tont) geht, ohne QSalutaonffcökig, ist sichtbar gewordene Fronarbeit deutscher Hände. Damit der dumme Deutsche die überlegene Kultur Welschlands keimen lernen kann, veranstaltet man zur Zeit im Zeughaus eine Ausstellung alter französischer Gobelins. Dach einem Besuch des Doms kommen wir an der beschlagnahmten Stadthalle vorbei, deren schöne, von den „Siegern“ verschmutzte Räume nicht den Damen eines Soldatenheims verdienen. Weiter führt uns der Weg am Cafä de la paix vorbei zum Römisch-germanischen Zentralmuseum. 3n diese seinempfundenen Darockräume verirrt sich selten ein Franzose. Denn hier wird ernste, wissenschaftliche Arbeit geleistet: aus deutschen Landen sind alle Funde jener alten Zeit zusammengetragen und zu einem einheitlichen Bild römisch-germanischer Kultur vereinigt: zugleich aber auch äu einem Bild fremder Herrscher am Rhein, Hnd im Geiste tritt vor mein Auge die Gestalt eines Julius Cäsar, dem der Rhein die Grenze zwischen "Germanen und Galliern war, und ich sehe den kaltblickenden Kopf eines Augustus, zu dessen Zeit kaiserliche Prinzen aus Köln und Mainz ihre Legionäre weit hinein- sührten in kerndeutsches Land, oft unter den nichtigsten Begründungen.
Was ist letzten Endes heute, wo wir „ Frieden" haben, die vorgeschobene französische Wache auf dem Feldberg, die hinuntersieht in dir fruchtbare Wetterau, anders als seinerzeit das nahegelegene Limeskastell auf der Sailburg? Der französische Imperialismus will ja doch Dachfolger sein jenes römischen, und fast sind es die gleichen Linien, die heute wie damals den Brücken- topf Mainz gegen Deutschland sichern. Wer die organisierte Äeberflutung des besetzten Gebietes mit Franzosen in Uniform und in Zivil mit eigenen Augen an den Bahnhöfen in Mainz und Wiesbaden gesehen hat, dem wird das mit sadistischer Rücksichtslosigkeit verfolgte Ziel dauernder Besetzung jäh klar. Ja, noch arbeiten diese gutdeutschen Menschen, hoffen auf Erlösung und .-'eigen oftmals einen mit Bitterkeit gemischten Optimismus. Aber die Gefahr ist groß, das; mancher ermattet. Das schleichende Gift der französischen Kulturpropaganda, die Wühlarbeit der Leute um Smeets und Dorten und der häßliche Eindruck des ewigen Parteigezänks im Reich und in den Einzelstaaten wirkt doch. Darum laßt den Brüdern vom Rheinland wenigstens die eine Gewißheit, daß sie nicht vergeblich warten und dulden bis zur Befreiung. Die kann nur kommen, wenn wir allen Parteihader begraben und als ein einig Volk von Brüdern in dieser,Not zu samm e n st eh e n. gegen den äußeren Feind. Sonst, es vf bitter zu sagen, ist uns das Rheinland verloren. Am Rhein aber pulst Deutschlands Herz.
Aus und Land.
Gießen, den 22. September 1922.
Was ist übermastigcr Gewinn?
Der H a n s a - B u n d hat. wie er uns schreibt, als eine Berliner Zeitung das Ergebnis der Unterredung eines ihrer Berichterstatter mit Staatssekretär Sr. Freund vom Preußischen Ministerium des Innern dahin mitteilte, daß die Wucherprlizei angewiesen sei, Einwände, wie die von höheren Wiederbeschaffungs- Preisen, unbeachtet zu lassen, gegen diese Auffassung sofort Borstellungen erhoben. Er hat daran erinnert, daß derReichswirtschafts- min'ister selbst den Standpunkt vertreten hat, int Rahmen der Preistreiberei Verordnung lasse sich eine billige Rücksichtnahme auf eine indischen eingetretene Aenderung in den Anschafiungsbedingungen verwirklichen Insbesondere hat der Hansa-Bund darauf aufmerksam gemacht, daß bei Ermittelung der Gestehungskosten eine Disikopramie in Ansatz gebracht werden dürfe. Das Preußische Ministerium des Innern hat dem Hansa-Bund die Richtigkeit seiner Ansicht bestätigt und die Wiedergabe der erwähnten Aeußerung des Staats- sekretgrs Dr. Freund als unzutreffend bezeichnet.
