Ausgabe 
20.5.1922
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 118 Zweiter Blatt

Deutscher Reichstag.

214. Sitzung, vormittags 11 Uhr.

'Berlin, 19. QUai 1922.

Aach örlcbigung einer Anzahl Neinerer An­fragen ohne allgemeines Inte.'esse wird dir

Sinzrlberattmg deS Arbeitshaushalts beim Abschnitt Sozialpolitik fortgesetzt

Abg Heidemann (Stomm ) fragt, inwie­weit durch die bisherigen Abgaben dem Woh- nungS mangel Abhilfe gebracht hutlen und for­dert Sozialisierung der Baustosfabrikation.

Abg. Obermeyer (Soz.) schildert die preisregulierende Wirkung der sozia.en Bau­hütten und fordert Schuh gegen die Vrrs uche der Nnternehnrer, ihnen Schwierigkeiten zu machen.

Ein deutschnationaler Antrag auf Einglie­derung deS ländlichen spacht- und Siedlungs­wesens in das Landwirtschastsnnnisterium oe» zeichnet Abg. Hoch (Soz.) auf Grund der AuS- schuhverla idlungen als p-cit sch unmöglich Die Regierung aber möge erwägen, ob das länd­liche Pacht- und Siedlungswesen nicht ander­weitig untergebracht werden tonnte.

Aus eine Anfrage des Abg. Merkrl l (USP.) erklärt Mi ister Dr. Braun: Die Be- fürchtungen, baß der durch das Mietitcuergrsry geschaffene AusglcichsfondS in die Händr von | Interessenten gelangen tonnte, sei unbegründet. Die Gelder würden den Lärrdern für besondere Ausgaben überwiesen, b ispielSweife zur Hinter­bringung von Flüchtlingen. Gegenüber den übn- . gen Anfragen verweise er aus die dem Haus» zugegangene Denkschrift.

Die Arrregungen des Abg. Hoch (Soz.) wer­den sodann angenommen.

3u dem Titel Zuschüsse zur Unterßühung | notleidender K ei k p talrcntner beantrag' Abg ' Oberfohren (Dtschntl.) den hierfür vorgesehe- I men Betrag von 200 Millionen auf eine Mil­liarde zu erhöhen. Es handele sich darum, Ar­beitsrentnern einen einigermaßen gesicherten i Lebensabend zu gewahren. An Stelle der Bcr- waltungsregelung m sie eine ge'e liche Rgelung | treten und den Kleinrentnern dürfe nicht etn Almosen, sondern gesetzlicher Anspruch gewährt werden.

Frau Abg. Dransfeld (Zentr.) erkennt | He bittere Rot der Kleinrentner an, aber über i den Ausschuhantrag, die vorgesehene Summe auf I ROO Millionen Mark zu erhöhen, könnte nicht | Hinausgegangen werden, sonst mühten die Kvnsc- i «tuenden für die Invaliden und die Unfallrentner | rtezogen werden. Dadurch werde aber ba£ ganze - System gefährdet werden.

Abg. Frau Dr. Matz (Dt. Vpt.) tritt eben- , falle für die Schaffung eines gesetzlichen An­spruches ein.

Abg. Frau Schröder (Soz.) meint, dah l die Alters- und ilnfallrentner unter der Rot der jf Zeit ebenso schwer litten wie die Kleinrentner.

Abg. Karsten (USP) spricht sich dagegen aus, den Kleinrentnern eine besondere Stellung I einzuräumen und will sie den ilnfallrentnern I angegliedert haben.

Abg. M a l z a h n (Komm.) tritt für ein all- « gemeines Bolksfürsorgegeseh mit einer das Gxi- * stenzminnnum garantiereirden Rente ein.

Minister Dr. Brauns bemerkt, die Regie­rung erkenne die Roh der Kleinrentner an. Wenn I die vom Ausschuh bewilligten 500 Millionen nicht I ausreichen würden, würden in einem Rachtrags- s etat weitere Mittel gefordert werden. Vielleicht I wären die Richtlinien der Regierung als erster Schritt auf dem Wege noch mangelhaft: aber j sie seien weitherziger als die deutschnationalen I Degenvorschläge, da sie weder ein Mindesteinkom- I neu, noch eine gewisse Erwerbsunfähigkeit, noch £ eine bestimmte Lebenshaltung vorsehen. Zur Be- e s prechuna der Aenderung der Richtlinien werde > der Reichstag herangezvgen werden. Aber von der Anhörung der Rentnerorganisationen möge man absehen.

