Ausgabe 
22.8.1922
 
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Aus dem Reiche

Hardenburg in München.

München, 21. Slug. (Wvlff.) v. Hin­denburg ist gestern abend hier etngetrof- 'en und hat beim Regierungspräsidenten von Kahn Wohnung genommen. Im Laufe des Vormittags nimmt der Generalfeldmarschall die Huldigung der Münchener Studentenschaft

Wettervoraussage

für Mittwoch: -

Ricderschläge, später crufklärend. wechselnder Wind.

Im Laufe des gestrigen Tages entwickelte sich über Frankreich eine Depression, die heute als Ausläufer der großen isländischen erscheint. Die Zugrichtung dieses Ausläufers ist nördlich. Wir 'haben morgen Rückseitenwetter zu erwarten.

entgegen. Sodann wird er nach einigen Be­suchen. u. a. auch beim Prinzen Leopold, eine Parade Über die Reichswehr abnehmen, wo­bei er vom General v. M o e h l begrüßt wer­den wird. Hindenburg fahrt sodann zur Be­grüßung durch die vaterländischen Vereine in den Hofgarten und wird nach der Feier zu seinem Absteigequartier zurückkehren. Am Abend wohnt Hindenburg der Feier des Hoch- schulringes deutscher Art im Künstlerthea­ter bei.

Die Umstellung der staatlichen Bergwerke.

Der Gesetzentwurf für die A m st e l l u n g der staatlichen Bergwerke, Hütten und Salinen ist, lautVossischer Ztg.", im preußischen Ministerium für Handel und Ge­werbe als.Reserenteneniwurf ferttggeslellt und hat bereits die Zustimmung der Berghaupt­leute sowie Der Präsidenten der Direktionen und fast aller Direktoren der staatlichen Werke gefunden. Er bezweckt die Umstellung der staatlichen Betriebe des Bergbaues auf b e s- serewirtschaftlicheErtragsfähig- k,e i t. Im Oktober soll der Entwurf, nachdem er den Beamten-, Angestellten- und 2lrbei- terorganisationen und den Betriebsräten ;ur Begutachtung vorgelegt worden ist, dem Landtag zugehen.

Die bayerische Regierung und die Rote Fahne".

Märchen beschreiben, und wer beim Monden - licht hindurchwandert, sieht Dusch und Daum- giganten zu Riesen und Elfen werden. Schon am Tage trabt die Phantasie mit losen Zügeln. Plötzlich hemmt eine ungeheure altersgraue Mauer des Wanderers Schritte. Sin gewaltiges Viereck, dessen älmgehen über eine Stunde er­fordert, schließt sie ein. Das ist der Tier­garten. Im Iahre 1590, so kündet eine Jahres­zahl am festverschlossenen Roten Tor, entstand sie. Landgraf Wilhelm der Vierte von Hessen ließ die Schönburg auf dem Schöneberg bei Hofgeis­mar abbrechen, und deren Steine dienten dem Dau dieser Mauer. Aus Schweden und aus den Alpen kamen Tiere hierher, Damhirsche, Slentiere und die flüchtigen Gemsen. 3a, mit Rermtieren soll sogar eine waschechte Lappländerin hinter der Mauer in diesem Märchenwald angesiedelt worden fein!! Heute weiden auf den saftigen Alpen, unter riesigen Daumen, die Stuten und Fohlen des nahen Gestüts Leberbeck als Gesell­schafter von dänischen Wildschweinen. Millionen Himbeeren glühen im Buschwerk der Mauer, älnd plötzlich springen aus dem Walde heraus die Türme der Sababurg!

Auf der Krukenburg an der Diemel wohnte ureinstens eine Riesenfrau. Don ihren drei Töch-

und Land.

G i e ß e n, den 22. Aug. 1922.

Der Gießener Hausfraueu-Bercin.

Frau Stadtderordnete Rau mann hat kürz­lich in der Stadtverordnetenversammlung einen Bericht über die Tätigkeit des Gießener Hausfrauenvereins in den Kriegs - jähren erstattet. Aus ihren interessanten Aus­führungen sind die nachstehenden Angaben ent­nommen:

Der Gießener Hausfrauenverein wurde im September 1915 gegründet. Schon nach ganz kurzer Zeit konnte der Beweis geliefert toerfcen, wie nützlich, ja notwendig der Verein war.