Der Hansa-Bund ist der Ueberzeuguna. daß bei sachgemäßer Auslegung der Preistrelberei- verordnung. die nur den übermäßigen Gewinn bestraft wissen will, der Vorwurf des Wuchers in nicht allzu vielen Fällen nur berechtigt ist.
Zu den G e st e h u n g s k o st e n gehören nach amtlicher Begründung der Preistreibereiverordnung: Einkaufspreis der Ware, spezielle Unkosten (Dersicherung, Lagerung. Transport. Umsatzsteuern), allgemeine Unkosten (u. a. Gewerbesteuer, Gehälter, Miete, Heizung, Beleuchtung der gewerblichen Räume), Verzinsung des in der Ware angelegten Kapitals, hier ist die heutige Höhe der Zinsen für fremdes Geld zu bedenken, die zum Ausgleich von Berlusten einzukalkulierende Risikoprä- mie. ein angemessener Unternehmerlohn, der den heutigen Kosten der Lebenshaltung entspricht. Auf diese Gestehungskosten ist der angemessene Gewinn zu schlagen.
Dur bei Außerachtlassung dieser Grundsätze darf die Wucherpolizei einschreiren.
BaalsfempeL
Roman, von Margarete v. Oerhen- F ü n f g e l d.
29. Fortsetzung. (Dachdruck verboten.)
Heinz sprang aus, seine Augen strahlten.
„Es war am bestell so," flüsterte die alte Dame. „Und — am schönsten. . . !"
Er wagte nicht, sie zu stören: sie war in tiefem Dachdenlen verstummt.
Plötzlich erhob sie sich und sagte heiter: „Ich muh nun gehen! Besuchen Sie mich morgen — im Hotel — zum Tee — ich denke, Siegfried Wagner wird da sein —“
Heinz bewahrte mühsam seine Haltung. Es summte ihm in den Ohren wie von taufend Bienenschwärmen. Es funkelte vor seinen Augen wie von tausend Sonnenringen.
Er stand draußen. Bertens hatte er nur flüchtig gesehen. Der hatte ihm kräftig auf die Schultern geschlagen: „Meinen Glückwunsch."
Es war dunkel geworden. Oder vielmehr, der Abend hatte sich hernieder gesenkt auf die My- riaden-Lichter der goldenen Stadt Die wechsel- volle Helle strömte in breiten Schlangen aus den Gewölben der Juweliere, blitzte in Worten und Zahlen hoch über den Straßen bis in den nächtlichen Himmel hinein, ein neues Babel von Licht und Glanz.
Dieses heiße Fluten der Menschenmenge hatte sich seit dem Mittag noch erhöht, vor den Portalen der Hotels stöhnten die Autos, rasselnd keuchte ein schwerer Autobus die Straße hinab, überholt von den flitzenden Wagen des Groß- mhuV rillen
Die neuen Fernsprechgebühren.
Zu den im Fernsprechgebühren-Geseh und in der Fernsprechordnung festgesetzten Gebühren tritt, wie gestern schon kurz berichtet, vom 1. Oktober an ein Zuschlag von 600 v. H. bi Kraft. Cs werden demnach folgende Gebühren erhoben:
Grundgebühr in Ortsnetzen bis 50 Hauptanschlüsse jährlich 2660 Mk., von 51—100 Hauptanschlüssen jährlich 2940 Mk., von 101—500 Hauptanschlüssen jährlich 3220 Mk., von 501—1000 Hauptanschlüssen jährlich 3500 Mk., von 1001 bis 5000 Hauptanschlüssen jährlich 3920 Mk. usw.
