Ausgabe 
20.11.1922
 
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Montag, 20. November 1922

172. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverstlStr-Such und Steinbruderei N. Lange in Gießen. Schriftleitung unb GefchSftrstelle: Schulfttatze 7.

nr. 273

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DieSchwierigkeitenderKabinettsbudung.

Berlin, 18. Rov. Wie die Blätter melden, soll Geheimrat Cunv bei seinen Bemühungen zur Bildung des Kabinetts auf große Schwie­rigkeiten gefloßen sein, daß er in einem Schreiben an den Reichspräsidenten erklärte, die Aufgabe würde an dem Deichalten bei Parteien scheitern. Gs seien zwar alle in Betracht kommenden Parteien darüber einig, daß sie das Programm der Reparationsnote Dom 13. Rovember anerkennen, aber jede der Parteien versteife sich darauf, bestimmte Personen in dem zukünftigen Kabinett zu sehen und 'die anderen Parteien erklärten immer gerade jewcus diese Personen als für sie unannehmbar. Der Reichspräsident soll darauf den Auftrag Cunos dachin erroeitert haben, daß er den Versuch machen solle, ein Kabinett zustande zu bringen, das über den Parteien stecht.

Rach derDvssischen Zeitung" nimmt man in politischen Kreisen an, daß, falls es nicht gelingen sollte, ein Kabinett Cuno zustande zu bringen, dem Reichspräsidenten kaum etwas anderes übrig bliebe, als den Reichstag aufzulösen.

DieKölnische Zeitung" hort, daß die D e u t- sche Dolkspartei die bestimmte Forderung aufgestellt hat, daß die Führung der auswärtigen Politik Dr. Stresemann übertragen wiro.

Ein Schreiben Cunos an den Reichspräsidenten.

Berlin, 18. Rov. (WTB.) Der mit der Bildung des Kabinetts beauftragte Geheimrat Cuno rtfjLete an den Reichspräsidenten in den Abendstunden folgendes Schreiben:

Herr Reichspräsident! Sie erteilten mir den Auftrag zur Bildung des Reichslabinetts, nach­dem Ihre persönliche Fühlungsnahme mit Len Parteiführern ergab, daß sämtliche Parteien der Arbeitsgemeinschaft und der Svz albevo rat e auf dem Boden der an die Reparationskommission gesandten.Rote vom 13. Rovember stehen und mir das Vertrauen entgegen bringen, das neue Kabinett zu bilden. 3m Hinblick hierauf habe ich den Auftrag in der Absicht angenommen, ein Kabinett der Arbeit zu schassen, das in seiner Zusammensetzung der Rotwendigkeit sach­licher Führung der Geschäfte entspricht und vom Vertrauen des Reichstags getragen wird. Die hierfür erforderlichen Besprechungen mit den Füh­rern haben ergeben, daß einzelne Par- Wünsche, sondern auch Anträge und Wünsche vorbringen, die die Zahl der einer Partei zu entnehmenden Kabinettsmitg ieder u b deren Person und Ressort, p sogar die Frage betreffen, ob ein Mitglied des bisherigen Kabi­netts ein anderes Ressort übernehmen soll. Damit entfallen d i e Voraussetzungen, un er denen ein zu sachlicher Arbeit geeignetes Kabinett gebildet werden kann. So wenig ich die Rot- wenlftgle ft verk.nn?, die Zusammenarbeit zwischen Parlament uno Kabinett, auch durch dessen Zu­sammensetzung, sicherzustellen, so sehr muß ich entschiedenes Gewicht daraus legen, daß dir Aus­wahl der Mitglieder und der Ressorts dem Er­messen beßjtnigen überlassen bleibt, dem der Auf­trag zur Bildung übertragen wurde. Da das zur Zeit nicht der Fall ist, bitte ich, den Auftrag zur Bildung des Kabinetts in 3hre Hände zarück- [egen zu bürfen, wobei ich nicht verhehlen möchte, für das Vertrauen zu danken, das mir durch den Auftrag zuteil wurde. Mit der Versicherung aus­gezeichneter Verehrung und Hochachtung bin ich, Herr Reichspräside it, Ihr ganz ergebenster Cuno.

