Ausgabe 
20.2.1922
 
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Erster Blatt (72. zahrgang montag, 20. §ci>niar 1922

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drei Eisen im Feuer.

Unser Berliner Mitarbeiter schreibt unS.

Der zu viel dementiert, dementiert nicht-, kann man mit der Variation eine- französischen Sprichworts sagen. Das Massenaufgebot von Ab­leugnungen des französisch-ruf fisch en L e ch t e l - M e ch t e l s wirkt um so verdächtiger, wenn man den gequälten Wortlaut der Dementis näher prüft. Da heißt es u. a., die französische "Regierung sei in keiner Weise mit der Sowjet» regle,ung in offizielle Derührung gekommen also doch in offiziöse. Da heißt es weiter, die ihr von der Sowjetregierung gemachten Anträge seien abgelehnt worden also ist doch verhandelt wor­den In der Tat kormte man sogar in der franzo- fischan Presse lesen, daß Skobelew in Paris mit den maßgebenden französischen Kreisen Fühlung genommen Hut; die fünf französischen Bankicrs, die nach Mo-kau gegangen sind, werden Las schwerlich zum Zweck einer Vergnügungsreise getan haben.

Wenn die französischen Zeitungen die nach­träglich geleugneten Verhandlungen trotz der kon­sequenten antirussischen Politik Frankreichs zu­nächst mit solcher Befriedigung begrüßten, so lst Las natürlich vor allem auf das schöne Plänchen zurückzuführen, wonach angeblich die russischen Do-kriegsschulden durch deutsche Lieferungen bezahlt werden sollten. Be­kanntlich verpflichtet der Art. 116 des Versailler Vertrags Deutschland, die etwa von Rußland geltend gemachten Entschädigungsforderungen an­zuerkennen. Aber einmal hat Sowjetrußland aus leicht erkennbaren politischen Gründen derartige Forderungen niemals geltend gemacht, zweitens konnte auch die kühnste Auslegung des Versailler Diktats aus dem Art. 116 nicht die Ablösung des französischen Kriegsvorschusses an Rußland auf Deutschlands Kosten herauskonstruieren, und drit­tens können die Alliierten zu einem Zeit­punkt, wo sie bereits die Rotwendigkeit eines Ab­baues der Reparationsbelastung zugegeben haben und Verhandlungen darüber eingeleitet worden sind, unmöglich daran denken, Deutschland neue Reparationen aufzuhalsen.

Offenbar hat man unterdessen in England den Haken bei Poincares Forderung nach der Anerkennung der russischen Vvrkriegsschulden er­kannt. Man ist nämlich in Moskau entschlossen, falls diese Frage aufgeworfen wird, von der Entente die Wiedergutmachung der Schäden zu fordern, die Sowjetrußland durch die Interventionspolitik erlitten hat. wobei vor allem die Entführung der sogen, freiwilligen Handelsflotte, der russischen Kriegs­schiffe im Schwarzen Meer und der Raubbau in den älrwäldern der Rordgouvernements während der englischen Okkupation in den Jahren 1918 19 in Betracht kommt. Die Sache könnte also letzten Endes darauf hinauskommen, daß nicht Deutsch­land, sondern England für die Forderung Frankreichs an Rußland auf kommen müßte, und davon wird man an der Themse nichts wissen wollen.

3m übrigen ist aus dem russischen Angebot an Frankreich ein solches liegt ja mindestens vor auch sonst klar zu erkennen, daß man auf die Uneinigkeit zwischen England unb Frankreich spekuliert, das eine gegen das andere ausspielen möchte. Schon damit man sich in Genua nicht einer Einheitsfront gegenübersieht. Während der Vollskommifsar Tschitscherin auf der Sitzung des allrussischen zentralen Exekutivkomitees bei der Wahl der Delegation für Oemia die Geneigtheit, mit England zusammenzuarbeiten, betonte und die Politik Frankreichs als Versuch, die Mo­narchie in Rußland wiederherzustellen, kennzeich­nete, hat Lenin gleichzeitig sein Angebot an Frankreich gemacht, das seine Spitze doch offen gegen England richtet, und endlich hat Radek Deutschland gewarnt, mit England gemeinsam die Ausbeutung Rußlands zu betreiben. Man ersieht aus alledem, daß man in Moskau die Methode des steile und herrsche" befolgen möchte; man will für Genua nicht nur zwei, sondern drei Eisen im Feuer haben, indem man einmal Frankreich und England gegen­einander auszuspielen und sich drittens eing Rückendeckung an Deutschland zu verschaffen sucht.