Ortsgesprächgebühr 1,75 Mk.: von öffentlichen Sprechstellen aus 3,50 Mk.
Ferngesprächgebühr bis 5 Km. 1,75 Mk., über 5—15 Km 5,25 Mk. über 15-25 Km. 8,75 Mk., über 25—50 Km. 14,00 Mk. über 50—100 Km. 21,00 Mk., für jede angefangenen weiteren 100 Km. 10.50 Mk. mehr.
Nebenanschlüsse mit gewöhnlichem ober Selbstanschlußapparat für die Nebenstelle 588 Mk., je 100 Meter Anschlußleitung 252 Mk., für das Anschlußorgan 294 Mk., zusammen mindestens 1134 Mk.
Ginrichtungsgebühr für einen Hauptanschluß 1400 Mk., für einen Nebenanschluß in demselben Gebäude 700 Mk., für einen Deben- anfchluß in einem anderen Gebäude 2100 Mk. Zuschlag für die Leitungsstrecke über 5 Km. für 100 Meter 252 Mk. Borranggebühr bei Herstellung oder Verlegung von Anschlüssen 1050 Mk.
Druckzeile im Fernsprechbuch 140 Mark, bei Auflage über 100 000 6:üd 283 Mk.
Bortagsanmeldung 350 Mk.
Streichu ngs- oder Auskunstsge- bühr 5,25 Mk.
Gebühr für die Niederschrift eines Telegramms für das Wort 0,70 Mk., mindestens 14,00 Mk.
Weitere Erhöhung der Schornstein- fegergebüliren.
Das Ministerium des Innern gibt bekannt, daß infolge der weiter fortschreitenden Teuerung und der damit verbundenen erneuten Erhöhung der Gesellenlöhne im Schornsteinsegergewerbe ein? weitere Erhöhung der Teuerungs- zuschläge zu den Schorn st einseger- gebühren erforderlich gewvrde i ist. Mit Wirkung vom 18. September sind die Teuerungs- Zuschläge zu den Grundgebühren wie folgt festgesetzt worden:
für die Kehrbezirke der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen auf 1300 v. H.,
für die übi igen Kehrbezirke des Landes auf 1500 v. H.
** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 8. September: der Seminarlehrer Joses Gähner zu Alzey mit Wir- fung vom 25. April 1922 an zum Studienrat am Pädagogischen Kursus zu Darmstadt, der Seminarlehrer Wilhelm P i ck e r t zu Darmstadt mit Wirkung vom 25. April 1922 an zum Studienrat am Pädagogischen Kursus zu Darmstadt. — Ernannt wurde am 12 September der provisorische Lehrer an der Fortbildungsschule zu Büdingen Gustav Kapeller zu Büdingen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zum Fachlehrer an der Fortbildungsschule daselbst. — Ernannt wurden am 14. September der Oberassistent bei der Landes-Heil- und Pslegeanstalt Alzey Wilhelm Strubel zum Sekretär bei der Landes- Heil- und Pflegeanstalt „Philippshospital" bei Goddelau, der Kanzleiafsistent bei der Landes- Heil- und Pslegeanstalt Alzey Wilhelm I o st zum Oberasfistenten bei der gleichen Anstalt: sämtliche mit Wirkung vom 1. April 1922. — Am 16 September wurde der Geometer 1. Klasse Karl Jäckel aus Gernsheim vom 1. April ds. Is. an zum Oberlandmesser bei dem Land- amtmann zu Friedberg ernannt. — Der Militäranwärter Ludwig Wiegand zu Darmstadt wurde zum Steuerbctricbsas-istenten ernannt.
** Seinen! 5. Geburtstag begebt morgen, am 23. ds. Mts., in seltener geistiger und körperlicher Rüstigkeit Herr Otto Conradi, langjähriges Mitglied unseres Stadttheaters. Herr C., der im Jähre 1917 hier sein 50jähriges Künstlerjubiläum feierte, wohnt jetzt bei seinem Sohne in Flensburg.
