Ausgabe 
21.8.1922
 
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um die wirtschaftliche Zukunft der Arbeiter zi sichern. Don der deutschen Regierung erwartet die Belegschaft, daß sie sich mit allen Mitteln für das Verbleiben der beiden Anlagen bei Deutschland einsegt und jeden Versuch, die Anlagen durch an­dere Gebietsteile etnzulauschcn, entschieden zurück- tocifi. Die Belegschaft ist entschlossen, einer Zu­teilung an Polen schärfsten Widerstand entgegen- zusehen.

Auch der Gesamtbetriebsrat der Ski- brückschächte protestiert namens der Belegschaft ganz energisch gegen die neuen Forderungen des polnischen Kommissars wegen Zuteilung der Del- brückschächte an Polen. Die Grenzkommission werde es nicht wagen tonnen, die überwiegend deutsche Belegschaft mit ihrer Anlage, auf welcher der größte Lei! der vertriebenen Flüchtlinge aus Polnifch-Oberschlesien einen lehten Broterwerb ge­funden habe, gegen den Willen der grossen Masse an Polen zu verschachern.

Die neuenVerkchrstarife in Oesterreich.

Wien, 19. Aug. (WTB.) Ab 21.8. treten die erhöhten P o st t a r i f e in ..Straft. Danach kosten Briefe im Fernverkehr bis 20 Gramm 100 Kronen, Postkarten 50 Kr., Drucksachen bis 50 Gr. 20 Kr., Postantveisungen bis 10 000 Kr. 200 Kr., bis 25 000 Kr 400 Kr. Höchstbetrag ist 2000 Mk. in Kronen. Gewöhnliche GewichtSgebühren für Pa­kete für je 5 Kg. 2400 Kr., bei Leitung über die Tschechoslowakei bei je 5 Kg. 3600 Kr. Wie die Staatskorrespondenz erfährt, werden auf den Staatsbahnen, auf den Südbahnen und der AS- pangbahn die Gütertarife ab 1.9. um 150 Prozent, Personen- und Gütertarife ab 8. 9. um 300 Prozent hinaufgeseht. Dom 28. 8. wird der Zollaufschlag auf das Fünftausendfache des Aomtnalbetvages erhöht. Gewisse Artikel wie Kaffee. Zucker. Petroleum werden aber nur zu 40 Proz. der jeweiligen Goldparität verzollt. Tie bisherige Zollfreiheit für lebenswichtige Artikel tote Getreide. Mehl, Fett, Fleisch, Milch und Kohle bleibt bestehen.

Aus dem Reiche.

Lohnerhöhungen für die Buchdrucker.

-Berlin, 19. Aug. (MTB.) Der Taris- auSschuh der deutschenDuchdrucker hat nach zweitägiger Beratung die Löhne der Buchdrucker in Anbetracht der fortschreitenden Teuerung um 5 0 0, und vom 1. Sept, ab um weitere 300 Mark erhöht. Diese bisher bei weitem stärkste Erhöhung, zusam­men mit den übrigen bedeutend gestiegenen Lasten des Druckgewerbes erfordert eine Er­höhung der Druckpreise um 60 Prozent, die am 21. August in Kraft tritt. DaS neue Lohn­abkommen ist auf vier Wochen ab­geschlossen.

Die Vertreter Bayerns in Berlin.

Berlin, 19. Aüg. (WTD.) Die »D. Z. a.M meldet: Der bayerische Minister deS Innern S ch w e y e r und der bayerische Oustizrninister Gürtler, die heute vormittag eintrafen, be­gaben sich um halb elf ilhr in Begleittmg des , bayerischen Gesandten v. Preger zu der ange­kündigten Rücksprache zum Reichskanzler.

Berlin, 21. Aug. Die Verhandlungen mit den bayerischen Vertretern sind, laut QKorgenblättern. am Sonntag dem Abschluß gekommen. Unter dem Vorsitz des Reichspräsiden­ten sand eine Konferenz mit Mitgliedern der Reichsregierung und den beiden bayerischen Mi­nistern statt, in der das Ergebnis der Einzel- besprechungen zwischen dem bayerischen Zustiz- minrfter Gürtler erörtert wurde. Die beiden baye­rischen Minister sind am Sonntagabend nach München abgcrclft, um das Ergebnis der Ber­liner Besprechungen dem Ministerrat vorzulegen, der schon am Montag stattfinden wird.

