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lenens 3iiftonfr Gewißheit 44 erhalten, gab er mir die geforderte Auskunft

6ic war wenig tröstlich. Wie er Dorauä- gefagt, hatte sich ein schweres Rervenfieber ent» wickelt. Helene Lig schon tagelang ohne 'Betodtt- fein, und es musste eine Art von Wunde' ge schehen, wenn sie mit ihrem zarten und hir-säl ligen Körper di< Äranff>rit überstehen sollte.

3d) weist nicht, wie eS kam aber ich hatte fast die Gewißheit. daß dieses Wunder sich er­eignen würde. vielleicht, weil meine Mutter ge­sagt hatte, sie würde für Helenes Genesung beten

..Ich mietete mir eine Wohnung, von deren Fenstern aus ich den Eingang -u dem Hause ber Hustj-rätrn überblicken tonnte, und ging von nun an täglich zweimal zu dem Ar- e mir meine Auskunft zu holen. Unb da ich doch irnmd etwas beginnen mußte, um die 3eit -wische1 den beiden Gängen herumzabringen. suchte ich meine Bücher l.era-us und fing an, darin zu studieren. 3uerit r'anlos. bann aber mit dr de im nie. Adstcht d.e Lücken meines juristischen Bil:ang5g-a^es auszufüllen. Das hrißt wen-, ich von Lücken spreche, so ist dos ein Euphemismus Mein .Bilkwngsgang' bestand darin, dast ich in jedem Semester die vorgeschriebenen Kv'I gien belegt und durch Len Pedell txxä Geschäft des An- und Abtestierens hotte besorgen lassen. Wir hiel­ten es damals für unter unsrer Würde, bte Kollegien selbst zu besuchen. Für das-um Gramen nötige Wislen muhte der Einpauke- sorgen. (Tn der ersten Zeit kostete es mich keine geringe ileberwindung. den ganzen Tag Hurter den Bu­chern -u sitzen, aber allmählich fing ich an. der Arbeit Geschmack abzugewiniren unb einzusehen, dast meine Mutter recht hatte, wenn sie von ihr als der besten Trösterin sprach.

Eines Tages, es waren fast sechs Wochen vergangen, erhielt ich drüben brim Arzte ine Auskunft, m Helenens Befinden sek eine Wend rng -um Besseren eirgetreten. Das Hem schwoll mir vor Freude und Hoffnung, ich schenkte dem ersten Bettler, der mir beaegmete, einen Taler und trug mich auch sonst mit allerhand Plänen, diesen Festtag zu feiern. Dann aber ging ich nach Hause und fehle mich wieder an die Arbeit Was hätte ich auch sonst wohl tun sollen?!

l Fortsetzung tolgL)

Rr. 143 Awttter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 21. Juni 1922

III11

Die Wahlen zum Saarparlament.

21116 dem Sa a rrev te r wird uns ge­schrieben:

Am Sonntag, den 25. Juni, finden im Saarland die Wahlen zu dem im Versailler Diktat vorgesehenenSaarparlament" statt. Dem schönen WortParlament" wird freilich schweres llnrecht getan, wenn man es auf diese in der Entstehung begriffene Körper­schaft anwendet, deren Vorhandensein an der bisherigen absolutistischenRegierung des Saarlandes nicht viel ändern wird.

3n der Tat gibt es mitten tm Europa noch ein Land, das absolutistisch regiert wird, und noch dazu tm Hamen des Völkerbundes! Die Regierung des Saarbeckens, über dessen weitere Zugehörigkeit zu Deutsch­land bekanntlich nach Ablauf von 15 Jahren nach dem Inkrafttreten des Versailler Ver­trags durch VollSabstimmung entschieden wer­den soll, besteht auS fünf vom Rat des Völ­kerbundes ernannten Mitgliedern. Wer sind nun diese Mitglieder? Zunächst der Franzose R a u l t, der den Vorsitz führt, dann der Saarländer Dr. Hektor, ein früherer ab­gesetzter Bürgermeister von Saarlouis und ausgesprochener Franzosenfreund, ferner der Belgier Lambert, ein bekannter Partei­gänger Frankreichs, der Däne M v l t k e, gleichfalls Franzosenfreund, und endlich der Kanadier Waugy, dem man für die Inter­essen des Saarlandes kaum allzuviel Verständ­nis zutrauen kann.