Durch ein Mißverständnis waren 1915 meh­rere Waggons Zwiebeln vorbeigeleitet worden und es herrschte infolgedessen großer Zwiebel- mangel in der Stadt. Durch persönliche Akt­schlüsse mit auswärtigen Händlern gelang es der Vorsitzenden, hunderte von Zentnern Zwiebeln dem Verbrauch in unserer Stadt zuzuführen. Als im Herbst des gleichen Jahres zu wenig Weiß­kraut in die Stadt gekommen war. formte der Verein 2 Waggons Kraut zu billigem Preise verschaffen. Im Dezember 1915 haben die Mit­glieder des Vereins 30 000 Pfund Mehl in Mengen von 13 Pfund für die Stadt ausge­wogen.

Als 1916 die Obsthändler infolge der von der Regierung festgesetzten Höchstpreise kein Obst in die Stadt bringen kannten, ist die Vorsitzende zweimal nach Rheinhessen gefahren und hat Obst für die Mitglieder eingekaust. Kirschen, Beeren, Dirnen, Pfirsiche und Aepfel.

1917 setzte der allgemeine Ledermangel und damit die Erhöhung der Schuhpreise in sol­chem Maße ein, daß die Stadtverwaltung dem Gedanken nähe trat, nach dem Vorbill) anderer Städte eine eigene Schuhwerkstätte (Schubslick- färbe) einzurichten. Die hohen AnschaffungskostLn für die Maschinen und der Mangel an Fachkräften (die Schuhmachergesellen standen im Feld) machten den Plan für die Stadt unmöglich Sie trat des­halb an den Hausfrauenverein heran, eineS ch u h- f l i ck st u b e einzurichten. Die Vorsitzende sagte zu, und nahm mit einem Mitglied des Vorstandes an einem Schuhkurs in Frankfurt a. Main teil. Andere Mitglieder wurden angelernt, und nach Beschaffung allen Materials (auch eine Schuster - maschine wurde vom Verein angeschafft), wurde in einem Saal der Ober-Realschule eine Schuh- werkstätte eröffnet. An drei Abenden der Wrchc wurde geschustert, geflickt und außerdem noch die Anfertigung von Stoffschuhen gelehrt. Rur wer Leschen hat, wie kinderreiche Mütter mit hochbepackten Henkelkörben voll zerrissener Kinderstiefel ankamen und nach 2 Stunden die geflickten Sachen mit vergnügten Gesichtem hrim- trügen, der weiß, welchen Segen der Hausfrauen- vercin mit der Schuhflickstube gestiftet hat. Welche Anforderungen aber an die Rerven berSchuh­flicklehrerinnen" gestellt wurden, jedesmal zwei Stunden lang das Geklopf auf 1012 Eisen­amboßen auszu halten, auch das kann nur der Beurteilen, der selbst einmal dortgeflickt" hat.

DieLehrkräfte" im Anfertigen von Stoffschuhen mit weicher Sohle und, was sehr wertvoll war, mit festen Sohlen für den Straßengebrauch, hat vielen Frauen, besonder-s Witwen, eine Erwerbsmöglichkeit geschaffen. An­dere Städte, wie Marburg, Wetzlar, Braunfels und andere haben Mitglieder ihrer Vereine durch Mitglieder des hiesigen unterrichten lassen. Für wie wichtig das Anfertigen der Stoffschuhe ange­sehen wurde, geht daraus hervor, daß Kreis- schulinspektor Dr. Alles dem Hausfrauenverein 76 Frauen, meist Lehrerinnen der Stadt und des Kreises Gießen, als Schülerinnen zugeführt hat.

Auch Strumpfflickkurse wurden ein­gerichtet.

Eine weitere, sehr wertvolle Arbeit hat der Verein mit der Kleideränder stube geschaf­fen. Vorhandene Stoffe usw. können dort zu neuen" Kleidungsstücken von den Mitgliedern unter fachmännisch ausgebildeter Leitung verar­beitet werden.

