Nr. 44
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(72. Zahrgang
Dienstag, 21. Februar 1922
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: Vrühl'sche Unlv.-vuch- und Stelndruderci B. Lange. Zchristleitung. Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.
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Erfüllungspolitik und Schuldfrage.
Herr Scheidemann hatte in dem von uns bereits zitierten „Vorwärts"-Artikel auch an- gedeutet, daß das Ende der „Erfüllungs- Politik^ jetzt gekommen fei, da wir vor dem sicheren Ruin Deutschlands ständen. Wir find, so sagte der sozialdemokratische Führer, drauf und dran, „unsere gesamte Volkswirtschaft zu ruinieren, ohne daß Dir den Anforderungen genügen können, die von der Entente an unser Volk gestellt werden". Er sieht uns „hart an der Grenze, über die hinaus wir nicht gehen können, wenn wir in dem Willen, die latente zu befriedigen, unser Doll nicht vollkommen der Verelendung entgcgenführen wollen". Aber weil die Lage so sei, habe er eS begrübt, dah Wirth am Ruder bleibe, denn wenn dieser der Entente gegenüber jetzt eine entsprechende Erllärung abgäbe, so habe diese für das Ausland einen ganz anderen Wert, als wenn sie etwa von einem Kabinett Heisse- rtch komme.
Wir werden also gespannt darauf sein müssen, was das Kabinett Wirth jetzt unternimmt. 3n dem Ruf nach „Besitzsteuern" sieht auch Scheidemann nicht mehr das Heil, denn so gesteht er endlich zu. das sei „keine so einfache Sache", wie man sich'S vielleicht denke. Letzten Endes spürt sie — darauf haben wir immer hinqewiesen. das gesamte Doll. 3m Zusammenhang mit SchcidemannS AuSfüh- rungen ist nun eine Warnung an die Regierung von groher Bedeutung, die von Dr. Ernst Müller-Meiningen, dem bekannte demokratischen Mitglied des bayerischen Landtags ausgeht. Er veröffentlicht einen Artllel ..ErfüllungSpolitik und Schuldfrage", der die wetteste Derbreitung verdient und den wir unseren Lesern ausführlich wiedergeden wollen. Müller - Meiningen schreibt:
Dr. Waller Rathenau ist kürzlich zum Reichsminister deS Aeuhern ernannt worden d. h.
ist der Mann, der diesem ganzen Kabinett überlegen den Stempel feiner Dersönlichkcit seit Ungern aufdrückte und längst, statt Wirischafts- polmk, 5uf)ere sog. .große Politik' trieb (soweit nun dieS von der leider nur passiven Rolle unserer Reichspolttik noch sagen kann), an die Stelle gesetzt worden, die er tatsächlich feit Monaten führte. Doch von Herrn Rathenau. dem ewig wandelbaren, faszinierenden Wirischatts- lünstler. soll hier nicht mehr als nötig die Rede fein. Ist e-8 richtig, dah der französische Wiederaufbauminister Loucheur, der Sieger von Wres- baden, den Ausspruch tat — übrigens vollkommen analog den begeisterten Aeuhcrunoen der französischen Presse über Herrn Dr. Wirth als Reichskanzler —: „Rathenau ist das Beste, was Deutschland uns bisher geschickt hat", dann wäre fcamlt das Mißtrauen, das ihm weite Kreise cntgegenbrtrtgen, leider mehr als nötig begründet. Doch soll man einen kommenden oder seine Arbeiten beginnenden Minister stets nur nach seinen T a t en, nicht nach seinen vorhergehenden Reden beurteilen. Taten sind heute einem deutschen Minister des Aeuhern freilich schwer genug gemacht. Aber was sind heute noch Worte? Mündliche oder schriftliche? Was auf Sielzen da der schreit ende kniffliche De-abredungen über Leistungen von denen jeder 'Ehrliche von selbst überzeugt ist. dah man sie nicht leisten kann? Frei- llch. wir haben so oft vor der ganzen Welt erklärt. — ich erinnere an