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Erstes Blatt
Samstag, 22.2lprll 1922
172. Jahrgang
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
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Wochenrückblick.
r Die deutsche Antwortnote, die über den deutsch-russischen Vertrag heute veröffentlicht wird, löst alle Spannungen und beseitigt alle Zweifel und Bedeulen, die auch in manchen deutschen Kreisen über den Genueser Zwischenfall entstanden waren. Alle Aengste und Gewissensnöte ob der Aufregung und Befremdung unter dem Döllergewimmel von Genua verstummen. Der Vertrag von Rapallo. unterzeichnet von Tschitscherin und Ra- thenau, war eine unbedingte Rotwendigkeit. Die Antwort des Reichskanzlers Dr. Wirth an die Große und die Kleine Entente vermeidet alle Umschweife und geht ganz offen und gerade aus den Kern der Sache los. Es ist unstreitig ein Verdienst, daß so der Phrasennebel von Rebensächlichleit und — unaufrichtiger Tücken, der das Gepräge der Genueser Konferenz verunzierte, zerrissen und niedergeschlagen wird. ES mutz unser Triumph sein, den eigentlichen Stern der neuen großen Friedenskonferenz gefunden und der Welt gezeigt zu haben, denn die Männer der Entente, mit Lloyd George an der Spitze, irrten sozusagen noch in heidnischer Befangenheit umher. Die allergefährlichsten Pläne gärten in jener Llnterkommis- sion, von der Deutschland jetzt ausgeschlossen werden soll. Der deutsch-russische Vertrag, der vollendete Tatsachen schafft, bot die beste, und, wie es scheint, die einzige Möglichkeit, der immer wieder auflebenden Hydra des Versailler Geistes wirksam beizukommen. Es handelte sich um nichts Geringeres als um das grotze Problem der deutschen Reparationszahlungen selbst, das in Genua zwar nicht erörtert und entschieden, desto gefährlicher jedoch im verderblichen Geleise der alten Bahnen durch neue Festlegungen weitergeschoben werden sollte. Die deutsche Rote gibt bündigen Aufschluß darüber. Das Londoner Programm in der russischen Frage, das Lloyd George den Verhandlungen zu Grunde legen wollte, war eine direkte Fortsetzung der Versailler Politik, die nun auch die Russen anerkennen sollten. Der berühmte englische Wirtschaftspolitiker Keynes belehrt uns in einem von einem Berliner Blatt abgedruckten Artikel über die Höhe der finanziellen Forderungen, die an Rußland gestellt werden sollten. Eine Schuld von 1500 Mill. Pfund Sterling sollte eS verbriefen, während die Cntentechefs mit den Augen zwinkerten, daß die Ziffer durch Abhandeln auf etwa eine Milliarde herabgebracht werden könnte. Die Russen sollten diese Summen nach Versailler Rezept durch an Deutschland zu richtende Entschädigungsforderungen aufbringen. Lieber alle diese gefährlichen Dinge hatte Lloyd George unter Ausschluß der Deutschen auch in Genua Vorbesprechungen abhalten lassen. Das war also die echte und wahre Liebe zum Frieden nicht. Der Läuterungsprozeh in Lloyd Georges Brust war durchaus unvollkommen und wertlos, wenn man ihn sich selbst überließ. Der Allgewaltige bedurfte, wie Saulus, einer himmlischen Erscheinung, um zu besserer Besinnung zu gelangen. Tschitscherin kommt nun zwar aus keinen ewigen und göttlichen Gefilden, obgleich ihn Keynes in dem genannten Artikel „einen der glänzendsten Diplomaten Europas" nennt. Lind der Kanzler Wirth, der die guten Wünsche des Kardinal-Erzbischofs von Genua entgegennahm, erscheint uns auch nicht als Himmelsbote. Aber es handelt sich ja eigentlich um sehr nüchterne Vernunftgründe und um ein bißchen guten Willen, die unerläßlichen Rotwcndigkeiten einer wirklichen Friedenspolitik zu erkennen. Die Erscheinung kam also aus durchaus irdischem Umkreise, und sie nahte mit sehr schlichter, harmloser und freundlicher Gebärde. Der deutsch-russische Vertrag ist nur voller natürlicher Rachbargemeinschaft. Friedlicher Handel, gegenseitige wirtschaftliche Rücksichtnahme und Llnterstützung werden vereinbart, auf Entschädigungen aus dem Krieg und den Kriegs- nachwirren sich ergebender Ansprüche wird Verzicht geleistet. Die deutsche Rote hebt mit ausgezeichneten Sätzen hervor, daß der Vertrag in jeder seiner Bestimmungen nur von dem Geist beseelt ist, der ja auch nach dem Willen der „einladenden" Mächte die Genueser Konferenz beherrschen sollte, nämlich „von dem Geist, der das Vergangene als endgültig abgeschlossen ansieht und eine Grundlage für den gemeinsamen friedlichen Wiederaufbau zu schaffen sucht".
