Nr. 69 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 22. März 1922
Deutscher Reichstag.
192. Sitzung, nachmittags 2 Uhr.
Berlin. 21. März 1922.
Auf eine Anfrage des Abg. Z ö r g i e b e l (Soz.) wegen der noch immer erfolgenden Der- wendung einer Briefmarke mit dem Bilde des früheren Kaisers erwidert
Obcrpostrat Ledät: Die Herstellung der erforderlichen neuen Wertmarken hätte mit den mehrfachen Gebührenerhöhungen nicht gleichen Schritt halten können. Demgemäß war die Verwendung der Bestände von Freimarken früherer Ausgaben namentlich für höhere Werte nicht zu umgehen. Zudem stellen die alten Freimarkenbestände einen beträchtlichen Wert dar, dessen Dernichtuna angesichts der ungünstigen Finanzlage des Reiches nicht in Frage kommen konnte. Don den greimarfen zu fünf Mark, mit dem Bild des früheren Kaisers und der Aufschrift: „(Sin Reich, ein Volk, ein Gott!" waren Ende 1921 noch etwa l3/i Millionen Stück vorhanden An daS Publikum werden diese nicht mehr verkauft, sondern im inneren Betrieb verwendet. Sollten einzelne 6tüie doch noch an das Publikum abgefetzt worden sein, so geschah dies gegen die ausdrücklichr Anordnung der Reichspostverwaltung. Inzwischen dürften diese Wertzeichen völlig aufgebraucht sein.
Sodann wird die zweite Beratung des DermögenSsteuergeseheS
fortgesetzt. Die Abstimmung über den gestern beratenen Paragraphen 16 wird noch hinaus- geschob"», ebenso über die Paragraphen 20 und 21 (Taris) Paragraph 22 handelt von den Zuschlägen aus 15 Jahre, die an die Stelle des Rotopsers treten sollen. Die Unabhängigen und Kommunisten b antragen, bei den Zuschlägen anstatt big zu 200, bis zu 300 Prozent zu gehen.
Abg. Dr. Helfferich ((D.-R.) protestiert gegen diese Anträge, da die Kommissionsbeschlüsse sch«n so hoch seien, daß die Zuschläge weit über daS Rotopfer hinausgingen. Er beantragt deshalb. die Destimmung einzusügen, daß dem Zuschlag nicht unterliegen sollen Deutsche Reichs-, Staats- und Kommunal-Anleihen, Pfandbriefe, Industrieobligationen usw., soweit diese Wertpapiere und Hypotheken sich seit dem 30. Juni 1919 ununterbrochen im Besitz des Steuerpflichtigen befunden haben.
Nachdem Staatssekretär Zapf dem Anträge widersprochen hatte, wird über die ganzen bisherigen Paragraphen abgestimmt. Zu § 16 wird der Antrag Herold (Ztr.) angenommen, wonach bei Ermittlung des Ertragswertes insbesondere „auch" der Ertrag der letzten drei Jahre zu berücksichtigen ist. Im übrigen werden alle anderen Anträge abgelehnt und Die §§ 16 bis 22 in der Ausschuhfassung angenommen, ebenso eine Reihe weiterer Paragraphen.
Rach kurzer weiterer Aussprache wird auch der Rest des Gesetzes genehmigt. Der Ausschuh beantragt noch eine Reihe von Entschließungen, in denen u. a. eine Gesetzesvorlage gefordert wird, durch welche für das Einkommensteuer- und das Erbschaftssteuergesetz und insbesondere für die Tarife diejenigen Aenderungen vorgeschlagen werden, die sich aus der QHartenttoertung als notwendig erweisen. Eine weitere Entschliehung verlangt, dah das Problem der Schaffung einer stabilen Werteinheit für das gesamte Wirtschaftsleben eingehend untersucht wird.