Rentnerverbände.

Äaffel, 20. Aug. (WTB.) Aach länge­ren Vorarbeiten ist eS von Kassel aus ge­lungen, die Rentnerverbände deS Rheinlandes, des Freistaates Hessen, Braun­schweigs und der Provinz Sachsen zu einer Arbeitsgemeinschaft zu verbinden, der sich voraussichtlich bald weitere Landesverbände anschliehen werden. Ein Fachbeirat mit dem Sitze in Kassel ist aus Mitarbeitern und Sach­verständigen der Ortsgruppe Kaffe! sowie aus Vertretern der Behörden gebildet worden.

Baalsfempel.

Roman von Margarete v. Derben» Fünfgeld.

2. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Ich werde es ins Album stecken zwischen den Pastor, der mich konfirmiert hat, und meine Gouvernante," flüsterte die Boa weiter.

Er stutzte einen Augenblick. Aber nein an der ganzen Gestalt war nichts wirklich Elegan­tes. nur billige Dazarware plump, wie der dicke Pelz, eine grobe Hermeltnnachahmung.

Also guten Abend. Aber ich erkläre mich nicht für besiegt.

Er hob mit spöttischem Bedauern die Schul­lern und verbeugte sich leicht.

. . Und Sie würden mich wiedererken­nen r

Riemais!" sagte Riedinger freimütig.Sie sind und bleiben für mich eine mystische Er­scheinung."

'Da war eS wieder, das Kvboldskichern.

..Ra. Gott sei Dank! 2luf Wiedersehen!"

Ohr Gang ist nicht schlecht, dachte Riedinger, den davvnhuschenden Schatten mit den Augen verfolgend. Ohm war unbehaglich zumute. Er hatte einem lange gehegten Groll Luft gemacht einem Groll gegen diese bürgerliche Gesell­schaft, die sich reinlich unterschied zwischen ihrer Ehre und der Komödiantenehre . . .

Aber welcher vermummten Maske hatte er hier ein Herz geöffnet? Einem besseren Dienst­mädchen höchstwahrscheinlich, oder einem kleinen Lehrfraulein.

Gr lachte halblaut auf. Dom nahen Rathaus- türm schlug es sieben. Run sah Rottmann noch da droben in seiner Bude und wartete auf ibn. HalS über Kopf eilte er beim, ihn verlangte nach einem Kognak, einem Bad.

Rottmann. der unterbeffen die Petroleum-

Aus Stadt und Land.

G i e h e n, den 21. Aug. 1922.

Paßkontrolle tut besetzten Gebiet.

On letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen Reisende im Verkehr von und nach dem besetzten Gebiet durch die Besatzungsbehörden mit empfindlichen Geldbußen bestraft werden, weil sie sich nicht im Besitze des voraeschrie- benen Personalausweises oder Reisepasses befinden. GS ist daher dringend geboten, sich bei Reifen ins besetzte Gebiet mit einem Per­sonalausweis (mit Lichtbild) oder Pah zu versehen, um Unannehmlichkeiten zu ver­meiden. Die Persona ausweise werden im u n- besetzten Gebtet ausgestellt für die Ein­wohner der Städte Darmstadt, Offenbach, Gießen, Friedberg und Bad-Rauheim von den betr. Polizeiämtern, im übrigen von den zuständigen Kreisämtern und außerdem von den Bürgermeistereien in den Gemeinden bzw. Städten Birkenau, Butzbach, Fürth, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Rim­bach, Sprendlingen, Viernheim, Vilbel,Wald­michelbach und Wimpfen.

