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Jobs. DlnOet.
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Nr. >19 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen)Montag, 22. Mai (922
Deutscher Reichstag.
215 Sitzung, vormittags 10 Uhr
Berlin, 20. Mai 1922.
Ernährun sfragen.
Der Gesetzentwurf über die Autonomie der Reichsbank wird in 2 und 3. Lesung angenommen. Sin Gesetzentwurf über Mieter schütz und Mieteinigungsamtcr wird dem Ausschüsse für Wohnungs- und Siedlung-wesen überwiesen. Sodann wird die 2. Lesung des Etats de-. Mini steriumS für Ernährung und Landwirtschaft fortgesetzt.
ReichSrninister für Ernährung und Landwirtschaft Zehr
hielt darauf folgende Redet
Die Ernährungsschwierigkeiten und Röte der Landwirtschaft haben nurtgften Zusammenhang, weil die Grnährungs- schwierigkeiten zunächst in den Röten der Landwirtschaft begründet find. Mein Amtsvorgänger ba. die Mittel zur Lösung der Dersorgungsfragc auf dem einzig möglichen Wege der Förderung Ser Produktion gesucht. Seine Mahnahmen zur Aufhebung der Zwangswirtschaft säst aller wichtigen Lebensmittel waren von dem Gedanken getragen, den Schafsensdrang des einzelnen zu wecken, konnten aber natürlich nicht in kürzester Zeit Erfolge zeitigen. Dennoch sind schon im laufenden Wirtschaftsjahr erhebliche Fortschritte in der Steigerung der Produktion zu verzeichnen. Di-^ gesamte landwirtschaftlich benutzte Fläche hat eine Zunahme erfahren. Dazu kommt eine gesteigerte Derwendung künstlicher Düngemittel. Die deutsche Landwirtschaft wird, wenn es gelingt, die ganze Produktionskraft zu entfalten, in absehbarer 3eii in der Lage sein, unseren Lebensbedarf in den wichtigsten Nahrungsmitteln zu decken. Selbstverständlich ist die Deckung des Bedarss aus dem eigenen deutschen Boden nicht von heute auf morgen zu erwarten, mutz vielmehr das Endziel eine- langen und anstrengenden Weges vor- fteilen. Deutschland ist non 120 Einwohnern pro Quadratkilometer auf 131 gestiegen. Dabei sind die f/ielen valutastarken Fremdlinge, die sich behäbig an unserem Tisch breitmachen, gar nicht in Be- i uMchtigung gezogen. Darum wird das deutsche Lolk vorerst aus der eigenen Produktion auch bei siärkster Einschränkung noch nicht leben können, und die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln ist daher für uns eine Rgtwendigkeit. Der Abbau de. Ei'f.ihrverbote ist pla.imä ig svrtgeseh worden. Schwierigkeiten zeigten sich dabei erst, als infolge des überraschenden und katastrophalen Rückganges der Mark die Preise stark anzogen. Es wird auch fernerhin das Bestreben obwalten, durch Abbau der Einfuhrverbote Erleichterungen unferer Ernährungslaie herbeizuführen D i e Kosten der Ernährung sind vom 11,2- fachen im Monat April 1 92 0 b i s heute auf das 43,6 fa che gegenüber demFrie- denge stiege n. Die Hauptursache der Teuerung liegt in dem starken Bedarf an ausländischen Nahrungsmitteln. Hedoch mutz bemerkt werden, dah eine nicht geringe Anzahl Einzelner aus den Kreisen der Erzeuger sowohl als auch deS Handels die allgemeine Notlage deS Volkes und die Knappheit der Lebensmittel zur Befriedigung ihrer Geldgier ausnutzen, damit die Teuerung verschärfen und die öffentliche Meinung ganz allgemein zu Um echt gegen die Erzeugerwirtschaft und den Handel aufbringen. Die überaus grvtzen technischen Schwierigkeiten, die sich aus der Zwangswirtschaft für die Kartoffeln, und wenn es sich auch nur um eine Umlage handelt, ergeben würden, widersprechen der Wiedereinführung einer Derartigen Mahnahme. Vorsorglich wird schon jetzt versucht, die Belieferung der Hauptverbrauchs- gebiete auf dem Wege von Lieferungsver- trägen zu sichern Eine scharfe Konzessionierung des Auskaufs ist ins Arge gefatzt worden. Die Getreideumlage ddj 2,5 Millionen Tonnen ist bis auf geringe Rückstände erfüllt. Die Landwirtschaft hat mit