Nr. 142
Erscheint tägl ich, außer Sonn, und Feiertag«, mit derSamstagsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche vezugspreise: Mk. 20.— und Mk. 2 — Trägerlohn,durch dicPost Mk. 22.—, auch bei Nicht- erscheinen einzelncrNummern infolge höherer Gewalt.- Fernsvrech- Anschlüsse: fürdieSchrift- leitung 112: für Verlag und 1 .ichäftssleUe 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen.
poftsckeuionto:
Frankfurt a. M. 11686.
Dienstag, 20. )uni 1922
elftes Blatt
172. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
druck und Verlag: vrühl'sche ttniv.Guch- und Steinöruderci R. Lange. 8chriftleituna, Geschäftsstelle und Vruckerei: Zchulstraße 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Srels für 1 mm höhe für nzeigen v 34 mm Breite örtlich 150 *Pf., auswärts 180 'Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite SOOPf. Bei platz- Vorschrift20° „2lusichlag. tzauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Äarl Walther; für den Anzeigenteil: Han«Be<k, sämtlich in Gießen.
Die „nächtlichen Wanderer".
Die gläubigen Prediger einer Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich haben dieser Tage in Berlin ein Konzil abgehalten. auf dem es nicht an pazifistischen Tees und Volksversammlungen fehlte. Berauschende Getränke wurden dabei nicht kredenzt außer einem schon aff genossenen verdünnten Aufguß längst bekannter Phrasen Die Veranstaltungen können daher dem normal deutsch empfinbenben Menschen kein weitergehendes Interesse abgewinnen. Dafür sind eiipge Steigerungen hervorragender Vertreter umso bemerkenswerter.
Der französische Sozialistenführer R e -- nau del stellte in seiner Reve über die deutsche und die französische Republik die Behaup- hmg auf, die Masse des französischen Volkes sei durchaus friedliebend. Angesichts des geringen und erfolglosen Widerspruchs, den die bisherige Haß- und Gewaltpolitik der Poincarc und Genossen in der Masse des Volkes gefunden hat, muß man wohl ober übel doch einige Abstriche an der Behauptung Renaubels machen, damit sie auf ihr richtiges Maß zurückgeschraubt wird. 3n Wirklichkeit -wird es fich dabei wohl nur um die Anhängerschaft Renaubels selbst handeln, der man vielleicht eine gewisse Friedfertigkeit nicht wird absprechen können. Aber solange eS den Franzosen im Rheinland so ausgezeichnet gefällt und sie dort auf Kosten des verarmten Deutschlands ein Schlemmerleben führen, hat das deutsche Volk eine 'vevig erfreuliche Vorstellung von der angeblichen Friedensliebe des französischen Voltes
Der französische Professor Bosch, der ganz besonberS mit schönen Rebeblüten aus- wartete, krönte seine Ausführungen mit dem Satze: „Wie zwei Wanderer, die nächtlich im Dickicht ihre Sä) ritte hören und, weil jeder den andern für einen Räuber hält, auseinander losgehen, so habe das gegenseitige Mißtrauen die Völker in Den Krieg getriebcn." Bei diesem schtnen bildhaften Vergleich werden sämtliche Pazifistenherzen eine Oktave höher geschlagen haben. Denn nun wpr die Parität in der Schuldfrage hergestellt und jeder hatte sein '-päckchen zu tragen, ohne daß der andere neibisch werden darf! Diese Art der Propaganda, wie sie von Herrn Basch beiiebt wird, schläfert die Gemüter ein, und welches Gemüt schliefe heuttgentags nicht gern den Schlaf der Bequemlichkeit, ganz besonders in Deutschland! Ganz besonders, wenn der Schlaf- tninf mit dem Rarkotikum der Wistenschaft- lichkeit gemischt ist. Herr Professor Basch geht unbedenklich an allen Veröffentlichungen aus ben Archiven der europäischen Mächte, an der unbeftreitbarn Tatsache der Einkreisungswolitik vorbei, er geht überhaupt der Klärung der Schuldfrage aus dem Wege -- alles nur im anteteffe seiner Verständigungspolitik aus Wvlkenkututsheim. Für eine solche Verständigungsgrundlage dankt das deutsche Volk, ausgenommen vielleicht die Verständigungsmeier, denen die Verständigung alles, die K l ä r u n g der Schuldfrage nur wenig ist. wenn ste sich nicht gerade gegen Deutschland richtet. Das beutsck^ Volk ist lange genug im Dickicht berumgeirrt und hat lange genug nach der Wahrheit über die Schuld am Kriege gesucht. GS wird nun. nachdem bic Wahrheit auf dem Marsche ist, nicht aushören, seinen Weg wetter zu gehen. Auch die vermittelnden Phrasen bei blinbgläubigen FriebenSsreunbe werden bas deutsche Voll nicht irre machen können, am wenigsten, wenn es damit auf einen falschen Weg einer Verständigung mit Frankreich geführt werden soll!