Des Reichskanzlers Entgegnung ist also diesmal keine schwächliche Entschuldigung und keine in Demut ersterbende Gebärde. Wir freuen uns darüber. Es werden auch keine die deutschen Interessen erheblich schädigenden Zusagen gemacht. Der Vertrag von Rapallo bleibt bestehen, und wenn die deutsche Dele- gattvn sich nach dem Wunsch der „einladenden" Mächte von jenen Ausschuhverhand
lungen fernhallen will, in denen die zwischen Deutschland und Rußland bereits geregelten Fragen auch auf andere Länder bezogen werden sollen, so können wir nur erwarten und hoffen, daß die Deutschen auch in diesen Dingen wieder herbeigerufen werden, wenn ihre Mitwirkung sich als erwünscht erweisen sollte. Die Russen, die ja auch ein Wörtchen dazu mitzusprechen haben werden, verraten einstweilen klugerweise noch nicht ihre Gefühle. Lloyd George aber, der durch Wirth und Ra- thenau den deutschen Standpunkt bereits mündlich erfahren hat, hält den Zwischenfall für beseitigt und spricht wieder vom notwendigen Frieden, von den Gefahren des Hasses und der Bosheit und von der absolut notwendigen mehrjährigen Friedens- und Ab- rüstungSpause, zu der man gelangen müsse, wenn die Genueser Konferenz nicht als gescheitert bettachtet werden solle . . ,
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Blickt man nun zurück auf diese Krisis, die durch die unberechenbare Gewaltpolitik der Franzosen ja noch nicht restlos überwunden erscheint, so ergeben sich noch weitere lehrreiche Folgerungen. Die Veröffentlichung deS Vertrages mit Rußland hatte in Genua eine ungeheure Aufregung hervorgerufen. Die deutsche Antwortnote an den italienischen Präsidenten vermeidet nun jegliches.Wort der Verwahrung gegen den Vorwurf der Illoyalität, den besonders Lloyd George erhoben hatte. Rur in einer besonderen Rede an die deutsche Kolonie hat der Reichskanzler ein Wort der Llbwehr gegen die in ihrem feinen Empfinden getroffene Gegengemeinde gebraucht. Deutschland konnte nicht die Rolle des „korrekten Kindes" auf der Konferenz spielen, so sagte er. Er hat Recht. Es war ein großer Zwiespalt in der Völkerversammlung nach Form und Inhalt. Linier der phrosenschimmernden Oberfläche hauste und lauerte ein unersättlich zuschnappendes Mecr-i ungeheuer. Der schnell und entschlossen aufs Wasser gesetzte deutsch-russische Kahn Hal uns gerettet, ob er plump war oder nicht. Jetzt machen die mehr oder weniger unheimlichen oder harmlosen Bewohner des Meeres nach der ersten Enttäuschung und Lleberraschung wieder freundlichere Gesichter. Die erste große Tat der deutschen Auslandspvlittk erfolgte durchaus nicht im ungeeigneten Augenblick, sondern im Gegenteil zur wohlgewählten und richtigen Stunde. Wir hatten auch in Deutschland ein paar ängstlich zappelnde Gemüter, die das beleidigte Gesicht der Genueser Konferenz erschreckte. Wenn sie in sttller Kammer bangten, mochte es schon angehen, aber eS gab auch, z. B. m der „Franks. Ztg.", politische und diplomatische Amateure, die ohne den notwendigen Lotsen auf ihrem schwankenden Schifflein mit Zurufen und Hände- rinqen dem bedrohten deutschen Reiche zu Hilfe eilen wollten, int Grunde aber störend und schädigend wirkten. Solch vorlautes und übereistiges Getue war uns ein widerwärttgeS Schauspiel. Gute Informationen über geplante französische Aktionen erscheinen uns als das Gegenteil einer ordentlichen ttachttäglichen Entschuldigung. Wenn Herr Keynes die deutsche Taktik tadelte, so versteht man dies, denn er ist schließlich Engländer und vertritt keine deutschen Interessen. Dieser Herr kritisiert jedoch zugleich Lloyd Georges „Premierministerschaft von Europa", die sich in Genua einen Mißerfolg geholt habe. In seinen tatsächlichen Feststellungen