Dieser Regierungsausschuh, in dem der französische Einfluß völlig entscheidet, besitzt laut den Bestimmungen von VersallleS alle Regierungsbefugnisse, die früher dem deutschen Reiche, Preußen und Bayern zu- ftanben, einschließlich deS Rechts, Beamte zu ernennen und abzuberufen und alle ihm er­forderlich erscheinenden VerwaltungS- und DertretungSstellen zu schaffen. . . ., Steuern und Abgaben zu erheben" usw. Der Ausschuß regiert absolut; denn das einzige Recht der Bevölkerung gegenüber der RegierungS-- kommissivn, das in der Verpflichtung des Aus- schusseS besieht, die gewählten Vertreter der Bevölkerung zubefragen oderan» zuhöre n , ist rein dekorativer Natur, da eS im Belieben des Regierungsausschusses steht, ob er auf die Befragung und Anhörung in irgendeiner Form reagieren will. Bisher hat er eS konsequent nicht getan. Als die Saar­regierung vor kurzem den Kreistagen und den Gemeindevertretungen den Entwurf einer Iustizreform borlegte, wurden die Aen- derungsvorschläge lediglich den 2llten einver- Ictbf und die Vorlage ohne Rücksicht darauf >um Gesetz erklärt. Das Gleiche war bei der Einführung der Frankenwährung der Fall, die trotz der nahezu allgemeinen Ab­lehnung bdrebiert wurde.

Dieser Absolutismus, der wie ein Hohn auf die sogenannten demokratischen Grund­sätze des Völkerbundes erscheint, wird sich Ichtoerlicf) ändern, wenn statt der Kreistage und Gemeindevertretungen das sogenannte Saarparlamentbefragt oderangehört wird. Hen Rault, der Vorsitzende der Re- qierungSkommiffton, hat ja von L 0 u ch e u r die gebunbene Marschroute erhalten, er dürfe die Erwartung Frankreichs nicht vergessen, dast er für die Auslieferung des Saargcbie- teß an Frankreich Sorge trage. Die Wah­len zum Saarparlament werden denn auch in weiten Kreisen nur als schöne Geste betrachtet, die nach außen hin Eindruck machen und den Anschein der Wahrung des Selbst­bestimmungsrechtes erwecken soll. ist der

Grund, weshalb die Deutschnationalen wie die Sozialdemokraten den Beschluß gefaßt haben, sich nicht an der Wahl zu beteiligen. Im Gegensatz dazu sind alle anderen Parteien zur Wahlbeteiligung entschlossen, da sie jede politische Abstinenz als einen schweren Fehler ansehen. Schon deshalb, well seit der Besetzung durch Frank­reich die Franzosen, von denen früher hier, noch nicht ein Duyend vertreten fparen, in Scharen eingewandert sind. Da aber nach dem Wahlstatut auch alle Franzosen und Französinnen über 20 Jahre, die jetzt tm Saargebiet wohnen, daSWahl° recht haben und von der französischen Ko­lonie für restlose Wahlbeteiligung rege Pro- paganda betrieben wird, wird man immmerhin auf eine ganze Anzahl französischer Stimmen rechnen müssen. 2luf diese Weise könnte aber nachträglich noch eine gewisse Unterlage für die gefälschte Saaradres se geschaf­fen werden, die angeblich von 150 000 Saar- franzosen (welche eS nie und nirgends gege­ben hat) unterzeichnet sein und die um Wie- berüereinigung mit demMutterlande Frank­reich" ersucht haben soll.

