Einzelbild herunterladen

foreffe eine ruhigere QUiffa'Tung der durch den !Dertvc»g geschaffenen Sage Platz gret't.

e2lbanti teilt ntii, baß. die russische Dele- igatton beabsichtige, heute einen scharfen Protest gegen das Londoner Memorandum zu überreichen. Dem Protest sei die Forderung auf Anerkennung der Sowjetrepublik beigefügt.

Die TurinerStampa" wendet sich in einem Leitartikel heftig gegen die Ausführungen desCorriere della <5eHa, der ein enges Zu- 'lannnenacbeiten Italiens mit Frankreich gefordert «chatte. Das Blatt nennt eine solche Politik eine vollständige Aufgabe der nationalen älnabhängig- 'fett. In bezug auf den deutsch-russischen CBertrag führt das Blatt weiter aus, daß nach dem £on= doner Memorandum Deutschland nichts anderes iubrtQ geblieben sei, als sich mit den Aussen zu verständigen.

Eine ägyptische Denkschrift an tie Genueser Konferenz.

Paris, 20. April. (WTB.) Havas teilt -mit, daß der Führer der nationalen ägyptischen Partei und Vorsitzende des ägyptischen Komitees von Europa, Ali Kamel Bey. an die Mit­glieder der Konferenz von Genua und an Den Völkerbund ein Memorandum ge­richtet habe, in dem die Hnabfjängigfeit Aegyptens und des ägyptischen Su­dans unter folgenden Bedingungen verlangt wird: 1. Unabhängigkeit Aegyptens einschließlich des ägyptischen Sudans ohne Bedingungen und Einschränkungen: 2. internationale Garantie für diese Unabhängigkeit, zum mindesten unter Be­teiligung der großen Mittelmeermächte: 3. Ein­verständnis der Konferenz mit der dauernden tat­sächlichen Internationalisierung des Suezkanals: 4. keinerlei Kontrolle der ägyp­tischen Finanzen, abgesehen von der öffentlichen Schild: 5. falls die Mächte auf die Kapitula­tionen verzichten, kann das nur zum Vorteil Aegyptens geschähen. Die Wiederherstellung des Friedens in Aegypten erklärt der ägyptische Parteiführer für abhängig von diesen Be­dingungen.

Ein Proteststreik in Irland.

Dublin, 21. April. (Reuter.) Die irische Arbeiterpartei hat einen Aufruf zu einem 24stündigen Streik in ganz Irland für den nächsten Montag erlassen als Protest gegen den Militarismus und dagegen, daß es den Politikern nicht geglückt ist, eine Verständi­gung zu erreichen. Wie es heißt, wird der Streik den gesamten Eisenbahn-, Post- und Telegraphen­dienst in Mitleidenschaft ziehen.

Der U Semet-ow.

Pari s. 20. April. (WTB.) Aach einet Havasmeldung aus Reuyork ist General Seme- now gegen eine von seinen Freunden gestellte 'Staution von 25000 Dollar in Freiheit ge­setzt worden.

Die Teuerung in Oberschlcfien.

Oppeln, 21. April. (WTB.) Die inter­alliierte Kommission erklärte in einer amtlichen Mitteilung, daß die gegenwärtige Teuerung auf wucherische Maßnahmen der Kaufleute zurück­zuführen sei. Sie habe deshalb beschlossen, gegen die Wuchererund Schieber scharf Vor­zug e h e n. Die Kreiskontrolleure seien ange­wiesen, unverzüglich die nötigen Straf Maßnahmen zu ergreifen. Am Schluß der amtlichen Mit­teilung wird die Bevölkerung zur Mitarbeit auf- geforbert /

Zwei Hungerbriese von der WsLga.