Der Reichspräsident hat die Par­teiführer für abends 7 stlhr zu einer Be­sprechung bei sich gebeten.

Neue Verhandlungen.

Berlin, 18. Rov. (WTB.) Die Derchand- [ungen, die der Reichspräsident unter der Bekanntgabe des Schreibens des Generaldirektors Cuno 'h^ute abend'7 ftlhr mit den Führern der Fraktionen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten, der Bayerischen und der Deutschen Volkspartei begann, haben bis in die späten Abendstunden 'hinein gedauert. Ein abschließendes Ergebnis ist nicht erzielt worden, doch hat sich aus der Desprechmng die Möglich­keit ergeben, baß die aufgetretenen Schwierigkeiten in der Weise überwunden werden können, daß die vorgenannten Parteien auf der Grundlage des von ihnen zusannnenhängend mit der deutschen Rote an die Reparationskommission vom 13. 11. vereinbarten Programmes Cuno freie Hand in der Auswahl feiner Mitarbeiter lassen und daß die dann so gebildete Regierung beim Reichstage um eine Vertrauenszustimmung nachsucht. Aus dieser Basis würde Cuno seine Bemühungen um die Kabinettsbildung mit Aus­sicht auf Erfolg fortsehen können.

Widerstand der Sozialdemokratie.

Berlin, 20. Rov. Wie die Blätter melden, hat am gestrigen Sonntag eine Zusammen­kunft führender s ozialdemok ra- tischer Politiker stattgefunden, die zu dem Ergebnis kamen, daß die Sozialdemokratie die große Koalition nach wie vor ablehne. Ein solcher Antrag soll auch der heute nachmittag 2 ftlhr stattfindenden Frartionssihung unterbreitet werden. Sollte die Sozialbemokratie an ihrer ablehnenden Stellungnahme weiterhin festhatten, so will Reichspräsident S be r t. wie dieMontags- post meldet, einen Führer der Arbellsgemeinsck^rft der Mitte mit der DildungeinerMinder- beitsregierung betrauen. Der BertLok.- Anz." berichtet, daß noch im Laufe des gestrigen Lldends, als das Ergebnis der sozialdemokratischen

Sitzung bekannt wurde, die Führer der bürger­lichen Parteien sich mitemanber in Ver­bindung gesetzt hätten. Rach dem Ergebnis dieser Besprechungen sei anzunehmen, daß zwischen Deutscher Volkspartei, Bayerischer Vollspartei, Zentrum und Demokraten ein Einverständnis dar­über erzielt werden wird, ein bürgerliches Mittellabinett zu bilden. Ob es sich um ein überparlamentarisches oder um ein politisches Kabinett handeln werde, lasse sich noch nicht sagen, fest aber stehe, daß Geheimrat Cuno der Zustim­mung dieser vier Parteien sicher sein könne.

Eine deutsche Widerlegung der Poincars'schen Verdrehungen.

Berlin 18. Rov. (WTB.) Zu der Rede Poincares in ter gestrigen Kammersitung erfahren wir von zuständiger Seite: Poincarö stellt in sei­ner Rede u. a. Behauptungen auf über die skan­dalöse Prosperität der deutschen Groß i n d u st r i e unb die Wiederervberung der Welt­märkte durch Deutschland, über ungeheure Käufe in den Vereinigten Staaten, systematische Er­höhung der Deamtenzahl, Deamtengehälter ohne Ausgleich durch Steuern usw.

