Ausgabe 
23.8.1922
 
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Druck »Ni» Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- und Steindruck««! «. Lange. Schristleilung, Seschäftsstelle und Druckerei: Schulsttatze 7.

en Vermittler

Das Echo der Rede PoinearLs

Französische Blätterstimmeu.

Reise ausfällt.

IBicn, 22. Aug. (Wolff.) Angesichts der alle Erwartungen übersteigenden Teuerung hat die Regierung eine Erhöhung der Arbeits­losenunterstützung auf 3360 Kronen für Ledige, 4480 für Verheiratete, wozu ein Brot- zuschuh von 165 Kronen für Kopf und Tag hinzu­kommt, verfügt.

örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite5OOPf. BeiPlätz- Vorschrift 20/ Aufschlag. Hauptfchristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

streit gelang, nach lam rufsmähigeDani. des Weltverkehrs neu zu schließen.

Die Beilegung des bayrischen Konfliktes

RrJ97

Erscheint täglich, autzer Sonn- und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GietzenerFamilienblätter Monatliche vezuyspreife: Mk. 29.- und Mk. 3.- Trägerlohn, durch diePost Mk. 32., auch bei Nicht­erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüsse: für die Schrift­leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

postfchecttonto:

Frankfurt a. M. 11686.

gemacht werden, die uns

Friedensvertrag zuge-

Das Ergebnis des internationalen Telegraphisten« Wettstreites.

Berlin, 22. Aug. (WD.) Amtlich Heute empfing der Reichspräsident anläßlich des internationalen Telegraphisten-

Heutiger Stand des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 1320. IranYnrta.W. 13301340

Aus dem Reiche.

Der Staatsgerichtshof.

Derlln, 22. Aug. (WTB.) Der Reichs- justizmlnister hat den preußischen Kammer- qerichtsrat Wolff zum Untersuchungs­richter und zum Ermittlungsrichter beim Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik bestellt.

Die Altersgrenze für Beamte.

Berlin, 22. Aug. Am Freitag wird, wie die Blätter hören, im ReichsministeriuM^ des Innern eine. Besprechung mit sämt­lichen Beamtenvroanisationen, und spater mit sämtlichen Lände rregier ungen statt-

eingetreten sei.

Kommunistische Propaganda in Frankreich?

Paris, 23. Aug. Havas meldet aus F o r b a ch, in der Nähe der deutschen Grenze eien zwei Männer verhaftet worden, die versucht hätten, 47 Kilogramm Propa - gandaschriftennach Frankreich ein­zuschmuggeln. Die Druckschriften seien in der Druckerei der kommunistischen Jugend in Ber­lin hergestellt worden. Die beiden Verhafteten stammten aus Metz bzw. Homburg.

Die Berliner

Reparalionsbesprechungen.

verloren habe.

Przeglad Aieczorny" stellt fest, daß Frank­reich sich in wirtschaftlichen Fragen gegen Polen ehr zurückhaltend zeige, so daß das Interesse des polnischen Handels sich weiterhin auf Deutschland konzentriere.

W a r s ch a u, 22. Aug. (Wolff.) DieGazette Warszawska" schreibt: Die Schuld an der Ver° chlechterung der p o l n i s ch - t s ch e ch i- ch e n Beziehungen trügen die Tschechen. Der Zusammenschluß Polens mit der Kleinen Entente sei besonders wegen der deutschen Gefahr cinzu- si reden.Glos Rarodu" verlangt, daß mit dem hinterlistigen Feind und den politischen Räubern, wie den Tschechen, ein kräftiges Wort geredet werde.

Finnland.