Lohnabzug für die Zett des Fortbiiduttgöschttlunterrtchts.

rm. Eine wichtige Entscheidung, die wahr­scheinlich noch weitere Instanzen beschäftigen wird, hat das Gewerbegericht in Worms in der Frage der' Fortbil­dungsschulen gefällt, indem es eine Klage, die sich darauf stützte, daß nach den Be­stimmungen des Hess. Volksschulgesetzes ein Lohnabzug für die Dauer des Fortbil­dungsschulunterrichtes nicht gestattet sei, a b- w i e 6 mit der Begründung, daß diese Be­stimmung im Widerspruch stehe zu den be­stehenden reichsgesetzlichen Vorschriften und der ReichSverfassung.

Wettervoraussage

für Dienstag:

Wechselnd bewölkt, meist heiter, Gewitter­gefahr, sonst trocken und wann.

Der hohe Druck über Mitteleuropa hat stark abgenommen, herrscht aber noch immer vor. Ucbcr der Rordsee und dem Skagerrak zeigt sich eine Gewitternase, die auch in unserem Bevbachtungs- gebict vorübergehend Störungen Hervorrufen kann.

** Amtliche Personalnachrich- t e n. Am 15. August wurden die Finanzprak- tikanten Erwin Dollega aus Darmstadt, Mar Handke aus Darmstadt, Erwin Vo­gel aus Darmstadt und Friedrich Werner aus Arheilacn vom 1. April 1922 ab zu HauptstaatSkaffeoberbuchhaltern bei der HauptstaatSkasfe ernannt Am 17. August wurde der Maschinist Georg Stöppler zu Bad-Rauheim vom 1. April 1922 ab zum Werkmeister bei der Bade- und Kurverwal­tung Bad-Rauhe im ernannt.

** Das studentische Wohnungs­amt schreibt unS: Das neue Semester wird wieder eine große Anzahl neuer Studenten nach Gießen führen. Viele dieser Studenten verdienen sich zur Zeit durch ihrer Hände Ar­beit in Fabriken, Bergwerken und anderen Betrieben das Geld zum weiteren Studium. Da sie durch die Arbeit festgehalten werden, ist eS ihnen natürlich unmöglich, mehreremale nach Gießen zu kommen und auf die Duden­suche zu gehen. Das studentische Wohnungs­amt hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade diesen Kommilitonen eine Wohnung nachzu­weisen. Schon heute liegen eine Unmenge An­fragen an uns vor. Das studentische Woh­nungsamt wendet sich deshalb an die Gießener Bürgerschaft mit der Bitte, Studentenbuden zur Verfügung zu stellen. Wir hoffen, daß die altbewährte Opferfreudigkeit der Gießener Bürgerschaft uns über die Schwierigkeiten hinweghclfen wird. Anmeldungen an das stu­dentische Wohnungsamt, Ludwigstraße 23. Man beachte die Anzeige im heutigen Blatte.

tt. Ober hessischer Dienenzüchter­verein. Eine außerordentliche Dersammlung des Gesamtvorstaudes und der Dorsihenden der 3tcc g cremt des Ober hessischen Die, e zuchterrer- eins fand am SamStag im Hotel Schutz dahier! statt, um über die in diesem Zähre so dringend nötige Beschaffung von Zucker zur Herbstfütterung der Dienen zu beraten. Der Vorsitzende, Lehrer Buß- Leihgestern, bc-

richlete zunächst über seine Bemühungen zur Be­schaffung deS Frühjahrszuckers, der mit 36 630 Kilogramm zur Verteilung kam. Dabei hat sich herausgestellt, daß sich manche Imker bei ver° febiebenen Derteilungsstellen versorgt oder mehr bezogen haben, als ihnen zukam. Künftighin wird das unmöglich gemacht werden. Für die Herbst­belieferung ist cS dem Vorstand nicht möglich gewesen, selbst durch Vermittlung des hessischen Ministeriums nicht, Zucker durch den Verein zu erhalten, so daß sich jeder Omker, so gut er kann, f e l b ft versorgen muß. Jedoch muh vor der Verwendung von Rohzucker zur Winterfütterung aufs crnstlichste gewarnt werden, da er sich nicht zur Fütterung eignet. Der Jahresbeitrag für 1923 wird vorläufig auf 50 Mark festgesetzt, der im Monat Januar fällig ist.

