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Zrettag, 25. Juni 1922

Erster Blatt

172. Zahrgang

Annahme von Anzetae» für dir Tagesnummer oi» 3um Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mra höbe füt Anzeigenv. 34 nun Breit» örtlich 150 vs.,auswärtL 180 'Pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 500'Pf. Lei Platz. vorschrist20Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Ooetz. Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz, für den übrigen Teil, flarl Walther; für den Anzcigentetl: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

General-Anzeiger für Oberheffen

drvck nnb Verlag: vrühl'fche Univ.-Bud): und Steinbruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle Ed Druderei: Schulstratze 7.

Dos Todesurteil der Besatzungspolitik.

# Mr F. TB. <81 n c n . ber rBerfaffcr nachstehenden Bcricbtc*. lebt in Cincin­nati, Ohio, und fh c't eine hervorragende

Atolle unter den deu t s ch- a rn e r i ka - nifchen Journalisten. Gr ist Her­ausgeber der ^Cincinnati Freien Presse" unb steht In engsten Bezieh­ungen ju den führenden Persönlichkeiten ' der Republikanischen Partei. Im Mai dS. Is. hat Herr Glven eine längere Reise durch die besetzten Gebiete im deut­schen Westen unternommen. Das Er­gebnis dieser Reise, das Resultat der von Herrn Glven in den Rheinlanden, in der Pfalz und im Saargebiet angr- stellten ilntersuchungen, seine. Beobach­tungen und Eindrücke ist nachstehender Artikel. ein Artikel, der die Leiden unse­rer geknechteten Brüder, die ganzen ent­setzlichen unhaltbaren Zustände des be­setzten Westens mit einer Deutlichkeit, Tlrffauliif i, Rucks chts osigkeit und u t«t crbittlicfcen Schärfe schildert, aufdeckt und ans Licht der Oeffentlichkeit zieht.

Heute habe ich eine zehntägige Tour durch das rheinische 'Besatzungsgebiet zum Abschluß gebracht. Ich war in Duisburg, Düren, Jü­lich, Eusiirchen, Trier, Saarbrücken. Speyer, Wiesbaden, Langenschwalboch. Mainz, Kob­lenz und Ems Ich habe Rücksprache genom­men mit Männern in öffentlichen Stellun­gen, die mit der Lage wohlvertraut sind; habe rauen und Mädchen ihre Erfahrungen mit den fremden BcsatzungStruppen berichten las­sen^ habe Gefchastsleulc, Geistliche und an* Mx Persönlichkeiten, von denen ich zuver­lässige Informationen erwarten durfte, auf- gesucht; und hör allem habe ich mich durch den ''lugenschein überzeugt, daß die in den Ber billigten Staaten so ost und bis in die Neuzeit hinein gehört«- Behauptung, es gebe keine 7eger am Rhein, auch heute noch hinfällig fL 2Ibcr das ist nicht von großer Bedeutung. 9ton ist im B sanungsgebiet durchaus. nicht überzeugt, daß die Reger schlimmer sind, als Nc andersfarbigen Truppen; im Gegenteil, in manchen Städten hat man beispielsweise mit den Marokkanern schlimmere Erfahrungen ge- n'.acht, als mit den Regern, und d i e w e i h e n Franzosen sind u in lein Haar bes­ser, als die farbigen, vielfach so­gar noch schlimmer. Die beiden ersten schweren Verbrechen, die zu meiner unmittel­baren Kenntnis gebracht wurden, wurden von einem weißen Franzosen und einem 'Belgier begangen. In Duisburg wurde ein fünfzehn­jähriges Mädchen am Tage vor meiner Än- lunft von einem belgischen Soldaten in bru­taler Weise vergewaliigt; ich habe das Mäd­chen gesprochen, der Bericht des 'Arztes, der es unmittelbar nach dem älebcrfall untersuchte, befindet sich in meinem Besitz. Am Tage vor­her wurde ein anderes Mädchen von einem weihen Franzosen Überfallen, und auch in die­sem Falle habe ich mir die Tatsache von dem Opfer selbst bestätigen ^lassen. Die Zahl dieser Berbrechen ist auch heute noch sehr groß. Sic kommen nur weniger häufig als früher zur Kenntnis der Behörden, weil die Opffer sich scheuen, mit der ihnen an­getanen Schmach in die Oeffentlichkeit zu flüch­ten, und weil sic die Drangsalierungen fürch­ten, denen Zeugen ausgesetzt sind, die vor den französischen Behörden zu erscheinen haben.

