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Wie sollt« auch nach einem Zerflörungswerk sondergleichen die Welt geheilt werden, wenn nicht sämtliche Länder der Erde sich ixuu ent­schlichen, gemeinschaftlich Abhilfe u bringen. Durch ein universelles Opfer der Welt und der leidenden Menschheit Bann nur die leidende Welt geheilt werden. Niemals ist ein Wiederaufbau ander- gelungen, als durch Aufwendung gewalt­samer neuer Mittel. Dolche Mittel werden nickt aufgebracht, solange ein jedes Glied der Welt­wirtschaft mit wenigen Ausnahme überschuldet ist. Das erste Opfer wird somit in dem allge­meinen Abbau s Derschuldungs- Preises zu suchen «ein. Ein weiteres Opfer besteht in der gemeinsamen Ausbringung grober neuer Mittel für den Wiederausbau, sei es auf dem Wege allgemeiner und wechselseitiger Kre­dite, sei es auf anderen Wegen, deren Erörterung zu weit führen würde. Daß die Genueser Kon­ferenz zur Erörterung dieser Fragen führte, ist eine Tatsache, die in der Geschichte Europas un­vergessen bleiben wird.

Ein agileres historisches Ergebnis der Kon­ferenz erblickt die deutsche Delegation in einer Annäherung des großen, schwer bedrängten russischen Volkes an den Kreis der westlichen Nationen.

Durch manche Aussprachen hat Deutschland sich bemüht, zu einer Annäherung der beider­seitigen Gesichtspunkte beizutragen. Deutschland hofft, durch eine Fortsetzung der beiderseitigen Desprechungen das Werk des Friedens zwischen Ost und West zu fördern.

Nach dieser Rede RathenauS, die mit lang- anhaltendem stürmischem Beifall aufgenommen wurde, wurden die Beschlüsse der Wirtschafts­kommission, d. h. Punkt 2 der Tagesordnung, an­genommen.

Zu Punkt 3 der Tagesordnung ergriff Tschitscherin

das Wort, um einige Anmerkungen zu der rufsi- schon Haltung gegenüber dem Be i-Ä der Wirt- schrftskmmission zu machten. Tschitscherin bemän­gelte, dah in dem Beschluß der Kommission nichts gesagt sei über das Streik- und Vereinsrecht. Auch das Konsumwesen sei aus dem Vertrag ausge- schaltet. Den allgemeinen Eindruck der russischen Delegation über den Bericht faßt Tschitscherin da­hin zusammen, dab es dem Bericht an der nötigen durchgreifenden Mhnheit und Energie fehle, die für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft, beson­ders in der Richtung der Arbeiterschaft der Welt, unerläßlich seien. ^Mit diesen Einschränkungen nahm die russische Delegation den Bericht an.

Da Tschitscherin in seiner Rede einige per­sönliche Bemerkungen über den Präsidenten der Wcl'.wirtschaftskommission. Colrat, und Über die Haltung der Schweizer zum Achtstundentage ge­macht hatte, ergriffen Colrat und Motta das Wort zu kurzen, persönlichen Ausführungen. Hiernach wurden die Beschlüsse der Wirtschaftskommission angenommen.

Der Präsident der ersten Kommission, Schanz er, erftaitete dann Bericht über die Beschlüsse dieser Kommission bezüglich der Verweisung der Verhandlungen mit den

Russen nach dem Haag.

Als erster Redner in der. Diskussion über den Bericht der ersten Kommission ergriff der Ver­treter Hollands das Wort. Die holländische Re- gierung schätze sich glücklich, ihre Dienste für die Arbeiten im Haag zur Verfügung stellen zu können.

Sodarm entwickelte sich ein etwas unpro- grammähiger Zwischenfall, der durch die Bemerkungen des Vertreters Litauens über die Burgfrieden-Klausel herrorgerusen wurde. Unter wiederholten Unterbrechungen durch den Präsidenten de Facta, der den Redner auf die Unzulänglichkeit der Wiederausrollung der längst diskutierten und in den Kommissionen erledigten Streitfragen zwischen Litauen und Po­len hinwies, polemisierte der Vertreter Litauens gegen die polnischen Verletzungen gewisser Kon­ventionen. Der polnische Vertreter, Außenminister S k i r m u n t. beteuerte die friedfertige G e- f tnnnung gegenüber Litauen und bedauerte, dah Litauen nicht in der Lage wäre, die Klausel 6 ohne Reserven anzunehmen. De Facta erklärte dann den Zwischenfall als für beendet.