Eine weitere Debatte ruft noch die vom Abg. Dr. Helfferich (Dntl.) empfohlene Entschlle- hung hervor, welche die Höhe des steuerfreien Vermögensb träges der Geldentwertung anpassen wlll. Diese Entschliehung wird gegen Den Protest der sozialistischen Partei angenommen, ebenso die übrigen Ausschußentschließungen, die zum Tell einstimmig, zum Teil gegen Die sozialistische Linke angenommen werden. Es folgt die weitere Beratung des Vermogenszuwachssteuergesetzes. Rach den Ausschuhbeschlüssen soll im Zusammenhang mit der Vermögenssteuer alle Drei Jahre Der Derrnögenszuwachs veranlagt werden. Steuerpflichtig ist Der Dermvgenszuwachs, wenn er 100 000 Mark übersteigt unD Das Endvermögen mehr als 200 000 Mark beträgt. Die Steuer beträgt für Die ersten 200 000 Mark Zuwachs 1 Proz und steigt bis zu lOPrvz. bei einem Zuwachs von über IV, Millionen. Ein Antrag Helfferich
Vie Pforte der Paradieses.
Roman von Zngeborg Vollguar h. Btretfitifile Uebersetzung au« d m Dänischen.
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Da wurde sachte die Tür geöffnet, und Mogens stahl sich herein — sie hörte ihn nicht eher, alS bis er vor ihr auf den Knien lag und ihr die Hände vorn Gesicht zog.
.Mutter, ich krnn'S nicht ertragen, dich toeinen zu hören," sagte er. »Die andern schlafen — das kann ich nicht, folange du weinst, und so leise du es auch tust, ich höre es doch — ich muh dafür ein inneres Ohr haben. Warum weinst du, Mutter? Du hast uns ja doch noch alle miteinander. Vater hat mich beauftragt, dir zu sagen, er komme bald wieder, u.rd als ich ihn fragte: ,Ist das auch wahr, Vater?' sagte er: ,Za, mein Zunge» sage der Mutter, ich komme bald wieder.'"
Frau Dorris drückte ihren Zungen an sich.
.Gott Lob u d Dank, mein Zunge, dah du hereingekommen bist und mir das gesagt hast!" ries sie.
.Darm muht du dir auch keine Sorgen mehr machen, Mutter. Tenn trenn du auch noch —
Wieder drückte Frau Borris ihren Zungen an sich.
»Rein, Mogens, ich will versuchen, tapfer zu sein. Eine Mutter soll ja aushul'.en" — Frau Borris versuchte zu lächeln — „auch wenn sie nicht weih, wo sie die Kräfte dazu hernehmen soll," flüsterte sie vor sich hin.
Sechstes Kapitel.
»Wie geht es Tante Elllnor?" fragte Hauptmann Bonns und schaute von seiner Zeitung aif, als Inger hereintrat. Gegen seine Gewo'mheit war er nach dem Abendessen in der Wohnstube sitzen geblieben. Das ganze Haus war in großem Leid um die alte Dame, die in den letzten Zügen tag. i
„Schlecht," sagte Inger betrübt. .Sie liegt immer noch so da, wie sie Den ganzen Tag gelegen hat."
„Sie ist nicht wieder zum Dewuhtsein gekommen ?"
Zens," sagte sie mit mehr Freudigkeit In der Stimme. „Aber Du könntest mir vielleicht beistehen, es zu erfüllen."
„Ach Inger!" rief er; „wie kannst Du nur so - so -"
„Was so?" fragte sie, als er innehielt.
„So geduldig sein," vollendete er, ohne sie anzuschauen.
„Well t<ti dich so sehr lieb habe, ZenS," sagte sie ganz einfach, aber mit unendlicher Innigkeit.
„Warum laßt Du mich "Dann allein?" fragte er, und sie hörte wieDer Die Kampflust aus seiner Summe heraus.
„Tas tue ich doch sehr fetten," wandte sie gelassen ein. „Ich glaube wahrhaftig, du bist eifersüchtig auf Tante Ellinor?" füg e sie mit wehmütigem Lächeln hinzu. „Das »>llte t du aber Doch nicht fein, Zens. Freue dich Doch Darüber, Dah ich ihr ein kleiner Trost habe sein können. Du kannst Dir wohl lenken, dah sie sich häufig einsam gefühlt hat, während sie dort oben lag und auf Den Tod wartete."
