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Erster Blatt

l?2. Jahrgang

Mittwoch, 22. zedruar sy22

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Annahme von Hnjelgtn für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Dreis für 1 mm höbe für Anzeigenv 34 mmBreite örtlich 70 Ps, auswärts 90Pf.; für Reklame Anzeigen von 70 mm Breite 300Pf. Bei Platz' Vorschrift 20 °/0 Aufs chlag tzauptschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz für den übrigen Teil Äarl Walther; für den

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Die Vertagung der Konferenz von Genua

Wenn die italienische KabinettstrisiS auch nicht etwa Pvincaros bestellte Arbeit ist, so paßt sie doch außerordentlich gut rn den politischen Kram des französischen Minister­präsidenten, der einen zähen Kamps um die Vertagung oder wenn möglich die Sabotage von Genua führt. Racbdem England im Ein­vernehmen mit Italien den Konferenzbeginn auf den 8. März angesetzt hatte, bestand des neuen französischen Ministerpräsidenten erste Lat darin, daß er eine DreinwnatSfrtst zur Einlösung dieses Wechsels forderte. Zwar erklärte er dann, daß er mit sich handeln lassen wolle, aber er schützte die Vorarbeit der französischen Sachverständigen vor, die sich sehr langwierig und gründlich für die internationale Sachverständigenberatung in London präparieren mühten, während er gleichzeitig zwecks weiterer Verzögerung von Genua sein ausführliches Memorandum an die britische Regierung sandte. Lloyd Ge­orge hat sich lange gegen die Hinausschie­bung der europäischen Wirtschastskonferenz gesträubt. Zweifellos geht das Streben Poin- carSs dahin, daß ebenso, wie fetzt dieRepa- r a t i o n s k o m m i s s i o n die Entscheidung über die deutschen Zahlungen für das Jahr 1922 fallen soll, die Alliierten sich auch vorher über die endgültige Gestal­tung des ReparativnSproblems in vertrau­lichen Kreise einigen sollen, so daß man vor die Konferenz von Genua mit einerfertigen Sache" treten könnte. Aus Rom wird zwar jetzt berichtet, daß die deutsche Regierung die Aufforderung erhalten werde, einen Ver­treter zu den Präliminarbe- sprcchungen über die Konferenz von Ge- mia zu entsenden, und aus den Auslassungen der englischen Presse geht hervor, daß Lloyd George darauf rechnet, Frankreich unter dem Druck einer völligen Isolierung in Genua doch noch zur Vernunft bringen zu können. Aber die Aussichten sind ungünstig, und die deutsche Valuta, die mehrere Wochen hindurch eine gewisse Stetigkeit aufgewiesen hatte, ist wieder auf die abschüssige Bahn geraten.

Der französische Antrag auf Verschiebung.

Berlin, 21. Febr. (WTB.) Die f r a n » zöstscheRegierung hat heute der d e u t- lchen Regierung in einer Rote mit­geteilt, daß sie bei der italienischen Re­gierung unter Hinweis aus die in dem Memorandum des französischen Minister- ptäsidenten geltend gemachten Gründe die Aufschiebung der Konferenz von Genua beantragt habe.

Deutsche Wirtschaftsvertreter in London.

Berlin, 22. Februar. Wie der Lokal­anzeiger von unterrichteter Seite erfahren lmben will, sollen maßgebende englische Kreise die Reichsregierung davon in Kenntnis ge­setzt haben, daß sie die Anwesenheit deutscher Vertreter in London bei den Sitzungen des Finanzkonsortiums für den wirtschaftlichen Wiederausbau Europas gerne sehen würden. Daraufhin sollen sich deutsche Vertreter, unter denen sich Staatssekretär Bergmann und Geh. Rat Kcmpner be­finden, nach London begeben haben.

London, 21. Febr. 'Dolfs.) Lloyd Ge­orge teilte gestern im Unterbaute mit. daß der Zeitpunkt der Zusammenkunft in Genua, tote er in Tannes vorläufig vereinbart wurde, bisher nicht abgeändert worden sei. 5>icfe Frage hänge in der Hcuiptfache von der Bildung einer italienischen Regierung ab.

