Ausgabe 
22.8.1922
 
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Frühkartoffeln

Kaiserkrone*0 außergewöhnlich groß, Ztr. Mk. 400.-.

CarlSchunck.

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Eine Rede Pomeares über die Reparationsfrage.

Heutiger Stand des Dollars

10 Llhr vormittags:

Berlin 1180. Frankfurt a. M. 11901200

das Recht Frankreichs wahren konnte, habe ich mich nicht autorisiert geglaubt, ihn aufzrheben Der Grundsatz bleibt Heutewiege st ern der Grundsatz der französischen Regie­rung. Was auch immer kommen möge, wirwerdennichtaufihnver^ichten.

widersprochen in der vergeblichen Hoffnung, durch Versprechungen und Güte zu einem Ergeb­nis zu kommen. Was hat sich gestern noch er­eignet? Deutschland, das schon im Genuß eines weitgehenden Moratoriums war. stell! das Verlangen, dah man dieses Moratorium ab­ändere und daß man ihm noch ein weiteres ge­währe. Konnte es sich auf seine bona fides berufen und behaupten, das) es das Opfer eines Miß­geschickes wäre? Vor einigen Tagen hat noch Reichskanzler Dr. Wirth in Beantwortung einer Ansprache, die ich in London gehalten hatte, von neuem behauptet, daß Deutsch! andnicht absichtlich an dem Rieder gang der Mark gearbeitet habe. Die englische Regie­rung selber hat dieser Behauptung Gerechtigkeit angedeihen lassen in dem Gegenentwurf, den sie dem französischen entgegengesetzt hat. Sie hat festgestellt, das) die. Deutschland durch das Lon­doner Zahlungsstatut vom 5. Mai auf er leg ter. Zahlungen nicht erfüllt worden waren. Sie ha! festgestellt, daß die Kohlen- und Holzlieserungen, welche durch die alliierten Regierungen verlangt oder von der Reparationskommission gefordert worden waren, nicht ganz geliefert worden sind. Sie hat festgestellt, daß die deutsche Regierung seit dem Waffenstillstand ihr Budget nur da­durch im Gleichgewicht gehalten hat. daß sie Schahbonds ausgab und den Rotenumlauf ver­mehrte. Sie chat festgestellt, daß Deutschland so seine Mark entwertet und den Wert seiner Devise zerstört hat. Sie hat sestgestellt, daß zu gleicher Zeit Deutschland beträchtliche Summen ver­braucht hat. besonders für öffentliche Arbeiten, die durchaus nicht dringlich waren, oder für verschwenderische Zuschüsse tum Ruhr seiner Staatsangehörigen. Diese ganze Reihe von Feststellungen ist ein kategorisches Dementi dem deutschen Rechtfertigungsversuch gegenüber.

ihre Wege; Frankreich den seinigen, und manchmal ereignete es sich, daß sich beide von einander etwas entfernten. Rachts sei nach alledem natürlicher, nichts unvermeidlicher! Wie man im Altertum Menschen gekannt habe, deren Freund­schaft sie dazu getrieben habe, sich füreinander zu opfern, so lhabe man niemals, wie er glaube, ein Volk kennen gelernt, das sich selbst vergaß zum Schutze eines alliierten Volkes. Als nach dem Waffenstillstände jedes der kriegführenden Länder in gewissem Maße wieder $u seinem geheiligten Egoismus zurückgekehrt sei, dessen sich ein kriegführender Staat gerühmt habe und dem auch andere gefolgt seien, ^habe er sich darüber weder gewundert noch entrüstet. Aber, was er Poincare weniger begreife, was Frankreich nicht verstehe, sei, daß seit mehr als drei Jahren, wenn es sich um den Friedens­vertrag oder spätere Abkommen gehandelt habe, die Einigkeit unter den Alliier­ten so oft auf Kosten Frankreichs erzielt worden fei. Zu was führe es, wenn man heute die langeSerieder Enttäuschungen Frankreichs aufzähle, die Konzessionen, die man von ihm zugunsten Deutsch? lands verlangt habe, die Abstriche, die man nach und nach Frankreichs Forderungen aufgezwungen habe, den Widerspruch, den man jedesmal dann erheben habe, wenn Frankreich geraten habe, Garantien und Sanktionen zu nehmen? Rach und nach scheine es Frankreich so, als ob man i'hm das Recht streitig machte, eine fran­zösische Politik zu betreiben. Eine Allianz könne aber nur dauernden Bestand haben, wenn sie auf Gleichheit und gegenfettigem Respekt der nationalen Souveränität beruhe. Frankreich sei eine so große moralische Macht, daß es sicher fei, wenn es eine Freundschaft abfchliehe, min­destens ebenso viel zu geben wie zu empfangen.

