Nr. 145 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Zrettag, 23. Juni 1922
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Fortsetzung der politischen Aussprache
(Nachdruck verboten.)
18. Fortsetzung.
macht hatte, kur;, ich ttxir nicht imstande, meine
schaffen!“
Mir war es recht, wenn die Sache fo bald nne möglich aus der Welt geschafft wurde, und da konnte mein Äomtxrrent auch nicht gut ausweichen. Hm so weniger, ass er schon zu ver- schiedent sichen Molen mit ein paar ©öbelmenfuren renommiert hatte, die er da irgentttxo in Tübingen oder Marburg a-iegf orten haben woll e Er erklärte sich also mit dem Vorschläge einverstanden und ander-halb S u dn sput r standen wir uns an dem Kreidestrich gegenüber.
-Es war kein Vergnügen und auch Line Ehre, mit ibm loszu gehen, denn es zeigte sich schon im ersten Gonge dast der Kerl ein blasser Renommist war. 5r Hütte offenbar im Ernstfälle noch nie einen Säbel in der Faust gehabt.
um mich vergast, an dem Tage wollte cs mu nicht gelingen. Irgend ctttxxi hatte mich aus dem Geläse g.b.acht, entweder das Zusammen-
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sie dabei, wie sie immer wieder zu der aller- neuesten Geger w.'.rt zurücÄ h tert sogar i i bi: Zukunft Hineinslotterten. and wie sich ihnen dabei
gemerkt haben, denn an der Tür liwnbte sie sich noch einmal und lächelte mir freundlich, beinahe vertraulich 8-i.
.Da fing mich einer aus der Tischgesellschaft zu necken an. Es war ein Kerl, der sich erst seit ein paar Wochen bä u.tS eingesu den und seitdem fest cl genistet hu te, obwohl w r ihn alle wegen seiner übe rt l iebelten Patent hä: und seines süffisanten Wesens halber isicht leiden mochten.
„Meine Herren,' Jagte er näselnd u -btemmic sich bai Mono.'el ein, .sehen Sie mal den Torter des Herrn Kollegen Daum lehren an! Macht, ohne es zu wollen, die schönst (3.-oberingen, indä-en wir dabeisitzen und uns den Mund w sichen tonnen. Wen der Herr lieb bat, dem gibt ers im Schlafe!'
ein leises Vg h en g s.llte. Ober etwas deutlicher ausgedruckl, ich dachte an die Amerckanerin, Dcrgegcntp rt gte mir ih lcbh si es, ausdrucksvolles G sicht mit oer f in gesch itteren lew g- lichen Hofe und den dunNen Argen. Ihre weiche Stimme, der die Fremdartigkeit der Au-spräche einen eigentümlichen Rei- verlieh, tönte mir in ben Ohren, mir war cs, als spürte ich den zarten Fliederduft, den ihre Kleider trugen, und das Vlut fing an. mir schneller durch die Adern ju kreisen. Ich versuchte es ahzrschütteln. aber es kam immer wieder. Mir war es, als enttoeibe ich mein Heiligstes, wenn märe Seda ten in einem Alem-ug sich von dem keuschen Bilde Helenens zu dem dieses tefäten W.ibrs wandten. Über da half lein Wehren. Wein Gott, ich war damals aus gerechnet dreiundzwanzig Hahre alt und — du darfst es mir glauben — sät dem Lage, da ich Helene zum erflen Male gesehen.
Im Falle der Neuwahlen nur bann werd«. Wenn man sich auch in Suchsen zu dem Ausweg entschliestt, der nun einmal angesichts der Partei- zersplilterung in Deutschland der gegebene ist, nnmlich zu der g rosten Koalition llDas freilich zur VoiaussetzunH hotte, dast die Mehr- heitssozialisten tbre politiich unfruchtbare Haltung einer gründlichen Neoision unterziehen, sich nicht länger ^om Linken umgoimen" lassen. Ob sie dafür fa>pn reif sind, das steht auf einem andere» Dlaite und wird sich erst durch die weitere Entwicklung erweisen.
„Ich hotte die Auswahl, wohin ich ihm die Abfuhr setzen wollte, und da ich ihm einen ehrlichen Schmist ins Gesicht nicht gönnte, so stoch ich ihn im zweiten Gu.ige auf einen yandsesten Brus!hieb ob Mit dem konnte er wenigstens Hinte:her nicht renommieren.