LasHilfswerke der Wolgadeutschen" und derVerein der Wolgadeutschen", die in Ver­bindung mit dem Reichscmssch^ßBrüder in Rot" das Hungerelend unter den deutschen Wolga­kolonisten $u lindern bestrebt sind, erhalten dau­ernd erschütternde Briefe von deutschen Fami­lien aus den Hungergebieten. Die beiden Briefe, die nachstehend mitgeteilt werden, sind aus den deutschen Wolgeko'.onien Köhler und Pfeifer. 6t> .geben furchtbare Menschenschicksale wieder. Der erste Brief ist von drei Brüdern an den in Ar- igentinien wohnenden glücklicheren Bruder ge­richtet und zur älebermitttung nach Berlin ge­sandt worden. Er lautet:

Lieber Bruder! Wie arm, wie schrecklich arm die Lage bei uns in Rußland ist, kann auf Papier gar nicht niedergeschrieben werden, es gibt keine Beschreibung, liniere Mutter, Magdalene, ist ver­hungert, der Onkel Adam auch. Dem Onkel Chri­stian seine Frau ist gestern abend verhungert. Die Kinder von 114 Jahre alt bekommen ein­mal gekocht. Die Menschen ft erben vor Hunger laufcnbtoeiS. Bei uns in Köhler wird alles kre­piertes Fleisch von Hunden, Katzen, Pferden gegessen. In den Dörfern über der Wolga waren schwn einige Fälle, daß die Eltern ihre Kinder schlachteten und aßen das Fleisch derselben. Ein Mann schlachtete sogar

DieSakramLnishex.

Roman von Marie K e r s ch e n st e i n e r.

(Aachdruck verboten.)

1. Kapitel.

Unter dem Tiefblau des Sommerhimmels ein Gottesbtumenleppich voll Sa.bcnglut so dehnte sich die Heide hin, soweit man sah. Ueppige Kissen hochblühenden Heidekrauts überall hin- gebettet zwischen die dunkeln Züge der Heidel- bcet[tauben, oder eng aneinandergeschmiegt zu weiten pfirsichroten Matten, gaben den Grund­ton an. lind dazwischen ein Prangen and ein . Flammen von Drümlcr.i in Rot und in Geld und in Blcm, ein Sprossen von blonden Grä­sern wunderlichster Art, ein Wircsal von aller- grünstem Allerlei! Wachhollergestrüpp mit schön­blauen B.e en auf den störrischen Armen, die gelbe Fackel des Ginsters da und dort oder des Fingerhuts purpurne Pracht! Ad und zu ein Birröamn, den flatternden Blätterschleier aus- Tyängenb über den Reichtum zu stimm Füßen! lieber allem die Hochflut des Sonnenlichts, die die Farben der Heide noch bunter, das Geben in ihr noch voller erscheinen ließ als sonst.

3m Aorden tat sich der Wald aus. So sehr die Heide sich auch auflehnte gegen diesen Geg­ner, der sich anmaßte, i./rem Reich eine Grenze zu setzen, auf die Dauer konnte sie feiner ro­busten Kraft nicht widerstehen. Wohl rief sie all ihre Kinder zusammen zu trotziger Wehr und "faribre breite Kecken von Heidekraut noch weit hinein m das grüne Gewölbe. Aber di: hoch­ragenden Kickern, dir, uneroittlichen Hagestolzen gleich, am Waldsaum noch vereinzelt standen.

seine Frau und das Fleisch salzte er ein uno kochte und ah das Fleisch. Zweifle nicht daran, es sind Tatsachen. Dem Onkel Christian seine^rau, die eben erst gestern verhungert ist, war bet mir und als sie nach Hause ging, so stahl sie unsere Katze. Am anderen Morgen ging ich hinaus und wollte nachsehen, ob die Katze nicht bei ihr fei. Fand dieselbe auch, aber nicht lebend, sondern im Kochkessel. Lieber Bruder! Wir, Deine Brüder, schreien zu Dir um Hllfe. Schicke schnell- Produkte, wenn nicht, so verhungern wir alle."

Der zweite Brief tautet:

Infolge Ihres Schreibens vom 15. November d. I. teile ich Ihnen mit, daß Frau Christiana R. aus Pfeifer im Frühling lausenden Jahres vor Hunger gestorben ist. Im Sommer, kurz vor der Ernte, traf dasselbe Schicksal auch ihren Wann und ihren Sohn aus erster Ehe. Dessen Frau lebt noch, aber wenn es keine schnelle Hilfe gibt, dann Üaitn man auch sie mit ihren beiden Kinder­chen aus der Liste der Lebenden streichen. Wenn jemand von den in der weiten Ferne wohnenden Fremden sich interessiert für das Schicksal von Pfeifer ifm gegenwärtigen Momente, so kann man ihm folgende Mitteilung machen. Das erste Opfer des Hungers (direktes Opfer) fiel am 19. Januar 1921. Indirekte Opfer aus großer Entbehrung und Rot waren schon früher. Aber in diesen Fällen ging dem Tode als natürliche Folge irgendeine Krankheit voraus. Direkte Opfer des Hungers, wobei bis 3 Menschen in einem Tage aus einer Familie hinausgefahren wurden auf den Friedhof, zählen wir etwas über 300. Rur das Mitleben kann ei ngenaues Bild unserer Leiden geben. Deshalb ist ein in der gegenwärti­gen Zeit mögliches Beschreiben ganz unnütze. lleberaQ sieht man deutlich ein sicheres Entgegen­gehen dem allseitigen Untergang. Ein unnatür­liches Dahinsiechen ist uns, wie es scheint, be- schieden. Herzlichen Dank für jede Sorge um uns unglückliches armes Völkchen aus einem Blute."

Was können Worte dazu sagen. Rur schnel­les Handeln kann hier nützen. Das Deutsche Rote Kreuz, das die Hilfsaktion bei den Deutschen in Rußland ausführt, hat die Gewähr geschaffen, daß alle Transporte unversehrt anfommen und in die richtigen Hände gelangen. Spenden neh­men auf Konto ..Reichssammlung Brüder in Rot" alle Banken und Postanstalten, die Preußische Staatsbank (Postscheck Rr. 101391) und die Reichssammlung selber (Postscheck Berlin RW. Rr. 65 600) entgegen.

Aus dem Reiche.

Eintreffen des neuen am-rrik?.nifchsn Dot- schaftsrs in Berlin.

Der amerikanisch: Botschafter H o u g h t o n, her gestern in Berlin eingetrorfen ist, erklärte Pressevertretern: Es bereitet mir ein großes Ver­gnügen, wieder in Berlin zu weilen, wo ich vor vielen Jahren als Student war. Von Zeit zu Zeit kehrte ich nach Deutschland zurück und wio- metc den deutschen Angelegenheiten mein größtes Interesse. Daher sehe ich mit Zuversicht meiner Tätigkeit als offizieller Vertreter meines Landes in Berlin entgegen.

Die KarLoffLlbewirtschaflung.

Berlin, 21. April. Die angekündigte Be­sprechung der deutschen Ernährungsmini- st e r über bi? Kartoffelbewirtschaftung fand lautLokalanzeiger" gestern in Berlin statt.

Landarbsiterstreik.

Berlin, 21. April. Beim Beginn der Frühjahrsbestellung sind in verschiedenen Gegenden Deutschlands die Landarbeiter in den Streik getreten. Deutschnationale Abgeord­nete haben daher im Reichstage eine Anfrage eingebracht, in der gefragt wird, ob dir Reichs­regierung im Interesse der Sicherstellung der Vollsernährung bereit ist, dir landwirtschaftlichen Betriebe durchweg als lebenswichtig zu erklären, die Testellungsarbeiten als unaufschiebbare Röt­st andsarbeiten anzuerkennen, dir Technische Rot- hllfe cinzusetzen und den Schutz der Arbeitswil­ligen durch Schutzpolizei oder Militär ausüben zu lassen.

Kapp zu einer Operation im Krankenhaus.

Wie die ^Voss. Ztg." aus Leipzig berichtet, ist in dem Befinden Kapvs eine weitere Ver­schlechterung eingetreten, so daß eine Ope­ration zur Beseitigung einer Geschwulst am Auge ungesäumt vorgenommen werden muh. Das Reichtet icht hat deshalb in die Ueberfüh- rung Kapps in ein Krankenhaus eingewil­ligt. Diese ist gestern abend unter Aufrechterhal­tung der Untersuchungshaft vorgenommen worden.

Aus.Hessen.

Förderung des juristischen Nachwuchses.