Haben doch gerade in diesen Tagen mit Un- terstuhung der deutschen Regierung Verhand­lungen zwischen den drei Vertretern derSowjetregierung Krassin, Radek und Stomanjakoff mit deutschen 3ndu- striekonsortien stattge/unden, die freilich an sich rein wirtschaftlicher Ratur sind und im Ver­folg einer schon früher eingeleiteten Aktion die Erschließung Rußlands durch deutsches Kapital und deutsche Arbeit bezwecken. Diese Besprechun­gen haben frellich noch zu keinem Abschluß ge­führt, besonders infolge der Forderung RuhlandS, einen bestimmten Betrag als Regierungsanleihe in Form von Warenlieferungen an die staatliche be­triebenen Industriezweige zu erhalten. Jedenfalls geht auch aus diesen Verhandlungen, die sich auf gutem Wege befinden, hervor, daß die Sowjet- regierung schwerlich ernstlich daran denkt, es für ein französisches Linsengericht mit seinem deut­schen Rachbarn zu verderben, ohne den der Wie­deraufbau Rußlands ein frommer Wunsch bliebe, und auf den es aus wirtschafllichen wie aus poli­tischen Gründen in Gegenwart und Zukunft an­gewiesen ist.

Paris, 19. Febr. (WTD.) 3n bezug au die angeblichen Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und Sow - jetruhland schreibt derTemps", Frank­reich habe über kein politisches Abkommen mit der Sowjetregierung verhandelt. Die Konferenz von Genua fei tatsächlich nur deshalb einberufen worden, um die Sowjetregierung den Staaten

gegenüberzustellen, die ihre Gläubiger oder Liefe­ranten seien. Das sei die Methode der Einheits­front, der Frankreich treu bleibe. Wenn Frank­reich das Programm von Genua ernstlich studie­ren solle, könne es verlangen, sich vorher mit seinen Alliierten darüber zu verständigen. Das sei notwendig, damit die Sowjetregierung ihre Partner einig ftnde und diese in den Stand gesetzt würden, die notwendigen Garantien zu verlangen, damit man mit Rußland arbeiten und an der Wiederaufrichtung des russischen Volkes mithelfen könne. Wenn man erzähle, daß Frankreich mit den Bolschewisten verhandele, ja selbst, daß es ein Geheimabkommen abgeschlossen habe, bann sage man ber französischen Regierung eine Politik nach, btc schnurstracks ber Politik entgegenstehe, die sie verfolge, unb damit füge man zur Dumm­heit die Verleumdung.

Warschau, 19. Febr. (WTD.) Die pol­nische Telcgraphenagentur meldet aus Mos­kau: Die politische Sowjetkonferenz, in ber Krassin den Vorsitz führte, bereitet bas Ma­terial für bie Genueser Konferenz vor. Die Sotvjetdelegation wirb auf der Konferenz von Genua eine Entschäbigungfürbi eF r a n k- reich währenb des Krieges gewährte Unterstützung verlangen, sowie eine Ent- schÄngung für die durch die Angriffe Iu- denitschs, Denikens, Koltschaks Wrangels und Polens verursachten Aus­gaben. Roch vor der Abreise der Sowjetdele- gation nach Genua wird Lenin des Projekt einer allgemeinen Abrüstung Ruß­lands ausarbÄten.

Eine Debatte

über die Kriegsursachen.

