Ausgabe 
21.1.1922
 
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Stiftungsvoranschläge. Statistik der Fasel« Haltung. Dienstnachrichten.- Feldberetnigung Reinhardshatn. Polizeiverordnung. die Erhal-

als

I

tung der Sicherheit und Ordnung In und vor dem Stadttheater in Diesten betr.

Oberhesstscher Kunstverein.

Sturm."

* * Das AmtsverkündigungSblatt Jr. 12 vom 20, Januar enihäll: Kircyen- und

Wilhelm Döll aus Langd wurde als Nachtwächter für die Gemeinde Langd ernannt und pom KreiSamt verpflichtet.

K^^e vnh Schule.

)( Dergheim, 20. Jan. Wie wir hören wird Lehrer P rau sch bald unsere Ge- meinde verlas sen, um eine ihm übertragene Stelle an der Schule in Diesten zu übernehmen Sc wirkte über 10 Jahre in unserem Darf und hat sich durch sein gerechtes und freundliches Wesen sowohl bei seinen Schülern wie auch bei den Erwachsenen allgemeine Belietztp it erwarben Er mochte den ganzen Krieg als O.ftVec in dar derster Front mit; u serem Dea gd.retn war er ein besonders eifriger Förderer. Die Gemeinde sieht ihren lang ähiigen Lehrer und Erzieher deshalb nur ungern scheiden.

Turnen, Sn ort und Sviel.

WQ3olk In Not!" Wie wir dieser Tage an anderer Stelle schon kurz mitteilten, fand in Friedberg auf Anregung des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübun^

Giestener Stadttheater.

Die EchmetterlingSschlacht.

Komödie von Hermann Sudermann.

Diesten. 21.Jan. 1922.

Die Hoffnungen, die man einst vielleicht auf Hermann Sudermann sehen konnte, sind längst entschwunden. Das Urteil über ihn steht heute fest: Gr ist selbst in seinen gelungensten Werken keine echte dichterische Natur, sondern ein bloster Effekthascher und Theatraliker. In allen Werken, die Sudermann seinem Erstlings­schauspielDie Ehre" folgen liest, mit dem er mit einem Schlage bekannt wurde, und das schon unverkennbar alle Vorzüge und alle Mängel seines Schaffens enthüllt, ist nichts, was bleiben­den Wert hätte; all^ ist auf den Augenblicks- erfolg eingestellt, auf bloste Bühnenwirkung be­rechnet. Kein Wunder, dah ein Schriftsteller, der so der nervösen Unrast 'einer Zeit entgegenkam. sein Publikum fand; zumal, wenn er es wie Sudermann versteht, feine Zuhörer sprung-

-Heule erklärte General Nollet dem Betriebs­rat. dah die interalliierte Militärkontrollkom-, Mission zur Zeit noch über die einzelnen Fra-1 gen Beratungen pflege und eine endgültige Entscheidung erst in ca. 10 Lagen zu erwar­ten sei.

LorttoLizerr.

Tageskalender für öonntag: Stadttheater. 3 Ahr:Alt-Heitel'berg"; 6V» Uhr:Schwarzwald mädel". Neue Aula, 4'/.i und 8 Uhr: > Hermann-Löns-Abend. Lurnyalle am Oswawsgacten. V/./. Wohl- tätigkcitskonzert des Wartburgvereigs. Stadtkirche. 8 Uhr: Gemeindeabend det Mat- thäuSgemeinde.

Oberhessischer Kun st verein. Die Ausstellung der KünstlerveretntgungDer Sturm", die sehr rege besucht wird und nur noch 14 Tage ausgestellt bleibt, ist auch in der nächsten Woche am Sonntag, Montag, Mittwoch und am Freitag von 111 Uhr geöffnet.

Die Deutsche Volkspartei hat den Mar-schall Liman v. Sanders für einen Vortrag überDeutschland und England in der Türkei" am Samstag, 28. Januar, 8 Uhr abends, in der Neuen Aula gewonnen. Em Mann, der im Frieden lange Zen an verantwortlicher Stelle i>ie Entwicklung der Ortentverhältnisse beobachten konnte, der im Kriege zur Verteidigung der Dar­danellen berufen war, wird aus seiner reichen G^ahrung sprechen und im Anschluß daran die Zuitände in der Türkei durch Lichtbilder ver- anschaulichen. (Näheres s. Anzeige.)