Das Verständnis der theoretischen Universi- tätsvorlesungen wird den Rechts studier en­den dadurch erschwert, daß ihnen jede Vorstel­lung darüber fehlt, in welcher Weise sich die Handhabung des Rechts vollzieht, und in welchen Formen die in den Vorlesungen zur

schloßen sich allmählich tiefer zusammen, Tannen und Fichten gesellten sich ihnen zu und je mehr der Wald an Pracht und Fülle gewann, desto kleinmütiger duckten sich die sonnendurstigen Heidekinder, desto seltener sah man etnzelne wage­mutige Sträuchlein noch weiter bringen. Die Heide unterlag und hinter ihr breitete der Da- kramentswald feine tief grünen Mas en aus.

Da, wo der Cldderg f.inen breiten, befor­steten Rücken den Rordstürmen zum Trotz er­hebt, begann das kleine Heidedorf. Als eine langgestreckte Ansiedlung buütea sich die ver­streut liegenden Hütten in d-n Schatten von ein paar Ru.chäumen, ci ifam, westabges^iden, von den großen und kleinen Vertehrsstr atzen des Landes to i.ab.

Diese Ansiedlung wurde beherrscht von einer Ruine, die ehemals eine Burg gewesen fein mochte, die von der isolierten und jäh auf steigend en Hügelkuppe aus, auf der sie stund, gewiß ein­mal recht herrisch ins Land gesehen hatte We­nigstens war das, was Feuer und Alter von ihrer einstigen Herrlichkeit übrig gelassen, noch eiirdrucksvoll genug, wenn es auch nichts weiter war als ein Gemäuer, das an einem Ende in eine Zinne ausließ und die U&jerteile eines Walles, der die Bu g früher umfried et haben mochte. Jetzt hatten menschliche Hände diese Reste nuvbat gemacht. Dir Zi.rne war zum Dlocken- stuhl geworden, in dem sich em helltönendes Glöcklein schwang. Sie trug eine altertümlich enmatenbe cklhr, unter der ca3 hallzylindrllch: Dach eines neu angebauten Kirchleins vorspra>:g. Das Mauerwerk mit dem Turmbau, über das dir Jahrhunderte einen dichten Eeuinantel gewor­fen hatten, war an der dem Kirchlein entgegen»

Erörterung gelangenden RechtsLinrrchtungLN praktisch in die Erscheinung treten. Es wird daher den Rechtsstudierenden von Rutzen fern, wenn sie einen kurzen allgemeinen Einblick in die Tätigkeit der Gerichtsbehörden, sowie in den Gang und die Art ihrer Geschäfte erhalten. Hierzu erlcheint es praktisch, daß sie einigen Terminen in Zivil-, Dormundschafts- und Strafsachen als Zuhörer beiwohnen, und daß sie durch Vorlegung geeig­neter einfacher Prozeßschriften aus erledigten Akten, des Grundbuchs und der hauptsächlichsten Register einigermaßen unterrichtet toerDäi. Die beste Zeit zu dieser Act Anschauungsunterricht, der jedoch nur für Studierende in der zweiten Hälfte ihres Studiums in Betracht fonunen kann, ist die Ferienzell zwischen zwei Semestern, die hierfür geeigneten Stellen sind vorwie­gend die kleineren Amtsgerichte.

Das hessische Justizministerium empfiehlt daher den Justizbehörden, in der oben angegebenen Richtung das Erforderliche zur För­derung des juristischen Rachwuchses beizutragen, und weist darauf hin, daß Gesuche von Rechts­studierenden um Zulassung zu einer der­artigen Unterweisung an die Landgerichts- Präsidenten zu richten sind.

Drr 1. Mai in Hrssen.

* Darmstadt. 20. Ap il. Das Gesamt­ministerium hat beschlossen, für die Teilnahme von Beamten, Angestellten und Arbeitern an der Feier des 1. Mai Die v o m 2t: ich er­gangenen Vorschriften wie folgt auch für den Volksstaat Hessen gelten z.i lassen. Hiernach haben Beamte, Angestellte and Arbeiten, welche w:gen der Teilnahme an der Feiei des 1. 21lai dem Dienst oder der Arbeit sernblciben wollen, rechtzeitig bei dem Dienst- vorgesctzten am Befreiung vom Dienste nach- zusuchen. Solchen Anträgen ist grundsätzlich über­all Insofern zu entsprechen, als dadurch die not­wendige Fortführung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt wird. Bei 'der Entscheidung über derartige Gesuche soll nicht engherzig ver­sah ren werden.