Paris, 19. Febr. (WTD.) 3n einem Bries an denTemps" antwortet heute Professor A u larb von der Sorbonne auf bie Aufforderung von Professor Hans Delbrück zu einer öffent­lichen Debatte über die Kriegsursachen un­ter dem Vorsitz eines neutralen Gelehrten: Die Debatte könne nicht in einem öffentlichen Redeturnier erfolgen, sondern in ber Presse. Professor Delbrück möge seine These entwickeln, unb er, Professor Aulard, werde bann entscheiben, ob er barauf antworten könne. Vorher aber wirft er zwei Fragen auf, auf bie er von Professor Del­brück eine Antwort erwartet: 1. Als Deutschland an Frankreich den Krieg erklärte, habe es als Ursache das Dombardement deutschen Gebiets durch französische Flugzeuge angeführt Das sei eine Lüge gewesen. Wenn die deutsche Regierung das Gefühl gehabt hätte, daß Frankreich zum Kriege drängte, hätte sie irgendeine wirlliche Handlung der französischen Politik angeführt. Die deutsche Regierung habe nur eine Lüge gefunden. Wie denke Professor Delbrück darüber? Wie denke er ferner darüber, daß die Reutralität Frankreichs in dem Kriege dadurch sichergestellt werden sollte, daß die Festungen Verdun unb Soul Deutschland ausgeliefert werben sollten. Dadurch habe Frankreich auf alle Fälle gezwungen werden sollen, den Krieg zu erklären. Wie denke Professor Delbrück hierüber?

Loucheur

über die amerikanische Politik.

Paris, 18. Febr. (WB.) Rach einer Havas- melbung aus Washington hat der Pariser Ver­treter der in Baltimore erscheinenden »Sun" eine Unterredung mit dem ehemaligen Minister Loucheur gehabt Loucheur habe erklärt, Frankreich könne feine Kriegsschulden weder jetzt noch jemals bezahlen; denn bie einzige Art, in der es sie abtragen könnte, wäre bie Möglichkeit, Waren nach Amerika auszuführen: aber bie Vereinigten Staaten wollten sie nicht haben. Sie verlangten Gold und hätten doch bereits das ganze Gold der Well. 3hre Re­gierung schicke sich sogar an, einen neuen Zoll­tarif auszuardeiten, der zum Teil gegen Frankreich gerichtet sei. Senator Mac E o r - mick habe behauptet, Frankreich könne feine äußeren Schulden leicht bezahlen, wenn es seine Armee einschränke. Diese Behauptung ent­spreche nicht der Wirllichkeit; denn Frankreich bezahle feine militärischen Ausgaben in feiner nationalen Währung, während es die äußere Schuld in Gold ober in Waren begleichen müsse. Die gegenwärtige Haltung Amerikas, das sein Gelb zurückfordere, entmutige bas Wieberaufbau­werk unb vergrößere bie Lasten Frankreichs.

Die Beschäftigung deutscher Arbeiter in Frankreich.

Paris, 19.>r. (WTD.) Ein Dericht- erftatter des ,3ntranfigeant" hat in der Gegend dou Reims eine EnqueteüberdieDeschäf- tigung deutscher Arbeiter angestellt. Die deutschen Materialien und bie deutschen Holz­häuser wolle jeder annehmen, lieber bie Beschäf­tigung deutscher Arbeiter fei man geteilter Wei­ßung. Das könne, sage man, nur in Ötäbten unb in kleiner Anzahl geschehen. Auf bem Lande wür­den zahllose Streitigkeiten entstehen. Die anberen aber erklärten, nur bie rote Zone könne ben beut- schen Arbeitern Vorbehalten bleiben. Der Vor­sitzende .einer Wiederaufbau-Genoffenschaft in Reims habe erklärt, das Wieberaufbaugebiet be­nötige 200- bis 250 000 Techniker. Wenn man an­nehme, daß Deutschlanb 100 000 stelle, wer werde sie bezahlen unb wie werde man sie bezahlen, in Mar? ober in Franken. 3m ersteren Falle könnten sich bie Deutschen in Frankreich nicht ernähren, und im letzteren Falle müsse Deutschlanb so viel Franken kaufen, bah ein neuer Marksturz zu er­warten fei unb damit ein Protest Englands.