** Die Regelung des Verkehrs mitGetreideauSderErntel922 behandeln zwei Bekanntmachungen, die der Oberbürgermeister in unserem heutigen Anzeigenteil zur öffentlichen Kenntnis bringt.
** Eisenbahn - Fahrpreisver- günftigung für Studierende. Der Reichsverkehrsminister hat angeordnet, daß die Schülerferienkarren (halberFahrpreis) nunmehr den Studierenden auch während der ..Weihnachtsferien zugängig gemacht werden sollen, während sie chnen nach den bisherigen Tarifbestimmungen
Am Schifsbauerdamm wiegten sich die Lichter der Drücke im tintenschwarzen Wasser, tauchten auf und nieder, wie das menschliche Glück — arglos standen die schlafenden Kähne in langer Reihe.
Heinz starrte nach dem wie wild sich drehenden Lichtring einer Zigarettenfirma. Ein Halbkreis — erloschen — ein neuer Halbkreis — dies Oeffnen und Schließen der magnetisch blitzenden Funkenaugen wiederholte sich von Haus za Haus, von Stockwerk zu Stockwerk. Es berauschte ihn, verwirrte seine Sinne.
Der Horizont verglomm düsterrot, oder war es nur der heiße Atem der Stadt, der sich über die Dächer lagerte, von denen er stammte?
In vorüberhuschenden Gesichtern las er geheimes Wünschen, Lächeln und Frühlingsbegehren. Er las den Jammer des wahren ElenÄ aus weißbemalten Zügen, in deren Furchen die Schminke sich brüstete — Reichtum und Armut, die beiden Könige der Welt, begegneten ihm Schulter an Schulter — und über alle streifte die eine große, gleichmachende Hand und fegte sie weiter auf ihrem Wege nach Genuß, nach irdischer Erfüllung. Etwas Gemeinsames war diesen allen zu eigen. Kinder einer Mutter, füllten sie die Straßen und Plätze und jagten und jagten nach dem einen . . .
Güldewins Fuß berührte kaum den Asphalt, von dem ein steter Dämmer aufstieg, als flatterten Fledermäuse dicht über dem Boden und den Schritten der Dahineilenden aus.
Die Seitenstraßen lagen still, aber in der Da he der Linden flaute sich der Verkehr und flutete dann lgutlos die Prachtstrahe entlang, die nur matt beleuchtet war.
nur zu Beginn und Schluß des Semesters gewährt worden sind.
** Vom Elsaß-Lothringer Hilfswerk. Die Geldsammlung zu Gunsten der aas Elsah-Lothringen bertricbenen Deutschen, deren Zahl fast täglich in brutalster Weife vermehrt wird, hat ihren Anfang genommen und verspricht auch hier ein erfreuliches Ergebnis zu zeitigen. Der Vorstand der Landesgruppe und der Gießener Ortsgruppe des Hilfsbundes der Elsaß- Lothringer tm Reich bittet, die Sammlerinnen je nach Einkommen und Vermögen mit Geldspenden zu bedenken. Die Verwaltung des Sam- rnelergebnisses wird von dem v^n den Mitgliedern gewählten Vorstand geführt werden, dessen Zusammensetzung eine gerechte und soziale Verwertung verbürgt.
Wettervoraussage
für© amdtag:
Vorübergehend Regen, zeitweise auffrischende, wechselnde Winde.
Eine kleine Depression zeigt sich über der Dordfee und im Kanal. Bei ihrem Dorüberziehen fjaben wir mit bewölktem Wetter und Regen- fällen zu rechnen, doch folgt baldige Aufheiterung.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus Dahn Hof st raße: bis einschließlich Sonntag: „Die Prinzessin von Ka- hirah". — Astoria-Lichtspiele: bis einschließlich Sonntag: „Gelbe Männer". — Palast-Lichtspiele: ab heute „Marion".
— Gießener R u d e r g e s c l l s ctz a f t 1 8 7 7, Ruderklub „Hassia", Kanuklub Gießen. Rächsten Sonntag, nachmittags 21/i ilh r, Ab r udern.