„Mein Kompromcnt wurde abgeführt, um geflickt zu werden, ich bandagierte mich aiä i:S erspähte die eiste Gelegenheit, mich still zu d.ücken Ich fuhr nach Harfe inb setzte mich wieder an die Arbeit, auf die ich mich seit dem Tage des Abschieds von Helene mit einer noch gröberen Verbifsenhät g warfen hotte, als früher. Aber wägend ich sonst mich darin versenken konnte, dost ich auf Ständen hi.raus alles in mir und
Mein Vetter IJofua.
Ao man von Dichard Skowronnek.
hotte ich in feinem Winkel meines Hirns oder HerzeirS an ein andres Wcib gedacht
,Es war ja gävist sehr lächerlich dast ich mir gell bl hatte, Helene die Treue zu bewahren, auch nachdem ich sie für immer verloren hatte — aber, ich meine, fast jeder Mensch hat in seinem Allcriimersten eine Stelle, wo nicht das klare und nüchterne Denken herrscht sondern eine Art von abergläubische: Nigrsng, tast von den Li halten gewisser Gelübde oder Vorsätze die Erfüllung mancher Wünsche ab bangt, di: zu verwirklichen sonst nicht in seiner Macht steht. So hatte auch ich in einer jener Stunden, wo ich vor Schmerz und Zorn und Verzw iflung nicht m0* wäter wustte. das Gelübde g-tan. He.enr für immer die Treue zu halten — vielleicht dast ich dadurch die finsteren Mächte versöhnte, die uns ais- einanbergetiffen bitten. Ich w.ist es, ich stellte mich damit auf eine Stufe mit unfern Litauern dol-eim. die auf ein Hahr oder mehr das SchnapS- trüden verschwören, damit ihnen das kranke Kind oder die verhexte Kuh im Stade wieder gesund werde, aber - ich kann mir nicht helfen - auch jetzt noch manchmal, wenn mich das schwarze Elend fastt, bann denke ich. ich hätte Helene trotz allem und allem vielleicht noch wiLdergewonnen, wenn ich nicht gleich der ersten Versuch rng iie mir nahte, erlegen, wäre. Das eine stth! j dmsalls fest: das mit der Amerikane sin damals hat ihrem armen gequälten S^elchm den letzten Fang gegeben, und meine Shild ta an wird bar im richt geringer, dast ctgentltd) liefe Teufelin es war, die den Stoh führte — ich hatte ihr ja selbst die Waffe dazu in die Hand gebrütft . . .
»An jenem Abend freilich — wenn mir da einer getagt hätte, dast ich mich ein paar Sage später diesem Weib auf Leben und Sterben ber- ichreibeu würde! Es gelang mit sogar, die Anfechtung zu überwinden, das Heisti, ich siegte im Rückzugsgefechte, rist vor ihr und mir selber aus und begab mich in die kleine Kneipe in der Kochst raste, wo ich siche: war, ein paar von meiner Tischgesellschaft zu finden.
„Icp war dort ein so seltener Gast, dast ich das Bedürf ii fühlte, mein Erscheinen zu entschuldigen: Ich wäre g krmmen um zur Feier meines glorreichen Sieges eine kl ine Bowle zu schmeisten. (Fortsetzung folgt)
Der Volksentscheid in Sachsen.
Aus Dresden wird uns geschrieben:
Zum ersten Mal seit der Revolution wird in Deu schlanb ein Volksentscheid durchgesührt werben und zwar tm Freistaat Ö a d) f e n. Gs soll dadurch der Weg geebnet werben sür die Beendig ng der chronischen Krisis, die im Grunde genau solange besteht,s wie die aus den beiden sozialistischen Parteien, den Mehrbeitesozialtsten und den Unabhängigen gebildete Negierung, die und da liegt der Hase im Pfeffer — eine Minderheitsrogjerung ist. Dadurch war von vornherein ein unhaltbarer Zustand geschaffen. Wenn _'ic ReichSverfassung vorschreibl, dast die Länder Negierungen haben sollen, welche vom Vertrauen ihrer Parlamente getragen find, so traf das für ras sächsische Kabinett nicht zu, das im Landtag von Niederlage zu Niederlage schritt und sich nur dadurch hielt, dast die Kommunisten sich zum Schlust immer wieder dazu entschlossen, die Ne- cicrung zu stützen. Nicht etwa, aus irgendeiner Sympathie heraus, obwohl die Unabhängigen untc: bet Führung des erzradikalen Innenministers Lipinski den überragenden Ginslust im K.nlsinett hatten, und obwohl auch bet den Mehr- heitssozialisten die radikale Richtung unter Füst- -ung des Wirtschaftsministers Fellifch den Ausschlag geb Vielmehr hat der Führer der Äommur.iftcn für die Unterstützung der Negierung die bezeichnende Erklärung abgegeoen, sie müsse im Amte b.cibcn, um sich noch mehr zu blamieren!
