Ausgabe 
20.11.1922
 
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Aus dem Reiche.

Sie Wahlen in Oberschlesien.

Deuthen. 19. Nov. (Wolff.) Snöber- schieflen fanden heute die Nachwahlen zum Reichstag und Preußischen Landtag, sowie die Wahlen zum Pro- vinzialtandtag statt. Nachdem die Ober» schieflsche kacholische Volkspartei ihre Wahl­vorschläge zurückgezogen hat, sind an den Wahlen nur noch acht Parteien beteiligt. Bei den Wahlen am 19. Januar 1919 wurden in dem nunmehr deutsch gebliebenen Teile Ober* schlesienS für fünf im Wahlkampf beteiligten Parteien an Stimmen abgegeben: für das Zentrum 236 000, MehrheitSsozlaldemokra- ten 144000, Unabhängigen 18 000, Demokra- ten 31 000, Deutscknat io aalen 31 000. Zu den genannten Parteien sind bei den jetzgine Wahlen als neu für Oberschlesien Hinzuge tre­ten: die Deutsche Volkspariei, die Polnische latholische Volkspariei, die Kommunistische Partei, und Deutschsoziale Partei. Der Wahl- iampf ist überall ruhig verlaufen. Das Ergeb­nis wird noch am spaten Abend bekanntgege­ben werden.

Groß-Hamburg.

Hamburg, 18. Nov. (WTD.) Die Verhaute >ungen über die Frage der Schaffung einer Gemeind e Groß-Hamburg wurden heute vormittag unter dem Vorsitze des Staatsministers Dr. Drews wieder ausgenommen: alle in Betracht tommenten Fragen wurden eingehend erobert. Im Einvernehmen mit den beiderseitigen Vertretern eiÄärte Dr. Drews auf ®ntnb der Aussprache sich bereit, bestimmte Vorschläge für eine Einigung vvrzubereiten, die demnächst einer weiteren Aus­sprache unterzogen werden sollen.

Straßenkundgebungen In Dresden.

Dresden, 18. Nov. (WTD.) Heute nachmittag veranstaltete eine Volksmenge, un­ter der sich viele Erwerbslose befanden, Strahenkundgebungen gegen die Teuerung. 3n einigen Stadtteilen wurden die Lebensmittel- und Konfektionsgeschäfte geplündert. Die Polizei hat mehrere Ver­haftungen vorgenommen. Die geraubten Ge­genstände und Lebensmittel konnten größten» feite wieder heröeigeschafft werden. Die mei­sten Geschäftsinhaber hielten während der Kundgebungen die Gäben geschlossen. Die Straßenbahn verkehrte nicht, Da Die Straßen­bahner zum Protest egegen de kürzliche Ent­lassung von 400 Beamten und 250 Arbeitern den Betrieb stillgelegt hatten, der erst gegen Abend wieder ausgenommen wurde. Verlet­zungen sind bisher nicht gemeldet. SS herrscht wieder Ruhe.

Bei den gemeldeten Anruhen sind, dem Lokalanz. zufolge, 53 Personen verhaftet worden.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 20. November 1922.

Anzeigen-Annahme.

Dir Entgegennahme von Anzeigen findet bis ^zum Abend vor dem Aufnahmetag statt; An­zeigen für die SamStagsnummer müssen spä­testens bis Freitag mittag aufgegeben sein.

t Geschäftszeit

von S12V, Uhr und von 2SV» Uhr.

Eine fünfte Schulgeldrate.

Das Landesamt für das Dildungswesen ver­öffentlicht folgenden Erlaß an die Direktionen der höheren Lehranstalten und die Leiter der höheren Bürgerschulen:

Die stetig fortschreitende Geldentwertung und die damit ständig verbundene Erhöhung der Zu­schüsse des Staates und der Gemeinden zu den Kosten der höheren Schulen zwingt uns leider «auch zu einer Erhöhung des Schulgeldes, und zwar schon für das laufende Schuljahr.

Wit Genehmigung ves Gesamtministeriums bestimmen wir daher, daß int Schu lja h r 1922 eine fünfte Schulgeldrate in der Höhe einer Vierteljahreszahlung erhoben und im Laufe des ersten Kalendervierteljähres 1923 eingezogen wird."