Auch kommt hinzu, daß das Saarparla­ment, wenn es auch keinerlei Beschlußrecht hat, doch vielleicht einen wirksamen Resonanz­boden für die mannigfachen berede tigten Beschwerden der Saarlän­der bieten könnte. Aus diesen Erwägungen heraus hofft man, daß die erwähnten beiden Parteien doch noch von der proklamierten Stimmenthaltung Abstand nehmen werde: Auf alle Fälle wird man aber trotz aller Winkelzüge und trotz alles von oben geüb­ten Drucks mit einer großen deutschen Mehrheit rechnen können; denn die sogenannten Saarfranzosen sind eben nur ein Kun st Produkt, das so­gar unter der skrupellosen Protektion des fran­zösischen Regierungoausschusses und im schüt­zenden Schatten des Völkerbundes nicht ge­deihen will.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 20. Juni 1922.

Rach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen wird'der

Entwurf über die Getreideumlage weiter beraten.

2I5g Diez (Ztr.) steht nur in der freien Wirtschaft die Möglichkeit, die Produktion der Landwirtschaft zu steigern, und bittet, die ganze Frage mit größter Ruhe und Geschicklichkeit zu behandeln. Die Landwirtschaft verwahre sich da­gegen, daß sie allein die Lasten tragen solle. Vielleicht könne die Arbeiterschaft zu den Kosten beitragen, indem sie ileberftunben leiste, deren Ertrag für die Getreidebetchafsung verwendet wer­den könne Das Zentrum behalte sich seine Stel­lung zur Umlogefrage bis zir weiteren Klarang vor, lehne aber schon jetzt eine einseilige Be­lastung der Landwirtschaft ab

Abg. Dusche (D Vp.): Die landwirtschaft­lichen Organisationen stehen einmütig aui dem Standpunkt, daß die Umlage abgeschassl werden muß Wil zweifeln noch nicht daran, daß toir bei dem Minister Fehr Verständnis für unsere Anschauungen finden werden Wir wollen ihm 2 Millionen Tonnen (betreib' zu, rechten Zeit zur Verfügung ft eilen Wir sind aach einverstan­den, daß den Minderbemittelten dis Brot billiger gegeben toirb Aber man soll bei der Auswahl der Minderbemittelten vorsichtig sein, denn tpeih? Streife des früheren Mitttlstondes können sich ebenfalls nicht mehr ausreichend ernähren Die Kosten der Zwangswirtschaft sind gewaltig. Von dem Brotpreis von 16 Marl geht das meiste auf Transport- und Verwalt angskvst en. Der Land­wirt bekommt nur das allerwenigste Somit ist eine Verteuerung des Brotpreises auf feinen Fall au fza halten. ____

Abg Trischmann (5km.) hofft, daß sich die Parteien in dieser schwierigen Frage doch noch -usammenfinden werden und daß sich viel­leicht dem Ausschuß ein neuer Weg öffne. Seit dem Kriege ist zu viel Ersasiungspolitik getrieben worden. Darum ringt die Landwirtschaft nach freier Wirtschaft. Wenn die Umlage aber nicht zu vermeiden ist soll sie wenigstens so gestaltet werden, daß sie für die Landwirtschaft erträglich wird.

Abg. Dr. Heim (Daher. Vp.) Die Vorräte der vorigen Ernte werden bis tief in den Ro- vember hinein reichen. Ueber die neue Ernte ist noch kein Urteil möglich. Sine Umlage von 4 _ Millionen Tonnen ist aber eine ganz pnsinnioc Forderung Entgegen dem amtlichen Versprechen des vorigen Iahreö zum Ucbergang zur freien Wirtschaft müssen die Bauern schon jetzt damit rechnen, daß die Umlage alS dauernde Maßnahme in Betracht gezogen wird. Bislang wird hier aber nichts erreicht. Die Grundlage einer dauern­den Einrichtung muß vielmehr so gerecht bemessen werden, daß die Bauern die Last nicht allein tra­gen. Daher darf man den Hauptinteressenten bei Der Preisbildung die Mitarbeit nicht oerfagen. Jedenfalls dürfen für den Drotaetreidepreis nicht bolitifd:: Gründe maßgebend sein, sondern die Gestchuncs^osten. Unsere Ernähr-ungSkrise hängt mit der Weltmarktkrise zusammen, denn ein Drittel des Brotkorns, das früher auf den Welt­markt kam, stammte aus Rußland, und bis Ruß­land wieder auferstanden ist, werden Jahrzehnte vergeben. Dazu kommt, daß seift jeder Einzelne handeln will und niemand n^br arbeitet. Als aber die letzte Preissteigerung einschte, hatten die Bauern fdjon zu 90 Prozent ihr Getreide abge­liefert, so daß sie also feine Schuld treffen kann.