Die Männer- und Frauen- veceinigungderMatth..Gemeinde veranstaltet am Sonntag den 22. Januar, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche einen Ge­meindeabend. Missionsprediger Spa ich hält einen Lichtbildervortrag über China,! Land und Leute; die Aufgaben der Mis­sion. Dem Vortragenden geht der Ruf eines guten Redners voraus.

Wir haben es also bei den Künstlern deö Sturm" auf alle Fülle nur mit einem Teil der Vertreter der neuen Kunst zu tun, allerdi ig« mit rUKtolften Kopsen. Für sie sind mit Ausnahme tec Mu'ik alle Künste bisher auf 3iTa>ogen ge­wandelt. indem siedarstellten". In der Malerei, um die es sich für uns hier handelt, soll der Künstler die Dinge nicht malen, wie er sie sah (Impressionismus), sondern er soll sein Gefühl, seinen Slnbrud,in Kunst urwvandeln" (Die Einzelheiten und Zitate nach Blüm ecs oben er­wähntem Buch.) Kunst aber istAusdruck all­gemein menschlichen Gefühls durch Rhythmus" Für dem Ausdruck dieses Gefühls spielen Ola tur- begebenhciten durchaus feine Rolle mehr, sie sind sogar ein Hindernis derkünstlerischen Einheit" eines Werkes. Deshalb must der Künstlerdie Realität ve lassen".Nicht auf dem Hals muh der Kopf si en. sondern dort, wo ihn taS künst­le.tsche Derteilungsgefühl braucht. Nicht die Naturgesetze herrschen auf dem Bild, sondern ein Naturgeseh, dessen Gesäst der Künst. ler ist."Die zum Zweck- der künstle.ichen Ein­heit umgeformte Realität hat jedeBedeutung" au her halb des Bildes verloren." Also:Der Inhalt des Kunstwerkes ist nicht die Fo-m oder die Formen, sondern Abstraktion aus diesen Formen" und natürlich auch Farben. Sein Inhalt läßt sich nur fühlen. nicht mit Worten wiedergeben, so wenig man den Gefühlsinhalt einer Sonate mit Worten ausdrücken kann. Wie das Verständnis der Musik ist aber auch daS Verständnis für diegeistige Malerei" Sache künstlerischer Begabung. Das Erkennen etwaiger Realitäten ist unwesentlich. Deshalb treten auch an Stelle der Benennungen der Bilder als Kata­logbezeichnungen einfach Nummern.

Nach dem Vorstehenden ist über die auS- aestellten Werke ah sich wenig zu sagen. Ihr Inhaltliches erschliestt sich ja nur dem Gefühl des dafür Begabten, daS erkennbar Stoffliche an ihnen ist ohne Bedeutung. Man könnte versuchen die verschiedenen Grade derAbstraktion" fest­zustellen. Aber davon wird man bald abkommen, weil dafür keine Anhaltspunkte außer dem Must des Künstlers da sind. (Siehe oben.) Man könnte fest stellen, ob und inwieweit K. Schwitters z. D. mit seinen doch sehr konkretenBildern"

Kreis Friedberg.