Die Haager Konferenz.
Die Zusammensetzung der Ausschüsse.
Haag, 19. Juni. (WTB.) 3n der heurigen Rachmittag' sitzunq Cer vorbereitenden Versammlung der Haager Konferenz hat der Vorsitzende die Zusammensetzung der er st en Kommission (nichtrussisch) und der drei älnter- lommissionen mitgeteilt. Die erste Kommission wird zusammengesetzt sein aus den Staaten Oesterreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien. Estland, Finnland, Frantreich. Großbritannien, Griechenland. Ungarn, Italien, Japan, Lettland, Litauen, Luxemburg. Vorweg en. Holland. Polen, Portugal, Rumänien, dem Königreich der Serben, Kroaten und S l o v e n e n, Schw e den, der Schweiz und der Tschechoslowakei.
Der ä2n ter kam Mission für das Privateigentum treeben angehören: Belgien, (5tnn(<mb, Frankreich, Großbritannien, Italien, Zapan, Rorwegen, Holland, Rumänien, Schweden und die Schweiz, der rinterkommisfion
für die Schulden Belgien, Dänemark. Spa-1 nien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Hapan, Litauen, Holland, das Königreich der Serben, | Kroaten und Slovenen und die Schweiz und der Llnterko m Mission für die Kredite Belgien, Bulgarien, Estland, Frankreich, Großbritannien. Griechenland, Spanien, Japan. Lett- land. Polen und die Tschechoslowakei Da die Zahl von Mitgliedern tonst überschritten würde, wird sich Holland an den Beratungen der letzten Kommission nur dann beteiligen, tocrm seine eigenen Sonderinteressen aus dem Spiele stehen.
Haag, 19. Juni. (WTV.) In der heutigen Llachmittngrsihung der voi bereitenden Kommission erklärte der französische Delegierte Dcnoist namens der französischen Regierung, Frankreich würde sich in der Zusammennrnft am 26. d. M. vertreten taffen. Seine Regierung wünsche aber daran zu erinnern, daß es sich nur um eine Zusammenkunft von Sachverständigen ad referendum handele und daß jede politische Sragc von den Beratungen ausgeschlossen sei, und daß feine Regierung sich die Freiheit vorbehalte, ihre Sachverständigen zv jeder Zeit zurückzuziehen, namentlich wenn das Auftreten der Sowjeldelegietten die ‘Beran- taff ung dazu gebe. Der Franzose Alckand unterstützte die Erklärung und sagte, die Beschlüsse der allgemeinen Kommission könnten weder frühere noch künftige Entscheidungen seiner Regierung beeinträchtigen. Der belgische Delegierte C a t t i er war mit dieser Erklärung einverstanden. Ter Vorsitzende van K a r n e b c e t schlug vor, daß der Vorsitzende der allgemeinen Kommmission und die drei Vorsitzenden der ttnlerkommissivncn eine-kleine Komin i s s i du bilden würden, die sich mit der Arbeitsweise der allgemeinen Untcrlommiffion beschäftigen könne. Lord G r e a m e lobte van Karnebeeks Lei- lung unh zog seine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der allgemeinen ;sittcrkommission in Erwägung. Richt jedem Vorsitzenden sei es gegeben, in so kurzer Zeit einen befriedigenden Erfolg zu erzielen. Unter dem Beifall der Mrwesenden wurde van Karnebeet zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Lord ©rcdinr teilte weiter mit. daß jedes Land in der allgemeinen ilnterfommiffion nur durch zwei Personen würde vertreten fein. Mit dem Gedanken, eine kleine Kommission für die Arbeitsmethode zu bilden, fei er einverstanden. Im Auftrag der Versammlung wird van Karne- b c e t morgen der Scwjetregierung telegraphisch die Rainen der Mitglieder der allgemeinen Kommission initteilen. Am Mittwoch wird die Kommission einen Vorsitzenden wählen.
Die Instruktion an die französischen Sachverständigen.