Man hat es häufig erlebt, daß Mädchen und Frauen, die als Ankläger gegen französi­sche Soldaten, erschienen, wegen Beleidigung der französischen Armee vor Gericht gestellt und verurteilt wurden, weil sic außerstande waren, aus den ihnen vorgeführtcn Soldaten den Attentäter herauszufinden; obschon ja wahrscheinlich auch die französischen Behör­den begriffen hatten, daß das unter den gege­benen Umständen unmöglich war. Wo eine Verringerung solcher Gewaltakte stattgefun­den hat, ist das lediglich auf die Tatsache zu- rückzuführen, daß Frauen und Mädchen nach Eintritt der Dunkelheit die Sttaße grundsätz­lich meiden und auch am Tage nur unter den zwingenden Umständen ohne Begleitung ausgehen. Es gibt keine Bcvöllerungsklasse, deren weibliche Angehörige nicht schlimme Er­fahrungen mit den fremden Soldaten gemacht haben; die Frauen und Töchter auch der besten Gesellschaftsklassen sind von ihren unsauberen Händen ebensowenig sicher, wie die Frauen und Mädchen aus dem Bolke. Neuerdings be­kunden besonders die farbigen Franzosen die Neigung, Knaben zur Befriedigung ihrer viehischen Gelüste zu benützen. In Euskirchen ist auf diese Weise ein nicht unbettächtlicher Tell der Schüler des Gymnasiums verseucht worden und zwar in solchem Umfange, daß die deutschen Behörden sich mir dem Gedanken vertraut machen muhten, die in Frage kom­menden Knaben aus der Stadt zu entfernen, was ihnen indes bisher nicht gelungen ist, weil die französischen Behörden darauf bestehen,

sie als Zeugen fcstzuhalten. Die Versen- chnng der Bevölkerung durch an- steckende Krankheiten hat solchen Am­an g angenommen, daß es immer schwerer wird, Mittel und Wege zu finden, dem Ver­derben Grenzen zu ziehen. Daß es die fremden Soldaten, in erster Linie die französtschen Sol­daten sind, die für diese Bersenchutzg verani- wonsich gemacht werden müssen, ergibt sich leicht, wenn man Vergleiche zieht zwischen be­nachbarten Städten, von welchen die eine Stadt Besatzung hat und die andere nicht. Das Hebel wird dadurch wesentlich verschlimmert, daß jede Dirne sich des besonderen Schutzes der französischen Offiziere erfreut. Sie bringen die Dirnen in ihre Privatwohnungen, wo die übrigen Hausbewohner Zeuge der wüstesten Orgien sein müssen. Billige Vorstellungen der deutschen 'Behörden finden keine Beachtung. Als in einem Falle die Vorstellungen sehr dringend wurden und der französische Kom­mandant nicht wohl wagen konnte, die zu sei­ner Kenntnis gebrachten Tatsachen zu bestrei­ten, erklärte er, er sei der Ansicht, daß seine Soldaten deutsche Frauen und Mädchen haben sollten.

