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RattDtot22. Chnri ('2xrorff.) Heure vor- mittag fanb in her Baugewerksschule. dem jetzigen Ratsgebäude der Woiwodschaft, die feierliche Einführung Calonders statt, des Präsi­denten der gemischten Kommission. Don deutscher Seite erschienen Herr Letoald, Le- gativnsrat v. Mo11ke, Dr. Lukaschek, Di­plom-Ingenieur Bormann und von polnischer Seite Generalkonsul Keszycki- Oppeln, Di- plom°2k g mieu c Grabinowski^ Kattowitz Re-chtsanMOlt Wolny, das Mitglied des Außen­ministeriums 2Doiw.de Ryne r, der Präsident des Oberlaridesgerichts Dvchochenaki. Ober­bürgermeister G o r nik und Legationssckretär Morawski. Aach einer kurzen Begrüßung durch den polnischen Generalkonsul ergriff Dr. Letoald das Wort, worauf Cal onder in längeren Ausführungen in französischer Sprache erwiderte. Der gemischten Kommission gehören als Mitglieder von deutscher Seite v. Moltke und Lukaschrk und von polnischer Seite Wolnh und Grabianvwski an.

Das Wirtschaftsabkommen mit dem Memelgebiet.

Berlin, 22. Juni. (Wolff.) Der tm Rkar mit den Vertretern des M e me l gebiets ver­einbarte Entwurf des Abkommens zur Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwi­schen dem Deutschen Reich und dem Memelgebiet wurde bisher noch von keinem der Dertragsteile unterzeichnet, da die Memeler Delegation nur zur Erörterung der Vorbereitung des Vertrages bevollmächtigt war und bei den Verhandlungen bestand ein Einverständnis darüber, daß es zweck­mäßig sein würde, einen Teil der 'Bestimmungen des Vertrages bereits vor der Unterzeichnung und der Ratifizierung durch eine Anordnung auf dem Verwaltungswege in Kraft zu sehen. Der direkte Absatz der deutschen Waren in den Rand­staaten würde beeinträchtigt, weil die für den eigenen Bedarf des Memelgebietes bestimmten deutschen Waren dorthin unter besonders gün­stigen Bedingungen befördert werden konnten, dann aber vielfach nicht im Memelgebiet verblie­ben. Zur Wahrung der Interessen Ser hiervon betroffenen deutschen Handelskreise war schon lange beabsichtigt, das System der Berech­tigungsscheine aifzuheben. Die*e Reu- regeluirg durch eine vorläufige Inkraftsetzung schon ;etz't in Kraft zu setzen, ist leider nicht möglich. Äe Überei twilligkeit der deutschen Regierung war dazu bereits ausgesprochen, aber der Entwurf des Vertrages muß erst von der Botschafte-rkon- fererrz begutachtet werden. Dir Prüfung durch die Botschafterkonferenz wird Hof entlrch bald erfol­gen. Auch von deutscher Seite wird geprüft werden, inwiefern bis zur Ra'ifizierung des Ab­kommens Verhältnisse grschasfea Weden können, die den beiderseitigen Interessen entsprechen.

DieBeratungenüber die Umlage.

Gehaltsvoraus ahlung an die Beamten. ,

Berlin, 22. Iunk. iWolff.> Der Volks­wirts chastliche AuSschu ß der Reichs­tags setzte die Beratung des Gesetzentwurfs über die Getreideumlage in einer ast ge­meinen Arrssprache fort und beschloß, die gesam­ten Fragen dem Unterausschuß zu über- l weiser. Im. Beamtenausschuß des Reichstags teilte Regierungsrat v. Hagenew mit, daß das 7 Kabinett gestern beschloß, der Rot der Beam­ten Rechnung zu tragen und die Bezüge für ' Juli am 24. Juni außzahlen zu lassen. Der : preußische Finanzminister traf dieselbe Anord­nung und es sei anzunehmen, daß die übrigen Länder folgen werden.

Aus dem Reiche.

Der preußische Ministerpräsident gegen die Schuldluge.

Berlin. 22. Juni. (Wolff.) Im Preu­ßischen Landtag ergriff der Minister­präsident zu der Frage der Alleinschuld Deutschlands, am Kriege das Wort und sprach nachdrücklich ft e Verwahrung gegen

Feuilleton.

