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21.1.1922
 
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Vereine

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zweites Blatt

Samstag, 21 Januar 1922

Ur. 18

art'

Die Erbauung eines Pum:e h uses bei

bet

R. Lange

machen unb Hefen Knicks der Damen begrübt Dänemark, Majestät. Ein so guter Herr. Und

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(Nachdruck verboten.)

9. Fortsetzung.

Schiller." _

,urtö manches Hebet fluchtet vor der Heiterkeit/'las ich neulich bei Goethe."

Sv lesen Sie . . . Doethe?" frag e sie, und es mochte wohl eine leichte Verwwche'.wm in, ihrem Ton klingen.

(Fortsetzung folgtl

Anwesend sind Oberbürgermeister Keller, Bürgermeister Krenzien und die Beigeordneten.

Aach dem Dor'chlage des Finanzausschusses wird leschsos er, die Besoldungsordnung der Beamten entsprechend der Bersehung Gießens in die Klasse B zu verändern.

In ausführlichem Referat leg ü dete Ober­bürgermeister Keller die Notwendigkeit der Erhebung von Gebühre n für die

Nun sind sie am Ziel, in der Kaiserstadt, in Wien. Der Herr Staatsminister von Humboldt. Exzellenz, hat sie in Empfang genommen, and im alten, guten .Goldenen Lamm" einlogiert. Sehr stattlich: zwei Schlafzimmer mit Riesenbetten, über denen gewaltige Baldachine sich ausbauen, and einen Salon mit den schönsten Barockmeubles. Das Herz konnte einem aufgehen, wenn man die krausen Stücke anschaat. an denen das eingelegte Gold aller Arten glitzerte. Doch, zunächst haben sie zum Bewundern keine Zeit gehabt. Todmüde waren sie: wie gerädert von den letzten Strecken Wegs, krochen unter die blau seidenen Himmel, kuschelten sich in die Daunenkissen and schliefen ein paar Stunden, so gut oder schlecht es eben ging. Darm haben sie im Salon Rendezvous ge­habt, haben am zierlich gedeckten Tisch kräftig gefrühstückt, sahen aus wie zwei Rosen, so frisch und anmutig, bah der Herr S aatsminister große Augen machte, als er wiederlam.Das) du ein blitzsauberes Frauchen bist, Schwägerin, das hab' ich immer gewu'st. Das) die Giesemädchen hübsch seien, hat mir meine Karoline oft genug erzählt, und dazu auch, daß mein guter Freund Blücher sie ab und zu der Reih' nach abküht. Der Alte, der uns Diplomatiker sonsten durch die Bant habt und vielleicht nur über mich ein Strählchen seiner Gunst leuchten läßt! Ha aber wie ich euch so sehe: mein Kompliment I Es fehlt hier nicht an Schönheiten; doch wirklich, jhr beide werdet Furore machen."

In Vorbereitung

Adreßbuchverlag Schulstratze 7

Fernsprecher 51

da kommt die schönste unsrer Jublnnen Mil­lionenschwer und Baronin dazu, Baronin von Eskeles. Macht ein großes Haus, Gnäd gste, ist sehr gescheit und freut sich im stillen, wenn ihr Gemahl urrferm armen Lande recht h he Zinsen berechnet. Mir brauchen halt immer Geld, E'eld, Geld und noch, einmal Geld unb wer's bar hat, kann leichthin Krösus und Baron dazu wer­den. ilnb nun meine Hochachtung da

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Hat sich an den Tisch gesetzt und mit­gefrühstückt: ganz wenig nur, ein Schaibchen ge­backenen Schinken und etwas Salat und dazu ein kleines Glas □Dein, vorsichtig mit Wasser ver­dünnt.

Inzwischen aber hat das Zöflein ausgepackt, gebürstet unb gebügelt. Und wieder nach einer Stunde standen die beiden bereit zu einem Spa­ziergang nach derBastei" mit dem Herrn Staats­minister. Er war sonst kein Damenfreund, lieb e unb entbehrte seine Frau, seine köstl.che Karo­line, über alles in der Welt, und es galt ihm keine anbe neben ihr. Aber mit diesen beiden wollte er noch ein wenig paradieren. Sie tollten ihm schon Augen machen, die verehrten argen Herrn Kollegen, von dm Gesandten bis zu b:n jüngsten Attaches, sollten wissen: der märkische Sand bringt nicht nur tüchtige Soldaten hervor, sondern mx^ ganz andre Prachtgewächse. Gleich, sofort wollte er's beweisen, ilnb dazu war die Bastei" just der rechte Ort. Man konnte dorten den ganzen hechwohllöblichen Kongreß gleich am im Ausschnitt schauen; denn er, der zwar nach dem Ausspruch eines geistreichen Spö tersimmer marschierte, aber nicht von der Stelle kam", lust- toanbette auf der Bastei, sobald die Vorfrüh- lingssonne dazu einlud.