Paris und London — dah wir „unmöglich erfüllen" können, dah es unmoralisch, ja verbrecherisch sei. die eigene Wirtschaft zu erschlagen uni) das eigene Doll zu verruchten usw., und wir haben doch erfüllt oder wenigstens versucht, zu । erfüllen. Immer wieder von neuem 1 Tlnd das Resultat? Drrlust von Ober- Schlesien. katastrophaler Zusammenbruch unterer Währung. Dazu immer grohere Rot unserer breiten Schichten des Dolles. Derzweillung der Invaliden. Qoslatrentner, der Kriegshinterbliebenen, der kleinen Rentner. Wir haben ja erfüllt oder wollen erfüllen! Wir haben nicht mehr das Geld, um der furchtbaren Gefahr der erschreckend um sich greifenden Seuchen entgegenzutreten. Hunderttausende von Tuberkulo'en verkommen und drohen weite Kreise anzustecken. Wir könnea nichts für sie tun. iln'ere Wohltätigkeitseinrichtungen von früher sind teilweise bereits zufammen- gestürzt, der Rest droht zusammenzub-ochen. Wir erfüllen ,biS an die Grenze des Möglichen"! W a S t ft das „M ög l i che" ? Allmählich ein böfes Wort, da ,e£ Selbstvernichtung bedeutet! Wir müssen die Reichszulagen zur Drvtverbilli- gung ein stellen. Eine ungeheure Teuerungswelle steht uns unmittelbar bevor, Hafer Beamten- und Arbeiterstand bedroht (eine naturnotwendige Folge dieser bewußt unerfüllbaren Bedingungen!) das Reich und den Staat mit unübersehbaren Forderungen, die die Mark noch gar wertlos machen und alle Bemühungen, unsere Daluta in Die Hohe zu bringen, völlig ad absurdum führen! Änd Herr Dr. Rathenau wie De. Wi th wissen zwar, dah die Erfüllung auch der neuen Anerbietungen unmöglich ist. — auch trotz ter Steuerhäufung, die nach Sem Srzbergerschen Finan;ban7e eott ein neues Fiasko ergeben wird —, aber sie wollen »das Aeuherste" mit den krampfhaften Bemühungen zur Erfüllung vermeiden! Vermeiden gegenüber französischem Sadismus. dessen Absicht es ist, dah wir In der Llnmvglichkett der Forderungen zugrunde gehen!
Die früheren Gründe der Zurückhaltung (06er- chlesien und die Sanktionen) sind heute mcht mehr mah gebend.
So kommen wir zu einem Zustande, der. wie ich fürchte, auf lange Frist den moralischen Wiederaufstieg des deutschen Dolles unmöglich macht. Was der Schreiber dieser Zeilen seit den Iuni- tagen 1919. als wir das wahnwitzige Diktat von Versailles unterschrieben, „um daS Aeuherste zu vermeiden", als schlimmste Folgen dieser Politl! der Erfüllung und Zeitgewinnung ansah das erkennen jetzt wette Kreise, gedrängt von den Tatsachen. endlich mehr und mehr an: Die g route Gefahr einer Politik, die nicht zu sagen wagt, dah dieser Weg mit der Grundlage der teuflischen Erpressung eines lügenhaften Schuldbeleintnif es beseitigt werden muh. wenn Europa nicht zugrunde gehen soll, ist die moralische und nationale Der- lumpung der Massen. Diese haben ja Papiersehen jenug zur Hand! Was schert sie das Land, was !>as Reich? Sie tarnen und geniesten das Leben. Das Reich macht ihnen das Fortwursteln vor. WaS fragen sie nach dem Morgen, das Heute genügt Der ganze furchtbare Ernst der Lage kann und darf den Massen nicht länger erspart werden. Unb wenn's um alles ginge! Konkret gesprochen: Das Reich, die Reichsregierung muh endlich den Mut haben, amtlich und vor aller Welt der Entente das zu sagen: _ Dieser sogenannte Vertrag mit seinem Geständnis der alleinigen Schuld Deutschlands, auf Grund dessen man sogar wagt, sämtliche Renten aus dem Kriege Deutschland aufzubürden, muh als e r p r e h t und erlogen revidiert oder aufgehoben werden! Alle anderen Versuche, das Chaos abzuwehren, sind