Das erste Kirchenbild.

Der Schmuck des Gotteshauses ist Jahr­hunderte lang die wichtigste Aufgabe der Kunst gewesen und hat die herrlichsten Meisterwerke des Mittelalters und der Renaissance hervorgerufen. Die Verschönerung der christlichen Kirchen durch Bilder war durchaus nichts Selbstverständliches; das alte Gebot Jehovas, daß sich der Mensch kein Bild machen solle von seinem Gott, herrschte auch noch in der Frü'hzeit des Christentums, und erst allmählich hat man dieses strenge Verbot aufgegeben. Die Aufstellung des ersten Kirchen­bildes war jedenfalls eine große Kulturtat, deren weitreichende Folgen wir noch heute verspüren. Welches war nun dieses erste Kirchenbild? Dar­auf gibt Prof. 3. Wittig in einem Aufsatz der »Deutschen Revue" die Antwort. An der Geburtsstätte des Christentums, in Rom, ist auch das Kirchenbild geschaffen worden, und zwar ist das erste Kirchenbild die Christus-Darstel- lung an der Apsis der Laterankirch,e. Die Lateran-Basilika wurde als Erinnerungs­denkmal zum Dank für den Sieg Konstantins des Großen über Marentius erbaut, der zugleich den Lieg der christlichen Religion brachte. Christus, in dessen Zeichen der Sieg erkämpft war. galt als der eigentliche Triumphator und wie die Lateran­kirche der erste' abendländische Kirchenbau. so nrnfj auch dies Christusbild das erste Kirchenbild sein. Aber früher stand dieser Aimahme die Tatsache entgegen, daß das Apsis-Mosaik die mittelalter­lichen Heiligen Franz von Assisi und Antonius von Padua zeigt und daß sich als der Schöpfer des Bildes ein mittelalterlicher Meister inschrift­lich nennt:Jakob Toriti, der Maler, hat dies Werk geschaffen." So hielt man denn das Werk der Laterankirche für eins der vielen mittelalter­lichen Mosaiken und dachte nicht einmal daran, daß es sich hier um eine altchristliche Arbeit handeln könnte. Erst durch die umstürzenden For­schungen Wilwerts. der die Kenntnis der früh­christlichen Mosaiken in seinem großartigen Werk auf eine ganz neue Grundlage stellte, ist festgestellt worden, daß das Mittelstück des Mosaiks, das Brustbild Christi, aus dem altchristlichen Apsis Mosaik ziemlich unversehrt in das mittelalter­liche Werk übertragen wurde, well man an eine wunderbare Entstehung dieses Christ, usbildes glaubte und seine Zerstörung scheute. Amr auch die übrige Komposition ist im wesentlichen eine getreüe Wiedergabe des altchristlichen Bildwerkes,

Deutschlands Allein schuld aus. dir d e Grundlage der ungeheueren Reparationsforde- rungen der Alliierten sei, und worauf der ganze Versailler F- iedensvertrag basiere. Der Minister­präsident berief sich besonders auf Lloyd George und den ehemaligen Ministerpräsidenten Ritti, als Beweis dafür, daß Deutschland nicht der Alleinschuldige am Weltkriege sei. Lloyd George erklärte in einer Rede am 23. Dezember 1920, daß die Parteien gewissermaßen in den Weltkrieg hin­ein gestrauchelt sind; Ritti schreibt, daß die Be­hauptung, Deutschland.sei allein schuld an dem Weltkriege, nur als eine Kriegsmache ausgestellt wurde. Der Versailler Friedensvertrag führte der Ministers)räsident aus, habe den Haß in der Well weiter geschürt und den Boden für die französische Gewa;tpoli iE im Saargebiet geschaf­fen. Das Saargebiet habe keine Volksvertretung bekommen und sei weiter vollkommen der fran­zösischen Gewaltpolitik ausgeliefert... Sv wie früher im Balkan der Rubel rollte, so rollte jetzt im besetzten Rheingebiet mit demselben Ziele, die Bevölkerung zu korrumpieren, der Franken. Aber die Rheinländer hallen in unentwegter Treue zum Reiche und sehen mit Verachtung auf die Wenigen, dir sich einfangen lassen. Der Mi­nisterpräsident begrüßte die zu Deutschland wieder zurückgekehrten Gebiete Oberschlesiens und ge­dachte der scheidenden Teile mit warmen Worten. Zum Schluß versprach des Ministerpräsident, alles, bei der Reichsregierung dahingehend zu unter-' nehmen was zum Hvecke der Klärung der Schuld­frage am Weltkriege erforderlich sei.

