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jrankstttt a. m. 11686.

172. Jahrgang

Mittwoch, 2s. Juni 1922

Erster Blatt

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis num Nachmittag vorher ohne jebe Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 500 Pf. Bei Platz- Vorschrift 20Aufschlag. .Hauptschriftleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen TeU: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Deck,, sämtlich in Siehen.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck tmb Verlag: vrühl'sche Univ.'Such und Sttinbruderei R. Lange. Sdfriftlettung, Seschäst5stelle und D ruderet: 5chulftraffe 7.

Was wird aus Oberschlesien werden?

Man schreibt uns.

Die Verhandlungen Degen der Mebcrgabc des wirtschaftlich wertvollsten TellS Ober- schlesiens an Polen sind abgeschlossen. Wäh- oend wir diese Zellen schreiben, ift die Un­terzeichnung des Räumungsab- fommens bereits erfolgt. Ein beträchtlicher TeU des Deutschen Reiches, der in der Ab­stimmung mit dem übrigen Oberschlesien mit Zweidrittelmehrheit bekundet hatte, daß er beim Mutterland verbleiben wolle, ist Deutschland widerrechtlich entris­sen worden.

Was wird aus Oberschlesien werden? Schon Horen wir von einer M a s s e n f l u ch t der bisherigen Bewohner. Wir sehen dieselben Bilder, die Polen und die an Po­len gekommenen westprentzischen Gebiete nach der Tlebergabe boten. Die Deutschen verlassen Haus und Hof, verlassen Hab und Gut. um mr das nackte Leben zu retten. Auf den Stra­fen, die nach Glewitz und Beuthen führen, erblickt man unendliche Wagenzüge. Auf den Da gen ist da? wenige Hausgerät, das die durch den polnischen Terror Vertriebenen ret­ten konnten. Frauen und Kinder sitzen auf den Fahrzeugen oder laufen ttänenden Auges redender, während die Männer mit verbisse- ten, harten Zügen die Leinen der Zugtiere Mren. Ganze Dörfer sind von bewaff­neten polnischen Banditen über­fallen worden. Seitdem die deutsche Polizei imd die deutschen Truppen nicht mehr die Ord­nung in Oberschlesien aufrecht erhielten, kamen bewaffnete pvlnisck)e Räuberscharen in Haufen Wer die Grenze, um dort zu ernten, wo sie nicht gesät hatten.

Wird Polen an dem unrechten Raub viel Freude haben? Wir glauben es nicht! Polen rft gar nicht in der Lage, das reiche Land in 'nem blühenden Zu stand zu erhalten, in dem es sich befindet. Die 'Deutschen wissen, was eS »ritzt, unter der polnischen Regierung zu le­ben, sie wissen, dah sie damit ständig bru­taler Wlllkür ausgesetzt sind. Wenn die Po­len auch heute die Deutschen unbedingt ge­brauchen. so ist es den Deutschen doch klar, bah sic nur solange im Lande behalten wer­den, bis genügend Polen in die verschiedenen BerwaltungSzweige des Staates und auf den Gruben eingearbeitet sind. Dann kann der Deutsche, ohne Dank zu ernten, zum Wander- slab greifen.

Vergeblich haben sich deshalb die Polen, )at sich seinerzeit schon Korfanty bemüht, die deutschen Eisenbahnbeamten im Lande zu be­halten. Die Polen haben kein Glück mit ihren Derbnngen, so günsttge Versprechungen sie auch notgedrungen machen muhten. Mit dem Abzug der deutschen Beamten aus Oberschle­sien wird das oberschlesische Eisenbahnwesen m ähnlicher Weise verlottern, wie das Eisen­bahnwesen in Posen und Polen versagt. Schon heute erklären die Polen, dah sie nicht in der Qagc seien, auf diesem Gebiet auch mir an= -rädernd das zu schaffen, was die Deutschen bisher geleistet haben.