umsonst, sind Zuckungen, bei denen das deutsche Boll, die deutsche Wirtschaft und der neue Staat mit feinem an sich bösen Erbe nur immer mehr erkranken! Man lasse sich nicht durch die ,e lichrn For schritte im Wirt'cst f -l:' et täuschen! Sie vermehren schllehlich nur die Verzweiflung Über den Miherfolg aller ehrlichen Bemühungen, aus dem Sumpfe unmöglicher Lasten herauszu- kvmmen. An die Stelle unmöglicher Bedingungen andere unerfüllbare zu sehen, ist ein Verfahren, das unS immer von neuem ins Tlnrecht seht. Die Schuldfrage aber darf nicht länger aus innerpolitischen Gründen, deren Schwere ich bei der verfluchten Kurzsichtigkeit unserer Radikalen nicht verkenne, aufgeschoben werden. Esmuhendlich gehandelt werden! Das Material häuft sich zu Bergen, fast kein Tag vergeht, an dem nicht vor allem aus russischen Quellen neue Beweise für Ruhlands und Frankreichs Schuld erstehen. Die ganze brutale, chauvinistische Verlogenheit des jetzigen französischen Ministerpräsidenten tritt Plastisch zutage. Die privaten Arbeiten, die durch Ausschüsse, Parteien und Privatpersonen auf dem Gebiete der Klarstellung der Schuldsrage geschehen, sind hvchverdienftlich. 3ch freue mich, dah vor allem auch die Deutsche demokratische Partei fuh- renb an dieser grössten Aufgabe deutscher Politik teilnimmt. Zwanzigbändige Werke nützen freilich gar nichts! Auch die Aufklärung durch einen guten zusammenfassenden Band, so notwendig sie ist, entscheidet nichts. Der Ausländer — auch der deutschfreundliche — sagt uns immer wieder: „Was hilft euch und uns dieser Eifer. Solange eure Regierung das Schuldbekenntnis aufrecht erhält, d. h. offiziell nicht zurückgenommen hat, bleibt ihr die allein Schuldigen" Und damtt bleibt der unselige Versailler .Vertrag". Laht dann alle Hoffnung auf Revision schwinden! 3e länger die Reichsr eg ie r un g mit diesem großen Pronunzia- miento an die ganze Welt zuwartet, desto schwerer wird die Wiedergutmachung dieses unverzeihlichen Fehlers der Vergangenbeit, desto unmöglicher wird die Revision des Versailler Friedens in einem für uns wirklich erträglichen Sinne. Die unverbesserlichen Optimisten von Spa, London. Paris. Cannes und Oberschlesien sehen jetzt nach Genua: „Haben wir nicht in diesem Steuerwerk Gröhes, Menschenmögliches geleistet?" 3ch frage dagegen: Hat eine Partei bei der Zurechtstuhunq dieses Stück- und Flickwerkes, das das Schicksal der Erzbergeri chen Finaiazreform" finden wird, mit dem nötigen Rachdruck auf die einzig wirkliche sachgemähe Lösung des Steuerprvblems, die Aufhebung des Versailler Vertrags, hingewiesen? Ich freue mich, dah mit Energie der Berliner „Demokratische Zeitdienst" endlich die Frage anpackt, indem er aus- spricht: „Weil unsere Regierenden flch über die Schulden bzw. die zur Deckung der Schulden nötigen Steuern den Kopf zerbrechen müssen, finden fie keine Zeit, sich mit der Frage der Schuld zu hesassen", und weiter: „Es ergibt sich der groteske Kreislaus. dah die Schuldenfrage immer hoffnungsloser wird, je weniger in der Schuldfrage geschieht, und dah auf der anderen Seite die Schuldfrage von der Entente immer mehr propagiert wird, je schlimmer es um die Schuldenfrage steht." Das wirtschaftliche Elend wird schllehlich die Reichsregierung zwingen, den Kernpunkt der ganzen Revisions-Politll und damit der ganzen deutschen Polttll überhaupt anuigreifen. Wenn e s nur nicht dann zu spät wird! Wenn nicht schllehlich die Massen, durch den H mger und die Rot getrieben, in einer Weise die Lösung der Frage in die Hand