Die Gründung des Allgemeinen Deutschen DeamtenbundeS.

Derlin. 23. Juni. Der Bundesvorstand des Deutschen DeamtenbundeS hat in seiner gestrigen Sitzung festgestellt, daß die Reichs­gewerkschaft Deutscher Eisendahnbeamter sich durch ihre Beteiligung an der Gründung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes außerhalb des Deutschen Beamtenbundes ge­stellt habe.

SoHalistische Einheitsfront in Sachsen.

Dresden, 22. Juni. (WTD.) Bei der heutigen Beratung des Finanzetats tm Landtag gab die kommunistische Fraktion eine Erklärung ab, in der sie ihre Bereitwilligkeit be­tonte, dem Finanzetat zuzustnnmen und die sozial­demokratische Regierung zu unterstützen. Die K P. D. fordert Die beiden sozialistischen Par­teien auf. gemeinsam die Auflösung des Landtages vorzunehmen und in geschlossener Front für die Arbeiterforderungen einzutreten. Demnach ist bei der in nächster Zeit bevorstehenden Verabschie­dung des Gesamtetats mit dessen Annahme durch die drei Linksparteien zu rechnen.

Berufung im Offenburger Prozeß.

Offenburg. 22.Juni. (Wolff.) Die Offen - burger Staatsanwaltschaft hat gegen das freisprechende Urteil in dem kürzlich vor dem Schwurgericht Offenburg verhandelten Pro­zeß gegen Kapitänleutnant v. Killinger Be­rufung eingelegt.

Aus Hessen.

Abg. Dmgeldeh über die politische Lage.

6 Darmstadt, 22. Juni. In der Hauptver­sammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deut­schen Volks Part ei sprach gestern Landtags­abgeordneter Dingeldey über die politische Lage in Hessen und im Reich. Er wies die Darstelmng der Zentrumspartei, daß die Deutsche Dolkspartei bei der Regierungsbildung in Hessen Kata ftrvphenpolitik" treiben wolle, entschieden zurück. Der Standpunkt der Partei sei klar und eindeutig für alle, die es verstehen können. Dann wurde der Geschäfts- und Kassen­bericht erstattet. Die Versammlung dankte dem Generalsekretär, der am 1. Juli nach Berlin über­siedelt, für seine Ar bell. (Sine Entschließung w-irde angenommen, die stärkere Fürsorge für die Klein­rentner fordert und in einer weiteren Kundgebung angesichts der Wiederkehr des Jahrestages des Versailler Diktates entschiedener Einspruch gegen das Unrecht am deutschen Volle und gegen die

und glücklicherweise ist vor seiner Zerstörung bei den baulichen Veränderungen unter Leo XIII. von dem Altmeister der christlichen Archäologie de Rossi eine gewissenhafte und vorzügliche Kopie des Bildes gewonnen worden. Auf Grund dieser ilcberrefle ist es möglich, das erste Kirchenbild in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen.

Der Meister des ersten Kirchenbiwes hat bereits die Komposition in verschiedenen Zonen durchgeführt, die die ganze christliche Vorstel­lungswelt wesentlich beeinflußte und die Kirch en - bildkunst bis Raffael und über ihn hinaus be­stimmte. Das Mittelbild mit der Christus-Dar- stellung beherrscht das Ganze. Lieber ihm, das von zwei oder vier Engeln umgeben ivar, muß die Hand Gottes sichtbar gewesen sein, die die oberste Zvne, das Reich des unsichtbaren Gottvaters, an» deutete. Von dem Christusbllde schwebt nieder zur zweiten Zone die Taube als Symbol des heiligen Geistes; von ihr geht eine Strahlenflut aus in deren Licht ein Triumphkreuz sichtbar wird. Don der Höhe eines Berges, auf dem das Kreuz steht, fließen die vier Paradiesesströme, die die vier Evangelien bedeuten. Auf der blu­menreichen Au zur Rechten und Linken des Berges stehen die großen Heiligen des christlichen Alter­tums. Maria und Johannes, Petrus und Paulus, Johannes und Andreas. Auch die Idee des Weltgerichtes war bereits auf diesem ersten Kir­chenbild angedeutet. Aus seinem Schema hat sich das mittelalterliche B§eltgerichtsbild entwickelt, und es ist auch die unmittelbare Vorlage für die Disputa Raffaels. So führt vom Airbeginn der christlichen Kunst ein direkter Weg bis zu ihrem Höhepunkt.