Aehnlich liegen die Verhältnisse mit dem Pvstwcsen. Wie die Post in Posen und Polen funktioniert, darüber macht sich sogar in Deutschland jeder Kaufmann sein Bild, der ir­gendwie mit den polnischen Ländern geschäft­lich zu tun hat. Briefe und Postkarten, die Don Warschau nach Berlin vier oder fün Tage gebrauchen, sind leine Scllenheiten Denn man nun das überaus rege wirtschaft­liche Leben in Betracht zieht, das Oberschle­sien und Deutschland bisher verbunden hat, und doch auch weiter verbinden soll denn die Wirtschaftsbeziehungen sollen nicht ab­gebrochen werden , so kann man ermessen, dah grvhe Schwierigkeiten entstehen werden, wenn einmal der Briefverkehr zwischen dem Deutschen Reich und dem nunmehr losgelösten Miel nicht mehr so glatt und reibungslos vor sich geht, wie wir es unter der deutschen Ver­waltung gewöhnt waren.

Schlimm sind die Verhältnisse imSchul- wesen. Die Polen können das Schulwesen trotz Inanspruchnahme aller Krakauer^ Lem­berger, Posener und Warschauer Schnell­pressen nicht übernehmen. Sie sind deshall gezwungen, die oberschlesischen Schulen au drei Monate zu schlichen. Wie es mit dem Schulwesen selbst bestellt ist, davon wissen die Posener Deutschen ein Lied zu singen. Unter­drückung der Minderheiten, soweit der pol­nische Adler reicht! 2Iuch in Oberschlesien werden sich die Verhältnisse ähnlich ent» j wickeln. Das ist umso schlimmer, wenn man I daS hochausgebildete deutsche Schulwesen mit dem minöeren polnischen vergleicht. Haben hoch die Polen häufig zu fast unausgeblldeten Menschen g'eisen müssen, bloß nm die not­wendigsten Sckulstellcn zu besetzen. Kultur bin, Kultur her, wenn nur das französische Lieb-

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lingskind, die Polen, die reichen vberschlcsi-1 chen Schätze erhalten.

Man rechnet auch mil ft arten sani -! täten Gefahren. Bekanntlich halte Po­len den polnischen Arbeitslosen versprochen, ie sollten alle in Oberschlesien untergebracht werden, wenn nur erst Oberschlesien polnisch wäre. Run harrt eine polnische Menschen­menge. die sich zumeist aus Menschen nie­derer Sphäre zusammensetzt, in den polnischen Industriezentren des Tages, da die Regierung ihr Versprechen einlöst. Schon jetzt befürch­tet man in allen oberschlesischen Städten eine ungeheure Ueberfüllung. Polen ist nie seuchen­rein gewesen. Wer von Polen nach Ober­schlesien kommt, wer kann es wissen? Eine regelrechte Untersuchung auf Krankheiten, wie an der deutschen Grenze, findet in Polen schon aus Aerztemangel nicht statt. Das alles ist den Polen auch völlig gleichgültig. Der Raub ist gelungen und die Derpolonisierung des reichen Kulturgebietes kann beginnen. v. W.

Derfeierliche" Polen-Einzug.

Flaggenzwang für Deutsche?

Breslau. 20. Zank. Wie aus Oberschle- fien berichtet wird und aus ver chicdenen pol­nischen Dlättermeldungen hervorgeht, planen die Polen, den Einmarsch ihrer Truppen in die ihnen zugesprochenen Gebiet r Ost-Oberschlesiens zu einem pompösen Theater mit Volksreden, Ehrrnkom- pagnien ehemaliger Ausständ scher, symbolischen Humbugatten, Blumengii.landen, festlich beflagg­ten Strafen und ähnlichem Firlefanz auszu- gestalten.