dieser Leistung auch dann ein unstreitiges Riesenopfer gebracht, wenn man die mit der Erfüllung der Umlage vielfach errechnete Geldeinbuhe nicht anerkennen kann. Die Verhandlungen über die künftige Gestaltung der Brotversorgung stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Die Reichsgetreidestelle hat die Badarfs- mengen bis zum 31. August in der Hand Und ist daran, die Sicherung bis zum 31. Oktober durch- Aufübren. Der nötige Zu kauf von ausländischem Getreide macht uns in der Preisgestaltung vom Stande des Dvllarkurses abhängig. Die Mahnahme, die gegen diese Beeinflussung des Preises durch Verbilligung des Brotes mit Reichsmitteln
1 getroffen war, muh künftig fallen, so dah es tm tommenben Wirtschaftsjahr leider nicht möglich sein wird, die bisherigen Drotpreise zu ballen. Der mit bestimmter Absicht in die Oeffentlichleit getragenen Unrichtigkeit, die öffentliche Bewirt- schaftung, insbesondere die Tätigleit der Reicps getreidestelke trage die Hauptschuld an der Höhe c>es Brvtpreises, muh entgegenqelreten werden Auf das Pfund Brot berechnet, betragen die Unkosten der Reichsgetreidestelle nur l1 , Pfennig
I Ein recht unerfreuliches Bild zeigt sich g20211= -närtig in der- Zuckerversorgung Entgegen der (kiufig vertretenen Auffassung, datz I 3uder ausgefi hrt sei. ist festzustellen, datz uxbei Zucker noch auS Znlandszack?" hergestellte Zucker-1 waren oder Schokolade au-geführt wurde. Die derzeitigen Zustande beanspruchen die größte Aus- ; merksamkeit der Regierung Die Verhältnisse auf dem Gebiete der Fttischv r'orgung konnten bis in den Spätherbst des vergangenen Jahres als Be- siiedigend bezeichnet weid.n aber die Der schie ch icrung des deutichen Geldwertes machte die Zu- fufrr aus bem Ausland mehr und mehr unmöglich. Die starke Preissteigerung wird erst bann gebessert werden, wenn vom Sommer ab die Weidemnastgebiete wieder mit ihren Lieferungen einsetzen. Auf dem Gebiete der M i ' verlor- gung hat der gänzliche Mangel an Futtermitteln während deS Krieges und die unglückliche Preispolitik. die in der Zwangswiitichaft getrieben werden muhte, die Abmettwirtschaftrn, aus di. sich die Versorgung der grvtzen Sttidte stützte, zerstört. 3m laufenden Wirtschaftsjahr sind 400 Millionen Mark zur Milchperbilligung bereit- gestellt worden. Diese Hilfe weiter zu gerähren, verbietet unsere finanzpolitische Lag.- Hingegen soll die dem gleichen Ziel dienende hcchberzig.? Aktion der Kinderspcisur. ?, durch die amerikanische Kinderhilfsmission der Oaarer durch unentgeltliche Hergabe von Mehl und Zucker weiter unterstützt werden. Die Einführung der freien Wi-rb schäft auf fast allen Gebieten ermöglichte es, der Förderung des Abbaues derKriegsorganisationen Rechnung zu tragen. Dem Ministerium unterstanden bei seiner Errichtung insgesamt 3 8 Kriegsorganisationen, jetzt nur noch 13, von den übrigen 25 Organisationen sind 18 völlig ausgelöst und 7 als reine Ab'a.ickln . -> das Reichsschahamt abgegeben worden. Die bei dem Ministerium noch verulriycnoen 13 u.gam- fationen befinden sich gleichfalls in der Auflösung oder Liquidation. Lieber den 1. Juni hinaus wird lediglich die Reichsgetreidestelle und die Ueberwachungsslelle für Ammoniakdünger und phosphorsäurehaltige Düngemittel verbleihen. Mit besonderem Nachdruck wird das Ministerium dem Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft, dieser vorerst geistigen Aktion, Ausmerksamkeit und Unterstützung leihen. Die gesteigerte Versorgung der Landwirtschaft mit fünft- lichen Düngemitteln war eine Hauvtsorge des Reichslandwirtschaftsministeriums. 