Bei welchen Temperaturen gibt es noch Leben?

Die wichtige Frage, welche Temperaturen von Lebewesen ohne Schädigung ertragen werden kön­nen. beantwortet Dr. G. Rahm aus Grund neuer eigener Forsch rngen in der11 mscha i. Die Grenze der höchsten Temperaturen fällt mit der Gerinnung der Eiweiß körper zusammen. Da aber die Temperatur, bet der die verschiedenen Eiweißkörper gerinnen, durchaus nicht die gleiche ist, gibt es keine einheitliche Grenze. Im all­gemeinen gilt, daß nur wenige Lebewesen eine Wärme von mehr als 30 Grad C. vertragen können. Man hat zwar in heißen Quellen Algen und niedere Tiere gesunden, die noch bei Tem­peraturen von 64,Z Grad C. und sogar von 81 Zrad C. ihr Geben frasteten. Das sutö aber Ausnahmen, die nur bei Pflanzen und Tieren

Scyuldluge erhoben. Die bisherigen Mugrteder des Parteiarisschufses wurden wiedergewählt. Rach erledigter Tagesordnung hielt Oberstleut­nant a. D. von Hag en einen sehr interessanten Vortrag über die Schlacht an der Marne 1914. Der Redner fand lebhaften Beifall.

Aus StGÖt und Land.

Gießen, den 23. Juni 1922.

Wettervoraussage

für Samstag:

Bedeckt, leichte Riederschläge mit Gewitter­erscheinung.

'Der nördliche tiefe Druck drängt das Hoch­druckgebiet über Europa und der Dlscaha weiter zurück. An seinem Rand werden verbreitete Ge­witter mit leichten Riederschlägen auftreten.

** Deutsche Volkspartei. Arn Diens­tag fand eine gut besuchte Versammlung der Frauen der D. V. P. stall. Rach einleitenden Worten von Frau Pfaff berichtete Frl. M. Birnbaum, M. d. L., von dem Provinzial- parteiitag der D. V. P. in Dingen und den teils niederdrückenden, teils erhebenden Eindrücken, die sie dort empfangen hatte,darauf referierte sie über die Tagung des Reichsfraunausschusses der D. D. P. in 'Berlin, von der sie soeben zurück­gekehrt ist. Auf Anregung von Frau Pfaff versprach SrL Birnbaum, einen Antrag um Verbilligung von Butter und Zucker einzubrinaen. Zuletzt sprach eine Dame über Zweck und Ziel des Klein-Rentnerbundes. Infolge ihrer beredten Schilderung der Rot der Klein-Rentner wurde folgende Entschließung einstimmig angenom­men:Die durch die Geldentwertung verursachte Teuerung trifft die Klein- und Sozial­rentner von allen Volksschichten am härtesten, ohne daß sie in der Lage sind, sich aus eigener Kraft genügend wehren zu können. ES ist daher Pflicht der Regierung, ihnen durch gesetzliche Maßnahmen zu Hilfe zu kommen. DieFrauen der D. D. P. Gießens fordern daher ihre Frak­tion int hessischen, Landtag auf, sich mit allen Kräften für eine baldige und wirksame Linderung der Rot der Klein- und Sozialrentner einzusetzen."

** Teilstreik in der Gießener Zi­garrenindustrie. In einer großen Anzahl der Betriebe des Bezirks Gießen sind die Arbeiter der Zigarrensabriken in einen wilden Streik ge­treten. Wir kommen auf die Beweggründe und den Fort- bzw. Ausgang der Bewegung noch zurück.