Exzellenz schoben Öen Arm der Frau Schwä­gerin in Öen seinen, nahmen Luise an die andre Seite unb dann ging bald das Grützen _ unb das Fragen und Auskunftgeben an. Das Grützen, nach Rang und Würden diplomatisch abgefcjft, vom feierlichen Frvntmachen und der tiefen Ver­beugung an abwärts bis zum leichten, freund­schaftlichen Winken. Da war gleich zuerst der jugenblichschöne Zar Alexander, der mit Front-

hätten wir den dicksten aller Könige, Öen von Württemberg unb dazu unsre geliebte Karoline Sechneh, Bollblut-ilngarin . .

Hetzt aber war es Luise, die jach Front machte unb sich tief neigte. Ihren König grütz'e sie, Friedrich- Wilhelm. Mit dem Staalskanzler von Hardenberg ging er: ernst, wie in tiefen Gedanken ver unken.

Haben einen guten gnädigen Herrnk" hörte sie neben sich

Da wurde Re zum ersten Male lebhaft: Haben wir auch, Herr Graf. Den Baler des Vaterlandes I"

Majestät sind so schweigsam. Hst man in Prcutzen ... in Berlin überhaupt so ichweig-

Die Blüchermchten.

Roman von Hanns vonZobeltitz.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 21. Januar.

Die Tagesordnung der gestrigen Stadt­verordnetensitzung lieh eine verhältnismäßig glatte und schnelle Erledigung der einzelnen Punkte erwarten. Hn der Tal entspann sich auch nur über die Erhebung von Ge­bühren für die Straßenreinigung und Hauskehritabfuhr eine län­gere Debatte. Die Härten, die diese neue OrtSsatzung unabwendbar enthält, riefen zu­nächst fast allgemeinen Widerspruch hervor. Hndessen vermochten die Erläuterungen des Oberbürgermeisters doch schließlich einen großen Teil der Beanstandungen zu entkräften, so daß die Borlage schließlich gegen 13 Stim­men unter geringfügigen Abänderungen an­

genommen wurde. Bor allem war die Notlage der Stadtkasse, die dringend der Erschließung einer neuen Einnahmequelle bedarf, die Ur­sache. daß manche geäußerten Bedenken zu- rückgestellt wurden. DaS volle Terständnis für die Notwendigkeit der neuen Gebührenerhe­bung wird, so ist zu hoffen, die befürchteten Reibereien zwischen Hausbesitzern und Mie­tern, die sich an die CrhcbungSart der Steuer knüpften, verhüten. Hebrigens sieht die Bor-, läge auch für diesen Fall besondere Maßnah­men vor. Zu erregter Aussprache und häu­figen Zwischenrufen kam eS bei der Bespre­chung der "Anfrage des Stadtverordneten BetterS. Bei der Mehrheit der Versamm­lung überwog das Gefühl des Erschreckens und der BerständniSlosigkeit. wie eine solche Anfrage hier gestellt werden konnte. Wir möch­ten uns der Aeußerung des tiefen Bedauerns anschließen, daß eine derartige Kritik an einer Feier der Reichsgründung, die doch nur als ein Symbol der Reichseinheit des einzigen Gu-

vor. Stadtv. Fourier lehnt namens der U. S. P. die Vorlage entschieden ab, da sie völlig ungerecht sei. Stadtv. Dr. Ebel weist auf die Notwendigkeit, öie Staötkasse zu entlasten, hm und macht darauf aufmerksam, daß öie Moglichk.il bal­diger Acnderung die Zustimmung erleichtere. Oberbürgermeister Keller suchl bar^u, i . län­geren Ausführungen die Beanstandungen der ver­schiedenen Vorredner zu entträftigen Gerade au- sozialen Gründen habe man den Mictwert vom l.Hanuar 1922 gewählt; denn die gerügten Un­gleichmäßigkeiten seien vor dem Kriege eher noch in verstärktem Maße borgetommen als jetzt. Durch die Beauftragung der Hausbesitzer tourici enorme Erhebungskosten erspart. Die erwartete Neuein­nahme von 500 OOO Mark müsse beschafft werden, wenn nicht mit Hilfe dieser Vorlage, sc» aus ir jenö- einem anderen Wege. Nachdem verschiedene Gegenanträge wieder unter Dlll.gung bei Stand­punktes der Stadtverwaltung zu.ück.,ezvgen wur­den und die Stadtverordneten Mann und Fou­rier erneut ihre Ablehnung unter gegenseitiger Polemik begründet haben, wird zur Aostimmung geschritten, die die Annahme der Vorlage ge^en die Stimmen der sozialistischen Parteien und der Freien Vereinigung ergibt.