In all den Jahren feit seiner Gründung hat der Verein außer vorstehend angeführten Arbeiten noch viele Vorführungen, Vorträge und Ausstel­lungen veranstaltet, alle haben viel Anregung ge­geben. So die Lehrkurse zur Anfertigung der Kochkisten und Kochbeutel: das Färben und Baticken von Stoffen und Strümpfen. Sehr lehr­reich waren die Ausstellungen von Spei­sen mit Gelatinezubereitung: die schöne Pilz­ausstellung nach vorangegangenen Pilzwanderun- gen. Sehr nützlich war auch die Ausstellung von Spielzeug, das man selbst gemacht".

Schmackhafte, aber billige Koch- und Back- rezepte wurden ausgearbeitet, Kochvorfüh­rungen veranstaltet; die billigen kleinen Spar­herde und eine praktische Fettsparpfanne in Tätig­keit gezeigt.

Auch bei städtischen sozialen Ver­anstaltungen, wie Kinderhilfe usw., hat sich der Hausfrauenverein stets gerne zur Verfügung gestellt.

23-jähriges Bestehen des Verbandes reifender Kaufleute Deutschlands in Gießen.

Am vergangenen Sonnabend beging im Hotel Schütz die hiesige Sektion des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands die 25. Wiederkehr ihres Gründungstages. Rach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Todt sprach in Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters Bei­geordneter Kommerzienrat Klingspor die Glück­wünsche der Stadt Gießen aus. Kaufmann Ro ll II. versprach auch weiterhin der Hess. Handelskammer in Gießen die Unterstützung. Alsdann hielt der Mitgründer Herr Ed. Krumm deu Festvortrag überDie Bedeutung des reisenden Kaufmanns im Wirtschaftsleben der Zukunft". Von der großen besonders im Ausland bis 1913 geleisteten Arbeit des deutschen Reisenden ausgehend, zeichnete der Redner ein Bild der jetzigen ungesunden Geschäfts' läge. Zum Schluß feiner Ausführungen ging der Redner auf die soziale Tätigkeit des Verbandes ein. Mit den Glückwünschen des Verbandes an die Sektion waren Diplome und Auszeichnungen für die Gründer Greb, Krumm, Leithäuser, Rinn (Köln), Schal und Wörner eingegangen. Dem Vorstände wurde für seine Tätigkeit herzlicher Dank gezollt. Gute Musikstücke, Liedervorträge und humoristische Darbietungen unterhielten die Fest­teilnehmer noch einige Stunden in angenehmster Weise. Der Erfolg des Werbeabends kam in zahl­reichen Reuanmüdungen zum Ausdruck. Am Sonntag trafen sich die Mitglieder mit ihren Fa- milien auf-dem Schühenhaus zu einem geselligen Zusammensein. Montags führte ein Ausflug die Festgäste in die schöne Umgebung Gießens.

England

und der französische U-Boot Bau.

London, 21. Aug. (Wolff.) Bezugnehmend auf die entrüstete Frage desTemps", ob nach britischer Ansicht die französischen 0-Boote gegen Großbritannien gebaut wurden, schreibtDaily C h r o n i c l e in einem Leit­artikel:Wir haben keinerlei derartige Mutmaßun­gen, aber es ist an F r a n k r e i ch und nicht an uns zu sagen, gegen wen diese 0°Boote gebaut werden. Die 0-Boote sind jedoch nur ein einziges Beispiel zu dem wir noch die Flugzeuge, das Befatzungsheer und eine Politik hinzu­rechnen können, die auf die andauernde Dotwen- digkeit der Rüstungen begründet ist." Tas Blatt schließt:Wir wollen eine Politik des europä­ischen Friedens und des Wiederauf­baues und für eine solche Politik würden wir auch bereit fein zu zahlen. Aber weshalb faßten wir, bevor Frankreich bereit ist, etwas zu tun, um uns in dieser Richtung zu unterstützen, eine Schuld erlassen, die auch Frankreich bezahlen könnte, wenn seine Politik weniger kostspielig wäre? Englische Kriegsschiffe in der Ostsee.