Landkreis Gietzen.
gck. Großen-Duseck, 21. Sept. Gestern abend verlieh 21. Scheid von hier Elternhaus und Heimat, um in Amerika bei Verwandten sein Glück zu suchen. Zahlreiche gute Wünsche begleiten den zukunftsfrohen Jüngling in die Ferne.
* Groß en-Linden, 22. Sept. Wegen Vornahme von Gleisumbauarbeiten ist der Eisenbahnübergang Grohen-Lin- d e n — L e i h g e st e r n morgen, Samstag, von 6—12 Hhr vormittags für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Kreis Schotten.
* Schotten, 21. Sept. In einer 23e= sprechung zwischen der Kreiskohlenstelle, den Kohlenhändlern des Kreises und Vertretern der Veibraucherschaft wurde über die Kohle n v e r s v r g u it g des Kreises mitge- leikt, daß eö den Bemühungen der Kreiskoh- lenstellc gelungen ist, bei dem RnchSkommis- sar für die Kohlenverteilung die Erhöhung des Kohtenkontingents des Kreises von 2700 Tonnen jährlich auf 3600 Tonnen, also um ein Drittel, durchzusetzen. Außer besonders überwiesenen 5 Bezugsscheinen für Druschkohlen sind für 1290 Tonnen die Bezugsscheine vom ReichSkohlenkommissor bereits ausgestellt; davon sind aber bis jetzt erst 205 Tonnen geliefert. Man will jetzt bei dem Großhandel auf eine schnellere Belieferung bringen.
Kreis Friedberg.
* Wohnbach, 21. Sept. Am nächsten Sonntag veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des Hessischen Obstbauvereins eine Lokal- Obstausstellung, die mit einer Prämiierung verbunden sein soll. Obstbautechniker R e n t s ch ist für die Ausstellung gewonnen. Der Zweck der Veranstaltung soll die Förderung des Interesses am Obst- und Gartenbau und eine Orientierung über die besten Sorten und deren beste Verwertung sein.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Darmstadt, 21. Sept. Der Provinzialbirektor ber Provinz Starkenburg hat bie Neuwahlen auf Sonntag, ben 19.210= bombet, anberaumt
Kreis Wetzlar.
* Wetzlar, 20. Sept. Die Aerzte in Stadt und Kreis Wetzlar haben beschlossen, in Anbetracht der ständigen und rapiden Geldentwertung für die ärztlichen Leistungen Dar- z a h l u n g zu fordern. Die Honorare sollen unter Zugrundelegung der Friedensfähe nach bem jeweiligen, amtlich festgesetzten Reichsteuerungsindex berechnet werden Geringere Sätze sollen nur für solche Minderbemittelte in Betracht kommen, deren Einkommen feit der Friedenszeit nicht gestiegen ist, also bei Kleinrentnern usw.
:x Dvtnholzhaufen, 21. Sept. Die neu erbaute Turnhalle des Turnvereins „Gut Heil" wirb am nächsten Sonntag eingeweiht. Mit ber Einweihungsfeier ftnb turnerische Wettkämpfe berbunben. Die Gemeinbe hat bem Verein ben Bauplatz unb
oas Holz zum Bauen unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Hessen-Nassau.
fpb. Frankfurt a. M. 21. Sept. Hm bic hohen, vom 1. Oktober an geltenden Verfand- gebühren zu sparen, versenden "Die hiesigen Geschäfte seit einigen Tagen gewaltige Mengen von Postpaketen. Die Bost kann des riesigen 2Infturm3 kaum Herr werden. Der Zugang ist so groß, daß er die Wcihnachtshochslut bald übertrifft. Wie man hört, will die Post verwaltung zur Eindämmung dieses Massenrer- kehrs eine zeitweise Sverre eintreten lassen, die wahrscheinlich zu Veginn der nächsten Woche ihren Ansang nehmen wird.