liegt auch die deutsche Rechtfertigung, denn er schreibt: „Der Konferenz sind plötzlich die ungeheuren latenten Möglichkeiten zum Bewußtsein gebracht worden, die kein Staatsmann hätte vergessen sollen, daß wir Deutschland und Rußland einander in die Arme treiben würden." Mag das Ausland ob dieser latenten Möglichkeiten zusammen- fahren — der geschundene Deutsche macht ein bitter ernstes Gesicht dazu, obgleich er keineswegs mit dem ihm ja auch fehlenden Säbel rasseln will und die Tat von Rapallo nur als ein starkes Werk des Friedens gewürdigt wissen will. Der Verttag war eine Selbstverständlichkeit, sobald Rußland fähig und bereit dazu war. Wir bekränzen das Kabinett Wirth nicht mit Lorbeer, aber wir segnen die Stunde, in der es in der Welt endlich wieder aufdämmert — obwohl es noch recht häufig zu unvermeidlichen Aufregungen und spannenden Konflikten kommen mag. Einmal vom Schicksal wieder auf den Weg selbständigen polittschen Handelns gedrängt, mutz das putsche Volk in ruhiger Besonnenheit, aber auch in einmütiger Geschlossenheit alles unterstützen, was unternommen wird, um das deutsche Ansehen in der Welt wieder herzustellen.
Eine Rede des Reichskanzlers.
Genua, 21. April. (WTD.) Reichskanzler Dr. W i r t h hat heute anläßlich eines Empfanges der deutschen Kolonie durch den deutschen Botschafter in Rom, von Reurath, eine Ansprache gehalten. Hierbei unterstrich er die Bedeutung der Konferenz von Genua und ging auch auf den soeben beigelegten Zwischenfall des Vertrages von Rapallo ein. Der Reichskanzler führte u. a. aus: Die Konferenz von Genua ist für uns eine Etappe des Rettungswerkes, das wir unternommen haben mit dem Ziel der Wiederaufrichtung des Weltfriedens. Wir sind ohne allzu große Hoffnungen gekommen, betrachten aber diese Konferenz als einen Schritt vorwärts. Indessen fehlt hier e'me wichtige Macht, die notwendig wäre, um das Werk der Wiederherstellung der Weltwirtschaft zu vollbringen, nämlich Amerika. Alle unsere Arbeiten werden nur Stückwerk bleiben, solange durch die Abwesenheit Amerikas nicht der ganze Wiederaufbau der gesamten Weltwirtschaft ins Auge gefaßt werden kann.
Auf den Schritt, den wir durch die Unterzeichnung des Vertrages von Rapallo unternommen haben, möchte ich hier nicht ausführlich eingehen. Ich bin aber bereit, jederzeit die volle Verantwortung für ihn zu übernehmen. In Genua sollten die Probleme des Ostens gemeinsam besprochen werden. Es wurde uns dabei aber eine Enttäuschung bereitet. Infolge der separaten Verhandlungen eines Teiles der hier vertretenen Mächte mit Rußland waren plötzlich deutsche Interessen bedroht und es galt, sie rechtzeitig wahrzunehmen. Das war unsere Pflicht uiti) wir haben unsere Pflicht getan. Das Londoner Erpertenmemorandum hätte zu einem zweiten Versailles führen können. Seine Anwendung hätte das endgültige Todesurteil über jeden Wiederaufbau Rußlands bedeutet und wir wären außerdem in eine Schuldknechtschaft auch nach Osten geraten, so daß der Ring der Schuldknechtschaft sich um uns geschlossen hätte. In Genua konnten wir nicht nur das „korrekte Kind" der Kon - > f e r e n z spielen. Durch den Vertrag haben wir den Ring, der uns bedrohte, vermieden. Wir sind aber bereit, die Ideen, die in diesem Vertrage enthalte sind, in einen größeren gemeinsamen Rahmen einzuoichnen allerdings nicht unterzuordnen im Sinne des Diktats. Die Entscheidung darüber liegt jetzt bei den Großmächten, namentlich bei England. Lloyd George hat gestern eine sricärliche Rede gehalten und die Angelegenheit als erledigt erklärt. Dem schließe ich mich an. Iedoch muß ich mich gegen den Vorwurf der Illoyalität wenden, denn die, aus dre es ankam, hätten ganz genau unterrichtet sein können.