Nun wurden die Delegierten der verschiedenen Staaten, die für dieHaager Verhandlun­gen in Betracht kommen, gefragt, ob sie die Be­schlüsse der ersten Kommission über die Ver­tagung der Beratungen mit Rußland annähmen ober nicht. Als erster erklärte Tschitscherin namens der russischen Delegation, dah die rus­sische Delegation unter Aufrechterhaltung der be­reits in der Kommissionssihung geäußerten Re­serven die sechs Klauseln der Resolution an- nehme. Cs folgten bann die Annahmeerklä­rungen sämtlicher in Betracht kommender Länder, auch Frankreichs und Belgiens, B a r t h o u sprach namens Frankreichs unter Bezugnahme auf die Sonnet Resolution. Danach folgte die Annahme der Berichte der Kommission zur Prüfung der Vollmachten, gewisse Mitteilungen über die Sanitätskonferenz von Warschau, so­wie die Vorlage einer Resolution Hb er gewisse Funktionell des Internationalen Roten Kreuzes in Friedenszeiten.

Danach ergriff unter allgemeiner Spannung der gesamten Delegationen

Lloyd Georg

das Wort zu einer großen Schlußrede und füßrte folgendes aus: Wir gelangten jetzt zum Ende der bedeutungsvollsten Konferenz der Welt­geschichte.

Die Genueser Konferenz wird ein bedeutungs­voller Meilenstein auf dem Wege des Frie­dens sein.

Wir haben einen großen Friedenspakt. Be­richte und Anempfehlungen der zweiten, dritten und vierten Kommission, die alle wertvolle Rat­schläge enthalten, die, wenn sie befolgt werden, dem erschöpften Europa wieder Kraft und Ge­sundheit geben werden. Schon allein die Arbeit der dritten Kommission bietet eine ausreichende Rechtfertigung der Konferenz. Allerdings wurde diese Arbeit durch verschiedene Streitfragen überschattet. Es liegt eine wirkliche Gefahr darin, daß man sich mehr auf das Debattieren einläßt und den vitalen Teil der Arbeit übersieht. Da­durch. daß die Anempfehlungen der Kommtsfion beschlossen wurden, ist ihre Aufgabe noch nicht beendet. Als bloße DruÄachen würden sie nur die Papiergeldflut vermehren, in der wir alle ersticken. Sie müssen durch die Tat in Gold ver­wandelt werden. Jeder von uns muß bei seiner Heimkehr denen, die die Geschäfte ihres Landes

leiten, davon Kenntnis geben und hierdurch bie wirtschaftlichen Bedingungen in Europa Herstellen.

Das wirkliche ich will nicht sagen Interesse aber das wirtschaftliche aufregende Moment der Konferenz konzentriert sich auf eine andere Frage.

die Beziehungen Rußlands zur übrigen Welt und auch di« Losung, die die Welt zu geben bereit ist, um dieses verwüstete Land wiederher­zustellen und das große Elend seiner Bevölkerung zu heilen. DaS ist ein gefährliches und schwieriges Problem: es ist umgeben von einem Wall von Vorurteilen, voll von Leidenschaften. Aber schon daß diskutiert wurde, erwies den Wert der inter­nationalen Konferenzen. In diesem Zusammen­hang möchte ich eilt Wort über das r u f f l f ch e Memorandum sagen. Ich will nicht die Streitigkeiten verlängern, aber ich möchte ein warnendes Wort sagen. Ich weiß nicht, welche Wirkung das Memorandum in Rußland hatte, aber ich weiß, daß seine Wirkung äußere halb Rußlands verhängnisvoll war. Es rief eine Reaktion gegen den Wunsch nach Regelung hervor, und toemt das das letzte Wort der russischen Regierung fern sollte, so würde ich wirtlich am den Aussichten der Haager Be­ratungen verzweifeln. Ich spreche von dem Me­morandum vom 11. Mai.