Helsingfors, 21. Aug. (Wolff.) Die fin­nische Regierung hat in Helsingfors den akkcedi- dierten Gesandten Estlands, Lettlands und Polens Kne Rote überreicht, in der es heißt? Rachdem die Minister des Aeuhern Estlands, Lettlands, Polens und Finnlands in Warschau ein politisches Abkommen unterzeichnet hatten, wurde dem finnischen Reichstag von der Regierung eine Vorlage betreffend die Rati­fizierung des Abkommens unterbreitet. Der Reichstag teilte mit, daß diese Frage nicht end­gültig habe behandelt werden können. Weil in­zwischen die Reuwahlen zum Reichstage statt­gefunden haben, ist die Vorlage dadurch hinfällig geworden. Infolgedessen und in Anbetracht des vom Reichstag eingenommenen Standpunktes war es nicht möglich, das Abkommen finnischerseits zu ratifizieren. Die finnische Regierung hebt weiter in der Rote hervor, sie sei sich der Interessengemeinschaftzwischenden genannten Ländern vollauf bewußt. Die geographische Lage dieser Länder, ihre enge Rachbarfchafi zu Rußland sowie die dadurch be­dingten politischen, ökonomischen und militärischen Interessen hätten zu einer vertrauensvollen Zu­sammenarbeit Anlaß gegeben, die, was Finnland anbetreffe, auch fortgesetzt werden solle. Die Re­gierung sei ferner davon überzeugt, daß alle ; Staaten zur Festigung des allgemeinen Friedens , am besten dadurch beitragen könnten, daß sie, i unter Beachtung der Interessengemeinschaft und - den leitenden Grundideen des Völkerbundes fol- . gend, ihre Selbständigkeit behaupten

Wettstreites das internationale Preisgericht owie die Sieger im Wettstreit. Der Ehren­vorsitzende des Preisgerichts. Staatssekretär Bre­dow, hielt namens der Teilnehmer an dein Wettstreit eine Ansprache an den Reichspräsiden­ten. in der er die Bedeutung der Veranstaltung für die zukünftige Entwicklung des internationalen Rachrichtenverkehrs hervorhob und mit'eilte, daß der vorn Reichspräs dutten gestiftete Meister­schaftspreis an Oesterreich und die bei­den Länderpreise an Italien und Deutsch­land gefallen sind, während von den 6 Großen Preisen Italien, Spanien und Däne­mark je einen, Deutschland drei erhielten. Seine Ansprache schloß mit einem Dank an den Reichspräsidenten für die Aebernahme des Pro- tektorats mit der Aeberreichung der vom Reichs - postminister gestifteten Erinnerungsmedaille. Der Reichspräsident dantte, indem er die hohe Bedeutung des telegraphischen Rachrichtenverkehrs für die wirtschaftlichen, kulturellen und politischer Beziehungen der Völker hervorhob und es mt Ank begrüßte, daß es diesem friedlichen V^tt- streit gelang, nach langer Gntfiemdung das be-

können. *

Unterdessen setzt die Krone und mit ihr Deutschösterreich den rasenden Abstieg un­aufhaltsam fort. Wemr das Pfund an der Wiener Börse mit 33 600, der Dollar mit 75 500 und der Schweizer Franken mit 16 000 Kronen notiert wird, so entspricht das jn keiner Weise der wirklichen Entwertung der Krone; denn fremde Devisen sind in Wien überhaupt nur sehr schwer zu haben und werden im illegetimen Handel zu weit höheren Kursen bezahlt. Dec Bundeskanzler Seipel hat daher in Prag mit Recht erklärt, daß bei den stets steigenden Preisen der auslän­dischen Valuten und bei einem Drvtpreis von 4190 Kronen Zweifel berechtigt sind, wie lange wir es noch ertragen können. Sind doch laut amtlicher I Feststellung in der Zett vom 15. Juli bis zum 15. August die Preise durchschnittlich 124 Pro­zent gestiegen, und sie steigen fortwährend weiter. Wenn man jetzt noch für ein Pfund Schmalz 18 bis 20 000 Kronen, für ein Paar Schuhe eine Viertel- bis eine halbe Million, und für einen Anzug einen Million Kronen oder mehr bezahlt, dann können diese Preise morgen schon überholt fein. Gehen sie doch jetzt schon trotz des Tief- siandes der Krone fast durchweg weit über die ] Weltparität hinaus, was nicht Wunder nehmen kann, da Oesterreich dadurch, daß man ihm durch die Abtretung Böhmens an die Tschecho-Slowakei seiner wichtigsten RvUtofigebiete beraubt hat etwa zu drei Viertel seiner Bedürfnisse, auf die Cif ihr arg w efen ist.