Sf. Friedberg, 20. Jan. In der gestri­gen Stadtverordnetensihung wurde nach langer Aussprache mit 20 gegen 4 Stim­men beschlossen, einen Neubau für die Schiller­schule (Höhere Mädchenschule) zu errichten. Der kürzlich gefaßte Stadtverordnetenbeschluh, das fetzige Schulgebäude durch den Aufbau eines Stockwerkes auszubauen, wurde heute mit 12 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Die Ab­lehnenden hielten die Bausumme für den Um­bau, die etwa 500 000 Ml. betragen soll, für zu hoch für das alte Gebäude. Die Bilanz des Lebensmittelamtes wird geprüft; der Bürgermeister spricht dem Leiter dieses Amtes, Stadtverordneten Langsdorf, den Dank der Stadt aus. In einer anschließen­den geheimen Sitzung wurde der frühere De- schlust, einen besoldeten Beigeordneten zu wählen, aufgehoben. Beigeordneter Carl Damm, der durch seine Berufstätigkeit an der Ausübung seines Amtes verhindert ist, tritt zurück; dafür werden zwei neue Beigeord­nete in der Person des Stadwerordneten LangSdorf (Demokrat) und Leuchtgens (D.-Nat.) gewählt, so dah die Stadt nunmehr vier unbesoldete Beigeordnete hat. An Stelle der freigewordenen Sitze treten die Herren Böhler und Dietz.

:: Pohl-Göns, 19. Jan. Einem hie­sigen Landwirt wurden auf seinem an der Straße nach Butzbach gelegenen Acker von 11 jungen Ob st bäumen die Krone abgebrochen. Es liegt jedenfalls nicht ein Racheakt vor, sondern es wird diese gemeine Tat eine Handlung der rohen Zerstörungs­wut sein, wie sie ja leider eben so vielfach anzutreffen ist.

:: Kirch.Göns, 19. Jan. Um für die Zukunft der großen W a s s e r n o t, wie sie in letzter Zeit in unserem Ort herrschte, vvrzu- beugen, wird auf einem vor dem Dorf ge­legenen Acker ein Brunnen gegraben. Die Arbeit wird von vier auswärtigen Ar­beitern ausgeführt.

Kreis Wetzlar.

fr. Krofdorf, 20. Jan. Infolge des für ben Wintersport günstigen Schneewetters herrschte hier auf allen Rodelbahnen starker Be­trieb. Leider ereignete sich hierbei ein b e dauer-

l i ch e r Unfall. Sin mit zwei Kindern befetzte- Rodel rannte gegen einen Daum, wodurch die beiden Kinder so erheblich im Gesicht verletzt wurden, dah sie ärztliche Hilfe in Anspruch ne£ men muhten. 3n Wißmar fand gestern eine Holzversteigerung statt, bei der für ein Meter Brennholz bis zu 400 Ml. geboten wurden.

dr. Weiöenhausen (Kreis Wetzlar) 20. Jan. Hier ereignete sich in der vorigen Woche ein bedauerlicher Unglücksfall. Wahrend ein junger Mann mit Aufräumungsarbeiten In einem Schuppen beschäftigt war, erfolgte plötzlich eine Explosion, wobei dem Unglücklichen die Lnfe Hand derartig zerrissen wurde, dah sie abgenommen wer­den muhte. In dem Schuppe fand man noch einige Sprengkapseln, die wahrscheinlich von Soldaien, die bei dem Rückzug in dem Schuppen gelegen hatten, dort hingeworfen worden waren.

Hesscn-Nasjau.

* Marburg, 19. Jan. Eine bezeich­nende Geschichte wird derHess. Landes- zeitung" zufolge aus einem Kreisstädtchen der Nachbarschaft erzählt. Die verheirNete Tochter eines reichgewordenenKriegers" steht mit ihrem gebildeten" Manne eines TageS vor einem Bild in einem Hotelzimmer.Sieh mallieber Wanne", sagt sie und ergeht sich In höchsten Lobes tönen' »wie herrlich, so etwas wäre was für unfern .Salong' Das Bild war ein Reklameschild des Norddeutschen Lloyd.

Aus dem AmtsverkündigungSblatt,

obigen Forderungen gerecht wird, wenn er sich selbst überhaupt ernst nähme.

Ueber die Zukunft des Expressionismus und besonders dieses seines extremsten Zweiges etwas zu sagen ist uns weder möglich noch nötig. 3n ber Tatsache seines Daseins liegt natürlich auch die Möglichkeit seiner Wirkung auf die Kunst überhaupt. Und noch eins steht fest: Wenn uns die Art und das Gebaren gerade dieser radi­kalsten Neuerer auch oft unverständlich erscheint, sie stehen mit ihrer Forderunggeistiger" Kunst ohne Zweifel im Kampfe gegen Materialistisches unserer Tage. Ueber den Grad der Stilisierung, denn darum handelt es sich doch in erster Linie, läßt sich natürlich streiten. Auch gibt es und gab es für uns noch andere Kunst, auch auf die Ge­fahr hin für etwas rückständig zu gelten.