Die Zahl der Beamten und Angestellten nach Kriegsschluß nahm zur Hauptsache infolge Durch­führung des Friedensvertrages zu, haben doch b ft- spielsweise dessen Best immu-gen über das Aus­gleichsverfahren die Schaffung des A u s -- gleichsamtes mit 5 0 0 0 Beamten und' Angestellten notwendig gemacht oder die Vie = ablieferungskommission mit 1000 Be­amten und Angestellten. Ferner sind ganz auto­matisch durch Derreichlichung der Eisenbahnen und den Ausbau der Reichssteuerverwattu rg eine große Zahl früherer Landes beamte Reichsbeamie geworden. Die Zahl der Beamten und Qlngeteilten wurde in der letzten Zeit erheblich verringert, was in ^nächster Zeit noch fortgesetzt wird. Bei der letz­ter. Anwesenheit des Garantiekomitees in Berlin Juli 1922 wurde der Rachweis geführt, daß die Beamtengehälter an ihrem Goldwert ge­messen dauernd zurückgegangen seien. Das Gehalt gleicher Beamten betrug in runden Zahlen: 3n Papiermari 1914: 7200, 1920: 34COO. IS21.4&CG3, Oktober 1922 : 840 000. 3n Goldmark 1914 : 7200, 1920: 360, 1921: 220, Oktober 1922: 1100. Rach der inneren Kaufkraft 1914: 7200, 1920: 5200, 1921: 3900, Oktober 1922: 2200.

Was die Steuern anlangt, so betrugen die Einnahmen aus den Besitz-, Verkehrs - und Verbrauchssteuern, Zöllen sowie Aus­fuhrabgaben im Jahre 1918 5 936 Milliar­den Mark, 1919 8 090, 1920 44.534. 1921 82,739, 1922 (bis 31. 10 ) 185,747 Milliarden Mark. Es kann also nicht die Rede davon sein, daß die Be­amtengehälter nicht durch Steuern ausgeglichen würden, ftlnd was die Zahlung der Steuern be­trifft, so genügt es wohl, aus die Tatsache des seit 1920 durchgeführten 10 proz. Lohn- und Ge- haltsabzuas bei allen Festbftold-eten und der Arbeiterschaft sowie darauf hinzuweisen, daß je­der Steuerpflichtige Vorschüsse auf Grund seiner vorjährigen Veranlagung zahlen muß.

Daß die Statistik des deutschen Außen­handels bei der gegenwärtigen ^Instabilität der Währung nicht mehr die gleich zuverlässigen Zahlen wie früher ergibt, ist richtig; das ist aber eineTatsaiHr, die auch anderens.rdern in ähnlichen Verhältnissen nicht unbekannt ist. Hat doch sogar Frankreich, obwohl es sich hinsichtlich seiner Wäh­rung in einer ungleich besseren Lage befindet, in­nerhalb der letzten drei Jahre die Methode der Wertermittelung dreimal ändern müssen, ohne daß die Zahlen der französischen Außenhandels­statistik nunmehr Anspruch auf absolute Richtig­keit erheben könnten. Rach der letzten verbesserten Methode der Wertermittelung in Goldmark be­trug im ersten Reparativnsjahr, d. h. in der Zeit vom 1. Mai 1921 bis zum 30. April 1922 die Passivität des deutschen Außenhandels 1,865 Mil­liarden Goldmark.

Poincarä verweist ferner auf die deutsche Schleuderkonkurrenz auf dem Weltmärkte und behauptet, Deutschland habe den Weltmarkt wi:dererobert. Die deutsch: Regierung hat ver­sucht, durch eine Aus uhrprfts ontcolle dke Aus­fuhrpreise den Weltmarktpreisen argugleictea, doch haben diese Bemühungen infolge der außer» ordentlich raschen Entwertung der Mark jn der letzten Zeit keinen vollen Erfolg haben können, und was die Eroberung des Weltmarktes an­langt. so beträgt die deutsche Ausfuhr heute knapp ein Drittel der Dorkriegsaussühr.