Eine Zeitlang haben die führenden Kreise in Oesterreich alles Heil von der Gründung der Roten bank erwartet. Aber einmal hapert es

Staatsangestellten, die schon jetzt auf über 1101 Milliarden Kronen im Monat angeschwollen sind, gedeckt werden, wenn nicht Roten gedruckt oder aber Kredite gewährt werden?

Der Beschaffung solcher, wie überhaupt dem Verlangen nach wirtschaftlicher Hilfe gilt die Rundreise des Bundeskanzlers Sei-I p e l, der sich zuerst nach Prag und dann nach Berlin begeben hat, und auf dessen weiterem Reisevrogramm noch Rom steht. In Prag hat man die Zusage gemacht, daß die bewilligten Rest­kredite in Höhe von etwa 400 Milliarden öfter-1 reichischer Kronen nunmehr flüssig gemacht wer­den sollen. Ebenso gilt der Aufenthalt in Berlin nicht etwa politischen, sondern rein finanziellen und wirtschaftlichen Zielen, da die Anschlußfrage angesichts der Haltung der Entente wieder in weite Ferne gerückt ist. Es ist bemerkenswert, daß man in Prris ebenso besorgt wie wegen des , Aufenthaltes Seipels in Berlin über die an- > geblich geplante Zollunion mit Italien ist, die I von Rom aus betrieben w-ttd, um eine Einbeziehung Deutschösterreichs in die Macht­sphäre der kleinen Entente zu verhindern. In Deutschösterreich aber beschäftigt man sich zur Zeit mir mit drei Fragen inhaltsschwer: Was wird Seipel heimbringen, wie tief wird die Krone sinken? und was wird aus Oesterreich werden?

Der österreichische Bundes­kanzler Dr. Seipel in Berlin.

Berlin, 22. August. (WTB.) Der öster­reichische Bundeskanzler Dr. Seipel traf heute nachmittag gegen 6 Ähr in Berlin ein. Er wurde vorn Reichskanzler. Staatssekretär von Simson und Geheimrat Rümelien vomAus- toärtigen Amt empfangen.

Berlin, 22. Aug. (WTB.) Der Reichs­präsident hat heute abend 7 Uhr den öfter- .reichlichen Bundeskanzler Seipel und den Finanzminister S e g u r sowie dm österreichischen Gesandten in Berlin, Riedl, empfangen.

, Wien, 22. Aug. (WTB.) Bei dem Empfang ,ver Press« in P ra g hat Bundeskanzler Seipel,

von fciner Anlehnung an ein fremdes Reich ine Rede ist, so ist es natürlich, daß Deutsch­land zuerst in Frage kommt und im Hintergründe der Frage des Anschlusses steht. Man konnte ja auch den Anschluß legal durch Ansuchen beim Völkerbünde erzielen. Ob dies rasch geschehen würde, das ist nicht abzu­sehen; viel wird davon abhängen, wie unsere

I i l l u s o r i s ch durch den

I s i ch e r t werden.

men.

München, 22. Aug. Die Korrespon- denz Hoffmann meldet amtlich: Der Ml- nisterpräsident unterrichtete heute die Führer der Koalitionsparteien über das Ergeb­nis der Berliner Verhandlungen und über die dazu erfolgte Stellungnahme des Ministerpräsi­denten Die anschließende Aussprache ergab eine Llebereinstimmung zwischen dem Minister­rat und den Koalitionsparteien. Heber die end­gültige Entscheidung des Ministerrates erfolgt eine ausfühcliche amtliche Mitteilung im Laufe des morgigen Tages.

Berlin, 23. Aug. Der bayerische Ge­sandte von Greger ist gestern nachmittag beim Reichskanzler erschienen und hat ihm die Zu­stimmung der bayerischen Regierung und der Koalitionsparteien zu dem Ergebnis der Berliner Verhandlungen mitge­teilt.