* Eine Trauerfeier am Toten­sonntag. Man schreibt uns: Durch die Be­mühungen der Ortsgruppe Gießen tes VolkS- bundS Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist es ge­lungen, einen in wetten Kreisen der Bevölke­rung, insbesondere bei den Hinterbliebenen unserer im Weltkrieg gefallenen Volksgenossen gehegten Wunsch in diesem Jahr zur Erfüllung äu bringen: am Totensonntag zum ehren­den Gedächtnis der Gefallenen auf dem neuen Friedhof eine einzige gemeinsame Trauerfeier für die Bevölkerung Gie­ßens zu veranstalten. Es hat sich ein Ausschuß aus Vertretern des Volksbunds, des hiesigen Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 15, der dem Ausschuß bekannten militärischen Vereine, des Reichsbunds und des Reichsverbands der Kriegsbeschädigten und Kriegerhin erbliebenen sowie der drei Religionsbekenntnisse gebildet, der unter Vorsitz des Landgerichtsrats L r ü m- pert die würdige Ausgestaltung der Feier vorbereitet. Außer der Regimentsmusik wird auch ein Männerchor der hiesigen Gesangver­eine von etwa 600 Sängern Mitwirken. In den nächsten Tagen wird in der Presse die Einladung zu der Feier veröffentlicht wer­den.

* Der Milchpreis wirb nach einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils mit "^fr-fung vom 21. November ab auf 100 Mark ->n Liter Vollmilch erhöht.

TDXIP16 Listen der Wahlberech- ZllV V ür bk Ergänzungswahlen zur Han-

't liegen vom 21.30. November zur C*en- (Siehe Bekanntmachung.)

Krieg erwai s en werden vom rttamt Wetzlnr L e h r si e len uib 00N 6USWMD ienstmndchen ab Ostern 1923 licheAugeb^

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittag-:

Berlin Z350, Frankfurt a. M. 7500.

Vereinfachung bei Erstattung des Eisenbahn- Fahrgelde-, ihn das Verfahren bei der Erstattung von Fahrgeld zu beschleunigen und zu vereinfachen, hat der Reichs­verkehrsminister nunmehr die selbständige Er­ledigung solcher Anträge in weiterem Umfange den Fahrkartenausgaben usw. übertragen. Den Reisenden wird dadurch die Möglichkeit gegeben, ihre Anträge mündlich und unmittelbar nn An­schluß an die Reise anzubringen. Die Fahrkarten­ausgaben können meist die Anträge sofort er­ledigen und die Reisenden befriedigen. Die An­tragsteller und auch die Reichsbahn ersparen sich damit das Schreibwerk. Voraussetzung ist hierbei, daß der Antrag bei der Fahrkartenausgabe einer Station gestellt wird, wo die Reise begonnen, be­endet oder abgebrochen worden ist und daß das Mir Berechnung erforderliche Tarifmaterial zur Verfügung steht. Außerdem muh auf der Fahr­karte bezeichnet sein, inwieweit sie nicht ausgenutzt worden ist. Wenn die Fahrkarte bei einem Reise- bureau gelöst oder wenn Gepäck auf sie abgefertigt ist, muh die Fahrgelderstattung in der seitherigen Weise beantragt werden. Anträge, welche die Fahrgeldausgabe nicht selbstchrdig erledigen kann, leitet sie unter Ausfüllung eines Vordrucks weiter.

Bornotizeu.

Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele, ab heute:Die Jagd nach der Frau",Seff in Liebesnöten" undNatur im FUm". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Wild-Afrika". Palast-Lichtspiele, ab heute:Vanina" undDurch Liebe erlöst".

Die Volksspiele des MalersWallher D l a ch e 11 a werden am Mittwoch und Don­nerstag dieser Woche in Gießen im Katholischen Vereinshaus Vorstellungen arbeit DieDollsspiele", eine Gemeinschaft junger Men­schen (Musiker, Kunstgewerbler, Handwerker, Maler) wurden im Hani 1920 durch den Maler Walther Dlachetta, der noch jetzt der Leiter der Volksspiele ist, gegründet- 3m ersten Jahre wirkten sie mir in Oberschlesien (während der Ab­stimmungszeit). Seit dieser -Zeit reisen sie in allen Landschaften Deutschlands umher. Großstädte, Mtttel- und Kleinstädte, auch Dörfer haben die Spiele gesehen. 3n Gießen wird ein ernster Märchenabend und ein heiterer Hans-Sachs- Abend geboten, außerdem am Nachmittag jedes Tages eine Vorstellung für Kinder und Schüler. Näheres über Programm, Preise und Zell besagt die Anzeige in unserer Samstag-Nummer.