** D ie Mellani°Ga st spiele am Samstag und Sonntag boten ihren Besuchern einige Stunden kurzweiligster IlMerhaltung.Wohl­tuend berührte es besonders, daß der Veranstalter von vornherein auf den Mantel deS Mysteriösen verzichtete, den viele Künstler des gleichen Berufs um ihre Darbietungen zu hüllen pflegen. Hub dieser Verzicht ist um so höher anzuerkennen, als eine ganze Reihe der vorgeführten Experimente schier unerklärlich wirkten und srch wohl mancher der Anwesenden ohne Prof. Mellanis ausdrück­licher Erkürung, daß seine einzige Zauberformel laute:Geschwindigkeit ist keine Hexerei", leicht von dem Wirken übernatürlicher Kräfte hätte überzeugen lassen. OedenfaNS wurde dank der außerordentlichen Geschicklichkeit des Künstlers der Bann der Illusion nicht gebrochen, und die Zu­schauer ließen sich von seiner Beredsamkeit willig dahin führen, gerade die dargebrachtenBeweise^ feiner (Zauberei" als die gegebenen anzusehen. DerDch u te I derVorfüh um en enttäuschte etwa?. Ollan hätte von demGeisterkabinett" doch mehr praktische Beweise für die Haltlosigkeit der spiri­tistischen Lehren erwarten dürfen, alS sie in den nicht .unbekannten Manipulationen eines scheinbar unlöslich ©efef feiten hinter dem Vorhang dargeboten wurden. Doch "abgesehen von dieser Lückenhaftigkeit war das Programm reichhaltig genug, um die Befriedigung und den lebhaften Beifall des Publikums zu rechtfertigen.

** Ein neues Lichtspielhaus, die im Saale deS früheren HotelsEinhorn" errichteten P a I a fl - Li cht s p i e 1 e, wurde am Samstag der Öffentlichkeit übergeben. Das neue Kinotteater präsentiert sich in bester Weise. Dank seiner vor- züglichen Einrichtungen dürste es sich die Gunst deö Publikums wbhl sehr schnell erringen. Breite, bequeme Treppen führen aus einer geräumigen Halle empor zu dem hoben und luftigen Theater- faalc, der in feinen Großcnmaßen und seiner modernen Ausgestaltung den Vergleich mit groß­städtischen Einrichtungen dieser Art aushält. De- qinmc Sitzgelegenheit gibt dem Gast Wohlbehagen und befähigt ihn, auch einer etwa drei Stunden langen Vorstellung, tote sie am SamStag au ver­zeichnen war, bis zum Schluß ohne sonderliche Ermüdung beizuwohnen. Zur Eröffnung des Theaters hat die Leitung die Uraufführung des FilmesOthello" auf das Programm gesetzt, der geeignet ist, eine starke Wirkung auf die Be­sucher auszuüben. Die übliche musikalische Um­rahmung der Filmvorstellungen wurde am Sams­tag mit sichtlichem Eifer der Kapelle geboten.

SAornoh,teil.

Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele, ab heute:Flammen der Wüste" undDer Graf, die Tänzerin und der Staatsanwalt". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße, ab heute:Sn einem kühlen Grunde".

Gin Schlossertag für Stadt und Landkreis Gießen findet am kommenden Sonntag im Hotel Felsenkeller statt. Alles Rähere ist auS dem Anzeigenteil zu ersehen.

Kreis Schotten.

X. Schotten, 20. Aug. Der Reubau der hiesigen Forsterschule schreitet rüstig vor­wärts. DaS Gebäude steht, landschaftlich schön gelegen, im westlichen Teile des OrtSbereiches. Der Grund und Boden wurde von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt, während die Baukosten vorn Staate getragen werden. Infolge der mißlichen wirtschaftlichen 'Verhältnisse wird der Voranschlag nicht unwesentlich überschritten werden. Bis zur Fertigstellung des Reubaues, der hoffentlich mit Begorn de? Winterlaib a rcS be­zogen werden kann, wird der Unterricht zum größten Teile in der Landwirtschaftlichen Winter­schule erteilt, einige Stunden werden aus be­sonderen Gründen in der Realschule gehalten. Zur Zeit besuchen die Anstalt über 20 ausgesuchte iuixgc Leute, die bei der Zulassungsprüfung am besten abgeschnitten haben. Die Schule steht unter der Leitung des Oberforstmersters der Ober­försterei Schotten. Dre Au bi düng umfaßt $toci Lehrgänge von der Dauer je eines Jahres und erstreckt sich nicht nur auf das

lampe angezündet hatte, empfing ihn mit einem sonderbaren wissenden Lächeln.