- ,, ..gaafrtsEs»--»

Aus StaM und Lomd.

Gießen, den 21. April 1922.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 13. April der Studienrat am Ludwig-GeorgsGymnasium in Darmstadt Dr. Adam H e u h e l zum Studienrat an der Clev- norenschule in Darmstadt mit Wirkung vom 24. April 1922 <tb. Ernannt wurde am 15. April der Kanzleigechlfe August Hecker zum Kanzlei- assistcnten bei dem Landgericht der Provinz Star- Lcimburg. er nannt wurde am 19. April der Sch ulamtsanwarler Franz K o s e r aus Rieder- Roden zum'Lehrer an der Volksschule zu Rieder- Roden, Kreis Dieburg. Entlassen wurde am 11. April die Lehrerin Charlotte Forschner zu Bad-Rauh eim au, ihr Rachsu hen mit Wir­rung vom 1. Mai 1922 ab aus dem Schuldienst. In den Ruhestand versetzt wurde am 15. April der Ctudienrat an der Realschule zu Michelstadt Karl Rouge auf fein Rach suchen unter Anerken­nung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 24. April 1922 an.

** Der Wochen markt beginnt vom Samstag, 28. April, ab morgens um 7 Uhr.

** Der klassische Lustspiel-Abend der Gießener Waldbühne fand gestern im Kath. Dereinshaus seine Wiederholung. Die beiden Lustspiele,Die Wette" von Goethe undDer Vetter aus Bremen" von. Körner, gingen in der gleichen Rollenbesetzung über die Bühne und fanden wieder reichen Beifall, der ehrlich verdient war: denn die jugendlichen Darsteller standen in ihren Leistungen nicht hinter der Erst- aussührung zurück, sondern zeigten größere Sicher­heit im Auftreten. Die Pause zwischen den beiden Lustspielen wurde diesmal durch Tanz- c in tagen auSgesüllt. Die elsässischenTänzr, an denen sich vertriebene Elsaß-Lothringer und Mitglieder der Waldbühne beteiligten, muhten unter begeistertem Beifall wiederholt werden. Tanzlehrer Theodor D ä u I f c erntete einen vollen Erfolg: denn die Ausführung der Tänze, die von Hans Sonntag am Klavier begleitet wurden, ließ rcinerlei Mängel in der Einstudierung er­kennen. Das anmutige Bild gewann sehr an Reiz durch die geschmackvolle elsässische Tracht. In Anbetracht des guten Zweckes der Veranstaltun­gen ist es besonders zu bedauern, daß der Saal nicht noch besser 'besetzt war. tr.

tt. Oberhessischer Bienenzüchter- verein. Zu dem gestrigen Bericht über die Aus- schußsihung des Oberhessischen Bienenzüchter- Vereins ist berichtigend zu bemerlen, daß das Ge­holt des Rechners nicht auf 7300 Mk., sondern caf 500 Mk. festgesetzt wurde.

Lageskalender für Freitag, ©tobttheaf-"- 7 $tbr- ., lieber den Wallern" Astoria-Lichtspiele:Das Panzergeschoß", 2. Teil, L'ie <?)cuxu uiocr Willen' unuDie Aben- teurerin von Monte Carlo"

gefegten Seite zu einem regelrechten Wohnhaus ousgebaut. Die Reste des Burgwalls waren ge­schickt auf genügt für landwitschastliche Räume alle^b'scheiecnster Art. Das Danze fmalerisch reizvoll aus, wenngleich ein wenig sonderlich. Auf jeden Fall hatten ihm die Dörfler mit der Bezeichnung diePfarrburg" den zutreffmdsten Ramen gegeben.

Der Pfad aber, der sich zu dieser Pfarr­burg emporwand, war sonst Wohl nur des Sonn­tags, wenn man zur Messe ging, so vielbetreten, wie heute. Scharenweise eilten die Heidedorfle.r aus ihren Hütten herbei, streiften das schwere Schuhwerk ab, um auf den Socken in die Stube zu schleichen, in der der Seelsorger des Dorfes, Pfarrer Adalbert Schlosser, auf der Bahre lag. Still, wie et gelebt, war er aus dem Leden ge­gangen. Weder Krankheit noch Siechtum war seinem Tode bcrauSgegangen. Der Brief, an Dem er eben geschrieben hatte, sollte nicht be­endet werden, die Feder war seiner Hand ent-* glitten, - so hatte ihn Christine, die langjährige Magd, gesunden.