„Za, ja. du hast natürlich recht," seufzte et wieder. „Kümmere dich ru~ nicht um das, Waich vorhin gesagt Hude. Du gehst wohl wieder hinauf?" fragte er nach einer Welle.
„Jawohl, denn sie überlebt biete Rächt nicht. Ich "tarn nur herunter, um zu sehen, wie es euch geht. Was machen die Kinder?"
„S.e sind hn u gegangen —" Der Hauptmann hatte sich in Die Sofa ecke gesetzt. „Wahrscheinlich, weil sie gemerkt haben, daß ich D.elen Abend hierbleiben würde."
„Aber Zens, wie kannst Du das meinen 1“ rief Frau Inger vorwurfsvoll. „Sie haben doch alle ihre notwendige Arbeit."
„So?"
„Za, das weißt Du wohl. Ellen hat es bittet nötig, fleißig zu fein, wenn sie ihr Eramen machen will, und Mogens ebenso, und Orla —“
„Run, Orla hat doch auf kein Examen zu lernen," beharrte Der Hauptmann eigensinnig. ..Warum bleibt er nicht im Zimmer? Er h.nDert Mogens nur Damit, daß er schiechen Ta bat in Dem Zimmer raucht, in Dem Mogens lernen soll."
(Fortsetzung folgt)
(Dntl.), den steuerfreien Betrag beim Vorhandensein von mehr als Drei unterhÄtspflichtigen Personen zu erhöhen, wird abgelehnt, ebenso Anträge der Unabhängigen und Kommunisten, die eine Verschärfung der Tarife verlangen. Das Gesetz selbst wird m Der Fassung des Ausschusses angenommen.
Es folgt Die zweite Beratung des Gesetzes über eine Abgabe vom
DermögenszuwachS aus der Nachkriegszeit. Der Ausschuß beantragte die Ablehnung der ganzen Vorlage.
Die Deb tte über diesen Paragraphen führt zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Den Unabhängigen unD Kommunisten auf der einen Seite und den Mehrheitssozialisten auf Der anderen Seite. Die Linkssozialiitcn machten Den MehrheitSsozialdemokralen den Vorwurf, dah sie jetzt auf die Besteuerung Der Kriegsschieber verzichten wollten, um Die Arbeiter um so mehr zu belasten. Als 2Ibg. Kahmann (Soz.) in Ver- binDung mit Betrachtungen über Steuermoral Die falsche Eintragung eines Kommunisten in Die Abwesenheitsliste auf das schärfste verurteilt, nimmt Abg Köhnen (Korn.) dies zum Anlaß, ganz allgemein Die Art Der Listeneinzeichnung aller Parteien als unmoralisch zu kennzeichnen. Auch in Der Nationalversammlung seien zwei ähnliche Fälle vorgekommen, an Denen auch ein ZentrumSabgeordneter beteiligt gewesen sei. ülebrigens möchten Die bürgerlichen Parteien sich ihren Minister Hermes ansehen. Solange sich ein Mann Minister sei, hätten auch Die Kommunisten keinen Grund, ihre Abgeordneten zu verleugnen. (Stürmische Pfuirufe bei der Mehrheit.)
Minister Dr. Hermes legt unter lärmenden Zurufen der Kommunisten gegen die persönlichen Verdächtigungen Des Abg. Köhnen Verwahrung ein. Ich lehne es ab, mir mein An- stanDs- und mein Ehrgefühl von ihm bescheinigen zu lassen. Im übrigen sehe ich Dem Gcwich.s» versah cn und Der parlamentarischen Untersuchung mit großer Ruhe entgegen. Die infame Verleumdung scheint allmählich auf Der Seite, Die ihm (Köhnen) nahesteht, zu einem Werkzeug Der Bekämpfung seiner politischen Gegner zu werden. (Beifall! bei Der Mehrheit, Lärm auf Der äußersten Linken.)