Schade, daß du nicht da toarft. Ich hab' dich vertreten, so gut es ging. Aber meiner Fallen­nase und meinem unseligen Temt wollte es nicht recht glücken man wünschte deine ällnterschrift unter eine Postkarte. Man war ganz naiv: etwa dreizehnjährig oder so. Man trug einen dicken langen Zopf mit blauer Schleife!"

Blödsinn," knurrte Riedinger grimmig und warf sich auf daS Sofa.Och ziehe auS!"

Der andere lachte laut auf:So recht, mein Zunge! Och brauche nicht auszuziehen! Mir steigt kein holder Backfisch auf die Bude!"

Dieweihe Boa" verlangsamte ihren Schritt, sobald sie die Bosketts des Stadtparks hinter sich hatte Mit der etwas pelzigen Anmut eines FräuleinS, dem nicht wohl in seinen Schuhen ist, stieg sie in ihren Galoschen die ab und zu das Stück eines schwarzseidenen Florstrumpfes frei- ließen über den glatten Asphalt, den die un­freundliche Herbst Witterung mit einem glitschigen ileberjug versehen hatte.

Sie schlüpfte in Degenhardts Konditorei. Der wohlvertraute Duft von Schlagsahne und war­mem, süßem Gebäck schlug ihr entgegen; an einem runden Tisch saßen zwei junge Damen in weichen, kühngeschwungenen Sealpelzkappen. Riesige Spihenjabote strömten aus den geöff­neten Zacken, und das sah aus wie überbrausende Milch.

Eine Blaue und eine Tabakbraune.

Ra, wie war es? . . . Aber, Lily! Wie hast du dich herausgemustert!" riefen beide wie ais einem Munde.

Die Weiße Boa hing an einem Ragel, und die Galoschen flogen von den Füßen zierlichen, in Lackschuhen steckenden Füßen.

Gottlob, daß ich das Monstrum los bin." sagte daS Fräulein mit einem Lächeln.Och

hab' es von unserer Köchin gepumpt! Och wollte mich doch nicht gleich zu erkennen geben.

Ra, wie war cd denn?" wiederholte die Blaue und klapperte mit dem silbernen Löffel- chen auf ihrem leeren Teller herum.

Lily, schieß los!" platzte die Braune heraus.

Lily lächelte nochmals und schälte sich lang­sam aus ihrem vorjährigen Flaaschmantel.

Schlank und rank stand sie da, unter dem un­möglichen Hut stahlen sich ein paar braune Locken hervor, über die daS elektrische Licht einen kup­fernen Schein warf. Das ganze, sehr weihe Ge­sicht aber wurde beherrscht von den Augen, die grünblau schimmerten wie Gletscherwasser. Sonst war es Dort einer reizvollen ilnrcgelmäblgfeit

Unter dem groben Mantel trug sie eine hoch­elegante Bluse aus gelbem Spachtelst off, einen verwelkten Fliederbüschel im Gürtel.

..Wie kann man sich so scheußlich Herrichten I" rief die Blaue wieder.Was hattest du vor Llly? So konntest du ihm doch unmöglich einen Ein­druck machen! Oder hast du den Mantel ab­gelegt?"

Beruhige dich ich hätte ihm auch anders keinen Eindruck gemacht. Aber es reizte mich so: außen Köchinnenboa, Hut aus dem Aasverkauf, Galoschen Rümmer neununddreißig innen Spitzen, Flieder, Geheimratstochter, Schöngeist, eine Spur Erdgeist."