So schreibt derS 0 n i c e S l o s k i" Wer das Einzugsptegrmnm für Kattowitz:

Auf der Drücke bei Sosnowicce werden die Truppen and General Scetycki von dem Woi­woden Rymer und dem bischöflichen Delegierten Korpica begrüht werden. Ein Invalide, der den polnischen Ausstand mitgemacht Hal, wird eine symbolische Kette aus grünen Gewinden brach- schneiden. Umgeben von einem Ehrenbalaillon der Aufständischen, werden dann die Trrppen in Kattowitz einziehen und nm Eingang ter Stadt von dem Ersteri Bürgermeister Gornick begrübt werden. Aus dem Throterp'.ah tri d Korfanty im Ramen der oberschlesischen Bevölkerung den Truppen den Willkomm bieten und eine An­sprache halten, an die sich eine Parade der Trup­pen anschliehen wird. Für ten Rachmittag ist ein Konzert im Kottowitzer Vark und für den Abend eine Vorstellung im Stadttheater geplant.

Zu der Vorbereitung dieses Theaters sollen, wie übereinstimmend berichtet wird, auch die deutschen Bcvolkcr.irgsteile herangezcgen werden und die Ausiorder.lng der Polen an die 'Seit- schen, zur Ausschmückung und zum Beflaggen bei­zutrogen, ist sehr fxLifig von nicht mihz werstehen- den Bemerkungen begl.itet, so dah die Deutschen diese Aufforderung r.ls Zwangsmahn ahme empfin­den und sich durch die erwähnten Bemerkungen für gefährdet holten müssen.

Der Oberschlesische Volksbund hat daher an den Woiwoden von Polnisch-Ober­schlesien, Rymer, ein2.i Dries gerichtet, m dem er den Woiwoden bittet, durch amtliche Bekannt­machung bar.rif hinzuweisen, dah die Beteili­gung der deutschen B:vöikn:ung an der Aus­schmückung der Ortschaften, dem Flaggen und an der Aufbringung von Geldern nur eine durchaus freiwillige sein kann, und dap den Deutschen aus der Richtbeteilrgung keinerlei Rachteile er­wachsen dürfen und werden.

Deutsche Truppen in Kreuzbrrrg und Qberglogau.

Oppeln, 20. Zuni. (WTB.) Der Einzug der deutschen Truppen in die Kreise Kreuzburg und O b e r g l 0 g a u, die dm- deutschen Regierungsgewalt wieder unterstellt find, ist heute vormittag erfolgt. Die Reichs- webrtruppen wurden von der Bevölkerung stür­misch b eg ruht. 3n Kreuzburg zog ein In- santerie-Bataillon ein: ein Reichswehr-Reiter­regiment und eine halbe Batterie Feldartillerie wurden im Kreise verteilt. Die Schutzpolizei ver­sieht bereits den Ordnungsdienst.

(Sine oberschlcsischc Amnestie?

Berlin, 20. Zuni. Die dieP.P.R." hören, finden zur Zeit zwischen dem deutschen Bevollmächtigten Eckardt und dem polnischen Bevollmächtigten Seyda Verhandlungen statt über eine gleichlautende deutsch-polnische 2lm- nestie für diejenigen Oberschlesier, die in der Zeit der Abstimmung von den örtlichen Gerich­ten abgeurteilt wurden in Fällen, die mit der durch die Abstimmung geschaffenen polittschen Lage zusammcnhingen.

Der drohende Marksturz.

Berlin, 21. Juni. Die Mitglieder des Garantieausschusses statteten den Blättern zufolge gestern dem Reichskanz­ler, dem Reichsminister Dr. Rathen au und dem Reichsfinanzminister Dr. Hermes Höflichkeitsbesuche ab. Reichskanzler Dr. Wirth gab hierbei, wie die Blätter berich­ten, seinen lebhaften Befürchtungen vor einem weiteren Mark stürz Ausdruck. Er bewnle. dah bei einer weiteren Abwärts­bewegung der Mark AbwehMahnahmen not«

wendig seien, da sonst alle finanziellen Pläne der Reichsregierung umgewvrfen würden. Die BeratungenmitdemGarantieaus- schuh beginnen heute im Reichsfinanz­ministerium unter Teilnahme desReichsfinanz- ministers Dr. Hermes.