Paris, 22. Febr. (WTB.) Havas meldet aus London: 3n amtlichen englischen Kreisen hatte man am Abend einen besseren Eindruck bezüglich der Regelung der diplomttischcn Debatte über die Genueser Konferenz. Ss heißt, daß dieser Eindruck infolge der gestrigen Besprechung zwischen Poincare und Lord Hardinge entstanden sei. Es herrscht die Ansicht, daß die Frage der Garantien int Laufe dieser Woche geregelt werden törine und die alliierten Sachverstän- ksigen am Montag unter Beteiligung der franzö­sischen Regierung zusammentreten würden. Eine Meuter n o te besagt, die britische und franzö­sische Regierung feien übereinstimmend der Ansicht, daß alle politischen Fragen, die zum Resiort der Sachverständigen gehören, durch direkte Bespre­chungen zwischen den Ministerpräsidenten bzw. den "Ministern des Aeußeren von Großbritannien und Frankreich behandelt werden sollen.

London. 21. Febr. (WTB.) »Manche- ft e r Guardian" schreibt in einem Leitartikel über die Genueser Konferenz, wenn Frank­reich auf die Vorschläge der Bolschewisten höre, so geschehe dies nicht, weil ein französisch- russisches Einvernehmen besonders geeignet fei, I um den Handel in Europa wieder herzustellenZ sondern, weil ein solches Einvernehmen vielen I

Franzosen als das beste Mittel erscheine, um ein Einvernehmen und möglicherweise sogar eine spätere Allianz zwischen Rußland und "Deutsch­land zu verhindsn. Wenn ein französisch-russi­sches Einvernehmen bedeuten würde, daß Deutsch­lands wirtschaftliche Hilfslvfigkeit verewigt wer­den solle, und wenn dies der Hauptzweck sei, so widerspreche das natürlich dem Geiste, in dem die Einberufung der Konferenz beschlossen wurde. Die wirtschaftliche Wiederherstel­lung Deutschlands müsse die erste und nicht die letzte Sorge der Staats­männer sein, denen die wirtschaftliche Wieder­herstellung Europas am Herzen liege.

Paris, 21. Febr. (HavaS.) Der englische Schahkanzler Sir Robert Home wird in eini­gen Lagen in Paris mit dem Finanzminister de Lastvyrie zusammentreffen. Sie werden gemeinsam die Fragen prüfen, die mit dem Re - parationsproolem verbunden find und der Entscheidung der alliierten Regierungen unter­liegen, nämlich das Abkommen von Wiesbaden, das Abkommen vom 13. August und die Fest­setzung der Kosten für die Desahungs- armeen, und die Verteilung der deutschen Zahlungen. Die Reparationskommission wird sodann ihrerseits die Frage des den Deutschen zu fletoähtciiben Moratoriums, sowie der dafür zu fordernden Garantien prüfen.

London, 21. Febr. (WB.) Heute fand unter dem Vorsitz von Lord Znversvrth eine Zusammenkunft des Organisationsausschusses der nationalen Korporation für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Eu­ropas statt, am die Grundlage za erörtern, auf der die nationalen und internationalen Kor­porationen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisie in Europa gebildet werden können. Die heutige Zusammenkunft ist die erste einer Reihe von Zusammenkünften, die in den nächsten zwei oder drei Lagen stattfinden werden. Es nahmen daran teil Vertreter Großbritanniens (Lord Znverforth und Zohn Ferguson), Vertreter Frankreichs, Italiens. Belgiens und Zapans. Die Verhandlung ist nichtöffentlich. Lord 3n- verforth gab der Ansicht Ausdruck, daß der Aus­schuß nach Beendigung seiner Arbeiten eine Mit­teilung zur Veröffentlichung ausgeben konnte.

Hetzreden in der französischen Kammer.

Paris, 21. Febr. (WB.) 3n der heutigen Kammersihung wurde die Debatte übet bie Budgettitel für den Wiederaufbau, deren Rück­erstattung Deutschland zusällt, fortgesetzt. Abg. Joseph Barthelemh erklärt, Frankreich habe den Friedensvertrag ernst genommen, als es ihn unterschrieb. Es habe erwartet, die versprochenen Reparationen zu erhalten. Enaland im Gegenteil habe vorausgesehen, daß Deutschland sich seinen Verpflichtungen, zu bezahlen, entziehen werde und es habe deshalb im voraus die Handelsflotte und die Kolonien Deutschlands weggenommen. Unter diesen Bedingungen habe sich England geneigt gezeigt, auf die Anwendung des Vertrages von 'Versailles zu verzichten. Man brauche übrigens nur eine der letzten Reden des Reichs­kanzlers durchzulesen, um unterrichtet zu sein. Er habe Mgestanden, wenn man alles Mögliche tue. um die Verpflichtungen zu erfüllen, so fei es nur, um den Zwang zu vermeiden, den die alliierten Soldaten ausüben könnten. Maximilian Harden habe diese Stelle der Rede des Reichskanzlers besonders hervorgehoben. Darthelemy erklärte weiter, daß die Bewohner dec befreiten Gebiete dieBoches" (wörtlich) nicht bei sich sehen wollten. 'Denn aber die Rot­wendigkeit es erfordere, müßten sie dieses neue Opfer bringen. Abgeordneter Tardieu ruft da­zwischen: Vorher muh man aber die ausländischen Devisen, die Deutschland in den Banken verschie­dener Länder besitzt, nach Deutschland zurütt- brtngen!