Helfen können wir, um wieder auf den An­sang zurückzukommen, also niemand diesen Bil­dern gegenüber, am wenigsten durch Erllaren ober Beschreloen. Jeder muh selbst damit fertig werden.

Unserem Kunstverein aber fei gedankt, dah er uns die Gelegenheit vermittelte, auch mit dieser Seite unserer Zelt unS wieder einmal un­mittelbar zu befassen. W.

haft von Spannung zu Spannung zu treiben. Ein grober Sinn für baS Bühnenwirksame, ein vir- tuosenhaftes Beherrschen äußerer Anziehung«' mittel, daS sind die Vorzüge dieses Schutt stellers, die jedoch nie ausreichen können um seinen Werken dauernden Inhalt zu geben Saisonstücke sind es, modern, aber ohne Zett- bilder zu sein. 4

-Die SchmetterllngSschlacht" ist wie sie alle sind. Sudermann hat eine Idee gehabt und verkörpern wollen, aber seine Gestatt k^skraft reichte nicht aus. Sine Satire etwa auf den Kleinbürger stand sollte eZ werden, eine reichlich plumpe Karikatur tarn heraus. Auch hier aber gibt es Bühnenwirkungen und vor allem Rollen. e

Die Aufführung gelang, und eS find vor allem zwei der Mitwirkenden, denen das zu danken ist: Cläre Türk und Adolf Teleky. Wenn die blutleere Komödie Sudermanns szenenweise Leben bekam, so ist es hauptsächlich ihr Verdienst. Der im Grunde seines Herzens gute, aber infolge der Umgebung, in der er emporwuchS, überspannte Backfisch Fräulein Türks wie köstlich gelang ihr beispielsweise die Trunkenheitssrene im dritten Akt und der krasse Egoist Winkelmann Telekys ein echter Patentekel te des Leistungen, wie man sie sich nickt besser wünschen kann. Doch auch über die anderen Darsteller läßt sich mir Gutes sagen. Die Frau Hergentheim Auguste M a r ck S', die Phlegmatische Laura Else Koops, wie Kitty Frankes oberflächliche, bumm-gertffene Elle konnten sich als schauspielerische Leistungen wohl sehen lassen. Wladimir Brande« machte au» dem Max, waS er tun konnte. Oskar Feiges traf den schnoddrigen Reisenden gleichfalls recht gut, wenn er auch vielleicht stellenweise ein biß. chen allzu stark auftrug. Auch mit Georg He­di n g s Type als Oberlehrer KosinSkn kann man wohl einverstanden fein; daß blefo Figur am unwahrscheinlichsten wirkt, ist nicht Schuld des Darsteller». Paul M e h n e r t schließlich als Witt Helm Vogel wirkte glücklich kornisch, erfreulicher- weise ohne zu übertreiben, wozu ihn feine Roll, leicht hätte verführen können. Die Spielleitunn betreute Adolf Teleky mit bestem Gelingen, »r

gen unter der LosungVolk In Not" ein Werbeaben d für Turnen und Sport statt, der in feinem ganzen Verlauf den staatlichen und städtischen Körperschaften in eindrucksvoller Weise die hohe Bedeutung der Leibesübungen für die Errettung unseres Volkes aus seiner körperlichen, geistigen und sittlichen Not klarlegte, der aber auch der Heranwachsenden Jugend in letzter Stunde noch zeigte, wie notwendig für sie die Ausbildung ihres Körpers durch Turnen, Sport und Spiel ist, wenn sie die ihr Im Leben gestellten Aufgaben erfüllen will. Nach der Be­grüßung ber zahlreich Erschienenen, be onderS auch der Vertreter der Behörden und Schulen, durch Seminarlehrer Thierolf, dem Vorsitzenden der Friedberger Ortsgruppe des Reichsauäfchusses, sand ein sorgfältig zu ammengestelltes Programm seine reibungslose Erledigung. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung standen zwei kurze, aber um fr eindrucksvollere Vorträge. Vom Standpunkt des Arztes betrachtete Medizinalrat Dr. Nebel dir Notwendigkeit der körperlichen Ausbildung, während Prof. Keller vom Lehrerseminar vom Standpunkt des Vollserziehers zeigte, wie die Leibesübungen demVolk in Not" Hilfe bringen können.