Im ganzen Besayungsgebiet herrscht in­folge der umfangreichen Beschlagnahmungen ganzer Häuser oder der besten Teile derselben große Wohnungsnot. Für die fremden Offiziere und ihren Anhang müssen die besten Räume hergegeben werden. Die deutschen Hauseigentümer müssen schon froh sein, daß man sie nicht ganz und gar aus die Straße wirst und ihnen wenigstens ein dürftiges Un­terkommen läßt. In den meisten Fällen steht nur eine Küche zur Verfügung, die dann selbst­verständlich zuerst von den cinguartierten Da­men oder Weibern beansprucht wird. Von den dadurch für die Hauseigentümer entstehenden llnzuträglichteiten kann man sich nur bann eine Vorstellung machen, wenn man ihre Klagen selbst gehört hat. Auch hier ist das Verhalten besonders der Franzosen, ganz und gar auf Schikanierung eingestellt. Den deutschen Frauen bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen, und wenn sic sich beschweren, laufen sic Gefahr, wegen Beleidigung der ftanzösi- schen Armee bestraft zu werden. In solchen Fällen gelten immer die Angaben der Fran­zosen. Die Deutschen sind rechtlos, einerlei, wie begründet ihre 'Beschwerden fein mögen. Man hat cs erlebt, daß einer deut­schen Frau in ber gemeinsam benutzten Küche von ber Französin die Salatschüssel wcggewor- fen und ber Salat in den Ausguß geschüttet wurde, weil die Dame die Schüssel brauchte, um die schmutzigen Strümpfe ihres Gatten da­rin zu waschen.

Die Aufzählung solcher und ähnlicher Vorkommnisse liehe sich ins Endlose fortset- gen. ES liegt Sy st em in diesen Quä­lereien. Man will ber Bevölkerung immer von. neuem zu Gernüte führen, daß jene, von benen btefe Quälereien ausgehen, die Herren sind und als solche Rücksichten nicht zu neh­men brauchen.

Frankreichs Vorbehalt ans Sonderaktionen.

Die Note Poinear^s Englands Gegnerschaft.

Paris, 22. Juni. «Wolfs.) Havas: Der Petit P a r i f i c n" schreibt, Poincar 6 habe vor feiner Abreise nach London an die britische Regierung eine Rote geiittet, in b?t er für Frankreich das Recht fordere, unter geListen Um- sländen

allein gegen Deutschland vorgehen

Diese Forderung werde begründet durch die Tat­sache, bah man englischerseits vorgebe. Frankreich habe bei der Besetzung 'Frankfurts darauf ver­zichtet, vereinzelt zu handeln. Die französische Antwort sei in der Tat weiter nichts als die von Frankreich eingegangene Berpflichtung, bei wieder eintretenden Fällen nicht so vorzugehen wie bei der Besetzung von Frankfurt. Keinerlei Sanktionen seien durch den Versailler Friedens­vertrag vorgesehen, aber Paragraph 18 Anh. II des Versailler Vertrages sehe vor, bah im Falle von Verfehlungen Maßnahmen ergriffen werden lönnen, welche die betreffenden Regierungen für nützlich erachten. Die französische Auffas um fei, bah diese Klausel unter Umständen die ergriffenen Sanktionen ohne Mithilfe ter Alliierten rech fer­tigen würde. Das bedeute icdoch nicht, dah Franl- rcich wünsche, dah man ihm die Initiative lasse. Cs werde im Gegenteil nur danach greifen, wenn festgestellt sei «was glücklicherweise nicht zu be­fürchten fei), dah die Alliierten zötzerten, Fraitt- reich in der Durchführung der von ber Repa­rationskommission getroffene i Entscheidungen zu unterstützen. Die Reparationskomnnssttn 'e b t fei ein interalliiertes Organ, und wenn die Alliierten sich weigerten, ihre Ansicht zu fördern, so würden sie sich selber Lügen strafen; mit anderen Worten: die französische Regierung habe, wie e$ scheine, rufen wollen, dah für den Fall, dah sie nach- in ihrer Rote den Alliierten nur in Erinnerung geben. Frankreich sich das Recht wahre, allein vorzugehen. Daraus ergebe sich aber nicht, dah dieses Rachgeben der Alliierten

von Frankreich als wünschenswert oder wahr- I s(peinlich betrachtet werde. Mithin könne dies zu keinem Mißverständnis Anlaß geben.