Abg Heidemann (Komm.» wirstx Öen Agrariern vor, daß sie die Gegenrevolution or­ganisieren wollten und die. arbeitenden Massen verhungern Dio Regierungsvorlage könne das hungernde Doll nicht befriedigen. Die Deutsch- nationalen seien unter Führung des Juden stamm- I lwqs von Grafe offenbar schon jetzt so oerjubet, daß sie gegen den Getreidewucher nichts zu unter­nehmen wagten.

Die Gelrrideumlage wird sodann dem Vvlks- wirlschafts-Usschnß überwiesen.

Rach Erledigung kleinerer Vorlagen vertagt sich das Haus aus morgen nachmittag 2 Uhr. (Wiesbadener rind Bemelmanabkommen, Rhein­landinterpellation.)

Schluß 61/2 Uhr.

Die deutsche Studentenschaft.

Man schreibt uns:

Der vom Vorstand der Deutschen Studenten­schaft in Honnef abgehaltene sogenannte «Deutsche Studententag" war non weniger als der Hälfte aller Studentenschaften (auch der Reichsdeutschen) besucht. Don diesen stimmten auch nur Teile den Anträgen zu. Da diese Beschlüsse, besonders die Verfassung, von den übrigen Studentenschaften nicht anerkannt wurden und die Deutsche Stu­dentenschaft infolge der Katastrophenpolitik des Vorstandes unb der Schroffheit der Honnefer Be° schlüsie einen endgültigen Bruch zu bekommen drohte traten die Kreisleiter- am 11. Juni in Halle zu einer Besprechung zusammen. Der ernste Wille, die Deutsche Studentenschaft nicht zerfallen zu taffen, in der die begeisterte Arbeft der ersten Kriegsstudentengenerationen steckt, und die noch so viele Ausgaben für den deutschen Studenten z» lösen hat. ließ sie noch einmal in ernsten Aus­sprachen erwägen, wie der Gesamtverband zu retten sei. Es waren anwesend die Kreisleiter von 1. 2, 7, 8. 9, 10 und die Vorsitzenden der Stutentcnfhaften T. S. H n orer. U.-Halle u- b U -Marburg, also ein' Mehrheit der Studenten­schaften der D. St.

Es wurde einstimmig fest gestellt, daß die Rechtsgrundlage unanfechtbar die Göttinger Ver­fassung von 1920 § I mit Stück 2 bis 25 der Erlanger Verfassung sei. Die Rotverfassung war ein Rcchtsbmch. der nur bei der einstimmigen Anna! ne durch sämtliche vnidentenschnfte,! hatte durchgeführt werden können Die Honnefer Ta­gung konnte Abgesehen davon, daß nur eine Minderheit vertreten war und Vertreter ohne rechtliche Vollmachten mit abstimmten nie­

mals bindende Beschlüsse fassen oder gar der D. St. eine Verfassung geben, da sie rechtswidrig einberufen und zusammengesetzt war.