1921 ist es möglich gewesen, für die Landwirtschaft annähernd die doppelte Menge Phosphorsäure be» reitzustellen als an Zähre vorher, und, bezogen auf die heutige Fläche des Deutschen Reiches, annähernd die Hälfte der Mengen der letzten Vorkriegsjahre. Die Landwirtschaft wird drei Fünftel der vor dem Kriege verbrauchten Phvs- phorsäuremengen erhalten. Kali wird wie bisher in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Der Minister streift dann die Frage der K u n st - düngerpropaganda, der Versuche über Pflanzenzüchtungen und Schädlingsbekämpfung, berichtet von der Gründung zweier milchwirtschaftlicher Forschungsinstitute neben dem Prüfungsamt für milchwirtschaftliche Maschinen an der Universität Halle und fährt fort: Gemäh dem Deschluh der Nationalversammlung ist beim Reichsministerium für Ernährung uno Landwirtschaft ein Ausschuh für Moorkultur und Oedland- erschliehung geschaffen worden. Zur Zeit wird im Einvernehmen mit den beteiligten Ländern eine umfassende Statistik zwecks einwandfreier Feststellung der im Reichsgebiet vorhandenen Moor- unb Heideslächen vorbereitet. Es ist gelungen, bic Verluste der Hochseefischerei an Fahrzeugen während des Krieges auszugleichen. Leiber war die Kohlenzufuhr u.rzureichenb, so dah eine volle Ausnutzung nicht möglich war. Es werben aber alle Mittel zur Hilfe eingesetzt. Die Frage bes Fortbestandes des Ernährungsministeriums beantwortet sich im Hinblick auf die wichtigen Aufgaben für bas Volksganze selber. Sie sollte aber auch im Interesse der Autorität des Ministeriums der Oeffentlichkeit gegenüber sowie im Interesse der Erhaltung der Arbeitsfreude bes Deamtenkörpers gar nicht geftellt werben. Tüchtige Arbeitskräfte sind nötig, wenn es gelingen
Otto Ubbelohde
Das Treppenhaus des Landgrafenhauses. des vor wenig Jahren neu errichteten grvtzen Hörsaal- gebäudes der Universität zu QHarburg, schmückt fett etwa 3 Wochen ein grobes Bild in leuchtenden Temperafarben. 3m Vordergründe der grauenberg mit der Ruine der Burg, die ihren Ramen von der Herzogin Sophia von Brabant trägt, der heiligen Elisabeth Tochter und Mutter Heinrichs des Kindes, darüber hinaus die weiten Wälder und eine Berglinie hinter der andern bis zu der schlotzbekrömen alten Llniversitätsstabt, der Wald im bunten Herbstschmuck, ein Bild eines heihen, sonnigen Epätsommertages unter schwer ^ulammengeballten bewegten Wolken. Von ergreifender Gröhe und Schönheit. Der das Bild gemalt und bar es ber Unioerfität feiner Dater- ftabt geschenkt hat als Dank dafür, dah sie ihm in Anerkennung seiner Verdienste um unser Land vor Jahresfrist die Würde eines Ehrenbürgers der Alma Mater Philippina verliehen hat, ist tot! Otto ilbbelobbe ist tot! Zeder Marburger fühlt, was das kleine Wort bedeutet: jeder Hesse, ob aus bem Ober- ober bem Niederfürstentum. muh es empfmben als einen Schlag, ber ihn persönlich betroffen hat. wenn er auch den Meister nicht von Angesicht zu Angesicht gekannt hat. Otto Ubbelohbe ist am 5. Januar 1867 in Marburg als Sohn eines Professors aus alchannoverscher Familie geboren. Dem Stamme nach Niedersachse, der Geburt und bem Serien nach Hesse, ein Hesse, der seine Heimat liebte, ber sie kannte wie kaum ein anderer, ber sie erobert hat in hei hem Bemühen, nicht nur für sich, fonbem für uns andere alle; denn, was in diesen Tagen so oft gedacht und ausgesprochen ist: wenn wir heute und eine hessische Landschaft vor stellen, bann sehen wir immer und überall mit den Augen Ülbbelohbes; er hat vielen Tausenden gezeigt, was wir an unserem Lande haben. Geliebt haben wir Hessen immer mit allen Fasern unseres Herzens