Abg. Dr. Hertz (il.) wendet sich gegen Die Erklärung des Ministers. Al 2 er sagte: „Wir legen Verwahrung ein gegen dieTinverschämtheii" bricht bei Der Mehrheit ungeheurer Lärm aus. Als Redner fortfährt. Die Deutsche Volkspartei könne mit feinem Minister jufammenarC eiten. an dessen Ehre ein persönlicher Makel hafte, bricht ein neuer Tumult aus. während dessen Viie- präsident Bell den Redner zur Sache ruft. Die weiteren Ausführungen gehen in dem erneuten Lärm unter.
Der Ausschußantrag auf Ab'ehnung des Gesetzes wird sodann gegen die äu Herste Linke angenommen. Es folgt die zweite Beratung der Ro- vvlle zum
Körperschaftssteuergcseh.
Die Regierungsvorlage will Den Steuersatz für Die Erwei bsgesellschas len von 10 auf 30 Proz. erhöhen. Der Ausschuß beantragt 20 Pro-ent. Steuerbefreiung will Der Au s.Huß nur De ije Len Sparkassen gewähren, welche i ;re Geschäfte auf Den eigentlihei Spa. kassenaerLhr beschrän en. Bei Den Grwerbögesellschaften erhöht sich die Steuer auf 15 Prozent der verteil en Gewi manteile. Das Gesetz wird nach Den Beschlüssen Des Ausschusses nach kurzer Debatte angenommen.
Morgen 2 ilfjr: Zen immeinterpellation ü’:er die Zuteilung der Weichseldörfer an Polen Kapitalverkehrs- und älmsatzsteuer. Schluß V.,8 Uhr.
Der deutsche Handel in Mexiko.
(FPS.) Trotzdem im mexikanischen Außenhandel die Bereinigten Staaten weitaus den ersten Platz vor allen anderen Staaten behaupten — der Handel zwischen beiden Ländern hatte noch im Jahre 1921 gegen das Vorjahr eine Wertzunahme um nicht weniger als 40 Prozent auf insgesamt 240 Millionen Dollar erfahren —. rechnet man amerika- nischerseitS doch für dieses Zahr zumindest
mit einem starken Rückgang und zwar infolge des immer stärkeren Auftretens der Deutschen auf dem mex.kanischen Markt. Die Korrespondenten der amerikanischen Zeitungen in Mexiko City erstatteten alarmierende Berichte. AlS bezeichnend und immerhin fachlich führen wir einen Drahtbericht der New Bork World an:
Mex.ko ist plötzlich von deutschen Reisenden überschwemmt, die so gut wie alle Artikel von schweren Maschinen bis zu Haarnadeln führen. Sie fingen seit Dezember etwa an hier einzutrcffen und verteilten sich über das ganze Land. Sie buchen viele Aufträge, da sie in der Lage sind, zu Preisen abzusetzen, die weit unter denen amerikanischer Firmen bleiben. ES verlautet, daß sie sogar in den Grenzstädten am Rio Grande Nuevo Laredo, Piedras NegraS und Zuarez Waren verkauft haben.
Es ist bereits ein starker Rückgang an Verkäufen von amer.kanischen Bergwerks-, Mühlen- und landwirtschaftlichen Maschinen und von Eisen- und Messerwaren infolge der deutschen Konkurrenz zu beobachten. Sv gut wie die «ganze Groß- und Kleinhandelsorgani- saton sowie der größte Teil der Eisenwaren- Handlungen in Mexiko sind, mit wenigen Ausnahmen wie etwa in Tampico und Torrevn, in deutschen Händen- viele von ihnen befanden sich während deS Krieges auf der „schwarzen Gifte“. Rach Aufhebung der „schwarzen Liste“ kauften sie eine Zeitlang stark in den Vereinigten Staaten als dem einzigen Markt, der ihnen offen stand. Run sie ihre deutschen Beziehungen wieder aufnehmen können, tun sie das im weitgehendsten Maße. Neuerdings haben auch deutsche Hersteller von Bedarfsartikeln für Oelfelder versucht, in der Gegend von Tampico Verkäufe zu tätigen, haben aber bis dahin amerikanische Firmen noch nicht sehr aus dem Geschäft verdrängen können.