Der Kabinettswechscl in Italien.

Rom, 18. Febr. (Wolfs.) Mit Rücksicht aut das Ergebnis dec gestrigen Abstimmung in _ ber Kammer beschloß das Kabinett, dem König seinen Rücktritt anzubieten. Der Rücktritt des Kabinetts wird heute in den beiden Kammern bekannt gegeben werden.

Rom, 18. Febr. (Wolff.) 3n der Kammer sagte bei der weiteren Erörterung über die Re­gierungserklärung B o n o m i vor der bereits ge­meldeten Abstimmung in Erwiderung a if die Ausführungen mehrerer Redner, jede Regier ing, wie sie auch zusammengesetzt sei, müsse sich Rechen­schaft geben über bie Rotwendigkeit, die wirt­schaftlichen 3ntercffen Italiens in Genua zu wahren. Die Teilnahme Rußlands an der Kon­ferenz könne keine Gefahren bilden, älebrigens entspreche die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland der ber Regierung vom Parlament empfohlenen Polltik.

Rom, 19. Febr. (WTD.) Die Minister- k r i f c ist einer Lösung noch nicht nähergeführt. Der König setzt seine Besprechungen mit den Parlamentariern fort. Heute vormittag empfing er Rosolli, De Ricola unb Dalondra. Rach- mittags wird er den Vizepräsidenten des Senats der Kammer, den früheren Ministerpräsidenten Orlando empfangen.

beiden Parteien müssen sich Streitigkeiten suchen (Heiterkeit); da muß die eine ein Mißtrauens­votum gegen den Reichskanzler einbringen und sie muß cs so formulieren, daß es nicht angenommen wird (Heiterkeit); sonst könnte sie ja mit der Deutschen Demostatischen Partei verwechselt wer­den und der verständige Deutsche müßte sich fra­gen, warum denn hier zwei Parteien bestehen, wenn sie beide in allen wesentlichen Fragen fach­lich einig sind. Wie furchtbar ist es, daß alle Parteien durch Kleinlichkeiten voneinander ge­trennt find.

Sie wissen, führte Petersen weiter aus, daß ich immer für eine große Koalition der Mitte eingetreten bin, nicht aus Sympathie zur Deutschen Volkspartei, sondern weil ich keine an­dere Möglichkeit sehe, den Wiederaufbau herbei- zuführsn, als durch eine große Koalition der Mitte unter Ausschaltung der Extreme von rechts unb links. Wir brauchen nicht eine Mehrheit von fünf oder 10 Stimmen, sondern im Interesse des Vater­landes die große Mehrheit der Mitte. Ich habe an und für sich nichts dagegen, daß auch die Un­abhängigen Sozialdemokraten daran teilnehmen. wenn sie die gleiche Politik verfolgen wie die Mehrheitssozialbemokraten. In ber inneren unb äußeren Politik waren die Voraussetzungen siir die große Koalition gegeben. Aber bann trat auf ein­mal die Deutsche Vollspartei mit ihren .sachlichen

qrou. einen cinpeunu^n -luuixh ux.wx.-v. ---- . - ,

terkeit > Da haben wir die Deutsche Volks-nid)t von bem abf&teden, bnr für ucrJ Partei und dieDeutscheDemokratische Pflicht halten nämlich die ^te Knolle und !>a3 Partei., bie beide auf liberalem Wirtschafts- fetzte Korn dem vaterländischen Boden, avz hoben und auf dem Boden der verfassungsmäßigen ringen." Hiernach berichtete der Vor^--.enbe des Entwicklung der Dinge im Staate fteoen. Diese' Vorstander' Lanbesällestei W evs ky, uoer 01£,

Petersen überRegierung und Reichstag".

Papst Pius XI.