Eines unserer deutschen Sprichworts sagt, daß die Frauen die besten seien, von denen man nicht spricht. Ich muß dieses Sprichwort etwas abgeändert auch auf die Genueser Konferenz anwenden, indem ich sage: Die Fragen sind die wichtigsten, von denen man hier nicht spricht. Dadurch daß man den Kopf in den Sand steckt, kann man diese Tatsache nicht aus der Welt schaffen. Der Reichskanzler erinnerte in diesem Zusammenhang an die Antwort der Bank von England, wonach unter den gegenwärtigen Zahlungsbedingungen Deutschland nicht kreditfähig sei.
Der Kanzler schilderte weiter die schweren Verhältnisse, unter denen Deutschland unter dem Druck der Kommissionen und sonstiger Ententeorgane zu leiden hat. Das hätte schon Bismarck vorausgesehen, als er im Iahre 1883 in einem Briefe an den damaligen Kriegsminister Dron° sart von Schellendorf für den Fall eines verlorenen Krieges sogar den Verlust der deutschen Reichseinheit prophezeite. Lind doch haben wir nach diesem verlorenen Kriege dis Einheit Deutschlands gerettet und das verdanken wir nicht zuletzt dem Geiste der neuen Verfassung von Weimar, in der es nicht, wie in der ersten Reichsverfassung heißt, daß sich nur die deutschen Kirsten zu einem Bunde zusammengeschlossen haben, sondern daß sich auch die deutschen Stämme vereinen, um das Reich zu erneuern. Mit Klagen um das Verlorene und mit Rasseln der Säbelscheide ist dieses Problem nicht zu lösen, zumal wir feinen Säbel haben, sondern nur mit Geduld und wirklicher politischer Arbeit. Diesem Hiele galt die Politik, die wir seit einem Iahre treiben. Äe Frage, ob sie notwendig war, läßt sich mit Ia beantworten. Lieber die Frage, ob sie erfolgreich war, wollen wir andere urteilen lassen. Ader ohne sie wären wir nicht in Genua. In Genua ist jedenfalls eine Methode geschaffen worden, die Erfolg nicht nur für unser Land, sondern auch für ganz Europa verspricht. Die Idee von Genua „Verständigt Euch wirtschaftlich" verleiht dieser Konferenz die allergrößte historische Bedeutung: deshalb hat Genua bei allen Völkern die freudigsten Hoffnungen erweckt. Im Auslande machen sich unsere Volksgenossen oft ein falsches Bild von unseren innerdeutschen Verhältnissen. Deutschland ist kein politisches Chaos, sondern bet allen tiefen Meinungsverschiedenheiten gibt es für dieses schwer geprüfte Volk ein gemeinsames Ziel, nämlich die Wiederausrichtung der politischen und wirtschaftlichen Selbständigkeit im Rahmen der europäischen. — Diese Liebe zu unserem Volke wollen wir aber auch auf andere Völker der Ertze ausdehnen, denn alle Völker ohne Ausnahme leiden nach diesem Kriege unter den größten Schwierigkeiten. Liniere Politik ist mit vielen Opfern verbunden gewesen. Wir haben unser Möglichstes getan, vielleicht sogar auch Llnmög- liches vollbracht. Zunächst haben wir nur die Einheit unseres Reiches gerettet
Die Ausführungen des Reichskanzlers wurden von den Mitgliedern der deutschen Kolonie mit lebhaftem Ltilall ausgenommen. 3m An
schlüsse hieran lieft sich der Reichskanzler die Anwesenden durch den Botschafter und den deutschen Konsul in Genua vorstellen.
Gegen die Sonderbchandlnug Deutschlands.