Zu Gruppen zusammengeschlossen standen a rf der einen Seite des Sarges die Männer, auf der andern die Weiber. Man sah's, die Plötzlichkeit dieses Todes ergriff selbst das träge Gemüt der Heidedörfler. Sie hätten ihren Pfarrer gern noch eine Welle behalten

Zwar hatten sie ihn einen tollen Heiligen gescholten, als er vor langen Jahren, ein ganz lunger Mensch, ins Hck edorf gekommen war, um ihre trostlose Einsamkeit mit ihnen zu teilen. Denn dies hatte Christine, die er mitgebrachr Mtte sie war schon bei des Pfarrers Eltern Magd gewesenjedem eindringlich unter Die

'S i e (Siebener Frauenveretne (Vereinigung Freundinnen junger Mädchen) hat für Samstag, den 22. ds. Mts., Frl. Th. Aeineck, Generalllkretärin der deutschen Bahnhofsnstssion, für einen Dortraa gewonnen. (S. Anzeigentell.) Bei der heutigen Auswanderungslust ist die Sorge für die reisende Jugend eine Pflicht für jeder­mann geworden.

LZauLkreis Greften.

' Weickartshain, 20. April. Am. Oster» samstagnachmittag ereignete sich hier ein Un­glück. Ein sechsjähriger Junge spielte im Hofe, indem er mit einem Hammer Steine zerschlug. Plötzlich gab es bei dem spielenden Knaben eine starke Sprengung und blutüberströmt fanden ^hn seine Angehörigen, die in demselben Hofe be­schäftigt waren, am Platze liegen. Im Gesicht, an beiden Händen und am Unterschenkel zeigten sich starke Derwandungen. Auf (Befragen gab Der 3-ingc an, er hätte von einem anderen Knaben ein Röhrchen bekommen, auf das er geschlagen hätte. Der andere Junge, Der bei Der Sprengung nicht mehr anwesend war, erzähllr, daß sie dicht am Spielplätze hinter einem Stein­haufen dieses Röhrchen gefunden hätten. An Dem einen Ende hätte es einen gelben Knops ent­lasten. Man vermutet, daß es eine Spreng­patrone mit Zünder war, wie sie zu Erd- sprengungen vielfach verwandt werden.

Kreid Schotten.

tz. O b e r - S e c m e n , 20. April. Hier wurde dieser Tage der älteste Bewohner unseres Ortes und wohl Der ganzen Amgegend, der Eiscn.händler I. Bing, zu Grabe getragen. Der Verstorbene erreichte em Alter von 93Iahren.

a. Ober-Lais. 20. April. Die Vergebung der Ausführung des Denkmals für b i c Gefallenen unserer Gemeinde ist nunmehr an eine Gießener Firma erfolgt. Die Einweihung wird voraussiHtlich im Sommer stattfinden. ^Mit der Einweihung soll auch die Glvckenweihe 'ver­bunden we'.'den. Am zweiten Oftertag wurden in der Kirche zu ülnkerlais zwanzig Kinder unseres Kirchspiels konfirmiert.

Kreis Büdingen.

)( Ortenberg. 20. April. Am 2. Oster» feiertag wurden 21 Konfirmanden in der hicsiaen Kirche eingesegnet, Der Gottesdienst wurde durch zwei sehr klangrein vorgetragene Chöre Der Konfirmanden verschönt. Am 1. Feiertag trag der Kirchengesangverein den schönen Chor ..Du 5riebefürft, Herr Jesu Christ" vor. Sämtliche Gottesdienste an Den Feiertagen waren sehr stark besucht. Die schöne Witterung vor Ostern hatte eine große Zahl Festgäste und Wanderer in unser Städtchen geführt, leider verregnete jedoch Der 2. und 3. Feiertag voll­kommen. Am ersten Feiertag nachmittag traten der Fußballklub Germania und Sportverein Bergen zu einem W e 11 f p t c l an, das mit 4:1 für die Gäste endigte. Dem schönen und inter­essanten Wettspiel wohnte eine große Zuschauer- menge bei, die das Spiel mit großem Interesse verfolgte.