Amerikanische Rückgabe des deutschen (Eigentums.

P a r i s, 21. ;'uni. (WTD.s DieChicago Tribüne" berichtet auS Washington: Die Regierung ist mit der Ausstellung von Plänen betressend die R ü ck g a b e des während des Krie­ges beschlagnahmten deutschen Eigentums beschäftigt.

Das (Ergebnis der Londoner Besprechung.

Poinear^ zu Lloyd Wcorgcs Methoden bekehrt?

London, 20. Juni (WB.» Der Londoner Berichter statte' desM anchester Guar­dian" schreibt, das überraschendste Ergebnis Poincares in London fei vielleicht, tast er in der Zeit bis zu ferner Abreise nach Paris zu ten Methoden Lloyd Georges, dm Diplomatie durch Konfermzen, bekehrt toirte. Es sei wahrscheinlich, dah Italien auf der im Juli in London stattfindendLn Konferenz eben­falls vertreten fcti werde Den Versicherungen P 0 i n c a r 6 s. datz während erneuten Ver­suches einer Verhandlung über die Reparations­frage keinerlei Zwangsmaßnahmen augewendet werden sollen, werde in London grotzc Bedeut mg beigcmcss:n.

Paris, 20. ^uni. IWB.) Heber das Er­gebnis der gestrigen Verhandlungen, die P 0 1 n- rare mit Lloyd George geführt hat. schreibt der ^Temps", die Unterredung hab': bi? Ver­handlungen vorbereitet, bi. zwischen bei beiden Regierungen fortgesetzt würden mb die, da sie sich jetzt auf delikate Probleme bezögen, nur ge­löst werden könnten in einer Atmosphäre der Herzlichkeit. Was die Reparatioi'?n mibetteffc, so habe jetzt d*r Garantieausschutz das Wort. Die Kontrolle sei eine Vorbedingung für die finanzielle Sanierung Deutschlands, aber sie allein sei noch kein genügendes Heilmittel. x3c strenger jedoch die Method? sei, umso klarer werde es, aaf? die Repara tionen u m - fangreicheKreditoperatronenerfor- betten. Wenn man also kontrolliere, habe man noch keine Lösung Die Lösung sindet der ^Temps" nur in einer äutzeren Anleihe. Zweifelsohne könn­ten die Konklusionen revidiert werden, und was gestern unmöglich gewesen sei, könne morgen mög­lich werden. Aber bonn müsse man sich schon von jetzt an darum bemühen, Unmögliches in Mögliches umzuwandeln. Tue man das nicht, dann werde der Versuch der Kontrolle nur ein negatives Ergebnis zeitigen, das h itzt, zu Sank- liousgelegenheiten führen. So berechtigt und not­wendig auch tie Sanktionen in gewissen Augen­blicken sein könnten, so dürften sie doch nicht das Ziel einer Politik fein.

Frankreichs Vertreter im Haag.

Paris, 20. (Juni. lWD.) Die franzö­sische Regierung hat dem Vorsitzenden der Konferenz im Haag mitgetellt, datz sir zu ihrer Vertretung bei den Beratungen ermächtigt die Sachverständigen A l p h e n d und De La­bradel. Diesen Sachverständigen werden toa- tere technische Berater beigegeben.

Eröffnung der ungarischen NaLionalversammlung.

Cin Ansprache Horthys.