Lichtspielhaus. Auf den Film Wild-Afrika" sei nochmals hingewiesen. Schüler haben zeitweise ermäßigten Eintritt, wie aus dem 3nferaienteil ersichtlich ist.

Landkreis Gietzen.

* Klein-Linden, 20. Nov. Gestern waren es fünfundzwanzig Jahre, seitdem Vorschlosser Friedrich Morneweg in der Detriebswerkstätte Gießen tätig ist.

Kreitz Lauterbach.

* Lauterbach, 18. Nov. 3m Walde zwi­schen Wallenrod und Allmenrod wurde gestern von Treibern einer Jagd die Leicheeinergut gekleideten Mannsperson gesu oe lieber die Herkunft des Toten konnte bis jetzt noch nichts ermittelt werden. Neben der Leiche sand man einige Wein- und Dranntweinflaschen Es soll sich um einen Mord handeln, da der Schädel Verletzungen zeigt.

Kreis Friedberg.

A Kirch-Göns, 19. Nov. Riesige Dodenpreise tourten letzte Woche bei einer Güterversteigerung erzielt. Ein Morgen Ackerland kam über 300 000 Mk, ein Viertel Morgen (etwa 600 Quadratmeter) auf 45 020 Mk. Die ©eigerer waren meist nicht Oanbtoirte, sondern Eisen­bahner und Arbeiter, die im Nebenberuf Kleinbauern sind.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darmstadt, 18. Nov. Zu ter von ter rm.-Korrespondenz gemeldeten (bergt Gießener Anzeiger Nr. 270 vom 16. Nov.) Festsetzung ter Hundertfähe der Mietzuschläge auf 670 Prozent bis zum 30. September und 1950 Prozent ab 1. Oktober wind ter DarmftädterPresse zuverlässig mitgeteilt", daß dietelanatgegebe- nen neuen Wittsätze vom Kreisamt noch nicht endgültig festgesetzt sind. Es ist auch nicht beabsichtigt, die Festsetzung vom 1. Ok­tober ab in ter dort bemerkten Höhe vvrzuneh- men. Wenn auch nicht verkannt wird, daß in den letzten Monaten durch die gewaltige Teuerung die Instandsetzungskosten für die Hausbesitzer ganz beträchtlich gestiegen sind, so glaubt man doch mit Rücksicht auf die geringe Zahlungsfähigkeit ter Mieter nicht eine so beträchtliche Erhöhung auf einmal vornehmen zu sollen. Man hält vielmehr eine allmählige Erhöhung bis zur Erreichung eines angemessenen Prozentsatzes für rich iger. 3n diesem Sinne wird demnächst vor­aussichtlich die Festsetzung erfolgen." Der Her­ausgeber ter rm.-Korrespondenz bemerkt zu dieser Verlautbarung:3n eigner Dache. Entgegen der in hiesigen Blättern heute veröffentlichtenBe­richtigung" über dieneuen Mietsähe" bin ich gezwungen zu erklären, daß alle in meiner Mit­teilung über die neuen Mietzuschläge enthaltenen Einzelheiten am Mittwoch in persönlicher Rücksprache (Mll wem? D. Red.) mir ge­worden sind mit dem Zusatz, daß ter Beschluß tem Oberbürgermeister zur Veröffentlichung übergeben tourte. Mir wird heute erst mit« geteilt, daß ter Provinzialdirektor die­sen Beschluß g e ftern, den 18, zurückgezo­gen hat. Welche Gründe hierfür maßgebend waren, entzieht sich unserer Kenntnis. Wie man noch mitteilt, wollte man vor ten Wahlen eine Veröffentlichung der Mietsätze nicht mehr vornehmen. Wir erfahren weiter, daß heute über die Angelegenheit in den beteiligten Kreisen Ver­handlungen stattgesunten haten Das Kreis- a m t teilt mit, daß, ein: Verö se t tfung demnächst erfolgt. Dec Oberbürgermeister will die genaue Festsetzung nicht vor tem 21. ds. Mts. bekanntgeben."