Der Beitrag zur Frauenrechts­schutz st e l l e wird von 300 Mk. auf 1800 Mk. erhöht.

Die Vergütung für die Verpfle­gung der Polizeigesangenen un al en Arrest haus wird mit Wirk tng von 1. Halt 1921 auf 4 Mark täglich, unb 1 Mark für Beleuchtung u. a. erhöht. '

Ter Tarif der Dien st männer der Stadt Gießen wird um 1OO Prozent erhöbt.

Tie Sätze für öie Erwerbslosen­unter st ühung werden der Ve setzu g der Stadt Gießen in die höhere Ortsklasse angcpabt.

Für Beschaffung von Winter- dedürf nissen wird für Minderbemittelte ein Kredit von 150 000 Mark genehmigt, der bereits in Höhe von 130 000 Mark in Form von Gut­scheinen an die Bedürftigen verausgabt worden ist. Tie Gutscheine werden von Pen Vie eranten bei der Staötkasse eingeiöft. 100 000 Mart toeröen für Unteritütjung von Kleinre tnern unö anderen Personen, die au!)erhalb der Armen­pflege stehen unö unter der Gelle stwe stu g lei­den, bewilligt. Die von der Wohlsahistsdepu- tation zu diesen Zwecken gewählte 5tom.mil) ton wird bestätigt.

Tie Ablösung des Reichs- und Staatsanteils an dem aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge beschafften 3i txatar, die eine Ausgabe von 317,95 Mark erfordert, wird genehmigt.

Tie Vorschläge der Sch'achthosde'mtation zur Festsetzung einer Aasg'eichsgebühr zu den Sch lacht gebühren werden angenommen.

Ter Erhöhung der Sähe für die Ge­bührenordnung zur Friedhofs - unö Begräbnisorönung wirö zugestimmt.

Die Wiegegebühren werden von 5 aus 15 Pf. pro Zentner erhöht, wobei ein Mindest- betrag von 1,50 Mark festgesetzt wird.

Die Niederschlagung dec den Mann-

lam ?"

Sie warf den Kopf zurück.

schäften der S.cherheitswehr gewährten Dar l e h e n in Höhe von 10 300 Mart wird -

spricht ebenfalls gegen Öen Antrag der Stadt­verwaltung im Namen der Freien Vereinigung. Die Vorlage sei unsozial, da sie die Minderbe- . mittelten im Verhältnis zu Öen Besitzenden zu stark belaste. Da durch Regierungserlah die Be­steuerung nach dem Einkommen für die Stadt­verwaltungen untersagt sei, so schlage er eine Grundgebühr für alle Steuerzahler und prozen­tualster Zuschläge für Mieter und Hausbesitzer vor. Er wünscht ebenfalls den Mietwert von 1914 in An­rechnung gebracht zu s hen Stadtv. Dr. K r a u s» m ü l l e r betont nochmals die Unmöglichkeit der Besteuerung nach dem Einkommen. Da aber nun die Notwendigkeit der Schaffung neuer Einnahme­quellen vorliege, müsse man diesem auch ihm un­sympathischen Vorschläge der Stadtverwaltung die Zustimmung geben. Doch solle man davon absehen, die Hausbesitzer mit der Eintreibung zu beauf­tragen, da man hierdurch sicherlich die Gegensätze zwischen diesen und den Mietern nur verschärfen werde. Auch er schlägt den Mietwert von 1914

werden mußte; barm kam der Kronprinz von Württemberg mit der schönen Großfürstin Ka­tharina: der alte Turnvater Hahn mit urvor- sintflutlichem Bart tarn .frisch, fromm, fröhlich, frei unö der badische Herr von Drais aas öem von ihm erfundenen Fahrrad, das er mit den F- spitzen auch aas dem Pflaster schnell genug vor­wärts' schob.

Plötzlich zuckte Luise von Giese zusammen. Guten Tag, Graf!" sagte gleichzeitig die zier­liche Frau, und Erzellenz grüßten. Er kannte auch ihn den Grafen Fran; Martinez: .Also zurück aus dem Nebellande, Graf! Haben Sie interessante Neuigkeiten mit gebracht aus Lon­don?

.Nichts von Bedeutung. Erz^llenz

.Lind wenn es etwas von B.deutting wäre, dürsten Sie es mir nicht verraten."