Run hör aber auf und erzähle mal ordent­lich" rief die Blaue ärgerlich.Was hat er gesagt? ,

Bis zu meinen inneren Vorzügen sind wir nicht gediehen.Och hatte keine Gelegenheit, sie ihm zu zeigen."

Er" platzte die Braune heraus, schwieg aber sofort wieder.

Fräulein, einen starken Schwarzen! Keinen Kuchen Zigarette! Also: Abgeblitzt! Kurz und gut, meine Teuren, versucht euer Hell selber. Dieser Mensch ist für diese Well zu gut

rein forstliche Gebiet, sondern auch auf allgemeine Fächer, wie Deu.sch, Rechnen, Phy.ik und Gesang. Außer dem Leiter unterrichten an der An stall hauptamtlich ein Oberförster, nebenamtlich ein Studien rat, ein Landwinschaftsrat und zwei Real­lehrer. Zweimal in der Woche finiten forst - I i cf) c Belehrungen >i m Walde statt. Häufig hört man bei dieser Gelegenheit während des AusrückenS und der Heimkehr der jungen Leute Volks- und Wanderlieder fingen, deren Frische das Herz erfreut. Die Schüler wohnen in Privathä ufern. Bei nicht zu großer Entfernung können sie über Sonntag in ihre Heimat reifen und sich dort nützlich erweisen. Schotten und Umgebung eignen sich vortrefflich für den Unter- richtsbetrieb der Forsterschule. Möae sich diese staatliche Anstalt segensreich für das hessische Forstwesen entwickeln!

©ebern, 20. Aug. Durch lebhafte Bautätigkeit seitens der Stadt und der Eisertbahnvertoallung sucht man hier der W oh- n u n g S n o t zu steuern. Seit einem Hahr sind acht Wohnhäuser fertig geworden. Gin großes Wohngebäude für Dahnbedienstete. wird jetzt am Bahnhofsviertel in Angriff genommen und zwei Gendarmeriewohnungen sollen errichtet werden.

Kreis Friedberg.

Sf. Friedberg, 20. Aug. Es scheint jetzt keinem Zweifel mehr 1 zu unterliegen, daß das rätselhafte Verschwinden des Bürger­meisters Odenwälder aus Friedrich 2- t hal seiner Aufklärung entgegengebt Bekanntlich wird der Mann feit Enhe Februar dieses Jahres vermißt: durch den damaligen Eifenlxthnerstreik war er gezwungen, den Heimweg von Köppern nach Friedrichsthal zu Fuß zurückzulegen. unter­wegs wurde er noch in der Rühe der Kapers­burg von einem Holzarbeiter gesehen und ge­sprochen. Seit dieser Zeit ist er spurlos verschwun­den und es haben sich an dieses Verschwinden die verschiedensten Gerüchte angeknüpft. Auf Drängen der Angehörigen, von denen einer um die betreffende Zeit einen Schuh gehört haben will, wurde nunmehr ein in der Richtung nach dem GaulSkopf liegender, alter ca. 30 Meter tiefer, veckassmer DerawerkSs cha ch t unter­sucht Ein Angehöriger des Oberrosbacher Berg­werkes unternahm die lebensgefährliche Auf­gabe, den Schacht zu besteigen und fand auch tat­sächlich unter allem möglichen Schutt und Tier- kadavern eine menschliche Leiche, deren Bergung ihm aber unmöglich war. Es gelang ihm nur, einen Teil des sinter sch enkels ans Tageslicht zu bringen. Die Angehörigen glauben mit Bestimmtheit an dem Teile der Kleidungs­stücke die Leiche rekognoszieren zu können. Ein weiteres Besteigen des Sch achtes in seinem jetzigen Zustande ist wegen der damit verbundenen Lebens­gefahr zur Zeit unmöglich: bic volle Aufklärung ist daher erst zu erwarten, wenn der Schacht durch Verschalung wieder besteig" ar ist.

fpd. D a d - R a u h e i m, 20. Aug. Kaufmann Wilhelm Rosenthal au3 Reuyork, ein ge­botener Bad-Rauheimer, stiftete für wohltätige und gemeinnützige Zwecke der Stadt den Betrag von mehr als einer halbenMillion Mark. Hiervon sollen 100 000 Mark zur Beschaffung billiger Köhlen Verwendung finden, 20 000 Mk. erhält der Turnverein. Der Rest soll zur llnicr- stützung notleidender Ortseinwohner, vor allem Witwen und Weisen, dienen.