das Heimatland, warum, haben viele erst durch den nun von uns Geschiedenen gelernt. Ubbe- lohde hat in Marburg das Gymnasium besucht unb den grünen Iägerrock getragen, nach ga»iz kurzem Aufenthalt in Weimar hat er seine Kunst auf ber Akademie in München bei Löffh und Herterich gelernt. Ob er zu den richtigen Lehrern gekommen ist, wer weih? Er selbst war sich wohl oft zweifelhaft. Seine ganz ausgesprochene charakteristischL Künstlerpersönlichkeit hätte sich aber wohl burchgeseht, ganz einerlei, in welcher Schule er gewesen wäre. Um 1893/94 weilte er wenige Monate in Worpswebe. aber es trieb ihn aus ber nieberdeutschen flachen Landschaft in die bergige Heimat, er wuhte. wohin er gehörte. 3n Gohfelden, nahe bei der Vaterstadt unb doch weit genug davon, um in Ruhe arbeiten zu können, baute er sich zusammen mit seiner gleichgesinnten Gattin, die er 1897 heimgeführt hatte, ein kleines einfaches Haus, bas eigentlich nur aus einem grvtzen Hellen Atelier unb ganz wenig Wohnräumen bestand. Aus bielem Häuschen hat sich durch mehrere Anbauten im Laufe der Jahre ein Künstlerheim gebildet, wie man es stimmungsvoller und seiner und seiner Frau Persönlichkeit (beim beide waren ihrem Sinnen und Denken nach eins) entsprechenber sich nicht denken kann. Don hier aus burchwänderte er bas Oberhessische Land Dickt am Hause, bas im Schatten alter Bäume liegt, flieht die Lahn vorbei, gegenüber nach Süden erhebt sich ber Abl-ang des /Berget mit ben Häusern bes Dorfes Gohfelden, über ben hinunter ber Weg nach Marburg führt; auf ber anbei en Seite >in wunlxnvoller Blick all bie sich auftitrmenben Berge des Hinterlandes mit ber beherrschenden Kuppe des Rimberges, unb dann ber lang sich hinstreckende Rücken des Wollenberges über Wetter, dicht dabei die malerischen Trümmer ber Melnau Eigentlich trotz stiller Gröhe eine anspruchslose Lanbschaft, aber ein echt hessisches Dilb. An der Lahn ein paar schöne Pappeln, die. ihr Weiterleben lange Jahve
soll. Verbraucher und Erzeuaer zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen und die Kluft zwischen Stabt und Land zu überbrücken.
Danach ergriff Adg. Thomsen (Dttchntl ) das Wort and bantte dem Minister für bie Anerkennung der Leistungen der Landwirtschaft Sine u';ier Verantwortung bemühte Regierung müf c alles daran setzen, die Landwirtschaft aut der Höhe ihrer Lcitzangsfahigkeck zu erhalten, damit mir vom Aaslande unabhängig werden Dahm gehöre auch die Frage ber Siedlung, unb deshalb müfte bo-e siedla .gswe en dem Rrichslandwrrt- schaftsministeriam unterstellt werben. Der Redner protestierte gegen die Ansicht des Ministers, das Getreideumlageverfahren cui, für das kommende Hahr belzubehalten, nachde n Minister Hermes im Vorjahre ausdrücklich unb wiederholt gesagt habe, datz es damals das letzte Mal sein sollte. Durch dieses Versprechen war es möglich, den Widerstand gegen bas llmlagcber- tafjien zu brechen. Zwangswirtschaft unb Um- lageverfahrcn seien eine besonders ungerecht- feJigte Belastung und Besteuerung eineS Berufs- üandes, und fast alle länd.ichen Vereine hätten sich bemgemät, gegen die Umlage ausgesprochen, welche auch die tnoralischen und sittlichen Werte zerstöre. Auck bie einmütig gefällte Entschlie- tzung der ^lusschüsse ber Landwirtschaft beweis:, wie die Landwirtschaft über bie (Sctreibeumlag: denkt. Auck in der Z u ck e r f r a g e habe b e Landwirtschaft im vergangenen Jahre Zuckerrüben zu ben entsprechenden Preisen abgegben. Auf die Entwicklung ber Zuckerpreise unb des Zuckermangels habe die Landwirtschaft keinen Etnsluh. Die Landwirtschaft wolle nicht besser behanb.'lt werden als bic anderen Bwufe, aber auch nicht schlechter. Gcm-ri ifam mit der Deutschen Volks- tXTTtei legen wir daher dem Hause folgende Ent- schliesntng zur Sicherstellung der Versorgung mit Getreide vor:
Die Sicherstellung ber Versorgung mit Brotgetreide in Form einer Umlage ist nicht mehr möglich. Hebe Zwangsmatznahme verhindert bie notwendige Vermehrung ber landwirtschaftlichen Erzeugung unb gefährdet bic Sicherstellung berVersorgung. DieDeibehaltung des U^tlageverfahrens würde biefe bedenkliche Folgen noch verstärken, baher finb Maßnahmen zu ergreifen, um bie Brotversorgung auf anderer Grundlage zu gewährleisten unb um baS Brotgetreide für bic wirtschaftlich schwächere Bevölkerung zu verbilligen.