B e r l i n, 21. Aug. Das erste Geschwader der leichten englischen Kreuzer wird, wie die Blätter mel­den, heute nach der Ostsee abfahren, wo es die Hafen Riga, Memel, Danzig, Reval, Helsing- fors, Stockholm und Kopenhagen besuchen wird. Der dritte Sohn des Königs, Pring Georg, nimmt an den Besuchen teil.

Bay.ru und das Reich.

Rach Münchener Meldungen der Berliner Morgenblätter haben die beiden bayerischen Mi­nister Schweyer und Gürtler dem Minister­rat Bericht erstattet. Der Ministerrat ist der An­sicht, daß die Bedenken, die bisher gegen die Berliner Abmachungen bestanden haben, nunmehr im wesentlichen behoben sind. Das endgültige Ergebnis wird erst nach Mitteilung an die Vertreter der Koalitionsparteien beiannt» gegeben werden.

Die Berliner Reise des österreichische» Bundeskanzlers.

Wie dieDossische Zeitung" berichtet, trifft der deutsche Gesandte in Wien. Dr. Pfeiffer, heute in Berlin ein, um an den Besprechungen des Reichskanzlers mit dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Seipel teilzunehmen. Der Bundeskanzler selbst trifft, von Prag kommend, heute nachmittag in Berlin ein und wird am Dahnhof von Reichskanzler Dr. Wirth und dem österreichischen Gesandten in Berlin, Dr. Riedel, empfangen werden.

Der Handel mit Australien.

Berlin, 15. Aug. Das Verbotder Ein- fuhrdeutscherWarennachAustralren ist zwar mit b-m 1. August d. 3 aufgehoben worden, andererseits aber verlautet, daß die für ausnahmsweise Zulassung deutscher Waren bisher inGe.tung gewesenenCinfuhrbestimmungen, dre insbesondere die Beibringung eines Einfuhr- erlaubnisschernes in jedem einzelnen Falle vor- i sehen, nicht außer Kraft gesetzt seien. Bestätigt sich dies, d. h. werden deutsche Waren auch in Zukunft in jedem einzelnen Falle nur mit be­sonderer behördlicher Einfuhrerlaubnis zugelltssen, so bedeutet das praktisch das Fortbestehen des früheren Einfuhrverbots. Die Aufhebung des Ein­fuhrverbots wäre unter diesen Umständen als rein formell anzusprechen. Die deutschen Expor­teure werden daher gut tun, bei der Ausfuhr nach Austvaliene ine gewisse Vorsicht zu beobach­ten, was übrigens auch schon deshalb angezeigt erscheint, weil es gegebenenfalls für sie schwierig werden könnte, ihre Rechte an Ort und Stelle zu wahren, da die australische Regierung die Zulassung deutscher Konsuln nach wie vor ablehnt.

Das im vergangenen Dezember erlassene australische Anti-Dumping-Geseh enthält bekanntlich scharfe Bestimmungen, die unter Ilm» ständen die Einfuhr deutscher Waren in Austra­lien so gut wie unmöglich machen können. Es wird abzuwarten sein, wie sich die Handhabung des Gesetzes in der Praxis gestalten wird. Das Gesetz sieht, entsprechend dem damaligen Stande der Reichsmark, für die deutschen Waren Dum­pingzölle bis zu 75 Prozent des Wertes vor. Infolge der seither eingetretenen beträchtlichen weiteren Entwertung der deutschen Währung ist jedoch von den australischen Fabrikanten neuer­dings energisch eine dem Sinken der "deutschen Valuta entsprechende Erhöhung des im Gesetze vorgesehenen Höchstzollsatzes gefordert worden. Rachrichten darüber, auf welche Warengattungen Dumpingzölle zur Erhebung kommen füllen, liegen noch nicht vor.