nehmen, vor der es auch die Herren in Berlin grauen sollte! Können wir das Dertrauen zu dem neuen Minister des Aeuhern haben, dah er diese „grohe Frage" deutschen Eri- stenzkampfes. die vielleicht auch für die Republik die Lebensfrage werden wird, amufaffen wagt, — selbst auf die Gefahr hin, dah Frankreich uns noch brutaler behandelt? Ist das überbauet möglich? Behandelt man dort nicht an flch das Diktat von Versailles als wertlosen Fetzen ! Papier! Was hat Rathenau bisher erreicht, um I die völlige Rechtlosigkeit des Rheinlands auch nur
einigermaßen zu bannen? ilnb geschieht nicht dasselbe jetzt in Oberfchlellen gegenüber Polen? Wer freilich schon als „Erfolg" darüber jubelt, dah man überhaupt mit uns verhandelt — mit dem hört jede Untergattung über Recht und nationale Würde auf. Unb an die Frage der Schuld reiht sich logisch jene der andern „S ch u T b der Kriegsverbrecher"! Die Fraae. die heute von Mund zu Mund läuft die nich' schweigen will: „Ist es richtig, bist ein grohes Werk mit den Kriegsverhrechen unserer Gegner bereits völlig fertiggestellt war. — aber aus Gründen der höheren Politik vernichtet tourbZ? ‘ ist sicherlich zu verneinen. Ich nehme als sicher an. bah die Reichsregierung nur aus Gründen der ä he ei Politik mit dem gewichtigen Material, das s.e wie wir wissen, besitzt, noch zurückhält. Wann wird sie aber diese „Gegen 1 i st e" der Welt überreichen? Sollte Poin ar; auf fe ner Sadisten- Idee von der Auslieferung deutscher Krieas- genossen bestehen, die (wie ich trotz meines Peisi- mismus tjofre), den einmütigen Widerstand a.ler Parteien findet, denen aa der Erhaltung der deutschen Einigkeit wirklich etwas gelegen ist, bann wäre bie zwölfte Stunde da. in der endlich auch hier der Welt die Wahrheit enthüllt werben mühte. Längst hätte es geschehen müssen. — bas Motiv war basselbe. toiffcntoS ben Hast des in Waffen starrenden Feindes nicht noch mehr zu e-regen. Vergebliches Bemühen! Der einzelne mag sich selbst um alles, um Existenz, um Leben und Ehre bringen — für ein ganzes grohes Voll hat niemand — aber gar niemand das Recht dazu, so zu handeln! Das wirb auch der neue Minister des A.ustern bedenkm! Die Rachwelt, unsere Kinder und Kindeskinder, we den einstmals strenge Richter unseres Heullien Tuns sein! Rur entschlossener Wille, lleberwindung der Partei- scheullappen und mutige Vertretung un eres guten, von der Entente schnöde und fast täglich vergewaltigten Rechts können uns und die Demokratie in Deutschland, in deren Interesse och diese Zeilen schreibe, retten! Die Reichsregierung muh endlich aus biem verhängnisvollen circuluS vitivsus heraus, in dem sie und das Reich — und was mehr ist, daS deutsche Voll — zu verderben drohen.
„Dentschsand
und der Friedensvertrag".
B e r l i n, 21. Sehr. Gestern nachmittag wurde in Berlin die von der Liga zum Schuhe deutscher Kultur ve an stattete Ausstellung „Deutschland und der Friedensvertrag" eröffnet Der Vorsitzende der Liga, Dr. v. Berg, betonte in seiner Begrühungsansprache. bab bie Aarsstellung über den Parteien stehend und jeglichen Revanchegedanken auZscha'tend, den Zweck verfolge, ben noch so wenig bekannten F lebens- ve trag von Versailles unb fetre wirtschaftlichen Folgen für Deutschland in Vortrag. Bild und Film zu seinen. Die Ausstellung enthält u a zahlreiche in Zusammenarbeit von Politikern. Volkswirtschaftlem und Künstlern hergestellte Tafeln, die in Bild, Symbol und Tabelle bie furchtbaren Wirkungen des Friebensbiktats toiber» spiegeln,
Abkommen über Sachliefernngen.