Rom, 19. Febr. (Wolff.) Die Mitglieder des diplomatischen Korps im Vatiian übergaben dem Papst ihre Beglaubigungsschreiben. Der spanische Gesandte hielt als Doyen des diplo-

Papst PiuS XI.

matischen Korps eine Rede, worin er die Freude der ganzen Welt über die Wahl des Papstes ausdrückte, dessen hohe Tugenden er pries. Der Papst dankte und wies darauf hin, daß er selbst seinerzeit Doyen des diplomatischen Korps gewesen sei; er nehme mit besonderem Vertrauen Die Huldigung der Diplomaten und ihre Wünsche für das große universelle Friedenswerk entgegen.

Die Epidemiegefalir in Osteuropa.

Genf, 18. Febr. (WTB.) Wie das Dölker- bundssekretariat mitteilt, hat bie französische Regierung den Präsidenten bes Völkerbunbes Hymans ersucht, in Warschau eine europäische Konferenz zur Bekämpfungder sanitärenGe- fahren in Osteuropa einzuberufen, an ber alle Staaten, bie sich für bie Frage interessieren, burch Fachleute ihres Gesundheitswesens vertreten sein sollen. Die Konferenz hätte die Epidemien in Osteuropa und geeignete Maßnahmen zu unter­suchen, vor allem bie Frage einer sanitären Zone zu beiben Seiten ber Grenze, die Rußland unb bie ilfraine pon ben anberen europäischen Staaten trennen. Falls bie interessierten Staaten sich nicht zu gemeinsamen Bemühungen zusammen­schlössen, ist trotz aller gegenwärtigen Anstrengun- gen Polens, Rußlands, der Grenzstaaten sowie ber Epibemiekommission des Völkerbundes eine weitere Ausdehnung der Epidemiegefahr zu befürchten.

Magdeburg, 19. Febr. Der Vorsitzende der Deutschen Demokratischen Partei, Senator Dr. Petersen, sprach hier heute in einer zahlreich besuchten demokratischen Versammlung überRegierung und Reichstag". Deine Aus­führungen werben sicher weitere Erörterungen zur Folge haben. Er führte aus: Die Regierung muh, wenn sie eine feste Politik verfolgen will, eine einheitliche, von einer starken Persönlich­keit getragene Regierung fein. Darum hat sich bie Demokratische Partei bagegen verwahrt, bah in die Besetzung ber Ministerporte- feuilles immer bie Fraktionen btnebtreben. Um eine Gesundung ber Regierungsbildung her- b»izuführen, haben wir kürzlich bem Reichskanzler in persönlicher Aussprache erklärt, bah er die Führung beim Steuerkompromih sowohl als bei der Regierungsbildung in die Hand nehmen müsse, und bah ber Reichstag nur zu entscheiden habe, ob er ihm bas Vertrauen aussprechen wolle oder nicht. Dah ber Reichskanzler Herrn Dr. Rathenau zum Minister bes Aeuhern ernannte ohne ein Handeln mit den Fraktionen, war ein ungeheurer Fort­schritt im parlamentarisch-bemokratischen System. Das Problem des Reichstags heihteinheitliche Willensbildung" zwecks Unterstützung einer Re­gierung. In Deutschland sind ja nun bei dem beutf$en Charakter die Schwierigkeiten besonders grvh, einen einheitlichen Willen zu bilden. (Hei­

st euerung. _

Berlin. 18. Febr. (WTB.) Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft teilt mit: Die Hauptversammlung der Deutschen Landwirt- rchaftsgesellschaft, die die grobe Landwirtschafts- Woche am 18. Februar abschloh, wurde bei un- gemein reger Beteiligung vom Vizepräsidenten des 10 Gaues (Bayern), Reichsrat und Kämmerer Freiherrn v. T h ü n g e n eröffnet, der allen Telb neuntem für die rege Mitarbeit dankte, die stt trotz der Schwierigkeiten der Witterungsverhalt, nisse unb bem Wiberftanbe des Verkehrswegs befunbeten.Wir lassen uns", so führte er aus.