Bezüglich der Entwicklung des deutschen Geschäfts in Mexiko ist noch zu berichten, daß öeutscherse.ts geplant wird, $u den verschiedenen großen Brauereien, Die es bereits im Lande gibt, weitere zu errichten mid in Betrieb zu nehmen. Cs hat sich ferner ein deutsches Syndikat gebildet, das beabsichtigt, die Sisalhanfproduktion von llZukatan aufzukau- fe.i und zu lonäollie en, die 'eit längeren Zähren hauptsächlich von der International Harvester Company in Chicago verwertet worden ist.
Tagung des Landesverbandes Hessen deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener.
Am ©onnlaa fand in Frankfurt a. M eine (U r rD n lich? .VatDe verbandstagung Des Ze itra t>erbanD:3 . eutsch". >rieg beschädig ter u.iD Kriegshinterbliebener «Sitz Berlin) Landes- ve.band Fr.i aat Hessen statt. Sämlliche Ortsgruppen des LanDesvwbanDes waren auf dieser Sa jung vertreten. Geleitet tource die Tagung ton dem 2. CanDevDe banDsvorsi enden Stadt- sekretär Friedrich Scheerer (Offe batz am Main). Lieber Die B schlösse Des Haupivorstandes unD TerbanD:?auffd,uf es b:tr. Ausbau des Verbandes, referierte der Landessekretär Hecker (Frank urt a. M). Den Beschlüs en des Haupt- torf'a Des und Verbandrau f .usses stimmte Der Landesverband?tag zu. Ei en gro en Raum Der Tagung nahm die Besprechung Der sozialpolitischen Forderungen der Kriegsopfer ein. lieber diese referierte Der LanDessekretär Hecker (Frankiurt a. Main- und Die Kriegerwitwe Frau Klara W a n D e l. (Offenbach a. M.). Die Aussprache hierüber war eine äu>erfl reie; es wurde auf die allgemeine Notlage Der Kriegsopfer hin gewiesen. Von Dem Vertreter Der Ortsgruppe Darm
stadt wurde besonders gcHagt über die Behandlung Der kriegsbeichaoig en Poübediensteten durch Berufst:liegen, ite kine Dienstdesch-digu g erlitten haben Der Derbandstag wurde gebeten, geeignete Sch i.te zum Schulze Der kriege beschädigten Kameraden in S.aatsbetneben zu unternehmen, u iD Die Namen von selchen BerufSange- hörigen. Die sich eine unwürdige Behandlung der KiiegsbeschäNgten ;u schulden kommen ta'ten, sollen in der Presse v.röfse.it.icht werden. Dre Einsicht des Verbandsiages ->u den sozialpolitischen Forderungen der Kriegsopfer wurde in nachstehender Entsch ie u g - i de. c*. gt:
„Der La de.v. binds ag »ordert von Der Regie-U'g und Volt.v rtretu g i- fofor tge Erhöhu g der Darb.z gt le. Kri g op e und bec-uf ragt Den Hauptvorstano des Zentralverbandes deutscher Krieas- beschädigter und KiegShtnter- b l i c b e n e r (2 i tz Berlin) ml a len zu Gebote stehenden Mi teln für diese Forderung einzutreten. Die G.Währung freier H ilb.Handlung für Die Ä- iegtrbintcrnhebenc i mutz umgehend tar.l.g sühn w rD n De Ci stel ungs- zwa-g für Schwerkr.ez.b schidi;te mjj aus- gebaut, ferne mutz in geig e er und duch- greifenDer Reife Der Schn i n Wntschnstslelxn auf i ie Krieg chi te b tob ne aus. ed hnt w t' Den. Mit Dem g su iben Ged mlen Der Aus' gleich'zulage erklärt sitz Der La De ver!a.ikS- tag einverstanden, verlangt aber die Abschaffung Der 2Iu*gI l Inge i t ihrer lehi'.er Ee tal- tung, Da diese nur eite reine Klassen- und Derufszuloge Darstcllt. Au Z re tztli h-n Grün» den mutz dir Forderung auf Bes Itigung der Paragraphen 63 unD 64 Des R V. G erhoben tocvDen. Mit allem Nachtz u k legt Der Ver- bandstag Te wah ung g gtn l ie B strebungen der Reichsrel-ie ung cm, Der Te forqung Den Recht "boden u -mtz ehen und nuj Die TeDürstiglest einzu^cll.n."