* Darrnstadt, 18. Nov. Die Landwirt­schaft, namentlich ter Reformbund der Gu t s h ö f e in Dad-Nauhelm, Hal bis jetzt über 2500 Zentner Kartoffeln unentgelt- l i ch für die Minderbemittelten unserer Stadt ge­liefert. Weitere Lieferungen sind in Aussicht. Del ter Verteilung werten in erster Linie alte und gebrechliche Leute, KriegSinvallden urtb Krieger- toittoen berücksichtigt.

Die Stadtverordnetenwahlen in Metzen.

Gießen, 20. Hoo-embjr.

Die Agitationstätigkeit ter Parteien vor tem diesmaligen Wahltage hat sich in außerordent­lich bescheidenem Rahmen abgeuückelt. Der Geld­mangel hat tem Regsamkeit-willen ter Parteien FessÄn angelegt. Die bürgerlichen Par­teien traten nur mit einigen wenigen Zettungs- infevaten unmittelbar vor tem Wahltage vor die Wählerschaft, von Versammlungen nahmen sie ganz Abstand: die Parteien ter Vereinigten Dür- gerliste ließen au Wertem noch ein kurzes Flug­blatt verbreiten, das ten Wählern zusammen mit den Stimmzetteln in die Wohnung gebracht

ist folgendes:

wurde. Die Vereinigte Sozialdemokra­tische Partei hatte neben ter Zettungspropa- ganba noch eine öffentliche Wählerversammlung auf Freitag abend in das Eaf6 Leib einberufen. Don ter kommunistischen Iterbearbeit ist in ter bretteren Oeffentlichkell nichts weiter be­merkt worden.

3m Gegensatz zu dieser durchhöhere Ge­walt" bedingten flauen Vorarbell war die W a hl- b e t e i 11 gu n g verhältnismäßig stark. ®ad WMgeschast verteilte sich nach unseren Beobach.' hingen fast gleichmäßig über ten ganzen Tag.

Das Ergebnis der Abstimmung

Wahlbezirk

Vor­schlag 1 Zentrum

Dor- schlag 2 Komm.

Vor­schlag 3 Demokr.

Dor. schlag 4 D.S.P. D.

Dor. schlag 5 Verein. Dügerl.

Wahlbe. recht! gte

Abge­gebene gültige Stimm.

Un­gültige Stimm.

Nr. 1: Altes Nathans.......

8

116

37

195

214

1110

570

26

2: Stöbt. Dienstgebäube . . .

24

50

82

242

276

1204

674

23

3: Gewerbehans........

19

45

60

222

210

1051

556

25

4: Schulhaus, Schillerstraße .

24

52

78

245

287

1304

686

35

5: Alles Schulhaus......

26

92

90

277

228

1357

713

30

6: Schulhaus, Westanlage . .

35

31

120

131

283

1062

600

14

7: Alle Klinik.........

51

47

81

166

308

1221

653

17

8: Alle Klinik.........

65

52

69

196

276

1276

658

26

9: Konfirmanbensaal.....

81

46

48

134

315

1146

624

33

10: Realgymnasium......

45

34

88

117

363

1080

647

11

11: Stadthaus, Bergstraße . .

42

21

82

96

370

1033

611

21

12: Handelskammergebaude. .

25

14

65

107

375

986

586

5

13: Oberrealschule.......

21

34

71

125

293

928

544

16

14: Israel. Gemeindehaus . .

21

43

30

165

124

877

383

19

15: Iustizgebäude........

28

64

91

128

417

1266

728

22

16: Regierungsgebäude ....

29

69

49

143

238

1075

528

29

17: Hotel Prinz Carl.....

53

59

58

174

330

1163

674

35

18: Stadthaus, Gartenstraße .

24

53

78

120

354

1150

629

17

621

922

1277

2983

5261

20289

11064

404

llnfer Stadtparlameitt zahlt 42 Sitze. Da 11 064 gültige Stimmen abgegeben wurden, waren für jedes Mandat mindestens 263 Stimmen er­forderlich Unter Zugrundelegung dieser Ziffer tritt folgender

Mandatbesitz

zutage: 21 Sitze ter Vereinigten Bürger liste, 11 Sitze ter Vereinigten Sozialtemvkratiichen Partei, 5 Sitze ter Demokratische Partei, 3 Sitze ter Kommunisten und 2 Sitze des Zentrums. Die Demokraten ei4fyielten ihren 5. Sih dank ihrer hohen Restziffer von 225 Stimmen, dre Listen­verbindung mit tem Zentrum, das 95 2<eftftimmen verzeichnete, hatte auf die Erlangung des fünften Demokratensitzes Seinen Einfluß, da die Demo­kraten von allen Parteien die höchste Restziffer hatten und hiernach den Sitz erhalten mußten.