unb persönlichen Garantien" hervor, die nach der Ernennung Rathenaus zum auswärtigen Minister auch auf den Außenminister ausgedehnt wurden. Vielleicht sind dabei auch Kräfte am Werk ge­wesen, die der großen Koalition nicht forderlich fein wollen. Vielleicht ist es richtig, daß eine starke Persönlichkeit dieandere starke Persönlichkeit nicht will, und daß deshalb die Koalition scheiterte. Schließlich kam auch noch der S i s e n b a h n e r st r e i k. Das Verhalten ber Deutschen Dolkspartei läuft auf eine Demagogie won unerhörter Leich'- fertigEeit hinaus Man mag zu bem Reichs­kanzler stehen wie man will, man muh anerkennen, daß er ein starkes Aktivum in der innerem Politik bedeutet. Er erfreut sich des Vertrauens weiter Volksmassen, und das ist nicht leicht zu nehmen. Er hat auch eine auhenpolitische Rote, indem die Franzosen ihn benützen, die Wandlun­gen ihrer Politik zu decken. Wirth stürzen, heiht Poincaro Waften geben gegen Lloyd George. Glaubt jemand, dah die Sozialdemokratie für die große Koalition bereit ist, wenn Wirth und Ra- t Henau gestürzt sind? Glaubt denn die Deutsche Dolkspartei, dah sie uns beherrschen kann? Run mag sie als reuige Sünderin zu uns kommen. Die Deutsche Demokratische Partei wirb keine Veranlassung haben, jetzt ihrerseits das zu tun. was nottoenbig ist, um bie Durchführung des Koalitionsgedankens herbeizuführen. Es liegt letzt bei der Deutschen Volkspa. tei, durch verständiges sachliches Verhalten bei ber Beratung ter Steuer- fiage zu beweisen, ob sie mit ber Mitte ober gegen sie arbeiten will, ob sie mit ber Deutsch- nationalen Partei eine Rechtspolitit ober mit ben Kralilionsparteien eine Politik ber Mitte verfolgen will. Jetzt Haden w i r zunächst von ihrpersönlich? unb sachliche Garantien" zu for- Um, bat) sie bereit ist, eine berftänbige Politii durchzuführen.

Der zweite Reichslanddundtag.

Hannover, 18. Febr. (WTB.) Im Kuppel­saal ber hiesigen Stabthalle versammelten sich bie Landwirte aus bem ganzen Deutschen Reich zur Abhaltung des 2. Reichslanbb unbiages. Der Vorsihenbe bes Reichslanbbunbtages Abaeorbn. Repp gab seiner besonderen Freude über die Teilnahme ber beutsch-osterreichischen Brüder an dem Landbundtag Ausdruck. Er er­klärte, nur der nationale Machtgedanke könne das Volk aus der Rot herausführen. General­feldmarschall Hindenburg, der zu den Gästen gehörte, wurde bei seinem Erscheinen stür­misch begrüßt und gebeten, die Ehrenmitgliebschast anzunehmen. Darauf führte der Vorsitzende des Bundes ber Landwirte, Roesicke, aus, nur die Selbsthilfe könne uns retten. Die Urproduk­tion müsse gefördert, die Selbstemährung des Volkes erreicht, werden, und die Landwirtschaft könne dies leisten. Man müsse zur Friedens- Produktion unb womöglich zu einem Mehrertrag von 25 Prozent kommen. Dazu mühte die Land­wirtschaft die.Mittel in ber Planwirtschaft in völliger Selbstverwaltung aufbringen. In der ein­stimmig angenommenen Resolution heißt es denn auch, dah der Reichslandbund die Durch­führung der freien Landwirtschaft im neuen Ernte- jabr fordere. Bestände die Regierung aber auf der Fortsetzung der Reichsgetreibeaktiengesell- schaft, so sei bie Lanbwirtschaft fest entschlossen, ihr jede Lieferung zu versagen. Eine andere ein- fiimmig angenommene Entschließung wendet sch gegen die Zwangsanleihe von einer Mil­liarde Mark und verlangt unbedingt gerechte De-