Die Wahlen ?um Landesve banDS^orstand ergaben Die W-cst'l Der Kameradm Stad'sekre'är Friedrich Scheerer (Osferdrh a M) Be- t i aast ratze 5,0) als ersten, und Karl Funk (Offenbach a. M.) als zweiten Landesvtrbard voifitzenden. Dem bisherigen ersten Landesverbands- vo sitzenden Emil Fuhs (Ose.b>t) a. M ). Der aus beruflichen Gr ndm eine Wie^e Wahl ab- lehnte, wurde Der Dank des Verbunds ta es für seine im Interesse Der Kriegsopfer geleistete Arbeit ausgesprochen und wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt.
Aus Stobt und Land.
Gießen, den 22. März 1922.
' D i e Bezirkskonserenz von Vertretern des hessischen Handwerks, der Aufsichtsräte und Lehrerschaft hessischer Gewerbe» und Handwerkerschulen tagte dieser aTge in Frankfurt. Die Versammlung beschäftigte sich mit den Bestrebungen des hessischen Landesamts für das Bildungswesen, das gewerbliche Fortbildungsschulwesen auf Grund des Volks- schulgesehes seiner Leitung zu unterstellen. Diese Bestrebungen haben im Handwerk und Gewerbe die schwerste Deunrnyigung hervorgerufen. Verschiedene Einaaben Der Organisationen des Hand- Werbe- und Hrndwerkerschulen tagte dieser Tage tungen vermochten bis jetzt nicht, einen ilm- schwung in den Anschcmungen des Landes- bildungSamtes herbehuführen. Die Versammlung erhob mit aller Schärfe Protest gegen die Absichten des Landesbildungsamtes und fordert die gesamte Neuorganisation des gewerblichen Fortbildungsunterrichts zu verschieben, bis das beabsichtigte Berufsschulgeseh zur Beratung vorliegt. Die UnterfteUung des gewerblichen Fort- blldungsschulwesens unter das Landesbildungs- amt ist abzulehnew Nach wie vor wird Der Standpunkt vertreten, daß der gewerbliche Fortbildungsunterricht nur von Fachlehrern auSge- übt werden darf und als eng zusammenhängend mit dem Arbeits- und Wirtschaftsleben nach wie vor dem Arbeits- und Wirtschaftsministerium unterftettlt bleibt Die Zentralstelle für Die Gewerbe ist weiterhin als Aufsichtsbehörde des ge- toerl li i,e i Fcrt. il ursch l.eenz f ehure;ar en und als besondere Abteilung Dem Aroeits- und Wirtschaftsministerium einzugliedem. Von den
„Nein, sie hat seit heute morgen nichts mehr gesprochen."
Frau Inger suchte ihre Bewegung zu beherrschen, allein die Tränen rannen ihr unaufhaltsam über Die Wangen.
„Za," nickte Der Hauptmann vor sich hin, indem er seine Zeitung tocglcgte. „Es ist traurig, daß ein Mensch wie sie erben muß — für euch — für ans andere, meine ich. Sie selbst wird sich wohl nach "Der Ruhe sehnen."
„Wenn man einmal achtzig Zähre alt ist, hat man auch Das Recht, müDe zu sein," sagte Inger leise.
Hauptmann Dorris sah hastig auf, unD sein Blick war scharf unD wachsam.
„Warum hast Du Das so gesagt?"
„Wie Denn?“ fragte Frau Inger and sah ihn erstaunt an.
„In Diesem vorwurfsvollen Tone."