Berlin. 20. Febr. Die „D utsche Allgemeine Zeitung" erfährt, dah die deutsche Regierung im Dezriffe fte^t, ein ähnliches Abkommen über Sachlieserungen, wie es mit der f ranzö'ischen Regie ring in W'esbaden abgeschlossen worben ist, auch mit den übrigen feindlichen Staaten abzuschliehen. Rach diesem Abkommen sollen bie Angehö igen dieser Staaten das Recht haben, Warenkäufe und Bestellungen, sofern sie im einzelnen Falle ben Betrag von 100 000 Frank übersteigen, in Drutschlanb zu tätigen. Die Bezahlung soll derart erfeigen, bah die Käufer nur den Preis der in Waren verkörperten Rohstoffe in Devisen entrichten. Für die deutsche Arbeit soll der deutsche Lieferant vom Reich die Bezahlung in Papiermari erhalten. Dem Reich soll dieser Betrag, in Gold umgerechnet, auf Reparationskonto gut geschrieben werden.
Berlin, 21. Febr. Dem „Tageblatt" zufolge befaßte sich gestern nachmtttag eine Kabinettssitzung mit der Frage der Durchführung ber Sachlieferungen, zu deren Losung sich augenblick- lich die Abordnung der ReparationSkom- mission unter Führung des Belgiers Bememans in Berlin aufhält. Die Besprechun- aen der Reichsregierung mit der Abordnung sind noch nicht abgeschlossen. Dem gleichen Blatt zufolge dürfte sich die Delegation noch eine Woche in Berlin aufhalten.
Die englisch - französische Auseinandersetzung.
P a r i«, 20. Febr. (WTB) Die Havasagen- tur verbreitet folgende Rote: Die englische Regierung habe am Samstagabend ihre Antwort betreffend des Verfahrens in ber Frage des von Deutschlanb geforderten Moratoriums und ber hierfür au verlangenden Garantien an bie französische Regierung gelangen lassen. Das Foreign Office etiHre flch nut der Verweisung ber Frage an die RePa ra - tionsk ommission einverstanden un'er ben Vorbehalten, die augenblicklich in ben zuständigen Ministerien geprüft werden. Diese Vorbehalte kennzeichnet ber .Temvs" dahin dah die englische Regierung eine gewisse Anzahl von Arrangements. bie in Cannes vorbereitet worden flnd. endgültig angenommen sehen möchte, so zum Der- spiel des Arrangements über bie Kosten d"s De- sahungsheeres, über bie Ausführung bes Abkommens von Wiesbaden und über die Verteilung ber
Sachlieferungen unter die alliierten Regierungen. Auch das abgeänderte Finanza'kommen ootr 13. August müsse unverzüglich ratifiziert werden
Völkerbund und Llbriistnng.
Paris. 20. Febr. (WTB.) Der gemischte A u s s ch u st des V ö l k e r & u n b e i fü • Oie 21 b • rüstungssragen ist heute nachmittag unter bem Vorsitze bes französischen Abgeo b e cn Vi- viani zusammengelreten. Er wird !i h in be andere mit dem Problem ber statistischen iTn:cc- suchung über die Rüstungen dar verschi b:ien Länder im Jahre 1921, verglichen mit den.m im Jahre 1913, beschäftigen, die im Ostöber deS vo igen Hahres von der Bö'kerbu'd've fammümg besprochen und dem Ausschuh üb er: raget wo. den ist. Der Ausschust wird sich bei feinen Arbeiten aller der Unterlagen bedienen, bie sich aus parla- mentarischen Debatten. auS Hahr bücke n und anderen Quellen ber offiziellen Information gewinnen lassen. Er soll u. a. auch bie Frage ber privaten Herstellung und des pri a en Ha^belS mit Waffen vorwärts bringen und einen Do sch az des Vertreters Iouhout in Erwägung *ie en, der die Einladung aller Mitglieder des Völkerbundes und der interessierten Staaten, bie nicht bem Völkerbunb angehören, zu einer Konferonz zur Erörterung dieser Fragen vvrsieht.