Um aus den. wie betont, unhaltbaren Verhältnissen herauszvkommen, hatten die beiden N c ch t s pa r t e i e » den Eintrag auf Auslö hing des Landtags eingebrachi, der viber mit 48 Stttnmen der beiden sozialistischen Parteier vnb der Kommunisten gegen 47 Stimmen der stüroerlichen Parteien, also mit äuherst knapper Mehrheit, abgelehnt wurde. Die Deutsche Vollspartei und dieDeutschnationale Volkspartei stellten daraus beim Ministerium den Antrag auf Veranstaltung des Volksbegehren s zwecks Hcrbei- sührung eines Volksentscheides iiber die Auflösung des Landtages. Die Negierung suchte sich zuerst um diese ihr sehr unbequeme Sache herumzudrücken, sah sich aber zum Schlust. da sie, ohne schroff wider dem Geist des '"Parlamentarismus zu sündigen, nicht gut anders konnte, genötigt, dem Antrag stattzugeben.
In der Zeit vom 6.—19. Juni haben jetzt die Listen zur Eintragung in das Volksbegehren zwecks Herbeiführung eines Volksentscheiden au»-- gelegen. Um das Volksbegehren wirksam zu machen, must laut Vorschrift der sächsischen Der- sassung ein Zehntel der bei der letzten Landtags- Wahl Wahlberechtigten sich in die Listen eintragen, und das Zehntel beträgt rund 2 9 7 0 0 0 Stimmen. Diese Stimmenzahl ist bet den Eintragungen nicht nur erreicht, sondern wesentlich überschritten worden: die sozialistischen Parteien und die Kommunisten hatten ihr'. An° Hänger aufgefordert, sich nicht an den Eintragungen zu beteiligen, und diese Parole ist natürlich auch befolgt worden.
Nachdem jetzt das Volksbegehren angenommen worden ist, must sich der Landtag erneut mit der Angelegenheit befassen, weil die sächsische Verfassung in Art. 36 Abs. 3 vorschrcllch dast sich der Landtag nach Annahme des Volle,- begehrens zu entscheiden hat, ob er diesem gutwillig stattgeben will. Da dies angesichts der Zi-simmenetzung der Volkssvertretung nicht geschehen durfte, wird allo der Volksentscheid vor sich gehen müssen, bei dem über die Frage entschieden wird, ob der Landtag aufgelöst werden soll oder nicht. Wenn sich die Hälfte aller Stimmberechtigten an Lern Volksentscheid beteiligt und von den Abstimmenden sich die einfache Mehrh:it für Ja erklärt, würde also die Auflösung t.eß Landtages erfolgen; im anderen Fall würde es beim alten und die Krise chronisch bleiben. Wirklich behoben könnte sie freilich auch
fvrtzusctzen? Wolle er von Devifenlcistungen ab- sehen und sich nur auf Sachleistungen beschränken? Habe er auch einen Plan oder wolle die Negierung einfach fortwursteln? Dann würde das deutsch. Volk vH l ch n Erschöp nngsd.l r en ausgesetzt sein, wir wir sie jetzt bei dem unglücklichen Oesterreich beginnen sehen Die Parteien der Er- füllungSpotitik würden bald uqcbcn müllen, dast der Beweis für die Unmöglichkeit der Sntcntc- forberungen durch die an dem zuckenden Körper deS deutschen Volkes vvrgenvmmenen Vivisektionen erbracht sei.