Es spricht noch der Abgeordnete F r o u i n, der sich über die Lage der deutschen Industrie ver breitet und erklärt, es fei festgestellt, daß. wenn es sich um die Reparationen handele. Deutschland kein anderes Ziel habe, als die wirtschaftliche Wiedererhebung Frankreichs zu verhindern. Der Redner wünscht Auskunft vom Ministerpräsiden­ten über die Liquidation der sequestrierten deut­schen Güter, sowie über die Maßnahmen, die die Regierung zu ergreifen gedenke, um Deutsch­land zum Zahlen zu zwingen. Es fei keine andere Politik möglich als die. auf Deutsch­land Zwang auszuüben. Politisch könne man sich dadurch bezahlt machen, daß man die Se­paration des Rheinlandes vom Deut- s chic n Reiche begünstige. Man müsse eine andere Politik im Rheinlande betreiben. Es han- bcic sich nicht um Annexion, sondern um Repa­ration. 5Xe Bewohner des Rheinlandes seien Preußenfeinde. Daraus müffe man Ruhen ziehen Der Redner tritt alsdann für eine wirtschaftliche Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland ein. - Die Weiterberatung des Budgets wurde auf Donnerstag vertagt.

Loucheur

über die Wirtschastskrifis.

Paris, 21. Febr. (WTB.) Der ehemalige Wiederaufbauminister Loucheur hielt gestern abend in Lyon vor einer Vereinigung von Indu­striellen. Kaufleuten und Landwirten eine Rede über die Wirtschaftskrisis. Er sagte, die Rationen, deren Wirtschaftsleben der Krieg be­einträchtigt habe, suchten nach einem Ausgleich. England habe die Luge dadurch verschärft, daß es Frankreich sehr lange teuere Kohlen ver­kauft habe. Dadurch habe es nicht nur den Unter­

halt und die Lohne, sondern auch die Erzeugnisse der Industrie verteuert. Da Rubel, Mark und Krone ihre Äauffraft verloren hätten, seien heute Rußland, Oesterreich und Deutschland mit ihren 200 Millionen Einwohnern von der Wirtfchafis- lartc GurovaS ausgestrichen. Das bedeute natür­lich das Verschwinden des Gleichgewichts in der Handelsbilanz. Als ein Mittel gegen diese Krisis sieht Loucheur die annähernde Gleichheit der Produktions- und der Konsum­tiv n s z i f f e r an. 3n England habe man brutal die Produktion herabfetzen wollen. Dadurch Hube man 2 Millionen Arbeitslose geschaffen und den nationalen Reichtum berabgeminbert Alle diese Probleme beschäftigten die Staatsmänner, die an der nächsten Konferenz von Genua teilnehmen würden. Es fei nicht schlecht, mit einem Gegner zu verhandeln. Man lerne seine Absichten und auch fein Ziel kennen. Aus diesem Grunde habe er im vorigen Jahre mit den Delegierten Deutschlands verhandelt. Man könne allerdings keine zu brüske Rückkehr zu der Vorkriegszeit wünschen. Loucheur sprach alsdann von der Repara- t i o n ß f ra g e. Er fei ein Mann der Realisie­rungen. Deutschland, das fein Geld habe, tonne nur bann bezahlen, wenn es die Produktion seiner Industrie exportieren lönne. Deshalb habe er geglaubt, daß Deutschland Rohmaterialien und Industricerzeugnifse liefern könne, um am Wie­deraufbau mitzuarbeiten. Er habe eines Tages Lloyd George vorgefchlagen. auf einen Teil der Forderung an Deutschland zu verzichten, weiin England auf seine Forderung an Frankreich verzichtet. Lloyd George schien geneigt zu fein, auf diesen Vorschlag eiiyugehen, aber unter der Bedingung, daß die Vereinigten Staaten von Rordamerita auch so gegenüber England handel­ten. Das Parlament der Vereinigten Staaten habe diese Kombination abgelehnt. Er danke den Amerikanern, daß sie gekommen seien, um den Krieg mitzumachen, aber etwas weniger danke er ihnen für den Frieden, den sie Europa be­schert hätten. Frankreich könne nicht banterott machen. Die Losung der finanziellen Schwierig­keiten in Frankreich bestehe in einer Herabminde­rung des Zinsfußes. Der Diskont der Bank von England müsse auf 3 Prozent zurückgeführt wer den, von 1931 an müsse alsdann auch der Zinsfuß der französischen Renten herabgesetzt werden.