spd. Frankfurt a. M, 21 Sept. Das Postscheckamt mußte wegen Gel dm an g e l s heute mittag seine Schalter schließen, so daß viele Konteninhaber ihre geforderte.: Summen nicht mehr abheben konnten. — 2Iud) bei den Danken macht sich der Mangel an Klein geld wieder außerordentlich bernerfvas,-
spd. Frankfurt a. M. 21. Sept. Ti? Derwertungsgenossenschaft h frischer Molke reten in 'darmll-iDr forben mi. Wirkung ab 21. September für das Liter Milch einen Stallpreis von 30 Mark gegen bisher 19,40 Mark. Sie will andernfalls bic Lieferungen einstellen. Der augenblickliche hohe Dutterpreis ldas Pfund nicht unter 320 Mark) fort die Hr fache für diese neuen Fordc rungen sein.
ipd. Griesheim a. M., 21. Sept. Di? diesjährige Gemeindeobsternte wird nich' wie es sonst üblich war, öffentlich versteigert, sondern unter die zum Dezug sich meldenden Selb st Verbraucher verlost. Auf den Kops der bezugsberechtigten Familien kommen 40 Pfund Obst zu 60 Prozent des Mainzer Groß Marktpreises am Tage der Verlosung.
* Kassel, 21. Sept. Dieser Tage wokltc hier eine Frau ein Fahrrad, bas sie für ihre Tochter zum Preise von 12 000 Mark gekauft hatte, mit Fünfzig mark sch einen bezahlen, muhte sich aber sagen lassen, bah bic Scheine läng ft verfallen sinb. Die Frau hatte lange keine Zeitung mehr gelesen, bie sie abbestelli hatte, weil sie ihr „zu teuer" war. Jetzt durfte bie Frau Wohl einsehen, bah sie vor bem Schaben bewahrt geblieben wäre, wenn sie bie Zeitung nicht ab bestellt hätte.
* 25 teöE) ab e n , 21. Sept. Die lieber* frembung bes hiesigen Hausbesitzes hat geradezu erschreckenden Umfang angenommen. Jetzt sind etwa 30 Prozent aller Hauser in Wiesbaden direkt ober inbireft im Besitze von Auslänbern.
Kirche und Schule.
‘ G a mba ch, 20. Sept. Der Vormittag» gottesdienst am c origen Sonntag, dem Bibel sonntag, erhielt bar cf, bic Festpredigt des hier zu Besuch weilenden früheren weftafrikanifchen Barmer Missionars Elger, der jcht. in einem westfalischen Orte Pfarrer ist, eine besondere T' beutung. Der Prediger wußte aus den reichen Erlebnissen und Erfahrungen seiner 14jährigen Missionartätigkeit viel zu berichten. Die Kollekte für den Landcsbibelfonbö ergab 1410 Bd . in Ober-Hörgern brachte sie 708 Mk. Für bi: Altershilfe gingen ein in Gambach 3445 Mk., in Ober-Hörgern 1922 Mk. Für die Epileptikeranstast in Rieder-Ramstadt wurden gegeben in Gambach 3430 Mk., in Obcr-Hörgern 1460 Mk.
ri. L i ch 21. Sept. Eine durchgreifende Aenderung für die Gemeinde L i ch bringt die Durchführung der neuen hessischen Kirchen- Verfassung. Während seither, wie in vielen Kleinstädten, die Amtshandlungen, die Taufen, Trauungen und Beerdigungen zwischen den Pfarrern wochenweise wechselten, verlangt die neue Kirchen Verfassung, daß die Stadt in zwei B c zirke geteilt wird. Der Kirchenvorstand hat nach der Dersassung diese Einteilung vorzunen- men. Dies ist jetzt hier geschehen. Die Grenze bildet der Garbenteicher Weg, Die Traugasse un?> die Löwengasse, und zwar so, daß diese Straßen und der südlich davon liegende Stadtteil den Bezirk des Dechanten bilden, der übrige Teil der Stadt den Bezirk des Stistspfarrers, dem außerdem Riederbessingen als selbständige Pfarrei untersteht. Die neue Einteilung tritt am 15. Oktober in Kraft.