Rachdern noch die Abgg. F i s ch e r - Hanno­ver (Soz.) und Dr. Pachnicke (Dem.) gegen den deutschnationalen Antrag gesprochen hatten, Urtrb dieser abgelehnt und der Ausschuhantrag auf Bewilligung von 500 Millionen einstimmig angenommen.

Von den im deutschnationalen Antrag vor- i gesehenen Richtlinien wird der Passus angenom­men, wonach mit größtem Rachdruck auf unver- Hügliche Auszahlung der Rotstandsbeihilfen der ' Kleinrentner hingewirkt werden soll.

Ebenfalls angenommen wird ein Antrag ; Drusch (3), wonach an Beihilfen für soziale und karitative Reichsorganisationen zur Abgeltung der Selbstkosten, die durch den Verkehr mit den ß behördlichen Stellen entstehen, 300 000 Mark in 5 den Etat einzustellen sind.

Beim Kriegsopferfürlorge-Ka' itel wird eine I Interpellation der Deutschen Volksparlei mitver- i handelt, welche eine Erhöhung der Renten für

*

DieZakramentshex.

Roman von Marie Kerschen st einer.

24. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Die Feierlichkeit dieses Botu-anblid^ cr- griff Heiner, hob ihn über sich selbst hinaus. Es war ihm, als schritte er jenseits der Welt, als erblicke er tief unter sich fein eigenes. Hem- einziges Geben, mit all den Drangsalen, die sich im Verkehr mit den schwierigen Heidedörflern OÜmählich eingestellt hatten «and die ihn oft nut- los anb verzagt gemacht. Wie fiel alles von i :m ob, was weihelos und des Alltags war: Eme ungekonnte Sehnsucht stieg in ihn auf, ein stür- trendes Begehren noch etwas unermeßlich Großem, ein Besitzesverlongen ohne Gegenstand. Er bett »einen mögen vor Wehmut und Trotz, denn er sichlte plötzlich, daß er einsam war. Einsam nicht nur in der Ratur, einsam unter den Menschen, mit dcnen er leben muht». Denn im Dorf war keiner, i trit dem er hätte ein vertrauliches Wort tauschen, 3 o>cr dessen Sehnsüchte und Wünsche er hätte fernen mögen! Keiner!

Da stand mit eins das Bild des Heidemädels vor seiner Scele, und nun wu -te er, dah es doch j- ilkö erneu Menschen im Heideland gab, bet dem 8 er hätte sein mögen, Unb seltsam: er empfand I" diese Crkeimtnis gar nicht tote etwas überraschend Treues, wie eine in langen Wochen heimlich ge­reifte Frucht fiel sie ihm entgegen, ilnö er liugtc nicht erst nach dem Wann und Wie. Er ritz fit 'an sich, herrisch, ungestüm, mit dem hitzigen ' 6ntfd)Iuh, nach der Sätzen zu suchen, bis er sie fenbe. 11 nb obiCDhl er bisher schon manches BIji biraeblich nach ihr ausgezogen war. zweifelte

Kriegsbeschädiate und Kriegshinterbliebene, eine Revision der Kürzungsvorschriften für die Teue- rungszuschüfse verlangt und vorschlägt, die zur Verfügung stehenden Summen um 50 Prozent gegenüber- 1920 zu erhöhen.

Abg Thiel (D. Vpt.) begründet die Inter­pellation. 3m Laufe der weiteren Debatte setzen sich Redner fast aller Parteien für ein schnelleres und einheitlicheres Arbeiten der Dersorgungs- ämter bei der Anerkennung ein.

Abg Andre (Z.) betont ausserdem, bafo man die Kriegshinterbliebenenfürsorge nicht als Par­teisache auffassen solle, und dah alle Kreise in gleichem Mähe daran interessiert seien.

