bis 15 500, Gruppe 5t 12 800—17000, Gruppe
14 100—18 700, Gruvpe 7: 15 800—21 000, Gruppe 8: 17 600—23 400, Gruppe 9: 19 500 bis 26 300, Gruppe 10 : 22 000—30 700, Gruppe 11: 25 000—35 800, Gruppe 12 : 29 500 bis 43 000, Gruppe 13: 37 300—56 000. DieOrt S- Zuschläge bewegen sich zwischen 900 Mark in der niedrigsten Ortsklasse E für ein Einkommen bis zu 10 400 Mark und 6000 Mark m Ortsklasse A für Einkommen über 29 500 Mark monatlich. Für einen verheirateten Beamten im Endgehalt mit zwei Kindern von 6 bis 14 Jahren in Ortsklasse A ergeben sich folgende Erhöhungen seiner Dienstbezüge gegenüber dem Einkommen vom 1. August 1914: Hür Bahnwärter (Gruppe 2) um das 150,5- >ache, für Schaffner (Gruppe 3) um das 147,6- ache, Lokomotivheizer (4) um das 143fache, für Zugführer (5) um das 121,6fache, für Sekretäre (6) um das 85,1 fache, Obersekretäre (Gruppe 7) um das 82,2fache, für Inspekto- len (8) um das 78,9fache, für Oberinspektoren (Gruppe 9) um das 71,4fache, für Regierungsräte (10 und 11) um das 68,6- bzw. 66,7fache, für Oberregierungsräte (12) um das 72fache. für Ministerialräte (13) um das 63,lfache. Für RuHegehaltsempfänger ist eine sinngemäße neue Zusammensetzung ihrer Bezüge ebenfalls vorgesehen. An Mehrkosten für die Besoldung der RekchSbeamten und Pensionäre werden nach dem Entwurf monat- lick etwa 3,86 Milliarden Mark erforderlich werden, wovon 1,9 Milliarde auf den Haushalt des Reichsverkehrsministeriums, 1,16 Milliarde auf den des Rcichspostmini- steriums, und 770 Millionen Mark auf den der allgemeinen Finanzverwaltung entfallen sollen. (Köln. Ztg.)
Deutscher Reichstag.
Berlin, 20. Okt.
260. Sitzung, 2 ißjr nachm.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst Kleine Anfragen.
Auf Anfragen der Abg Mumm und Dr. Philipp (Dntl.) wird erwidert, daß sich die 7Teichsregierung wegen des Erlasses des sächsi- >chen Kultusministers, wonach Schulbefreiung an i latlid) nicht anerkannten Feiertagen nicht statt- haft sein soll, mit dem sächsischen Kultusministerium in Mrbindung gesetzt habe. Die Derhand- langen seien aber noch nicht abgeschlossen.
Auf eine weitere Anfrage des Abg. Mumm wird erwidert, daß die Einführung der Kon- essionspflicbt für Lichtspiele nicht geplant sei.
Der Gesetzentwurf über die Verlängerung der Geltungsdauer für Demobilmachungsverordnun- ’cn bis zum 30. März 1923 wird nach kurzer Debatte angenvnunen.
Alsdann begründet Abg. Dr. Marx (Ztr.) den Antrag auf Verlängerung der Amts dauer des Reichspräsidenten bis -um 30. Juli 1925. Eine Aenderung der Verfassung sei an sich bedenllich, m diesem Falle aber durch dringende Gründe des Gemeinwohls geboten. Die schwierige wirtschaftliche Lage Deutschlands lasse es gefährlich erscheinen, das Voll in diesem Zahr zu einer Präsidentenwahl aufzurusen. Redner weist die '-Angriffe der deutschnationalen Presse gegen die Unterzeichner des Antrags zurück. Der Reichspräsident habe sich durch die lluge, taktvolle und geschickte Art seiner Geschäftsführung als ein OHänn erwiesen, der es verstanden habe, sich los- zulbsen von den ihm durch seine politische Anstauung gezogenen Grenzen. Durch den Beweis der hervorragenden Befähigung für fein Amt habe er sich in weitesten Bevölkerungskreisen große Sympathien erworben. Aus diesem Grunde f'' die Annahme des Antrags nationale Pflicht.