Paris, 19. Juni. kWTD.) Die französischen Sachverständigen im Haag haben von der französischen Regierung die I n st r u k- t i o n erhalten, den Verhandlungen der Konferenz, die am 26. Juni beginnen, beizuwohnen. Die Entscheidung der Sachverständigen soll jedoch die französische Re gicrung nicht binden, und es soll den Delegierten das Recht zustehen, fich von der Konferenz zurückzuziehen, wenn das Verhalten der Russen die Verhandlungen unmöglich mache. Bei den Beratungen sollen politische -Fragenausgeschlossen sein, und die französischen Sachverständigen müssen mit Bezug auf das private Eigentum und über die Kredite überhaupt sich genau auf denselben Standpunkt stellen, den die französische Delegation in Genua eingenommen hat.
Das „I o u r n a l des D ö b a t s" glaubt erklären zu können, die französische Regierung sei bei dieser Entscheidung von dem Wunsche beseelt gewesen, nicht den Vorwurf auf sich zu laden, daß ihre Abwesenheit die Möglichkeit eines schriftlichen Einverständnisses mit Rußland verhindere. noch sich geweigert zu haben, die Mittel, die hierzu führen könnten, einer Prüfung zu unterziehen.
das Budget (Vermehrung der Einnahmen und Verminderung der Ausgaben), auf den Banknotenumlauf und aus die Ausfuhr ausländischer Devisen. Das sei eine Angelegenheit, die man im übrigen nicht in einigen Tagen überstürzen könne. Die interessierten Regierungen, nämlich Frankreich, England, Italien und Belgien, hätten sich also später über die aus dem Bericht der Reparationskommission zu ziehenden Folgerungen zu verständigen. Wenn Deutschland sich weigere, die Kontrollmaßnahmen anzunehmen ober wenn Deutschland sie umgehe, nachdem es sie angenommen habe, würde eine b e a b f i d) - tigte Verfehlung seinerseits vorliegen, und es könnten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
Ncuter meldet:
London. 20. Juni. (WTV.) Reuter verbreitet folgenden ergänzenden Bericht zu der amtlichen Mitteilung über die Konferenz z w i - scheu Lloyd George und Pvinearö: Die britische Ansicht war. daß der gegenwärtige Augenblick schlecht gewählt wäre, sich zu bemühen, den Betrag der Verbindlichkeiten Deutschlands endgültig festzulegen, weil die Verhältnisse so ungewiß seien, daß jede gefällte Entscheidung später einen Streit herbe i f ü h r e n könnte. Es tourbc beschlossen, daß der nächste Schritt für die Reparationskommission darin bestehen solle, den wirklichen Zustand der deutschen Finanzen zu untersuchen und festzustellen, ob mit Hilfe einer auswärtigen Anleihe die deutsche Regierung irgendetwas tun lönne, um durch Einschränkung der Ausgaben ober Erhöhung der Steuern oder durch eine innere Anleihe das Gleichgewicht in seinem Haushalt sowie seine Währung wiederherzustellen. Hinsichtlich der Haager Konferenz tarn man überein, daß die Ausgabe der Sachverständigen im Haag darin bestehe, in Verbindung mit den Rassen praktische Mittel zur Lösung der Schwierig l e i t e n zu prüfen, die sich in Genua Hinsicht sich der Frage der Schulden, des privaten Eigen hints und der Ärebttc ergäben Zwischen dem britischen Minister und Poincare herrsche vollständige Einigkeit darüber, nach diesen Richtlinien bei bei Arbeit der Haager Konferenz zusammen- zuwirien. In ber Tanger-Frage tourbc beschlossen, den Vorschlag der spanischen Regierung anzunehmen, nach welchem 3 Regierungen die Frage Ende Juli in London erörtern sollen. Hinsichtlich der Ost fragen wurde beschlossen, die Einsetzung ber Kommission zu beschleunigen, die die gemeldeten Deportationen von Griechen in Anatolien durch die Türken, sowie die Klagen und Gegenklagen der Türken und Griechen über Massenmorde im Krwgsgebiet untersuchen sollen. Auch dieses Thema soll auf ber Londoner Konferenz Ende Juli weiter erörtert werben.
Rückreise Poincar^s.
London, 20. Juni. (WTV.) Ministerpräsident Poincare ist gestern abend 8Ahr nach Paris zurückgereist.
Keine gwangsmatznahmen gegen Deutschland.
London, 19. Juni. (WTB.) Reuter meldet: Rach der Konferenz zwischen Lloyd George und Poincare wurde amtlich be- kcknntgegeben, daß bicReparationskom- m isfion eine Antersuchung über die Mittel veranstalten werde, um die deutschenFi- nanzenwiederinOrdnung zu bringen. Poincare wirb wahrscheinlich Ende Juli nach England zurückkehren, um den Kommis- sionSbericht zu erörtern. In der Zwischenzeit sind Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland nicht in Aussicht genommen.
