Ausgabe 
23.6.1922
 
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Nr. M Dritter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)Samstag, 24. Juni {922

danken innerlich in Anspruch Genommen, der sie mehr beschäftigte, als unser Gespräch.

Plötzlich iaf> sie mich fest an und sagte mit gedämpfter Stimme, so dast niemand von den andern es hören tonnte: .Gestehen Sie es, Mr. Daumlehner, 'Sie haben einen großen Liebes­kummer aas dem Herzen?'

^Betroffen wandte ich mich zu ihr am ind wider meinen Dillen entschlüpfte mir das Ge- ftdnDntd: ,Der l)at Ihnen das erzählt, gnädige Frau?"

Riemand/ erwiderte sie ruhig .ich las es in Ihrem Gesichte und in Ihrem ganzen Dc- nehmen. Lind wenn Sie mir einen großen Be­weis Ihres Vertrauens geben wollen' vor dem' Wort machte sie eine Pause and sah mich an, bat> es mir Heist durch die Rerven zackte so erzählen Sie mir, wie Sie dazu gekommen sind?!"

So viel von meinem bessern Selbst war doch noch in mir lebendig, dach ich in diesem Augen­blicke einen Widerwillen dagegen empfand, zu diesem Weibe von Helenen zu sprechen. Ich er­widerte daher ganz kurz, fas! raah: .Sie täaschen fid\ mir ist nichts derartiges passiert."

.Sie schüttelte mit dem Kopie.

_.e.e lagen nicht die Wahrheit Lind ich bin hartnäckig Ich werde nicht eher nachlassen mir Fragen, bis oie mir es erzählt haben!'

.Aun denn meinetwegen," sagte ich .ich habe das Unglück gehabt, mich in ein jungem Mädchen, zu verlieben, mit dessen Brä rtigam ich von Korps wegen fechten muhte, and der junge Mann ist dann an den Folgen der Mensur gestorben.'

,£> versetzte sie und. wahrhaftig, in ihren Augen schimmerte es feachtglänzend, .das ist lehr trati'.ig. Aber Sie müssen wieder Mat fassen. Sie sind noch viel zu jang, um einer solchen Sache wegen Ihr ganzes Leben zu vertrauern.'

.Damit hörte unsre Unterhaltung auf. Wir schwiegen beide, bis der Äa'fcc tarn. In mir war allmählich der Wunsch aafgestiegen. den Ilachmittag in ihrer Gesellschaft 511 verbringen, und als wenn sie es --äs meiner Stirn arlelen

hätte, sagte sie beim Ausstehen: .Heute nach­mittag muh ich Briefe schreiben, nach Hause, an meinen QHoim und meine Kinder, sie warten darauf. Wollen Sie mich jedoch heute abend ins Theater begleiten----?

.Ich war so betroffen, dast ich lern Wort her ausbringen, sondern meine Bereitwilligreit nur durch eine stumme Verneigung ausdrücken konnte.

..All right/ sagte sie kopsnickend und gab mir die Hand, .dann holen Sie mich ab, wenn es Zeit ist. Good bye:---*

. Den Tlodymittag über trieb ich mich auf den Strasten und in ein paar Kaffeehäusern umher, herumlungernd and zertang lesend, bis es endlich Zeit wer. wieder zum Hotel zu gehen.

Maggie empfing mich, bereits zum Aus­gehen gerüstet. Wir fuhren nach dem Residenz- tOester. Ich nahm zwei Logenplätze. Es wurde irgend ein französisches Stück gegeben, das eine Ehebruchsgeschichte behandelte von wem es war, habe ich vergessen.

In atemloser Spannung folgte Maggie des Borgängen auf der Bühne. Ich sah wenig davon, sie satz halb vor mit. meine Augen hingen an ihrem Profil, ich beobachtete, wie die feinen Flügel ihrer Aase in nervöser Erregung vibrier­ten, von Zeit zu 3eit streifte mich ihr Fast oder ihr rauschendes Kleid, traf mich ihr Atem, wenn sie sich amwandte, um eine Bemerkung zu machen.

Als das Stück zu Ende war und wir das Theater verliehen, nahm Maggie meinen Arm. Sie stand noch ganz unter dem Banne des eben Gehörten und Gesehenen.