Abg Hempel (Z.> stimmt dem Sachliefe- rungsabkommen zu. betont aber, dast damit daS Neparationsproblem noch nicht gelöst fei, auch eine auswärtige Anleihe bringe nich die Lösung der Fragen, sondern nur eine Mehrarbeit des deutschen Volkes Bezüglich de. ferner beden- lungSvillen und schwierigen Problems der Frage der Volksernährung müstten wir eine Mittellinie zu finden suchen, welche den Interessen der Erzeuger und denen der Konsumenten gerecht werde. Darum müstten wir in dieser schweren Zeit daS Einigende voranstellen. (Beifall.)
Abg. Dr. Breit scheid (11.): Seitdem die Franzosen mehr mit der Peitsche als mit dem Zuckerbrot die Besetzung der Rheinlande au*>- üben, sind die Sympathien für Frankreich dort auf den Nullpunkt gesunken. Weder mit Gewalt iwch durch eine Volksabstimmung la" i heute das Nheinland von Deutschland loigerissen weiden. Diel schlimmer steht es an bei Saar. Wir erheben schärfsten Einspruch gegen eine derartige Gewaltpolitik. Dori feiert das französische Industriekapital seine schlimmsten Triumphe. Redner verlangt, dast Deutschland Oesterreich gegenüber wenigstens wirtschaftlich alles tut. um dieses heroisch kämpfende Volt zu unterftü1 en. E' stimmt dem SachlieferUngsabtommen im Interesse einer Verständigung zu .bedauert aber, dast die in der Interpellation seiner Partei gestellten Fragen rur sehr unvollkommen beantwortet wurden. Wir belommen die internationale Anleihe zunächst nicht Aber- die Begründung der Absage sei beinahe wertvoller als eine Zusage; denn die Finanz- oertreter der ganzen Welt hätten die Notwendigkeit eines Abbaues der Reparationslasten betont, ebenso aber auch die Notwendigkeit einer Stabilisierung der deutschen Finanzen aus eigener Kraft des dorischen Volkes. Von dem Desch.'id der Negierung in diesem Sinne hänge die Stellung seiner Partei zur Regierung ab. Redner schliefst seine Ausführungen lyit heftigen Angriffen auf den Reichs wehrministei Dr. Gestler. der Rcgi° mentsfeiern monarchlstischen Eharlater dulde und Gegner der Republik wie Löwe.sieidt zu Sh M tommanbanten mache Er nennt ihn bte schlimmste Gefahr für die Republik.
Abg. Dauch (D. Vp.) protestiert gegen die Behandlung des Reichstages beim Abfchlust des Wiesbadener Abkommens. Dies wäre durch die Umwandlung der Gel'l Ltungen in Sachleistungen ein Vorteil, wenn diese Sachleistungen unserer Wirtschaftskraft angepastt würden. Dies sei aber nicht der Fall. Es würde ja b«ch über uns bald, die Schwachen, rücksichtslos hinweggegangen. Das zeigten die Rheinlande und das Saargeoiet. Mit der Ersallung der Sachwerte würden nur die Klassen gegeneinander gehetzt. Arbeitgeber und Arbeitneymer get)örten zusammen. Des c inen Verderb sei auch der des andern. Im Rahmen des Unmöglichen führten Abkommen nicht vorwärts, sondern verzögerten die Katastrophe nur um ein geringes. Deshalb lehne seine Partei die Verträge ab.
Gegen 7 Uhr wird die Wetterberatung auf morgen nachmittag 2 Uhr vertagt.
Auherdem' Kleine Anfragen und Vorlagen. Schlust 83/1 Uhr.
Der zu Beginn der Sitzung dem Ausschuh überwiesene Aut ag der Unabhängigen fordert, dast alle der Körperschaftssteuer unle.liegenden Köip^.schasten ihre Kapital-mlage um ein Drittel zu erhöben und dieses Drittel dem Reiche abzutreten haben. Auf jedes inländische Grundvermögen wird zugunsten des Reiches an erster Stelle eine Grundschuld in Höhe eines Viertels des an
gegebenen Wei tes eingetragen. Vvm Erbrecht sollen die Verwandten der dritten und folgenden Stufe ausgcschloffen sein und lür den Reick>s- fiskus ein gcs.tziiche- Erbrecht eingeführt werden. Bei ErbanfäUen über 100 000 Goldmark erhält das Räch einen Erbanspruch auf den Ueberschust.
Industrie und Eilenbahn.