Rußland braucht heute Europa. Die Welt braucht Produkte, die Rußland liefern kann, aber ohne Hilfe Der Welt tarn; Rußland sich während Generationen nicht erholen. Wenn Ruß­land Hilfe braucht, kann es sie bekommen, aber tch möchte mir noch ein freundschaftliches Wort er­lauben. ll^eirn Ruh land Hilfe erhallen will, so darf es die Gefühle, oder wollen wir es meinet wegen anders nennen, die Vorurtelle der Welt niyt verletzen. Welches sind diese Vorurteiles Das erste ist, daß wjr in Westeuropa für die ge­lieferten Waren Bezahlung erwarten; das zweite ist, daß wir erwarten, daß Geliehenes zurück­bezahlt wird: das Dritte ist, Daß wir jemand, Dem wir bereits Geld geliehen haben und der um wei­teres GelD bittet, fragen: Wollen Sie Ihre Schul­den bezahlen? Wenn er antwortet: Nein, so ist mein Grundsatz, nicht zurückz ^bezahlen und so verbietet sich für die westliche Denkungsart, diesem selbst Geld zu leihen. Diese Vorurteile find ein altes Erbteil der Menschheit, das fich nicht aus­rotten läßt. Es ist nicht zweckmäßig, zu sagen, Doißi man keine Schulden anerkennt, wenn man Kredite haben will, Es mag ganz einwandfrei fein, aber nicht diplomatisch.

Europa will helfen und Europa kann helfen, aber Rußland muß bei den Verhandlungen den Shrenkobex anerkennen,

der Jahrhunderte altes Erdteil arbeitsamer ehren­hafter Menschen ist, den selbst der russische Wirbel­sturm nicht entwurzeln kann. Wir haben Dem Frie­den versuchsweise eine Gaststätte an unseren hei­mischen Herden bereitet. Wenn der Friede sieben Monate an unseren Herdfeuern verweilt hat, so werden wir ihn nicht wieder aus dem Hause jagen. Die psychologische Wirkung dieses Paktes wird wie ein elektrischer Strom durch die Völker der Welt laufen. Dibriatlonen des Friedens gingen durch die Adern Europas. Es wird nicht toieDer dahin kommen, baß ein Volk gegen das andere die Hand erhebt. Aus dieser Konferenz erlebten wir nun ein so großes wie tiefes leidenschaftliches Sehnen, es nicht wieder zum Bruch kommen zu lassen, keinen Streit herauf zubeschwören, sondern alle, in Frie­den und Freundschaft miteinander leben zu lassen. Glauben Sie mir, der Frieden errichtet wieder eine sanfte Gewalt über die Menschenherzen. Wir haben auf dieser Konferenz durch den Patt, den wir heute angenommen haben, uns dem Szepter des Friedens in Ehrfurcht gebeugt und dem Frieden gehuldigt.