Abg Frau Ziegler (113.) begrüßt die Vor­legung der Inteipellation, glaubt aber nicht, daß schon gute Aussichten aus eine Verbesserung der Rentenbezüge vorhanden seien. Interessant sei, daß die bisherige Regelung gerade auf die Parteien zuiückzuführen war, weiche mit der Bewilligung der Kriegskredite den Krieg verlängerten. Diese Parteien hätten also vor allein die Pflicht, den Kriegsopfern den Dank des Vaterlandes zu sichern

3m weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Minister Dr Brauns, mit der Verabschiedung des Gesetzes auf Erhöhung der Ueberteuerungä- zuschüsse um das Dreieinhalb- bis Vierfache dürfte noch vor Pfingsten zu rechnen sein. Die Neurege­lung der Kriegsbeschä. igienfürsorge erforde.e 121,2 Milliarden Mark. Seit 1920 seien tue Auf­wendungen um das Dreifache gestiegen. Zweifellos beständen noch Härten, die aber auch durch Ge­setze nicht beseitigt werden tonnten. Für Rotfälle müß en besondere Hilfeleistungen getrof en werden.

Die Entschließungen des Ausschusses werden sodann angenommen.

Rach weiterer unerheblicher Debatte wird der Haushalt des Reichsaroeitsministeriums angenom­men, ebenso der Haushalt des Pensionsfonds.

Samstag vormittag 10 Uhr: Autonomie der Reichsbank, Mieterschutzgesetz, Haushalt des Land- Wirtschaf tsminrsteriums.

Schluß gegen 9 Uhr.

Behördliche Reklame und behördliche gumutungen.

lieber die behördliche Reklame äußert sich dieD e rl. M o r g e n p o st" in folgender Weise:

Man soll Kindern kein Schießgewehr und ber Bureaufratie keine Ideen geben s i e richten nur Unfug damit anl Die Erfindung der Reklame war den Behörden bis vor wenigen Jahren nicht amtlich mitgeteilt wor­den, und sie nahmen deshalb keine Rotiz von ihr. Mitunter ergaben sich daraus Mißhelligkeiten, aber immerhin war es ein Zustand, bei dem sich noch leben ließ. Doch bann kam das Verhängnis: unvorsichtige Leute vertrauten hohen amtlichen Stellen das Geheimnis an daß durch Reklame Geld zu verdienen sei. Es dauerte geraume Zeit, bis diese Ueberraschung verdaut wurde, dann aber warf sich alles, was Amt heißt, mit heißem Eifer auf diese neue und ungewohnte Betätigung.

Man kann heute keinem Straßenbahnwagen mehr ansehen, wohin er fährt, man liest nur Schuhpuh- sowie Kognakmarken. Es gibt Post­ämter, die auf den ersten Blick den Eindruck einer Gemischtwarenhandlung machen. Man wird in großen Plakaten von den Vorzügen der oder jener Schokoladensorte und von taufen beriet anberen Dingen in Kenntnis gesetzt. Wenn man glücklich einen Schalter entdeckt Hatz würbe man kaum ver- teunbert fein, aus dem Munde des Beamten die kategorische Aufforderung zu hören:Putz' die Zähn' mit Vlankpuhol!" Ober so etwas ähnliches. Das ist das Einzige, was noch fehlt. Aber ver­mutlich kommt es halb so weit. War boch bei ber Post allen Ernstes schon der Plan aufgetaucht, ganze Fernsprechämter mit Reklamebezeichnungen zu benennen. Das hat man sich freilich denn doch verkniffen. Aber dafür hat man die Briefkästen mit Reklamen vollbemalt, und die Poststempel benützt man gleichfalls zu Reklamen, wobei es interessant wäre, einmal gerichtlich festzustellen, ob die Post überhaupt das Recht hat, die Karten und Briefe, die ihr ja gar nicht gehören, sondern ihr nur zur Beförderung anvertraut sind, mit anderen als rein dienstlichen Bemerkungen zu versehen."

Dieser Betrachtung fügt berFranks. Ge­neralanzeiger" u. a. an,baß bre Menge der Reklame jede Wirkung totschlägt, baß sie nur dort wirkt, wo man sie finden will. Sie wirkt auch nur bann, wenn man sie finben will. Eine Reklame, bie s i ch an falschem Ort unb zur falschen Zeit äußert, also eine Reklame, bic sich auf brängen will, i st auch bas geringste Gelb n^cht wert, weil eben ihre Wirkung ver­pufft. Die Oeffentlichkeit läßt sich nichts aus. drängen. Gegen alle diese Versuche hat sie ein unfehlbares Mittel, nämlich die Gleichgültigkeit.