.Aber ict bitt' sehr. Also: der Napoleon sitzt fest aus seinem Elba, spielt den Hrnperator im Heinen unö wird von englischen Kreuzern aufs schärfste bewacht."

.Desto besser. Sie kennen meine Damen schon..."

.Hab' unterwegs dir Ehre gehabt und ver­danke der Güte der gnädigen Frau, daß, ich überhaupt schon hier bin. Als man sich meiner annahm, lag ich mit meiner armseligen Habe im Schnee und hab' gewiß eine traurige Figur ge­spielt. Lars ich mich a's chlie en, E zchenz. Hst ganz pläsierlich grab' heut 'hier. . ."

Darauf hatte er schon Luisens Seite gewon­nen Sie schritten weiter. Er lcbhaft plaudernd, sie schweigsam, m sich gekehrt, unsicher.

.Also da hätten wir Öen braven König v)n

,He nach Um- ftänöen, sagte sie bestimmt . Emst I egt b s Geben vor der ernsten Seele', sch ieb unser

Gälischen Ziegelei, das B a u g e l u d) des August Lamm, die Errichtung von Verkaufsräumen an der Bahnhofstraße zunächst des Bahnhofs, eines Werkstältenbaues durch Heinrich Daß eines Anbaues durch Hohs. Funk, eines Hintergebäudes an der Rodheimer Straße, einer Lagerhalle auf dem Grundstück des H. P. Möbs: der Umbau eines Dacksteinmachrrhauses durch A Trapp, die Anbringung eines Transparentes durch H. Chambre werden genehmigt.

Nach Erledigung der fixierten Tagesordnung für die öffentliche Sitzung wird in die Besprechung einiger Anfragen eingetreten. Stadtverordneter Vetters hat folgende Anfrage einqereicht: Hst dem Oberbürgermcrfter bekannt, ob die zur Feier des Reichsgründungstages von der hiesigen Reichswehrformation abgebaltene Parade von dec Regierung oder dem Reichswehrminister geneh­migt ist? Der Hnterpellant erhält zunächst zur Begründung das Wort. Es handele sich hier um eine bedenkliche Veranstaltung, die nur schädigend für die Interessen des Reiches wirken können. Von den Alliierten würden diese Dinge als rnili- taristi che Kundgebungen angesehe i werden. Be­dauerlicherweise habe sich die Stadtverwaltung an dieser Veranstaltung beteiligt Das sei zu beflagen, da die Lasten des Volkes durch, der­artige Schauspiele nur vergrößert werden müßten, unter anderem könne dadurch die vie'.l.icht mög­liche Zurückziehung der Desahunast u'^pen ver­zögert werden. Der Redner bezeichnet die Pa^

£)<?utfd)er Reichslay.

155. Sitzung, nachmittags 2 Uhr.

Berlin. 21. Hanuar 1922.

Aus Anfrage Hergt lD.-N.) und Gen. über den Stand des Verfahrens zur Ermittelung der Mörder Erzbergers erwidert Geh. Regierungsrat Werner: Unter der Beschuldigung, Schul; unö Tillessen schon vor öer Tat Beistand für öie Zeit nach der Tat zugesagt zu haben ist der in Mün­chen wohnhaft getre enc Kapitänleutnant a. D. von Kittinger in Untersuchungshaft genommen wor­den. Heber das Ergebnis des Verfahrens kann noch nichts mitgeteilt werden. Hn München ist eine Geheimorganisation mit politischen Zielen ent­deckt worden. Sowohl Schulz und Tillessen als auch v. Killingen gehörten der Oberleitung dieser Organisation an. Für den Verdacht, daß auch die übrigen Mitglieder der Zentrale als Mitwisser an Erzbergers Ermordung in Betracht kommen, haben sich keine genügende Anhaltspunkte er­geben, dagegen ist ein Verfahren wegen Geheim- bünbelei und Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten über das Verbot militä­rischer Verbände eingeleitet worden, über dessen Ergebnis ebenfalls noch keine Mitteilung gemacht werden kann. Der Plan eines weiteren Ausbaues der Organisation ist aber vereitelt.

Die Entwürfe eines Arbeitsnachweisgesehes und über den Ersah der durch den Krieg ver­ursachten Personalschäden werden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Beratung der demo­kratischen Hnterpellation über die Finanznot der Gemeinden wird fortgesetzt.