** D ie Astoria-Lichtspiele Sellers- weg bringen zur Zeit ein sehr gutes Programm. Der FilmDie eiserne Faust" zeigt den italie­nischen Lieblingshelden Luciano Albertini in einer vorteilhaften Rolle, wie er in der Rolle ein'es Detektives einer gefährlichen Verbrecher­bande nachspürt. Der Film ist an aufregenden Szenen sehr reich, neben hochinteressanten Dressur- szenen von Löwen und Bären sind besonders be­achtenswert die fast unglaublichen Bravourstücke eines dressierten Assen. Das Gesellschastsdcama Violet" spielt im Gebirge und ist nach dem gleichnamigen bekannten Roman von Kurt Qlram verfaßt. Die Photographie ist tm Hochgebirge ausgenommen und sehr Kar.

Bornotizen.

Tageskalender für Fr er tag. Reue Aula, 8V4 Uhr: Vortrag der Gießener Hvchschulgesellschaft.

Goethe-Feier. Auch für Gießen hat der Goethe-Bund anläßlich des diesjährigen Wetzlarer Goethe-Jahres eine (Sebenffeier vor­gesehen, die am nächsten Sonntag tm Saale des Gesellschastsveveins (Sonnen straße) stattfindet. Das Programm läßt eine eiirdrucksvolle Feier er­warten. Frl. Karla Keller vom Kurtheater Bad- Rcruheim wird aus Goethes Iugendwerken t»n 1Z481ZZ2 eine Reihe von Dichtungen bortragen, die für die einzelnen Zeitabschnitte besonders charakteristisch sind und eilt Bild von der dich­terischen Enw-cklung des jungen G elle geben werden. Die Festansprache hat Univsrsitats- bibliothekar Dr. L t st übernommen: Wetzlars Be­deutung für Goethes irtenschliche Entwicklung. Zur Uebernahnte des musikalischen Teils hat sich Prof. Feuer bereit erklärt. (Siehe heutige Anzeige.)

möglich sind, die bis zu einem gewissen Grade aus trocknen und in einem scheintoten Zustand die Lebensvorgänge auf ein Minimum beschränken. Rur in solch scheintoten, d. h. lufttrockenem Zu­stand, können niedere Tiere, z. D. die Bärtierchen, sogar Temperaturen von 151 Grad C. über Rull kurze Zeit aushalten; haben sie aber int Wasser ihre volle Lebenstätigkeit wiedergewonnen, so so sterben sie sofort nach dein Erstarren des Ei­weißes, was bei Temperaturen von 44 bzw. 43 Grad C. über Rull der Fall ist. Anders liegen die Verhältnisse bei den liefen Temperaturen, und hier ergibt sich die merkwürdige Tatsache, daß es überhaupt teilte untere Grenze des Le­bens gibt, sondern daß Lebewesen die allerstärk­sten Kältegrade aushalten. Früher glaubte man, daß bei Temperaturen, die unter dem Gefrierpunkt des Walsers liegen, alle Lebewesen getötet wer­den, wenn sie nicht durch Bekleidung, Gehäuse usw. gegen die Kälte geschützt sind. Aber dann beobachtete man, daß Fische, die steinhart ge- ftonen traten, wieder auflebten, wenn das Cis auftaute, und bei Fröschen fand man durch Ver­suche, daß sie Temperaturen bis 28 Grad C. schadlos ertrugen und erst bei 30 Grad C. ge­tötet wurden. Riedrigere Tiere hielten noch hö­here Kältegrade aus, so Infusorien und Räder­tiere 90 Grad C., Schnecken sotzar 120 Grad C. Danach stellte der Schweizer Biologe Plotet den Grundsatz auf, je einfacher ein Lebewesen gebaut sei, desto widerstandsfähiger sei es auch gegen äußere Einflüsse. Die Eier der Insetten er­wiesen sich als noch viel fester gegen Kälte und lebten bei180 Grad C. weiter. Cs zeigte sich dann aber, daß auch Bakterien und Kieselalgen die Kälte der flüssigen Luft, also Temperaturen von190 bis 200 Grad C. überstehen. Kul­turen der verschi d nftrn D ck erien hielten sich viele Tage, ja sogar 6 Monate in einem Bad von 190 Grad C., ohne abzusterben. Reuerdings frai mm Rahm niedere Tiere, wie Bärstierchen, Fadenwürmer und Rädertierchen, noch viel tie­feren Temperaturen ausgesetzt. Er brachte die Tierchen mit flüssigem Helium in Temperaturen von 2Z1,5 Grad C., und die Versuchstiere blie­ben unbeschädigt auch noch "bei diesen ungehe irea Kältegraden, die hart am sogen, absoluten Rull­punkt liegen. Die Tiere hielten sich drei Monate lang in dieser Kälte und existierten nachdem Auf­tauen ungefchwächt weiter. Die Vers uchstiere konnten sogar einen plötzlichen Temperatursturz von über 350 Grad C. In der Trvckenstarre schad­los überstehen, und es ist damit gezeigt worden, daß, während die obere Grenze des Lebens ziem­