Im Grunde ist allo baS für diese Art Reklame verwendete Gelb recht unnütz auägegcbcn. Die Preise sinb sehr hoch, das ist noch cm Kapitel für sich, zumal sie ja nicht unter der Kontrolle ber Oeffentlichkeit stehen, llebrigens wird es nicht uninteressant sein, bei Gelegenheit seslzu- stellen, wieviel von diesen Rellameeinkünsten wirk­lich für bie Behörden übrigbleibt. Die Post z. V. bat sich schon ein sehr ausgedehntes Bureau für ihren neuen Geschäftszweig zugelegt und dieses Amt wird nicht wenig von dem Rellameeinkommen verschlingen. Wer Geld für Reklame an falscher Stelle übrig hat, dem ist nicht zu helfen."

Daß bic Behörden mit diesen unzweckmäßigen Maßnahmen die mit der Ankündigung von Ge- schäftsempsehlungen sich gewerbsmäßig be­fassenden Privatbetriebe entpsinblich schädigen, ist in vorstehendem zwar nicht direkt ausgesprochen, man liest es aber zwischen den Zeilen. Dieselben Behörden verlangen aber von den sehr geschädig­ten und um die Existenz kämpfenden Unterneh­mungen rücksichtslos und pünktlich die Bezahlung der auf das äußerste hochgeschraubten Abgaben und alles Mögliche und Unmögliche an Steuern, 3oll unb Veriehrsbelastungen. Diese Belastungen treffen natürlich jedes Unternehmen gleich schwer. Daß die Rellame treibenden Behörden aber von den geschädigten Unternehmungen, die doch außer den staatlichen Abgaben auch noch bic fortwäh­rend steigenden Aasgab.n für Lohne und Gehälter aufbringen unb nach Möglichkeit boch weiter be­stehen sollen, auch noch bie Aufnahme ihrer Be­kanntmachungen umsonst verlangen, weil sie für bas Publikum von Interesse sind, bas ist boch eine starke Iumutung. Ist nicht jede veröffentlichte An­zeige für bas Publikum von Interesse? WaS würbe bie Post sagen, wenn man ben Fernsprecher umsonst benutzen wollte, um einen Arzt zu rufen, oder die Bahn, wenn der Lehrer für sich und seine Schulkinder freie Fahrt verlangt, damit die Kinder schnell ins Freie kommen, oder das 3oll- amt, teenn jemand Zollerlaß verlangt, weil er durch die Valutaveränderung inzteischen Verlust erlitten bat oder bie Steuerbehörbe, wenn von ihr Erlaß ber Umsatzsteuer erwartet wirb, weil ber Betrcffenbe nichts verbient hat.

Die Vehörben unb Alle, die es angehtz mögen beherzigen baß sie in biefer schweren Zeit anbere nicht schäbigen, nichts Unbilliges von ihnen ver­langen bürien. Wir bringen beshalb nochmals einen Beschluß bes Vereins Deutscher Zeitungs­verleger, Kreis Hellen-Akassau unb Hessen, in Er­innerung, ber lautet:

1. Hinweise im rebaktionellen Teile bes Blattes auf Veranstaltungen von Vereinen, ebenso Vorträge unb Vorstellungen aller Art nur in Verbindung mit einer Anzeige am Tage oder am Vortage des Stattfindens der Veranstal­tung aufzunehmen. Diese Hinweise dürfen keine Angaben über Eintrittsgeld, Karten­verkauf, Beginn usw. enthalten.

2. Einsendungen von Behörden zwecks Um­gehung des Anzeigenteils abzulehnen.

3. Hede direkte oder versteckte Geschäftsrellame im redaktionellen Telle abzulehnen.

Aus Stabt unb Land.

Gießen, ben 20. Mai 1922.