Paris. 22. Juni. (Wolff > Der diploma­tische Berichterstatter der .Havas Agentur" er­fährt. bah im Lause der letzten Woche mehrere Roten von dem »Foreign Office an b t e französische Regierung gesandt worden seien. Eine davon führe den treuen britischen Gesichtspunkt an, ber jeder isolierten Handlung bei der Durchführung der Friedensverträge feindlich gegen- ü b c r ft c b c , in Gemäßheit der von der britischen Regierung früher ausgedrückten Grundsätze an- lählich der Besetzung Frankfurts. Eine wettere englische Rote erhebe Wider spruch gegen die Suh- missionsarbeiten im Hafen von Tanger. Bekannt­lich habe bereits das Oktroi, das Frankreich im Juni 1921 zugesagt worden fei, Gegenstand eines Protestes der britischen Regierung gebildet.

IS Monate militärische Dienstzeit in Frankreich.

Paris, 23. Juni. <WTB.) Die Kammer hat gestern abend am Schluß ihrer Sitzung mit 340 gegen 253 Stimmen den Artikel 2 Des Milttär- gesetzenlwurses angenommen. Damit 'ist die Dien st zeitvonl8Monatenfe st gelegt mit einer botläuf g?n Verfügung über die Re­kruten für eine 2,ädrige Dienstzeit. 30 Jahre bleibt jeder Franzose zur Verfügung des Heeres.

Eine Note

der Botschafterkonferenz.

Gegen Löbes Anschlustrede.

Paris, 22. Juni. (W'TV.) Hapas meldet, daß die Botschafterkonferenz in ihrer heutigen Sitzung den Entwurf einer Rote festgesetzt hat, die an die deutsche Regierung gerichtet werben soll, in der gegen die von dem Präsidenten des Reichstags Lobe b^üglich des Anschlusses Oesterreichs an Deutschs and gehaltenen Rede protestiert werden soll. Ferner wurde der Text einer Rote festgesetzt, die an den Präsidenten der Ober komm ission für die rheinischen Gebiete Tirard gerichtet wer den soll, um ihn zu benachrichtigen, bah die in Oberschlesien verhafteten politischen Gefangenen hn Rheinland interniert werden sollen.

Paris, 23. Juni. (WTB.) Wie das ..P c rit Journal^ mit teilt, hat die Botscha » terkonferenz in ihrer gestrigen Sitzung die amerikanische Rote vom 19.3. behandelt, in der die Bezahlung der Unterhal­tungskosten für das amerikanische Heer verlangt wird. Die Angelegenheit ist ver­tagt worden, da der englische Delegierte eine Dori rage stellte und vorschlua. Amerika solle auf- gefordert worden, offiziell seinen Sitz in der Reparationskommission wieder einzunehmen. Es wurde keine Entscheidung getroffen. Die Bot­schafter der verschiedenen Mächte behielten sich das Recht vor, ihren Regierungen Bericht zu erstatten.

Der drohende Marksturz.

Berlin, 22. Juni. In einer Besprechung mit Dr. Wirth hat derRcichsbankpräsi- denl einer Berliner Korrespondenz zufolge die Möglichkeit von Stütz ungsaltionen für den Markkurs verneint. Sollte ein Vlark- sturz eintreten, fo ist nach seiner Ansicht leine Möglichkeit gegeben, die bisherigen Finanzpläne durchzuführen. Es würden dann weder' Zwangs­zahlungen an die Entente auf die Dauer geleistet hxtrbcn können, noch würde die Regierung in der Lage sein, ihr Finanzprogranun zur Balanzie- rung des Reichshaushalts durchzuführen.

Besprechungen mit dem Garantieausschust.