2lbg. Hergt (Dnll.) tritt für den Antrag seiner Freunde ein, die Präsidentenwahl am 3. Dezember vorzunehmen. Der vom Vorredner begründete Antrag sei angesichts der noch vor kurzem vorhandenen Einheitsfront von den Deutsch nationalen bis zu den Kommunisten ein Räcsel. Zweifellos habe der Artikel der -Vosf. Ztg.", die fälschlich eine deutschnationale Präsidmrfchaftskandidatur Hindenburg ankün- dl.jte, bei der Sozialdemokratie schlotternde Angst aufgelöst. Hindenburg ante portas! Darauf habe nun das Kompromiß geschaffen. Wir brauchten an der Sprtze des Reiches eine Persönlichkeit, welche eine Gewähr bedeutet für eine Politik ber Dau^! und Stetigkeit, einen Präsidenten, der lls eine sichtbare Gewähr für die Reichseinheit gelten kann. Das Volk will einen überpartei- .ichen Führer als Präsidenten. (Gelächter und Rufe links: Massenschlächter Hindenburg!) Es gibt feine zwingende Rotwendigkeit, über die Rechte des Volkes hinwegzugehen. Darum darf ■wwrwTiWi ■ Bww<KBcanaM—f——।
sich der Reichstag hier nicht ein Recht anetgne v, das dem von ihm vertretenen Voll gehört. Wir rechnen darauf, daß der Reichspräsident unier allen Hmständen feine Absicht durchführen wird, die Reuwrhl durch Amtsniederlegung zu erzwingen. Unter keinen älmständen darf eine solche Derfassungsverlehung ohne eine Befragung oes Volkes, ohne einen Volksentscheid geschehen.
Reichskanzler Dr. Wirth:
Der Vorredner hat die Person des gegenwärtigen Reichspräsidenten nur sch ünbar aus dem Spiel gelaffcn. Er hat vielmehr einen Sah gesagt, der eine direkte Kränkung darstellt. Er hat gesagt, der Reichspräsident habe stets für seine Partei gesorgt. Ich bestreite das. Herr Hergt hat ausgeführt, die gegenwärtige Stellung der Parteien sei günstig für die Sozialdemokratie. Das Gegenteil ist Wahrheit. Die Partei, die zur Wahl drängte, war die gegenwärtige Sozialdemokratie, später die Vereinigte Sozialdemokratie. Wie kann man also in diesem Zusammenhang die Worte brauchen, daß der Reichspräsident für seine Partei gesorgt habe. Ich begreife ja Ihren (nach rechts) Schmerz, daß Sie nun plötzlich wieder aus dem Isolierschemel sitzen. Aber vielleicht wird der Tag kommen, da ich Ihnen ganz in Ruhe sagen kann: Ohne die Tätigkeit des Reichspräsidenten und seiner Freunde hätten Sie keine Gelegenheit, hier zu sitzen. Mit seiner besonnenen Ruhe war Ebert in unruhigen Zeiten oft genug ein Helfer aus der Rot für die Kreise des Volkes, die sich von der Diktatur des Proletariats bedroht fühlten. 2Iu8 dem Provisorium bietet dazu den geeigneten Weg. Ich bitte, diesen müssen wir heraus. Der vorliegende Antrag Weg rasch zu beschreiten, damit die verhetzende Agitation von rechts endlich aufhört. (Beifall bei der D?chrheit. stürmische minutenlange Pfuirufe bei den Deutschnationalen.)
Abg. Müller- Franken (Soz.): Deutschland fährt am besten dabei, wenn das Ausland sieht, daß die Deullchnationalen sich in einer rettungslosen Minderheit befinden. Dazu bietet die Annahme des Antrages die beste Gelegenheit. Eine Kandidatur Hindenburg würde die Sozialdemokratie nicht schrecken.
Präsident Lobe ruft Koch-Düsseldorf (Dntl.) nachträglich zur Ordnung, weil dieser dem Reichskanzler am Schluß feiner Rede zugerusen hat: Sie H^tzapostel! Lobe firüpft an den Ordnungsruf die Mitteilung, daß in der letzten Zeit die Schuh- maßnahmen für den Reichskanzler im Hause verstärkt worden seien (Bewegung.)