Die Besprechung Lloyd Georges mit Poincare.
Havas meldet:
Paris, 19. Juni. (WTB.) Rach einem Bericht des Sonderberichterstatters ber Agentur Havas. ber ben Ministerpräsidenten Poin - c ar e auf seiner Reise nach London begleitete, trug bic Unterredung zwischen Poincare und Lloyd George einen herzlichen Charakter. Sie drehte sich ausschließlich um die Haager Konferenz und das Reparationsproblcm. Poincare teilte mit. die französische Delegation werde im Haag bleiben, ba es ausgemacht sei, bah bic Erörterungen keinen politischen Gt>ataftcr tragen und daß die zu behandelnden technischen Fragen mir ad referenbum geregelt werben könnten, ohne bic Regierungen zu verpflichten, so daß jede Macht bas Recht habe, die Stellung betzubehalten, bic sie in Genua eingenommen habe. Lloyd George habe sich von dieser Entscheidung sehr befriedigt gezeigt. Die beiden Staatsmänner hätten hierauf eine Aussprache über bas Repara - tionsproblem begonnen und diesem Teil der Unterredung hätte außer Lord Balfour, der während der gesamten Besprechung anwesend gewesen sei, auch Sir Robert Home beigewohnt. Ein oder zweimal seien auch die Sachverständigen des Schatzamtes zu Rate gezogen werden. Die durch den Mißerfolg des internationalen Anleiheplans geschaffene Lage sei besprochen worden, aber in allgemeiner Form, da sich die Reparationskommission augenblicklich bamit beschäftigt, eine Finanzkontrolle in Deutschland zu organisieren, bic sich insbesoaLere erstrecke auf
Die Verhandlungen mit dem Garantieausschutz.
Berlin, 19. Zuni. Drc Rcichsrcgie- r u n g beschäftigte sich gestern nachmittag tn einer Kabincttssihung mit der bei den Verhandlungen mit dem Garantieaasschuß cinzuschsag enden Marschroute. Mehrere Blätter schreiben, daß die Reichsregierung entschieden Gewicht darauf lege, daß bei ber Kontrolle des Haushalts b.ird) den Garantieausschuß die Steuerhoheit des Reiches inange» tastet bleibe und daß auch das Steuergeheimnis des einzelnen Staatsbürgers gewahrt wird. Das Letztere entspräche einem inlcrr.atior.a[en Rechtsgrundsatz, an den sich gerade Frankreich immer gehalten hätte. Bei der Kompliziertheit unserer Verwüstungsuppara rZ werde all'in aus techmschen Gründer ein Eingriff auf das Stör end ste wirken und ben ganzen Betrieb in Verwirrung bringen. Was die Ka - pitalsf lucht anbelangc, so habe die Regierung immer betont, daß allein durch deutsche Gesetze dieser Schaden geheilt werden könne und bot- nur ein internationales Zusammenwirken Aussicht auf Erfolg taten werde. Bezüglich der Statistik habe Deutschland tas größte Inter csic an Zuverlässigkeit, bic die deutsche Stati- tifiit früher stets gehabt hat. Eine Einigung hierüber mit bem Ga^ansi aueschu^ werde allo voraussichtlich nicht allzuschwer fein.
Das ® a ran t ietomi tcc wird ben Blättern zufolge heute beim Reichskanzler, dem Reichsminister des Aeußem und dem Reichsfinanz- minifier Höflichkeitsbesuche abstatten. Die eigentlichen Besprechungen der Reichsregierung not dem Äonuia dürsten am Wsttwoch beginnst.
Ausdehnung des Rapallovertrages.
Berlin, 19. Juni. Mehreren Blättern zufolge hat ber Reichskanzler gestern ben ukrainischen Geschäftsträger Außen empfangen und mit ihm ben Ra- pallDDcrtrag besprochen. Laut „Lokalanz." ergab bic Aussprache Vebcreinsttmmung bar- über, baß sich bei ber Ausdehnung bes Vertrages auf bic Ukraine keinerlei Schwierigkeiten ergeben würben. Onfolgebeffen dürften auch bic schwebenden Verhandlungen über einen deutsch-russischen Handelsvertrag in allernächster Zeit zum Abschluß kommen. Auch über bic Frage der 400 Millionen ukrainischen Gelbes, bic Deutschland seinerseits noch von ber früheren ukrainischen Regierung im Besitz hat, soll laut „Voss. Ztg." eine Einigung dahin erzielt worben sein, baß bas Geld der ukrainischen Regierung zur Verfügung gestellt wirb, während biefc bic Eva- tuicrungsschäben, bic bei ber Räumung ber Ukraine burch bic beutschen Truppen entstanden sinb unb bic etwa 100 Millionen betragen, übernimmt.