Berlin, 22. Juni. (Wolfs.) Heute vormittag batte das Dankkuratorium der Reichs­bank eine Besprechung beim Reichskanzler, um dm regelmäßigen Bericht zu erstatten. Einige Mit lie>e des Garantiekomitees be­sprachen fick gestern mit der Regierung über die rückständigen Kohlenlieferungen. Eine Verständigung wurde angebahnt. Diele Verstän­digung ist nicht möglich gewesen, ohne der deut­schen Industrie erneut schwere Opfer wegen der Koßlenversorgung auf-verlegen. aber wir mußten uns zu gewissen Lieferungen bereit erklären, da wir ja stark im Rückstände mit den Lieferungen waren. 'Formell ist noch nichts festgelegt.

Die Zwangsanleihe int Lteucrausschust.

Berlin, 22 Juni. (WTB.) 3m Steuer- ausfchuh wurde § 1 des Gesetzes betreffend die Zwangsanleihe mit einem Zusatz, der die Zwangsanleihe auf 60 Milliarden Papier- mark festsetzt, vom Ausschuß angenommen. Die 2 und 3 wurden nach dem Wortlaut der Regierungsvorlage ebenfalls an; e?. cm men. Hier­nach beträgt der Zeichnungspreis der Zwangs- anleihe 10? Pro-, des Rennwertes, lieber die Zwangsanleihe werden Schuldverschreibungen auf den Inhaber ausgegeben. Gintragungen in das Reichsschuldbuch sind ausgeschlossen. Zu § 4 wurde ein Antrag Dr. Becker-Hessen (D. Bvt.) angenommen, wonach festgesetzt wird, daß die Zwangsanleihe bis zum 31. 10. 1925 unverzins­lich ist, vom 1. 11. 1925 an bis zum 31. 10. 1930 in Höhe von 4 Pro;, und vom 1. 11. 1930 an in Höhe von 5 Prozent jährlich verzinst wird. Die Regierungsvorlage hatte ursprünglich nur 21/z resp. 4 Proz. zugebilligt. Die Zinßrn werden hall»jährlich am 1. 5. und am 1. 11. (zum erstenmal am 1. 5. 1926) fällig. Rach Erledigung dieses Paragraphei: vertagte sich der Ausschuß.

Die Konferenz im Haag.

Haag. 22 Juni, l Wolfs Amtlicher Bericht über die Haager Konferenz > Die erste Unter* k o m Mission sprivale Eigentümer) der nicht* russisch:» Kommission hielt beute morgen ihr» erste Sitzung ab. Die Besprechungen bezogen sich auf allgemeine «Fragen der Arbeite m erhoben. Wetter fand zwischen den Delegierten ein Aus­tausch- von Informationen hierüber statt.

Haag. 22. Juni. < Wolfs.) lieber den An- kunflstag der russischen Kommission ist bisher nichts RähereS bekannt geworden. In Äon- ferenzkreisen wird jedoch angenommen, daß Lit­winow als Vorsitzender der russischen Kommis­sion fungieren wird.

Marschall Wilson erschossen.

London, 22. Juni. (Wolfs.) Havas meldet: Auf Marschall Wilson wurden zwei Revolver* schüsse abgegeben, die ihn töteten. Zwei Ver­haftungen sind bereits vorgenommen worden.

L o n d o n, 22. Juni. (WTB.) Zu dem lieber» fall auf Wilson teilte Chamberlain im llnterhause mit, daß zwei bewaffnete Män­ner in das Londoner Wohnhaus des Generals einbrachen und ihn erschossen. Drei Polizisten wurden ebenfalls erichossen. 'Beide Täter wurden verhaftet. Die Mitteilung rief im llnterhause Bestürzung hervor. Es beschloß, sich zum Zeichen der Trauer zu vertagen

London, 22. Juni. (WTB.) Die beiden Mörder des Marschalls Wilson haben durch Revolverschüsse zwei Polizisten schwer v e r lau n bet. Einer davon ist gestorben. Der König hat wegen der Mordtat das für morgen anläßlich des Geburtstages deS Prinzen von Wales geplante Galadiner abgesagt.

Eine (Erklärung (tzriffithS.