Aus dem Steuerausschuh des Reichstags.

Berlin, 21. Februar. (Wolff.) Der Steuerausschuh des Reichstags setzte heute die Beratung des Vermögens-Steuer­gesetzes fort und verabschiedete den Gesetzent- wurf. Eine wesentliche Aenderung erfuhr die Steu er staffel. Paragraph 21 erhielt folgende Fassung: Die Vermögenssteuer be­trägt jährlich für die natürlichen Personen: von den ersten angefangenen oder vollen 250 000 Mk. des steuerpflichtigen Vermögens 1 vom Tausend, für die nächsten angefangenen oder vollen 250 000 1,5 vom Tausend, für weitere 250 000 Mark 2, für weitere 250 000 Mark 3, für weitere 1 Million 4, für weitere 2 Millionen 5, für weitere 3 Millionen 6, für weitere 3 Millionen 7, für weitere 5 Millio­nen 8, für weitere 10 Millionen 9, für die wei­teren Beträge 10 vom Tausend. Der Zuschlag zur Vermögenssteuer wurde nach - den Be­schlüssen des Ausschusses wie folgt festgesetzt: Der Zuschlag zur Vermögenssteuer beträgt von den ersten angefangenen oder vollen 250 000 Mark des steuerpflichtigen Vermögens 100, für die nächsten angefangenen oder vollen 250 000 150, für die weiteren Beträge 200 t>. H. der Vermögenssteuer.

Französische Uebcrgrisse in Oberschlesien.

Breslau. 21. Febr. (Wolfs.) Am 19. Febr. abenbS gegen 9 Uhr ereignete sich in ® l e i * wih folgender Zwischenfall: Aus einem Gast­haufe traten drei französische Soldaten, von denen einer einen Revolver in der Hand hielt, in an­geheitertem Zustande auf die Straße. Die Fran­zofen riefen einer Gruppe Zivilisten .Hände hoch!" zu. 3m gleichen Llligenblick feuerte einer der Franzosen einen Schuh auf die Zivilisten ab, ohne jedoch jemanden zu treffen. Der an der nächsten Straßenecke postierte diensthabende Poli­zeiwachtmeister Paul Rufenberg trat auf die Gruppe zu und forderte die Leute in ruhigem Tone zum Weitergehen auf. Ohne ein Wort zu sagen, erhob nun einer der Franzosen den Re­volver gegen den Polizeibeamten und streckte ihn durch einen Kopfschuß nieder, worauf die Franzosen die Flucht ergriffen.

Berlin, 22. Febr. Wie der'Bert Lokal­anzeiger" aus Breslau meEbet. konnten die drei Franzosen, die in dem Gleiwiher Stadtteil Petersdorf den Mord an dem Polizei- Wachtmeister Rufenberg terüb* fa^en. in dem Augenblick fest genommen werden, al3 sie versuchten, die Kasemenmauer zu überflcttern. Sag Blatt berichtet Wetter von unteren fran­zösischen ilebergriffen in der letzten Zeit. So wurde ein Chauffeur in Gleiwitz von drei französischen Soldaten unter Androhung von Waffengewalt gezwungen, die Sol­daten in feinem Auto nach Rybnik zu fahren. Als das Auto unterwegs eine Panne erlitt, verprügelten die Franzosen den Chauffeur und stießen das Auto in den Cyausseegrabcn. Die Durchsuchungen nach Waffen und die grundlosen

Verhaftungen, die neuerdings auch auf die Um­gebung von Gleiwitz ausgedehnt werden, sollen kein Ende nehmen. Der -Bevölkerung hat sich eine große Rervosität bemächtigt. Wie das Blatt weiter meldet, ist der Ches der Ellenbahnwcrl stätte in Gleiwitz, Regierungsrctt Rosenthal, der anläßlich des ersten Petersdorfer Zwischenfalle von den Franzosen verhaftet worden war, jetzt provisorisch aus der Haft entlassen worden.

Das italienische Kabinett.

Rom, 21. Febr. (WTB.) Einer Ste- phani-Meldung zufolge verlautet mit Be stimmtheit, daß der König de Rico la auf gefordert habe, die Kabinettsbildung zu über nehmen. De Ricvla hat sich die Antwort vor behalten.