• D i e H e r b st t a g u n g der „Dorf- k i r ch e" in Ober'Reffen soll am nächsten Mittwoch in Nidda stattfinden. Pfarrer S c i m- Gräsen bei Gemünden a. d. Wehra wird über die Frage sprechen: ..Wie erziehen wir unser Landvolk zu einem geschichtlichen Verständnis der Bibel?", eine Frage, die durch die Feier der Septemberbibel besondere Bedeutung gewonnen hat. Pfarrer D ö n n e r - 2rauschenberg wird das Thema behandeln: „Weshalb können wir das QHte Testament in Hnterricht und Predigt nicht entbehren?"
Vor dem Hotel verweilte Heinz einen 2üigen- blick. Hier wohnte sie ja, die Frau, in der sich nun fein ganzes Hoffen, seine Gegenwart und Zukunft vereinten. Fast beschlich ihn ein frommes Gefühl.
Aber da huschte ein Schatten aus dem lichten Portal, zierlich und schlank unter einem großen, wippenden Hut — der war grau, wie die Flügel der wilden Taube.
Er hatte sie oft fliegen sehen, von 25aldrand zu Waldrand, in feiner Heimat.
Die Raben waren heimgekehrt gen Walhall. Nun gurrte leise und lockend die wilde Taube. „Lily!" schrie Heinz und stürzte vorwärts.
Er wußte nicht, ob er es nur gedacht oder laut gerufen hatte. Ein paar Herren blickten ihm verwundert nach.
Tie Adern an feinen Schläfen schwollen an, die Hand umllammerte den Griff seines Stockes — den Kopf weit vorgebeugt, folgte er dem Schatten, der — ohne zu eilen — rwch flinker war als er, ihm bald entschwand, bald wieder erschien.
Er hatte sich nicht getäuscht. Es war wirklich Lily. 2Cber feine Stimme war nicht bis zu ihr gedrungen — sie fühlte feine Nähe nicht — es gab doch keine geheimen Gedankenübertragungen.
Je wilder er ihr folgte, desto mehr vergaß er die Vergangenheit. Die ganze Welt war versunken außer ihr. Er hatte sie an seine Brust gerissen, hier, vor allen Leuten.
Endlich — es war beim Brandenburger Tor — da hatte er sie erreicht.
„Lily!" sagte er tonlos und tauchte gerade vor ihr aus dem Schatten der Säulen
Sie schrie nicht auf, sie rührte sich nicht mehr.
Heber ihr schmales Gesicht flog ein Entzücken: er sah ihre feinen Nasenflügel zittern und den tiefen Smaragd ihrer Augen sich beleben, wie eines jener tausend Lichter über ihnen.
Da schrie jemand gellend auf — oder viele schrien — es war tote ein jähes Zerreißen — als ob der Ervball selber in rasender Eile auf sie z.i- rollte, sie zu zermalmen.
Der fürchterliche, vertausendfachte Schrei spann sich fort in alle älnendlichkeit.
Das Meer brauste, der Sturm — dann das Nichts.
Hnd die Himmel taten sich auf und gaben den Schrei zurück.
* ♦ •
Lily war zum ersten 2llale auf, das hetfn. man hatte das durchsichtig magere Geschöpf in feinem gelblich-rosen haften Spitzengewand auf den üppigen Diwan des Salons getragen, das Lager mit den kostbarsten Blumen umstellt.
Orchideen in allen Spielarten wandten der Genesenden ihre sonderbaren Hexengesichter zu, die Fenster waren angelehnt. Lily konnte Die Kronen der Linden erkennen, einen zartgrünen Wirrwarr von eben erschlossenen Knospen einen blahblauen Aprilhimmel.
Der Geheimrat beugte fich über feine Tochter mit einem heiteren Lächeln, dem doch etwas Besorgtes, Fragendes innewohnte.
Tante Kordula rührte etwas in einem Glase zusammen.
„Wie geht es dir heute, mein Kind?' „Tanke — gut," erwiderte sie halb erstaunt. In den drei Wochen, die sie hier krank gelegen hatte, muhte sie täglich auf dieselbe Frage dieselbe Antwort geben. (Fortsetzung folgt.)