- Die Männer und Frauenver» einigungderMatthäasgemeinde ver­anstaltet zusammen mit der Kinderkirche am kom­menden Sonntag einen Familientag im P h i» lvsvphenwald. Musrkeli 1J <., gesangliche, deklamatorische Darbietungen, Ansprache Spiele der Kinder und anderes werden am Rachmittaa reichlich Unterhaltung bieten. (Siehe Anzeige.)

Die Kirchengesaug vereine des D ekana ts Gießen veranstalten am Sonntag, 25. Juni d. I. in Annerod ihr diesjährig«^ Gesangsfest, das, wie immer, unter der bewährten Leitung von Musikdirektor Trautmann (Gießen) steht. Wenigstens 400 Sänger und Sängerinnen wirken mit. Der Gottesdienst, in dem Pf. Decker (Gießen) die Predigt hält, wird durch vier Ge­samtchöre sowie durch Einzelchöre des Kirchen- gesangvereins Gießen und derFrauenchöre zu Annerod und Wieseck ausgestattet sein, (©lebe Anzeige.) -

Landkreis Gießen.

--- Hungen, 22. Juni. In richtiger Gr- tcimtnid der dringenden Rotwendigleit hat der hiesige Gemein de rat beschlossen. drer Wohnhäuser zu erbauen, trotz der riesigen Baukosten, die dieselben jetzt verursachen. Damit wird dec herrschenden Wohnun^-not gesteuert und einer berechtigten Forderung eines großen Teils der hiesigen Bewohner Rechnung getragen. Der Dau der Häuser ist durch Submission einer Gie­ßener Firma übertragen worden und die Der- messungs- und Aushebungsarbeiten haben bereits begonnen, so daß mit der Fertigstellung der m schönster Lage der Stadt erstehenden Hauser tm Rohbau noch vor Eintritt des Winters gerechnet werden Bann.

Kreis Friedberg.

* Dad-Äauheim. 22. Juni. Dis gestern.betrug der Gesamtbesuch 16 381 Personen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Kirschen zu 5 Mark das Psturd.

* Mainz, 22. Juni. Wie derMainzer Anzeiger" zu berichten weiß, sind die Preise für Kirschen in Kamp am Rhein auf 5 Mark das Pfund heruntergegangen. Wir wollen nur hoffen, daß auch in unserer Gegend das Obst, das doch in diesem Icchre in Hülle und Fülle vorhanden ist, bald etwas billiger wird, damit es sich jeder leisten Tarnt.