Omd)tsfaaL

rm. Darmstadt, 19. Jan. Ein unge­treuer Postbote ist ber schon e wa 12 Jayr^ bei ber Post in Reichelsheim j, O beschäftigt gr

Aus Stabt unb Land.

Gießen, den 21. Jan. 1922.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wechselnd bewölkt, nachts kalt, Tag milder, auffrischmte Winde aus Süden und Westen.

Wahrend das östliche H.chdruck e iet bedeu­tend an Ausdehnung in westlicher Richtung zu­genommen hat, hat sich die atlantische Depression weiter vertieft. Es herrscht ein st ^rZed ostwestüches Druckgefälle. Wir werden mit auffrischenden Win­den und veränderlichem Wetter rechnen können.

*

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 13 Januar 1922 der Kanzlei­

gehilfe Wilhelm H e i l m a n n zu Deer.elden zum Kanzlisten bei dem Amtsgericht Beerfelden mit Wirkung vom 1. Februar 1922 ab. Der O^erzoll- fefretär Anton Diehl zu Worms wurde vom 1. Februar l. I. an zum Vorstand des Zollamts Lampertheim ernannt. Dem Zollinspektor Man­gold zu Lampertheim wurde vom 1. Februar L I. an die Stelle des Zollinspektors des Bezirks Worms 2 mit dem Standort Worms übertragen Ernannt wurden die Zollprakttkan en: Witt helm Witter st älter aus Mainz, Peter Keil aus Heppenheim, Hermann Otto aus Gießen. Friedrich Jakob aus Worms, Hans Rödel­sperger au8 Cöthen, Ernst Fehrenbach aus Mainz, Wilhelm Fey und Julius Wenzel aus Darmstadt zu Oberzollsekretären.

* Zur Erhaltung der Ordnung l m Stadttheater erläßt das Polizeiamt eine Berordnung, nach der eS untersagt ist, In dem Stadttheater: die Deleuchtungs- oder Heizungs­vorrichtungen. die Löschapparate, die elektrischen Leitungen, die Wasserleitungen, die Maschinerie oder deren Zubehör zu verändern, zu verstellen, zu beschädigen oder an diesen eine den Betrieb störende Handlung vorzunehmen; zu rauchen, Zündhölzer. Papier oder andere leicht brennbare Stoffe anguzünten. Auf der Bühne des Stadt­theaters darf nur bei Aufführungen und bei Proben und dabei nur dann geraucht werden, wenn c8 die Spielleitung anordnet. Beim Ber- lassen der Szene muß die Zigarre usw. sofort sorgfältig verlöscht werden; abgeschlossene Türen oder Schränke zu öffnen oder geöffnete abzu­schließen; in diejenigen Räume einzutreten, die durch besondere Aufschrift als nicht für das Publikum bestimmt bezeichnet sind; Hunde mit^u- führen; im Zuschauerraum während der Vor«

Gießen. 21. Januar 1922.