„Aber Zens, wie tamrft Du Das sagen? Ich habe keinen Augenblick Daran gedacht, Dir einen Vorwurf zu machen."
„Es Hang aber so. Du hast es in einem sehr verletzenden Ton gesagt."
»Aber was sollte ich Dir Denn vorgeworfen haben, Zens?"
°2lch — daß ich, Der ich zwanzig Zähre länger bin als sie, so oft gesagt — und gezeigt habe, daß ich müde bin."
„ilrtö das, meinst Du, hätte ich dir vorwerfen wollen?" fragte Frau Inger und schaute ihn mit Augen an, die voll Tränen standen. „.UnD dazu sollte ich mir auch noch gern De Den heutigen Tag ausgesucht haben? Min, Ze s. da hast Du Dich geirrt, wie schon so oft." Und sie schüf.eltc betrübt Den Kops.
„Olun, ich irre mich nicht gerade immer über Deinen Ton." Es lag eine merkwürdige zurückgedrängte Heftigkeit in Der S immc DeS H,.u7t- manns. „Du weißt es v.elleicht selbst nicht, aber dein Ton ist recht häufig vorwurfsvoll unD — spitzig."
„So mußt Du nicht reDen, Zens." bat Frau Borris. „Du mußt dich nicht selbst so hinein- fletgem: Du Darf ft mir nicht so mißtauen. Ich würde Dir niemals einen Vorwurf machen, Zens, das weißt Du wohl."
„Es wäre gar nicht wunderbar, wenn Du es tätest," tief er. „Aber Du meinst vielleicht, ich wisse nicht, was du denkst, weil Du nichts sagst!"
Er war aufgeftatiden und hatte angefangen, auf und ab zu gehen, blieb aber nun vor feiner Frau stehen.
„Ter Ausdruck deiner Augen unD Der Ton Deiner Stimme sagen mir alles, was Du zu sagen zu stolz bist."
„Aber Zens —"
„Za, meinft du Denn nicht, es wäre mir lieber, Du sagtest mir frei heraus, Daß Du meiner müde bist, als Daß Du aussiehst tote em Märtyrer. Der nicht zu klagen wagt, weit er gelobt hat, auszuhallen."
..Ich fühle mich durchaus nicht als Märtyrer," sagte Frau Inger unD sah ih en Mann liebevoll än. „Ich weiß nicht, was Du meinst, daß ich lieber frei heraus reden soll, oder Daß ich nicht wage, mich zu bellagen? Ich habe gar nichts, worüber ich mich "beflogen könnte."
„Nein — natürlich,“ murmelte Der Hauptmann bitter. „Tu bist — vollkommen."
Tas versetzte Inger einen kleinen Stoß. Diesen Ton hatte sie noch niemals in Der Stimme ihres Mannes wahrgenommen.
„Ich glaube, jetzt bist Du spitzig, Zens," sagte sie mit erzwungener Ruhe, und er schlug vor ihrem Blick Die Augen nieDer.
„Nein, denn Das ist ja wahr," fuhr er Dann etwas mehr beherrscht fort. „Du bist es Doch Nachfichäg bis um äw ersten, immer gleich gc- DatDir unD ausdauernd. Du hast dich vorhin darüber gewundert, wie ich Dir mißtrauen könne, wie in gesagt hast: ich meine, es wäre sehr begreift^-, wenn Dein Versprechen anfinge, Dich zu Drücken."
„Aber DaS tat Doch nichts, Zens," versicherte Frau Inger und leg'e ihrem Mann Die Hand aut Die Schulter. „Wenn ich zuwellen betrübt aus- sehe, so weißt Du Doch wohl. Daß es nur Daher kommt, weil ich mit mir selbst unzufrieDen bin. daß ich mein Versprechen nicht bester halte."
„Za natürlich," das flang wie ein Seufzer. Tann kehrte er sich um unD fügte müDe hinzu: .Wie oft habe ich dich nicht schon von Diesem Gelob ’xs freig sprachen."
„Tavon kann mich niemand freisprechen.