Eine neue Tariferhöhung der Eisenbahnen mit entsprechender Produktionsvcrteur- r.uag und Erhöhung aller Kosten der Lebenshaltung wird hallximtlich zum 1. Juli in folgender Form anqcfünbigt;
Während von einer Erhöhung der Ver- fonentarifc mit Nsickficht auf den augenblicklichen starten Erhelungsreisevertetzr Abstand genommen werden soll, werden die Güter-, Tier- und Erprehguttarife zum l.Zuli um 2ä r H. erhöht.
Das Versagen der deutschen Eisenbahnen, die zahlreichen Mängel in der Verkehrsoerwalvrng haben im e.iufc Der letzten Zähre zu inmrnr lebhafteren und berechtigeren 'Beichwerden A'ilast gegeben. Denn nicht nur Industrie und Handel sind hierdurch den schwersten Schädigungen ausgesetzt, auch die Besorgung der groben Städte mit Koh- len und Nahrungsmitteln wird infolge der unzureichenden Wagengestellung gesahrdä DerReich-- verband der deutschen Industrie sah sich deshalb veranlastt, von führenden Industriellen und Kennern des Verkehrswesens, unter ihnen der durch seine grostzügigen Reformvorschläge schon bekannte Reichstagsabgcordnete Dr. Quaal), ein Gutachten über die Ursachen des Zusammenbruches der Eisenbahnen und die Möglichkeiten ihrer Gesundung ausarbeiten zu lassen. („SHe Deutsche Sifen- bahnf rage “ Verlag Karl Siegisnuind, Berlin SW. 11.) Hienn wird festgestellt, dast der Lechungsgrad der Reichsbahn gegenüber dem Hahre ■ 1913 auf weniger als die Hälfte gesunken ist. Als Ursache wird mangelnde A-srustung des mechanischen Apparats. der starke Rückgang des Verkehrs, über- mästiges Anwachsen der Personalbc-stäirde, zu geringe ArbettSintensität unb schliehlich auch zu spätes Einsetzen der Tariferhoblurgen angegeben. Kaufmännisch ausgedrückt: Der Umsatz sei zu gering, die Selbstkosten dagegen zu hoch und die PreiSstellung unrichtig.
Darauf hatte der ReichsverkehrS' Minister in einem Rundschreiben an die Han- delskammern. l en Iickmst i i - rnd Handelstag und Dc.t Reillsverband der dmllchen Ind.lltäe feine Tarifprlllu ;u '.echtfertigen versucht. Die Tar's- ertohungat b.ieben hinter de- allgemänen Aier- Teuerung zuruck Au) alcn Gcbüteu der Verwaltung würden überdies unabläfilg die äustersten Anstrengungen gemacht, um die Ausgadetr zu vermindern. Bzüglich der Persvnalpolittt wurde och 'Bel^aupkung ansg.st-I t, dast lir auf diesem Gebiet zu er i I.'nben Ersparnisse in der Regel überlchätzt ttü deu.
D es.m Ru ds l r iben deS Ve ck Hr smi istrrS tritt nun der Reichst» erband der beut • f eben Industrie i> einer Erwid.mmg entgegen. Hierin wird betont, dast die Balancierung des R^ichsba'metatS m erster Linie durch eine Erhöhung iXr Leist uiigs r hi tät, ei e wirtschaftlichere Gestaliurg der gesamten Ve Wallung und 3>anb in Hand damit durch Ersparnill^ jeder Art angestrebt werden müsse. Die Kosten für Ne zw-eifelloS rotwendige Wi-.l-eri standse.'w g bexi technischen App ^rutes sollen nicht tu ch l meube Einnahmen, sondern durch belo-rbere itre" ite aufgebracht werden. Wester hin wird au_gäührt. das) die hm igm Bä i b ci angen auch mi: einem um etwa 303 030 Köpfe üerrrgertvnt Personal erzielt werden könnten. Oegenüber dem Versuch des M mist erst, auf Grund von S'atistikcn nachzuweisen, bal") die von ihm vorgenommenen Tariferhöhungen stack geic-iÜDcr der alle.em inen Geld- en'wertung zurückg bLieben feien, müsse der Reich-- verband der deutschen Industrie Verwahrung dagegen einlegen, dast mit unzuverlässigen Zahlen, die grösttenteils auf freier Schätzung beruhten, in einer für das Wirtschaftsleben so wichtigen Fage
.Schon bei der ersten Hondr ichung, die ich ihr leistete, machte sie den Versuch, mit mir ein Gespräch anzusangen. Ich antmoriete kurz, beinah« un^flich, beim ich war damals fast schon ebenso menichenscheu, tmc bzute, unb hatte auch wahrhaftig kä e Lust, banale Tischg sp äche zu führen Am liebsten war es mir. wenn ich mich ganz ungestört in meinen Kummer vergraben tonnte.