Haftung des Gepäckträgers für Handgepäck. Etn auf dem Bahnhof Wiesbaden eingetroffener Fahrgast hatte dem der dvrttgen Gepäckttägervereinigung ange­hörenden Gepäckträger K. seinen Koffer aus- gehändigt. Da es schon spät abends und der folgende Tag ein Buß- und Dettag war, stellte K. den Koffer vorläufig in die offene Gepäckhatte des Bahnhofs unter. AIS er ihn am anderen Morgen abholen wollte, war er verschwunden. Landgericht Wiesbaden und QderlandeSgericht Köln verurteilten die Ge- väckträgervereinigung zum Schadenersatz in Höhe von 10 204 Mk. Das Reichsgericht wies die Berufung der Bereinigung zurück und führte dazu aus: Die bellagte Bereinigung hätte zu ihrer Entlastung dartun müssen, daß der Verlust des Koffers nicht durch die Sorg­falt eines ordentlichen Frachtführers abgewen­det werden konnte. Diesen Nachweis hat sie nicht erbracht. Konnte der Gepäckträger den Koffer nicht gleich befördern, so mußte er ihn isn Den Aufbewahrungsraum der Bahn oder einen anderen Raum bringen. Das ist keine Ueberspannung der Anforderungen an die Sorgfallspflicht eines vrdenllichen Fracht­führers.

Auf Einladung bei Rattrheil- vereins Gießen sprach Donnerstag abenb in ber Reuen Aula ber Lanbesuniversität Prof. Dr. Emil Klein- Berlin überD^e w.ssenschastlichen

er nicht daran, baß er sie jetzt finden würbr. Hebt, teo die Sehnsucht ihn führte und nicht bloß der Wunsch, einen rätselvollen Zusamrnrn- hang aufzudecken.

Er nxxr dem Gottesacker so nahe gekom­men, baß er deutlich die windschiefen Holzkre ize erkennen konnte, die über baä wuchernde Untraut hinwegsahen. Er kannte ein wenig bie Geschichte derer, die da unten schliefen. Die Auswärteriii tischte ihm gern ein Stück Vergangenheit auf, wenn sie kam, ihre Dienste zu verrichten. Dort in ben hintersten Winkel geschmiegt, mußte baä Ruhebett eines Knaben sein, von dem man sich erzählte, bie böse Kunst bes Wechte.balg.-s M ihm zum Verderben geworden. Heiner öffnete die kleine Gittertür und trat ein. In diesem Augen­blick weckte ihn ein Geräusch. Scharf sah er auf. Dort hinten, wo die Kirchhofmauer. eine Bresche bildend, zerfallen war, was löste sich da behut­sam ab. baß der Mörtel leise meberridelte *< Was glitt da schlangenglcich auf die Erde hin und schob sich im Schutze der Mcmer leblos fort? . . .

Lere!" schrie Heiner, der das Heidemäde! erkannt hatte.

Totenstille.

Dann ein marmorbleiches Ant'itz, ba3 sich über Die Mauer hob. Wilde Entschlossenheit, Kampsberei:schaft darauf. Ein zum Ka^ensprLng geduckter Leib.

Doch als Lene sah, baß es kein Dörfler, son­dern b:r Konigssohn war, der sie anrief, richtete sie sich auf. Durch die Maier getrennt standen sie einander gegenüber und blickten sich fest ins Gesicht. Eines suchte in des andern Blia die Antwort und eine stumme Frage. Eine fieber­hafte (Srüxirtf.ng malle sich in des Mädchens

Zügen, aus quellende Zärtlichkeit auf Heiners Gesicht.

Wie b?ißt du?" fragte sie schließlich mit bebendem Mund.

Ich heiße Heiner ... ich bin dir gut!" stammelte er.

Suchtest du mich?" fragte sie weiter.

Ich suchte dich nicht ... ich fand dich, ohne daß ich es wollte . . . Eine unsichtbare Hand Hut mich zu dir geführt."

Eine heiße Welle schlug in ihr Gesicht unb ließ ihr Auqenpnar hoch aufflammen.

Ün2> du. was suchtest du . . . hier, allein in der Rächt?" So Heiner.

Ein kurzes Zagen.Dich!" sagte sie nun feierlich.