Wenn wir von Pfändern und Garan­tien sprechen, so beeilt man sich das ist wahr in Deutschland stets und bisweilen auch anders- wo, uns Hintergedanken zuzuschieben. Die­ser Tage noch 'haben uns zahlreiche deutsche Blät­ter angeklagt, daß wir ihr Land zurSklaverei bringen und es sogar vernichten wollten. Wir haben noch nie so finstere und absurde Pläne ge­habt und haben sie auch jetzt nicht. Selbst wenn wir im Gegensatz zu unseren Wünschen dazu ge- ührt werden sollten, isoliert Pfänder au nehmen, ohne die Mithilfe unserer Verbünde­ten, würden wir nicht versuchen, sie uns endgülttg anzueignen. Wir würden nur die Garantien fest- halten bis zu dem Augenblick, wo Deutschland einen Verpflichtungen nachkommt. Wir wissen auch recht gut, daß selbst die besten unserer Pfän­der uns nicht sehr schnell für die Forderungen entschädigen würden, als an dem Tage, an dem Deutschland in loyaler Weise seine Verpflichtungen anerkennt und gut­willig erfüllt. Wir werden uns daher

nicht weigern, mit Deutschland in " ' g der besten Mittel ein- öie rasche und regelmäßige Aus-

z u t r e t e n, um die rasche und regelmäßige Aus­führung des Friedensvertrages sicherzustellen. Was darüber auch einige neuerliche Publizisten sagen mögen, wir sind toeber Leute wie Rerv noch Leute wie Bismarck. Wir sind brave Menschen die man in ihrer Arbeit gestört hat, die man brutal angegriffen hat und deren Heimat man verwüstet hat. Wir wünschen, den Frieden wieder aufzunehmen. Wir sind sogar durchaus geneigt, die anderen Rationen bei ihren An­strengungen zu unterstützen, die auf seine Wieder­aufrichtung hinzielen. So leidenschaftlich unsere nationale Polittk auch sein möge, sie ist weder engherzig noch wild. Sie wäre wirllich Wahn sinnig, wenn sie es nicht wäre. Sie würde sich mit einer weitherzigen europäischen Po­littk versöhnen. Wir verlangen nur, daß die Alliierten 'Unsere Alliierten, und Freunde unserer Freunde bleiben. Wir verlangen nur, mit unseren Feinden von gestern friedliche und bourgeoisievolle Beziehungen wie­der aufzunehmen, aber wir wollen, daß die und zugefügten Schäden repariert werden, und daS wird geschehen.