Ein Protest der Strahburger Handelskammer gegen die

Retorsionsmatznahmen.

P a r is. 22. Aug. (WTB.) In den Morgen- zettungen wird nachstehender Protest der Straßburger Handelskammer gegen die Retvrsionsmahnahmen veröffent­licht: Laut der Entscheidung des Generalkom­missars vom 5. August wurden in allen elsaß- lothringischen Banken die deutschen Staatsange­hörigen gehörenden Guthaben und Werte ge- sperrt. Die Maßnahme trifft alle Deutschen ob sie in den drei Departements ober außerhalb wohnen Die Handelskammer glaubt die Auf- merksamkeit des Ministerpräsidenten auf die schädlichen Wirkungen dieser Maß­nahme für Handel und Industrie un­seres Landesteiles lenken zu müssen Sie hatte in der Tat zur Folge, daß einerseits die deutschen Zahlungen für elsaß-lothringische Waren einge­stellt und so die in Artikel 68 des Friedensver­trages vorgesehene Ausfuhr unterbunden wurde und daß anderersetts der Geschäftsverkehr von den elsaß-lothringischen Banken abgelenkt wurde, zu Gunsten der ttn Innern des Landes gelegenen Banken die ihre Handlungsfieiheit gegenüber Dem Ausland behielten. Die Handelskammer verlangt nachdrücklichst, daß unver­züglich diesem Zustand ein Ende ge­macht werde, der die Wiedererlangbm De­partements gegenüber denen im Innern benach­teiligt und ersucht, die fragliche Maßnahme zum ; mindesten auf die in Frankreich wohnhaften Deute jchen zu beschränken, damit nicht jene □orteiU

Die Politik der Randstaalen.

Polen.

Warschau. 22. Aug. (Wolfi.) DerÄurjer Polski" sieht die politische Lage als günstig ür Polen an, insofern, als Frankreich durch eine Verständigung mit Deutschland die Initiative zur politischen Ordnung des Kon­tinents ergreife, während Rußland an Bedeutung

Paris. 22. Aug. (Wolff.) Zur Rede Poin- cares schreibt derG a u l o i s": Poincarö ist über sich hinausgewachsen, indem er einen weiten \ Horizont zeigt. Wie das nur ein Mann von einer | derartig hohen Intelligenz machen kann, hat er ] eine gute Definition der Stellungen gegeben, die i jeder einnehmen mühte. Auf der einen Seite die Sieger, die dasselbe Recht haben, auf der anderen ' Seite Deutschland im Range des Besiegten. Im Journee industrielle" heißt es: Die Augen aller Völker Europas sind in diesem Augenblick mit einer .Aufmerksamkeit auf den französischen Ministerpräsidenten gerichtet, die er vielleicht selber nicht ahnt. Die Klarhett seiner Logtt, seine Arbeitskraft, die Korrektheit seiner ! Haltung und schließlich auch ba£ muf> gesagt werden seine unbeugsame Festigkeit, alles Dinge, die ihm bei uns eine große Popularität eingetragen haben, haben in gleicher Weise die öffentliche Meinung Europas svappiert. Aber diese Meinung Europas, trotz aller Reugier, die sie der Entwicklung der rein fianzösischen An­sprüche entgegenbringt, erwartet etwas anderes. Sie erwartet, daß eine fühlbare Solidari­tät geschaffen werde zwischen den so gut verteidigten Interessen Frankreichs und den Interessen ganz Europas. Weil die Rede von Dar-le-Duc einen Blick auf die Zukunft öffnet, deshalb scheint sie uns besonders glücklich.

Ere Rouvelle" schreibt: Wir sind nicht I weiter gekommen. Der einzige Fortschritt,, den Poincarö seit seinem Einzüge in das Quai d'Orsay gemacht hat, ist, daß er begriffen hat. daß die Streichung der interalliierten 6d)u I- den unerlählich ist, und daß es Sache Frank­reichs ist, die Initiative zu ergreifen.