.Zu meiner Verwunderung sah ich. wie es bei meiner Antwort in den Augen meuter Nachbarin aufblir.te. Einen Auseitblick lang zerbrach ich mir den Kopf, was das wvl/l bedeuten mochte, und hatte das unangenehme Gefühl, als wenn sie tm stillen sich über mich luftig machte, ©te hat mir später die AufNärung selblt gegeben. In dem Augenblicke totste sie den Entschluß, mir zur Strafe für mein wenig höflich^ Verhalten den Kops zu verdrehen!
Nach einer kurzen Pause sprach sie mich wieder an. Was sie sagte, weih ich heute nicht mehr cs war jebenfallä derart, dast ich es bei einer'kurzen Antwort nicht bewenden lassen konnte, und so gerieten wir allmählich in eine Unterhaltung, zu der sie frellich das meiste beisteuerte. Sie plauderte über alles mögliche, und Zwar so gewandt, zuwcilen geistreich dast auch ich lebhafter wurde unb meine Zu rückhalt rng immer mehr aufgab. Als wir beim Braten anlangten, war die Unterhaltung bereits vom Allgemci.-en auf das 'persönliche geraten, sie erzählte mir, bat) (te drüben drei halberwachsene Ktt'.der besähe, zwei Mädchen unb ei een ungezogenen Hungen^ eigenlsich asio eine recht alle Frau sei. Ich tot ihr den Gefallen, ungläubig mit dem Kopfe zu schütteln unb ein banales Kompliment zu Lustern. Da lachte sie leise auf und in ihren Augen erschien wieder daZ seltsame Aufleuchten.
.Nach dem Kaffee stand sie auf. schüttelte mir, wie einem asten Bekannten, die Hand, grüstte die übrigen mit einer leichten Neigung des Kopses und zog sich zurück. Unwillkürlich folgte ich ihrer schlanken Gestalt mit den Augen. Sie muh es
DeuLicher Reichstag.
232. Sitzung, 2 Uhr nachts.
Berlin, 22 Zuni
Vor Eintritt in die Tagesordnung wird ein Dringlichkeitsantrag der Unab./äng gen auf Einleitung einer allgemeinen Finanzreiorm nach bestimmten Lettsätzen sofort einer Kommission übzr- wiesen.
Es folgt die Besprechung der gestern be- gründ ten cu' e pst s Inte p lla tonen.
Abg. S t ampfer (Soz.) ertlärt, dast seine Partei bemüht sei, im Verein mit den ausländischen Bruder Parteien das schamlos gebeugte Recht am Rhein unb an der Saar wieder h:r- zustelien. Die Sozialbemok eatie billige ces da. d die Erklärung der Rrihsregierung Die GefMr einer Lo^trenirung des Rheinlandes fei wohl tm allgemeinen nicht grost. Bedenklich aber sei das Auftreten gewisser rheini cher La:bwirie, welche in ihrem Kampfe gegen die (Setreibeumlage fogar Verbindung mit der Interalliierten Kommission suchten. Sch irken, die in ter Wahr ung ihrer berufsegoistischen Interessen vor Landesverrat nicht zurückschrecken gibt eS in jedem Stande Das beweist ein Schreiben des Grostagrarieri' von Oldenburg vom 12. April 1915 an den damaligen Minister des Innern Löbell, In dem et erklärt, dast er trotz der Hmigerblockave wegen der vielen unangenehmen Beiordnungen 500 Morgen Getreidrielcer nicht bestellen wolle. Di< sei Oldenburg läuft heute mit dem Eisernen Ki^euz 1. Klasse herum Als Herr Hesiferich bei seinem Stampf gegen das Londoner Diktat gefragt wurde. waS beim nach der Ablehnung geschehen solle, spvach er die historischen Worte: „3a, daS wird sich dann eben entwickeln!" Er hat also gar keinen Plan und toill uns in die Zukunft bi nein tappen lassen, wie wir in den Krieg hinein- getappt sind Dir begrüsten das Wiesbadene' Abkommen, well wir bann den ersten Schritt zur Lösung des französisch-deutschei' Problems sehen. Der Deutschnationale Dr. Reichert aber spricht dem völkerrechtlichen Begriff zuwider noch immer von .Feinden". Demnach müstten alle diejenigen Landesverräter sein, die vvm 'Feinde Geld atmehmen. wie der ehemalige Kaiser, der KrvTtpiinz unb Ludendorff. Für uns sind nur die Kriegshetzer in allen Ländern die Feind?, unb wenn es zur großen Auseinanderseh ung mit diesen Mächten der Reaktton kommt, werden die Mllllonen des Volkes unS folgen.