Abg. Stresemann (D. Vpt.) stellt dem Abg. Hergt gegenüber fest, daß der vorliegende Antrag keineswegs auf Anregungen der Svzial- desnolratie ^u. ückzuführen fei. Er entfpringe lediglich der ernstesten Sorge um das Wöhl des Vaterlandes und um die Retchseinheit. Diesen Vorstellungen der Parteiführer habe sich auch der Reichspräsident nid); verschlossen und darum das Opfer des Verzichts auf die Wahl in diesem Jahr gebracht. (Beifall.) Die Präsidentenwahl würde in diesem Jahr zum Entscheidunaskampf zwischen Anhängern und Gegnern der republllani- schen Staatsfvrm geworden sein. Eine solche neue Zerklüftung könnte aber Deutschland in dieser schweren Zeit nicht vertragen. Der Reichspräsident hat bis in die letzte Zell den Mut gehabt, zu Imponderabllien Stellung zu nehmen, bei denen es sehr zweifelhaft war, ob er den Beifall feiner Parteigenossen finden würde. Das ist eine Grundlage, auf der die Gesundung des deutschen Volkes möglich werden kann. Darum sind wir überzeugt, daß der von un8 beschrittene Weg der richtige war.
Abg. Frau Zetkin (Komm.) betont, daß angesichts der Bedeutung des Präsidentenamts die Volkswahl nicht zu einem Kuhhandel der parlamentarischen Parteien werden dürfe, und fordert die Vornahme der Wahl noch in diesem Jahr.
Abg. Weg mann (HSP.) schließt sich dem an.
Damit schließt die Aussprache.
In einer persönlichen Bemerkung betont Abg. Hergt (Dntl.) unter Bezugnahme auf die Ausführungen des Präsidenten Löbe über die Schutzmaßnahmen für den Reichskanzler, daß seine Partei mit größter Entschieden hell die Bestrebungen zurückwelse, deren verbrecherischer Wahnsinn durch den Leipziger Rathenau»Prozeß enthüllt worden sei. Zeder sollle wissen, daß die verbrecherischen Wahnsinnigen bei uns keine Stätte finden, telne Entschuldigung, keine Duldung und keine Schonung.
Reichskanzler Dr. Wirth: Seien Sie sich des Ernstes der Situation bewußt. Rach den Olachrtchten, die wir haben, ist bereits von einem Beteiligten an einer Verschwörung ein Geständnis abgelegt worden, und müssen wir mit neuen politischen Morden in Deutschland rechnen. (Bewegung.) Ich habe keinen Anlaß, mit den Dingen hinter dem Berge zu halten. Ich habe die Politik immer nach sachlichen Gesichtspunkten behandelt
Darum Dar mich bei der Rede des Abg. Hergt das schmerzlichste Gefühl darüber befallen, daß gerade die Person des Reichspräsidenten, dem wir alle zu großem Dank verpflichtet sind, in den Vordergrund geschoben wurde (Zuruf: Der Feind steht rechts!) Der Reichskanzler zitiert demgegenüber wörtlich die angegriffene Stelle aus seiner Rede zum Schutzaeseh und verweist darauf, daß er auf dem Industrie- und Handelstag zur Einigung aller Stände auf gefordert habe. Diese Mahnung habe Abg. Hergt heute mit einer gehässigen Rede beantwortet.
Abg. Hergt versichert unter stürmischen Llntcrbrechungen der ©inten, daß er durchaus sachlich gesprochen habe. Die Zumutung des Reichskanzlers laufe Darauf hinaus, die parlamentarischen Rechte der Opposition einzuschränken.
2lbg. Fehrenbach (Zentr.) ersucht die Deutschnationalen dringend, auf die ihnen nahestehenden Kreise mäßigend einzuwirken, vor allem auf die deatschirationale Presse, um der Mord- atmosphäve ein Ende zu machen. Er verweist auf die geijüffigen Angriffe, denen er in der deutsch- nationalen Presse ausgesetzt ist, well er sich als Richter in Leipzig bemüht habe, die Verbindung der Mörder mit der zweifellos bestehenden Morde rzentrale aufzudecken.