Aba. Schmitt (6.): Vor ben Wahlen hat bic Rechte bie Verbilligung bes Preises für Brot unb Sinter versprochen. Jetzt aber nimmt bie Landwirtschaft keine Rücksicht auf bie Not ber breiten Massen, unb trotz bes gleichbleibenden Standes des Dollars halt die Preissteigerung an. Dieser ungeheuere W u che r sei nicht mehr zu ertragen. Darum fordere seine Partei in einem Anträge Beibehaltung der Getrside- umlage, bedingte Bewirtschaftung ber Kartoffeln unb Zwangsbewirtschaftung für Zucker. Der Redner verlangt aber auch anderseits bie gleichen wirtschaftlichen Formen für Textilwaren, Eisen unb chemische Fabrikate.
Abg. Bl u m (Z.): Seine Partei sei bereit, die Politik des Ministers so weck als möglich zu unterstützen. Der Düngemittelfrage mützte grötzte Aufmerksamkeit zugewandt werden, denn sie fet dl? Grundlage der 3ntenfität der Wirtschaft. Sie hänge aber in erster Linie von der Kohlenfrage ab. Das Zentrum halte das Hmlageoerfabren tm Interesse der Produktion nicht mehr für notwendig. es mühte aber Vorsorge für die Sicherstellung des erforderlichen Brotgetreides getroffen und auf eine Verbilligung hingewirkt werden. Redner fordert zum Schlutz besondere Beachtung ber landwirtschaftlichen Berufsausbildung und eine vermehrte Qlnlage von Musterbetrieben.
Abg. Dr. Hertz (^ISP.) erklärt, datz er von dem Wechsel im Ministerium keinen besonders günstigen Eindruck erhalten habe. Es wäre Aufgabe des Ministers gewesen, gegen bie Drohungen ber landwirtschaftlichen Organisationen Stellung zu nehmen, bie sich aus purem Eigennutz gegen die Sicherung der Volksemährung wenden.
Abg. Gö brich (D. Vp.): Nicht mir bie Unabhängigen, auch die Mehrheitssozialisten sagen der Landwirtschast den Krieg an. Sie wollen eine neue Zwangswirtschaft einführen. Erfolg werden sie damit nicht Haden, beim auf diese Weise kann eine innere Verständigung nicht her- beiges ührt werden. Helfen kann uns mir Erleichterung ber Reparationslasten. Die Landwirtschaft ist willens, auch jetzt noch bie hauptsächlichsten Produkte unter Selbstkosten
bem Künstler zu Derbanfen hatten: bamit sie nicht dem Geschäftssinn ber Ortsbewohner zum Opfer fielen, hat sie ^Ibbelohde jahraus, jahrein für eine ziemlich grohe Summe gepachtet, bis sich endlich die Besitzer nicht mehr mit diesem geringen Zinsertrag ihrer Bäume begnügen wollten. Unb hier in seinem Hause, bas allem Schönen offen stand unb das Gleichgesinnte unb Freunde so oft m feinen Mauern sah, entstand bann im Laufe der Jahre in ehrlichem Ringen unb in unermüdlicher Aickeit aus einem Herzen voll Liebe so manches Werk, bas ihn, ben be* scheibdnen Menschen, in ganz Deutschlanb bekannt machte, das ihm namenttich aber bei uns daheim die Liebe feiner Landsleute gewann, auch der, die ihm persönlich nicht nahe standen. Als wir ihn vor wenig Tagen zu Grabe trugen, waren nicht nur die Vertreter der Universität Marburg, Rektor und Professoren und die Chargierten der Marburger Verbindungen mit 28 wehenden Fahnen, sowie die Vertreter der Universität Giehen, deren philosophische Fakultät ihn, die Rachbaruniversität beschämend, schon vor einer Reihe von Jahren zum Ehrendoktor ernannt hatte, und viele Bürger erschienen, nein es waren Angehörige aller Stände da. das ganze Land nayn; an der Trauer teil. Als sich dos Trauergefolge etwas zerstreut hatte, kam von Marburg her noch eine Schar Wandervogel mit fliegendem Fähnlein anmarschiert, fang dem Toten ein Lied am frischen Grabe arid legte einen dunklen Tannenkranz nieder. Er gehorre eben uns allen I An feinem Sarge ist uns ein Bild von seiner grvtzen Kunst, vvn feinem lauteren Charakter entworfen, von feiner unbestechlichen Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, von seiner Innerlichkeit und Bescheidenheit, von seiner Freude an der Natur, von feiner Andacht zum Kleinen, wie Ehrfurcht vor dem Grvtzen, von seiner fröhlichen kindlichen Art unb seiner Treue. Einer Treue sonbergleichen, einem Pflichtgefühl, einer Arbeitfamkeit unb einem Flritze, tote man es feiten findet. eSaffet uns
preisen abzugebeii Sic kann aber nicht burd)- nxg unter Produktionskosten arbeiten, beim diese sind um das 100- bis 200sache gestiegen.