Es ist zwar richtig, daß die Arbeits­losigkeit in Deutschland v rhältnismäßig ge­ring ist, der Hauptgrund dafür liegt aber darin, daß Deutschland jetzt viele Waren, die es früher im Ausland kaufte, und die es bei normalen Sesckä tsve hälttft sen auch Vorteilhaf er aus dem Auslande beziehen würde, jetzt im eigenen Lande erzeugen muß, weil die geringe Kaufkraft der Mark den Bezug aus dem Auslande ausschließt. Es kommt ferner in Betracht,. daß von Deutsch­land wichtige Gebiete industrieller und landwirt- schaftlich.r älebe shußpr-du tion ab^etre mt wur­den mit dem Ergebnis, daß dieser Ausfall durch vermehrte Arbeit im übrigen Deutschlcvrd gedeckt werden muß Trotzdem nimmt die Arbeitslosig­keit in Deutschland in der letzten Zeit zu, insbe­sondere aus dem Grunde, weil die deutsche In­dustrie die Rohstoffe und Arbeitskräfte nicht mehr bezahlen kann, und well die industriellen Detriebs- mittel infolge der starken Entwertung der Mark zur Finanzierung der Betriebe nicht mehr aus­reichen und trotz des Vorliegens genügender Auf­

träge zu DetriebSeinschränkungen geschritten wer­den muß.

Die großen Käufe in Amerika erklären sich daraus, daß Amerika der Hauptlieferant Deutschlands für Rohstoffe und Getreide ist, und diese Waren den grössten Teil der deutschen Aus­fuhr ausmachen. Aber trotzdem bleiben die deut­schen Käufe in Amerika wesentlich hinter den­jenigen vor dem Kriege zurück. So bezifferte sich beispielsweise btc deutsche Einfuhr an Roh­baumwolle im ersten Halbjahre 1922 auf 1,6 Mill. Doppelzentner gegen 2,9 Millionen Doppelzentner im gleichen Zeitraum 1913.

Unb dieskandalöse Prosperität der deutschen Industrie?" Zur Wider­legung braucht nur darauf hingewiefen zu werden, daß im August 1922 der durchschnittliche Kurs­wert 'bet an der Berliner Börse gehandelten Aktien in Papiermark 837 Milliarden betrug, der Goldmarkwert dagegen nur 3,25 Milliarden. Im Durchschnitt belief sich die Divideirde auf 20,38 Prozent in Papiermark und 1,85 Prozent in Gold­mark. Demgegenüber rechnete man vor dem Kriege mit einer Drrchschnittsdividende von I Prozent in Goldmark.

Im übrigen scheint auch Poincarß nicht so sehr von dem ungeheuren Werte der deutschen Industrie überzcuft zu sein, leimt er doch in seiner Rede die Beteiligung Frankreichs an der deutschen Industrie ab, da sie nur sehr geringe Summen einbringen werde.

Zur Frage des angeblichen absichtlichen Bankrotts Deutschlands braucht nur auf die Ausführungen Loucheurs imHomme Libre" vom 13. März verwiesen zu werben, wo er klipp unb klar ausdrückt, man müsse endlich mit der Legende des bewußten dcutschen Dankerotts auf­räumen. Schließlich behauptet der französische Mi­nisterpräsident, Deutschland habe niemals den aufrichtigen Wunsch gehabt, seine Repara­tionsschuld zu begleichen. Demgegenüber kannn nur immer wieder auf die feststehende Tat­sache Angewiesen werden, daß Deutschland bisher auf Grund des Friedensvertrages an einmaligen und fortlaufenden Leistungen bereits mindestens 41 Milliarden Goldmark gezahlt hat.

Die französischen Sozialisten über den Versailler Vertrag.

