist, und in­wieweit sich ein Sicheindecken für das schließ- 1 che Heraustreten des Konsumenten aus seiner Aeserve bedeutet. Jedenfalls zeigt die gegenwär- Ligc Prvduftivn der Stahl-, der Automobil- und rjiiger anderer Industrien einen ileberfdjufj über öen laufenden Bedarf, der zu einem guten Teil . xr Auffüllung der reduzierten Bestände bestimmt f«m wird.

Eine Zunahme der Produktion tn der Stahl­industrie von 40 Prozent der Leistungsfähigkeit .Anfang des Jahres auf 75 Prozent gegen An- i<ng Mai darf in einer Zeit wie der jetzigen nicht ikberfeben werden. Die seit Monaten zunehmend |t(b bessernden Einnahmen der Eisenbahnen, bei txnen an dje Stelle von Defiziten erhebliche Rein- dttohnie getreten sind, wirken erheblich mit zur Äsung eines der beunruhigendsten Probleme, die der Volkswirtschaft der Union aus dem Krieg er­wachsen sind. Daß Zertiftkate des Schatzamts zu >1'2 Prozent (dem seit September 1917 niedrigsten -mssah) Überzeichnet worden find, läßt die viel leichtere Kreditlage erkennen, Die sich auch aus- zcich: in der weitgehenden Flüssigmachung des »mdesreserve-Svstems mit dem gleichzeitigen Steigen der Goldreserve und der Reserven all» xanetn.

Die Anzeichen, daß relativ ftabile Preise in 1 gehbarer Zeit sich herausbilden werden, hat viel ^-izu beigetragen, das Vertrauen der Käufer wie- ö-erherzustellen. Das Steigen der Preise für land- i tiDtrtschaftliche Srzeugnrsie, zunächst für Baum­wolle und dann auch für Getreide unb Vieh, be­tautet für die Farmer die Rettung vor großen Verlusten an ihren Vorräten: es hat weiterhin Hre Kaufkraft gestärkt, den Bankkredit vor allem in Süden und Westen durch die Rückzahlung von 1 Darlehen aus feinerErstarrung" befreit, hat mancherlei Mißvergnügen infolge der ungerechten Ccci8geftaltung beseitigt und schließlich auch ver- bütet. daß zum Schuh der Farmer geplante, höchst bchenlliche gesetzliche Ma^iahmen zur Annahme g> Hängten.

Feinerhin hat die Besserung fast aller euro­päischen Valuten (mit Ausnahme der zentral- enropäischen) den auswärtigen Käufern wieder ebnen Anreiz gegeben, amerikanische Erzeugnisse eknzukausen, und hat dazu beigetragen, die Preis­unterschiede auszugleichen, die den amerikanischen Außenhandel so schwer beeinträchtigt hatten.

Als eines der haaptsächllchsten Erfordernisie erwartete die amerikanische Inbustrie die Her- ß tllung eines richtigen Verhältnisses zwischen «llroduktionskosten und den Lebensunterhalt>lngs- taflen. Der erste Schritt dazu war der Preis- > ridgang, auf welchen die Herabsetzung der Löhne , gefolgt ist. Daß dieser Ausgleich weitergeht, zeigt

über neto^ nte.

Sehr enttäuscht strebte er schließlich einer Znhöhe zu, um von dem erhöhten Sta.ndpunkt aus tod Gelände noch einmal zu übersehen. Lind liehe! Am Rand des Horizontes zeigte sich.

Wm»

ntnelf«br«a9-

Mittwoch, 24. Mat (922

soll die dritte Lesung des Etats im Plenum stattfinden.

Berlin, 23 Mai. (WTB.) 3m HauShallS- ausschuh des Reichstages wurde der P e n s i 0 nS- kür^ungsgesehentwurf angen mm n, der bestimmt, daß den RuhegehaltSempsängem, die ein steuerbares Emloininen außerhalb des ReichS- oder ^andesdienstes beziehen, daS Ruhegehalt einschlteßlich des Teuerungs uschlages entsprechend gekürzt wird, wobei aber ein Arbeitseinkommeit bis zur Höhe von 60 000 Mark bei der Kürzung unberücksichtigt bleibt

Die Auskunftspflicht für die Umsatzsteuer.

Von der Handelskammer Gießen wird uns geschrieben:

'Bekanntlich haben in letzter Zeit mehrere hessische Finanzämter tm Einvernehmen mit dem Landes-Finanzamt Darmstadt die Au forberung an eine größere Anzahl Gewerbetreibender er­gehen lassen, innerhalb einer meist kurz bemes­senen Frist Lieferanten- und Kunden-, Waren-, Mengen- und P.viöverzcichnis c einzureichen. Im Falle der nicht rechtzeitigen Einreichung wurde Destralung gemäß 8 202 der Reichsabgaden- Ordnüng angedroht In einer ganzen Reihe von Fällen wurden trotz der Defchwerde der Be­teiligten nicht nur einmal, sondern wiederholt Ordnungsstrafen verhängt. Alle Vorstellungen der hessischen Handelskammern, in denen nach- getoiefen wurde, daß das Vorgehen der Steuer- dehördcn an den vorhanden-m gesetzlichen Be­stimmungen keine Stütze finde und deshalb un­gesetzlich sei, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Run hat eine Firma die Beschwerde bis zum Reichsfinanzhof durchgefochten, der am 21 April 1922 die Verfügung des betreffenden hessischen Finanzamts nicht nur ausgehoben, son­dern auch das Vorgehen der Steuerbehörden als Mißbrauch bezeichnet hat. Die Entscheidung deS Reichssina.z:,oss ist wie folgt begründet:

Die Entscheidung hängt allein davon ab, ob 8 177 Absatz 1 der Reichsabgabeordnung dem Finanzamt die Befugnis gibt, zur Ermittelung- von unbekannten llmsatzsteuerfällen von jedem beliebigen Gewerbetreibenden eine Liste seiner Lieserer einzufordern. Diese Frage ist zu ver­neinen. § 177 der Reichsabgabeordnung schreibt die Auslunftspflicht von Personen, die nicht Steuerpflichtige sind, für solche Tatsachen vor, die für die Ausübung der Steueraufsicht oder in einem Ermittelungsverfahren für die Fest­stellung von Steueransprüchen von Bedeutung sind. Von der Ausübung der Steueraufsicht gegen den Beschwerdeführer oder in einem Ermitte- lungsverfähren ist im vorliegenden Falle nicht die Rede: das Finanzamt geht vielmehr davon aus, daß die unbekannten Lieferer des Be­schwerdeführers nach 8 32 des llmsahsteuerge- seyes 1919 der Steueraufsicht unterliegen, da sie eine gewerbliche Tätigkeit ün Sinne des § 1 Ar. 1 des Gesetzes ausüben. Aus diesem Grunde sieht die Dorinstan^ die Fo-'d-'-nng be» Fin""i- amts an den Beschwerdeführer, seine Lie­serer namhaft zu machen, als das Verlangen nach Eingabe einer Tat|ache an, die |ür 01c Aus­übung einer Steueraufsicht von Bedeutung ist. Ebenso wie sich indessen ein Vermittlungsver- sahren stets gegen einen bestimmten Steuerpflich­tigen richtet, so beziehen sich auch die ileber- wachungsmahnahmen der Steueraufsicht in jedem Falle auf ein bestimmtes Unternehmen, daS der Aufsicht unterliegt. Bei Ausübung dieser Aufsicht kann die Steueroehörde, wie § 115 Abs. 1 Rr/2 der Ausmhrungsbestimmungen zum llmsaysteuer- gesetze 1919 richtig hervorhebt, gemäß § 177 a. a. O. auch die Kunden des beaufsichtigten Betriebes über dessen Lieferungen an sie als AuskunftS- personen vernehmen. Weller aber reicht die Be­deutung der genannten Vorschrift, soweit die Steueraufsicht in Frage kommt, nicht Die Vor» schrill macht die Auskunslspslicht Dritter zu einem Mittel der Aufsicht über den aufsichtspflichtigen Betrieb: sie darüber hinaus dcuu zu verwenden, um unbekannte Umsaysteuerfälle zu ermitteln, stellt sich als ein Mißbrauch dar, der durch den Zweck der Gesehbestirnmunng nicht gedeckt wird. Soweit Unbeteiligte verpflichtet sind. Finanzämter bei der allgemeinen Erforschung steuerpflichtiger Fälle zu anterstühen, hat das Gesetz Sondervorschriften wie die §§ 186, 189 der Reichsabgabenordnung erlassen, die mir gewisse Klassen von Unternehmern betreffen und deren Verpflichtungen, die ihnen im öffentlichen In­teresse zur Durchführung der Steaergesetzgebing auf erlegt sind, genau umgrenzen. Auch dieser Umstand beweist, daß eine Verpflichtung aller der Steuerhoheit des Reichs unterworfenen Personen, die Finanzämter bei 'der allgemeinen Rachsor- schung nach unbekannten Steuerfällen durch Aus­künfte zu unterstützen, nicht besteht. Sowell der von der Vorinstcmz angeführte Erlaß deS Reichs-

Lenes Miene verfinsterte sich. Es lag etwa- von der früheren mißtrauischen Feindseligkeit in dem Blick, de nfie jetzt zu ihm aufhvb.

..Hast es am End' gar nll lieb?" entfuhr es ihr bart.

Und kann in werbendem Ton:Guck doch, wie nett es is! Akrat wie du sieht es her. - Guck, die [orteten Härle! So weih, gell! AIS wie ein Häslein liegt es drin!"

Und um das Kind für die Gleichgültigkeit des Vaters schadlos zu halten, preßte sie es mll doppeller Heftigkeit an ihre Brust. Da erwachte es und blinzelte mit der Blickunsicherheit des Reugeborenen ins Licht. Und Hemer sah. daß daS Menschlein die Augen ferner Lene hatte. DaS brachte ihn zu sich, verwischte mit einem Wate das Gefühl des Fremdseins gegen das Kind. Er fühle plötzlich, dtaß es fein Kind war. die Ver­körperung der seligsten Stunde feines LebenSi Rur weil er nie an die Möglichkeit einer Vater­schaft gedacht, hatte ihn die Tatsache so gänzllch überwältigen können. Jetzt nahm er das Kind unaufgefordert aus ihrem Arm, setzte sich mit ihm auf die Erde hin, küßte das eine Händchen und das andre und wieder das eine und wieder das andre. Und Lene kauerte daneben, von feinem Arm umschlossen und mit beiden Armen den Mann und das Kind umfangend. In ihrem Herzen war wieder lauter Sonne.

Und die beiden Eltern sprachen fein Wort, fühlten nur umso inniger, wie ihre Seelen in diesem dritten Wesen aneinander glühten. (Sm Funke des Lichts, das nicht von dieser Erde ist, glomm in ihrem Herzen auf, dann nahm daS Leben sie wieder in seinen Arm.

(Fortsetzung folgt)