ImOeuvre" heißt es: Ein wenig spat I hat Poincare endlich gemerkt, daß die große Rolle des Wiederaufbaues, von deren Höhe Belgien herabgestürzt und Lloyd George herabgeglitten ist, Sache Frankreichs hätte sein I müssen, von der ersten Stunde an zu spielen. Im Generalrat des Departements haben gestern aus dem Munde Poincares zwei Männer ye- sprochen: Ein logischer, Prozesse und Kniffe lie­bender Advokat und ein Staatsmann, I der die internationale Solidarität, die nunmehr die Völker miteinander verbindet und außerhalb derer nichts erreicht werden kann, soeben erkannt : hat. Wie sollen, so fragt der Verfasser, Robert t de Iouvenel, diese beiden Männer sich ver-

neuerdings wieder sehr mit dieser Gründung, da die hierbei im Vordergrund stehenden Anglo- österreichische Dank und die Zentraleuropäische Bank neue Bedingungen aufgestellt haben, über die man sich noch nicht einigen konnte. Wenn aber endlich die neue Roten bank über kurz oder fang ins Leben treten sollte, so vermag sie do<H nicht aus Häckerling Gold zu machen. Es ist ja vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus durchaus berechtigt, wenn nach Inkrafttreten der Rotenbank der Druck ungedeckter Roten eingestellt werden soll, aber wovon sollen die Gehälter der

Berlin, 22. Qtug. Im Reichsfinanzmini- sterium begannen heute um die Mittagsstunde laut derVossischen Zeitung" die eigentlichen sach­lichen Verhandlungen über die Be­dingungen für die Annahme des deutschen Moratoriumsgesuches vom 14. Juli zwi­schen den Delegierten derReparations- k o m m i s s i o n einerseits und Dr. Hermes und Staatssekretär <j. D. Bergmann andererseits. Es gingen interne Besprechungen mit den Ver­tretern der beteiligten Reichsministerien voraus, lieber die Vechändlungen im Reichsfinanzmini­sterium, die noch anbauern, wird vorläufig stren­ges Stillschweigen bewährt.

Berlin, 23. Aug. (Priv.-Tel.) Wie bte Morgenblätter berichten, sind die Besprechungen zwischen dem Reichsfinanzminister Dr. Hermes und Staatssekretär Bergmann mit den Ver­tretern der Reparationskommission gestern nach­mittag fortgesetzt worden. Später sind die bei­den Bevollmächtigten der Reparationskommisiwn vor Reichskanzler Dr. Wirth erschienen. Die bisherigen Ergebnisse der 'Besprechungen werden heute in einer Chefbesprechung unter dem Vorsitz des Reichskanzlers erör­tert werden, lieber den Inhalt der Verhandlungen wird Vertraulichkeit bewahrt.

München, 22. Aug. (WTB.) Heute nach­mittag fand eine Sitzung des Minister­rats statt, zu der auch die Führerder Koa­litionsparteien des Landtags hinzugezo- gen waren. Gegenstand der Beratungen waren die letzten Vereinbarungen, die in Berlin In der Angelegenheit der Gesetze zum Schutze der Repu­blik getroffen worden waren. Der Ministerrat und die Führer der Koalitionsparteien einigten sich dahin, die Ergebnisse der letzten Berliner Verhandlungen anzuneh-

ständigen?