Paris, 19. Rav. (WTB.) Der in Mar­seille ab gehaltene sozialistisch-radi- kale Parteitag erreichte gestern seinen Abschluß. Ss wurde beschlossen, den Kongreß im nächsten Jahre nach Paris einzuberufen. 3h der programmatischen Erklärung, die vor Beendigung der Kongreßarbeiten angenom­men wurde, wird festgestellt, daß der Ver­sailler Friedensvertrag als Werk der Geheimdiplomatie Enttäuschungen hervorgerufen habe. De Partei wünsche friedlicheMetHoden gege:.ü'.erDcutsch- land und praktische Lösungen. Sie werde d-as von den sozialen Organisationen ausgearbei- tete Abkommen zur Lösung der Reparations­frage unterstützen, das das allgemeine Inter­esse über das Parteiinteresse stelle. Die Re­parationsfrage erfordere einen Appell an die Solidarität der Völker, die Kompensierung der Kriegsschulden, eine internationale Anleihe, Sachlieferungen, und die Hilfe der deutschen Arbeiter.

Die Lausanner Friedenskonferenz.

Paris, 18. Rov. (WTB.) Die Eröff­nung derLausannerFriedenskonfe- renz ist auf Montag nachmittag fünf Ähr festgesetzt worden. Po'.ncare wird dieser Sit­zung als Zuschauer beiwohnen. Rach einer Mitteilung der HavaSagentur hat er die Ab­sicht Lausanne am Diensta abend zu verlassen. Der zweiten Sitzung der Friedenskonferenz, die auf Dienstag anberaumt ist, wird Poin- car6 nicht beiwohnen. Rach Havas wird der französische Ministerpräsident in Lausanne auch mit Vertretern der alliierten Balkanstaa­ten verhandeln.

Eine Vorkonferenz »n Paris.

Paris, 18. Rov. (WTB.) Ministerpräsi­dent Poincarä hat heute mittag zu Ehren Lord Curzons ein Frühstück gegeben. 3m Anschluß daran haben sich Poincare unb Lord Curzon in den Konferenzsaal des Quai d'Orsay begeben und mit dem Verhandlungen begonnen. Die Sitzung wurde um 3 stlhr von Poincarä er­öffnet. Anwesend waren u. a. der italienische Botschafter Baron Avezzano, der englische Botschafter Lord Hardinge, ferner von engli­scher Seite u. a. ftlnterstaatsselretär Tyrrel und außerdem di? beiden französischen Friedens­delegierten für Lausanne, der Botschafter in Rom Barriere und der ehemalige Botschafter In Konstantinopel Dompard. Auch Marschall Foch war anwesend.

Paris. 18. Rov. (WTB.) Poincarä unb Lord Curzon haben heute vormittag Paris verlassen, um nach Lausanne reifen. Die Zusammenkunft mit Mussolini soll nicht, we gestern von französischer Seite mitgeteilt wurde, in Territet, sondern in Lausanne stattfinden.

Paris, 18. Rov. (WTB.) Havas. 3n den Besprechungen über die Orientangelegen- feiten, die um 71/2 ftlhr abends beendet waren, ist ein befriedigendes Abkommen erzielt worden.

Der Kuhhandel perfekt?

Paris, 20. Rov. )WTB.) DieChicago Tribüne" schreibt, der englische Delegierte in der Reparationskommission Bradburh habe von dem neuen englischen Kabinett Anwei­sungen erhalten, die französischen R e p a r a tionsansprüche gegen Deutschland aufs denkbar weitgehendste zu unter stützen. 3n der Konferenz vom vorigen Sams­tag habe Lord Curzon Poincarä erklärt, die eng­lische Regierung schicke sich an, Frankreich bei der Erzwingung von Zahlungen seitens Deutschlands zu unterstützen. Das Blatt führt diese Abmachungen auf einen Ausgleich zwischen Orientpolitik und Reparationsfrage zu rück.

Der britische Gotschafterwechse! in Paris.

London, 18. Rov. (WTB.) Reuter meldet. Marguis Grewe ist zum britischen Botschaft^ in Paris ernannt worden an Stelle von Goto Hardinge, der aus dem diplomatischen Dienst ausscheidet.

Clemenceau in Neuyork.

Paris, 18. Rov. (WTB.) Rach einerHavas- mefbung aus Reuhork ist Clemenceau heute dort angekommen.