Trümmern aber blüht der gelbe Ginster. Erker und Rischen lassen die ehemalige Schönheit der Architektur erkennen. Ein seltsamer Zauber waltet in den leeren Mauern. Run sind ihre Zugänge abgesperrrt. Auf eigene Gefahr bin ich einge­drungen. Mir war's. als schreite die Riesendomre durch den Raum, als Ränge das Waldhorn. . Uralte Wälle ziehen sich den Berg entlang, hin­ab zum Walde mit verwilderten Seen. Das Heidekraut blüht am Wege, der Wald ist un­durchdringlich und noch eine Zeit grüßen die beiden behelmten Türme der ehernallgen Saba­burg

Wie für Arme, Alte, Waisen und Sieche soll jetzt für diese Burg gesammelt werden, bomb wenigstens ein Dach gebaut wird, das den wei­teren Verfall hemmt, und dann eine Lotte­rie, aus deren Erlös eine Restaurierung dieses romantischsten aller deutschen Iagdschlösser er­möglicht werden soll, damit es eine Wanderer- Herberge wird und sollte es nicht gelingen . . . dann geht wieder ein Stück alter deutscher Herr­lichkeit dahin, wie vieles anberel

RudolfHeYnemann.

Aus Hessen-

rm. Dem Landtag ist eine Regierungsvor­lage zugegangen, die einen Staatszuschuh für d i e Erhöhung der Bezüge der Schwestern (Kreisversorgerinnen) der Zentrale für Mutter- und Säuglingsfursorge vorsieht, der sich gegen den im Hauptvoranschlag vorgesehenen Betrag um 640 000 Mk. erhöht. Der durch die fort­geschrittene Teuerung hervorgerusene Mehrbedarf beträgt zwar 1 280 000Mk., wird aber in dem übrigen Teil durch die Kreise und Städte zu tragen fein.

Eine weitere Regierungsvorlage betrifft den Entwurf einer Gebührenordnung für d i e hessifchen Rotare.

Auch die Regierungsvorlage über die Aen- öerung des Landwirtfchaftskammergefehes liegt nunmehr im Druck vor.

Die Abg. Glaser, Brauer und Gen. haben einen Antrag eingereicht, durch den sie die Regie­rung ersuchen, die Summe von 121 500 000 Mark, die für den Ausgleichsstock bestimmt ist, zu Drei­viertel an die Städte und Gemeinden im Verhält­nis des jeweiligen Steueraufkommens zu verteilen. Das -restliche ein Viertel dieser Summe soll der Regierung zur Verteilung an bedürftige Städte und Gemeinden zur Verfügung gestellt werden.

Das Gesamtministerium hat an sämtliche unter­stellten Behörden, Beamten, Bediensteten eine Ver­fügung erlassen, wonach die Kassen angewiesen sind, die im Laufe des Monats fällig werdenden Bezüge der Beamten, Lehrer, Bediensteten, Ruhe­gehaltsempfänger usw. unverzüglich zur Aus­zahlung zu bringen, vorbehaltlich der Rachzah- lungen, die sich aus einer weiteren Erhöhung der Bezüge ergeben.

Die Burg des RiesensrcmleLns.

Zum Zerfall der Sababurg.

Aus Kurhessen wird uns geschrieben: Vom Hessenlande geht abermals, diesmal drin­gend, der Rotruf rns Land: Die Sababurg tft_ in Gefahr! Schon hat sie gesperrt werden müssen, weil Mauerwerk abbröckelt, und wenn nicht bald Hilfe kommt, geht die Perle des Rein­hards-Waldes zwischen Weser und Diemel und Fulda, ein romantisches Jagdschloß, restlos zu­grunde!

Wer kennt im weiten Vaterlande den Rein­hards-Wald, die jungfräulichste aller Waldungen mit stolzen Eichen, lichten Buchen und buntlen Fichten- und Tannen gründen, in denen es ewiger Abend ist? Da brüllt der Hirsch, balzt der Auer­hahn, haust der Schwarzspecht und Im Schutz­gebiet des ttrwaldes, in dem ferne Försterhand waltet, wuchert mannshoher Adler- Farn. durch das scheues Rotwild und schwärz­liche Sauen ihre Hauptverkehrsstraßen traten. Tausendjährige Eichen, ausgehöhlt und dennoch grünend, vom Blitz erschlagene und ausgebrannte, modernd im Erlenbruch, umsummt von seltsamen j Insekten. . . .