...Der Mann hatte recht, sagte sie, .wenn er sein treuloses Weib aus dem Hause stietz. Ich, wäre ich ein Mann, würde ebenso handeln!' Etwas verwundert sah ich sie an. Wie, wenn ich mich in ihr tauschte und sie mich nix als ein lustiges Spielzeug betrachtete, gut ge­nug, um damit ein paar Wochen tändelnd zu ver­bringen und es hinterher überdrüssig in ehre (Säte zu werfen?

(Fortsetutna frjoi

Ium 28. Juni.

Don feiten der Frauengruppe der Deutschnationalen Dolkspartei wer­den wir um Abdruck folgender Erklärung gebeten:

Zum 3. Jahrestage der Unterzeichnung beS Versailler Vertrages, der mit un- verhüllter Drohung kamt seinem schimpflichen §231 (Schuldparagraphe -) einer Reichstag m h beit ausgezwlügen wurde, erklären wir de l t s ch n a - lionalen Frauen, im Geist eins mit Hun­dert taufen den von deutschen Frauen und Müttern:

1. Die verflossenen drei Jahre haben deutlich gezeigt, was besonnene rechtsstehende Männer und Frauen schon damals erkannten: dast die Unterzeichnung des Versailler Vertrages nicht eine Vermeidung, sondern eine Herausbe­schwörung von Schrecknissen und Ge­walttaten aller Art, eine Untergrabung der deutschen Volks- und Wirtschaftskraft und die Herabdrückung Deutschlands auf den Stand eines Sklavenstaates bedeutet. Die Politik der Erfül­lung, die die "Regierung unbelehrt durch alle Fol­gen weiter anstrebt, fuhrt uns immer tiefer ins Elend.

2. Da sich der Versailler Vertrag, nach Llovd Georges ausdrücklichem Ausspruch, auf Deutsch­landsangebliche Schuld am Kriege" stützt, diese Schuld aber auch in den verflossenen drei Jahren keineswegs erwiesen wurde und im Gegenteil die Schuld der bemühten Herbeiführung des Krieges bei den .Völkern der Entente sich immer deutlicher enthüllt, so entbehrt der Versailler Vertrag in seiner jetzigen Form jeg­licher Rechtsgrundlage. Roch der Eis- nerprozest in München hat gezeigt und dies wurde auch von ausländischen Sachverständigen anerkannt, das) die verdammenswerten Ilm- fälschungen Eisners im Sinne einer Kriegsschuld Deutschlands .zu der Ausgestaltung des Versail­ler Vertrages als ©trafbertrag die Haupt­stütze abgegeben haben. Zugleich hat der Richter­spruch in diesem Prozest sestgestellt, dast es das gute Recht jedes Deutschen ist, gegen den auf un­wahren Voraussetzungen aufgebauten und die Ge­samtheit des deutschen Volkes wie jeden Ein­zelnen schädigenden Versailler- Vertrag anzu- kämpfen

3. Richt Fl i ckwerk und kleine Ab­milderungen können uns genügen, die das feindliche Ausland selbst schon als notwendig erkennt, um die katastrophalen Folgen der Aus­wirkung des Versailler Vertrages vom eigenen Leibe ab gi wehren Richt die karitative Hilfe des Auslandes lann die Wurzel des körperlichen und sittlichen Q?iebergang# unserer 3ugenb beseitigen. Schon bezeichnen italienische unb englische Stim­men den Vertrag als Grund der Friedlosigkeit Europas, als Verpester der Luft Europas: auch die Reutralen bur<< schauen das schnöde 'Spiel der Entente. Wir verlangen endlich Ge­rechtigkeit Wiederherstellung unserer natio­nalen Eyve und eine gründliche Revision des Der- tvages von Versailles.