Der Antrag der Mittelparteien wird darauf gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der äußersten Linken in erster und zweiter Lesung äußersten Linken in zweiter und dritter Lesung angenommen. Die dritte Lesung erfolgt am Dienstag.
Morgen nachmittag kleinere Vorlagen und Anträge.
Schluß 3/4z Mr.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 21. Oktober 1922.
Ein Appell der
Gießener Duchdruckereieu
an die Drucksachenverbraucher in Stadt und Land ist im Anzeigenteil unseres 'heutigen Blattes ent» hallen. Die von Tag zu Tag stärker werdende Rot- lage der Druckereibetriebe zwingt zu diesem ernsten Mahnrufe. Auf der einen Selle sind es die immer mehr wachsenden Materialpreise aller Art und die ständig steigenden Betriebskosten, auf der andern ist es eine ganz ungewöhnliche Zurückhaltung von Aufträgen durch die Drucksachenkonsumenten, die das Buchdruckgewerbe unserer Stadt in eine außerordentlich schwere Lage versetzt haben. Wie die Verhältnisse jetzt geworden sind, ist die Existenz der Betriebe schwer bedroht, und damit steht auch das wirtschaftliche Bestehen zahlreicher Arbeiter und Angestellten auf dem Spiele. Soziale und allgemein-wirtschaftliche, aber auch lokalpatriotische Erwägungen sollten in dieser Stunde Behörden, Industrie, Handel und Gewerbe und private Druckfachenverbräucher veranlassen, ihren AnteU zur Abwendung der allerschlimmsten Rotlage im ortsansässigen Duchdruckge werbe beizutragen. Hmsaffende und schnelle Erteilung von Aufträgen muh das Gebot der Stunde sein! Daß das hiesige Druckereigewerbe den Wettbewerb mit auswärtigen Firmen nach jeder Richtung hm aushalten kann, ist ja wohl allenthalben bekannt und überdies durch die bisherige Auftragserledigung und ferner noch durch fachkundige Auszeichnungen auf Ausstellungen zur Genüge erwiesen. Hat man aber die Wahl zwischen gleich leistungsfähigen Unternehmungen, dann sollte für jeden Auftraggeber, ganz gleich ob Behörde oder Private, das ortsansässige Gewerbe den Vorzug genießen. Möge der Appell allenthalben aufmerlfame Beachtung finden und in weitgehendstem Maße beherzigt werden, damit einem Erwerbszweig unserer Stadt, der zahlreichen Mitbürgern den täglichen Broterwerb bietet, über diese schwere Zell hinweggeholfen wird.
Wochenmarktbericht.
Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete Weißkraut das Pfd. 5—6 Mk., Wirsing 4—5 Mk., Rollraut 7—9 Mk.. Spinat 12—15 Mk.. gelbe Rüben 5—7 Mk., Oberkohlrabi das Stück 1,50-2 Mk., ilntcrfobtrabi 3—5 Mk-, Römisch- kohl das Pfd. 2 TEIL, Rosenkohl 40 Mk.. Endivien das Stück 2—6 Ml., Sellerie 8—16 Mk., Lauch 2—3 Ml., Aepsel das Psd. 6—8 Mk., Birnen 5-8 Mk.. Zmetschen 7-8 Mk., Zwiebeln 13—17 Mark, Butter 370—430 Mk.
**DteAbstimmungsbezirkeund Wahlräume in Dietzen für die Wahlen am 19. Rovember werden im heullgen Anzeigenteil bekanntgegeben.
** Reue Erhöhung des Papierpreises. Der Preis für Zeitungsdruckpapier ist mit Wirkung vom 16. Oktober von 83 Mk. auf 99,50 Mk. für das Kilo erhöht.