Wie könnte man auch die Behauptung auf- I rechterhalten, daß der Sturz der Mark notwendig durch das Defizit der Handelsbilanz und durch das Zahlungsstatut veranlaßt worden sei? Wenn man den materiellen Wert der Mark wahrend der Sabre 1919, 1920 und 1921 in Franks um­rechnet, so bemerkt man, daß in dieser Zeit das Defizit der Handelsbilanz Frankreichs um 28 Milliarden 185 Millionen Franks höher war als das deutsche, als nach seiner eigenen Sta­tistik berechnet. Ich brauche nicht zu sagen, bap man Grund dazu hat, bezüglich der Genauigkeit der Ziffern, die Deutschland veröffentlicht, alle Vorbehalte zu machen. Auf der anderen Sette hat Deutschland seit Kriegsende nur eine aus­wärtige Schuld von "ganz unbedeutendem Um­fange gehabt, und die einzigen etwas bedeutsamen Zahlungen, die gegen das Ausland seit dem ^vaffensttllstand zu leisten hatte, betrafen die Reparationen. 2m Dezember letzten Jahres, d. h. im Augenblick, wo Deutschland sich gegen das Zahlungs­statut auf lehnte, betrugen die a if Repara­tiv nstitel gemachten Lieferungen, sei es, daß sie in Devisen, fei es, daß sie in Gold, fei es, daß sie auf andere Art gemacht wurden, ungefähr vier Milliarden Goldmark, darunter drei Mil­liarden in Ratura und eine Milliarde in Dar. eine Summe, die ungefähr dem Wert von 12 Mil­liarden Papierfranks entspricht. Run hat aber der französische Staat feit Kriegsende eine auswärtige Schuld gehabt, die. zum Tageskurs berechnet. 48 Milliarden hoch war. Von 1919 bis 1921 haben wir an das Ausland eine glatte Summe von 6i/2 Millarden Papiermark zurückgezahlt, so daß also Frankreich, dessen reichste Provinzen durch den Krieg verwüstet worden sind, Frankreich, dessen Bevölkerung kaum drei Fünftel der deut­schen groß ist, an das Ausland von 1919 bis 1921, also infolge des Defizits seiner Handels­bilanz wie infolge der Rückzahlungen an das Ausland ungefähr 54V2 Milliarden Papiermark bezahlt hat, während Deutschland nur 32 Mil­liarden bezahlte. Der einfache Vergleich dieser Zahlen beweist, daß das Sinken der Mark sicher­lich nicht durch die von Deutschland angeführten Gründe verursacht worden ist. Es ist verursacht worden, das ist klar, durch die endlose Ausgabe von Reichsbanknoten, durch den Kapitalexport. Der Rotenumlauf Deutschlands ist von 14 Mil­liarden im Jahre 1919 auf 22 Milliarden un Jahre 1920/21, auf 81 Milliarden im Jahre 1921/22 und ungefähr 10 Milliarden monatlich im Laufe des Jahres gewachsen, und während einerseits Frankreich eine strenge Ge­setzgebung durchführte, um den K a p i-

talexport zu verhindern, hat Deutschland sofort nach dem Waffenstillstand alle ein­schränkenden Gesetze unterdrückt. Was ist das Er­gebnis davon? Das Ergebnis davon ist, daß die begütertsten Deutschen, die große Bourgeoisie, Handelsleute und Industriellen, um ,den staatlichen Steuern zu entgshen, und, um sich gegen den Sturz der Mark zu sichern und Reparationszahlungen zu vermeiden, alle ihre Fonds, Titel und Werte, über die sie verfügen konnten, in das Ausland ge­bracht haben. So frnb aus Deutschland alle seine beweglichen Kapitalien herausgeschafft worden, am Abend vor dem Tage, an dem es mit der Aus­führung des Versailler Vertrages beginnen mußte. Deutschlands Fehler also ist es, wenn es den ver- hängniLvollenSturz sei ecDeoise hat ror ih ge en sehen. 2n logischer und wirklicher Folge dieser Dinge hätte also die Reparationskommission be­reits mehrere 2Nale Gelegenheit gehabt, zu Deutschland zu sagen: Du hast gegen deine ele­mentaren Verpflichtungen verstoßen, und wir wer­den den alliierten Regierungen Vorschlägen, gegen

dich gemeinsame und respektive Sanktionen zu er­greifen, die sie für nötig halten. Aber die von gewissen alliierten Regierungen gegebenen In­st ruktionen waren immer unmäßig gelinde, und obschon die Verfehlungen Deutsch­lands offensichtlich und wiederholt waren, ist man seit dem April 1921 niemals zu einer regel­rechten Feststellung dieser Verfehlungen geschrit­ten. Der Buchstabe des Friedensvertrages ist vielleicht respektiert worden, seinen Geist hat man ständig verkannt.