Reichsfinanzminister Hermes betont, die Finanzlage des Reiches sei ungleich schwieriger. Er könne die herangezogenen Steuerquellen nicht entbehren. Die Länder hätten verfassungsmäßig die Aufgabe, selbst für ihre Einnahmequellen zu sorgen. Das Reich habe die bisherigen Eingänge der Einkommensteuer Den Ländern und Gemein­den für 1919, 1920 und zum Teil auch für 1921 überlassen. Wenn den Gemeinden nicht der volle Anteil zugellossen sei, so mögen sie sich an die Länder halten. Im übrigen würden älmfahfteuer und -Einkommensteuer jetzt wesentlich höhere Er­trägnisse bringen, erstere z. B. 24 Milliarden, letz­tere ca. 200 Milliarden. Der Regierung liege jede Absicht fern, eine Kontrolle der Gemeinde­budgets einzuführen. Die Abgrenzung der steuer­lichen Ansprüche der Länder und Gemeinden werde nach Erledigung der Steuervorlagen mit den Ländern geregelt werden.

Abg. Heidemann (K.) stellt fest, daß auch aus dem Hause keine positiven Vorschläge zur Abhilfe gemacht seien. DaS sei kein Wunder, solange daS kapitalisttsche Wirtschaftssystem nicht beseitigt werde.

2Ibg. Scheide mann (Soz.) meint, das Reich habe die Gemeinden in ihre jetzige Lage gebracht. Zum mindesten dürften den ©emeinben nicht so zahlreiche Neubelastungen auferlegt wer­den ; z. B. müßten die Beamtenversehungen mit Öen ersorder ichen Wvhnungsneubauten auflvö en oder das Reich müsse die Wohnungen selber bauen.

Abg. Koch (Dem.) faßt das Ergebnis der Debatte dahin zusammen, daß die reinliche Schei­dung bei der Verteilung der Steuern nicht mehr zu umgehen sei. Solange dies nicht erfolgt sei, forme sich das Reich nicht mit dem Versagen seiner Mittel herausreden. Auch auf die Länder könne der Minister die Verantwortung nicht ab­wälzen, beim auch diese seien nur Kostgänger des Reiches.

Damtt schließt die Besprechung der Hnter­pellation. Der Entwurf über das Pensions- kürzungsgeseh geht an den Hauptausschuß. Der Entwurf zur Abänderung der Besteuerung der Dienstwohnungen von Reichäbearnten geht an den Wohnungsausschuß.

Morgen nachmittag 1 älhr: Reichsbankgeseh, Mietsteuer unb vierter Nachtragsetat.

Schluß gegen 6 älhr.

teS, das uns noch aus ruhmvoller Bergangen- heit erhalten geblieben ist lauszufassen ist, in unserem Stadthaus geübt werden konnte. Die Einwohnerschaft Gießens, die stets in denkbar bestem Einvernehmen mit der hiesigen Garni­son gestanden hat, wird den gestern erhobenen Beschuldigungen und Berunglimpfungen we­nig Verständnis entgegenbringen. Ein große« Tag in der Geschichte unseres Stadtparlamen- tes war der gestrige nicht.

Straße nreinigung und Hauskeh­richtabfuhr. Äe Kosten für diese von der Stadt Zerrütteten Arbeiten haben die Höhe von 1 Million Mark erreicht, so daß die Staötkasse genötigt ist, öiefe großen Ausgaben durch neue Einnahmen zu decken. Die Stadtverwaltung schlägt für die Erhebung der diesem Zwecke dienenden Gebühren folgende zwei Grundsätze vor:

1. Dollen die Gebühren nach Hundertsähen des Mietwertes bemessen werden. 2. Sollen die Gebühren von den Gr-undstückseigentümern er­hoben werden, um die Beitreibungskosten zu er­sparen. Zugrunde gelegt werden soll der Mietwert vom 1. Hanuar 19 2. Die Gültigkeit dieser OvtS- satzung soll vorläufig aus das Rechnungsjahr 1922 beschränkt unö somit die Möglichkeit erhalten bleiben, daß die CtabtoerorbnetcnDerfammlung veränderten Verhältnissen durch entsprechende ÜmarKitung Rechnung tragen kann. Stadtv. Mann verweigert namens seiner Fraktion (M. S. P.) die Cuitimmung zu der Vorlage: er ver­langt vor allem den Miet wert von 1914 anzu- seyen, da die Steigerung seitdem zu ungleich- mäßig oorgenommen sei. Stadtv. Michel

Adreßbuch der Stadt Gießen 1922 mit Anzeigenanhang

Eine wirksame und andauernde Empfehlungs- gelegenheit für Handel, Industrie und Gewerbe

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genommen.

Die Einfriedigungsgesuche von Dr. Pauly inö H. B. Noll werden genehmigt.