Sie hielt sich am Steingehege. die Knie droh­ten ihr zu brechen. Der Augenblick, dem sie in wochenlangem Ewri'en entgegen gelebt, dem sie schließlich in HoffnungSMüdigkeit nachgegangen war, da war er! Jetzt mußte der Zauberbann von ihr abfallen, das Unfaßbare mußte sich er­eignen wenn sie die Rechte war.' Unb so zügellos war ihre Erwai-tung, daß sie vor dem Stürmen der eigenen Brust eine verwirrende Angst erfaßte. Sie taumelte vor Heiners aus- gestreckten Armen zurück unb schoß in baä Dickicht ber Büsche, ba3 sie verschlang.

Um bic nächste Mitternacht suchte Heiner das Heidemädel am gleichen Ort. Allem sie saß nicht in der Mauerbresche, wie in ber Rächt zuvor. Enttäuscht toanbte er sich ab unb ging dirch das Jungholz in ben Wald hin em, wohin er ihr schon gestern nad)gegangen wur, ohne sie zu er­reichen. Ein Stück Weges tastete er sich durch bie Finsternis, bis er auh einen matter bellten

Samstag, 20. Mai (922

Grundlagen der Raturheillehre". Der Redner versteht unter Ra urheilver n >ren nicht bie An­wendung von bestimmten natürlichen Mitteln wie Wasser, Sand, Lehm gegen irgendeine Krankheit, sondern ein Verfahren, ben natürlichen Kamps des Körpers gegen bic Krankheit beschleunigen zu helfen. Dias tonnte selbi:vc.stänbli h durch künstliche Mebikamente geschehen. So sollte man z. B. Fieber, Entzündungen unb Eiterungen nicht bekämpfen, sonbern fördern, beim sie s'mb Het- lungserscheinungen. Die Vorgänge, die man bis­her als Krankheit bezeichnete, sinb also Het- lungSvorgänge. bie sich nmerhalb des KörperS abspielen. Der Schöpfer bes ^(aturheilversuhrens ist ein einfacherBauer namens Priesnirt, ber vor 100 Jahren lebte. Heule ist diese Rkethobe schon so verbreitet, baß selbst bic mobeme Medizin manches davon übernommen Hut, z. B. Wasc­he Handlung unb Massage. Ebenso ist auch eine große Wenge von Medikamenten, die man früher verwandte, beule nicht mehr in Gebrauch Prof. Klein hofft, baß sich Medizin unb Ratur- heilversahren in Zukunft einander mehr und mehr nähern. Dem Bortrag schloß sich eine Aussprache an. Die gelaßenen Aerzte von Dießen nahmen lebhaft Stellung zu ben Ausführungen des Referenten. Es sprachen üli iversitätS-P'ofes» sor Dr. Gotschlich unb Dr. 3 o ß. Rechts­anwalt Spohr schloß die Versammlung mit dem Wunsche, einmal einem Vertreter ber Ratur- heilmethobe Gelegenheit zu geben, sich mit den Männern ber Meb^in ausetnarBerzusetzen.

Landkreis Gießen.

Wieseck, 19. Mai Der Turnerbund Lahn-DünSberg. Mitglied deS Südwest­deutschen TurnerbundeS, feiert hier am 15., 16. unb 17. Juli verbunden mit dem 60jährigen Jubi­läum des Turnvereins Wieseck fein 15. Bun­des-Turnfest, wozu der Zuxplatz zu vergeben ist. (Siehe Anzeige.)

Steinbach, 20. Mai. Heute ftnb es 2 5 Jahre, baß der Heizer Ludwig H o s - mann von hier im städtischen Gaswerk Gießen tätig ist.

* Großen-Vuseck, 20. Mal. DaS Fest der Silbernen Hochzeit feiern morgen die Eheleute Heinrich Pfeiffer XIII., Schuhmacher- meister, unb Frau Katharine geborene Henß.