Wir verlangen vor allem von unserer Regie­rung den moralischen Mut unb'öie Erfüllung der einfachen Pflicht, die Ergebnisse der Kriegsschuld- sorschungen unb insbesondere die Ergebnisse des EiSnerPrvzesses in nachdrücklicher, 0 ffe n t- licher Form dem eigenen Volke wie dem AuSlande zu unterbreiten unb bei der Entente auf die endlichen Beweise je­ner Theorie von der Schuld Deutsch­lands am Kriege zu bringen, auf der sich der Versailler Vertrag aufbaut. Wenn die verant­wortlichen Stellen Deutschlands nicht diesen mora­lischen Mut auf bringen, fo können wir auch nicht, ir ic eS die Moral von England verlangt, erwart en, dast England den moralischen Mut habe, den Irrtum cin-.ugestchen, den es mit der Zustimmung zur Schuldlüge begangen hat und das auf ihn be­gründete Anrecht wieder gut zu machen".

Wir fordern Wiedergutmachung am deutschen Volke und Einsetzung einer Wiedergutmachungs-«Repa­ration S)-Kommission in diesem Sinne.

Wir fordern Revision des Ver­sailler Vertrages.

Wir verlangen energische Geltend­machung dieser Schuldfrage bei allen Regierungsverhandlungen der Entente.

Wir wollen mit unfern Kindern nicht an einer Lüge unb bem Mangel an moralifchem Mut zugrunde gehen!

Jur Frage des Alkoholverbotes in den Vereinigten Staaten.

Von einem in (Sieben wohnenden deutsch- amerikanischen Kenner erhalten wir über eine hochrnlece'tante Frage, nämlich die Unzweckmässigkeit eines Alloholverbvles, das bekanntlich seit zwei Jahren in den Vereinigten Staaten besteht, folgende, auf Grund dieser zweijährigen allgemeinen Erfahrungen beruhenden Ausjührungen: Das Alkoholverbot hat in den Ver­einigten Staaten feit feiner Einführung eigentlich nicht die erwarteten günstigen Re­ul t a t e gezeigt. Ganz zu Anfang des IahreS 1921 konnte man eine bedeutendeZunahme von Erblindungen unb anderen Krankheiten feststellen, die alle mehr ober weniger auf die Prohibition zurückcuiühren waren. Später muhte die Regierung einsehen, dast sie eine ganz bedeutende Stcuereinnahmensquelle ver­loren hatte, die nur schwer durch andere Staats­einnahmen zu decken war. Reben her sing eine grobe Masfe des Publikums an, einen sehr rassi- nkrten und weitverbreiteten Schmuggel zu trei­ben. Mexilo im Süden sowie Kanada im Rorden sind 3U diesen Zweckn geeignete Ginfallstore.

In Philadelphia, Pa., hat sich ein ganz eigen­artiges Resultat der Prohibition letzthin ergeben. Die Chemiker, die alle zu Rate gezogen worben, um solchen Kontrebande-Alkohol zu untersuchen, können gar nicht genügend Analysen anstellen und es herrscht zur Zeit eine derartige Knappheit von Chemikern, die nur in dieser Branche zu arbeiten haben, dast die Zeitungen voll von ..Ver- langt-Anzeigen sind, die alle Chemiker suchen für obige Zwecke, denn man möchte nicht gerne Wisly trinken, der einen vergiften könnte.

Der letzte grobe Skandal in der Prvhibitions- frage kam in der Entdeckung einer Schmuggel- gesellschaft, die sich aus Ma 11 n f d) a I t e n der amerikanischen Marine, des 'Be­gleit- unb Derpf legungsschif fes Sirius zusammen- setzte und unter Führung eines Kapitänleutnants wurde vor kurzem in Charleston der Marine Dampfer beschlagnahmt unb die in Verdacht stehenden Leute verhaftet.