«——Illi —BMtl—w
Kunst und Musik im Dienste der Wohlfahrtspflege. Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, Ortsverband Gießen, im Verein mit Vern Deutschen Musiker verband, Ortsgruppe Gießen, will sich, wie dem Herrn Oberbürgermeister mitgeteilt wurde, an dem Hilfswerk zugunsten der Kleinrentner und verschämten Armen durch Veranstaltung von künstlerischen bunten Abenden beteiligen. Die Veranstaltungen sollen im Stadt- tHeater stattfinden, die Mitwirkung eines 50 bis 60 Mann starken Orchesters ist vorgesehen. Sämtliche Darsteller und Musiker stellen sich vollständig unentgeltlich zur Verfügung, damit der Heber- schuh für das edle Wert möglichst groß ausfallen tarn. Die Mitwirkenden wollen mit ihrem Vor- haben dartun, daß auch die Kunstlerschaft Gießens jederzeit bereit ist zur Mithilfe an der Linderung der Rot der Aermsten. Wir begrüßen das hochherzige Unternehmen und wünschen ihm einen vollen Erfolg.
* Volkshochschule. Der Arbeitsplan für das 8. Semester, das am 30. Oktober beginnt, ist erschienen und überall (s. Anzeige) zu haben. Er enthalt alles Wissenswerte über die Veranstaltungen, sowie über Anmeldung und Gebühren.
** Eine Verdien stmöglichkeit füi 2111r en tner, Invaliden und Heimarbeiter wird im heutigen Anzeigenteil bc- kanntgegeben.
** Der Rentnerbund veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine Erllärung über die Warenausgabe.
•• Die Fletfchbeschaugebührer in Hessen sind mit Wirkung vom 1. Ok° tober ab um 50 Prozent erhöht worden.
** 5>te Sprechstunden des W.oh» nungsamte-s werden, wie aus einer Bekanntmachung ersichtlich ist, vom kommenden QEontao ab geändert.
Wettervoraussage
Wolkig, zeitweise Regen, etwas wärmer.
Heber Deutschland ist der Luftdruck ziemlich gleichmäßig. Eine flache Mulde tiefen Druckes liegt über Süd- und Südostdeutschland mit ausgedehntem Regengebiet. Es besteht vorläufig keine Aussicht auf Besserung.
Bornotizen.
— Tage« kalender für SamStag. Hotel Köhler: Mitgliederversammlung des Män- nerturnvereins. — Astoria-Lichtspiele: „Mactste und die Tochter des Silberkönigs" und „ Fatth als Liftboy". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Der Gras von Monte Christo". 2. Tell: „Der Schah von Monte Christo". — Palast-Lichtspiele. Lene Olfen. „Unser gemeinschaftlicher Freund" und „Das doppelte Knoppchen“.
— Tageskalender für Sonntag: Stadttheater, 3 Uhr: „Dorsenfteber"; 7 Uhr „Verliebte Leute". — Cafe Leib, 3 Uhr: Vortrag über „Christentum und Sozialismus". — Stadt- Arche, 8 Uhr: Dvrttag über „Die kommende Wett- katastrophe". — Kath. Vereinshaus, 8 Uhr Wählerversammlung der Zentrumspartei.
— Oberhessischer Kun st derer n. Die Eröffnung der Hessischen Wanderausstellung, der Arbeitsgemeinschaft für hildende Kunst, kann nicht, wie vorgesehen, morgen sondern erst am nächsten Samstag oder Sonntag eröffnet werden.
— Oef fentliche Vorträge über Weltanschauung finden in der kommenden Woche jeden 2lbend jjj. der Stadtkirche statt RähereS ist aus dem heutigen 'Anzeigenteil zu ersehen.
— Zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Gesellschaftshaus lädt im Heu tigen Anzeigenteil die Deutschnationale Dvlkspartei ein.
— Der Männer-Turnverein hält heute (SamStag) abend im Hotel Köhler seine Mitgliederversammlung ab (siehe Anzeige).
Kreis Friedberg.