Abg. Böhme «Dem.) begrübt den neuen Minister unb hofft, datz er seine schwierigen Auf gaben fachmännisch losen werde Die Erl>altung des Ministeriums sei notwendig, ebenso sei» weiterer Ausbau durch Angliederung deo Sieb- lungswesene. Beim Unüagegctivtbe erhalten bic Landwirte 2000 All für die Tonne, während tm Freihandel 17 000 Mk erziell wurden Trotzdem haben die Landwirte ihre Ablieferungspflicht voll erfüllt. Das war in der Tat eine grobe Leistung Der Landwirt arbeitet mit feiner Familie im Sommer 16 bis 17 Stunden täglich, und wenn er dann forlgesehl von Streiks liest, wird er unzufrieden über die ßonberbcfteucrung bei Umlage. Der Mässe mub bas Brot mit Hilfe einer Belastung ber Leistungsfähigen verbilligt werben.
Nachbem fobann bic Qlbbg. Birnreiche 1 (Dayr. Vp.) und Buchmeister tBanr. Qbb.) bic Bedürfnisse ber sübbeutschen Landwirtschaft an Kunstdünger unb lanbwirtschaftlichen Geräten seslgestellt unb nachgewiesen haben, bab bic Unkosten dafür allein wesentlich höher seien als bic burch bic Umlage erzielten Einkünfte, nimmt ber Abg. Heibemann «Komm.) bas Wort zu scharfen Angriffen auf bie Grobagrarier, bic in rein kapitalistischer Weise bie grobe Masse aus- bcuteten. Der Rebner bemüht sich, bic Kleinbauern bavon zu überzeugen, bah sie nichts von den Grobagrariern zu erwarten hatten und darum ihre Interessen seiner Partei anvcrtrauen sollten.
Nach mehr als sicbenstünbiger Sitzung spricht ber Abg. Heibemann um 7 Uhr abenbs vor völlig leerem Hause weiter.
Nächste Sitzung Montag vormittag 11 Uhr
Stapellauf
des Dampfers „Legion".
Wilhelmshaven. 20. Mai. (Wolss.) Heute vormittag traf ber Rcichspräsibcnt in Begleitung bes Rcichswehrministcrs Gebier, des Chcss der Marinelettttng Admiral Behnke unb bes Ministerialbircktors Mcibncr hier ein, um eine Besichtigung bet neuen Reicks- marine vorzunehmen Der Reichspräsident wurde durch ein Minensuchboot zu dem wieder in den Dienst gestellten Linienschiss „Braunschweig" gebracht und unternahm auf der „Braunschweig" eine Fahrt m die Iademündung. Aus ber ..Braunschweig" erstattete ber Chef ber Marincstation ber Nordsee. Vizeadmiral Zenker. Meldung. Als der Reichspräsident die „Braunschweig" verlassen hatte und sich wieder auf dem Minensuchboot nach dem Hasen zurückbegab, feuerte die „Braunschweig' einen Ehrcnsalut ab. Gleichzeitig besichtigten unter der Führung von Stinncs ber preutzischc Ministerpräfibent Braun unb Ober» präsibent N 0 ske bie Hafen- unb Werftanlagen von Wilhelmshaven.