So weit waren wir, als Deutschland sein neues Moratoriums verlangen formu­liert hat. Ohne uns zu befragen, hat die britische Regierung öffentlich erklärt, daß es den Anschein 'habe, man müsse ihm das Mora­torium bewilligen. Zu gleicher Zett hat eine übrigens sehr höflich gehaltene Rote der britischen Regierung daran erinnert, daß Frankreich der Schuldner Englands sei und das Schicksal dieser Schuld zum großen 2eil von den Entschlüssen abhänge, die Amerika als Gläu­biger Englands seinem Schuldner gegen­über anneb'me. Wir waren sehr erstaunt, daß eine derartige Reklamation uns gerade in dem Augen­blick übermittelt wurde, in dem Deutschland an­kündigte, daß es nicht bezahlen werde und in dem England das deutsche Verlangen un- ,terstühte. Das Zusammentreffen mar zum we­nigsten bedauernswert. Am 1. Mai 1921 war durch die Reparationskommission entschieden wor­den, daß die Schuld Deutschlands gegenüber den Alliierten auf 132 Milliarden Goldmark festgesetzt sei, eine übrigens etwas theoretische Summe, da die Zahlungsfristen ungewiß blieben. .... Aber fassen wir diese Ziffer etwas ins Auge, stellen wir ihr den Betrag der inter­alliierten Schulden in Goldmark gerechnet gegen­über. Frankreich schuldet Großbritannien 11,863 Milliarden, es schuldet Amerika 13,791 Milliar­den Goldmark. England schuldet Frankreich 1,92 Milliarden Goldmaick und Amerika 18,800 Mill.

Paris, 21. Ang. (WTD.l Aus Anlaß der Eröffnungstagung des Generalrates des Maas- Departements hielt Ministerpräsident Poincare eine politische Rede über die Reparations­frage, in der er daran erinnerte, daß sie für die Bewohner des Bezirkes, in dem man tage, von grundlegender Bedeutung sei. Die Lösung der Reparationsfrage werde nicht nur durch den schlechten Willen Deutschlands behindert, fonbern sie stoße auch auf überraschende Schwierigkeiten. Während des Krieges sei es für die Schaffung der Einzelkommandos nicht immer leicht gewesen, die Einheit der Alliierten aufrechtzuerhalten. Aber in der Erinnerung an die gemeinsame Gefahr hätten sich die Schwierigkeiten rasch verflüchtigt. Seit dem Waffenstillstände hätte jedes der Völker, die Seite an Seite gekämpft haben, nach und nach nicht nur die Erinnerung der Waffenbrüderschaft, sondern den wahren Begriff politischer Solidari­tät verloren. Es gebe aber in der gesamten Welt zwei kollektive Leidenschaften. Er wolle sprechen von dem Willen zur Macht, den man teil­weise Rationalismus und teilweise Im­perialismus nenne, und von den vagen Hoff­nungen auf revolutionäre Wunder, die man unter den Hamen Kommunismus und Bolsche­wismus kenne. Frankreich sei nach seiner so­zialen Gliederung gewiß eines der Länder in der Welt, die am wenigsten diesen unüberlegten Leidenschaften ausgesetzt seien. Vergeblich aber suchten Rationen, von denen einige mehr als Frankreich vom Imperialismus bearbeitet würden, es Gott weih welcher Deherrschungsgelüste an= zuklagen. Frankreich wünsche keine Vergrößerung des Gebietes; es verlange keinerlei Hegemonie, es wolle weder irgendein Volk vernichten noch demütigen. Es verlange nichts an­deres als die Ausführung der Verträge und Entschädigungszah­lungen. Aber seine Forderungen, von denen sein Heil äbhänge, würden nicht immer von seinen besten Freunden begriffen. Sie setzten ihrerseits ihre Sorge und ihre Inter­essen voran. Teilweise "hielten sie fidj, weniger stark als Frankreich gegen die Ansteckungen des Bvlschcwismues gesichert und bildeten sich ein, das Hebet durch unfruchtbare Verhandlungen fernhalten zu können. Teilweise sähen sie auch, daß ihre Industrien durch Arbeitslosigkeit paralysiert seien, und sie seien von dem Wunsche besessen, koste es, was es wolle, die ausländischen Märkte wieder zu gewinnen. Sie gingen

Zusammenarbeit ist. .