Budapest, 20. Juni. (WTB.) Die Ra­tionalversammlung wurde mittags vom ReichLverweser H 0 r t h y feierlich eröffnet. Der Rcichsverweser verlas eine Ansprache, in der er einen kurzen Rückblick aus die Tätigkeit der allen Rationalversammlung warf, die das Hinab­gleiten des Vaterlandes auf die Bahn des Unter­gangs zum Stillstand brachte. Da sie jedoch infolge des Erlöschens des Mandats ihre Ausgabe nicht beenden tonnte, harre der gegenwärtigen Rationalversammlung die Aufgabe, die Ration dem weiteren Fortschritte zur Erreichung der Kontinuität ihrer tausendjährigen Geschichte ent­gegenzuführen und für die Sanierung der schwie­rigen Wirtschaftslage zu sorgen. Dies sei nur bann möglich, wenn die Ruhe und Ordnung endgültig berge stellt wird. Was die äuftcrc Politik anbeheffe, so bestehe die Hoffnung, datz Ungarn bei den Grotzmächten 1 Verständnis und fachliches Wohlwollen bezüg­lich der Regelung aller aus dem Friedensvertrog folgenden Fragen finden werden. Es werde die Aufgabe der Regierung sein, den bauernben Frieden zu sichern und in den internatio­nalen Beziehungen hauptsächlich mit den Rach- barftaaten die notigen wirtschaftlichen Ucberein» kommen zu treffen, damit Ungarn wieder in die Weltwirtschaft eingeschaltet werden könne. Der Reichsrmweser fchlotz feine Ansprache mit dem Ausdruck der Hofsnung, dah die zweite Rational- Versammlung in selbstloser Hingabe und politi­schem Eifer die edle Ausgabe erfüllen werde.

Die Wahlen im Burgenland.

Sauerbrunn. 21. (Juni sWTB.) Run- mehr liegt das Gesamtergebnis der Wahlen vor 3n den Rationalrat wurden geazifat. 3 So­zialdemokraten, 3 Christliche-Soziale. 1 Vettreter des Bauernbundes unb ein Ervhc:euts her. 3n den Landtag entsenden die Sozialdemokraten 13, die Christ lich-Sozialen 19, der Bauernbund 6 unb die Grvddeutjchen 4 Vertret«:.

Die irischen Wahlen.

Dublin, 20. (Juni. (WTB.) Die irischen Wahlergebnisse zeigen, datz die Regierung des Freistaates über eine ausreichende Mehrheit zu Gunsten des englisch- irischen Vertrages verfügen wird. Bisher wurden gewählt: 48 Koalitionisten (Anhänger deS englifch-nnschen Vertrages), 25 Republikaner (Geg­ner des Vertrages), 11 iLnabbangige und fünf Arbeiter 3n Dublin befindet sich unter dem 12 gewählten Abgeordneten nur ein Republikaner

Die (Betreibeumlage.

Noch kein Ergebnis der inter­fraktionellen Besprechungen. Lo'^al- demokratische Pläne.

Berlin, 21. Juni. Die gestrige inter- fraktionelleDesprechung über die Frage der Getreideumlage gelangte zu keinem po­sitiven Ergebnis. Man will erst den Ver­laus der Dusschuhberatungen bis zu einem ge­wissen Abschnitt abwarten und dann wiederum zu einer interfraktionellen Besprechung zusammen­treten.

Wie derVorwärts" betont, werden die Eozialdemokraten weder die Ablehnung noch die Untauglichmachung der Vorlage gestatten, ohne daraus die äutzerstenver^asfungsmLtzi- gen Konsequenzen zu ziehen. Der Ber­liner Bezirksvorstand der SPD. fordert von der Parteileitung für den Fall der Ablehnung der Umlage durch den Reichstag den sofortigen Aus­tritt der Sozialdemokratie auS der Reichsregie^ rung und unverzügliche Volksbefragung durch Rcuwal.len. Der Bezirksverband Grost-Betltn der SPD. beruft für Freitag eine Reihe von Mas­senversammlungen ein mit der Tages­ordnung ,,Die Brotfrage".