London. 23. Juni (WTB.) Dor Präsident des 3 ail ©iteann, Griffith, gab gestern abend der Presse gegenüber folgende St tlä *1 runfl ab. Ich weiß nicht, ob öS sich bei bet; Ernwrdung des Marschalls ^Wilson um einen Racheakt handelt oder um ein politisches Verbrechen. Aber In zivilisierten Rationen hat stets die Ermordung polttischer Ggner für) ein nicht zu rechtfertigendes Verbrechen gegolten. Hir Henry Wilson hatte Ansichten, öie denen» der großen Mehrheit unserer Landsleute dia­metral entgegengerichtct waren, doch weiß ich. daß diese Mehft^it das Verbrechen, dem er zum Opfer gefallen ist, nicht billigen wird.

Neue Ziele der polnischen Nationalisten.

Konsarths Gruß

an dieunerlöften Brüder".

Warschau, 21. Juni Korsanth ver­öffentlicht in der ,Rzeczpospolita" einen Gruß an die Polen Deuisch-Oberschle* f i e n S, worin es u. a. heißt, daß eine unver­ständliche Entscheidung internationaler Machtfaktoren zwar Hundert tau sende polnischer Brüder unter dem Preußenjoch gelassen habe, doch werde das polnische Volt sie n i ch 1 vergessen. Es sei die Pflicht der polnischen Regierung, mittels diplomatischer Waffen ihren Landsleuten Hllfe und Beistand zu leisten. Rie werde eS - eine polnische Regierung geben, welche diese ihre Pflicht nicht gewissenhaft erfüllte. Der Ausruf schließt mit den Worten:W i r grüßen euch, u n e r ste Br über!

Danzig, 21. Juni. WieGazeta (Sbondta* meldet, sandte der Sejmmarschall dem Abgeord­neten Korsanty nach Kattowitz folgendes Tele­gramm:

Heule, wo der Weiße Adler wieder feine Schuhflügel über Oberschlesien ausbreitet, grüßt unter Sejm die oberschlesischen Brüder in einem Augenblick, der das Ende ihrer moralischen Leiden bedeutet. Von nun an wird die pol­nische Republik euch vor den Ver­brechern, die besonders in den letzten Tagen eine Qual für die polnische Bevölkerung waren, schützen. Laßt uns nie vergessen, daß der Feind nur auf unsere staatliche Schwäche und die Hn- gcschicklichisit der Regierung lauert I Mit ver­einten Kräften wollen wir für die Ordnung sorgen Es bedarf einer gewissenhaften Arbeit, um die Schäden der Gefangenschaft tolebet gut zu machen. Zeigen wir ber Welt, daß das polnische Volk unbeugsam sein kann, wenn es sich um baß Wohl der polnischen Republik handeltk Es lebe das neue polnische Oberschlesien k

$lar!tnbec($d und Calonders (Einführung.

D e u t h e n, 22. Juni. (Wollf.) In den fest­lich geschmückten Räumen des Landgerichts Dea­th e n sand brüte mittag die feierliche Einfüh­rung des Professors Kaeckenbeeck als Präsi­dent der Schiebsgerichtskvmmission statt. Der Feier wohnten außer dem Präsidenten C a l v n d e r noch die Herren bei. die an der Kattowiyer Feier teilgenommen hatten: ferner waren erschienen ber Landgerichtsprästt e.tt Dö­ring (Druthen) und eine grohe Aa-ahl Richter mit ihren Damen. Dr. Lewald kezrüßteKaeiLn- beed in deutscher Sprache, worauf der polnische Generalkonsul von Oppeln K e s z y ck i in polni­scher Sprache Begrühungsworte an den Präsiden­ten richtete. Äaedenbeed erwiderte in län­geren Ausführungen. Der gemischten Schieds- geri-chtskommisi ton gehören außer Kaeckenbeeck von deutscher Sette Oberlandesgerichtsrat Schnei-, der an und von polnischer Sette Minister: S e y d a.