Hierauf ergriff

Darthou

das Wort und erklärte nach Worten des Dankes an die italienische Regierung: Es war eine Art vertrauensvollen Wagemutes auf die Tagesord­nung der letzten Sitzung das WortSchlußreden" zu schreiben, denn mau konnte sich fragen, ob unter diesen Reden es nicht solche geben werde, die einen Abbruch bedeuteten. Solche Reden hörten Sie nicht. Sie werden auch keine einzige Horen. Lloyd George pries mit Recht den Burgfriedens- Pakt. Vielleicht war es das Bewußtsein, daß er auf unserem Wege zu diesem Pakt kommen würde, was uns verhinderte. Worte oder Gesten zu ge­brauchen, die als aggressiv hätten erscheinen können. Wir erfüllen unsere Ausgabe, aber die gefaßten Beschlüsse wurden nichts als Worte fein, wenn die Regierungen nicht die Absicht und den Witten haben, sie zu Realitäten zu machen. Lloyd George sprach von der schwierigen delikaten Frage, die hier verhandelt wurde, von der Frage der Beziehungen Europas zu Rußland. Ich bin in einer noch schwierigeren Lage als Lloyd George. Ich fand mich zu offiziösen, langwierigen OSe- sprechungen mit der russischen Delegation bereit, um so durch einen Wittensatt die Loyalität Der französischen Regierung festzulegen. Später wur­den diese Besprechungen unterbrochen. Die Stunde ist noch nicht gekommen, um die Verantwortlich­keiten festzustellen. Barthou erwähnte die schwere Notlage des russischen Volkes und sagte, man Dürfe, wenn Menschen im Elend seien, nicht fragen, von welcher Regierung sie vertreten wur­den. In einem solchen Falle fei es Menfchen- Pflicht, zu Hilfe zu eilen. Frankreich hat die großen Dienste nicht vergessen, Die die russische Ration wahrend Dreier Jahre für Die Zivili­sation und den Fortschlritt geleistet hat. Wenn der Vorredner sagte, die Genueser Konferenz be­deute eine Etappe, so fei damit gleichzeitig ge­sagt, Daß man für einige Augenblicke Halt gemacht habe. Es komme nur daraus an, daß

alle von dem Willen zum Dorwiirisgehen beseelt seien.

Am Beginn der Sitzung hörte ich, so fuhr Darthou fort, die Rede des deutschen Außen- ministcrs Dr. Rat'henau. Ich bestreite nicht ihre Aufrichtigkeit, ich goutiere, wenn er mit diesen Ausdruck erlauben Witt, ihre Feinheit und Klugheit. Ich überbringe ihm nochmals das Wort Frank­reichs und erkläre hier vor 33 hier vereinigten Staaten, daß Frankreich, das den Krieg nicht wollte, glühend und leidenschaftlich den Frieden Witt. Europa wurde geschädigt, aber sein Gleich­gewicht und seine Gesundheit werden wieder her- i gestellt, wenn wir alle mithelfen im gleichen Ge­fühle menschlicher Solidarität, wenn wir die gleiche Loyalität haben und, um alles zu sagen, wenn» wir uns In gleicher Weise die Ordnung und Achtung vor Verträgen, das gegebene Wort und die Ehre angelegen fein lassen, und wenn totf den Frieden wollen.

Es folgen dann eine Reihe von Schlußworten der verschiedenen Delegationen, in Denen einerseits den in Genua vertretenen Nationen, andererseits der italienischen Regie­rung, dem italienischen Volke, insbesondere der Stadt Genua der Dank für die in Genua geleistete wichtige Arbeit und die bewiesene Gastfreundschaft ausgesprochen wurde. Es sprachen für Ungarn Graf Banffy , für Bulgarien S t a m Bu­lin i f i und für Japan der erste Delegierte H a Y a s h i j i. Auch Tschitscherin schloß sich namens der russischen Delegation dem Dank an Italien an, bemerkte aber, daß der Verlauf der Konferenz nicht in allen Punkten dem großen Grundsatz: Keine Sieger, keine Besiegte!, der in der Eröffnungssitzung verbündet worden sei, ent­sprochen habe. Mit Bezug auf die Aus­führungen Lloyd Georges über die Kluft zwischen Der westlichen und Der russischen Auffassung der Eigentumsbegriffe erklärte Tschitscherin, Daß diese Ausführungen das russische Volk ebenfo wenig bekehren würden, wie es die weißen Trup­pen vermocht hätten, die in Rußland verschiedent- lich eingefallen seien. Trotzdem aber halte die russische Delegation an ihrem aufrichtigen Der- söhnungswlllen fest.

Nachdem noch B r a t i a n u für Rumänien gesprochen hatte, nahm der Präsident de Facta das Wort zu einer großen zusammenfassenden Schlußrede, die in die Worte ausllang: Die geistigen und politischen Nachwirkungen der Kon­ferenz von Genua auf den Gang der Entwickelung des Lebens Der Völker werden sich mehr und mehr bemerkbar machen. Der

Geist der Universalität und der europaifchen Befriedung

wird die europäische Politik von morgen be­herrschen müssen. Mit dem Durgfriedenspatt selbst wenn er nur provisorisch und zeitweilig ist, ist aus Genua Die Friedenslosung ergangen, die ein Symbol Der glühendsten Regungen unserer Her­zen ist und nicht untergeben kann, ehe sie nicht von hen europäischen Völkern gehört ist

Schluß 1 Ahr.