Genua, 22. April. (Spezialbericht deS Vertreters des WLB.) In der heutigen Sitzung der zweiten Llnterkommission der Wirtschaftskommission wurde eine die gewerblichen Schatzrechte betreffende Bestimmung der Londoner Eachverständigenvorschläge beraten, wonach im allgemeinen die durch Krieg und Revol ition beeinträchtigten Schuhrechte wicderhergestellt wurden, wonach aber die z u u n g ■ i n ft c n 5) c a t f d)- lands im Versailler Vertrag vorgesehenen Ausnahmen von diesem Grundsatz bestehen bleiben sollen. Die deutsche Delegation hat in dieser Sitzung die Erklärung abgegeben, daß sie dem Grundgedanken der Bestimmung, der Wiederherstellung aller durch den Krieg betroffenen Rechte, nur zustimmen könne, daß sie es aber gerade deshalb nicht für berechtigt halte, wenn Deutschland hierbei durch den Vorbehalt des Versailler Vertrages einseitig zu seinen Llngunsten differenziert werde. Sa sich die Kommission jedoch nicht für zuständig hielt, die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu erörtern, bleibe der deutschen Delegation nichts anderes übrig, als sich bei der Abstimmung der Stimme zu enthalten. Der französische Vorsitzende der Unter- lommission nahm Akt von der Erklärung und wies im übrigen ganz kurz darauf hin, daß die Beratungen der Konferenz allgemein unter den bekannten Vorbehalt der Aufrechterhaltung der tn Kraft befindlichen Verträge ständen. Bet der Abstimmung enthielt sich dann der deutsche Vertreter gemäß einer Erklärung der Abstimmung, desgleichen auch der bftcrrei- chische Vertreter, welcher sich der deutschen Erllärung ausdrücklich angeschlossen hatte.
Ein offizieller Dorstoh der Franzosen.
Genua, 21. April. (HavaS.) Die französische Delegation hat heute abend an den Vorsitzenden der Konferenz, Facta, ein Schreiben gesandt, in dem sie gegen den Inhalt der deutschen Antwort auf die Entschließung der Alliierten Einspruch erhebt. Die ftanzösische Delegation bestreitet in diesem Schriftstück die Richtigkeit des deutsch-russischen Vertrages, der den Bedingungen von Cannes widerspreche. Sie ersucht Facta, die Bevollmächtigten der neun alliierten Mächte, welche die Entschließung vom 18. April unterzeichnet haben, zu einer Besprechung zusammenzuberufen.
Pariser Pläne.
Paris, 21. April. (Wolff) Havas meldet, Pariser politische Krei se seien der Ansicht, daß der Abschluß des deutsch-rufsischen Abkommens die Festigkeit Europas erschüttere und glaubten daher, ein Zusammenschluß der Mächte der großen und kleinen Entente sowie Polens, das insbesondere Gefahren ausgesetzt sei, müsse auf die Genueser Konferenz folgen, damit man Vorsichtsmaßnahmen treffen könnte, besonders was den vorgesehenen Abbau der alliierten Kontrolle in Oberschlesien betreffe, wo sich das Vorhandensein von Waffen- und Munitionslagern her- ausgestellt habe. Frankreich werde seinen Alliierten diese Ansicht unterbreiten, in der Hoffnung daß sie die Rotwendigkeit anerkennen werden, di« neue allgemeine Lage zu prüfen. Der „Oeuvre" dem die Verantwortung für seine Rachricht überlassen bleiben muß, schreibt, Poincares Programm sei. erst England davon zu überzeugen, daß die Llmstände einen sofortigen Abschluß des französisch-englischen Schuhvertrags not- wendig machten. Sobald dieser Patt unterzeichnet sei, würde die französische Regierung von England verlangen, sich wenigstens durch eine Geste an den Zwangsmaftnahmen zu beteiligen, die man Deutschland gegenüber dadurch rechtfertigen könne, daß es ein Abkommen mit Rußland aufrecht erhalte, bas dem Friedensvertrag von Versailles zuwiderlaufe. Die „Oeut>re" fragt: ,Llnd wenn sich England an drr Besetzung des Ruhrgebiets nicht beteiligt? Denn um das handelt es sich, und unser Generalstab beschäftigt sich seit einigen Tagen damit.
Amerika erhebt keinen Einspruch.
Paris. 21. April. (WTB.) Nach einer Meldung des „Chicago Tribüne" aus Washington wird die Regierung der Vereinigten Staaten gegen den deutsch-russischen Verttag keinen Einspruch erheben. Die Regierung sei der Ansicht, daß der Verttag nicht gegen den Friedensvertrag von Versailles verstoße und daß seine Wirkung auf Europa rein psy chologischer Art sein werde.
Eine verständige englische Stimme.
London, 22. April. ,WTD.) Georg« P a i s h drahtet der „W estminsterGazette" aus Genua: Wenn Deutschland in der Lage wäre. Rußland die finanzielle Llnterstützung zu geben, die es brauche, dann würde das deutsch-rustilche Abkommen weit wichtiger sein als es ist.. Ab»r sowohl Deutschland als auch Rußland brauchten finanzielle Llnterstützung von außen, und dl» Unterstützung tonnte nur erteilt werden, wenn