Die Konferenz von Genua.
London, 21. Febr. (WTB.) Reuter erfährt von amtlicher Seite zu den fortwährenden Meldungen über eine Verschiebung der Konferenz von Genua, taf) tveder in britischen noch In italienischen amtlichen Kreisen irgendetwas davon bekannt ist. Kein Vorschlag dieser Art sei gemacht worden und, sv- wett der Premierminister in Bettacht käme, sei er bereit, tote in Sannes vereinbart, sich am 8. März nach Genua zu begeben.
London, 20. Febr. (WTB.) Unterhaus. 3n Erwiderung auf eine Anfrage erklärte Lloyd George, die türkische Frage werde auf der Konferenz von Ge- nuanichtzur Verhandlungkommen. Die Türkei werde nicht zur Tellnahme etnge- laden werden. Auf die Frage, ob Konstantinopel unter die IuriSbiktion RustlandS gestellt werden würde, antwortete Lloyd George verneinend.
Frankreich und Nuftland.
London, 20. Febr. (WTB.) Der Berichterstatter bes „Daily Telegraph" schreibt über die nichtoffiziellen Verhandlungen, bie zwischen Franzosen und Bolschewisten stattfanden: Graf de Saint Sauveur. der Schwager des Besitzers der Gre^zotwerke Schneider, habe mit einem russischen Advo taten der in Paris wohne und Michailow hriste'. In Füllung gestanden. Er hafe seit längerer Z«tt 'praktische Be"suche unternommen, um Sowjetagenten und Vertreter ber Dreuzotgruppe zu- fammenyibringen. Diele Gruppe habe grobe Ka Ditalanlagen in ru'sischen Indust-ttll-n Unternehmungen, die alle von den Bolschewisten beschlag» nahmt Iwurden und jetzt dem Verfall p: ei 'gegeben seien. Vor der Revolution war Gras de Saint Sauveur ber Vertreter ber Greu-otwerke In Rust- lanb. Er sei natürlich sehr darauf bedacht. daS Eigentum ter Aktionäre zu retten. Austerdem fei er Mitglied bes Vorstandes eines Finanz- konzerns. das speziell für russische Angelegenheiten geschaffen wurde und dessen Vorsitzender ter Dotmalice französische Bri'cha'ter in Petei S- hirg Roulens. fei. gewesen. Krassin habe buch Michnllow den französischen Grupren Voc- schläge belrefienb bie Rückerstattung ihres Eigentums unterbretict. Er habe jedoch an dielen Vorschlag politische Dedingun ei keknüpft. DeF an- zosen hätten die von ben Bolschewisten vorgebrachten Vorschläge nur angehört. Im übrigen müsse daran erinnert werden, dah eS die französische Regier-ung nicht ablehnen werde, mit ber Sowjetteaterung zu verhandeln, wenn diese sich bereit crllire, zuverlässige Bü g chaften und nicht allein Versprechungen vorzubringen.
Akademischer Streik iu Moskau.
Kopenhagen, 20. Febr. (WTB.) Die BerltngSke Tidenbe" erfährt aus H^lsing- fors, dah die Professoren der Moskauer Universität streiken, weil sie fett mehreren Monaten kein Gehalt bekommen haben. Die Studentenschaft der Universttät erklärte den Sympathiestreik.
Die L«ge in Italien.
Rom, 20. Febr. Der König hat seine polittschen Besprechungen beendet. Er hat um 6 lii)r nachmittags Givlitti und um 6.30 THr de Ricola und Orlando empfangen.
Rom, 20. Febr. (HavaS.) DaS „Dior- nale d'3talia" erfährt in der letzten Stunde, dah aus rein parlamentarischen Gründen Orlando und de Rico la eine eventuelle Zusammenarbeit mit Givlitti nicht übernehmen würden.
Das amerikanische Einwandcrnnasgei etz.
Washington. 20. Febr. (WTB.) DaS Repräsentantenhaus hat eine Resolution angenommen, wonach das Einto and? r u ngs. g e s e y bis zum 30. 3wu 1923 in Krast^