Es ist kaum möglich, alle die Fälle von Heber trctu ngen desAlioholVerbots auszustellen, die besten unb allerbesten Kreise der Gesellschaft finb schon mehr oder weniger er­tappt worden. Totschlag, Raub, Mord und alle ariberen Verbrechen haben so bedeutend zugenom­men, dab ein Richter in Atlanta kürzlich auf der Versammlung der Georgia Dar Ahn. sagte, dab er das Prohibitivnsgesetz verdamme, obwohl er anfangs dafür gestimmt habe und es für praktisch gehalten habe. 3ebe den Menschen sonst heilige Sprache, Einrichtung oder Errungenschaft, wurde von den Verfechtern der Prohibition gebraucht und erniedrigt, nur um Erfolg zu erzielen, unb was war das Resultat von all dieser Anstreng­ung? Ein verstimmtes, ärgerlichs Volk, das heute, wenn es könnte, seine Gesetzgeber der Pro­hibition ermorden würde. Manche Senatoren und Kongrebleute haben des öfteren versucht, soge- namrte Bills im Senat einzuführen, mittels deren eine Wiederaufnahme der Debattierung der Pro- hibitivnsfrage möglich sein sollte, aber mit Aus­nahme von 2>em Einreichern solcher Vorschläge haben sie weiter noch nichts erreicht. Die von den geheimen unterirdischen Gesellschaften unter­stützten Vereine, besonders die Anti-Saloon-Liga, hat alle derartigen Anstrengungen zu Nichte ge­macht. M^an hält allgemein die Rhodes-Gesell­schaft für die verantwortliche Quelle, da erst im Frühjahr dieses IahreS in Cleveland, Ohio, ein R Hobesschüler mit einer Premiumsarbeit belohnt wurde, weil er das beste Essay über die Prohi­bition geschrieben hatte. Selbstredend kann es England nur sehr passen, wenn in den Vereinigten Staaten eine grobe Unruhe das Volk fortwäh­rend m Aufregung hält, die es andere europäische Fragen in den Hintergrund treten labt, obwohl sie äuberft wichtig für die Wohlfahrt des Landes sind. Man geht somit nicht fehl, wenn man offen behauptet, dab es dieselben englischen Intriganten find, die auch Amerikas verhängnisvollen Eintritt in den europäischen Krieg veranlabt haben unb die in den allerhöchsten Kreisen Englanbs zu suchen sind. Sogar Carnegie, der Stifter des Fricdenspalastes im Haag und anderer Einrich­tungen, soll ein Hauptfürsprecher für die Pro­

hibition gewesen sein. Lord Rorihcliffes gefähr­licher Einflub ist oft sehr sichtbar.

Den allerletzten Skandal von geradezu ungc^ beuren Dimensionen sehen wir zur Zeit in einer Untersuchung ausgerolU, die verlang', dab oie Regierungsladvention an d.e sogenannte United Staates S i^ping Board nicht bewillig! werden soll, weil diese Schiffe, die unter amerikanischer Flagge segeln, das Alkoholverbot nicht an Bord i1 rcr Schifte durchführen unb nun gezwungen wer­den sollen daS doch zu tun oder aber die Regi- iima»fubi-cnrion, die sich in die Millionen von willigt werden Das wäre gleichbedeutend mit dem Ruin dieser U. S. Shipping Board, denn die Reisenden bevorzugen Schiffe, auf denen sie noch ein Glas Bier oder einen guten Kognak bei em- men können Der grobe Brauherr. Lldolphus Dusch von St. Louis Mo., beschwert sich in einem vom 15. Juni dalieiten "Briefe an die Regierung in Washington, dab die Regierung es durchsetzen solle, daf; ihre Gesetze ebenfalls an Bord der amerikanischen Schiffe durchgeführt werden sollen oder aber, es sott eine Strafe von 10 000 Dollars jedesmal auferlegt werben, tvenn diese amerika­nischen Schiffe das Attoholverbot übertreten, wie der Repräsentant Edwards von Pensylvania es verlangt. Herr Oloolpbu^ Dusch hat vollkommen recht, ivenn er diese drastische Durchführung des Allohvlverbotes verlangt, denn er selbst bart kein Bier brauen, das mehr als ein Zehntel Prozent Al ? hol enthält, während die amerikanischen

! , Sfranh eich unb sag t kaufen und Weine und Kognak ebenfalls, von welchen der Staat und die Burger der Vereinig­ten Staaten keinerlei Verdienst haben. Entweder die Regierung gibt gleiches Rocht für alle, oder aber sie führt es durch unb bann arbeitet das U. S. Shipping Board mit einer Unterbilanz, wie cs Io wie so schon tut, da e&-einer Regierungs- subsidierung bebari.