Der zukünftige Weg wird durch die nach­stehende einftimmig angenommene Erklärung der Anwesenden gewiesen:

..Der Vorstand der D. St. ist trotz wieder­holter Aufforderung seiner verfassungsmäßigen Pflicht, einen ordnungsgemäßen Studenten! ag einzuberufen, nicht nachgekommen und hat sich durch sein Vorgehen in Honnef abermals an einem Versassungsbruch beteiligt. Es steht fest, daß er nicht mehr das Vertrauen der Mehrheit der Studentenschaften bzw der Mehrheit der Studierenden überhaupt besitzt. Die am 11. 3unt 1922 in Halle (Stale) versammelten Kreis­leiter und Vertreter von Einzelstudentenschaften sehen sich als Vertreter der Mehrheit der deut- fchen Studentenschaften genötigt, in Anbetracht dieser Umstände und der Tatsache, dast ein Hauptausschuß der D. St. derzeit nicht besteht, die Einberufung eines ordnungsgemäßen Deut­schen Student en tages zu veranlassen. Dieser tritt als ordentlicher Deutscher Studeir- tentag 1 922 auf Grund der gültigen Ver­fassung (§ 1 der Göttinger Verfassung 1920, Stück 2 bte 25 der Erlanger Verfassung und der Erlanger Geschäftsordnung) am 2 1., 2 2. und 2 3. Juli 1 922 in Marburg an der Lahn zusammen. Mit seiner Vorbereitung be­auftragen die Versammelten tm Rainen ihrer Kreise und Studentenschaften die Herren: Emst Wien old (Marburg). Edmund Stoeckle (München), Hans Brunner (Kiel), Ioseph Meister (Prag-, Silvio E 0 n t i (Berlin). An­träge, Anfragen usw. sind mu richten an Ernst Wienold, cand. med, Marburg an der Lahn, Arminenhaus, Wehrdaerwea 32."

Halle (Saale), den 11. Juni 1922.

R. PaIuk, Leiter des Kreisamtes 1 der D. St H. Brunner, Leiter des Kreises 2 der D. St ' @t>. Stoeckle, Letter deS Kreises Bayern der

D. St. 3ng. Toni W 0 dack, Leiter des KreiseS 8. Ing. Ioseph Meister, Leiter des KreiseS 9. S. Conti. Kreisleiter des Kreises 10. L Ber­ger, Vorsitzender der Hallischen Studenten­schaft. E. Wien old. 1. Vorsitzender der Mar­burger Studentenschaft.

Turnen, Sport und Spiel.

Kampfspiel-Ruderregatta. Ausgezeichnetes Ruderwetter begünstigte am Montag die Kampftpielregatte auf dem Langen See bei Grünau. Eine stattliche Menschenmenge folgte auf den Regattatribünen und auf der Strecke den Ereignissen, die sich auf der blauen Flut abfpielten. Schon am Vormittag war durch CBorrcnnen die Spreu vom Weizen gesondert wor ben Die Berliner Sport-Borussen knüpften gleich an ihre an den beiden Vortagen während der C'vünauer Regatta gezeigten großen Form an und holten sich den einleitenden Vierer 0. St. und den abschließenden Achter in überlegener Manier gegen den Berliner Ruderclub resp. Germania- Köln Ein selten spannendes Rennen war der Diner Der deutsch.' Meister Qaif (Wiking-Ber­lin) hatte alle Mühe, sich Dr. Reinhold (Ger­mania-Tegel) zu erwehren und konnte nach einem prachtvollen Finish mit kaum sichtbarem Vor­sprung sienrrich bleiben. Altmeiste- Fremersdorf (Mainzer -V.) und Kipphvff (Favorite Ham- monia-Hamburg) belegten hinter 'Reinhold in respektablem Abstand die nächsten Plätze. Im Doppelzweier 0 St. fuhren BrandiS-Hofftnann (Hamburger Ruder-Elub» einen überlegenen Sieg heraus. Zum Dauerrudern über 25 Km stellten sich von 18 gemeldeten 15 Boote dem ©tarier, die mit je einer Minute Abstand vom ©tarier entlassen wurden. Der Vierer deS M T.V. Raum bürg überholte zwar das zuerst gestartete Boot der Turngemcinde in Berlin au* der Strecke B"i der Zeitausrechnung stellte sich jedoch heraus, bah der Ruder- und Eislaufverein Aussig und das 1 Boot der Turngemeinde in Berlin die gleiche Zeit gebraucht hatten Beide wurden als Erste plazieri.