Diese Ausstellungwirkt". Die erheitert und erhitzt die Gemüter, je nach dem Köpfeschütteln erhebt sich der Ruf nachGebrauchsanweisungen" Daß dieser Wunsch keineswegs so ungereimt ist, beweisen die eingeschwvrenen Verfechter der neuen Kunst oder, wie sie sagen,der Kunst überhaupt" selber. Wenn sie auch mit Recht behaupten, dah man das Letzte auch über diese Werke nicht sagen könne, so bemühen sie sich doch in zahl­reichen Büchern und Zeitschriften,Einstellungen" zu geben für die Betrachtung Trotzdem bleibt der .Expressionismus" immer noch ein vieldeutiger Begriff, und welche KünstlerExpressionisten" sind steht auch noch nicht fest. Die einzelnen Kunstlergruppen trennt oft stärkste Gegensätzlich- reit, und wenn man die drei Hefte von Walden Schreyer und Dlürnner durchfieht, die gleichsam z rogrammbücher ber Sturmgruppe auf der Ausstellung zu haben find, wird man finden, baö auch sie nicht ganz darüber einig sino, wer als Künstler, besonders was die Vergangenheit betrifft, zu gelten hat. Auch kann man kaum alle Jitter ter Ausstellung alsKunst" im Sinne dieser Bücher gelten lassen, besonders wenn man ter Beurteilung die Theorien zugrunde legt die R. Dlürnner in seiner SchriftDer Geist des Kubismus und die Künste" vertritt Wenn er 8- D. Groh als verkapptenImpressio­nist e n" verdammt, wird er doch wohl kaum einem Bild wie dem von P. Dusch Burschen mein Dorfl" zustimmen können (vgl. damit z D' tenAbenteurer" von Groh) oder dem Still­leben II O. KubinS, mit der melancholischen gelben Schachtel. Denn die schärfste Kampsstel­lung gegen alle«Impressionistische" Ist ein Wesentliches im Programm gerate desStur­mes". Wer auch darin sind sich nicht alleEx­pressionisten einig. Kasimir Edschmid z. D (ten allerdings Dlürnner vielleicht nicht ganz mit Anrecht zu den Impressionisten zählt) meint irgendwo:Ein guter Impressionist ist größerer Künstler . ... als die mittelmäßige Schöpfung des Expressionisten" .... Und Edschmid gift dvch vielen anderen Leuten als der Wortführer des Expressionismus

Aus dem Reiche.

AuS dem Reichswirtschaftsrat.

D e r I i n, 20. Jan. (WTB.) Der finanz­politische Ausschuß des vorläufi­gen Reichswirtschaftsrats nahm ein­stimmig folgende Entschließung an: Der finanzpolitische Ausschuß nimmt Kenntnis von den Bemühungen der Reichsregierung, den deutschen Dalutaschuldnern aus der Kriegs­und Vorkriegszeit, sowett wie möglich, Hilfe, zutell werden zu lassen. Er erwartet, daß die ReichSregierung diese Bemühungen mit allem Ernst fortsetzt und besonders den zur Hilfe­leistung für VäVutaschuldner bestimmten Ex- portorganisationen bet der Ausfuhr deutscher Waren jede mtt den allgemeinen volkswirt­schaftlichen Interessen zu vereinbarenden Er­leichterungen gewährt. Der finanzpolitische Ausschuß glaubt ferner, dah eine Umänderung der Dilanzvorschrift für die mit hochwertigen Auslandsschulden belasteten deutschen Unter­nehmungen dringend geboten erscheint. Die ReichSregierung wird ersucht, wegen Entschä­digung der durch das Abkommen mit der Schweiz über die sogenannten Goldhhpotheken Geschädigten dem RetchSwirtschaftSrat Vor­lage zu machen. Ferner wurde mit 16 gegen 13 Stimmen, wobei die Arbettgeber dafür, die Arbeitnehmer dagegen, die Abteilung 3 ge- - trennt stimmten, folgender Antrag angenom­men: Der finanzopllitische Ausschuß empfiehlt jber ReichSregierung, den durch Verordnung vom 24. Oktober 1919, betreffend Kapltatt h flucht, eingeführten Depotzwang wieder auf­zuheben. Der Antrag auf Aufhebung der in der gleichen Verordnung und in der Reichs- abgabenordnung gegebenen Vorschriften über die AuSkunftSpflicht der Danken wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt.

Die Deutschen Werke.

Berlin, 20. Jan. (WTB.) Der Dvt- schafterrat machte der deutschen Regierung nur eine kurze Mitteilung betreffend die Deutschen Werke, die iedoch keine weiteren Schlüsse zuläßt. Infolge dieser Ansicherheit bemächtigte sich der Arbeiterschaft der Deutschen Werke erneut großeErregung. Der Zentralbettiebsrat des Konzerns der Deutschen Werke suchte demzufolge erneut um Verhandlung bei dem Präsidenten der inter­alliierten Milttärkommission, Rollet, nach.