A Aus der We11erau, 19. Aug. Die ungeheuren Regenmengen, die in der Vorwoche nicbcrgingen, batten die 'Flüßchen Wetter, Hor­loff, Ridda und Ridder derart anschwelten lassen, daß sie über ihre Ufer traten und Wiesen und Ackerland unter Wasser fetzten. Besonders ist dws der Fall zwischen Vilbel, Dortelweil, Gronau bis gegen Olbenstadt. Die Getreidehaufen stehen im Wasser und viele Garben und Klecken sind fort- geschwemmt worden. Erst seit heute beginnt das Wasser langsam zu sinken. Die Landwirte haben großen Schaden erlitten, da das Getreide auf dem Haufen auszuwachsen beginnt und Kartoffel' äcker und Wiesen verschwemmt sind.

Starkenburg und Rßernhessen.

Eisenbahn-Diebes- und Hehlerbande.

spd. Offenbach. 20. Aug. Die Eisenbahn- kriminaipvlizei ^Frankfurt a. M. verhaftete in Gemeinschaft mit der hiesigen Kriminalpolizei eine Diebes - und Hehlerbande, die seit eini­ger Zeit Güter im Werte von rund einer Million Mark aus dem Güterschuppen ir Ofser.bach gestohlen und verhehlt hatte. Als Haupttäter wurden der E imb.'.hmssistent Geis und der Gastwirt Gottfried Wissel von hier und ein gewisser Ludwig Wiss el aus Rieder- steir-bach (Untcrfranfen) verhaftet. Letzterer hat auch vor einigen Wochen im Lehrerhause zu Riedersteinbach einen schweren Ginbruchsdiebstahl ausgeführt. Gin Tell der hier gestohlenen Sachen wurde noch in der Wohnung des Wissel borge, funden.

Sie hielt ein Zündhölzchen gegen ihre Ziga­rette und warf es bann brennend fort.

Erst hab' ich mir überlegt, ob ich euch Lieben ein bißchen anschwindeln sollte. Aber es ist ja so viel schöner! Gr hielt mich für eine Vogel­scheuche! ilnb ich ihn für einen Walfisch. Er erteilte mir fromme Lehren, und ich erzählte ihm, daß ich sein Bild gekauft habe."

Llly," schrien beide,schämtest du dich denn nicht?"

Keine Spur," gestand Llly kalt und klopfte die Asche am Tellerrand ab.

ilnb nun sag' mal, was du mit dem Ganzen eigenllich bezwecktest. Wo du den Mut zu der Verkleidung hernahmst und zu allem andern."

Mir macht nur Spaß, was mit ein bißchen Gefahr verknüpft ist. Ilnb was ich bezweckte? Richts Persönliches, älebers Theater schwatze bic Herrschaften studieren einen Roman darüber schreiben ja, das wollte ich und nichts weiter."

Die andern wechsellen einen Blick.

,Rimm mir daS nicht übel, liebste Llly! Aber was du da sagst, zeugt doch von einem ungeheu­ren Fimmel!"

Kann fein. Rur wer sich selbst überschätzt, kann es zu ettvas bringen. Seit ich klein war, hatte ich die Sucht nach dem ilngewöhnlichen das gesteh' ich ganz gerne zu. Richt aus Eitel­keit Gott bewahre! Hätte ich mich sonst heute so frisiert? Rur aus der dummen Hoffnung heraus, daß bei dieser Jagd mal etwas ganz Ret- tes zustande kommt: Gin kleiner Beruf für über­flüssige Luxusgeschöpfe, die Gelegenbeit, was zu leisten Ehrenwort! Och wlll ettvas leisten! Och wlll nicht ewig Schlagsahne futtern! Euer Tennis ödet mich an! ileberhaupt, all euer Sport! Man sollte doch mal was Reu es er­finden!"

(Fortsetzung folgt)