Die Rote der englischen Regierung hatte es unmöglich gemacht, die,es wichtige Pr°A-m m London sofort anzuschnerden, und dre kraftlose Mäßigkeit, die Deutschland bisher gegenüber tem von der Reparationskomnnsston geflellten Re­form- und Kontrollverlangen gezeigt hat wurde weiterhin es n i ch t rn ö g l i ch machen sofort die Möglichkeit einer von Deutschland für ferne Reparationszahlungen aufaune&menpen -21 n- leihe ins Auge zu fassen Es blieb also so schien es, für den Augenblick nur übrig, iedes neue Moratorium abzulehnen oder es nur gegen Positive Pfander zu gewähren, von denen ich eine Anzahl genau bezeichnet habe, darunter die SMatsbergwerke und Staatsforsten. Das ist der Grundsatz den ich auf gestellt habe und dem sich anzuschließen die englische Regierung sich nicht hat entschließen kön­nen Da dieser Grundsatz der einzige war. der

Italien schuldet Frankreich 840 Millionen Gold­mark und Großbritannien 9,740 Milliarden, den Vereinigten Staaten 7,420 Milliarden. Serbien schuldet Frankreich 1,314 Milliarden Gvldmark, Rumänien 878 Millionen, Griechenland 417 Mill. Rußland schuldet uns 5,643 Milliarden und ver­schiedene andere Länder 1,309 Milliarden. Gibt es den geringsten Vergleich zwischen dem, was Deutschland an die Alliierten schuldet und den Schulden der Alliierten untereinander? derartige Schulden miteinander zu vermengen, wäre eine ungeheure Tlngerechtigkeit. Deutschland hat das Hebel wieder gutzumachen, das es angerichtet hat, und diese notwendige Reparation muß natür­lich vor jeder anderen Regelung vorangehen.

Die alliierten Schuld«, sind im Interesse der gemeinsamen Sache gemacht worden, und die Käufe, denen sie dienten, haben alle zum gemeinsamen Siege beigetragen. Wenn Eng band sofort das Geld zurückhaben wollte, das wir bei ihm während des Krieges gekauft haben, und wenn es zu gleicher Zeit die Bezahlung der Reparationen verzögert, dann würde es uns zu der Rotwendigkeit drängen, daß wir uns unsererseits an die alliierten Län­der. die unsere Schuldner find, wen­den, und so müssen wir auf irgendeine Weise uns von Italien. Rumänien und Serbien die Summen bezahlen lassen, die von uns verlangt würden, und hie von Deutschland zu erhalten man uns nicht gestatten würde. Ich brauche nicht zu sagen, daß wir es nicht annehmen könnten, in eine s0 seltsame Lage zu kommen. Wir denken in diesem Augenblick im alleraeringsten daran, unsere Schulden bei unseren Alliierten einzufordern. Die Forderung, die wir an Deutschland haben, ist unsere erste Forderung. Bis dahin ist es uns moralisch und materiell unmöglich, unseren Verpflichtungen unseren englischen Freunden gegenüber nachzu­kommen, unb so ist es zu begreifen, daß wir unsererseits nicht unsere gemeinschaftlichen Freunde drängen möchten. Es liegt übrigens klar zutage, daß diese allgemeine Frage der interal Iner- tenSchuldenwieeinSchwergewichtaus den Wechselkursen und auf der allgemeinen wirtschaftlichen Lage lastet und daß die Frage eine gemeinschaftliche Regelung ver­langt. Es ist wünschenswert, daß die Frage recht bald auf einer Konferenzge­prüft wird, zu der ausnahmsl 0 s die daran interessierten Staaten xufammenberufen werden und wo es Frankreichs Sache sem wird, in aller Freiheit feine Ansichten ausernanderzu- sehen. Aber die wesentliche Bedingung dieser Re­gelung ist, daß man die Schuld Deutsch­lands das die Verantwortung tragt, nicht in einen Topf mit den Schulden der Staats zu werfen sucht, die im Kriege gememfame Sache gemacht haben und deren finanzielle Zusamnwn- arbeit die notwendige Ergänzung der militärischen

Bon der öffentlichen Meinung Englands aufgezwungen.