Dcrncbmen mit dem internationalen landwirt­schaftlichen Institut In Rom abwarten wollte. 2. Es sollen Sachverständige mit dem Studium ter die KriegSentsckadigten betreffenden Fragen, sowett sie die Arbeiterorganisationen berühren, betraut werden. 3. Angesichts der Zwischenfälle, zu denen die Ernennung deS holländischen Ar- beltenxrtretcr« auf der internationalen Arteiis- konserenz Anlaß gab, soll ein Gutachten des stän­digen interna:ionalen Gerich:sho,es einaeholi wer­ten über die Auslegung des Artikel 389 des Versailler Vertrages, nachdem die Ernennung ter Arbei er- und Arbeitgeberdelegierten u. a. den maßgebenden D russorgan.sationen zusteht. 4. Der Direllor teS Arbeitsamtes wird ermächtigt, Er­hebungen über die Arbeitslosenlrise fortzusetzen.

Auf der Tagesordnung ter nächsten inter­nationalen Arteitöko rferenz sollen u. a. folgende Punkte stehen: Vorschläge zu einer Reform des Verwaltungsrates, d. h eine Revision des Tei­les 13 des Versailler FrietensvertrageS und der entsprechenden Abschnitte anderer Friedensver- träge; Mitteilungen ter Regierungen über AuS- wanderungs-, Heimtransport-« und Durchtrans» portproblcme; Revision ter Geschäftsordnung der internationalen Konferenz; Erneuerung tes Ver- waltungsrates; Bericht des Direktors über die allgemeine Tätigkeit des Arbeitsamtes; Rati­fizierung ter einzelnen Abkommen und endlich Aussprache über die Arbeitslosenfrage und die Rohstoffverteilung.

Die nächste Sitzung te3 Verwaltungsrates soll im April in Rom fiattfinten, die übernäckste im Juli, wahrscheiirlich auf Einladung ter schweize­rischen Siegle i-ung In Terlaken ober Vern.

ftellung die Kopfbedeckung aufzubehalten; Stühle, insbesondere Klavpstühle. in das Theater mttzu- brlngen oder dort vorhandene unbefugt zu be­nutzen. Den Anordnungen ter zum AussichtS- bienft befohlenen Poli'eibeumten sowie ter Feuer­wehr hat j eher mann Folge zu leisten.

"Aus der Deutschen Volkspartei wird unS geschrieben: Am Donnerstagnachmittag fand eine sehr gut besuchte Versammlung der Frauen ter D. D. P. statt. Nach einleitenden Worten ter 1. Vorsitzenden, Frau Pfaff, er­griff die Landtagsabcevrdnete Frl. Maria Birn­baum das Wort. Sie mach'e die Anwesenden mit ten wesentlichsten Bestimmungen des am L April 1922 in Kraft tretenden Schulgesetzes über die Pflichtfvrtbildungsschule für Mädchen bekannt. Ganz besonders trat Frl. B i r n b a u m für die schon lange von den Frauen­vereinen erhobene Forderung ein die Leitung ter Pflichtsortbilbungsschile und den Unler-rtcht in den sogenannten Gestnnungsfächern weib­lichen Lehrkrä'ten zu übertragen, da der Ein­fluß ber gebildeten Frau auf die Heranwachsende Jugend von größter Wichtigkeit sei. Nach einer sehr lebhaften Aussprache über diesen Gegen­stand erstattete Frau Schudt De icht über die Tagung des ReichsfrauenausschusfeS, die am 3. Dezember 1921 in Stuttgart statttefunben hat Auch ihre Ausfüh'.-ungen boten wich!ich Stoff zur Aussprache. Auf allgemeinen Wunsch wurde be­schlos en, die Versammlungen des Frauenaus­schusses jeden 2. Montag im Monat Im Schützen Haus stattfinden zu lassen.