Der Vorsteher des U. S. Shipping Board Heir Lasker, schreibt in einem vom 16 Juni datierten Briese an den Präsidenten, dab es notwendig wäre, das; man ein Gesetz zur Schifts- unterstühung unbedingt bewilligen müsse, sonst könnten sie nicht mehr »veiler operieren. Congrcst- man Cattivan von Wassachusets klagt die Re­gierung mit dem AusdruckHypocrisy an, sendet zu gleicher x3eit eine Weinrechnung des amerika­nischen Schiffes zur Einsicht ein und sagt, dab das Prohibitionsgeseh entweder von allen amerr.i Nischen Staatseinrichtungen befolgt werden solle, oder aber es solle geändert werden.

Unsägliches Unglüct. Arbeitslosigkeit, Ver­brechen und sonstige Schikanen hat das Prohi­bitionsgeseh den Amerikanern gebracht, das) die Gröhtzahl heute wohl wünschen dürste, der so­genannte Dollstead Act wäre nie zur Wirklich­keit geworden. Wenigstens hätte er mit mehr Uebergangsfrist eingeführi werden sotten, um seine Brauchbarkeit zu erproben, aber das wollten ia wohl die Urheber der Prohibition nicht, sie hatten die volksvernichtenben Ziele im Auge, speziell auch die Ruinierung der deutsch-amerikanischen Drauinbustrie.

Ein weiteres liebel, das die Prohibition im Gefolge gehabt hat, ist die sogenannte Rauschgift­zunahme. Fast täglich kann man Rachrichten in den gröberen Städten Amerikas lesen, dab junge Mädchen, Frauen, Tänzerinnen ober sonstige Lieb­haberinnen von Heroin, Morphium unb wie die Rauschgifte alle heisten, an dem Genüsse derselben gestorben finb. Manchesmal stnbet man solche Leichen in den Schlafwagen ber groben Strecken, die von Canada hcreinkommen. Die Reuyorker Polizeibehörde muhte ein extra hergerichtetes Polizeiaufgebot einrichten, um dieses liebet zu tombattieren. Ein sehr hochbezahlter Beamter versucht auf wissenschaftlichem Wege den so­genanntendope fiends" den Gebrauch abzu­gewöhnen durch langsame Verringerung ber ge­wohnten Quantitäten, unb wöchentlich kann man eine lange Linie solcher menschlicher Gestalten sehen, die sich bei bem betreffenden Bureau regel mähig melden müssen. Die Chinesen, die in der unteren Stadt Reuyorks ein Viertel für sich haben, haben noch nie in ihrem Leben mehr Opium geschmuggelt, als zur gegenwärtigen Zeit.

Betrachtet man somit die seit ungefähr zwei Jahren ersichtlichen Resultate der gewaltsam ein- gefühiten Alkoholprohibition, so kann man mir zu einem Ergebnis kommen, nämlich, dah sie sich in keiner Hinsicht bewährt hat. Die Bestechlich­keit unb Unehrlichkeit ber offiziellen Beamten

der Vereinigten Staaten, die daS ProbibitionS- gesetz burd)fübren müssen, ist niemals gröber ge- wesen, als wie zur gegenwärtigen Zeit. Oftmals trinken sie selbst, was sie vorher beschlagnahmt haben, unb späterhin ist kein .Beweismaterial" mehr trorljanbeie Victor I Block.

Die Berufsaussichten der Theologen.