Mittags fanb im Beisein bes Reichspräsident ten auf ber Marinewerft ber Stapellauf bes Dampfers „Karl Legten" statt, ber für bie A.-G. Hugo Stinncs gebaut worben war Geheimrat Bücher vom Reichsverband der Deutschen Jnbustrie hielt die Tauftebe. in der er darauf hinwics, datz der Name des Schiffes eine Erinnerung an die grohe Not Deutschlands fei, sowie ein Beispiel dafür, datz. als das deutsche Volk sührer- los unb in Verzweiflung vor Abgrund utb EhaoS stand, sich die Vertreter der Gewerkschaften und ber Industrie für ben Gedanken einsetzten, datz nur eine Arbcitsgemcinschast aller werktätigen Kräfte bas beutsche Volk vor bem brohen- den Untergang bewahren könne. Geheimrat Bücher feierte bie Periönlichkett Legiens. in bem er barauf hinwics, batz Lcgien. obwohl in ber Masse wurzeln!) wie selten einer, es trohbem verstanden habe, bie beutsche Arbeiterbewegung nach eigenem Willen zu formen. Die freien Gewerkschaften In Deutschland verbankten ihre von aller Welt anerkannte straffe Organisation unb ihren mächtigen Aufbau in erster Linie Lcgien. Weil Lcgien ber Organisator bet Gewerkschaften, unb ’bant seiner zahlreichen internationalen Beziehungen besser als irgenb ein anderer wuhte, dah die deutsche Arbeiterschaft in ihrem persönlichen Lose untrennbar mit bem Los bes gesamten beutschen Volkes ver- banben wäre, unterzeichnete er ben Palt, der die Zentralarbeitsgemeinschaft ber industriellen unA gewerblichen Arbeitgeber unb Arbeitnehmer be- grünbete. Schliehlich führte Bücher aus. bas neue Schiff „Karl Lcgien" solle allzeit ein Symbol dessen fein, bah in Deutschlanb bic Arbeitgeber unb Arbeitnehmer trotz aller Kämpfe gewillt seien, bem
schäften, solange es Tag ist", an bics Wort muhte man immer toieber benten, besonders seitdem ihm und uns ein dunkles furchtbares Geschick bie Mahnung vor Augen stellte: „Es kommt bie Nacht, ba rrieminb schäften mag I“
Dah er in seiner eigentlich glücklichen Veranlagung fast 25 wundervolle Schaisensjahre in ber geliebten Heimat wirken bürste mit bem innerlichen Dewutztfein bes bleibenden Wertes feiner Tätigkeit, mit bem berechtigten Gefühl, bah er burch Tat unb Wort, ja burch sein ganzes Leben vielen eine Hilfe, eine Stühe, ein Vorbilb sein konnte, unb auch wirklich war, dafür müssen wir von Herzen oantbar sein, bas mag mit bem herben Ausklang feines Lebens versöhnen, besten Enbe uns alle, auch bie, bie barauf gefatzt fein muhten, furchtbar schwer getroffen hat. Das Haus, in bem er schaffte unb feine völlig mit ihm verwachsene ihm ebenbürtige Frau in vollem Derstänbnis für bic Grohe bes geliebten Mannes 1 chattete, toirb uns Hessen eine geweihte Stätte bleiben. — Als Maler ist Hbbc- lohbc leider nicht so bekannt geworden, wie er cs verdient hatte. Er hat wenig ausgestellt, viele seiner Bilder sind von der Staffelei sofort in Piivatbefih übergegangen. Glücklicherweife sind drei seiner schönsten Gemälde in Hesten geblieben. Ein wundervolles grvtzes 5!anbfchaftsbild, bas manche Motive von ber alten Burg Melnau entlehnt hat, iTt noch vor bem Kriege nach Gießen gekommen, zum Schmerze mancher Marburger, bie es ihrer Stabt gern erhallen gesehen hätten: ein zweites, bas bie mächtigen Formen bes Melibokus barstellt, hängt m erftoü rb i gertoeife nicht m Darmstadt, fonbem in ber neu eingerichteten stäbtlschen Galerie in Kastel. Unb bas britte, von bem sich eine ausgeführte Wieber- holung in Fransturter Privatoesih befinbel, ist das vorn beschriebene Dilb in ber Marburger Universität. Seine Oelbilber finb schwer, meist nicht m leuchtenbcn Farben: Gewitterfttmmung, herbstliche Färbung, eine gewisse Schwermut un’