Kreis Wetzlar.

d. Wetzlar, 19. Mai. Bis zum 12. Juni will Wetzlar das L o 11 e h a u s wieder in würdigen Zustand versehen, bie Sammlungen des letzteren vervollständigen und eine umfas etdeWer 1 her - Ausstellung oeranftaLen. Da aber die Stadt allein die Mittel dazu nicht aufbringen Fann, so ergeht an alle Goethefreunde, auch an die Leser des Gießener Anzeigers die herzliche Bitte, zu jenem Ziele milzuhelfen. Die Wetzlarer Bank für Handel unb Industrie (Postscheckkonto Frank­furt 26 192), das Kellersche Bankhaus IP. S. Frankfurt 1794), bie Mittelbmtsche förcbitbanl zu Wetzlar (P. S. Frankfurt 686) unb bie Wetz­larer Sparkassen nehmen gefällige Sendungen entgegen. (Wir verweisen auf den Aus­satz in unseren heutigen Familienblättern, der un­sere Leser auf die Goethefeier in Wetzlar vorn 12.14. 0unt v^rbereiten soll. Einen Üeberblick über den geplanten Verlaus des Festes brachten wir in unserer letzten Dienstagausgabe. Die Red.)

Hessen-Nassau.

Schlüchtern, 19. Mat. Nach der Schlüchterner Zellung" ist die hiesige Mol­kerei gezwungen, demnächst ihren Betrieb einzu st eilen unb die Genossenschaft auf­zulösen. Allgemeine Milchknapphett infolge der Futternot und die hohen Fuhrkosten für das - geringe Milchquantum haben selbst bei der sparsamsten Verwaltung der Genossen­schaft einen Betriebsverlust von mo­natlich 2800 Mark, in den letzten drei Monaten also 8400 Mk. gebracht. Die anfangs Juni stattfindende Generalversammlung wird endgülttg über BetriebLeinstellung und Auf­lösung beschließen.

* Kassel, 19. Mai. 3n der Nacht zum Mittwoch versuchten Einbrecher in die katholische Kirche in der Kölner Straße einzudringen. Sie hatten bereits die Tür zur Sakristei durchbrochen, als sie von der Schutz­polizei gestört wurden. Sie entkamen im Dunkel der Nacht und ließen eine Handtasche zurück, die die modernsten Etnbrecherwerk- zeuge enthielt.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

" Das ArntSverkündigurtsisblatt Rr. 64 vorn 19. Mai enthält: Verteilung ber Ferien an den Volks- unb höheren Schulen. Amtsverkündigungsblatt. Dienst ezüge der Be­amten, Lehrer usw. Waisenbüchsengelder.

Waldpfad traf, ben er betrat. Zu beiden Seiten zogen sich die schwarzen Wänbe der Fichten bin, ab unb zu schob ein Busch seine Kulisfe m den Weg. Alle Stimmen des Waldes schließen, selbst Heiners Schritte bärnpfte ber mo.nge Boden, aus dem er ging. Plötzlich trat Lene aus dem Dunk»!. Es war als hätte sie auf ihn gepaßt, denn sie ließ ihn ruhig auf sie zukoimnen und nahm ohne Scheu die Hand, die er ihr bot Eine inn »re Sicherheit schien sich ihrer seit gestern bemächtigt zu haben. Sie sprachen nicht, faßten sich nur an der Hand und trugen ihre übervollen Herzen durch ben schweigenden Wald. Endlich bog sich der Pfad, die Bäume traten auf beiden Seiten zurück unb legten ben Plan einer Waldwiese frei, über ber schleiersein ber Hebei lag. Hoch über ben Baumteipfeln spannte sich ber glän- zenb gestirnte Rächt Himmel. Ein Reh jagte mtt federndem Sprung ins Dickicht unb entfloh, man hörte das leise Knacken bes Geholzes, das fein? Flucht begleitete.

Beide erwachten wie aus einem Traum, als sie ihre Schritte endlich hemmten. In verlegener Scheu standen sie einander gegenüber. Es drängte Heiner, das geliebte Machen In die Arme zu schließen, doch ttxxrte er es nicht. Auch ihr wir es schwer und sützbeklommen zumut. Sie war es, die zuerst das Schweigen brach.

Ich weiß alles!'' sagte sie geheimnisvoll. Wer du bist, weiß ich, unb was dich so ruhelos umhertreibt, weiß ich auch! . . . Ich hab' dich nächtens unb am Tag oft in ber Heide gesehen t"

Unb du hast dich vor mir versteckt?!" nef Heiner vorwurfsvoll.Lene, warum tatest bi bas, wenn du . . . wenn du boch alles weißt!"

< Sortierung folgt)