Die Ereignisse in Konstantinopel .

London, 18. Rov. (WTB.) DieTimes" meldet aus Konstantinopel, daß die Fa­milienmitglieder des Sultans unter den Schutz der alliierten Truppen gestellt wurden. Die alliierten Generale unb die stellvertretenden Oberkommissare hatten gestern nochmals eine Unterrebung mit 91 ef et Pascha über die F; ine der Aufrechterhaltung der Ordnung. Refet be­stritt nicht das Recht der alliierten Truppen, in Konstantinopel zu bleiben, erklärte aber, sie dürften sich nicht mit der Aufrechterhaltung der Ordnung unter1 der Zivilbevölkerung befassen. Wie verlautet, wurde ein Kompromiß getroffen, wonach die alliierten Truppen sich auf den Schutz der nrchttürkischen Einwohner beschränken sollen, während die Türken für dic Aufrechter Haltung der Ordnung unter der türkischen Bevölkerung sorgen werd«:.

Der neue Sultan der Kemalisten.

Paris, 18. Rov. (WTB.) Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel hat die Rationalversammlung von Angera den Thronfolger Abdul M e d s ch i d Effendi zum Kalifen gewählt. Die offizielle Bekanntgabe der Wahl soll unverzüglich erfolgen. Die Sin- setzungszeremonien werden morgen stattfinden.

Ein Bündnisvertrag zwischs der Tschechoslowakei und

Jugoslawien.

Prag, 18. Rov. (WTB.) Tschrcho-slowa- kisch.s Pressebureau. Amtlich wird der Tert des am 31. August in Marienbad zwischen der Tschecho-Slowakei und 3 u g d f L a to i . abgeschlossenen Allianzvertrages mitgo teilt. Der Vertrag besagt im einzelnen: Das am 1. April 1920 in Marienbad zwischen den beiden Staaten abgeschlossene Abkommen wird auf die gleich? Zeit wie die Marienbadener Ko.rventioir verlängert. Beide Vertragsparteien nehmen die politischen und militärischen Verträge und Ab­kommen zur Kenntnis, die einerseits die Tschecho- Slowakei mit Rumänien, Oesterreich und Polen, Jugoslawien andererseits mit Rumänien und Ita­lien abgeschlossen haben. Die Vertragsparteien werden sich bemühen, allen wirtschaftlichen, finanz- zie'.len und Verichrsbeziehungen eine feste Grund­lage zu geben und einander dabei engste Zusam- menarbrit zu sichern. Sie verpflichten sich, ein­ander alle nationalen Beziehungen zu gewähren für den Fall, daß sie die gemeinsamen Onteressen für bedroht hatten und gehen die Verpflich.ung ein, sich über die Maßnahmen zum Schuhe dieser Interessen zu einigen. Die Konvention bleibt fünf Jahre vom Tage des Austausches der Ratifikationsurkunden an in Kraft, llrach Ablauf dieser fünf Jahre kann jede der Vertragsparteien die Konvention kündigen, indem sie hiervon dein anderen Vertragspartner sechs Monate vorher Mitteilung macht. Die Regierungen der beiden Staaten haben den Völkerbund um Re­gistrierung dieses Allianzvertrages ersucht.

Benesch in Paris.

Paris, 18. Rov. (WTB.) Heute vormrttag ist der tsch?choslowaftsche Minister des Aeußeren B e n e s ch über Straßburg in Päris eingetroffen.

Die Gröffnnng des englischen Urtterhanfes.

London, 20. Roo. (WTDft Das Hinter­haus wird heute vormittag 8 älhc eröffnet Die Mitglieder des Haufes a-erden daun i Plätze belegen. Di: ofsizstl e Eröffnung ber P" findet am Rachmittag statt. DerOoferD det, daß Samsay Macdonald versuch der Haupteinpeitscher der Arbellerpart den. Clynes coird der Führer der Pa Das Befinden des Premierministers bessert, doch ist er noch nicht ganz gestellt. >