Ansprache Dr. Wirths an die Journalisten.

Genua, 20. Mai. (WTB) Am Schlußtage der Konferenz von Genua ließen der Reichskanz­ler Dr. Wirth und der Minister des Aeußeren Dr. R a t h e n a u eine Einladung an alle in Genua versammelten Journalisten ergehen. Im Hause des Hauptquartiers Der Deutschen Dele­gation hielt Reichskanzler Dr. Wirth eine Be­grüßungsansprache an die italienischen Gäste: Die Konferenz blieb, wie alles Menschsnwerk. nur Stückwerk. Sie ist nur ein Torso. Der Torso von Genua ruft aber geradezu nach Ergänzung, und ich bin sicher, Da-ß alle Völker, die an der Arbeit hier teilgenommcn haben, sich Mühe geben werben, den Torso zu ergänzen, da die'große wer­bende Idee allen Völkern aus der Welt deutlich sichtbar geworden ist. Man wird an mehreren Orten arbeiten, den Gedanken der Konferenz zu verwirllichen. Im Haag werden sich Die Sach­verständigen fast aller Völker zusammenfinden. Wir müssen eines bedenken, daß sich in gewissem Sinne schon hier, was Cigentumsbegriffe angeht, zwei verschiedene Wellen getroffen haben. Auf italienischem Boden schlug man den ersten Bogen zwischen beiden Anschauungen. Das ist schon eine große Tat. Das italienische Volk, besonders die italienische Presse, erwiesen bei diesem Brückenschlag Der ganzen Welt einen großen Dienst, für den ihnen alle dankbar sein müssen. Ich glaube aber auch, daß dasdeutsche Volk, auch wenn es nicht mehr offiziell im Haag dabei ist, Europa wieder, wie hier denn wir spielten in manchen Dingen die Rolle des Vermittlers gute Dienste leisten kann. Ich bin überzeugt, Daß das Werk Rußland wieder aufzubauen, wenn alle mit gutem Willen beseelt sind, gelingen wird. Es wird gelingen. Die Völler des Westens und des Ostens einander külturell wieder zu nähern und ich glaube, Daß tot r Deutschen auf Die- sem Gebtete gut mit Italien Zusammen­arbeiten können. Ich sehe zwischen Deutsch- lanD und Italien keine Differenzen, die Anlaß geben könnten, daß wir nicht für Europa prat- tifdje Politik treiben könnten. Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren alles in Deutschland tun, um mit Italien nicht nur wirt­schaftliche Beziehungen anzuknüpfen und die be- steheitden zu erweitern, sondern wir werden sehen, das) wir einen gemeinsamen großen, wenn auch mitunter steinigen Weg für ganz Europa gehen können. Es können schwere Tage für die euro­päische Politik 'kommen, und sie werden kommen, wenn man den Geist der Genueser Konferenz verläßt. Dies tritt dann ein, wenn man glaubt, mit Schwert oder Gewalt ökonomische Fragen lösen zu können. Die ökonomische Frage und auch Die D e u t f d) e Frage lassen sich n ich. mit Gewalt lösen, sondern nur durch Ver­ständigung Der dazu berufenen Geister aller Na­tionen, Die wirtschaftlich denken können. Gelöst können Die großen finanzpolitischen und wirt­schaftlichen Fragen nur werden, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht verständigt: und ver­ständigen kann man sich nur, wen*- man sich verständigen will.

Lloyd George über die Konferenz.