Starkenburg rrrrd Nbeinhefsen.

rm. Weiterstadt, 20. April. Großes Aufsehen erregt die durch Die Staatsanwalt­schaft vorgenommene Verhaftung des etwa 55 Jahre alten Rektors Wilh. Schmidt dahier wegen Sittlichkeitsoerbrechens. Sch. ist beschuldigt und zum Teil auch geständig, sich an seinen Schulkindern in unsittlicher Weise vergangen zu haben. Er ist schon eine Reihe von Jahren in Weiterstadt tätig, verheiratet, besitzt auch schon verheiratete Kinder und genoß großes Vertrauen.

rm. Babenhausen, 20. April. Mil­lionengeschenk. Der Wert des an die 530 Ortsbürger Der hiesigen Gemeinde überwiesenen L o s h o l z e s stellt einen Wert von über einet Million Mark Dar. Die Gemeinde hat außerdem etwa 1000 Raummeter Brennholz an Minder­bemittelte zum Preise von 63 M7 das Raummeter abgegeben, was einen Wert von etwa 400 0M Mk. ausmacht.

Hefsea-Nassau.

Gisenbahnräuber.

fpd. Frankfurt a. M, 20. April. Rach langen Bemühungen gelang es der Polizei, die Diebesbande zu überraschen, die seit Monaten umfangreiche Diebstähle in der Eilgüterabferti­gung verübt hatte Es handelt sich um einen Eisenbahnhilfsarbeiter und sechs Arbeller. Die Bande fand für die gestohlenen Sachen bei dem Spediteur Philipp Schroth Hierselbst einen willigen Abnehmer. Schroth wurde gleichfalls verhaftet. Der Wert der in den langen MonatNl gestohlenen Sachen ist sehr bedeutend.

Gin Mord in der Rhön.

spd. FUlda, 20. April. Der Streckenläufer Albin Grell wurde am Einfahrtssignal bei Rent- Wertshausen von einem bisher nicht ermittelten Täter durch zwei Revolverschüste getötet. Man nimmt an, daß die Arsache in einer Feindschaft mit einem Verwandten, mit dem Grell wegen Dermögensauseinandersetzungen in Streit lag, ,yi suchen ist.

Rase gehalte,daß ihr Herr Die wohldotierten Pfründen verschmäht, um hilfsb<ck>ürftigen Men­schen aus freien Stücken Gutes zu trn. Sir hatten argwöhnisch Den Kopf dazu geschüttelt, denn so viel Selbstentäußrrung war ihnen Der dächlig erschienen. Schließlich aber war ihr Miß­trauen an des Pfarrers grundgütiger Liebe zu­nichte geworden.

Die alten Dörfler mochten llch noch Daran erinnern, was DaS Heidedorf vor fünfzig Jahren gewesen war, bevor Pfarrer Schlofier feine Menschenfreundlichleit Da an erprobt hatte. Ein Schlupfwinkel Der Erde, von Dem draußen in Dei weiten Welt lein Mensch etwas wußte. Damals hatten sie stundenlang durch Den tiefen Sakra» mentswald gemu'ck, wollten sie das Wort Gottes hören .tlnD weil Die nächsterreichbare Schule ebensoweit weg tor.r, bitte teiner Der Dörfler jemals fine Schule besucht. Klägliche ^Verlot­terung aller Lebensverhältnisse. Der geistigen, wie Der leiblichen, das war das Los des Heidedorfes dazumal gewesen. Jede Llnze Kultur, Die seinen Bewohnern inzwischen zugelommen war, ver­dankten sie ihrem Pfarrer. Mit persönlichen Geld­mitteln hatte er ihnen aus der Burgruine Kirch­lein und Pfarrhaus gestaltet, hatte in langen Jahren entsa.u givoller Arb it aus ihren ver­lotterten Hüttc-n menschenwürdige Wohnstätten ge­macht, hakte ihre Kranken gepflegt und ihre Kin­der beleh t, hatte grschlichtet und gerichtet, tot sich die Allen in den Schlingen ihres Tempera­mentes verstrickt hatten.

(Fortsetzung folgt.)