l Das ist ein verwunschener Wald, wie ihn die

keine Anweisung gegeben hat, sich beim Zusammentritt der Reparationskommission der Stimme z u enthalten. Ebenso- reuig hat sie, wie von verschiedenen Seiten behauptet wird, irgendeine Abmachung mit 0er französischen Regierung getroffen. Die t-elgische Regierung hält sich an den Ver- fatHer Vertrag und faßt keinerlei Aktion ins Auge, die mit dem Vertrag

ich t im Einklang stehen würde. Man ist der Ansicht, daß Frankreich seinerseits berechttgt is.<, gewisse Garantien von einer so schwachen Regierung wie der deutschen zu fordern. Sieber die Natur dieser Garantien ließe sich diskutieren, aber man dürfe sie nicht im Prinzip ablehnen. Im Geiste würde Bel­gien nach wie vor einem umfassenden Abkommen zu sagen, das das weitläu­fige Problem der Reparationen, das Problem der Regelung der internationalen Schulden und das Problem der internationalen Anleihe zur Wiederaufrichtung Europas einschlösse.

Die Berliner Besprechungen über die Moratoriumsfrage.

Berlin, 22. Aug. (Wolff.) DieReue Ber­liner Zeitung" Hört aus französischen Krei­sen. Mauclere Habe im Einverständnis mit Dradbury sehr scharfe Bedingungen rcrgelegt. Mauclöre sei allerdings von seiner Re- Vtirung ermächtigt, über den Ersatz einzelner Be­dingungen zu verhandeln, jedoch nur, trenn es sich um einen Ersah gleicher Art und gleichen Inhalts i. anblc. Mauclöves persönliche Stellung fri übri­gens keine etnex milden Tonart günstige. Die eng­lische Regierung habe Dradbury mehr oder we­niger formell angewiesen, sich der Stellungnahme Maucleres so weit tote möglich anzupassen.

Rach den Berliner Morgenblättern fand gestern nachmlltag im Reichssinanzministrrium die erste Besprechung Bradburys und Mau- c l e r e s mit dem Reichsfinanzminister Dr. H e r- mes und dem Staatssekretär Bergmann über die Frage des Moratoriums statt. Die Ver­handlungen dauerten etwa eine Stunde. Die bei­den Vertreter der ReparatiLnskommission ent­wickelten de i b:Ta mte.i französischen, sund englischen Standpunkt. Die Diskussion führte noch zu kei­nen Beschlüssen, sondern diente in derHaupt- sache der gegenseitigen Information. Die eigentlichen sachlichen Verhandlungen sollen rii heute beginnen. Die politische Leitung der Verhandlungen liegt in den Händen fceä 21 e i & anzlers, der sich die letzten Entscheidungen Vorbehalten wird.

Grff Brot, dann Reparationen.

Berlin, 21. Aug. Zu der von einem Berliner 'Piorgenblatt übernommenen Meldung desSvenska '»agbfab, Deutschland fei infolge des katastrovha- m Marksturzes genötigt, die früher getätigten eisen taufe in Rord- und Südamerika zu annulieren, da die hierfür vorgesehene Valuta für Zahlungen an die Entente gebraucht werde, rfahrt dieDeutsche Allgemeine Zeitung" von zu- rußiger Stelle, daß die Weizenkäufe des Deutschen Reiches sämtlich bisher bezahlt und daß auch für die am 15. Dezember fälligen Beträge Deckung vorhanden ist. Die Olegierung steht der Entente gegenüber nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die für lebensnotwendige Getreideeinkäufe nötigen Mittel durch die Reparationszahlun­gen nicht beeinträchtigt werden dürfen.

Tardieu zur

* -eutfch-frauzösischeu Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiete.