London, 18. Mai. (Wolff.) Lloyd Ge­orge erklärte in einer UnterreDung mit dem Sonberberidäterflatter desDaily Expreß": Groß­britannien Dürfe, könne und werde rächt in dem großen Werke aufhören, das in Genua so erfolg­reich begonnen worden sei. London werde darin weiter gehen. Die bemerkenswerte Tatsache sei, daß Italien fest mit Großbritannien gemein­sam auf ein Ziel marschiere. Genua habe einen sehr wesentlichen Fortschritt in der Richtung einer europäischen Regelung gebracht. Die Tatsache, baß die Genueser Konferenz ihre Arbeiten in einer anher-en Gestalt fortsehe, nach den Ge­fahren, die sie überwunden habe, sei hervor- ragenbunb ermutigend: Die Erfolge der Konferenz müßten in dem Lichte der furchtbaren Schwierigkeiten, denen man gegenübergeftanben habe und die sich jeden Augenblick von neuem erhoben, beurteilt werden. Zum erstenmal in i e Geschichte sci (in wirksamer Fr jedensvakt in Osteuropa geschaffen worden. Nicht ein Stück­werk, nicht ein momentaner Schringlaube, sondern eine feierliche Vereinbarung mit der Verpflich­tung, nicht anzugreifen, die im vollen Sinne des Wortes gegenseitig sei und die nicht nur während der Beratung im Haag, sondern auch mehrere Monate nachher (Sültigrett habe. Diejenigen, die

müßten, wte näßte Die alte Welt einer Sintflut war, unD Die etwas von Dem bösen Inhalte Des osteuropäischen Pulverfasses kennten, wüßten, was es beDeule, Daß Die Explosion abgewendet und unmöglich gemacht worden sei.

Lloyd George fuhr fort:Wir haben das Knurren Der KriegshunDe verstum­men lassen. Ich glaube, Dies ist etwas, worüber man sich freuen kann. Ich glaube, Die- ist etwas, was die Leute, Die Die Konferenz zum Scheitern bringen wollten, nachdenklich stimmen müßte; denn die Konferenz rvird nun in einer anderen Gestatt Und untereinerunendlich hoffnungs­reicheren Atmosphäre weitergehen. Es ist gefährlich, Die Aussichten Der Haager Zu­sammenkunft zu prophezeien. Sie muß jedoch er­möglichen Dem Frieden em Dauerndes Denkmal zu setzen/'

Aus die Frage, welche- die Hauptschwierig- keiten gewesen seien, und was Lloyd-George in Genua zu vechindem gesucht habe, erwiderte der britische Premierminister, dies sei ein ernster Punkt, den er die ganze Zeit bereits erwogen habe. Er werde sich damit in der Vollsitzung der Konferenz und gleich nach seiner Rückkehr im ilnteri>aufe befassen. Qhif die Frage, ob sich Groß­britannien in Zukunft nicht abseits von den euro­päischen Angelegenheiten halten wolle, erwiderte Lloyd George nachdrücklich, Das sei vollkommen unmöglich, unD tatsächlich sei an eine Isolierung nicht zu denken.

Amerikas Stellung zur russischen Frage.

London, 19.Mai. (WTB.) Das Reutersch» CDureau meldet aus Washington: Die Re^ gierung der Vereinigten Staaten ist überzeugt, daß die erste wesentliche V o r b c bingung f ür den wirtschaftlichen Wiebe raufbau Rußlanbs die Los­sagung Rußlands vom Sowjetismus ist. Wenn auch die Vereinigten Staaten nicht wünschen, eine Unterfucßung durch Sachverstän­dige über Rußland zu verhindern und wenn sie auch bereit sind, sich jedem Plane, der lediglich! dem Zwecke einer solchen Untersuchung gewidmet ist, anzuschließen, so ist die Regierung von Washington doch überzeugt, daß das Ergebnis nur zeigen kann, Daß das wichtigste wirtschaftliche Hindernis für Rußlands Wiederherstellung Der Sowjetismus ist. Was Amerikas Teilnahme an der Genueser Konferenz und die Annahme der Einladung nad) dem Haag unmöglich machte, war der Umstand, daß bie Konferenz von Genua mit Verhandlungen politischen Charakters be­gonnen hat, welchen die Voraussetzung zugrunde lag, daß die Svtojetregierung von anderen Mäch­ten anerkannt werden könnte. Diese Verhandlun­gen gingen jeder erschöpfenden wirtschaftlichen Untersuchung voraus, während Amerika der An­sicht ist, baß ihnen eine solche Untersuchung hätte vrausgehen müssen.