* Bad-Rauheim, 20. Oft. Die Legierung schlägt in einer Vorlage an den Landtag vor, in den Konzertsaal des Kurhauses eine feste, herausnehmbare Bestuhlung cinzubauen. An eine auffteigenbe Au Stellung der Sitze, wie bn Theatersaal. ist zunächst nicht gedacht, well die Benutzung des Konzertsaals zu sehr wechsell und das Auf- und Abschlagen der elnzubauenden Podien zu viel Zell in Anspruch nehmen und sich technsich in kurzer Zell kaum ermöglichen lassen würde. Olten rechnet zunächst mit einem Kostenaufwand von rund 1 Million Mark,
Heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 4100, Frankfurt a. M. 4150.
Die Herwsghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Lies bei Dill.
20. Fonfetzung. (Rachdruck verboten.)
Jungens wie Herbert mußten Prügel beziehen ßatt Taschengeld. Fräulein Schmidt nahm zuweilen den Lümmel ins Gebet, während er ihr mit allen Monteurkniffen die elektrische Leitung aus- 6 Offerte.
.Was willst du denn werde, wann du dei Äi-njähriges nit hascht?" Dann lachte ihr der Bengel ins Gesicht.
„SS gibt ja Gott sei Dank auch noch freie Beruie."
Heber Herrn Lutz war man auch orientiert 21b er er entwaffnete jede Dame schon allein durch icinen ritterlichen Handkuß. „Er hatte nun mal jo was." fand selbst die bissige Lettig.
2ln Ernst war nichts auszusehen, man gönnte ihm seinen Erfolg von Herzen, er war ein guter Svhn, ein tadelloser Ehemann und „trug seine Frau auf Händen". Was wollte man mehr?
Hub er grüßte alle Damen schon von weitem mir dicser tocltgetoinnenben Herweghschen Actio- teil, die leider Liane nicht geerbt hatte
Wem, Fräulein Schmidt in Wiedergabe des wochnlvsen ehelichm Glückes des jungen Paares f<i a>-.lgte, so ließ man ihr das Vergnügen. Dielte ich war es wirllich so. Man hatte sich herhei- gc lassen, auch „die langweilig' Kollin" ins Kränz, o, aufzunchmen, obwohl sie schlecht Whist spielte uni) rite cteDad von Bedeutung sagte
2Jbcr dafür sagte die Tochter um so mehr.
„Denkt euch mal, unser Emma geht. ' platztr Stectc heute in das versammelte Kränzchen.
„ 2lch du lieber Gott" entfuhr eS ihrerMuttec. So ein gutes Mädchen! Drei Zahre war sie bei
uns, und achtzig Mark hat sie bekommen!" 2luch die anderen beteuerten ihr Mitgefühl. Rachdem sich Mama Herwegh, Taille Betty und Fräulein Schmidt erboten hatten, sich gleich morgen strahlenförmig in die Stadt auf die Suche nach einem neuen Mädchen zu begeben, beruhigte sich die junge Frau endlich und nahm von den duftenden Kroppeln, die ihr .Fräulein Schmidt hinschob. Sie waren in Butter gebacken und mll rheinischem Apfelkraut gefüllt. Hnd man ging zu anderen Themen über.
„Wie ist denn die Sach' mll der Cellotante ausgegange?" erkundigte fick Frau Oflermann. welche das Kurhaus als Sündeichabel betrachtete.
Grete berichtete was sie wußte. Der Cello- künstler hatte 2uimente gezahlt, und das Mädchen Halle imauf ihren Hausknecht vorn Caf6 Alsäzar geheiratet.
„Hnd der war's natürlich?"
„Rein, F-rau Sanitütsrat, es war der Cellist, die Sorte kenn' ich," sagte die Rettig vom Sofa her.
„Wie heißt das Cafö?" Die Generalin blickte von ihren Eisdeckchen auf.
„Alsäzar, es ist was Türkisches." sagte Grete. „Ich glaube, Herbert war mal dort." Fräulein Schmidt winkte ihr erschrocken mit den 2Lugcn. ..Was macht denn dein Mann?" suchte sie ab» zulenten.