Den in ben ..Leipziger Akad Rachrichten" veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage bei dortigen Akademischen Auskunft-steile über b l c Berufsaussichten der Theologen ent­nehmen wir: Im allgemeinen herrscht im Theo- logcnberuf keine lleberfüllung. Preuben und Baden bemerken sogar, bah in nächster Zu­kunft mit Mangel an Anwärttem zu rechnen fei, wogegen Bayern unb Oldenburg andererseits grö­beren Andrang von Anwärtern als bisher er­matten. Der Tbevlogenstand nimmt unter den akademischen Ständen zur Zeit insosem eine Vor- - ngsstellung ein, als in ibm der Anwärter am stiche­lten eine gewisse wirtschaftliche Selbständigkeit er­langen kann Doch mub diesem Vorteil gegen­über bedacht werden, dab die finanzielle Lage der Kirche auch jetzt noch nicht überall geklärt und gesichert ist. Die Angaben über die Warte­zeit (vom Bestehen der zweiten Priifung bis zur festen Anstellung im Pfarramts haben sich gegenüber bem Vorjahre kaum geändert. In Mecklenburg-Schwerin unb in Thüringen gibt es keine Wartezeit, in Sachsen, Preusten unb Braun­schweig ist sie ganz kurz: Anhalt, Mecklenburg- Stielitz und Oldenburg geben 1 bis 2 Jahre an, Hessen 2 bis 4 Jahre. Bayern 2 bis 6 Jahre. In Baden erfolgt die endgültige Anstellung im Pfarramt nach 6 bis 8 Jahren, doch wird dort derunständige" Geistliche während dieser Zeit auskömmlich besoldet Die Wartezeit wird in Anhalt, Sachsen. Thüringen, Braunschweig unb Mecklenburg-Strelitz aus das Besoldung-- unb Pensionsdienstalter überhaupt nich' angerechnet. In Hamburg wird einem Hamburgischn Kandi­daten die Hälfte der Zeit nach bem E?amen an­gerechnet, bem auswärtigen Äanbibaten die Halste de' Zeit, die er als Geistliche tätig war. In den übrigen Ländern wird die Wartezeit vom Tage der Ordination ah angerechnet (vorausgesetzt, bah das 27. Lebensjahr zurückgelegt ist). Während des Jahres im PredigeZeminar erhalten die Kan­didaten gewöhnlich kleine Stipendien. Werden sie als Hilfsgeistliche angestellt, so erhalten sie eine Besoldung, die sich nach und nach dem An- langsgehalt der Pfarrer nähert. Die Sätze sind übrigens nicht in allen Ländern genau festgelegt, werten nach ilebercmlunft gewährt ober sollen in nächster Zeit erhöht werden. Auch die Defol- d u n g der Pfarrer ist noch nicht überall end gültig festgesetzt. In Anhalt Baden. Hamburg, Lübeck, Sachsen, Bayern. Oldenburg finb die Geist­lichen in die 10. und 11. Desoldungsklasse ein- gerejht, in Preusten wirb bie Uebernahine in Klasse 11 noch erstrebt, ebenso in Thüringen unb Braunschweig. InHessen, Mecklenburg-Schwe­rin und -Strelih erfolgt die Besoldung nach Klasse 10 ober- in Annäherung an diese.

Aus dem Amtsverknndigungsblatt.

* Das AmtSverkiindiaungsblatt Rr. 74 vom 23. Juni enthält: Abänderung der Flrischbeschauvrdnung. - Ausübung des Hufbe­schlags. Lausende Teuerungszuschüsse für den Monat Juli 1922. Wvhnungsbauabgabe. (Zulassung von Beamten der- kommunalen Polizei zur Landcspolizeifchule. Entschädigung für an Milzbrand, Raust brand unb Maul- unb Klauen­seuche verendete Tiere. Viehseuchen. Feld- bereinigungen Röthges und Lumda. Dienst nachrichten.

Ansteckender Scheidenkatarrh in Gründe rg.Rüddingshausen und Stan- g e n r 0 d. Unter dem Rindvieh bestände der obi­gen Gemeinden ist der ansteckende Sck-eidekatarrh amtlich feffgcftellt. gelten die in befand.'rer Verordnung vorgesehenen Mahnahmen mit ber Qliahgabc, dah die Bullen bis auf weiteres zum Sprung nicht zugelasiett werden dürfen.

Wilhelm Braun III. von Daub ringen wurde zum Feldschühen für die Gemeinde Dau- bringen ernannt unb verpflichtet.

Mein Vetter Jolns.

Roman vonRichardSkowronnek.

19. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

.Das Anerbieten stieh. wie du dir denken kannst auf keinen Widerspruch, und es entwickelte sich eine reckt herzhafte Sitzung, die bis zam lichten Morgen dauerte. Als ick nach Hatse ging, pfiffen bereits die Spatzen von. Den Dächern. Weine Stimmung hatte sich zwar nicht im vieles verbessert, aber, während ich so im öden Morgen­grauen meiner Wohnung zuschritt, überkam es mich wie eine innere Erleucht.ing. Was ick za tun hatte, war ja so einfach! Ich brauchte nur ein paar Tage von der Mittagstafel fortyiblci- ben dann war die Amerikalerin sicherlich ab­gereist, und ich hatte eine Wiederkehr der nun­mehr glücklich überstandenen Anfechtung nicht zu befürchten ...