*

Offenbach, 22. Juni. 3nt Parkhote! Degenhardt fand eine stark besuchte Versamm­lung der Deutschnationalen Volts- Partei statt, die von dem O r t s s ra'uena u s - schuß der Partei einderufen worden war. Rach- dem Frau Prof. Heraeusdie Erschienenen und besonders die Rednerin des Abends, Frl. Hannah Brandt, vom Reichsfrauenaurschuß der Partei begrüßt hakte, führte Frl. Brandt in ellva einstündigem Dortrage u. a. folgendes aus: Dem deutschen Volke wird, teils mit Recht, oft jede politische Veranlagung abgefprochen. und wenn wir die Erfolge der Zweckmäßigkeitspolilii des Femdbundes jetzt täglich vor Augen haben, wird uns die Erkennung der unpolitischen Art des deut­schen Volkes zu schweren Sorgen Veranlassung geben. Wir können als Deutsche die Politik nicht getrennt von dem wirklichen Leben des Volkes, seiner seelischen Einstellung auffassen. -Wir em­pfinden, bewußt oder unbewußt, in unseren Po litischen Handlungen alle die weltonscharnngs- mäßigen Gebundenheiten von Recht und Un­recht, Sitte und Moral, die z. B. das-»engllsche Volk in Behandlung der öffentlichen Angelegen­heiten einfach beiseite legen tarnt. Besonders schlagend tritt diese Verschiedenheit der völki­schen Veranlagung hervor in dem Benehmen des deutschen Volkes nach dem Fri:dcmss nkuß von Frankfurt tm Jahre 18Z1 gegenüber der Hal­tung des französischenVolkes und Jei .er Re­gierung nach dem sögenannten Friedensschluß von Versailles. Eine Lösung dieses Konfliktes zwischen Weltanschauung und Tag:spOli.ik wird dem Deutschen nicht gelingen dadurch, daß er ein­fach- die dem Staatsleben Westeuropas abge^je» nen Formen auf das staatliche ßcben des deut­schen Volkes überträgt. Rur die übereinftinf mung von Weltanschauung utb politischem Han

lich begrenzt ist, eine untere Grenze überhaupt nicht bestehtt.

Eine imbskannte MLnchhcmseu-Geschrchte.

Münchhausen, der ' geniale Aufschneider, ist uns in seinen luftigen Geschichten hauptsächlich durch das Buch bekannt, das Bürger über ihn zusammenstellte und das seitdem zum Volksbuch geworden ist. Es waren aber auch sonst noch Erzählungen von dieser vor 150 Jahren so über­aus bekannten Persönlichkeit verbreitet, und eine dieser im Volksmund umgehenden Geschichten er­zählt Adolf Reuter in dem dem Jubiläum von Corvey und Höxter gewidmeten neuesten Heft von Riedersachsen". Es handelt sich um eine um den Köterberg lokalisierte Geschichte. Danach begleitete der vormals russische RittmeisterBaron Hierony- nrus Karl von Münchhausen, der auf Boden­werder das geruhige Leben eines Landedel­mannes führte, mit seinem Freund, einem Leut­nant, den Schiffsherrn Dr. aus dem Dorf Heinsen an der Weser, der bei den Mönchen in Marien­münster Eichenholz Laufen wollte. Da der Pnor in Marienmünster eine sehr würdige Persönlichkeit ist, die man nicht zu stark anlügen darf, so mußte der Rittmeister auf dem Ritt über den Köterberg versprechen, daß er sich mäßigen wolle.Weißt du. was ich tun will," sagt sein Freund, der Leutnant,ich will, sobald ich etwas merke, mit dem Messerrücken dreimal auf den Tisch klopfen, dann höre auf oder lenke ein."Wohl." verletzt Münchhausen. ..danach will ich mich richten." Beim Mittagsmahl, als Küche und Keller des Klosters ihr Bestes hergegeben haben, erzählt Münchhausen von einem russischen Kloster; dem gegenüber sei das doch gewiß stattliche Marien- Münster nur ein Mauseloch: »Das Hauptschiff der Klosterkirche war 400 Ellen hoch. 600 Glien lang und ..." Da ertönt das warnende Klopsen Münchhausen verstummt. Die Mönche lauschen, was weiter kommen wird, aber Münchhausen schweigt. Da beginnt lächelnd der Prior:Sie haben uns, Herr' Rittmeister, zwar die Hohe und Länge beschrieben, aber wie breit war denn das Wundergebäude?" Kleinlaut versetzt Münch­hausen:Zwei Fuß."Zwei Fuß?" ruft der Prior.Rur zwei Fuß?" wiederholt der Guar­dian. undnur zwei Fuß?" die Klosterbrüder am ganzen Tisch,das war ja nur ein enger Gang!" ..Ei was." fährt es da Münchhausen ui.wlllig heraus,märe nur nicht das verdammte Klopfen gekommen, bann hätte ich ihm wohl die gehörige Breite gegeben.