Abg. Gv 1hein (Dem.) bedauert, dast der deutschuationale Reduer Dr. Reichert die Würde so wenig bewahri stabe. Auch feine Partei halte die Sachlieserungsabkommei keineswegs für ideal, sehe in ihnen aber doch einen Fortschritt gegenüber dem Zustand nach dem Londoner Ultimatum. Ueberhaupt sehen wir seit London zweifellos eine gerade Linie des Fortschritts vor uns. Auch der Spruch der Anleihekommillion sei ein Vorteil für unS, da er gegen die französisch-militaristische Politik sei. Er bezweifele aber, ob Dr. Reichert durch seine Rede eine für die Anleihe günstige Atmosphäre geschaffen habe. Der Redner- polemisiert sodann gegen die Ausführungen Dr. Levis und tritt der Illusion entgegen, als ob die Reichen allein die Forderungen der Entente erfüllen Bunten Ein Wegsteuern des Kapitals führe zur Stillegung der Pwduktion. Ohne die E^öhung der Arbettszeit im Ruhrredier würde die Produktion an der Kohlenarmut zugrunde geben. Damit würden auch die Anleiheaussichten sehr verminderi. An der letzten großen Teuc- rungswri'e sei die unerträgliche Tarifpolitik schuld. Der Völkerbund dürfe sich nicht länger zum Büttel für das furchtbare Unrecht machen, das unserer deutschen Bevölkerung im Saargebiet angetan werde.
2lbg Emminger (Bayer. Vp.) betont die (Sinigfät des ganzen Volkes mit der Regierung in der Veiurieilung des Unrechts, das im Rheinland und im Saargel'iet dem deutschen Volke und der deutschen Wirtschaft angetan werde. Bei dem Scuhlieferungsabkommen sollte die Regierung daraus achten bat) auch die süddeutsche Wirtschaft dabei zu ihrem Recht komme. Wie lange gedenkt der Reichskanzler noch den Versuch der Erfüllung
.Ich verbot mir gereizt die A: u.k^ng. cr unterfing sich, einen neuen Scherz aus meine ( vtlll ...--— — ----------
Kosten zu machen unb da lies mir de Galle sein mit der Amerikanerin oder die Mensur, über, ich erklärte ihm, er sei in meinen Augen ein ^e' mi; das 3tui uöh ein bißchen warm ye- ganz dummer Zunge. macht hatte, kurz, ich war nicht imstande, meine
.6r wollte sich mit der Bemerkung entfernen, Gedanken bei dem Thema^ das ich Damals traf» dast das übrige sich finden würde, da sagte einer I iiertt, zu ve.stunmrin. Sie e rlichteriertm bei aus unsrer Gelellschasi, ein Inaktiver eines Ter- allem möglichen umher, inb wem fie eine Zeit- (iner Korps dem das Vergnügen an der He^e lang in der Berga, geah i gew.llt batten mtt aud den Augen leuchtete: ,M..ine Herren, ich ll ihrer Bitternis unb Trübsal bann ertappte ich fabe zwar von feiner Seite einen Auftrag, aber ' ' * r ~ 1 *"
es ist ein so schöner angebrochener Rachnrtttag, wozu cHfc die Sache bis morgen lassen? Ich will mich verpflichten, den ganzen Ap a.aiuö binnen einer Stunde von meinen Korpsbrüdern nach dem Paullokal in der Koppenstratze zu be°