Rach einem Dresdener Telegramm desB T." richtete die s ä ch s i f ch e R e g i e r u n g an die Reichsregierung unb den Reichsrat eine Denk­schrift über die zunehmende Teuerung. 3n der Denkschrift Heist? es u. a. Die ungeheure Teuerung der letzten Zeit ist durch feinersei 2obn< unb Gefmllserhöhung mehr völlig auSzuqleichen. Tas bedeutet, datz eine beständige Herabdrückung der Lebensweise der Wirtschaftsschwachen und nur auf Gehalt ober Lohnverdienst Angewiesenen, ftattfinbef. Der Unwille gegen eine solchr un­gerechtfertigte Belastung ist daher im Volke fast allgemein und droht sich bis zur Erregung zu steigern, die zu den schlimmsten Befürchtungen Mr­latz gibt. Die Hauptschuld an der übermätzi- qen Preistreiberei liegt heute bei den Er­zeugern in den weiten Gebieten der ZndustriL und Landwirtschaft. Um die Herabsetzung der Endpreise zu erreichen, mutz deshalb bei den Erzeugern an- gefangen werden. Die Denkschrift befahl sich in ihren einzelnen Kapiteln zunächst mit den Ursachen der Teuerung und dann mit der Steigerung der Lebensmittelpreise, wobei im einzelnen Aohilfe- inahnahmen vorgefchlagen werden Bezüglich des Zuckers wird die Wiedereinfuhr'.ing der Zwangswirtschaft für Inlandszucker gefordert. Bezüglich des Fleisches wird gefaxt, Latz in erster Linie auf eine Preissenkung betnt Viehhalter, insbesondere beim Viehhändler Hin­zuwirten jst. Was Kartoffeln und Getreide an* lancg, so wird erneut das Umlageoerfah- ren gefordert. Zum Schluh fordert die säch­sische Staatsregierung unter Hinweis darauf, daft ein Schieber- und Wuchertum allerübelster Art sich breit mache und am Marke der Bevölkerung zehre, datz die Reichsregierung keineswegs die Singe fr> weiter treiben lasse wie bisher, andern­falls würden schwere soziale Erschütterungen und politische Wirrnisse entstehen.

Aus dem Reictze.

24prozentige Erhöhuttg der Deamtenbesoldungen?

Berlin, 21. Juni, lieber die gestri­gen BearntenbesvldungSverhand- lungen im ReichSfinanMinisterium melden die Blätter, dah bei beiden Parteien darüber Einigkeit bestand, entsprechend dem Anwach­sen der Zndexziffer die Bezüge u m e t w a 2 4 Prozent zu steigern. Die Dertteter der Regierung erklärten aber, datz die Gewährung der Aufbesserung von der Annahme deS A r -- beitszeitgesetzeS durch die Gewerkschaf­ten abhängig gemacht werde. Die Gewerk- schastsverttetcr lehnten dies ab. Aus ihren! Wunsch wurde die Sitzung unterbrochen. Die Spitzenorganisativnen. werden heute über das Verlangen der Regierung gemeinsam bera­ten. Wie mehrere Blätter melden, sollen die Mehraufwendungen aus der neuen Besvl- dungS- und Lohnerhöhung sich apf etwa 30 Milliarden belaufen.

Die Untersuchungen gegen Minister Hermes.

Berlin, 20. Juni lWvllf.) 3m Unter» suchungsansfchutz des Reichstages, der sich mit den Anschuldigungen gegen Minister Hermes befahl, hat bei der Zeugenvernehmung Regierungsrat Dr. D i e b l vom ErnShrungsmini- sterium behmöet, datz da? Wein- und Zuckerrese- rat nur eine bessere örtlich' Zucke"verteilung ohne SvndcrzuWeisung angeregt f>abc Regierungsrat Dr. Hasse habe aber aus politischen Gründen die Sonderzuweifung von Zucker für das besetzte (Gebiet getr ünscht unb sei damit burdjgebrungen 3n tiefer Sondewzuweifung habe der Zeuge keine I Begünstigung erblickt. Ton dem Weiitbezug des I Ministers sei ihm damals weder amtlich noch .privat etwas betamtt geworden^ ö-