Paris, 21. Aug. (WTD.) Andree Tar­dieu schreibt tmEcho Rational" zur Frage der deutsch.französischen Verständi­gung auf wirtschaftlichem Gebiete, die Doktrin der direkten Verständigung mit Deutschland dränge sich gerade in dem Augen­blick hervor, in dem die Haltung Lloyd Georges vorbereitet durch 30 Monate französischen Ver­zichts, einen großen Teil der öffentlichen Mei­nung in Frankreich gegen England eingenommen habe. Die Wahrheit solle nicht verhehlt werden. Die Äußerungen, die man vernähme, wo man sich auch befinde, seien voller Verstimmung gegen die Engländer. Die Stunde sei also günstig, um vorzuschlagen, was Fürst Bülow ehemals einen neuen Kurs genannt habe. Aus diesem Grunde mühten die Patrioten, die ' gutes Gedächtnis hätten, seinen Warnungsruf ' erheben. Roch sei es Zeit: später sei es vielleicht zu spät. Die Politik der Verständigung mit Deutschland, die alte Politik von Caillaux- ' Iudet, werden den Franzosen so dargestelll, als ob sie allein imstande seien, sie bezahlt zu , wachen. Das sei eine Lüge. Denn tausendmal : sei bewiesen worden, daß Deutschland nicht , zahlen wolle. Die Frage fei also in erster Linie psychologischer und politischer, dann erst finan­zieller Art. Frankreich könne sich bet England Achtung verschaffen, wenn es sein Freund bleibe. Frankreich könne sich von Deutschland bezahll machen, ohne sich ins Schlepptau durch irgend­eine zweideutige Unterbeteiligung an ten deutschen Interessen zu be e'en. Tardieu schließt.Den Krieg gewonnen zu haben, um in der Politik Eaillaux-Iudet zu enden ' o nein!

In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, daß Australien auf das ihm aus § 18 Anl. II zu Teil VIII des Friedensvertrages zustehende Recht der Beschlagnahme auch der ijeutfdjen Rachkriegsvermögen bisher nicht ver­zichtet hat.

fern Trendela, Drama und Saba wurden die Traudelburg, die Dramburg und die Sababurg erbaut. Rur die Geschichtsforschung will nichts von diesen Riefenfräulein Saba wissen. Gin Erz­bischof von Mainz war es, der die Durg zum Schuhe des Wallfahrtsortes Gottsburen errich­tete, wo der blutende Leichnam des Herrn gezeigt wurde. Sie stand auf einsam und hohem Berge, start bewehrt und vor langer Zeit der Zank­apfel verschiedenster Herren, bis sie im Besitz der hessischen Landgrafen blieb. Ende des fünf­zehnten Jahrhunderts wurde sie zu einem Jagd­schloß umgebaut und nun begann ein Iagdtreiben im wildreichen Reinhardswald, wie es selten romantischer war im deutschen Lande. Kein hoher Herr kam zv.m Kasseler Hof, der nicht zur Jagd nach der Sababurg geladen wurde. Es gab glän- zende Feste. Iahraus, jahrein erllang hier das Hifthorn. Im Jahre 1806 lleh hier der Kurfürst von Hessen als er vor den Franzosen flüchtete, seinen Silberschatz vermauern, aber durch Verrat erfuhren die Franzosen davon, hollen den Schatz und. . . niemand hat wieder etwas davon ge­sehen!

Seitdem ist die Burg tm Verfallen. Kein Dach ist mehr vorhanden. Ein paar einsame Säu­len zeugen von entschwundener Pracht. In den

Berlin, 21. Aug. Die bayrische Regierung laßt, lautLokalanzeiger", erklären, daß sie, entgegen anderslautenden Ieitungsmeldungen, niemals "" Verbot derRoten Fahne" verlangte.

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-Srohhan rädern. Einen < hiesige MM. in rabmarber zur 6t letzter Zeit hier f diebstahle auöfüb vor bem Postamt Fahrrab entoenb« Bei seiner Lemeh Leugnen zu, seä Köln verschoben ? noch nicht abgesch ihn noch ©eitere; handelt sich um e Former, der sich Vertrieb.

** Lichtspi in der Dereimgun reicht. Aber bah ist, betveist die A ,3n einem tu woch im Lichtspi Film-Gesellschaft fahren zur Anlvei sichtbaren Tänze AM, ja sogar bi dH S&to mit nahezuvMgrüe Weise kann das Uscher Besetzung und Operette bic einem Wen @i AoMiefier gesch deren Äeiz verlei Mngsvollen Eze NMung den Gr Weit unb ftäbtij bringen. Der ge durste an den svlc ^nchhall sinben.'

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