Das Sachlieferungsabkommen angenommen.
B e r l i n , 20. Juni. (WTB.) Den Slät* lern zufolge ist gestern irn Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten nach längerer Aussprache bas Sachliefe- rungSabkornmen zur Erfüllung der Reparationsverpflichtungen gegen bic Stimmen ber Deutsch nationalen unb ber Deutschen« Volkspartei angenommen worben.
Die österreichische Anschlußfragc im englischen Unterhause.
London, 19. 3unL (WTV.) Das Paria* mentsmitglied A e c m a n richtete im Unterbaute an den Premierminister die Anfrage^ ob er wisse, daß die österreichische öffentliche Meinung zur Verhütung der toirt» fchafllichen Katastrophe für den Anschluß Oesterreichs an die deutsche Republik sei, daß dies aber durch bic Bestimmungen des Versailler oder eines anderen Vertrages unterlagt sei. ob infolgedessen die alliierten Mächte Oesterreich das Recht der Selbstbestimmung versagen und ihm zur Abwendung seines Ruins baldige Hilfe zu bieten gedenken. Chamberlain erwiderte, nach den Vertragen von St. Germain und Versailles sei die Unabhängigkeit Oesterreichs ohne Zustimmung des Völkettmnds- rates nicht veräußerlich. Die Alliierten hätten von Zeit zu Zeit Oesterreich beträchtliche Summen vorgestreckt, um der Regierung des Landes zu helfen und die österreichischen Finanzen in Ordnung zu bringen. ~
Die bulgarischen Reparationen.
Sofia, 19. Juni. (Wolff.) Die Antwort ber interalliierten Kommission auf bic Rote ber bulgari sehen Regierumg, bie eine Antwort wegen berReparatio ns- z a h l u n g wünschte, weist auf bie Notwendigkeit hin, ber Kammer ein Gesetz betreffend die Zirkulation von Papiergeld unb eine Liste der für die Reparationszahlung zu bestimmenden Steuern und Einkünfte vorzulegen. Der Ministerrat hat sich übrigens schon vor (Eintreffen der Antwort mit der Aufstellung einer solchen Liste beschäftigt.
Eröffnung der rumänischen Parlamentssession.
P u k a r e st, 20. Juni. (WTV.) (Agence Orient-Radio.) Die außerordentliche Parlarnentssessivn ist heute eröffnet worden. Vratianu verlas eine königliche Botschaft und berichtete über bie auswärtige Politik ber Regierung. Die Opposition nahm nicht teil.
Beschlüffe der 2. Internationale.
London, 19. Juni (WTB.) (Reuter.) Die Konferenz der 2. Internationale hat vor Beendigung ihrer Verhandlungen folgende Entschließungen angenommen: 1 Angesichts des MangelsanTreucundGlaubcn seilens der 3. I n t c r n a t i o n a l e, die die infecnatintale Getoerkschaftsbewegung zerriß, die soztallstischr Internationale angriff, die auf der Berliner Konferenz der volttischen Prozestc in Moskau gegebenen Zusagen brach und das bedingungslose Versprechen, die Dvkumeitte über Georgien einem Delegiertenausschuß vorzulegen, zurüc^og, kann die Konferenz nicht länger an den Bemühungen teil nehmen, mit der 3. Internationale zu einem internationalen Abkommen zu gelangen. — 2. Eine allgemeine Konferenz der sozialistischen und Arbeiterparteien tritt im Oktober in Hamburg zusammen, um die Wiederherstellung internationaler Gesichtspunkte zu erwägen, welche in der Angelegenheit des europäischen politischen und ökonomischen Aufbaues die sozia- list sichen und Arbeiterparteien zu einigen geeignet sind. 3. Die Konferenz verpflichtet sich zur Anter st ühung der Amsterdamer Ge- wer^schasts internationale bei ihrer Verteidigung bei Arbeit gegen den Kapttallsmus
Schließlich wurde noch eine von 2Zibau (Holland, und Wcls (Deutschland) eingebrachte Ent-- s ch l i c h u n g angenommen, die die Rotwendig- kett betonte, die Organisation des Döl- Lerbunhes z-u stärken, Mt dje Abrüstung zy