Die Stellung her Sowjets.

Moskau, 19. Mai. (WTB.) Nach Ent­gegennahme bes Referates von Joffe über Die Konferenz von Genua hat bas allruf- f i f eße Zentral-Exkutivkomitee fol­gende Resolution angenommen: Wir begrüßen ben russisch-deutschen Vertrag vonRapalloals den einzig sichtigen Ausweg aus ben Schwierigkeiten und Dem Chaos der Kriegsgefahr. Wir erkennen als Norm für die Beziehungen Räte-Rußlands zu ben kapitalistischen Staaten nur Verträge dieser Art ax. Wir beauftragen den Rat Der Volkskommissare, und das Kommis­sariat für Aeußeres, die Politik in diesem Geiste zu führen. Wir schreiben Dem Volkskommissariat für Aeußeres unD Dem Rat Der Volkskommissare vor, Abweichungen vom Typ Des Aapallover- trages nur in solchen AusnahmefäNen zuzulassen, wenn fokße Abweichungen durch ganz besondere Vorteile für die arbeitenden ^Nassen der Räte­republik ausgeglichen werden.

Erne Brüsseler Sozialiftenkonferenz gegen däe Sauktionspolitik.

Brüssel, 19. Mai. (WTB.) Hier ver­sammelten sich die Vertreter der englischen Arbeiterpartei, Der französischen Sozialistenpartei unD Der belgischen Arbeiterpartei, Die eine Entschließung an­nahmen, welche u. a. besagt: Die Ereignisse Der internationalen Politik, zeigten toieDer einmal Europa unD Der Welt bie drohenden Gefahren. Die Unterhandlungen ztoischen Deutschland und der Reparationskommission führten zu keinem Ziele. Die Rede Poincarös in Var-le-Duc stellte die Völler unter die Drohung neuer militärischer Operationen, deren furchtbare Rückschläge nie­mand vorhersehen könne. Die Genueser Konferenz ging aufeinander, ohne daß sie große Hoffnungen ertoeckte. An vielen Zeichen im europäischen und mittleren Orient erkenne man schon eine unmittel­bare Kriegsgefahr. Auch im Abendlande bestehe dieselbe Gefahr künftiger Kriege. Die Vertreter der drei Parteien bestätigen den festen Willen des Proletariats, das sie vertreten, an der Aufrechterhaltung, Befestigung und der engen Zusammenarbeit mitzutoirken. um den Frieden sicherzustellen, der durch Ränke und Torheiten der Regierungen aufs Spiel gesetzt ist. Sie sind Jeft entschlossen, die Wiederkehr deS Krieges zu vermeiden; daher können sie mili­tärische Sanktionen nicht zulassen und verurteilen namentlich jede N^ethode ge­sonderten Vorgehens. Sie erklären, Daß Die aus der Ausführung von Verträgen sich ergebenden Schwierigkeiten gemäß Dem heutigen Richt durch ein unparteiisches Schiedsgericht geschlichtet wer­den müssen. Die drei Parteien werden unver­züglich einen Werbefeldzug für ihre Ideen ein­leiten und da sie es für unumgänglich nötig halten, daß bas organifierte Proletariat feine strenge Kontrolle über bie Arbeiten der Haager Konferenz ausübt, eine Arbeiterkonferenz in die­ser Stadt zusammenberufen. Eine neue Sitzung wird vor dem 26. Juni flattfinben

Französisches Dementi zum Fall Anspach.

Paris, 19. Mai. (WTB.) Das franzö­sische Kriegs Ministerium veröffentlicht folgendes Dementi: Die deutsche Presse macht immer noch Aufsehen von der Verhaftung des Dr. Anspach, Der gefälschte Dokumente mili­tärischer Art favriziert unD Damit gehanDelt haben soll. Sie behauptet, von Diesen Dokumenten sei wahrend der jüngsten Verhandlungen über ba£ Militärgesetz im französischen Parlament reichlich Gebrauch gemacht worden. Wir sind in der Lage, zu behaupten, Daß Die französische Regierung von keinerlei Informationen auS dieser Quelle Ge»