Die gestrige Absttmmungsziffer von 11468 gültigen und ungültigen Stimmen bei 20 289 WäMerechtigten ergibt eine Wahlbeteitr- gung von 56,5 Prozent. Diese Detriligang steht hinter ter von Der vorjährigen Land­tag s wähl, wo von 21 118 Stimmberechtigten 13 725 65 Proz. wählten, zurück, sie übertrifft aber die Beteiligung an der letzten Kommu­nal w a h l vom 1. 3uni 1919, too 10 347 Wähler (davon 27 ungültige Stimmen) = 44,8 Prozent ihr Stimmrecht ausübten. Del ter vorjährigen Landtagswahl erhielten in Gießen die Deutsch- nationale CÖeff.) Vvlkspartei 2238, die Deutsche Volkspartei 4340 und ter Hes­sische Bauernbund 20, zusammen also 6598 Stimmen, bei der Kommunalwahl am 1. 3uni 1919 brachte es die Vereinigte bürger­liche Liste, in ter damals auch die Demokraten und das Zentrum mitenthalten waren, auf 6012 Stimmen; gestern erzielte die Vereinigte Bürger­liste, ohne Zentrum und Demokraten, 5261 Stim­men. Berücksichtigt man bei dem Kommunal» zifsemverglelch die gestern von den Demokraten und tem Zentrum erreichten Stimmenzifsern, so muß man feststellen, daß das diesmalige ziffern­mäßige Minus dec Vereinigten Bürg-erlifte hin­sichtlich der Senkungsstärke in keiner Weise den erzielten Stimmenziffeim des Zentrums und ter Demokraten entspricht, daß sich die in der Ver­einigten Dürgerliste zusammengeschlosse­nen Parteien im Gegenteil sehr gut gehal­ten haben. Daß die jetzige Ziffer der 'Bereinigten Bürgerlichen im Vergleich zur Landtagswahlziffer geringer ist, hat man ter gestrigen geringeren Wahlbeteiligung zuzuschreiben. Das Zentrum erreichte im vorigen Jahre bei ter Landtags- toafil 702 Stimmen, gestern 621. Die Demo­kraten brachten es bei ter Landtagswahl auf 1542, jetzt auf 1277 Stimmen. Auch bei diesen bürgerlichen Parteien dürfte die gestrige geringere Wahlbeteiligung eine hinreichende Erklärung für ten zifsernmäßiäen Stimmenverlust geben, wenn auch das Manko ter Demo traten reichlich hoch erscheint. 3m großen und ganzen kann man vom bürgerlichen Standpunkt aus mit tem Wahlergeb­nis sehr zufrieden fein, es entspricht jeden­falls ganz und gar tem, womit man von Dom- h.-rein gerechnet hatte. Die Sozialdemo­kratie wird dagegen keinen Grund zur Freute (jaben. Sie hatte es bei ter vorjährigen Landtags- nxlhl auf 4432 Stimmen gebracht (3005 S. P. D. und 1427 11. S. P.), bei der Kommunalwahl vom 1. Juni 1919 zählte sie (beide Richtungen zusam­men) 3651 Stimmen. Von ter mittlerweile voll­zogenen organisatorischen Wietervereinigung einerseits und von tem verschärften Daseins­kämpfe anderseits hatte sie zlveifellos außer- vrdenlliche Vorteile für ihre Partei erwartet: khre Schlagwortagitation ließ diese Hoffnung teullch genug erkennen. Der gestrige Sonntag hat ihr aber eine starke En t u schu ng ge» b mcht. Sie hat mit ihren gestern erzielten 2983 Stimmen trotz organisatorischer Ver­einigung und trotz ter Not ter Zell noch nicht einmal ihren Stand von vor drei Jahren, ge»

schweige ten vom vorigen Jahre erreicht. Große Teile ter Wählerschaft haben ihr ten Rücken gekehrt, sie sind meist nach rechts, zum Dell zur äußersten roten Ecke abgetoantert, da sie sich von ter sozialistischen Wieteraufbauarteit mit Recht nichts versprechen. Es wird Tag. Mit einem starken Plus haben die K o m m u n l ft e n abgeschnitten. Von 451 Stimmen bei ter vor­jährigen Landtagswahl haben sie sich gestern auf 922 emporgeschnellt, während sie vor drei Jahren bei ter Kommunalwahl gar nicht in Erscheinung getreten waren. 3hr Gewinn wird die Flüchtlinge au5 tem Heerbann Hermann, Müllers umfassen. Die Wählerschaft der Privat- angeftelltenlifte, die bei ter 1919er Kommunal­wahl zu verzeichnen war, dürfte sich gestern wohl auf alle Parteien verteilt haben.