Die Frage von Wilna.

Warschau, 21. Febr. (WTB.) Rack einer Meldung der Polnischen Telegraph"r. Agentur bat der Wilnaer Landtag gestern mit 96 Stimmen bei 6 Enthaltungen die Angliederung des WUnacr Gebietes a n die Republik Polen endgültig bc- schlossen.

Aus dem Reiche.

Deutsche Studentenhilfe."

Berlin, 21. Febr. (WTB.) Der Reich« Präsident hat m das unter seinem Vorsitz stehende Kuratorium der »Deutschen Studenten Hilfe" Hugo Z. Herzfeld-Stiftung folgende Herren berufen: Gerhart Hauptnwnn, den Rektor der 'Berliner Universität, Geheimrat Professor Rernst, die ttniversitätsprosessoven Geheimrat Troeltsch-Berlin, Beyerle-München, Habe: Tcliti. letzterer zugleich als Vertreter des Verbonder deutscher Hochschulen, 'Bankier Hugo Z. Her; selb, den Vorsitzenden des deutschen Gewert schaftsbundes Theodor Leipart. ©taatäfefretä Schulz, Ministerialdirektor Dr. Meißner und a'.? Vertreter der Wirtschaftshilfe der deutschen S.u bentenschast canb. ing. Schwabach. Das Kurato rtum wird in seiner am 24 Februar stattfindenden konstituierenden Sitzung über die Richtlinien Be schluh fassen, nach welchem die der Stiftung eins! wellen zur Verfügung stehenden fünf M i l Honen Mark zur Förderung des Studiums begabter Kinder minderbemittelter Familien per wendet werden sollen: die näheren Bestimmungen über die Bewerbung um solche Zuwendungen werden alsbald bekanntgegeben.

Ministerwahl im braunschweigischen Landtag.

Braun schweig, 21. Febr. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung begrüßte Minister Zunke namens dec Staatsministeriums den am 22. Januar ge wählten Landtag. Cr sagte, die Regierung sehe in den Ausfall der Wahl die Zustim­mung der Mehrhett des Volles zu der von der Regierung bisher befolgten Politik. Da die Mehrheitsparteien des Landtages den Wunsch aussprachen, daß die Regierung die Geschäft? des Landes lveiterführen solle, hätten die jetzigen Minister keinen Grund, zurückzu treten. Angesichts der steigenden Arbcitsaus- gaben, die der Regierung namentlich auch aus der Durchführung der neuen Verfassung er­wachse, bitte sie wie früher, die Wahteines fünften Ministers vorzunehmen. Hier­auf vertagte sich das Haus auf eine halbe Stunde, um zu den Ausführungen des Mi­nisters Stellung zu nehmen.

Rach- Wiederaufnahme der Sitzung bei Landesverfammlung haben die Rechtspac t e i e n eine Erklärung des Anhalts abgegeben, daß sie sich mit der Äunbgebung bei1 Regierung nicht einverstanden erklärten. Für die bei­den sozialistischen Parteien führte Abg. T o st - manu aus, daß die Erklärung des Staate Ministeriums, soweit die Fortführung der Ge^ schäfte des Landes und die Wahl eines fünfter Ministers in Frage komme, auf ihren Wunsch ab­gegeben wurde, und von der Fraktion in vollem Umfange gedeckt werde. Rach Schluß der Sitzung wurde die Wahl der neuen Regierung vollzogen. Mittelst Stimmzettel wurden gewMt die Ministern Antritt (MehrheitssozialiU!. Grotewohl (Unabhängig), Steinbrechei (Mehr hettss oz ialist) und W e f c m e t e r (Unab^ hängig) mit je 28, August Zunke (Unabhängig» mit 27 Stimmen. Die rechtsstehenden Parteien gaben 26 unbeschriebene Zettel ab. Bis auf Wese» meier gehörten alle Minister der bisherigen Re­gierung an.

Die (Bereinigung von Waldeck-Pyrmont mit Preußen.

Berlin, 21. Febr. (WTB.) Der preu­ßische Staatsrat hat der Verkündung des Ge­setzes über die Vereinigung des zu Wal deck-Pyrmont gehörigen Gebietes mit Preußen debattelos zugeftrmntt.

Drohender Metallarbetterstreik in Halle.

Wie derLokalanzeiger" berichtet, haben die Metallarbeiter von Halle und Umgebung den Schiedsspruch des SchlichwngSgerichtö nicht angenommen und beschlossen, die Arbeit niederzulegen, wenn bis Donnerstag, 23. Fe­bruar, keine befriedigende Lösung gefunden worden ist.