..Bon meinem Mann hab' ich rein gar nichts mehr," beklagte sich die junge 'tfrau. „seit er die greuliche Eppenba'ismce Geschichte hat." Hnd nun kamen die Erdrutsche, die neue Fabrik, der eingerissene Ringofen, die verlorenen Vorräte und das fchlechte Gelände
„Daß ct sich aber auch noch fp eine Fabrik I auf den Hals lädt," fand Frau Iustizrat Huppert. deren Schwiegersohn ebenfalls 2lnwalt war. |
aber „.noch sehr zu kämpfen hatte". Er hatte wenig Zulauf und mußte von den Schwiegerettern unterstützt werden.
„Hnd dabei die Praxis!" rief Fräulein Schmidt, welch? die. Kuchen in ständiger Bewegung hielt: Streuselkuchen. Speckkuchen und Blätterteigkuchen, des Landes Spezialität. Hnd eben trug die Silbereifen große Ahabarberkuchen, Käskuchen und Zwctschgenkuchen mit Rahmsoße herein.
„Rachher geb' ich Ihnen von meinem Speckkuchen mit," flüsterte Fräulein Schmidt zärtlich Grete zu. „Den ißt er so gerne." Ernst war mm einmal ihr Liebling. Sie konnte nie genug von feiner Praxis hören.
„Denke Sie mal, Frau Vistortus, jetzt komme schon die Fremde daher und bringe dem Herrn Rechtsanwalt ihren Schmuck ins Haus."
„El so was war ja noch nll." Die Damen legten die Häkelarbeiten hin. „Für was taten sie ihn denn nicht zwn Bankier ins Safe?"
War er denn auch gesichert, daß er ihm nicht wegkam? 2Nan hatte doch schon so inanches gehört von jungen leichtsinnigen Schreibern? .
..2lch< der liegt schon sicher." sagte Grete. „Er bat ja sein Geldschrankzimmer mll vergitterten Fenstera und hoppelt er Wand, in das nur er und Herr Bantelmann kommt."
„Ist der Bantelmann auch ganz sicher?" wurde sie gefragt So ein Mann hatte doch auch seine 2InäxntZ>Iungen.
Grete lächelte „Bantelmamn! Der zwanzig Oahre beim Iustizrat Ehrlich Bureouvorsteher war!"
„Dann muß er kein Iüngling mehr fein,“ fand die Rettig und zog den dicken Wollknäuel dei- Katze weg. die ftd> unterm Lisch fjerumirteb und beständig nach diesem weihen Knäuel haschte.
»®^rfiebt selbst aus wie ein Safe." sagte Drete. „Mich kann er nicht leiden, ich weiß nicht warum. Vielleicht sind ihm meine Hüte zu groß. Ich hab' noch keine fünf Worte mll ihm ge- fprochm. und den Grußkvmment heb' ich nächstens mit ihm auf.“
„Laß dir nur nichts von dem gefallen," fagte Warna Herwegh, welche an einem Gobelin ftirfte, den fie kurz vor Ernsts Geburt begonnen hatte.
„Den Schlüssel tragt Ernst stets bei sich, Herr Bantelmann hat den zweiten. Vielleicht ist ihm das zu Kopf gestiegen.^
„Mll so ’me Bureauvorsteher das iS grad wie mll einer all' Köchin," meinte die Plstortus. Zuerst ist sie ausgezeichnet und zuletzt färcht m'r sich vor ihr."
Es war Grete schon schwer genug geworden, eine ganze Woche von dem Schmuck der Fürstin Dasumtchtn zu schweigen, aber heute brachte sie es einfach ntcht länger fertig. Wozu auch? Es war ja fc^n politisches Geheimnis! Hnd mm kam der Steuer mit der schweren Kassette, deren Größe Grete mll ihrer Sticknadel auf der Kaffeedecke aufzeichnete, die Kassette sprang auf und die Brillanten, Türlife und Smaragde funketten. Sie sah alles wieder vor sich, beschrieb die Schon- hell und 2teinhell der Steine, ihre Fassung und ihren Wert.
Es ist ein Hnterschied, ob man Perlen und Edelsteine hinter dem Glasfenster des Iuwelters betrachtet oder sie am Halse getragen und an ben Händen gefühlt hat. Hnd so erfuhren die Damen unter dem Siegel der Verschwiegenheit, welch märchenhafter Schmuck in Ernsts Geldschrank rubte.
(Fortsetzung folgt.)