Dergleichen wir die Mandatsvertei­lung, so ist auch hier ztz bemerken, daß die Vereinigte Bürgerliste au gezeichnet abgeschnitten hat. 1919 waren unter dieser Flagge 25 Stadt­verordnete gewählt worden, zu denen die Demo­kraten und das Zentrum gehörten. Dazu traten noch 2 Stadtverordnete ter Privatangestellten­liste. Gestern haben die Parteien ter Vereinigten Dürgerliste (Rechtsparteien und Bürgerverein) allein 21 Sitze erftritten. Den Demokraten fallen, 5 und tem Zentrum 2 Mandate zu. Vielleicht hätte das Ergebnis für die bürgerlichen Parteien noch günstiger sein können, wenn sie nicht mit drei Listen vor die Wählerschaft getreten wären. Erfreulich war die bürgerliche Spaltung in dieser bedeutsamen 'Wahlschlacht nicht, und wir wollen nur hoffen, daß sie im Stadthause nicht ihre Fortsetzung findet. Die Schuldfrage wollen wir in ter Hoffnung auf ein enges bürger­liches Zusammenarbeiten im neuen Parlament heute unerörtert lassen. Die Sozialdemokratie kehrt geschwächt in das Parla­ment zurück. 1919 hatte sie sich 15 von den 42 Sitzen erobert, gestern hat sie nur noch 11 be­hauptet. 3 Sitze hat sie ten Kommunisten ab­treten müssen, die also nunBeobachtungsposten" in das Stadthaus entsenden.

Als Gesamtresultat ist die Tatsache zu ver­zeichnen, daß die bürgerlichen Parteien ihren Besitzstand gewahrt und ten von ten Linksparteien hoffnungsfroh unternommenen Ansturm glänzend abgeschlagen haben. Wir freuen uns über dieses Ergebnis, denn es gewährleistet, daß in unserem Stadthause ter Wille zur vor­sichtig wägenden, verantwortungsbetouNten, für alle Mitbürger gleichermaßen hantelnden und verpflichtenden Wiederausbauarbett auch toe'iter- hin maßgebend bleiben wird. Manche Stadt mit einem Reteparlament dürfte die Gießener Bür­gerschaft um dieses Parlament des ent- schieden st en Arbeitswillens beneiden.

*

Das neue Stadtparlament, das am 1. Hanuar 1923 sein Amt antritt, seht sich wie folgt zusammen: Vereinigte Dürgerliste der Deut- scheu Volkspartei, der Deutschnatro- nalen Volkspartei und des Bürger- Vereins:

1. Krausmüller, Dr., Georg, Professor. Stadt­verordneter. 2. Naumann, Minna, geb. Thor- wart, Ehefrau. Stadtverordnete. 3- Dchmahl, Karl, Antt:ge icht Direktor, Stadtverordneter. 4. Winn, Heinrich, Stadtverordneter. 5. Horn, Wilhelm, Kaufmann, 6. Kramer, Wilhelmtne geb. Engel, Ehefrau, Stadtverordnete. 7. Kraillng. Karl, Schlossermeister, Stadtverordneter. 8. ^Zecker. Georg, Bauunternehmer. 9. Borgmann, Dr. Wil­helm, Professor ter Forstwissenschaft. 10 Schwio- ter, Theodor, Apotheker. 11. Wenzel, Fritz, Dreher, Stadtverordneter. 12. Kling, Georg, Lehrer, Stadtverordneter. 13. ßöber, Wilhelm, Dackerobermeister. 14 Oottmann, Heinrich, Gutt- pächter. 15. Müller. Valentin, Rettor. St>dt- üeuDibneter. 16 Kirchner, Herrn.,Prttatangesl ei lter.