Beginn der Fußball-Kamps» spiel Woche Berlin gegen Daltenver- b a n d 5: I (4.1). Am Montag nachmittag begann im Stadion die Fuhballwvche der Deutschen Kampsspiele mit dem ersten Dorrundcspiel Berlin

Mein Vetter Iolns.

Roman von Richard Skowronnek.

16. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Die Mutter saß za Happten des Sarges ind las mit halblauter Stimme in ihrem Gebetbrche Als sie mich erblickte, stand sie aus inb schloß mich in ihre Arme. Unb wie sie mich so um* fangen hielt und mein Kopf feit langem wieder zum erstenmal am Mitte:Herzen ribte, da wrrde mir etwas leichter, und ich tonnte toitiwr weirden Sie ließ mich ruhig gewähren, ich fühlte nar, wie ihre milde Hand mir die Haave streichelte. Darm führte sie mich an den Sarg und erzählte mir, wir der Vater gestorben war.

,©eit seiner Ruckvehr aus Halle, da hat es an gefangen. Da wollte er schon keinen Menschen mehr sehen, ging nirgends mehr hinaus, als aufs Fell», und brütete tagelang bekümmert vor sich hin. Er Nagte über nichts, ihm fehlte augen­scheinlich nichts, nur seine Kräfte gingen zu­sehends zr: <5nbe. 3n der letztrn Zeil Wirde er schon müde, wenn er nur vom Harse nach den Ställen ging. Unb wenn ich sagte, Vater, wir wollen doch den Doktor holen, vielleicht verschreib', er dir etwas, dann schüttelte er nur mit dem Kopfe und sagte: .Laß man, Mütterchen, mir hilft lern Doktor und kerne Medizin. Mir ist da drinnen etwas entzweig-egangen, und das läßt sich nicht mehr zurechttnachen/

»,Dor vierzehn Tagen legte er sich am hellen Vormittag wieder ins Bett, weil's ihm so schwer in allen Elledcrn lag, und seither ist er nicht mehr ausgestanden.

M,3n der Zeit fing er auch wieder von dir zu sprechen an. Vis dahin batte er taam ein­mal Seinen Tiamen erwähnt, nur jedesmal am Ersten sorgte er dafür, daß dir pünktlich dein Geld geschickt wurde.

.©e^ern früh befahl er, wir sollten dir telegrapti-vm. aber so. daß 'du keinen Schreck bekämest. Und bann hat er unaufhörlich van dir gesprochen und immer gefragt, ob denn noch nichts von dir zu sehen sei.

Heute mittag ich sitze, wie gewöhnlich, an feinem Bett da tagt ec mit einrmmal:

,Tn, Matter, ich toevb' ibn nicht mehr sehen!' Drauf drehte er sich imdi der Wand, ich denke, er Will vielleicht ein bißchen überfch'.aen, und stehe auf. im ihm die Kiffen zurecht z i tchütleln. da reckt er sich ganz lang aus, greift mit den Händen nach dem Halse, seufzt tief aas. mb es war zu Ende. Ick tonnte ihm nur noch die alten lieben Augen zadrücke 1

,©eif feiner Rückkehr aus Halle, d.7 hat eS angefangen |- Das war bat ci-^iqc Dort, mit dem meine Mutter cs mich m-rten ließ, daß bei Kummer um mich dem Vater das Herz gebrochen hatte Sonst ist kein Vorwurf über ihre Lippen gekommen. Dayn hatte sie mich viel za lieb.