Bleib weg bleib weg!' Wce eine Bekräf­tigung meines Entschlusses tönte es mir aas Dem miftönigen Spatz en geschrei entgegen, und ich legte mich nieder, zufrieden wie einer, der einen großen Sieg erfochten hatte . .

..Eigentlich unnötig zu sagen. daN ich an dem Mittag, der diesem Morgen folgte, als erster bei Tische antrat und ungeduldig auf das Er­scheinen meiner Rach darin wartete. Ich kam mir dabei recht erbärmlich vor, aber gegen Mittag, als ich überlegte, wo ich meinem Beschlüsse ge mäst mein einsames Mahl einnehmen wollte, hatte es mich mit einemmal gepackt wie cm Fieber. Ich hängte der Sache natürlich vor mir selber ein Mäntelchen um, indem ich mir sagte, es sei jedenfalls männlicher, der Gefahr ruhig ins Aage zu sehen, als sich vor ihr za veririechcm, aber als ich auf meinem gewohnten Platze säst, fing ich an, mir einzugestehen, dah ich cäese Gefahr reckt ungebulbtg herbcisehnte.

Aber ich säst 41 nb fast and wartete tze.- gebens, der Platz neben mir blieb leer, bie Amerikanerin kam nicht. Da fmg ich an mich ühw "3brr DTnÄKfriben i. > öraern oinptn A laixöx

blick lang b.fürchtete ich sogar, sie wäre viel­leicht schon abqercist dann ärgerte ich mich über mich selbst, stand schliestlick mißmutig auf unb ging nach Haase, am dort ebensowenig Rahe zu finben, wie am Tage vorher.

Der Abend war eine Wiederholung des porfjergegangenen; als ich wiQerrim ge/e.r Mor­gen etwas schwer heinckehrte, wurde mir klar, dast ich mich bis über beide Ohren in diese Amerikanerin verliebt hatte. Ich war aber schon so weit gekommen, dast ich nicht die geringste Spur '«on Reae Zki rüber empfanb int Gegen- teil eine Art von Angstgefühl schwellte mir bie Brust and in meinem halb trunkenen Hirn regten «ich allerhand begehrsiche Gedanken . . Dor mit selbst entschuldigte ich mich, dast mein so lange unterdrücktes Diät endlich sein Recht ver­langte . . .

Am andern Mittag sah Maggie bereits bei Tische, als ich erschien. Mit strahlendenr Lächeln s'i'cst sie >nich willr'ommen uub, wie am if-r gestriges Ausbleiben za entschaldigen, er= zuk-fte sie mir, "dast sie den ganzen Tag bie ent= seolichste Migräne gehabt und ihr Zimmer nicht habe verlassen tonnen. Und leise fügte sie hinzu: .Ich war- so aufgeregt am Ihretwillen, weil mw mir gefegt hatte. Sie hätten sich meinetwegen mit einem andern HerrnAgescklagen. Und obwohl mir berichtet wurde, dast Sie anverletzt geblieben sind dem Himmel sei Dank , so fand'ich doch gestern nicht die Kra^t. bet Tische zu er­scheinen.

Ich hatte das Gefühl, als muffe tch sie darüber aufklären, dast sie sich irrte, wenn sie annahm, ich hätte mich sozusagen als ihr Ritter nm ihretwillen geschlagen, sand aber, dast es gor nicht so übel war, sie in bem schonen Glauben zu lassen anb schwieg.

Die Unterhaltung, bte sich wahrend des Ellens zwischen uns entspann, ging nur mühsam weiter. Ich war befangen, ge. i.'rte mich auch ein bistchen vor meinen Freunden, bie, wenn auch oberflächlich, über meine Geschichte anter- rickte.t nx?r.pjt unb TÜnatn» schien von ei-wm Ge­