DieTimes" schreibt in einem Leitartikel, man hätte kaum erwarten können, daß P o i n - care an einem Orte, der solche Erinnerungen wachrufen, bei der Behandlung der Reparations­und Schuldenfrage Tone finden werde, die in den Ohren einer Welt vollkommen klingen, die gelernt 'habe, sich von militärischen Taten und patriotischem Heldenmut abzuwenden, und auf die graue Wirklichkeit des Handels, ©teuer- zählens und Verdienstes zu blicken. Durch einen großen Teil der Rede ,Poincares gehe als Unter­ton die Ungeduld vermischt mit Bitter­keit. Der Wunsch des fianzösischen Minister­präsidenten, daß man Deutschland nicht gestatten solle, sich fernen Verpflichtungen zu entziehen, fei verständlich und werde geteilt, ebenso, daß der Mißerfolg der Londoner Konferenz Poincare ent- | täuscht und verärgert habe, insbesondere da der größere Plan, den er vorhätte, durch die Bal- fournote am Vorabend der Zusammenkunft ver­eitelt worden sei. Unverständlich sei jedoch, daß.pieser Irrtum des Urteils und d§r Tattik Poincare seinerseits dazu veranlasse, eine so große Gelegenheit vorübergehen zu lassen, ohne die ge­samten Fragen der Reparationen und der inter- I alliierten Schulden auf ein höheres Riveou zu heben. Es sei zu befürchten, daß seine polemische | Bezugnahme auf gewisse Seiten per britischen «Politik Entgegnungen auslösen I w e r d e, statt den Weg eines Hebereinkommens zu öffnen.

Englische Stimmen.

London, 22. Aug. (Wolfi.)Westminft. Gazette" bemerkt: Deutschland hat ein scharfes Kontrollsystem angenommen. Wir denken, dies mühte genügen und den Alliier­ten die Sicherheit geben, daß das Moratorium nicht mißbraucht wird.

DerDaily Telegraph" schreibt: Die gestern von Poincar6 bargelegte Politik ber französischen Regierung zeige unglück­licherweise nicht bie geringste Annähe­rung an ben britischen Stanbpunkt. Man werde aber allgemein dankbar sein, daß nichts gesagt wurde, was ein schließliches Ein­vernehmen schwieriger gestalten würde. Die Rede i habe auch keinerlei beftimmte Erklärungen

Oesterreichischer Notschrei. |

Aus Wien wird uns geschrieben:

Seitdem in der Schlußsitzung ber Londoner Konferenz mit so schonungsloser Offenheit erklärt wurde, daß Oesterreich auf eine Kredithilfe der Ententemächte nicht rechnen könne, hat sich der Bevölkerung des Torsostaates, soweit sie über- Haupt politisch denkt, eine dunkle Verzweiflung bemächtigt, die angesichts des fortgesetzten rapiden Kronensturzes und der nicht nur dementsprechen­den, sondern noch weit darüber hinausgehenden Preissteigerungen nur allzu begreiflich ist. Die alliierten Regierungen haben den vor schon so langer Zeit betoiHigten Kredit von 15 Millionen Pfund Sterling mit der Begründung abgelehnt, | daß keine der verbündeten Regierungen in ber, Lage sei, dem eigenen Volke die Uebemahme so großer Lasten zugunsten Oesterreichs zuzumuten, aber die Miierteii haben dieser Ablehnung noch etwasPositives" hinzugefügt. Sie haben be­schlossen, das Kreditgesuch Oesterreichs dem Völkerbund zu überweisen und diesen mit einer ergänzenden Untersuchung der finan­ziellen Lage Oesterreichs zu beauftragen. Das will ungefähr soviel besagen, als wenn man einem Ertrinkenden den guten Rat gibt, Schwimmunter­richt zu nehmen. Da der Völkerbund ja keine Mittel zur Verfügung hat, wird er also statt barer Münze nichts als gute Ratschläge geben

wie die Blätter melden, auf die Frage, wie es sich, enthalten, daß F r a n k r e i ch z u e i n e r> o n - mit der eventuellen Angliederung Oester-deraktion übergehen wurde, obwohl reichs an Deutschland verhalte, erllärt: Wenn Poincare sein Recht dazu von neuem ^rsi-heit - - - - - ' habe. Man hatte sich bet einer solchen Gelegen­

heit eine günstige Wendung wünschen können. Man könne sich jedoch wenigstens beglückwünschen, daß keine Wendung zum Schlimmeren

172. Jahrgang Mittwoch, 25. August 1922

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GlchenerÄMger

General-Anzeiger für Oberheffen