,2lm Tage nach dem Begräbnis - bis dahin waren Wir keine Minute allein gruxfen, b?n.-. die ganze Freund- und Verwandtscvaj' ' attc nch eingefunden nahm sie mich in ihre Kammer and ließ sich von mir erzählen, wie al!e^ g-kommeu war. Als ich fertig war und damit schloß, daß ich nun ganz verzweifelt sei jnb nich wüßte, toaS ich zu tun hätte, sagte sie in ihrer milden und schlichten Weise: .Mein Sohn, dagegen hilft nur eins and baä ist die Arbeit. Wenn bi erst gelernt haft, so recht im Ernst zu arberen. dann tDirb dir mit einem Male dein Leid nick): mehr so schwer erscheinen, du toirit dich mit dem lieben ®ott vertragen und allmählich aich wieder Fre ibe am Leben bekommen.

,.Run würde ich dir sagen, bleib h:e and kauf dir mit deinem Väterlichen ein Gr lud­st ück aber du taigft nicht meh. für die Land- wirftchaft, dazu hast da schon za viel von dem städtischen Leben genossen. Drum geh zirück nach Königsberg, oder wohin du sonst willst, and sieh zu, daß da es in deiner Wissenschaft za etwas Ordenllichem bringst. Wie du es aber mit b>m Mädchen hallen sollst, da weiß ich dir keinen Rat zu geben. Versuche es, sie für dich *i ae* Winnen, wenn du glaubst, rh e sie niht leben zu können. Aber, was zwischen each steht, das wäscht fern Regen aus, and wenn aach dl wohl glaubst, da könntest darüber hinwegkcanmen si< wird es nicht können, denn so etwas kann eine Frau nicht vergessen!

.Ein paar Tage später trieb mich die Mutter selbst zum Aafbrache, sie sah es mir an, datz

mir d:e Llngewi heil -ber Helenens Ergeh n fei-'C Ruhe ließ.

^Als ich schon im Sattel saß. tarn sie nodi einmal auf den Hos hinaas, obwohl totr schon voneinander Abschied genommen hatte:' Ich bog mich hinab, sie preßte meinen .Kopf gegen ihre Wang.- und sagte Tiefe: .Ich werde zam lieben Gott beten, bafi er sie wieder gesund werden läßt. Unb wenn sie dann in dem Hause dieser Frau I-tstizro'in nicht mehr bleiben will, dann Toll sie Wilsen, daß sie hier bei mir eine Heimat haf. 0o, und rem reise Aücklich, and der liebe Gott fei mit birl

.Am Waldrand, da wo der Weg die erste Biegung macht, wandte ich mich zurück and sah. wie die Mutter noch immer am Hoftor stand and mi- noch blickte Ich umfing ihre liebe Gestatt mit den Augen and prägte mir jeden Zag ihres Visdes deutlich ein. Mir war, als würde ich sie nicht mehr wiederiehen

.Mein Bruder gab mir noch ein Stück Weg :s das ®e[ri* Beim Abschied griff er in die Tasche und reichte mir einen schweren ledernen Beates.

.Sa,1 Tagte er. ,es sind Hunderts an fzig Di- faten drin. hat der Vater für dich extra ge­spart. ünb wenn du drin Erbteil wttlst, bra ichst du nar za schreiben LIeberhaupl, auch so könn­test mal was von dir hören taffen Kannst dir jo denken, daß wir uns hier am dich zer- sorgen!'

Der gute Kerl! Ich wollt. ich wäre da mals bei ihm und der Matter geblieben!"--

Josua fuhr sich mit der Hand über die Augen.

Ra. kommen wir Wetter, es ist ja nicht mehr viel yi erzählen. Ich tarn nach Berlin, und meir erster Gang war natürlich nach ?er Derif'.in-erstrafte Das Dienstmädchen schlug, als es mid erblickte, mir die Tür vor der Aalr zu, und ich maßte dem Arzte arflauem, um etioas über Helene zu erfahren.

Erst wollte mir auch der nicht Rede stehen, denn" die Iustizrätin hatte ihn gegen mich ein­genommen. ebenso wie st: auch dem Mädchen verbotet: hatte, mit mir zu sprechen Als ich ihm aber mit ein paar Worten auseinandersetzte, daß ich sozusagen ein Recht darauf hätte, über He­