Paris, 21. Aug. (Wolff.) Der Londoner Berichterstatter desReuyork Herald" übermittelt seinem Blatte eine Zuschrift des englischen Schrift­stellers Sir George Paish zur Repa­rationsfrage. Dieser ist davon überzeugt, daß die Schwenkung in der Reparations­politik der Verbündeten viel weniger von der englischen Regierung aus freiem Entschluß gefor­dert als vielmehr von der englischen öffent­lichen Meinung, den Arbeitern, Industriel­len, Kaufleuten und Bankiers ihr auf gezwun­gen wird. Alle Klaffen der englischen Bevölke­rung sind nach ihm heute von dem Wunsch^ beseelt,

1. daß von der englischen wie von der fran­zösischen Regierung die bestehenden Tatsachen an­erkannt würden, jeder einzelne Faktor sorgfältig beobachtet und die Linie der zu befolgenden Polittk gezogen werde;

2. M baä französische Volk von den euro­päischen und allgemeinen Verhältnissen in der ganzen Welt, wie sie heute liegen, völlig unter­richtet werde;

3. daß die Frage der deutschen Zahlungs­fähigkeit einem Dankierausschuh vorgelegt werde;

4 daß Deutschland für sämttiche Zahlun­gen ein Moratorium erhalte, bis der Dankierausschuh über feine Gesamtzahlungsfähig­keit sich ausgesprochen habe;

5 daß eine internationale Anleihe aufgelegt werde, die die unverzügliche Wieder­herstellung der zerstörten Gebiete Frankreichchs und in den anderen Ländern ermögliche;

6 daß die deutschen Reparationszahlungen in Form von Annuitäten erfolgen, die zur Zinfenzahlung für eine internationale Anleihe Zdienen sollen;

7. daß die interalliierten Schulden gestrichen werden;

8. daß sofort für die finanzielle Reorgani­sation Oesterreichs gesorgt werde;

9. daß alle Meinungsverschieden­heiten über den Betrag der Reparattonen, die Zahlungsweise und andere Fragen, die zwischen Frankreich und England bestehen, vom Völker­bund geregelt toerben.

Der Berichterstatter betont ausdrücklich die neuerliche Annäherung Lloyd Georges ar diese Gedankengänge.

Belgiens Stellung zur Reparationsfrage.

Paris, 22. Aug. (WTB.) Die Agentur Havas meldet aus Brüssel, von politische^ Kreisen versichere man, daß entgegen der An­sicht gewisser englischer Blätter die bel­gische Regierung ihrem Vertreter in der ReparattonSkommisfion, Delacroix,

Poincare ging alsdann dazu über, von dem Gesetz der Mehrheit zu sprechen, dem Frankreich unterlegen sei bei den interalliierten Konferenzen oder den Verhandlungen der Repa- rattonskommission. Man habe von ihm verlangt, es solle sich dem Willen der größeren Zahl beugen, das heißt den an der Regelung der Reparationsftxige weniger Interessierten. Die offenkundige Ungerechtigkeit könne aber nicht die fortgesetzte Unterordnung Frankreichs unter den Willen anderer bedeuten. Aber unglücklicherweise hätten die Ereignisse Frankreich nach und nach beinahe zu diesem unerträglichen Resultat geführt.Die britische Regierung, die sicherlich nur von Freundschaftsgefühlen uns gegenüber beseelt ist, hat sich indessen nicht ganz schnell den Ernst unserer Finanzlage flar gemacht und auch nicht das kapitale Inter­esse, das wir haben, von Deutschland rasch ent­schädigt zu werden. Es hätte den Anschein, als vergesse man die horrenden Vorschüsse, die wir für unsere Gegner machen mußten, und sie lieh sich diesem Schuldner gegenüber zu dilatorischen Mahnahmen und zur Schonung verführen. Jedes­mal, wenn wir, um endlich bezahlt zu werden, den Vorschlag gemacht hatten, gemeinsam zum un- mngänglichen Zwange 511 schreiten, hat sie uns

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Dienstag, 22. August 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

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